Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 28 (13.4.1926)
- Date
- 1926-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0J5 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlaß W 15, Meinekeatraße 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. 4tf9>atid8a&<m11emeat• werdet) <0 der Währung der einzelnen Linder berechnet Anzeigern -V erwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.fL, Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis; S geepaitMaap&reiUezeiie 0,50 G.-M, SteUeageetieha 0.25G.-M. Anzeigenschluß 1 Oienstag and Freitag nachmittag 4 Uhr, Telephon: Bismarck 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392, Fflr Oe«t«rr0ich: PotUparktsstnaml Witn. Konto Nr. >560». F8r T»eh*choslow«kei; Postspark»M#n»fflt Prijf, Konto Nr. 59610. Ffc Pol« Portaparkuuoimt W*riehau. Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, כ״ט ניפץ. חיפ״י | xxxl Jahrg. Par Itwuimui •muht für das Jüdisch« Wollt di« Schaffung •ln«r öffantllch - r«chfllch g«slch«rlon Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.*' Die Iiar-Ahflon in DeufscNand eröffnet Sitzung des ZentralKomllees der Z.V.I.D. - Der Delegierleniag versdtoben Am Sonntag, den 11. April, fand im Qartensaal des Logenhatises in Berlin eine Sitzung des Zentralkomitees der Z. V. f. D. statt, an der außer den Mitgliedern des Landes Vorstandes zahlreiche Vertreter der wichtigsten Gruppenverbände und Ortsgruppen teilnahmen. Als Gäste wohnten der Tagung der Präsident des Aktions-Comites, Herr Leo Motzkin, Mitglieder der leitenden Körperschaften des deutsehen Landesverbandes des M i s r a c h i und des deutschen Landesverbandes des Hapoel Hazair, der Vertreterver- Sammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung und der Vorstände der Berliner Bezirksgruppen bei. Nach Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Blumenteld, begrüßte Herr Motzkin namens des Aktions-Comites der Zionistischen Organisation die Tagung. Leo Motzkin gab seiner Freude Ausdruck, daß er gerade in Deutschland, dessen Zionismus er in den Uranfängen mitgemacht hatte, die Ijar-Aktion durch eine Ansprache einlciten könne. Der Sinn dieser Aktion besteht darin, daß man Propaganda für den ״totalen Zionismus“ treibe und sich nicht mit Teilaktionen begnüge, die in den letzten Jahren auf den verschiedensten Gebieten mit großem Erfolge durchgeführt wurden. Die Ijar- Aktion soll den Beweis erbringen, daß der Zionismus in seinen Grundanschauungen unverändert geblieben sei und die einzige konsequente Antwort auf das Problem der Judenfrage darstelle. Gegenüber der sich wieder etnporrcckenden Assimilation, die sich anschicke, neue Ideologien wie die der Krimkolonisalion dem Zionismus cntgegenzustcllcn, müsse der Zionismus in seinem gesamten Ideemimfange den Massen der jüdischen Bevölkerung vorgetragen werden. 111 der letzten Zeit melden sich innerhalb der Wdtjudenhcit verschiedene An- Wärter auf die Vorrangstellung im jüdischen Volke. Die Ijar-Aktion müsse machtvoll den Beweis erbringen, daß die zionistische Bewegung, die vor einigen Jahren unbestritten als die konsequenteste Vertreterin der allgemeinen jüdischen Weltinteressen betrachtet wurde, auch zahlenmäßig ebenso wie ideell noch immer diesen Rang einit.gjtJjMC- .Pte Silrke ,der . werde. die. giolr Menge der Prazianisteft» die nicht lt» der Organisation stehen, in ihrer Haltung bestärken, und der internationalen Welt zeigen, daß der Zionismus sich mit Fug und Recht als der berufene Sachwalter der jüdischen Zukunft betrachte. Herr Lazarus Barth als Vertreter des Misrachi und Herr Dr. Marcus (Breslau) als Vertreter des Hapoel-Hazair, brachten die Entschlossenheit ihrer Fraküonsangehörigeu, die liar-Akiion in Deutschland mit allen Kräften zu fördern, zum Ausdruck. Für die deutschen Ortsgruppen gaben Dr. Apfel Berlin), Dr. Loebenstein (Leipzig), " Dr. BuchhoU Hamburg) und R.-A. Jacobsohn (Breslau) ähnliche Erklärungen ab. Sodann erstattete Herr Blume 11 teld ein ausführliches Referat über die Bedeutung der Har-Aktion für den deutschen Zionismus. Referat Biameafeid Herr Blumenfeld führte in seinem mehr als einstündigen Referate ungefähr folgendes aus: Der Monat der Organisation darf nicht so verstanden werden, daß jetzt viel von der Rückkehr zur alten Ideologie gesprochen wird; er wäre völlig zwecklos und würde uns nicht helfen, wenn er nicht den Anlaß zu einer wirklichen zionistischen Selbstbesinnung bietet Der jüdisch-nationale Gedanke war, als er zuerst von uns verkündet wurde, eine Wahrheit von morgen, die auf die besten Geister zündend wirken mußte, weil die Probleinstellung als solche neu war und erlösend wirkte. Die Judenfrage wurde damals als ein brennendes Problem empfunden. Dies ist heute anders geworden, weil als Folge unserer jahrzehntelangen Einwirkung die Problematik der Judenfrage fast allgemein akzeptiert wurde. Während unser Aspekt einst aut schärfsten Widerstand stieß, hat man sich heute damit abgefundeji, und wir sehen, daß ganz andere Kreise sich heute gleichmütig mit Teilproblemen der Judenfrage beschältigen, ohne daß jene revolutionäre Wirkung einfritt, die am Anfang da war. Es war ein naturnotwenefiger Prozeß, eine Begleiterscheinung unseres Erfolges, daß die innere Frische verloren ging, weil das unmittelbare Erlebnis zurücktrat und die Banalität des alltäglichen Gebrauchs sich entschleierte. Für uns in Deutschland, die wir die ganzen Jahre hindurch uns nach Kräften bemüht haben, zionistische Propaganda-Arbeit z.1: machen, liegt die Hauptbedeutung dieses Monats, abgescheu vielleicht von einem stärkern Tempo dieser Arbeit, in dem Versuch einer rückhaltlosen Rechenschaftsablegung gegen uns selbst. Wir werden dann erkennen, daß unsere Schwäche darin besteht, daß in der Wirklichkeit, im wirklichen Leben, der Zionismus noch nicht umstürzend gewirkt hat. Viele unserer Ortsgruppen unterscheiden sich, wenn man vom Inhalt ihrer Arbeit absieht, in ihrer Art und Führung nicht wesentlich von anderen Vereinen. Das wesentliche im Zionismus, der Antrieb der zionistische״ Ueberzeugung, ist aber nicht so sehr ein konkretes Palästinazicl, als vielmehr die Erkenntnis der unerträglichen jüdischen Lage im Galuth. Wir müssen uns durchringen zu einer wirklichen Galuthverncinung. Das aber ist nur möglich, wenn mau die Ueberzeugung hat von einer neuen Lebensordnung. Wir sind eine politische Bewegung und als solche haben wir ein Streben nach Macht, denn jede Politik ist Machtstreben; aber unsere Bewegung kann ihre Kraft nur ausüben, wenn sie nicht einrangiert werden kann ln die chauvinistisch-nationalistische Welt. Unsere Gegner haben einen ganz guten Instinkt, wenn sie, um uns zu diskreditieren, uns nationalistisch nennen. Es muß klar werden, daß dieser Vorwurf nicht zutrifft. Was die heutige Realität in Palästina betrifft, so genügt nicht mehr der Hinweis auf die wunderbare Art, wie so vieles dort geschaffen wurde, sondern heute wird die Frage aufgeworfen, was für eine Art von Realität dort besteht — w.1e sic aussieht. Auch hier ha* ,die anti/ionisfisebe Welt einen guten Instinkt bewiesen, indem sic es wagt, unsere Sache in ihre eigene Wirklichkeit herabzuziehen, das Leben in Palästina unter der Lupe der Banalität zu betrachten. Diese Angriffe können wir nur abwehren, wenn wir den Zionismus als eine Sache eigener Art empfinden und im Galuth festhalten an der Unerbittlichkeit des Ideals, das unsere Politik verbindet mit einer Sehnsucht nach neuem und besserem Leben. Die Gefahr liegt darin, daß wir in unseren eigenen Reihen uns dem Ansturm des Gemeinen, das unsere Gegner so gern zum Maßstab des Geschaffenen machen möchten, beugen. Die Erschwerung unserer Lage besteht darin, daß die Parole eines jüdischen Sonderfebens, die einst erbittert bekämpft wurde, heute in völlig naiver Weise von der jüdischen Welt übernommen und ihres hohen Sinnes beraubt wird; unter dem Drucke der antisemitischen Weltwelle hat man sich auf sieh selbst zurückgezogen und bescheinigt sich alle Tugenden im eigenen Kreise, proklamiert Gesinnungen nach außen hin, ist innerlich ohne Würde und findet sich beruhigt mit allen Abhängigkeiten ah. Wir haben die Aufgabe, diese selbstzufriedene jüdische Scheinexistenz zu entlarven und den Gedanken der sittlichen Verantwortlichkcit in unserer Selbstbestimmung, durdi die aktive Gcstalhing unseres Schicksals zur Geltung zu bringen. Der Redner schildert dann im einzelnen die erforderliche Tätigkeit auf verschiedenen Gebieten zionistischer Arbeit, unterstreicht die Bedeutung der Schekelaktion und schließt mit dem Appell an die Zionisten, sich zusammenzuschließen zu dieser Arbeit, die nur gelingen kann, wenn die führenden Menschen einen geschlossenen und verbundenen, von gleicher Leidenschaft be* seelten Kreis bilden. Die Finanzlage der Z. V. f. D. 111 geschlossener Sitzung berichtete Herr Dr. Rosenbliith namens des Präsidiums über die finanzielle Situation der Z. V. f. D. ln der Aussprache, die sich an sein Referat anschloß, wurde von den Vertretern der Ortsgruppen einmütig /tun Ausdruck gebracht, daß die zionistische Arbeit der Zentrale unter allen Umständen im bisherigen Umfange aufrecht erhalten und sogar noch weiter aus gebaut werden müsse. Die Vertreter der Ortsgruppen verpflichteten sich, überall in ihren Ortsgruppen dafür einzutreten, daß durch Erweiterung des Kreises der Zio- B||lcnste11cr»?#HiSF, durch ErhöhuM der na■ terleJEen Öürclilgbh'ittrfelfitanf und vor ׳'*tfent durch restlose und pünktliche Aufbringung der kontingentierten Beträge die finanzielle Basis der Arbeit gesichert wird. Verschiebung des Delegiertentages. ln der Aassprache über den Delegierte.ntag wurde von Herrn Jakob W o 1 f f - Frankfurt a. M., der Antrag gestellt, die Abhaltung der Tagung um einige Monate zu verschieben. Von Herrn Wolff und anderen Mitgliedern des Zentralkomitees wurde darauf hingewiesen, daß die restlose Durchführung der Ijar-Aktion in Deutschland mit ihrem Ziel, die Starke der zionistischen Bewegung vor der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt sinnfällig zu demonstrieren und ihre Basis durch Werbung neuer Mitglieder zu erweitern, darunter leiden müßte, wenn die Ortsgruppen gleichzeitig genötigt wären, die Vorbereitungen zum Delegiertentag, Wahien usw., durchzuführen. Es wurde auch betont, daß es zweckmäßig wäre, den Delegiertentag, der der zionistischen Arbeit neuen Antrieb und neue Impulse gibt, nicht unmittelbar vor den Sommermonaten, sondern zu Beginn der Winterarbeit zu veranstalten. Nachdem sich das Präsidium der Z. V. f. D. mit dem Antrag des Herrn Wolff einverstanden erklärt hatte, beschloß der Landesvorstand mit ü b e r w ä I - t i g c!1 d e r Majorität, dem Wunsche des Zetitralkomitccs entsprechend, die Abhaltung des Delegiertentag es bis zum Herbst zu verschieben. Den Schluß der Tagung bildete ein Referat des Herrn B 1 u m e n f e! d über die Stellungnahme der l. V. f. D. zu den wichtigsten Fragen der Gesamtorganisation (Kongreß-Politik, Frage der neuen Leitung, Sitz der Exekutive usw.) und die sich daran anschließende Aussprache, an der sich die Herren Licht heim und Motzkin beteiligten. Herr Blumenfeld schloß die Tagung mit einem erneuten Hinweis auf die Bedeutung der Ijar-Aktion. Die Resolution Nach Beendigung der Aussprache wurde nachsiebende Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben: ״Das Zentralkomitee der Z. V. f. D. begrüßt die Initiative der Exekutive, den Monat Ijar der Arbeit für die Zionistische Organisation zu widmen. Indem das Zentralkomitee diese Aktion für Deutschland für eröffnet erklärt, spricht es die Ueberzeugung aus, daß die Verwirklichung der realen Aufgabe des Zionismus in Palästina, die Mobilisierung von Mitteln und Kräften und die Gewinnung der Mitarbeit nicht zionistisch organisierter Kreise für Palästina nur gelingen kann, wenn die Zionistische Organisation einen gefestigten, innerlich starken, entschlossenen und zuversichtlichen Kern darstellt der die Bewegung vorwärtstreibt. Das Zentralkomitee sieht in einer rückhaltlosen Selbstprüfung der Zionisten, in der Aufrollung der Jiuleiifrage in ihrer ganzen Tiefe, in der Besinnung auf das Wesen des Zionismus als einer Totallösung der Judenfrage die Grundlagen für eine Erneuerung der Bewegung und ihrer Stoßkraft. Das Zentralkomitee fordert alle deutsehen Zionisten auf, sich mit allen Kräften in den Dienst der Ijar-Aktion zu stellen. Im Rahmen der Ijar-Aktion soll ein besonderes Augenmerk der Schekelsammlung /!!gewandt werden, damit auch in der Zahl der Sehe!; •I die wahre Stärke unserer Bewegung zum Ausdruck kommt.“ Bericht über Syrien Die permanente Mandatskommission des Völkerbundes hat nunmehr den Bericht über ihre im Februar und März in Rom abgehaltene außerordentliehe Session publiziert. Diese Tagung hatte sich bekanntlich nur mit dem syrischen Mandat zu beschäftigen und die Kommission war in einer delikaten Situation, da die Verhältnisse in Syrien im letzten Jahre keineswegs befriedigend waren und auch die Aussichten für die nächste Zukunft noch recht ungeklärt sind. Die Verschiebung der Behandlung des syrischen Mandates vom Oktober bis zum Februar hatte nicht die erhoffte Wirkung, daß die Mandatarmacht inzwischen die Ruhe im Lande werde hersteilen können. Die Mandatskommission mußte also untersuchen, inwieweit die Verwaltung der Mandatarmacht selbst die Ursache der heutigen Verwirrung darstellt. Wie in der letzten Zeit die Schwierigkeiten des Völkerbundes, die aus der Antinomie zwischen einer höheren internationalen Rechts- Ordnung und eines einzelstaatlichen Machtstrebens, das sich selbst oberstes Gesetz ist, entstehen, offenbar wurden, so zeigt sich auch in den einzelnen Organen des Völkerbundes eine ähnliche Situation. Nach dem ursprünglichen Sinn des Mandatssystems sollte die Mandatarmacht als Repräsentantin einer internationalen Verwaltung erscheinen und dementsprechend auch der internationalen Kontrolle unterliegen. Ihre Funktion war nach dieser Konzeption gewissermaßen ein Dienst, den sie der internationalen Sache leistete. In Wirklichkeit aber wissen wir״ daß die Rolle der Mandatarmacht keineswegs so selbstlos war, und in einem Stadium, wo die ursprünglichen Ideen des Völkerbundes bereits hinter machtpolitischen Erwägungen zurückgetreten waren, begann man das Völkerbundsmandat als eine verschleierte Form kolonialer Herrschaft zu betrachten. Während jedoch England es verstanden hat, diesem Zwiespalt ׳Becjtnung.zt)..tragen und, in seinen ,Maudaiflifldefo Palästina hat dabei, wie wir noch ausfihren wmlelt» eine mit anderen Mandatsländern unvergleichbare Sonder- Stellung — einen Zustand zu schaffen, der den Ursprungliehen Sinn der Mandate berücksichtigt, ist Frankreich in der Verwaltung Syriens viel unglücklicher gewesen, und wenn die Mandatskommission schon bei den englischen Mandaten in einem gewissen Maße die Für- Sprecherin der Bevölkerung gewesen ist, so kommt dies in ihrem Bericht über Syrien noch Hel deutlicher zum Ausdruck. Dabei darf allerdings auch nicht vergesesn werden, daß innerhalb des Völkerbunds und seiner Kommissionen auch ein gewisser Einfluß der Rivalität der Mächte nicht geleugnet werden kann; deutlich war dies beim Kampf um die Ratssitze in Genf. In der Mandatskommission spielen zufällig Italiener eine überragende Rolle (Vorsitzender und Generalsekretär); und obwohl sic nicht als Vertreter Italiens, sondern als gewählte Personen dort sitzen, kann doch die Tatsache, daß Italien heute keinerlei Völkerbundsmandat ausübt, für ihre Stellung von einer gewissen Bedeutung sein. Sie können viel unbefangener kritisieren. Italien will Kolonien, nicht ״Mandate“. Der neue Ton, den Mussolini in die europäische Politik gebracht hat, der unverhohlenc imperialistische Expansionsdrang, der sich nicht mehr mit allgemein ethischen Parolen umkleidet, sondern im Sinne Macchiaveils die Gewalt schon durch das Staatsinteresse geheiligt erklärt, verträgt sich wenig mit dem Gedanken einer Verwaltung kolonialer Länder im Interesse der Bevölkerung. Daß Mussolini, während er das Mittehnecr durchkreuzt, auch nach dessen Ostkiisic hinüberschielt, unterliegt keinem Zweifel. Diese Tatsache einer erhöhten Grofimäehtcrivalität im östlichen Mittelmeer schwächt aber nicht, sondern stärkt die Stellung der Mandatsmächtc; denn auch die Syrer müssen erkennen, daß sie unter den heutigen Verhältnissen ihre volle Unabhängigkeit schwerlich ohne internationale Garantie behalten können. Wenn diese internationale Garantie in der Form des Mandates erfolgt, so müßten die verantwortlichen Syrer das Mandatssystem als solches anerkennen. Auf diesen Standpunkt hat sich auch die. Mandatskommission gestellt, indem sie die positiven Seiten des Mandatssystems hervorhoh. Dies wurde erleichtert durch die Erklärung, die Frankreich durch seinen Bevollmächtigten, M. de Caix, in der Sitzung abgab. Diese wichtige und charakteristische Erklärung lautet: ״Der Gedanke, welche!■, wenn auch nicht die ganz׳ Ausübung des Mandats, so doch alle Bemühungen zu seine! Organisation geleitet hat, ist folgender: das Mandat ist ein provisorisches' Regime, das den Zweck hat, den bislie! politisch noch unmündigen Völkern die Fälligkeit zu gehen eines Tages zu voller’ Selbstregierung zu gelangen. Dies setzt voraus, daß die Mandatarmacht schrittweise im Mandaisgebiet Körperschaften der Eingeborenen schafft, die ln ihrem vollendeten Stadium imstande sind, die Regierung des Landes völlig zu übernehmen, so daß, falls sic ihre Pflichten richtig 'erfüllen, die Dienste der Mandatarmacht