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Jüdische Rundschau · 1926-04-09 · Heft 26-27 (9.4.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 26-27 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,35 Goldmark jüdische Rundschau Redaktion and Verlag W 15, MeinekestraOe 10. Eracheint {•den Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Aaslftjadsabo&acmcaU w«rdeo m der Währung der eiaiebcn Ubsdftr berechnet Nummer 26/27 I Berlin, 9. IV. 1926 Anzeigen -V erwaltung Jüdische Rundschau G.m-b.H., Berlin Wi5, Meinekestr, 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. An*ftig«aprei»t 8ge*p»itNrmpiJtn1c*«Ü« 0,50 G^M. StcllengeM1ebeO,25G.׳M. AnceigenidbJiiflt D i •o 11» g und Freitag n «eb m i i t a g 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165—70» Postacheckkonto; Berlin Nt, 17392* Für Oesterreich; Postsparkassenaai Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tschechoslowakei 1 Postsparkassen amt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Po]an! Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redak tionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה ניב^תרפ״ו | xxxi.Jahrg. Der Zionismus erstrebt für «las jOdische Walk Oie Sctieffuna einer Öffentlich * rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm." Frankreich und Palästina Joaveiel in Jerusalem . Der Oberkommissär für Syrien, de Jouvcnel, weilte vom 29. März bis 3. Aprd als Gast des Oberkommissärs Lord Plurner in J e r *1 s a 1 e m. Nach Jouvenels Abreise wurde von offizieller französischer Srife folgende Note ausgegeben: ״Die Obcrkommissarc von Palästina und Syrien haben die Maßregeln beraten, die zu einer raschen Regelung der scliwcbciidtn Fragen führen können und die Organisation regelmäßiger Beziehungen über die Frage der Mandatsgebiete. Sie sind zu einem vollen 1: i 11 v e r n e h m t n darüber gelangt, daß eine enge Verbindung zwischen den Vertretern der Mandatsgebiete große Vorteile böte, und haben das System direkter Beziehungen zwischen den Oberkommissaren im einzelnen vereinbart.“ In einem Gespräch mit dem Vertreter der Pai. Tcl.-Ag־. erklärte de Jouvencl vor seiner Rückreise nach Beirut folgendes: Das Ziel meines Aufenthalts in Palästina war, die Methoden der Zusammenarbeit der Oberkommissare der Mandatsterritorien Palästina und Syrien zu bestimmen und ein System gegenseitiger Information über die laufenden Ereignisse in beiden Ländern festzusetzen. Bezuglieh der Grenzen zwischen Palästina und Syrien wurden keine neuen Fragen diskutiert, die Erörterungen betrafen die über die nördliche und östliche Grenze Palästinas und Transjordaniens bereits init Syrien getroffenen Arrangemtnts. Fragen militärischen Charakters wurden nicht besprochen, cs war auch nicht von gegenseitigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Drusenaufstand in Syrien die Rede. Erklärungen Briands und Eerriot* Das Schreiben des Premierministers Br i and an die Gesellschaft ״F r a n c e- P a 1 e s t i!1 c“ aus Anlaß ihrer ersten öffentlichen Versammlung lautet: Sicher ist cs wünschenswert, daß die Juden wissen, sic können in Palästina Zuflucht finden vor der Verfolgung, der sie oft begegnen; ein nationales Heim, in welchem steh ihre Erinnerungen und ihre Hoffnungen erfüllen. Das haben wir schon in San Rcmo gesagt. Wir haben auch gesagt -- ist es wirklich notwendig, das zu wiederholen? daß wir cs nicht verstehen würden, wenn die Juden Palästina in einen jüdischen Staat zum Nachteil der Eingeborenen ausgestalten würden oder wenn sie heute oder später den Christen und Mohammedanern des Landes die Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte verweigern würden, die die Friedensvertrage den Juden selbst in jenen Ländern garantieren, in denen sic früher derselben beraubt waren. Das Nationalheim ist Arznei — wenn auch noch unvollkommen, aber sehr notwendig — gegen ein Uebel, das geheilt werden könnte, wenn Staaten keine Unterschiede machen würden zwischen ihren jüdischen und ihren nichtjüdischen Bürgern und wenn die Juden selbst Bereitschaft zeigten, sich als Bürger der Staaten, in denen sie leben, zu betrachten; wenn die Lehren der Sitzung der großen Sanhedrin zu Paris 1807 überall verstanden werden würden und wenn die Welt sich die Formel des Kaisers Napoleon zu eigen machen würde: ״Ich wünsche, die Juden fänden ihr Jerusalem in Frankreich.“ Die demokratischen Nationen können Sie nur loben für Ihren Versuch zur Verwirklichung dieses edlen Experiments und wünschen Ihnen zu dem bereits erreichten Erfolg Glück. Durch den bald beginnenden Bau der Eisenbahnliinic Haifa—Beirut, setzte Herr de Jouvcnel fort, wird eine bedeutende Verbesserung des Verkehrs zwischen Syrien und Palästina Platz greifen. Französisches, englisches und ägyptisches Kapital wird in dieses Unternehmen investiert. Herr de Jouvencl beschloß das Interview mit dem Ausdruck seiner Bewunderung für das vf| Zionisten in Patlina vollbrachte Aufbauwerk. Frankreich, so versicherte de« Die ״Jewish Times“ berichtet aus Jerusalem, daß de Jouvencl anläßlich seiner Anwesenheit in Palästina in einem Gespräche mit einem Vertreter einer a b i s c h e n Zeitung diesem geragt hätte, Palästina mÄfP sich glücklich schätzen, eine so große jüdische Bevölkerung zu beherbergen, denn die Juden verwandeln das Land aus einer Wüste in ein Paradies. Herr Jouvencl soll Professor Weizmann eingeladen haben, nach Beirut zu• kommen, um dort mit ihm Besprechungen über zionistische Fragen abzuhalten. Anläßlich der Anwesenheit Jouvencls veranstalteten die palästinensischen Araber einen Proteststreik, um ihre Sympathien mit den Syrern zum Ausdruck zu bringen. Nach einem Bericht der ״Times“ schien der Streik der gelungenste zu sein, der je von den Arabern veranstaltet wurde, doch sei dieser Eindruck wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß die luden infolge des Pessachfestes die Läden geschlossen hatten. * Am 31. März, abends, faijd, wie die Pal. Tel.-Ag. mitteilt, eine Zusammenkunft zwischen Dr. Weizmann und Jouvencl statt. Die Kämpfe in Syrien Nach einem amtlichen Gommunique haben die französisehen Truppen in zwei Kolonnen erneut die Generaloffensive gegen die Drusen begonnen. Es handelt sich in erster Linie darum, das Gebiet des südlichen Libanons von den Aufständischen zu säubern, und die Stadt Kuneitra zu befreien. Beide Kolonnen hatten, wie das Gommunique mittcilt, bereits heftige Kämpfe zu bestehen. * Jerusalem, 0. April. (J. T. A) Im Laufe der im südliehen Libanon begonnenen französischen Offensive haben die Franzosen das Beduinendorf Chcudoar in der Nähe van Al-Chule, das schon auf palästinensischem T c r r i torium liegt, mit Bomben belegt. Viele Dorfbewohner wurden verwundet, eine Frau wurde getötet. Zahlreiche vermindete Drusen und Beduinen wurden nach der jüdischen Kolonie Metullah gebracht.* Ein Teil von ihnen wurde von dort nach Safed transportiert und im Hadassah-Krankenhaus untergebracht. Berechtigt ist Ihr Wunsch, daß die französischen Juden, die in Frankreich ihr Jerusalem gefunden haben, und mit ihnen die übrigen Franzosen jene Kinder Israels, denen dieses Schicksal nicht zuteil geworden ist, in ihrem Bestreben unterstützen, in das alte Jerusalem zurückzukehren. Mögen diese schwerbetroffenen Pilger, geleitet von ihrem neuen Ideal, sieh — sobald sie für ihre irrenden Seelen bei ihrer Arbeit als Menschen und Bürger behandelt hat. Herr Louis C a n e t vom Ministerium des Aeußercn, der das Schreiben Briands in der Versammlung vorgelesen bat, fügte hinzu: Der Zionismus verdient die Sy 111־ patliic und die Unterstützung der Franzosen, Juden wie Nichtjuden, sowie die Unter- Stützung der Regierung Frankreichs. Nachdem der Deputierte und ehemalige Minister Justin Godart eine Begrüßung des Präsidenten der französischen Republik, Doumcrgue, überbracht hatte, wurde ein Schreiben des Kammerpräsidenten Herriot verlesen, in welchem es u. a. heißt: Ich hätte gern persönlich meine Gefühle der Freude ausgedrückt, die mich beseelen, wenn ich daran denke, mit welcher Energie ein ganzes Volk und seine ganze Jugend kämpft, um die besten Früchte der Freiheit, welche Europa diesem Volk unter dem englischen Mandat anvertraut, zu genießen. Es ist undenkbar und unmöglich, daß Frankreich gleichgültig bliebe gegenüber dein, was die Kinder der Zer- Streuung in dem erwachenden Lande schaffen. Es wäre ungerecht und unbegründet, wenn die in Frankreich geborenen Juden nicht die ersten wären, die in diesem Kampfe ihrer Brüder offenherzige Brüderlichkeit liefern wollten. Ich sage das als Deputierter und Präsident der französischen Kammer. Zum Schluß erklärte Herriot Frankreichs Bereitschaft, der jungen Jerusalemer Universität an den Toren des Orients Patronanz und Förderung angedeihen zu lassen. Painleve und de Monzie in einer zionistischen Versammlung Anläßlich des ersten Jahrestages der Gründung der Hebräischen Universität in Jerusalem fand in Paris eine große Versammlung statt, in der Nahum Sokolow referiertc. Unter den Gästen befanden sich der frühere Iranzösische Ministerpräsident Painleve und der Minister de Monzie. Sokolow benützte ihre Anwesenheit, um ihnen Diplome der Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds zu überreichen. Painleve und de M o n z i e dankten für die ihnen erwiesene Ehrung und erklärten, daß sie sich glücklich schätzen, im Namen Frankreichs die zionistischen Bestrebungen zu unterstützen. Am Schlüsse der Versammlung wurden Hatikwah und die Marseillaise gcsungen. Sehoenaich in Jerisile■ Aus Jerusalem wird berichtet: Auf Anregung deutscher Templer sprach jüngst Generalmajor a. D. v. Sehoenaich in Jerusalem in gut besuchter öffentlicher Versammlung über Pazifismus. In der Aussprache unterstrichen der Vorsteher der Templergemeinde, du Rabbiner und ein freier jüdischer Scliriftsteller seine hauptsächlich historische, biologische und Wirtschaft- Hebe Erklärung des Pazifismus noch nach der sittlich-religiösen Seite. Scboepaichs Anregung, an der Stätte, die drei Bekenntnlssen für heilig gilt, in den! Lande, das seit Jahrtausenden die Brücke zwischen Nord und Süd und Ost und West bildet, eine überparteiliche und konfessionelle Welffriedensorganisation zu schaffen, fiel auf fruchtbaren Boden. Zionistische und nichtzionistische Juden, Protesianten und Katholiken, christliche und mohammedanische Araber und persische Bahai haben sich für die Ausführung zur Verfügung gestellt. Die nie 1 sie A.-C.-Slt1ung Vom Londoner Zion. Büro Wird mitgeteilt, daß die dritte Sitzung des vom 14. Zionistcn-Kongrcß gewählten Aktions- Gomites, die am 18. April d. J. in Jerusalem hätte beginnen sollen, für Ende Juli d. J. verschoben wurde. Die A.-C- Tagung wird zu diesem Zeitpunkt in Jerusalem statt* finden. Die Tagung wurde verschoben, damit auch den amerikanischcn A.-C.-Miigliedern die Möglichkeit geboten wird, rechtzeitig nach Palästina zu kommen. Zum zweiten Halbjahr Mit den Pcssachfeiertagen ist der erste Abschnitt des zionistischen Arbeitsjahres beendet. Sieben Monate sind seit dem Kongreß verflossen. Wir haben jetzt mit längeren Arbeitsperioden /« rechnen als früher, wo fast jedes Vierteljahr eine Sitzung des A.-C. stattfand. Die für den April geplante Sitzung mußte, was vorauszusehen war, abgesagt werden. Es hat beinahe sechs Jahre gedauert, bevor in den zionistischen Kreisen verstanden wurde, daß die Verhältnisse in der Bewegung sich gcändert haben und daß wir beute eine A.-C.-Sitzung ohne Beteiligung der Amerikaner nicht abhalten können. Amerika aber hat das Budget zu sichern und kann jetzt nicht kommen. So hat sich praktisch die Veränderung vollzogen, daß die A.-C.-Sitzung an die Stelle der Jahreskonteren?, getreten ist. Sie wird im Sommer des kongreßlosen Jahres zusammentreten und u. a. das Budget für das nächste Jahr festzusetzen haben. Gewiß ist es zu bedauern, daß wir nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt eine Sitzung des A.-C. haben können, die die brennenden Fragen der Bewegung löst; mit einer Schein- Sitzung aber wäre uns nicht gedient, und eine wirkliche Lösung erscheint aus vielen Gründen in diesem Augenblick höchst unwahrscheinlich. Der Kongreß hat im wesentlichen zwei wichtige Beschlüsse gefaßt, deren Durchführung die folgende Zeit erheischte. Der eine Beschluß war die Festsetzung eines gegen das Vorjahr ziemlich vergrößerten Budgets, womit die Aufgabe verbunden war, die entsprechenden Summen im Wege des Keren Hajessod aufzubringen. Der zweite Beschluß war die Annahme der amerikanischen Formel bezüglich der Erweiterung der Jewish Agency und der Auftrag an die Exekutive, die Konstituierung der erweiterten Agency mit Beschleunigung in die Wege zu leiten. Der Schauplatz der Durchführung beider Aktionen ist nach Lage der Verhältnisse Amerika. Djp peiforliclte Verarmung ItjrQpas. hatte f|jr Wohlstand des polnischen und deutschen juäehtuill'Irt[ Ende der Inflationszeit bewirkte, daß auch Europa sich' in starkem Maße am Aufbau Palästinas beteiligte — ist doch fast das ganze Kapital der sogenannten Privat- Initiative aus Polen gekommen —, so hat der im Gefolge der Deflationskrise eingetretene Zusammenbruch nicht nur diese Hilfsquellen Palästinas zum Versiegen gebracht, sondern, was vielleicht noch wichtiger ist, die primitive philanthropische Hilfe für die ruinierten Teile des Ostjudentums wieder in den Vordergrund des öffentliehen jüdischen Interesses gerückt. Damit ist natürlich auch eine Schwächung des Palästina-Interesses bei jenen Kreisen verbunden gewesen, die nicht aus nationalen, sondern aus sentimentalen und philanthropischen Motiven dem palästinensischen Aufbauwerk, das nach der scheinbaren Beseitigung der Hilfe heischenden Kriegsleiden das zentrale jüdische Werk geblieben war, ihre Sympathien zuwandten. Als vor drei Jahren das Joint Distribution Committee seine Tätigkeit eingestellt hatte, mußte Palästina geradezu als ein Ausweg für die nach Betatigung drängenden jüdischen Kräfte erscheinen. Die Wiederauflcbung des Joint mußte nun in einem gewissen Sinn eine Schädigung Palästinas mit sich bringen. Wir dürfen aber nicht so ungerecht sein, dies allein auf das Konto der Böswilligkeit einer Person oder einzelner jüdischer Schichten zu schreiben, sondern es ist ein durch die objektive Sachlage begründetes Uebel. Denn die Lage der Juden in Rußland und Polen ist wirklich furchtbar und erfordert Hilfe. Auch die besten Zionisten z. B. in Polen können sich dieser dringenden Forderung des jüdischen Lebens nicht entziehen und sie sind es, die selbst den Appell an Amerika, d. 11. an das Joint, aufgenommen haben. Es werden sogar Vorschläge laut, auch in Polen eine Umschichtung der Bevölkerung durch Uebergang gewisser Teile zur Landwirtschaft mit Hilfe des Joint zu versuchen. Nicht durch zionistische und auch nicht durch antizionistische Schuld, sondern durch die traurigen Tatsachen hat cs sich ergeben, daß der Joint wieder ein großes Feld der Betätigung in Osteuropa gefunden hat, und es ist wahrscheinlich, daß dies in der nächsten Zeit so bleiben wird. Es hat sich gezeigt, daß jene zionistische Theorie, die davon ausging, daß die matcrieile jüdische Not die stärkste zionistische Triebkraft darstellt, falsch war. Die materielle Not der Juden zieht vielmehr Kräfte vom Aufbau Palästinas ab. Nur ein gekraftigf.es, von momentanen Existenzsorgen befreites Judentum kann mit Erfolg Palästina anfbauen. Nicht die materielle, sondern die politische und moralische Not treibt uns zum Aufbau der nationalen Heimstätte. Wieder hat sich gezeigt, daß Achad Haam recht behalten hat. Denn Palästina kann heute die materielle Judenfrage in größerem Umfang nicht losen. Es mag eine Zeit kommen, wo dies der Fall sein wird, nachdem der Aufbau eines lebensfähigen Organismus durch die Pionierarbeit der

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