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Jüdische Rundschau · 1926-03-12 · Heft 20 (12.3.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 20 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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% Seite 150 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Siegfried W01B Das i»t die Qual der Menschen, die au sieh selbst /erbrechen: daß sie ihr Leben nicht atisschöpfen können; daß sie ihre Seele zerschneiden müssen, und daß die beiden halben Leben, in die sie sich zerteilen, doch kein ganzes, volles Leben mehr sind. Andere verfallen in dem Ringen zwischen Alltag und Geheimnis, ganz dem Tage, dem Beruf, dem Akfensfauh, der ihr Symbol wird; andere, . leichteren Sinnes, werfen sich lodernd in den Taumel ihrer Leidenschaft, vergessen und überwinden Pflicht und Familie, ihr Gestern und ihr Morgen; diese aber, die Feinen, die Zarten, können sieh nicht entscheiden, in weichen der beiden Provinzen ihrer Seele sie sich endgültig niederlasscn sollen. Wer, der Menschen menschlich und nicht nach deni Maßstab verlogeuer Bücher mißt, wagt cs, solche ,,schwach“ zu schelten; wer unter uns, den ersten Stein auf sic zu werfen? Al tadin et chawercha ad sehetagia limkomo. Zerbrach auch Siegfried Wollt' seine Flügel an den harten Kanten des Raumes? Welche Tragik überwölbt dieser Grabhügel? Keiner weiß es, auch der freund ergründet nicht die Geheimnisse des Freundes. Wir wissen nur um sein Leben, um sein Menschliches, um sein Jüdisches. Wir danken ihrn, daß er, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, uns zuletzt noch die ״S 0 n c i 11 o - O c s c 1! s c h a f t der Freunde des jüdischen Buches“ geschenkt hat, eine kulturelle Groß״ tat und Wohltat, die seine Erdgebundenheit überdauern wird. Seine Liebe zum Buch — das war die Liebe des Juden zum Buch — das war die Liebe des Juden zum Geiste. So wollen wir seine Tage in treuer Erinnerung halten. Sucher Zaddik liwracha. b. k. Ai die Schriftsteller, Künstler, Gelehrten und an die gesamte jüdische Intelligenz allerorts! Die jüdischen Schriftsteller und Künster in Erez Israel, die sich zu der zweiten Zusammenkunft auf dem Boden des Keren K a j c nt e t h in Kiriath Anawim in der Nähe Jerusalems am 1. Adar 56S6 versammelt haben, haben der1#Bericht über die Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael im vorigen Jahre und über den Arbeitsplan für die Zukunft, den der Vorsitzende des KKL. erstattet hat, gehört und anerkennen die große Wirkung, die die Aktion des Schriftsteller- und Künstlertages für die Erlösung des Bodens 1m Jahre 5686 gehabt hat. Die zweite Versammlung der Schriftsteller und Künstler In Ercz Israel sendet ihre Genossen, den Schriftstellern und Künstlern im Galuth, brüderliche Grüße, Dank für das Vergangene und Wünsche des Gdingens für die Zukunft. Sie proklamiert den Lag b’Öiner als den ,.Tag der Schriftsteiler Künstler und Intellektuellen für die Geu lat h Haarcz“ au allen Orten, wo Juden wohnen. In jedem Jahre sollen alle: Intellektuellen des jüdischen Volkes einen Arbeitstag dem Keren Kajemeth widmen. Alle, die der Kultur unseres Volkes nahe stehen, die Schriftsteller, Künstler und Männer der Wissenschaft, die Lehrer und alle Intellektuellen, mögen an diesem Tage in Wort und Tat mithelfen an der Grundlage für das Volk und für das Leben des Volkes, an der Arbeit für die Geulath Maare/, an der Arbeit für den Keren Kajemeth Lejisrael. Rosch Chodcsch Adar 56S6. J. Ahadi, Ach ad Haarn, Sch. J. Agnon, G. Agronsky, A. Almaliach, S. AnocJii, Raw A. Assaf (Dozent an der Hebr. Universität), M. Awi-Schaul, Ascher Barasch, Mina Barschi, Sch. Baß, M. Beilinson, M. Ben Eliescr, Rabbi Benjamin, A. S. Ben Jischai, S. Ben-Towim, Sch. Ben-Zion, Hugo Bergmann, Ch. N. Bialik, A. M. Borochow, Dr. A, Brawer, Reubcn Braim'11, J. Burla, F. Dagan, A. G. Druianow, B. Dünabürg, Sch. Eisenstadt, Elischewa, Engel, E. M. Epstein, Salman Epstein, Pessach, Ginsburg■, Dr. M. Glickson, M. Gnessin (Leiter des Hebr. Theaters), Dr. Golack (Dozent an der Hcbr. Universität), J. Goldsmith, Golenkin (Leiter der Hebr. Oper), Sch. L. Gordon, J. Grasowski, U. Z. Grünberg, M. Gur Aricb, Morderhai Ben Hilcl Hacohcn, M. Halewi (Leiter des Kunstheims ״Obel"), Halewi (Maler), David Yellin, Dr. A. Sch. Juris. A. A. Kabak, .4. Kahanc, Al. Karmoii, J. Kami, KarnicI, B. Kazcnclnson, Chajim Kazenelnson, S. Kaspi-Silberzweig, D. Kimclii, Prof. Josef Klausner, David Kohn, Dr. Hans Kohn, S. Kotier, M. M abaseh an, Dr. A. Malul, A. Melnikow (Bildhauer), Sch. Petruschki, Nahama Pochitsdhewski, Dr. M. Sagorodsky, Sampter, A. J. Schachrai, Raw A. Schapiro, Dr. Schiinanowitz, Abraham Schlonsky, Prof. Dr. Schur, Sch. Schwarz, Dr. Segal (Dozent an der Hebr. Universität), K. L. Silman, M. Siko, Smilianski, A. Solodar, M. Stawski, Elieser Steinmann, Sch. Streit, Ch. L. Suta, Prof. Weinberg, J. I. Wolmann, J. Wilkansky, M. Wolmann-Schrczik, Dr. A. Zifroni. Benzion Zuckermann (Maler), Dr. Isaak Epstein. Tagung des Bayerischen Landesverbandes Am 21. und 22. Februar 1926 fand in Augsburg die vierte I aguiig des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden statt. Der Präsident des 'Rates, Oberlaudcsgciichtsrat Dr. Neumeyer, München, erstattete den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Zuwendungen an leistungsschwachen Gemeinden und für Wohllahrtszwcckc hätten die im Jahre 1024 um zirka 100 000 M. übertroffen. Für Beihüten au leistungsschwache Gemeinden seien mild 110000 Al. gewährt worden, darunter 120 000 Al. zur Ergänzung der Gehältcr für Rabbiner, Lehrer und andere Kultusbeamten. Im neuen Etatsjahr seien vorgesehen: für die Gemeinden 160 000 Mark, für charitativc und kulturelle Zwecke 100000 Al. Als Einnahmequelle kämen neben dem Staatszuschuß von 60000 Al. nur die Umlagen aus den Steuern in Frage, die, wie im Vorjahr, mit 3"'.> zur Eiiihcbung gelangen sollen. Dem Verbände gehören nunmehr abgesehen von zwei kleinen Gemeinden samtflehe 377 Gemeinden des Landes an. Die Volkszählung des letzten Jahres habe ergeben, daß die jüdische Bevölkerung in Bayern seit 1010 um über 10 Q z u r ii c k g e ga n g e n sei, während die allgemeine Bevölkerung um 7 °,'o zugenommeu habe. Gegenüber annähernd 55000 luden im Jahre 1010 weise die letzte Zählung nur mehr 40100 aus. Diese Erscheinung sei darum so bedrohlich, weil sie nicht auf größere Sterb- Uciikeit, sondern auf Geburtenrückgang zurückzuführen sei. ln den Verhandlungen berichtete Dr. Horn mel, Schweinfurt, über die Besprechungen, die Anfang Januar in München wegen der Gründung eines R e i c 11 s v e r b a 11 d e s stattfanden und die zur Bildung eines mit den Vorarbeiten betrauten Ausschusses führten. Die Vertreter aller Parteien erklärten ihr volles Einverständnis mit der Stellungnahme des Rates unter der Voraussetzung, daß eine besondere Tteichsumlage nicht ein- Geführt werde, sondern die für den Reichsverband erfordereben Mittel durch Beiträge der Landcsorganisationen aufgebracht würden. Hierauf wurde der Entwurf einer endgültigen Verfassung des Verbandes zur Beratung gestellt. Die vorläufige Verfassung, wie »ie von der verfassunggebenden Versammlung vom 20. und 21. April 1920 festgesetzt wurde, erfuhr nur in zwei Punkten eine Aenderung: einmal wurde unter Festhaltung einer fünfjährigen Ausschlußfrist für Ausländer diesen die Wahlberechtigung und die Wählbarkeit für die Tagmig gewährt und der Besitz der Reichsangchörigkcit lediglich für die Wählbarkeit zum Rat vorgesehen, der als Stcuerverbandsvertretung nach dem religionsgesellschaftlichen Steuergesetz ohnedies aus Reichsangehörigen bestehen muß. Die zweite Aenderung bestellt darin, daß an stelle des bisherigen Wahlvertahrens, nach welchem aut 300 Stimmen ein Abgeordneter kommt, die Wahl einer bestimmten Anzahl von Abgeordneten — 76 — getreten ist. Der Entwurf, über den Dr. Ncumeycr Bericht erstattete, fand die einmütige Zu- Stimmung aller Anwesenden, so daß nunmehr die verfassuugsmäliige Grundlage gesichert ist. Am Nachmittag wurde die Beamtcuordnmig beraten. Grundlage der Beamtenordnung ist der Satz der Verfassung, daß die Beamten der Kultusgemeinde öffentliche Beamte sind. Hierdurch ist die Stellung der Rabbiner, Lehrer. Kantoren usw. fest Umrissen und ihre Existenz sichergestcllt. Die Stellung der Rabbiner gegenüber den Beamten und Gemeinden wurde einer alle Teile befriedigenden Lösung zugeführt. Der Entwurf fand die einstimmige Annahme der Versammlung. Pallstina-Amf Berlin S t a tistik vom Fcbi : u a r 1926. Männer Fraimn Kinder insgep, aus ' Pßaticblti. Pnrchwand. Touristen 15 10 — 25 25 — Kapitalisten 4 2 — (1 4 2 Zertifikate 12 5 19 IS 1 Anforderungen 2 4 — 6 4 2 Rückwanderer 5 3 7 13 7 8 38 24 9 71 53 13 Berufsstatistik der Zertifikate aus Deutsch- 1 a n d. Männer Landwirte ungelernte Arbeiter Polsterer Seifensieder Frauen Landarbeiterin Kindergärtnerin 1 Sekretärin Buchhalterin 1 Chauffeur Schlosser 1 1 4 Bauu. Maschincn-ing . 1 Zimmermann 1 Männer 11 Verleger 1 Frauen 4 Schriftsteller 1 Ehefrau 1 Handelsvertreter 1 Kinder 2 Ü insges. 18 Benutzte R e i s e w e g e. I. KL n. Kl. m. KI. Itt »11*. Kl, Zw. D. h ,*יייג»; Triest 3 6 נ) 2 18 35!Marseille 2 2 2 — 15 21 Neapel 2 . ז — -״ 3 Genua - 3 6 — — 9 Konstanza — 2 — —. — 2 Unbekannt — — — i 7 13 15 2 33 71 Vergleichende Statistik der Reisenden aus Deutschland. Februar 1923, 1924, 1925. Februar 1923 1924 1925 1926 Touristen 4 25 63 25 Kapitalisten — 5 14 4 Zertifikate 34 4 19 18 Anforderungen 1 9 10 4 Rückwanderer 8 10 10 7 47 46 1T8 58 Durchwanderer 47 56 61 13 Gesamtabfertigung 94 102 179 71 Gesamtabfertigung. Jan. Fcbr. 23 Jan. Febr. 24 Jan./Febr. 25 Jan./Febr, 26 18S 203 293 121 Die Statistik des Palästina-Amtes für Februar zeigt ein im ganzen ähnliches Bild wie die im Januar. Im einzelnen ist zu bemerken, daß die Zahl der Touristen gegenüber dem Januar beträchtlich, zirka um das Vierfache, gestiegen ist. Dagegen ist die Zahl der Zertifikatsempfänger gesunken. Dieses beruht auf der bewußt geführten Einwandcrungspolitik, da das Palästina-Amt bestrebt ist, den größten Strom der Zertifikatsempfänger erst im März und April äbfahren zu lassen. Die Zahl der Rückwanderer und Anforderungen sowie der Durclnvandercr hat etwas zugenommen. Gegenüber dem Monat Februar in früheren Jahren zeigt sich besonders stark die Achnlichkeit mit dem Monat Januar. Die Gesamtfrequenz ist noch geringer als im Jahre 1923, jedoch ist die Differenz, die damals fast 50 0,״ ausmachte, nicht mehr so groß. Es macht sich eine langsame Beiebtmg in der Auswanderungsbewegung wieder bemerkbar, die sich insbesondere auf die Touristik bezieht. Die Zahf der Touristik im Februar 1926 ist war erheblich kleiner als im Jahre 1925. Jedoch ist die Differenz nicht so groß wie im Januar, insbesondere ist die Zahl der Touristen im Februar 1926 genau so groß wie im Februar 1921, während im Januar das Verhältnis von 1 zu 4 war. GemeiBsaae Sammelaktionen Die drei jüdischen Zentralverbände, die aut verschiedenen Gebieten sozialer Hilfe tätig sind, nämlich der Verband für Gesundheitsschutz der Juden ,,OSE“, der Verband der Ge- Seilschaften für Förderung von Handwerk und Ackerbau unter den Juden ״ORT“ und der Verband für jüdische Emigration ,,EMlüDlREKT“ haben sich zum Zwecke gemeinsamer Sammelaktion zusatrnnengeschlosseti. Die Kampagne wird geplant sowohl in den Ländern Europas, als auch in den Landern Amerikas (mit Ausnahme der vereinigten Staaten), Australiens, usw. In Berlin wurde zwecks Leitung der Kampagne eia vereinigtes Komitee aus Vertretern der drei Verbände auf paritätischer Grundlage gebildet. Das Komitee eröftnetc ein spezielles Propagandaburo. Es wird auch Material über die Lage des osteuropäischen Judentums gesammelt werden Zcolralbiir• des deutsche! Misrseki Das Zentralbüro des deutschen Misracbi, das aut dem letzten Dclegiertentag im November 1925 sein Amt nur auf Widerruf übernommen hatte, entschloß sich in der Zentralkomitee-Sitzung am 7. Alärz 1925 zugunsten eines Konzentraiionsbüros zu demissionieren. Dieses wird die Geschäfte interimistisch bis zum Dclegiertentag der Z. V. f. D. im Mai dieses Jahres führen, wo dann eine endgültige Regelung der Leitung berbeigeführt werden soll. Die politische Linie bleibt unverändert. Das Zenträibiiro setzt sich nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Dr. Wolfsberg (Vorsitzender), Rabb. Dr. Arthur Levv, Edmund Lewy, Dr. Alfred Lehmann, S. Chononowitz. Der Danziger Oberrabbiiicr Dr. Raphael Joseph Kaelter ist dieser Tage in St. Blasien, wo er zur Kur weilte, im; Alter von 52 Jahren gestorben. Nr. 20 Der hebräische Montessori•Klndergirleii Nord-Wes Aus Kreisen des Eltcrnkomitees Nord-West wird uns I geschrieben: I Für Zionisten, die nicht imstande sind, ihren Kindern I eine wahrhaft jüdische Erziehung zu geben, ihnen aber alt I d;c Konflikte der eigenen Jugendzeit ersparen und die Gefahr I einer Abkehr vom Zionismus vermeiden wollen, gibt es nu! I e i n c n erfolgvcrsprJdieiideu Weg; Die hebräische Er- I Ziehung schon vor der Schulzeit. Und zwar muß die Er- Ziehung zur hebräischen Sprache auf eine solche Art er• reicht werden, daß das Kind aut eine organische, ihm] angemessene Weise in die Sprache eiiidringt. Zur Erreichung dieses Zieles erscheint die Montessori-Methode als geeignet Aus diesen Erwägungen heraus setzten sich im Herbst des Jahres 1925 einige Eltern mit einer hebräischen Kindergärtnenn, die die Montessori-Methode beherrscht, in Verbindung. Wir veranstalteten einige Zusammenkünfte mit interessierten Eltern, in denen die Leiterin des Kindergartens die Montessori-Methode, die den meisten nur undeutlich oder ga! nicht _ bekannt war, und ihre Absichten in bezug auf das Eindringen des Kindes in die hebräische Sprache erläuterte, I Hier zeigte sich nun sofort der wesentliche Unterschied, der zwischen den bestehenden und unserem ueugegründeten Kindergarten bestand. Während in den anderen Kindergärten den Kindern Liede! und bpielc bcigebracht wurden, deren Sinn und Inhalt und deren Begriffe sie noch nicht voll erfaßt hatten, dachten wir sofort nur an eine organische Entwicklung. So wie die von uns übernommene Methode der Maria Montessori, die das Kind zu einem selbständigen freien Wesen erziehen will, das sich in der ihm angepaßten Umgebung betätigen kann, ohne durch die Dimension der Gegenstände gehemmt zu sein, so sollten die Kinder in die hebräische spräche htneinwachscn, wie jedes Kind in seine Mutter- Sprache liineinwächst. Dem Kinde werden nur solche Dinge hebräisch benannt, die es sehen, fühlen oder schmecken kann, von denen es also zugleich mit der Benennung auch den Begriff des Gegenstandes sich zu eigen macht. Die Kinder, die sich jetzt vier Monate in diesem Kindergarten befinden, benennen einen Teil ihrer Glieder und Körperteile hebräisch, ihre Eßgerätc, Spielsachen, alle Termine beim An- und Ausziehen, ihre Spiele im Kindergarten usw. hebräisch. Ucberhaupt sind sic nicht imstande, über ihr Leben im Kindergarten ohne Benutzung hebräischer Worte zu berichten; und alle Worte und ״Begriffe sind vollkommen in ihrem Besitz. Die größeren Jungen (5—6 Jahre) sind bereits imstande, bis hundert und darüber zu zählen. Sie plappern die Zahlen aber nicht einfach nach, sondern mit Hilfe des genial ׳ausgedachtcn Materials haben sie den Begriff von dem Größenuntcrschicd dieser Zahlen. Im Montessori- Material befinden sich Stangen in verschiedenen Längen mit abwechselnd blau und rot gestrichenen Feldern. Ein rotes Feld gibt den Begriff 1, ein rotes und ein blaues Feld den Begriff 2, usw. bis 10., Legt man min dem Kinde die Zahl שבעה vor, so bringt 'is ohne sich zu besinnen die Stange, die seinem Begriff 'von der Größe 8 entspricht. Es soll hier nicht im einzelnen auf die Methode der Maria Montessori eingegangen werden, was zuviel Raum beanspruchen würde. Sollte ein Bericht hierüber gewünscht werden, so können wir ihn beschaffen. Wir möchten nur darauf hinweisen, daß uns gerade diese Methode, mit dem Ziele, die im Kinde_ schlummernden Kräfte sich in Ruhe und in einer dem kindlichen Geiste, den kindlichen Sinnen und Fähigkeiten entsprechenden Umgebung entwickeln zu lassen und das Kind in seinem Selbständigkeitstriebe nicht zu behindern, sondern im Gegenteil ihn zu entwickeln und im Kinde im Spiele die Möglichkeit zu eigener Arbeit zu geben, für unsere jüdischen Kinder besonders geeignet erscheint. Wir möchten nun noch darauf hinweisen, wie wir versuchen, jüdisches Leben um diese Kinder zu verbreiten. Abgesehen davon, daß die Leiterin mit den Kindern nur hebräisch spricht und nur in seltensten Fälicn etwas übersetzt, werden kleine hebräische Lieder gesungen, in denen nur solche Worte Vorkommen, deren Begriffe die Kinder vollkommen verstehen und die dem Leben und der Umgebung der Kinder entnommen sind. Die Melodien sind auch einfach, zum Teil chassidisch, so daß die Kinder bloß durch die Persönlichkeit der Leiterin, die allerdings ihrer Arbeit mit großer Hingabe und außerordentlichem Verständnis obliegt, und durch die Sprache zu Juden erzogen werden. Außerdem werden natürlich die Feste benutzt, um jüdisches Leben zu leben. Clianukkah war im Leben der Kinder ein unerhörtes Ereignis. Acht Tage iang war jeder Tag ein besonderer Feiertag. Die Kinder sangen ein ihnen verstandliches ChanukkahSed, jeden Tag wurden Lichtchen angeziindei und am letzten Tage wurde eine kleine einfache Feier mit bunten Tüten, in denen ein bißchen Zuckerwerk war Usw. veranstaltet, von der die Kinder mit leuchtenden Augen nach Hause gingen. Wir glauben auch, daß durch das Hebraisieren der Kinder die Eltern ein anderes Verhältnis zur hebräischen Sprache bekommen. Die Eltern, die der Sprache bereits nahe waren, lernen gerade die Begriffe des täglichen Lebens, die ihnen fehlen und benutzen sie stärker im Verkehr mit den Kindern, und die anderen Eltern werden der Sprache sehr viel näher gebracht und interessieren sich dafür. ■j Ungefähr alle sechs Wochen veranstalten wir einen Elternabend, auf dem die Leiterin versucht, den Eltern die Methode unserer Arbeit klar zu machen, Fragen zu beantworten, eventuell entstehende Mißverständnisse zu klären und auf dem die organisatorischen und finanziellen Angelegenhcifen besprochen werden. Wir haben mit diesen Elternabenden die besten Erfahrungen gemacht. Es wird dadurch der so notwendige Konnex zwischen Elternhaus und Kindergarten geschaffen, ohne den eine fruchtbare Arbeit nicht möglich ist. Wir haben noch' weitgehende Pläne in bezug auf die Ausgestaltung unseres Kindergartens zu einem hebräischen Mon tessori- Kinderhaus. Insbesondere möchten wir es unbemittelten Eltern ermöglichen, ihre Kinder zu uns zu schicken. Aber leider haben wir zurzeit schon um die Erhaltung und Fortführung des Bestehenden zu kämpfen; wir hoffen aber doch in absehbarer Zeit auch unsere weitergehenden Pläne verwirklichen zu können. Der Wert eines solchen hebräischen Kinderhauses steht außer Frage. Durch die Erziehung im Kindergarten bilden diese Kinder ein wertvolles Material für die jüdische Schule. Es werden Menschen erstehen, die ein natürliches Verhältnis zur Sprache bekommen; in einein Alter, In dem andere Probleme und Aufgaben an den Menschen herantreten, werden sie nicht mit der Erlernung der Sprache belastet sein, sondern können sich bereits der Sprache bedienen, um in das Leben Erez-!sraeis sich hincinzufindcu. E. B. Anmeldungen für diesen Kindergarten werden entgegen״ genommen bei Erna Bartfeld, Berlin NW, Paulstr. 27. Die Aufführung von Leo ßoguljuboffs Komödie ״Der große Sabbath“ ist bis auf weiteres verschoben worden. Wie es scheint auf firmier, denn der Autor, der in diesem Falle zugleich den Unternehmer war, hatte zu wenig Ge'nl ■zur Verfügung und hat schließlich sein Werk im Stich ge■ lassen.

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