Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 19 (9.3.1926)
- Date
- 1926-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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18 Nr 10 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 14! muß!( wichtig Mieden' härtere Igliede!!1 Hab ck der!) tu u n g >er die it einer ׳ Rede• rte, er jelange thränk ge des s nicht owenig Frage, ־ Weg Eugen Eugen Vater : habe gegen m den ses in c in - Jcsoortet gung s aber iclit in :utigen mutige rs und H. In Bruno annten rr Dr. :11 von men- Hände in bellungs- :11. rr Ab- I de* : dann Stimmn g e -! b: rt des Ms za Linie g und II und e reli- :nturas ardene uchen, itssinn rbeit.“ itrages 0 insr. vor r die intcritzung d an e neueingewood, halten legen• wartig 1er in 1 der jrenzi von vollrhraen des vor- : Abiterten Landn Beetwas kutive fauptnach idutig, nach t aus iwege , daß istand owohl rstänhalb d geechen nord־ :plant, mrken Die amerikanische Situation Von Louis Lipsky. Herr Louis Lipsky hat vor seiner Abreise von London nach Amerika einen umfassenden Aufsatz geschrieben, in dem er es unternimmt, dem europäischen Zionismus die Lage in Amerika zu erklären. Der Aufsatz erschien am 21. Februar im englischen Zentralorgan ״The New Judaea“ (London), allerdings ohne Nennung des Namens des Verfassers. Wir hatten die Absicht, diesen Aufsatz ungern Lesern mitzuteilen, haben jedoch Wert darauf gelegt, dem Aufsatz durch Nennung des Namens des Verfassers das ihm gebührende Gewicht zu geben. Nunmehr erhalten wir Nr. 8 des amerikanisch-zionistischen Organs ״The New Palestinc“, worin der Artikel unter dem Namen Lipsky erscheint mit der Bemerkung, daß der Artikel im wesentlichen für Europa bestimmt sei und darum in ״The New Judaea'* und in der ,Jüdischen Rundschau" erscheinen soll. Selbstverständlich kommen wir mit Vergnügen diesem Wunsche Mr. Lipskys nach und bringen hier den Artikel in wörtlicher Ueberse'tzung, wenn auch mit einigen unwesentlichen Kürzungen zum Abdruck. — Red. Genau so wie es für die amerikanischen Zionisten schwer lat, die wechselnden Stimmungen der europäischen Zionisten, ihre sonderbare Verstrickung in Dialektik, ihr hartnäckiges Festhalten an gewissen Formen zu verstehen, so werden die europäischen Zionisten die Zickzack-Politik nicht begreiten als die ihnen die zionistische Tätigkeit in Amerika erscheint. Wenn man nicht einsieht, daß die amerikanischen Zionisten in einem Kampfe begriffen sind, der den ganz eigenartigen amerikanischen Verhältnissen entspricht, so wird man zu dem Schluß kommen, daß alles, was hier geschieht, der Logik, der Konsequenz und der Würze der allein echten zionistischen Philosophie entbehrt. Wenn man in Europa von einem Zvonistcnkongreß zurückkommt, ist cs gar nicht besonders wichtig, was für eine ״Presse" der Kongreß hatte, ja, die Diskussion, die ein sensationeller Kongreß hervomm, scheint sogar Vorteile zu bringen. Vt.e scharf die Diskussion auch sein mag, sie hilft der Propaganda. Bei uns dagegen hat ein schlechter Kongreß gar keine guten Seiten. Eine allgemeine Erörterung seiner Mangelhaftigkeit bringt uns nur den Spott zum Schaden. Was der Kongreß hervorbringt, müssen wir notwendigerweise verteldigen, denn der Kongreß ist das lebendige Symbol unserer Sache, und Selbstkritik und schöpferische Propaganda vertragen sich nicht miteinander. Daher brauchen wir in der Regel nach dem Kongreß eine Menge Zeit, um einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, die er uns schafft. Wie kunstvoll man es nun auch darstellen mag, so muß zu-?eben werden, daß der Wiener Kongreß entschieden hoffagslos schlecht war. Er war trübe wie ein böser Traum. war ein Kongreß voller Kämpfe und Zuckungen. Wir > rabschiedeten uns von Wien mit der Erinnerung der letzten ar Stunden schrecklicher Ungewißheit, mit aem heiseren :schrei der Hakenkreuzier in den Ohren, überzeugt, daß besser gewesen wäre, wenn gar kein Kongreß stattfunden hatte, Und als wir nach Amerika zurückkamen, hatten wir nicht ir den üblichen Katzenjammer, sondern zu unserem Elend m der Anblick der aufgehenden Sonne der russischen Kolonition, die in unserer Abwesenheit nichtzionistische Freunde 1 > den Vordergrund des amerikanisch-jüdischen Lebens ge- ־ hoben hatten. Wir wurden sogleich in einen Metnungsreit gerissen, in eine Rivalität der Interessen, und mußten t der׳ wldpgea Frage Stellung nehmen: was soll mit .^s־K1imWeft®itl«rpytaAe#f:t<':.־sr־»s4• *Äy ׳־?׳ב.*.•■. } ■■ * Der Vorschlag, mit der Sowjetregierung bei der Aniedhing russischer Juden auf dem Lande zusammenzuarbeiten, zurde in Europa meh; als üblich diskutiert. Die Methode rt recht wohl bekannt. Man beginnt natürlich mit einer ,Weltanschauung'״, Man betrachtet den neuen Vorschlag m Uchte von Prinzipien und Theorien. Man übt sein kri* isches Talent an den festgestelltcn Tatsachen. Man wägt ind mißt, und dann zieht man den Schluß, daß der Antrag *ntweder angenommen oder abgelehnt werden soll. Und #enn er in der Theorie angenommen wird, muß man einen Vorschlag ausarbeiten, was getan wird. Ist man einer der gewissenhaften Denker, die eine Abneigung gegen apodik- Bschc Urteile haben, so kann man auch zu einem Entweder-Oder kommen, einer unentschiedenen oder bedingten Folgerung, aber Stellung muß man nehmen! Bei uns unwissenden Amerikanern mußte die praktische und unmittelbar wirksame Seite des Krimvorschlages an erster Stelle stehen. Man erlaubt uns nicht, unsere Stellung mit derselben Muße auszuarbeiten, die in Europa zur Verfügung steht Wenn wir uns die Freiheit nehmen, abzuwägen und zu messen, werden wir immer sogleich durch einen Druck gestört, dem zu wehren wir kein moralisches Recht haben und der aus Palästina kommt Wenn man bei einem Kongreß über das Palästinabudget spricht, übersieht man gewöhnlich die Tatsache, daß in der Zionistischen Organisation nur zwei Faktoren tatsächlich Budgetsorgen haben, nämlich die Zionistische Exekutive und, in sehr großem Ausmaß, die Zionisten von Amerika. Keine andere Gruppe von Zionisten, keine andere Partei oder Fraktion nimmt Klar eine gemein- Same Verantwortung für das Palästinabudget auf sich. Wir haben dies für die letzten drei Jahre tun müssen. Ob es uns recht Ist oder nicht, ob es cush recht ist oder nicht, der größte Teil des Budgets für den Aufbau Palästinas durch den Keren Hajessod oder durch andere Institutionen muß von den amerikanischen Zionisten kommen. Daraus folgt, das alles was wir tun (unsere Propagandapläne, unsere innere Organisation, unsere Haltung zu diesem oaer jenem Problem), im voraus durch die dringende Forderung des Palästinabudgets bestimmt sind, daß wir unter allen Zionisten klar und ohne Vorbehalte als unsere primäre Verpflichtung auf uns nehmen. Daher mußte der Krimvorschlag von seiner praktischen Seite her beurteilt werden und dazu gehörte natürlich auch seine Beziehung zu unseren Zusagen oetreffend die Jewish Agency. Denn wer hätte die Krimfrage ins Rollen gebracht? Marshall und seine Freunde, auf deren Mitarbeit in Palistina wir seit zwei Jahren gewartet hatten. Mit merkwürdigem Eifer und Eigensinn bemächtigte sich diese Gruppe der russischen Kolonisation, als wäre sie ein Heiligtum. Wir hatten es zuwege gebracht, Palästina anscheinend eine unbestrittene Hegemonie auf dem amerikanischen Boden zu sichern. Alte Gegensätze schienen sich rasch zu verflüchtigen. Ea war eine Situation voller Möglichkeiten. Wie bei allen gesellschaftlichen Bewegungen in Amerika ist das dndrucksvolle Wort von äußerster Wichtigkeit, das Wort, das die Phantasie fesselt und zur Leistung zwingt. Wir waren auf dem Wege, das richtige Wort zu finden. Instinktiv empfand man die Krim als eine Bedrohung der Vorherrschaft des Palästina-Ideals. Die Abweisung dieser Ckfahr mußte mit Takt geschehen. Zunächst, um nicht die Freundschaft mit der Marshall-Gruppe zu stören, zweitens, um einen Zusammenstoß mit jenen zu vermeiden, die ehrlicberweise in der Krim eine wirkliche Hilksaktion zum Wohle jüdischen Lebens sehen konnten. Wenn man sich aber nicht dagegen stellte, so bedeutete das, daß die Krim in unseren Programm einen Platz erhielt, und die Krim war das Gefäß, das das Gift einschloß. Ern Wort für das Krimprojekt hätte die Kräfte des Zionismus zerstört und das Palästinabudget in Frage gestellt. Es wr.r besonders schwer, das Problem richtig zu fasten. Die Situation war nicht eindeutig. Die Propaganda des Joint ging geradeaus und blies zum Angriff; die Führer des Joint gaben beruhigende Zu■ Sicherungen. Dazu wurden wir von der zionintischcn Ocffentlichkeit Europas gequält, die geneigt zu sein schien, die Frage rein vom philosophischen Gesichtspunkt 11׳׳ behandeln. Das Aktions-Coinite fällte eine pompöse juristische tut- Scheidung. Jeder zionistische Journalist muüte doch seine Haltung zu der Frage erklären und alle diese Acußerimgen kamen herüber nach den Vereinigten Staaten, mehrten die Propaganda zugunsten der Krim und warfen uns Knüppel ״or die Füße. Diese Meinungen und diese Verwirrungen wurden 1!! unseren Diskussionen und Beschlüssen widergcspicgelt. Wir müssen euch merkwürdig beschränkt er schienen sein. Waren eure Argumente nicht überzeugend? Aber wir legten;!"es Gewicht auf jene Erwägung, die euch überhaupt nicht zu interessieren schien. Wir hatten die einzige produktive Front der zionistischen Bewegung vor allen Eventualitäten zu schützen und wir wollten uns nicht in irgendeine formelle Diskussion oder Debatte über die Philosophie des Zionismus, mochte sie noch so interessant oder lehrreich sein, cinlasscn. Bei der amerikanisch-jüdischen 1 iillskonfcmiz in Philadelphia am 13. September 1925 waren wir durch eine sehr starke Delegation vertreten. Wir hätten die Krim für immer von der Landkarte wischen können, aber wir wollten die Uebereinkunft mit Marshall und seinen Freunden nicht brechen und hielten uns also zurück. Eine Kompromitlrcsolution ging durch. Die Krim wurde formell in die zweite Reihe genickt und der Vorrang Palästina zugesichert. Aber die Resolution von Philadelphia brachte keine wesentliche Acnderung der Lage mit sich. Es gab wiederum Herausforderungen, die ausgereicht hätten, um den Konflikt in allen! Ernst ausbrechen zu lassen. In diesem Dilemma, müde des Schwankens zwischen Ja und Nein, zwischen Zustimmung und Ablehnung, entschlossen wir uns, unsere Position dadurch zu verteidigen, daß wir zunächst unsere Kräfte zusaniineiischlosscn und eine Vereinigung aller Palästinasammlungen schufen. Das zuletzt geprägte Wort lautete; ״Wir lassen die Krim links liegen und kgcu den Nachdruck auf die Forderungen Palästinas und auf die Verantwortung der Zionisten." Wir nahmen den Keren Hajessod, den Jüdischen Nationalfonds, die Hadassah sowie die übrigen Hilfsfonds, von denen jeder darauf bedacht war, sich selbst zu retten, schlossen sie im ״Vereinigten Palästina-Appell" zusammen und machten eine einzige Aktion möglich. Und um die Arbeit auf ein Höchstmaß zu steigern, luden wir alle zionistischen Gruppen ein, ihre Delegierten zu einer Palästina-Konferenz in Baltimore am 29. November zu senden., Aus dieser positiven Einstellung entwickelte sich eine der interessantesten Demonstrationen der wirksamen Kraft PSlästinas. Die Zionisten, die seit ein paar ,Monaten wie betiiubt gewesen waren, waren elektrisiert. Da wir die ganze Bühne mit Palästina füllten, wurde die Krim in einen dunklen Winkel geschoben. Die Zeitungen, die die Krim recht gedankenlos zunächst hlngenommen hatten, drängten sich jetzt, uns zu helfen. Juden, die niemals Interesse für Palästina gehabt hatten, trafen jetzt ihre Entscheidung für uns und gegen die Krim, In einer Anzahl von Städten konnte die Krimparole nicht einmal ein« Versammlung zusammenbringen. Wir richteten unseren Appell nicht nur an die Zionisten, sondem anW־erfi«t -'Pillitinrtmerkannt hatten. Zum *Teil wirkte bei dem Konflikt auch das tiefe Vorurteil gegen Jede Verbindung mit der Sowjetregierung. Es zeigte sich, daß man dem Volk die Krim aufgedrängt hotte, ohne vorher eine entsprechende Diskussion zu ermöglichen. Die Bewegung, die die Zionisten erdrücken sollte, mußte jetzt selbst nach Raum, nach Atem ringen. Aber der Streit, wenn auch ein direkter offener Zusammenstoß vermieden wurde, bedrohte doch indirekt die Einigkeit Im amerikanischen Judentum, die in den letzten Jahren erzielt worden war. Es entstanden Mißstimmungen, Mißverständnisse häuften sich, persönliche Begegnungen' in der Arbeit draußen ließen sich nicht vermeiden, die Interessen stießen zusammen. Um eine soziale Katastrophe zu vermeiden, die für uns wahrscheinlich unerwünschter war als für irgendein anderes Element im amerikanisch-jüdischen Leben, versuchte man durch Vermittlung die zerstörte Harmonie von neuem herzustellen. Es wurden Besprechungen mit Marshall gehalten, der sich bereit erklärte, zur Konferenz nach Baltimore zu kommen, um die Zionisten seines beberr« sehenden Interesses für Palästina zu versichern und zu versuchen, einen Ausweg zu finden. Schon früher harte der amerikanisch-jüdische Kongreß Mr. Marshall auf gefordert, klipp und klar zu sagen, was das Joint Distribution Committee für die Krim una was es für allgemeine Hilfsarbeit zu leisten gedenke und welche Haltung es Palästina gegenüber einnahm. Darauf erklärte Mr. Marshali, die Hilfsfonds seien überhaupt nicht für Palästina bestimmt, es wäre denn, daß dort Hilfsarbeit geleistet werden müßte, und es wäre unmöglich, im voraus ein Budget aufzustellen. Ein paar Tage vor der Konferenz von Baltimore wurde aber auf Vorschlag von Marshall selbst ein unverbindliches Budget veröffentlicht, dem zu entnehmen war, daß statt 9 Millionen Dollar nur 4>/s Millionen Dollar für russische Kolonisationszwecke gewidmet werden sollten. Das Ueberraschende bei der Sache war die Zuweisung von 1 (4 Millionen Dollar für Investitionen in Palästina. Unter dem Eindruck dieser erzwungenen Haltung des Joint Distribution Committee kam Marshall zu der Konferenz von Baitimore. 1500 zionistische Delegierte waren anwesend, sie brannten darauf zu hören, was Marshall zu sagen hatte, nicht über die Krim, auch nicht über das Hiliswerk und die früheren Leistungen des Joint Distribution Committee, sondern über Palästina, und was Marshall und seine Freunde datür zu tun gedachten. Der Versuch, Marshall für einen Friedensvertrag zu gewinnen, blieb erfolglos. Mit stärkerer Entschlossenheit als früher kamen die dort versammelten Zionisten nach Hause, bereit, ihre eigene Arbeit weiter zu führen. Tatsächlich sagten sie: Wir sind verantwortlich iür Palästina, das Joint Distribution Committee ist verantwortlich für die Kolonisationsarbeit. Wenn es seine Zusage an die Krim halten muß, dann ist das seine Angelegenheit, nicht die unsere. Wir anerkennen nur eine dauernde und höhere Verpflichtung, das ist die Verpflichtung für Palästina. * Die Arbeit nach Baltimore war gewaltig. Der Vereinigte Palästinaappell unter Führung von Dr. Wise organisierte seine Aktionen mit Schwung und Begeisterung. Ueberall zeigte es sich, daß die Arbeiter, früher gleichgültig und pessimistisch, eifrig, aktiv und hoffnungsvoll waren. Der Durchschnitt der Beiträge wurde verdoppelt und verdreifacht. Für jede praktische Aktion hatte das russische Kolonisationsprojekt seine Kraft eingebüßt. Man machte einen Versuch, das Interesse auf Polen umzulenken, doch er kam zu spät. Und so verzeichnen wir die Tatsache, daß zum erstenmal in der Geschichte des Zionismus Palästina das Gleichgewicht mit anderen Be wegungen in Amerika hielt und, statt in zweiter Reihe zu stellen, als die beherrschende Bewegung des jüdischen Lebens croporstieg. Und die amerikanischen Zionisten, die der sogenannten nichtzionistischen Weit organisiert gegenübertratet), landen sich nach kurzem Kampfe zum ersteiima! im Besitz unbestrittener Führung. Mau sagt, daß die amerikanischen Zionisten ihre Ansicht über die J c w i s 11 A g c n c y geändert hätten. Es ist ungenau und irreführend, das so aufzufassen. Was wahr ist, fit folgendes. Die Reaktion der nichtzionistischen Gruppen in Amerika auf den Krim-Zwischenfall enthüllte einen Mangel in unsercni Urteil über den Charakter ihres Interesses an Pa* liistina. Es hätte ebensogut Kuba oder Argentinien sein können, zufällig war es die'Krim. Eine Gruppe von Menschen höhnt Ansehens hatte Versprechungen gegeben, durch die Jewish Agency an der Umbildung Palästinas zu einem jüdisehen _ nationalen Heim mitzuarbeiten. In bezug auf da■ Maß ihrer finanziellen Mitwirkung hatte man keine Bedin* gungen gestellt. Man verließ sich vor allem aut die Ehrlichkeit und die Reinheit der Absicht. Die Zusagen dieser Männer konnten vertrauensvoll aufgenonimen werden, sie hatten sie in aller Form feierlich kundgegeben. Inzwischen hatte sich die Lage sowohl im Gallith als auch in Palästina geändert. In Palästina begann die Er- Weiterung der Arbeitsbasis, mich weitergehende Forderungen an die Zionistische Organisation zu stellen. Andererseits wurde die Hilfe der europäischen Judenheit infolge der Krisis in Polen und anderen mitteleuropäischen Ländern in Frage gestellt, wodurch den amerikanischen Juden die Verpflichtung zufiel, einen unvermeidlichen Ausfall zu ersetzen. Nach der endgültigen Billigung der Jewish Agency durch den Wiener Kongreß und der Ermächtigung für die Exekutive und das Aktionskomitee hatte man erwartet, daß die Marshall- Gruppe sogleich hervortreten und durch positive Leistung zeigen würde, was ihre Absicht gewesen war, als sie das Abkommen mit der Zionistischen Organisation schloß. Allerdings war es niemandem im Traum eingefallen, die Vertretung in der Jewish Agency auf Geldzahlungen zu basieren. Aber es war nicht selbstverständlich, zu . erwarten, daß die Marshall - Gruppe, wenn in Palästina eine kritische Situation entstünde, sogleich hervortreten und der Not zu steuern helfen würde? Sie waren keine Zionisten, aber doch Palästinafminde, War es natürlich und vertrauenerweckend, dail diese Palästinafreunde, wenn sie das Land in Schwierigkeit und die Arbeit in ernster Bedrängnis sahen, ihre Absicht ausdrückten, den ״geeigneten Zeitpunkt“ für ihre Mithilfe abzuwarien? Mit einer Raschheit, die nur selten eine ihrer Aktionen auszcichnet, entschlossen sie sich zu einer großen Hiltsaktion, wozu ein Kolonisationsplan gehörte, der in sich die unvermeidliche Vergleichung mit der Kolonisation Palästinas trug. Eine unter der Führung von Männern wie Marshall, Warburg und Lehmann geführte Kampagne mußte zweifellos einen beträchtlichen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich lenken; aber bei der Entwicklung des Krimplanes wurde niemals Rücksicht auf die Frage genommen, ob Pallstint unter den Folgen dieser Unternehmung leiden würde. Das schien sie nichts anzugehen. Mit Hast und lautem Trompeten* geschmctter wurde die Kampagne in Bewegung gesetzt. Sie vergaßen fast vollständig die Existenz der Zionistischen Orpnlsation und des Keren Hajessod. Man lese die Reden Marshalls in den letzten zwei Jahren. Man wird auf Ausdrücke stoßen, die fast eine zionistische Haltung andeuten. Man lese Warburg* Erklärungen nach seiner Rückkehr aus Palästina. Kein Zionist bitte besser ׳»rechen ®tauen. Und doch wv־bel\der׳SirSffiBWK;.4foiHr «waitigjen 'KÄpa|ne''1ßr JMifisle' Wiff»1fit '»»1%• leiseste Symptom von der Existenz Palästinas zu merken, Palästinas als eines Landes, das eine gewisse Beziehung zu Hilfsmaßnahmen für die Verbesserung jüdischer Lebensbedingütigen haben konnte. Wie war das möglich? Palästina war noch nicht in ihre Gedankenginge eingetreten. Als Palästina rief, schienen sie schwerhörig zu sein. Der Ruf der Krim fand Ohren, die begierig waren, zu hören. Diese Haltung der 'amerikanischen nichtzionistischen Gruppe hafte die Wirkung, dem Vertrauen der Zionisten zur bonar iides der nichtzionistischen Gruppen den Garaus zu machen. Aber wir haben unsere Ansicht über die Notwendigkdt der Erweiterung der Jewish Agency nicht geändert, die zum Ziele haben soll, diejenigen Juden zur Mitverantwortung für Palästina zu bringen, are bisher abseits gestanden und behauptet hatten, sie seien nicht Zionisten una könnten daher nicht mithelfen. Wir kommen nun zu der Frage: was nun? Sollen wir die ganze Politik verwerfen oder gibt es einen positiven Weg aus der Schwierigkeit? Wir glauben noch immer, daß die richtige Auffassung der Verpflichtungen, die die Jewish Agency mit sich bringt, die richtige Antwort geben kann. Wir glauben noch immer, daß ein Weg zur Zusammenarbeit gesucht werden kann. Aber das gleiche Verhältnis von Glauben und Vertrauen kann nicht wieder hergestellt werden ohne positive _ neue Leistung von seiten der nichtzionistischen Gruppe. Was immer aber geschieht, so gehen wir in die Zukunft mit einer deut-!klieren Kenntnis vom Kaliber unserer neuen Freunde. Die Ueberzeugung wächst, daß die zuerst in Aussicht genommenen Formen nicht entsprechend die Stärke der Zionistischen Organ»- sation, noch auch die Schwäche der nichtzionistischen Gruppe wiederspiegeln. Es ist sicher, daß wir von nun an arbeiten werden mit neuem Vertrauen auf unsere eigene Kraft, aut den Einfluß unserer eigenen Organisation und die Macht unseres!«verwässerten Ideals. Kleine Nachrichten Sir Alfred Davies, der frühere Sekretär des Departenients von Wales des britischen Unterrichtsrates, ist am 19. Februar zu einem dreiwöchentlichen Aufenthalt im Lande in Palästina eingetroffen. Sir Alfred Davies legt spezielles Interesse an den Erziehung«- und Sprachenfragen an den Tag und traf mit Vertretern der Zionistischen Palästina-Exekutive zusammen. Reuben B r a i n i n, der sich längere Zeit in Erez-Israel aufgehalten hat und nunmehr nach Amerika zurückkehrt, wird auf seiner Rückreise eine Anzahl von Hauptstädten besuchen, um die Unterstützung der jüdischen intellektuellen Kreise für den Aufruf des K. K. L. zu gewinnen. Unter den Städten, die Herr Brainin besuchen wird, sind Bukarest, Budapest, Wien, Prag, Berlin, Warschau, Paris und London zu nennen, wo er mit Hilfe der lokalen K. K. L.-Büros Konferenzen der Schriftsteller, Künstler, Lehrer und der Angehörigen anderer geistiger Berufe veranstalten wird. Die Nachfrage nach Mazzoth übersteigt bei weitem die Produktion der H a i f a e r Mühlen, die, wie das Departement für Handel und Industrie bei der zionistischen Palästina- Exekutive erfährt, schon am t. Januar weitere Auftri״e abgelehnt hat. Der Grazer zionistische Verein führte im Städtischen Schauspielhaus ״Die Makkabäer" auf. Am Theaterplatz demonstrierten Hakenkreuzier, von der Galerie wurden Stinkbomben geworfen, die Schauspieler mußten nach der Vorstellung vor der Wut der Menge flüchten. Die Polizei räumte den Platz und verhaftete sieben Personen. 'Iftj