Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 15 (23.2.1926)
- Date
- 1926-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, IS JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite III Jabtttasky in Amerika jabotinsky erklärte in einem Intcnvietv mit dem J.T. A.- Vertreter, es'sei falsch, daß er in Opposition zum Keren. Hajessod stehe. ״Wäre ich nicht durch meinen Vertrag mit dem amerikanischen Bureau an bestimmte Vorträge gebunden (wobei mir nicht erlaubt ist, auf anderen Versammlungen zu sprechen), ich würde mit Freude die zionistische Fünf-Millioncn-Dollar-Kampagnc unterstützen. Ich irrte dafür ein, daß möglichst viele Juden nach Palästina gehen und möglichst viel '(leid nach Palästina gegeben wird, mögen die Verhältnisse dort gut oder weniger gut sein. Die Nachricht, daß Lord Plumer mir die palästinensische Bürgersahaft verweigerte, stimmt nicht ganz. Die Palästinarrgicrung hat cs abgclchnt, bei mir eine Ausnahme zu machen und mir Bürgerschaflsdokumentc zu geben, obwohl ich in den letzten zwei Jahren außerhalb Palästinas lebte, Lord Plumer aber lud mich ein, nach Palästina zu kommen, um dort erst die Bürgerschaft zu erwerben.“ Schließlich erklärte Jabotinsky, die Zionistcn-Rcvisionislen würden auf ihrer Forderung beharren, daß in Palästina eine jüdische S c hu 111 r u p p e als Teil des britischen Schutzkorps gebildet werde. Die jüdische Legion als Teil der britischen Garnison in Palästina muß wieder erstehen. * Wie bekannt, hat Hai Jabotinsky. der Führer der ״Rcvisionistcii-Zionisten“, im vergangenen Herbst eine Tournee durch Europa gemacht und befindet sieh jetzt in Amerika. lieber seine Europareise hat er nun in seinem Organ, dem in russische!' Sprache in Paris erscheinende«! ,,Rasswjet“ Berichte veröffentlicht, die auch für das nicht-revisionistische Publikum interessant sind. Hs wird darin geschildert, wie Jabotinsky die zionistische Wett sieht. Dies wird auch aus einem anderen Berichte klar, der im Rasswjet erschien und wo behauptet wird, alles Positive im Zionismus sei nur von Revisionisten getan wordeu. So z, B. sei der Erfolg des Boden Verkaufes ein Verdienst der ״Mcsclick“, die ausschließlich in revisionistischen Händen liege; der deutsehe Keren Hajessod verdanke seine Erfolge lediglieh dem Revisionisten von Weis], der durch seine Berichte in der ״Voss. Ztg.“ die stärkste Keren Hajessod- Propaganda getrieben habe etc. Nach diesen Stichproben wird man ungefähr wissen, mit welchen Augen mau den folgenden Reisebericht zu lesen hat. In Nr. 52 des Rasswjet heißt es also: Im Oktober und November besuchte Herr Jabotinsky folgende Orte: Riga, Kowno, Schawiy, Memel, Frankfurt a. M., Berlin, Wien, Brünn, Benderi, Kischincw, Rclfzi, Ozernowitz, Bukarest, Jassy und Galat/. Die Themen der Vorträge waren: 1. ,,Die Situation des Zionismus nach dem XIV. Kongreß“, 2. ״,Jüdisch-arabische Beziehungen'*. Die Vorträge legten das Programm der Revisionisten dar. Ucberall, mit A u s 11 a 11 in e von Deutschland, haben Beratungen der Revisionisten stattgefunden. Jabotinsky konnte überall zwei Erscheinungen feststellen: Einerseits eine ernsthafte Stärkung der revisionistischen Bewegung, andererscits . einen Rückgang in der Ideologie und (mit Ausnähme von Deutschland) sogar in, der Technik des offiziellen Zionismus. In den Diskussionen kam eine ahsolute ideologische Hilflosigkeit der Gegner zum Ausdruck. Die Opponenten zogen cs vor, sich mit der Kritik des Revjsioiüsmus zu befassen, wobei es hauptsächlich auf die Behauptung aukain, daß die Mandatarmacht ihre Zustimmung zu den notwendigen Reformen nicht erteilen würde. Aber ■ ■ein eigenes positives Programm hinsichtlich der, ,Probleme P’־yider«״B«lep•" d1«i" Zbilpdllttlc ünd"des ׳'Schutzes 'des 1j&’disdien ׳ Vermögens in Palästina konnten sie nicht geben obwohl unter ihnen häufig sehr intelligente und erfahrene Zionisten sind. Die allgemein zionistische Organisation hält fest an der Routine und am festen Glauben an die Führerpersonlichkeilen der *Executive. Aber auch diese Routine ist überall (m i t Au s n a 11111 e vor! D e u t s c 111 a 11 d) stark geschwächt; denn nach dem XIV. Kongreß wurde der Glaube an die Fiilircrpersöuliclikeitcn erschüttert. Es bestünde nach der Meinung des Herrn Jabotinsky die Gefahr, daß der Zerfall des allgemein zionistischen Zentrums zu vorzeitigem Siege der Revisionisten führen kann, noch ehe dieselben eine Welt- Organisation schaffen würden. Vorläufig existiert nur eine sehr gute Revisionisten-Orgaiiisation in Lettland unter der Leitung des Herrn Hoffmami. In Kowno wurde ein zeitweiliges Zcntralbüro der Revisionisten gegründet, welches aus zwei Mitgliedern des Zentralkomitees der allgemeinen Zionisten (Dr. M. Schwarz und A. Idelsohn) und aus Vertreten! der Jugend bestellt. Die Gruppe der Revisionisten in M e tu e 1 wird zwar autonom, aber im Kontakt mit der litauischen Organisation arbeiten. Der schwierigste Kampf für den Revisionismus wird in Deutschland sein, dank dem Funktionieren der deutschen offiziellen Organisation. Aber auch liier ist eine Bresche geschlagen. Eine bedeutende Rolle in dieser Hinsicht hat die Agitation der ״Radikalen‘‘, hauptsächlich des Herrn Dr. Goldman 11, gespielt. Da aber bei den Radikalen kein eigenes politisches Programm vorhanden ist, so empfinden die zionistischen Massen ihre Propaganda als eine Vorstufe zum R c v i s i o 11 i s - m u s. Das Interesse für den Revisionismus ist in Deutschlaml groß; aber cs wird noch sehr viel Mühe und Kämpfe kosten, bis. man die Hegemonie im deutschen Zionismus erreichen wird. Das Zentrum der Revisionisten in Berlin besteht aus z.wei Gruppen: Einer deutschen (Bar-Giora) mit Herrn Heinrich Kuhn, ehern. Präsident des Weltverbandes Makkabi ,11.■־ der Spitze, und einer ostjüdischen Gruppe mit Herrn Klinoff an der Spitze. Die revisionistische Bewegung zählt einflußreiche Anhänger in den Reihen der allgemeinen Organisation und der Misrachi. 111 der Wiener Organisation befänden sich eine Reihe ausgezeichneter Kräfte und Wien könnte ein erstklassiges Propagandaniaterial für die Tschechoslowakei ur!d Rumänien (iarstelien, aber der allgemeine Rückgang in der Ideenwelt Oesterreichs hat auch auf das zionistische Leben gewirkt, und cs gibt keine Möglichkeit, in Wien ein permanentes aktives zionistisches Leben zu unterhalten. In dem zweiten und Sehluliteile des Berichtes wird Über eine Reihe Länder, die allgemeine!»litischc Lage und die Perspektiven für die revisionistische Bewegung gesproclicii. Herr Jabotinsky halt den Boden in der Tschecho- Slowakei (in allererster Reihe in Brünn) für ״außerordentlich günstig“. Auch dort, wie in den anderen Ländern, von denen im ersten Berichte die Rede war, glaubt Herr Jabotinsky den Bankerott des ״offiziellen Zionismus“ feststellen zu können. Die Propaganda der Radikalen mit Dr. Marguti e s an der Spitze wird auch dort, ebenso wie in Deutschland, als ,״Einleitung in den Revisionismus“ erachtet. Ozernowitz. Ideologischer Zerfall des ״offiziellen Zionismus“; ein guter Boden für den Revisionismus unter den Erwachsenen und in den Reihen der Jugend; ein'geringer Widerstand seitens der ,,Offiziellen“; die öffentliche Erklärung in der Presse seitens des Vorsitzenden des Landesverbandes (Dr. M. Ebner), daß gegen die programmatischen Postulate des Revisionismus nichts cinzuwcuden sei; die Herstellung eines engen Konnexes mit den Radikalen (mit Dr. Krämer an der Spitze) — das alles konnte der Berichterstatter in Ozernowitz fcststcllcn. -- Beßarabien. Dort seien die Verhältnisse besonders günstig, denn noch vor dem Besuche des Herrn Jabotinsky prosperierte dort der Revisionismus. Bei entsprechender Bearbciiuug sei cs sehr leicht, das ganze Land für den Revisionisrnus zu gewinnen. A 11 - R u 111 ä 11 i e n. (Bukarest, Jassy, Galat/): Dort soll eine konsolidierte Rc\ isionistengruppe bestehen mit einem eigenen Organ in Jas.■,-,־ (Wochenschrift ״juainte“). Was den Bestand der Anhänger der Revisionisten betrifft, so konnte Herr Jabotinsky fcststcllcn, daß derselbe ein gemischte!־ sei: Nur in Jassy und Brünn sei die Jugend stark vertreten; sonst sind es auch ältere Leute. In Kowno soll behauptet worden sein, der Aktivismus sei die einzige Bewegung, die noch imstande wäre, die Jugend am Verlassen des Zionismus zu verhindern. Die Beziehung der Fraktionen zum Revisionismus sei meistens eine feindselige und von Angst bestimmte. Als Hauptmittcl im Kampfe gegen den Revisionismus gilt die Verleumdung! Immerhin interessierte mau siel! überall für diese Bewegung. Nur in Berlin und in K i s c h i 11 e f f sei der B o y k o 11 seitens d e 1״ ־O ffjzielle n“ k o 11 s e (| 11 e 11 t d 11 r c!1 g e f ü 11 r t w o r d e 11. In Riga hätten Herrn Jabotinsky am Bahnhof 2t«00 und auf den Haupt- Straßen von Kischincff 10 000 Personell zugejubelt. Herr Jabotinsky glaubt, daß die (.ha nee 11 dei Rev i s i o 11 i s t e 11 f ür die Wahlen /um XV. Kongreß .sehr gute seien. Eine absolute Mehrheit sei dc:11 Revisionisten in Lettland, Litauen, Runpütieii gesichert; ein erlieblicher Teil der Mandate siehe außer Zweifel in der Tschechoslowakei und in Wien. Als 1 lauptnrsadu■ dieses Frfolgcs sei der Zerfall des offiziellen Zionismus an/.ufiihren. Mit Ausnahme von De 111 s e 111 a!1 <1 könne man ittif eine revisionistische Majorität der Delegationen au; den \on Jahotinskv besuchten!.ändern mit Bestimmtheit rechnen. Leipziger Briel Von unserem Berichterstatter. Die Zionistische Urt.;gruppe Leipzig sah bieli durch die Wirtschaftskrise zu einer Reduzierung ihres Organisationsapparates gezwungen, ohne daß dadurch die geistige und politischc Arbeit der Ortsgruppe litt. Die immer zahlreicher werdende Beteiligung an den Veranstaltungen der Ortsgruppe lassen vielmehr deutlich das steigende Interesse der Leipziger Juden an der zionistischen Problemwelt erkennen. Den ersten Gruppenabend bildete ein Vortrag l)r. Robert We lisch s über die Bedeutung des Zionismus im Rahmen der vorderasiatischen Politik, ein zweiter beschäftigte sich nach einem Referate Dr. Werner Bloch s mit palästinensischen Wirtsehaftsfragen. Von größeren Veranstaltungen ist vor allem die große Versammlung von Mitte Dezember ■zu neunen, in der Kurt Blumcn'fcld über den Kamp! um den Zionismus, Moses Wahl 111 an 11 über Antisemitismus sprach. Gerade dieser Vortrag Bhunenfelds, der die Werte des Zionismus vom höheren Standpunkt gesehen, in eindringlichster Lebendigkeit zeigte, hat iiachhailigen propagandistischen Frfolg gehabt, ln den letzten Tagen sprach Naliuni Goldmann über Lrueucrung des Judentums. Er beleuchtete in geistvollen Ausfiilinmgen die historische Funktion des Zionismus und bctonte entgegen den Müdigkeitstcndcnzen innerhalb Her /ioujstisehcn Reihen die Pflicht zur stillen Opfcrbcreitschaft. Auch innerhalb der Jugend ist eine stärkere Aktivität wahrnehmbar. Die größten )ugeiidgruppeti haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugendorganisationen zusammcngcschlossen und bereiten nach einer sehr gut hesuchten Jugcndversamnilung, in der Dr. Werner Bloch über ״Die jüdische Jugend und ihre Umwelt“ sprach, eine Reihe von ■Kursen, und Arbeitsgemeinschaften ,..über..,j&discile . Oe? '"schichte, R#IäÄa-#irtsgh0ftsfragen, jüdische - Tagesfragen, Entwicklung der national-jüdischen Idee vor. Außerdem ist vor kurzen! die jung-jüdische Gesellschaft entstanden, ein kleiner Zirkel Intellektueller, der in seinen Zusarnnienkünften die tiefere Durcharbeitung zionistischer Problcme aiislrebt. Last not least sei auf dem Gebiete der Frauenarbeit erwähnt, daß zwei Arbeitsgemeinschaften, eine für Bibelkunde (Frau Ncuinann), eine für moderne jüdische Literatur (Frau ftadassaii CI1a!t1i/e1j geht kl ct wurden, die sich erfolgreich bemühen, Verständnis für den jüdischen Geist und seine Werke in der jüdischen Frauenweit Leipzigs 11ervoizuriifeu. Speziell die Vortragsreihe von Frau fl. Chamizer über die Werke. Brods dürfte das Verdienst für sielt in Anspruch nehmen, weite Kreise jüdischer Problemwelt nähergebracht zu haben. Kleine Nieliriclilen Ls verlautet, daß Sir Herbert S a 111 u e 1 nach Beendigung seiner Tätigkeit als der Leiter der Kohlen-Kommission in den Grafcn(Ear(-)-sta11d erhoben werden wird. Der Oherrabbincr von Damaskus erhielt von dem Rebcllenkomitee ein Schreiben, in welchem er aufgefordert wird, sofort 500 Goldpfund für die Gemeinde zu erlegen, die der Rcbcllcnkassc zugeführt werden würden. Sollte das Geld nicht bald zur Stelle geschafft werden, so wird ein räuberischer Ucberfall stattfinden. Der amerikanische Dampfer .,Rcpublic“ ist in den t laten um Haifa mit 525 Touristen an Bord cingcfahren. Das Schilt hatte die zionistische Flagge gehißt. Die Hafenbehörde erteilte jedoch den Befehl, die zionistische Flagge iiicderzuholcn und durch die britische zu ersetzen. Die Gemeinde der ältesten jüdischen Kolonie R i s c 11 o 11 I c - Z i o n hat den bekannten hebräischen Schriftsteller Reuben Br ai 11 in zu ihrem Bürger gewählt und beschlossen, ihm Baumaterialien zwecks Aufbau eines Hauses auf dem ihm gchörenden Boden in Rischon ie-Zicm zum Geschenk zu machen. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. April 1926 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. März. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebuhren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Märztagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, in Ihrem eigenen Interesse dafür Sorge zu fragen, dafe diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Februar 1926. Verlas Jüdische Rundschau“ Berlin W15» MeinekestraBe 10 Sprecbsaal An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin*). In Nr. II der ״Jtkl. Rundschau“ beschäftigt sich ein Artikel ״Die dritte Front“ mit der kulturellen Krisis im Zionismus. Vielleicht gestatten Sie einem Nichtzio- 1i i s t e n , der aber die Bedeutung liutl die Verdienste des Zionismus immer anerkannt hat, einige Bemerkungen zu diesen! Gegenstand. Der Artikel betont, daß ״die alte, inbrünstig gehegte Zionsromantik“ ein Hauptmoment bei der Entstehung der modernen nationalen Bewegung bildete. Diese Zionsschnsueht wurde im religiösen Judentum bewußt erhalten und genährt durch die immer wicdcrkchrende Erinnening an Zion. . . Aber auch bei vielen, die dem reifgiösen Leben langst entfremdet waren, hatte die Jahrhunderte hindurch gepflegte Erinnerung und Hoffnung ihre Spuren!unterlassen, auch bei ihnen lebte im Unterbewußtsein jene Sehnsucht noch fort. Und als nun die naiionale Bewegung bei den europäischen Völkern erstarkte, als ferner der neu auflebctule Antisemitismus die Untnöglichkeit der Assimilation bewies, da entstand der Zionismus. Seine Seele war und blieb jene ursprünglich religiös tuiidieric Zionssehusuclü. Der Zionismus, heißt cs in jenem Artikel, hat die Assimilation der Gesinnung überwunden. Das mag richtig .sein, aber wichtiger und tiefgreifender ist die Assimilation des Lebens. Vor allem ist cs die Schule, die vom zartesten Alter an die Jugend mit geistigen Elementen erfüllt, die dem jüdischen Empfinden Teil sogar ihm widersprechen. Die jüein Desideratum. Aber auch wenn sie würde, so würde wohl der christliche sehr vieles andere aber würde bleiben, hebräischer Unterrichtssprache ist ja in zum n überhaupt nicht zu denken. Aber der Schule äußert ja auch das Leben seine fremd sind disclic Schule ist zur Wirklichkeit Einfluß wegfallen, An Schulen mit den westlichen Lände auch abgesehen von täglich und stündlich seine auf lösende Wirkung, und auch der Schreiber jenes Artikels erkennt ja, daß die ״stärkere Wirklichkeit des Lebens“ von allen Seiten gegen lebendiges Judentum ankämptt. Gegen diese, übermächtigen Einflüsse hatte und hat der religiöse Jude seine Religion, die, tief in das praktische Lehen eingreifend, ihn überall und in allen Verhältnissen an sein Judentum erinnert und ihn zwingt, seine Eigenart zu erhalten und zu betonen. Für die anderen aber wird als Allheilmittel die Pflege der hebräischen Spracht: . empfohlen. Aber abgesehen davon, daß sie in den Galuthländcru nicht zu einer lebenden werden kann, ist die. Sprache ja nur e i n Moment der geistigen Kultur. , . . Heute ist in der jungen Generation der religiöse Funke, der das Lebensdement, der Zionshegeistening bildete, vielfach erloschen, und daher rührt die geistige Krisis. Sie kann nur überwunden werden durch Erneuerung des religiösen Gefühls. Es ist eben eine Tatsache, daß die Bedeutung des Judentums für die Kultur der Menschheit auf dem Gebiet der Religion liegt. Und es ist auch kein Zufall, daß fast alle bedeutenden Führer des Zionismus der Jeschiwa entstammten. Wenn also die zionistische Bewegung nicht vorhanden oder in eine bloße Woldtätigkeitsbcwcgung ausmünden will, dann muß sie den Anschluß an die altjüdische religiöse Kultur suchen. Diese Wahrheit gilt aber nicht etwa nur für die Galuthlande־!׳, sic ist auch für Palästina von ausschlaggebender Bedeutung. Das Bestreben, dort ein jüdisches Leben aufzubauen, ohne Anschluß an die Tradition oder gar im Gegensatz zu ihr, kann unmöglich zum Ziele' führen.., ' Jude»,;#& Deutsche, Jemeniten, haben keine einheitliche Kultur; was sic verbindet, das ist eben die religiöse Tradition. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß viele dieser Ein•* wandercr sich in ihrem praktischen Leben von der Traclition losgesagt haben. Mail kann von dem, der inner* lieh kein Verhältnis mehr zur Religion hat, nicht verlangen, daß er nun auf einmal sich den religiösen Uebungen in seinem privaten Leben unterwirft. Aber von den maßgebenden Vertretern des Zionismus kann man verlangen, daß sic diese historischen Zusammenhänge erkennen und die Erhaltung der Tradition fördern. Viele religiöse Juden, die mit den Methoden der Agudali keineswegs cinverstanden sind, können doch ihrem Kampf an sich die Bcrechtigung nicht absprechen. Der Zionismus hat die Vorbedingungen geschaffen für den Aufbau des neuen Palästina, das bleibt sein unvergängliches, historisches Verdienst. Soll aber dieses Werk nicht auf Sand gebaut sein, so darf er die überragende Bedeutung de; religiösen Moments nicht wie bisher vernachlässigen. Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. U n 11 a - M a 11 n 11 c i m. Feststellung in eigener Sache Mein let/terschicnener politischer Bericht ״Zionistisches aus Oesterreich“ in Nr. 7 der ,.Jüd. Rundschau‘‘ hat eine unerwartete Wirkung gehabt. Die Redaktion der ״Wiener Morgenzeitung“ hat in diesem mit b. ü. gezeichneten Artikel - ~ cs sei betont, daß die Chiffrierung eines objektiven, den Rahmen eines Referates nicht überschreitenden Berichtes Usus ist und keineswegs den Versuch der Flucht in die Verantwortungslosigkeit bedeutet, sonderlich, wenn die Chiffre durchsichtig genug ist -- einen Angriff gegen sich entdeckt. Da in diesem vollkommen objektiv gehaltenen Bericht über die Spaltung der österreichischen zionistischen Partei beim besten Willen nur der eine Satz.auch im offiziellen Organ der Partei mehr betonten zionistischen Agilität . . .“ auf die Morgen/cihing bezogen werden kann, möchte ich ausdrücklich betonen, daß ich beileibe nicht die Absicht hatte, in diesem Satz die Morgen/eitung a!11 u g r e i f e n. Es handelte sich einfach um eine, loyale Feststellung, entstanden aus einer persönlichen Ansicht, die, wenn sie überhaupt wichtig genug ist, zur Kenntnis genommen zu werden, in gleich loyaler Weise hätte beantwortet werden können. Es sei aber bei dieser Gelegenheit mit Vergnügen konstatiert, daß seither, nach gewisser innerer Umgruppierung in der Redaktion der ,Morgen/eitung, mein schüchtern ausgedrückter Wunsch zur Tat zu werden beginnt. Ich gesiafte mir daraus die Hoffnung abzuleiten, daß in Hinkunft!1! '■iterschied zwischen ge-!lässiger Kritik um des Kritisieren* willen und einer loyalen Bemerkung um der gemeinsamen Idee willen, die immerhiii die Basis einer wohlwollenden Diskussion bilden kann, auch der Wiener Morgen/eitung begreiflich wird. Einstweilen möge sie zur Kenntnis nehmen, daß kein schweres und kein leichtes Geschütz einen Angriff ahsrhlagcn kann, der überhaupt nicht stattgefunden 11:0 E 1! gen Hoeflich. Im Verlage ton Earl Merseburger in Leipzig wird das To 11 k ii!1 s 11 e r- L c x i ko n von Paul Frank in 12, Aufläge ton dem bekannten Direktor der Musikabteilung der Preußischen Staatsbibliothek Professor Dr. Wilhelm Altmann vollständig neu bearbeitet. Das mindestens 2$׳ Bogen starke, vorzüglich ausgestattete Nachschlagewerk kostet in Ganzleinen gebunden nur ca, M. t0.־~. Der Verlag gewährt Vorausbesteuern bis zum Tage des Erscheinens, etwa Ende M3r/, eine Ermäßigung von 20«׳o. *) Von uns gekürzt. — Red, ״J. R,״