Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jbinzebtummer 0,30 Goldmmk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekestrafie 10. Enchdat fedeo Dienstag and Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Ann «nds» boon«raents werden ווו der WUtraaj der eiatelaea Moder berechnet Nummer 12 I Berlin, 12. U. 1926 Anzeigen •'Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.lL, Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7185—70. Aasatgeayrai•) 8 {etpe/tNoepereUlereile ft 30 G.-M. SUUenjMUciia 0,2öG.-M. Aamtreu^hds Diea*ta< and Ffelte* ■ •cbBlttatf 4 Uhr. Telephon: Bismark 7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17313. Für Oeeterreich. Poetnnrkaeeenemt Wies, Konto Nr. 156030 Für Tsehechorlowakri : PosLrparkesaeneml Fred, Konto Nf. 59410. für Polen: I'ostiperkaeeeoemt Wer •eben, Koolo Nr. 190700. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ "ח שבט, תרפ״ו | xxxi. Jntu-g. Der Zionismus erstrebt für da« Jüdische Volk die Schafluna •leer öffentlich rechtlich geslcharfe Helmsftts ln PalSatina. ״Baseler Programm.» Das Problem der nationalen Minderheit Sirescmann für Minderheüsrechie ~ Die jüdische Position - Unsere Polemik mit der ״Frankfurter Zeitung" Slresemann Aber ״Deitsche Sfaatsbflrger fremden Blutes“ Stresemaan sagte int Reichstag am 9, Februar wärtlieh: ״Herr Mussolini hat nun in seinen Ausführungen von der heutigen Lage Italiens gesprochen, und er hat davon mit einem großen Stolz, mit einem großen Selbstbewußtsein gesprochen. Er sprach von den 52 Millionen Italienern in der Welt, von denen 42 Millionen auf der kleinen Halbinsel wohnten , . . Gerade diese Ausführungen über die Kraft des italienischen Volkes sind doch der allerbeste Beweis für die Unnötigkejt von irgendwelchen Unterdrückungsmaßregeln gegen eine kleine Minderheit. Man stellt nebeneinander die 42 Millionen auf der einen Seite und die 180 0M Menschen auf der anderen Seite, und gerade Herr Mussolini spricht ja davon, hier sei diese kleine Minderheit von Deutschen, in der Tschecho- Slowakei liege es ganz anders. Ich glaube, man kann doch das eine sagen: Gerade eine starke nationale Würde verträgt sich am besten mit dem Ertragen kultureller Eigenart von Minderheiten. (Lebhafte Zustimmung.) Auf die Dauer wird man Völker fremden Blutes nur durch eine große und gerechte Politik an sich fesseln. (Sehr wahr! in der Mitte und links.) Ein schwaches und ohnmächtiges Italien könnte Schwäche und Ohnmacht zum Grand von Unterdrückung nehmen, das Italien des faschistischen Stolzes sollte von seinem Standpunkt aus am ehesten deutsche Sprache und Schule in Südtirol ertragen können. Wir werden ja selbst demnächst auch in Deutschfand über diese Fragen Entscheidung zu treffen haben. W i r selbst haben auch Minderheiten in Deutsch- 1 a n d, und ich möchte für meine Person und für das von mir vertretene Amt das eine allerdings aussprechen, gerade gegenüber dem berechtigten Verlangen, daß wir für deutsche Minderheiten im Auslande eintreten: wir können für deutsche Minderheiten im Auslande nur mit voller Ueberzeugung und aus gutem Gewissen eintreten, wenn wir das, was wir für ftft1|t«I1c im, Ausland verlangen, auch denu'nÄrfiir rfdtftsfehfrn Vaierlande dars teile 11. (Lebhaftes Bravo.) Ich glaube, daß wir groß genug, national geeinigt genug sind, um mit denen fertig zu werden, bei denen sich etwa irgendwelche Bestrebungen gegen Deutschland regen sollten (Sehr richtig!), daß es aber im übrigen unser Ziel sein muß, sie bei voller Bewahrung ihrer kultureUen Eigenarten zu deutschen Staatsbürgern, wenn auch fremden Blutes, zu machen. (Lebhafte Zustimmung.)“ * RW., Berlin, 11. Februar, Die Frage der nationalen Minderheiten steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses der deutschen Oeffentlichkeit. Es ist kein neues Problem, und insbesondere seit den Friedensvertragen ist es auch dort bekannt geworden, wo man es früher nicht sah. Aber in seiner vollen Schwere und Bedeutung als eines der entscheidenden Probleme Europas und des künftigen Völkerlebens wurde es eigentlich bisher nur von jüdischer Seite erfaßt Dies ist kein besonderes Verdienst der Juden, vielmehr eine Folge ihres merkwürdigen Schicksals; sie waren eben in der Lage, Erfahrungen zu machen, die anderen erspart waren. Die Kraft der Darlegung und Logik scheint bei derartigen politischen Gegenständen unwirksam zu sein, nur die Erfahrung am eigenen Leibe öffnet die Augen. Die Vorgänge in Südtirol haben das deutsche Volk begreifen gelehrt, was es früher nicht verstehen wollte, und was — seltsam genug — auch heute noch in anderem Zusammenhänge von deutschen Politikern und Theoretikern nicht verstanden wird. Diese traurige Tatsache, daß im allgemeinen politische Probleme nicht grutidsätzlich, sondern nur vom Standpunkt der eigeneu Interessen- Politik verstanden und dann mit einem Mäntelchen allgemeiner ethischer Prinzipien bekleidet werden, ist die Krankheit, an der die Völker Europas heute zugrunde gehen. Wir Juden haben den Vorzug oder den Nachteil, um mehrere Jahrtausende älter zu sein als die heutigen Völker Europas, vielleicht ist dies der Grund, warum bei uns die Tendenz stärker ist, allgemeine Grundsätze zu finden, nach denen das gesamte Völkerleben geregelt werden kann. Man kann für solche Prinzipien natürlich nur eintreten, wenn man bereit ist, sie überall zur Geltung zu bringen, dort wo es das eigene Interesse verlangt, und dort, wo es das Interesse eines anderen oder auch ״nur“ die Gerechtigkeit verlangt (was das eigene wohlverstandene Interesse auch nicht verletzen kann). Die Unlösbarkeit der heutigen Konflikte besteht darin, daß jede Macht stets von der anderen fordert, sie möge den Anfang machen mit der Verwirklichung eines Prinzips. Lehnt der andere die Durchführung ab, so hält man sich für berechtigt, das gleiche zu tun. Das deutsche Volk (nicht das Deutsche Reich, das die Sache nichts angeht) verlangt mit Recht, den Deutschen Südtirols möge ihre kulturelle Eigenart und Tradition bewahrt bleiben. Mussolini antwortet mit dem Hinweis, daß den Dänen und Polen Deutschlands nicht einmal eigene Schulen gestattet werden. Stresemann erklärte zwar, Deutschland müsse seinen eigenen Minderhelfen auch nationale Rechte geben; es ist jedoch bisher nicht geschehen, und die Frage hegt nahe, ob Stresemann so gesprochen hätte, wenn er nicht damit die Ansprüche der Deutschen in Tirol hätte begründen wollen. Bei den Juden nun liegt der Fall noch anders. Denn weder kap» irgendein fremder Staat auf sie Anspruch erheben, noch fordern sie in demselben Ausmaß nationale Rechte wie die sprachlichen Minderheiten. Sie fordern lediglich, daß man sie als deutsche Staatsbürger ״jüdischen Blutes“ mit ihren eigenen kulturellen Traditionen und mit ihrem Willen zur Teilnahme an gesamtjüdischen Aufgaben und Bewegungen respektiert. Vom Standpunkte der Bedrohung der Souveränität hegt also der Fall bei den Juden viel milder. Allerdings fordern wir, daß man unseren Fall nach seiner Eigenart beurteilt und versteht, und nicht nach irgendeiner Schablone. Man muß auch dann Verständnis für die Situation einer Minderheit haben, wenn diese in einer einzigartigen geschichtlichen Position ist und wenn Splitter des eigenen Volkes nicht zufällig in einer völlig analogen Lage sind. Durch die Entwicklung Palästinas zur jüdischen nationalen Heimstätte ist diese Forderung ganz aktuell. Stresemanns Worte nehmen wir mit Genugtuung zur Kenntnis. Wir glauben, daß in der von ihm vertretenen Auffassung keine Schädigung des deutschen Volkes liegt, sondern ein hoher Nutzen für die gesamte Zivilisation. Man muß allerdings den Mut haben, den Gedanken zu Ende zu führen, man muß wirklich und ehrlich zwischen Staat und Nation begrifflich unterscheiden, ohne Hintergedanken. Wir zweifeln nicht, daß die deutsche Regierung völlig aufrichtig ist, wenn sie das deutsche Interesse an der Erhaltung des Tiroler Deutschtums als ein rein kulturelles hinstellt, das keine Gefährdung der Brennergrenze beinhaltet. Aber solange die Auffassung herrschend ist, Nation und Staat müßten sich decken, solange in Deutschland diese Auffassung allgemein vertreten und jeder, der daran zu rütteln wagt, jeder der, obwohl nicht im nationalen Sinne Deutscher, dennoch Vollbürger zu sein beansprucht, als eine Art Landes- Verräter verdächtigt wird, solange darf man sich nicht wundern, wenn der Nachbar mißtrauisch ist und in der Erhaltung deutscher Kultur eines Grenzbezirkes nur die Quelle einer deutschen Irredenta und den Vorwand künftiger Kriege sieht. Es ist ^charakteristisch, daß die völkische Presse, die doch Schicksal der Volksbrüder Jenseits der Grenze nehmen müßte, in diesem Falle viel gemäßigter ist und sogar die Meinung ausspricht, daß sich ״dje Einmütigkeit von Stresemann bis Scheidemann' auch daraus erklärt, daß die ... Koalition sich einig ist in dem Hasse gegen Mussolini wegen seiner scharfen Steilung gegen das internationale Judentum, die internationale Freimaurerei und das internationale Weltkapital“. Wenn man den Schleier dieses Blödsinns wegzieht, so erkennt man, daß die Völkischen sich in diesem Falle stärker durch grundsätzliche Auffassungen bestimmen lassen als die offiziellen Kreise: Die Völkischen sind offen Anhänger der Staatsauffassung Mussolinis, sic wissen genau, daß sie sich in seiner Lage genau so verhalten würden, sie erkennen, daß die Forderung kultureller Rechte für eine deutsche Minderheit bei gleichzeitiger Anerkennung der Legalität ihrer Zugehörigkeit zu dem fremdnationalen Staate mit ihrer eigenen Staatsauffassung im Widerspruch steht. Konsequenterweise sind sie lieber bereit, die kulturelle Eigenart der Ausländsdeutschen aufzugeben, als zuzugestehen, daß diese vollgültige italienische Staatsbürger deutscher Nationalität sind und der deutsche Staat keinen Anspruch auf Aenderang der Grenze erheben kann, ohne als Friedensstörer angesehen zu werden. Die Tatsache, daß eine Grenzziehung der Staaten, die sich vollkommen mit der ethnischen deckt, unmöglich ist beruht darauf, daß eben der Staat auch ein politischer, ökonomischer, sozialer Körper ist, nicht lediglich ein nationaler. Dieser Gedanke wurde jüngst von dem ehemaligen osterreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel entwickelt in einem Vortrag ״Die geistigen Grundlagen der Minderheitsfrage“ (erschienen bei Deuticke in Wien), worin er ausspricht, ״daß Nation und Staat zwei selbständige Formen des menschlichen Gemeinschaftslebens sind, die beide am besteu gedeihen, je mehr der Staat vom nationalen Leben erfüllt ist und je mehr die Nation von einem ihr eigenen Staat gestützt wird, die aber, wenn nötig, auch voneinander getrennte Wege gehen können“. Wenn man jedoch, wie es z. B. die österreichischen Sozialdemokraten (in der ״Arbeiterzeitung“) tun, die Rede Mussolinis zum Anlaß nimmt, um die Forderung des staatlichen Zusatnmenschlusses politisch getrennter deutscher Gebiete zu proklamieren, dann allerdings gibt man indirekt Mussolinis Standpunkt Recht, Dies zeigt, wie kompliziert die Frage ist und wie wenig sie bisher noch durchdacht wurde. Das Januarheft der ״Preußischen Jahrbücher‘ veröffentlicht einen Aufsatz von Lutz Korodi, ״Das Problem der nationalen Minderheiten“, in welchem die Rede zitiert wird, die der Vertreter der lettländischen deutschen Minderheit, Professor Schiemann, auf dem Minderheitenkongreß in Genf im Oktober 1925 gehalten hat. Diese Rede, auf die wir noch zurückkommen werden, vertritt ungefähr denselben Standpunkt, den wir seit Jahren eingenommen haben. Die Rede hat aber in Deutschland einen schwachen Wiederhall gefunden. Vor allem hat man daraus nicht das geringste für sich gelernt, und wenn heute am 10. Februar die ״Frankfurter Zeitung“ in einem Leitartikel auf den Genfer Minderheitenkongreß zu sprechen kommt und sich warm für die Anerkennung der Minderheitenrechte esnsetzt, vor allem für kulturelle Autonomie, und sogar von einer Lockerung ״des starren Prinzip« des souveränen, in seinen Grenzen festumrissenen Staates“ spricht, so können wir das begrüßen, «den nicht diese Lockerung nur für andere, also als da versteckter Imperialismus zu verstehen ist. Wir fragen aber die ״Frankfurter Zeitung“: wie verträgt sich mit dieser Auffassung der Standpunkt der ״Frankfurter Zeitung“ zur Judenfrage, insbesondere ihre Denunzicrung der deutschen Zionisten, sie hätten ״zwei Vaterländer“? Diese groteske Auffassung, die natürlich die Zeitung des ״Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (wer hätte es auch anders erwartet!) mit fetten Lettern abdruckt, offenbar weil sie dies als eine besondere Erfüllung ihrer Aufgabe der Abwehr des Antisemitismus ansieht, steht in krassem Widerspruch zur Haltung des Blattes und der deutschen Oeffentlichkeit in der Südtiroler Angelegenheit. Wir haben auf dieses ״Schulbeispiel“ an dieser Stelle bereits am 2. d. M. hingewiesen. Aber es kommt noch besser. Am 3. Februar veröffentlicht die ״Frankfurter Zeitung“ einen Artikel über die Judenfrage in Ungarn, in welchem der Verfasser zu der Konklusion kommt, die Juden seien für Ungarn von größter Bedeutung, weil sie infolge ihrer Beziehungen zur Internationalen Welt, das Land vor ״balkanmäßiger“ Isolierung schützen. Die Redaktion schließt sich dieser Anschauung offenbar an. Wenn sie aber richtig ist, dann können die ungarischen Juden ihrem Vaterland diese Dienste doch wohl nur als Juden leisten, d.h. wenn sie nicht assimiliert sind. Denn sind sie völlig assimiliert, dann gibt es doch nur noch Magyaren — der ״Balkan“ wäre fertig. Dieses Festhalten an jüdischer Eigenart, Verbindung mit einem jüdischen Zentrum usw., wird allerdings in Ungarn als Illoyalität gebrandmarkt. Die ״Frankfurter Zeitung־‘ verurteilt das — für Ungarn; in Deutschland wäre dasselbe Verhalten — zumindest gegenüber den Zionisten, die als Juden zu ihrem Volkstum stehen — wahrscheinlich in ihrem Sinne. Die Redaktion erinnert aber bei der Gelegenheit auch an die ungarländischen Deutschen, die ״mehr als es vor dem Kriege geschah, auf ihr Volkstum halten, obwohl sie treue Bürger des Staates und wie auch die Juden .sehr ״Das t 1 י י j**׳ *‘6■*״» '*??,'yjir wir hier nicht anschneiden. Aber die frankfurter Zeitung“ anerkennt ״ungarische Staatsbürger deutscher Nationalität“ die ״auf ihr Volkstum halten“, d. h. wohl ihre nationale Eigenart pflegen, und trotzdem ״gute national gesinnte Ungarn“, d. h. wohl völlig loyale ungarische Staatsbürger sind! Unsere Auseinandersetzung mit der ״Frankfurter Zeitung“ ist zu Ende. Ihre!infundierte und oberflächliche Auffassung der Stellung des Zionismus im Staate ist unter der Wucht der Argumente, die die Zeitgeschichte selbst geliefert hat, zusammcngcbrochen. Ihre eigenen Artikel sprechen gegen sie. Wir wissen nicht, ob die Redaktion vorurteilslos genug fei, das einzusehen; denn unter dem Einfluß des assimilatorischen Judentums von Brodnitz Ws Breuer is die Judenfrage so verdunkelt worden, daß offenbar selbst liberale Politiker ihr Wesen nicht zu erkennen vermögen. Die Hetzarbeit gegen den Zionismus trägt ihre Früchte. Der Antisemitismus, den der C.-V. bekämpfen wollte, blüht wie noch nie und bekommt aus der Hetzarbeit der Assimilanten neue willkommene Nahrung, die sich einmal Herr Reventlow wird sogar vom Baume der ״Frankf. Ztg.“ pflücken können. Die Redaktion der ״Frankf. Ztg.“ jedoch hat in ihrem ersten Artikel erklärt, daß sie die Frage des Zionistnus objektiv prüfen wird und daß sie kein Bedenken haben würde, ihre Meinung zu änderu, wenn sich die Situation änderte, aber sic wird dies kaum tun, denn auch für sie ist diese Frage keine Frage der Erkenntnls, sondern der Macht und bestimmter Interessen, die sie zu vertreten hat. Dies ist die bittere Erfahrung dieser Episode, die ein eigentümlieh es Licht wirft auf den einst so frei denkenden deutschen Liberalismus. Wir werden jedoch nicht aulhören, für die Idee zu kämpfen, daß eine nationale Gemeinschaft ihre Güter zu wahren berechtigt ist, wo immer und unter «׳eichen staats politischen Bedingungen immer sie lebt. Wir sind überzeugt, daß durch Anerkennung dieses Grundsatzes der Konfliktstoff in der Wett auf ein Mindestmaß beschränkt, durch seine Verletzung jedoch gefährlicher Zündstoff aufgehäuft wird. Line Jüdische Abordnung in Aigors Konstantinopel, 5. Februar. (J.T. A.) Die von der Konferenz der jüdischen Gemeinden in der Türkei eingesetzte 13g!iedrigc Kommission zwecks Durchführung der Reorganisation des Groß-Rabbinats gemäß dem neuen türkischen Gesetz über Trennung von Kirche und Staat, hat soeben ihre Arbeiten beendet. Drei Mitglieder dieser Kommission begaben sich nach Angora, um der Regierung das Organisationsstatut vorzulcgen und um die Bewilligung für die Konstituierung eines jüdischen Rates zu bitten, der die Verwaltungs- und Wohlfahrtsangelegenheiten der jüdischen Gemeinden besorgen, wobei dem uroßrabbinat die Führung der religiösen Angelegenheiten überlassen bleiben soll. Die Abordnung hat der Regierung mitgetcilt, daß mit Beginn des nächsten Schuljahres in den jüdischen Schulen Türkisch als Unterrichtssprache eingeführt werden wird. Ueber die Ent- Scheidung der Regierung liegt noch kein Bericht vor. (Wir brachten am 27, November 1925 eine ausführ־ liehe Darstellung der Probleme des Judentums in der neuen Türkei, - Red. ״J. R“)