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Jüdische Rundschau · 1926-02-02 · Heft 9 (2.2.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 9 (2.2.1926)
Date
1926-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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0 Nr 9 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite «7 sprach da •י ־. Ah heuti'. 0 bi tra ׳ von folgte , den nicht fccac , die die, itete, oder t er gibt Karl sind, Saint Fort dem e r, miaes. durch im er Kleinauch wie unter eine der Gedas *U*״J der ein dische «ideal Nachchafts- ־ra 1 stanz »Here eofer A# ״§I Ättrt f naten iger IvQvU) eben. vernicht Ierrn taten flters ihn 193 Mit die sameiner oßen laran ssen- Riehsdes- Oefried h In Verhen Dl*- 10t0bei vor. der ilaiul geile liierann. aran sehe ausjßdl- Dr. uerin und Jini- und beit. 60d an :häennelapgue ssenmtut «ich :ren nde Die dritte Mauer Jerusalem, die Stadt voller Wunder und uncntdeckter Geheimnisse. Wenn man, noch vor einem Jahre, vom jüdischen Markt in Meah Schcarim mit seinem Trubel, Schmutz und lärmen hinüberging zu den großartigen Felsenmauern des Grabmales der Helena, der Königin von Adiabene, oder noch näher an der Altstadt auf den sonderbar geformten Hüge! zu, der von Mönchen als Berg Golgatha ängstlich vor fremdem Fuße geschützt wird, mußte man Ober ein großes quadratisches Stück Feld, das, an drei Seiten umgeben von Häusern, merkwürdigerweise völlig unbebaut geblieben war. Nicht einmal ein ״richtiger“ gebahnter Weg führte hinüber, und Jahre hindurch wurde auf diesem Feld, inmitten der Stadt, Weizen gepflanzt. Da stieß man eines Tages bei der Ausbesserung des Weges am Rande des unbebauten Feldes auf einen großen Quader behauenen Steins unmittelbar unter dem Boden. Dieser Block an dieser Stelle erregte die Aufmerksamkeit der ״Jüdischeu Gesellschaft für Altertümer“. Noch einige Monate vergingen. Da begann man mitten im Felde die Grundlagen für ein Haus zu schachten; und wieder stieß man auf Gemäuer und behauene Steine. Und nun förderte, fast über Nacht, systematische Arbeit in der ganzen Dinge des Feldes die großartigen, cvklopischen Grundlagen einer Mauer zutage, von so riesigen Umrissen, wie sie sonst nur die Klagemauer aufwiesen. Nach wenigen Tagen wußte ganz Erez-Isracl, daß die Reste der ״dritten Mauer“, deren! Verlauf bisher vergeblich nachgespürt wurde, aufgcfunden worden waren. Gewaltige Erinnerungen rufen diese im Boden vergrabeuen, von Schutt jahrhundertelang bedeckten, vergessenen Blöcke in uns wach, die 30 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels aufeinander getürmt wurden. ״Die dritte Mauer nahm ihren Anfang bei dem Hippikustürm, von wo sic zunächst in nördlicher Richtung bis zum Psephinushmn lief, dann gegenüber dem Grabmal der Helena, der Königin von Adiabene, nach den Königshöhlen sich wandte und bei dem Eckturm an dem sogenannteu Walkers־ dcnkmal umbog.... Diese dritte Mauer hatte Agrippa (Agrippa I.) um den neugebauten Stadtteil (Bezetha) gezogen.... Weil nun auch die Bewohner von Bezetha eines Schutzes bedurften, begann Agrippa mit dem Bau der vorhin erwähnten Mauer; hernach aber fürchtete er, die Großartigkeit des Werkes könnte ihm beim Caesar Claudius in den Verdacht bringen, als ob er Abfall und Empörung plane, und hörte deshalb auf zu bauen, nachdem er nur die Fundamente gelegt hatte. Hätte er aber die Mauer, wie sie b e - gönnen wurde, vollendet, so würde die Stadt wohl uneinnehmbar gewesen sein. Denn die Mauer war aus zwanzig Ellen langen und zehn Ellen breiten Steinblöcken zusammengefügt, die man mit eisernen Werkzeugen so leicht nicht hätte untergraben noch mit Maschinen hätte erschüttern können.“ (Joseph bei! Mattiajahn, ״Geschichte des jüdischen Kriege;“, fünftes Ruch, Kapitel 2, Abschnitt 2). Die Quadern, zwischen drei bis vier Meter breit und hoch, eng aneinandergefügt, ähneln auch in der Bearbeitung denen der Klagemauer; um ein erhabenes Feld ist ein glatter, schmaler Rand gemeißelt. An einzelnen Stellen ist das Steinfundament in einer Breite von vier bis fünf Meter freigelegt; verschiedentlich wurden gemodelte glatte Regenbehälter und Leitungen am Rande der Mauer aufgedeckt. Besonders gewaltig sind die Grundlagen eines Turmes von 8.80 Meter Breite; man lese die Schilderung Joseph ben Mattiajahns über die Herrlicjikeit dieser Türme nach. ,ffrfiteii Ma«« , mehrere Mosaiteteinböien aus prächtigen, bunten kleinen Steinen byzantinischer Herkunft (5. bis 7. Jahrhundert) mit griechischen Inschriften zutage gefördert; die Entzifferung der Inschriften ergab, daß Teile der Böden die eines Mönchsgrabes sind; auch der Boden einer griechischen Kirche wurde aufgedeckt. Durch ein besonderes Verfahren wurden Abdrücke des Musters aufgenommen und ins Regicrungsniuscum überwiesen. Mit den kleinen bunten Mosaikquadraten aber spielen die jüdischen Kinder aus Meah Schearim! Geheimnisvoll ist der Fclsenboden Jerusalems, und mit tiefer Erschüiterung stehen wir auf den ungeheuren Quadern, die das Fundament jener Mauer hätten werden sollen, die, vollendet, vielleicht das jüdische Schicksal anders gestaltet hätte. Die Unmittelbarkeit dicker Entdeckung belebt die Phantasie, die mit cinemmai der Grausigkett des Kampfes an die'er Stelle sich erneut bewußt wird; und nicht weniger der Todesstarre, die zwei Jahrtausende lang diesen Ort lebendigen jüdischen Seins umfangen hat und deren Symbol der zu beiden Seiten der Mauerfundamente aufgesehichtete Erdschult ist. Viele Rätsel birgt vielleicht der Boden Jerusalems noch, besonders am anderen Ende der Stadt, wo vom Zionstor der Berg ins Kidrontal sich steil hinabsenkt und wo Macalister und Weil in den letzten Jahren gegraben haben, um die Jehusiter- und Davidsstadt zu entde ken. lebendig wird das Vergangene und es ist, als ob die jüdische Renaissance im lande unmittelbar anknüpfte an das historische Geschehen. Es ist zu begrüßen, daß man, unmittelbar am Rande der Chaussee, einen der mächtigen Quader rings mit einem Steinkrauz eingefaßt hat als dauerndes Wahrzeichen des vdjhi׳ torischen Ringens auf diesem Boden. Nicht allzu zahlreiche Ueberreste hat der palästinensische Boden bewahrt, besonders aus jüdisch-historischer Zeit; daher ist die Aufdeckung der dritten Mauer für uns ein Ereignis ersten Ranges- Walter Preuß. Die ■eoe Exekutive des Waad Leuni < Auf der ersten Sitzung des Waad Leumi wurden folgende Mitglieder in die Exekutive des Waad gewählt: David YelSin, Kalvariski, Mcjucbas, Ben Zwi, Dr. Thon, Arouowicz und Rabbiner Ostrowski. Da־ Waad Leumi beschloß, seine Tätigkeit in Jerusalem zu konzentrieren und die ursprüngliche Absicht, einen Teil der Geschäfte nach Tel-Awiw zu verlegen, nicht durchzuführen. Die Fiscbereireehie am Kiierelbsee Einige Araber versuchten auf jüdische Fischer, die auf dem Kinerethsee fischten, einen ueberfal! zu veranstalten. Die Araber behaupten, daß die Juden kein Recht haben, auf dem Kincreth Fischfang zu treiben. Wegen des strittigen Fischereirechtes werden die Behörden zur Schlichtung angerufen werden. Zunächst verzichteten die jüdischen Fischer darauf, ihrem Gewerbe auf dem Kinerethsee nachzugehen. Die Gleichberechtigung der Juden in Spanien. Bei der in Nr. 5 unserer Zeitung veröffentlichten, der J. T. A. entnommenen Notiz ist versehentlich die Angabe weggeblieben, daß die dort erwähnte Auskunft über die Lage der Juden in Spanien an den ״Centrai-Vercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ gerichtet war. Zu dem in unserer Nr. 5 vom 19. Januar veröffentlichten Bericht über die vom Vereinigten Komitee für jüdische Auswanderung (Emigdirekt) veranstaltete öffentliche Versammlung, werden wir von den Veranstaltern um die Feststellung ersucht, daß Herr Dr. Paul Nathan nicht als Vertreter des Hilfsvereins der deutschen Juden, sondern in seinem persönlichen Namen gesprochen hat. Za■ $0. Gebarlslsg von Moses Cilvary Am l. Februar feiert Moses Calvary in Palästina seinen 50. Geburtstag. An der Entwicklung des deutschen Zionismus hat Calvary einen bemerkenswerten Anteil gehabt. Eine ganze Reihe von Menschen, die jünger sind als er und die heute zionistische Arbeit leisten, hat er in ihrer geistigen und zionistischen Haltung stark beeinflußt. Er hat viel dazu beigetragen, die schwierigen Fragen der Auseinandersetzung assimilierter Juden mit der europäischen Oeisteswelt fruchtbar zu gestalten. Er verstand es, Heranwachsende Menschen an die wirklichen Probleme des Lebens heranzufüliren und gab ihnen die Möglichkeit, selbst die für das Leben des Einzelnen wesentlichen Antworten zu finden. Calvary war vielen von uns ein vorbildlicher Lehrer, der die grolle Kunst verstand, werdende Menschen gerade auf der Linie der ihnen eigentümliehen Entwicklung zu fördern, der es immer vermied, den jüngerer! zu einem a!1 den Lehrer fixierten Nachbeter zu erziehen. Vor drei Jahren ist Calvary nach Palästina gegangen. Wir hofften, daß er dort ein Lehrer für junge Menschen werden würde, die er zu reifen Urteilen führen könnte. Möge ihm diese Möglichkeit noch gegeben werden! Es gibt viele, die ihm heute im Geiste die herzlichsten Glückwünsche senden und in Dankbarkeit an die Zeiten denken, in denen sie sorglos in ״produktivem Müßiggang•“ vielfach angeregt und gefördert durch ihn, die geistigen Grundlagen für ihr zionistisch« Wirken «ich zu schaffen bemühten. K, B. Kleiue Ntebrichie» Wie Havas berichtet, hat der ägyptische Minist e r - rat eine Note genehmigt, in der die ״Stellung Großbritanniens zu Palästina und Irak anerkannt, gleichzeitig jedoch Vorbehalte bezüglich der Rechte der Acgypter hinsichtlich' der Grenzfestsetzung zwischen Aegypten und Palästina gemacht werden. Oberkonimissar Feldmarschall Lord Plumer hat die von der palästinensisch-arabischen Exekutive in Jerusalem arrangierte Feier zum Andenken an den im Kampfe auf der Seite der Drusen gegen die Franzosen gefallenen Leutnants Fuad Salim, eines Arabers aus Palästina, verboten. Die jaffaer Elektrizitätsgcsellsciiaft bcschloß in der Aktionärversammlung, die am 14. Januar unter dein Vorsitz des Herrn Pinchas Ruthenberg stattfand, die notwendigen Summen für Kapital, Amortisation usw. abzuschreiben und eine Dividende von 6״> zu verteilen. 111 der ״Times“ vom 29. v. Mts. wendet sich T. E. Page scharf gegen Lloyd Georges Kundgebung anläßlieh des Uebertritte Alfred Monds zur Konservativen Partei. Lloyd Georges Anspielung auf Monds Judentum bczeichnet der Schreiber als eine unverzeihliche Verletzung des politischen Anstands. Die American Paiestinc Bank Ltd. in Tel-Awiw ist in Liquidation getreten. Alle Depositinhaber und Giäubiger werden voll befriedigt. Die Zahl der Einwanderer nach Palästina während der abgelaufenen sieben Jahre betrug 1919 2618, 1920 7129, 1921 8517, 1922 9481, 192$ 9778, 1924 17373 und 1925 36017 Personen. . ׳ ״״ W-' Initiative, ■fe* .;Qtoerrablners vm ־Aegypten, ״;Nahum Effenai," des früheren Finanzmtaisters und jetzigen Prisidcnlen der jüdischen Gemeinde Youssef Cattaui Pascha, der Herren Georges Cattaui, Kahanoff und Frau Höfier ■wurde in Kairo eine Gesellschaft für jüdische Geschichte begründet. Der offizielle Name der Gesellschaft ist: ״The Society of Historica! Jewish Studies of Egypt“. Soeben erschien in Jerusalem die erste Nummer der hebräischen Ulk-Zeitung ״Misthama“ (״Wahrscheinlieh“). Sie enthält heitere Artikel, Anekdoten und Witze, sowie viel humoristisches Bildmaterial. Soeben erschien in jiddischer Sprache ein Buch von Dr. Walter Preuß über ״Die jüdische Arbeiterbewegung in Erez Israel“, Verlag des Weltverbandes Hechaluz, Warschau, Orla 11. Bei der gestrigen allgemeinen Wahl wurde der Rabbiner von Biala I)r. Abraham Jacob Mark, ein Bukowinaer Kind, zum Oberrabbiner der Landeshauptstadt Czernowitz einstimmig gewählt. (Dr. Mark war gelegentlich auch Mitarbeiter unseres Blattes. A. d. R.) Vor einigen Tagen erschien die Nr. 3 der vom Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael herausgegebenen ״Palästina-Pbotographie-Corresponaenz“. Diese Nummer enthält Photographien über die jüdische Industrie in Erez Israel (Oel- und Seifenindustrie bei Juden und Arabern), Bilder von der Chankin-Feier in Nahalal und der Fahne der jüdischen Legion. Auf Vorschlag der italienischen zionistischen Föderation wurde Professor Mario Levi vom König!. Lyzeum zu Triest an das jüdische Gymnasium zu Tel-Awiw als Lehrer der italienischen Sprache berufen. Die Juwal-Verlagsgesellscliaft für jüdische Musik, die als einzige jüdische Verlagsgesellschaft an der Internationalen Buchausstellung in Florenz 1925 teilgenommen hat, erhielt vom Ministerium ein Ehrendiplom. Die Samnelbflehie Das Organisations-Departement der zionistischen Exekutive (London) ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung; Der 14. Kongreß hat in zwei Beschlüssen festgestellt, daß die sogenannten vier traditionellen Aktionen des Keren Kajemeth, die Tischri-, Chanukka-, Purim- und 20. Tamus- Aktion, sowie die Sammelbüchse ausschließlich vom Keren Kajemeth als Sammelmittel verwendet werden dürfen. Einer dieser Beschlüsse normiert das Recht des Keren Kajemeth die erwähnten Sammelmittel für die Propaganda für andere zionistische Zwecke (außer des Keren Kajemeth) nicht benützt oder nachgeahmt werden dürfen. Eta vor kurzem unter Hinweis auf die vom Zentralbüro der Zionistischen Organisation heratisgegebene Broschüre ״Der 14. Kongreß“ der Sinn dieses Beschlusses in Zweifel gezogen und behauptet wurde, daß die Verwendung der Sammelbüchse von dem Kongreß nur dem Keren Hajessod verboten wurde, legt die Exekutive Wert darauf, zu erklären, daß der Absatz t der Vorbemerkung zum Kapitel IX der erwähnten Broschüre sich nur auf den Teil A der Beschlüsse dieses Kapitels bezieht und daß das Recht des Keren Kajemeth auf ausschließliche Verwendung der Sammelbüchse gegenüber allen zionistischen Körperschaften Gruppen, Fonds, Sammhingen usw. unzweifelhaft fcststeht. London, 25. Januar 1926. Eil refinnierler Seelsorger ln der Beilage für Erziehung und Unterricht des ,Hamburger Israelitischen Kami lienblatt cs" behandelt Lehrer M. Steinhardt aus Magdeburg, der alte Kämpfer für bewußte jüdische Erziehung und für die Interessen seiner Staudesgenossen eine Rede, die der Rabbiner der Berliner Reform- Synagoge gegen die jüdische Schule und gegen die Ostjuden in einer Versammlung in Duisburg gehalten hat. Wenn inan das von Herrn Rosenthal gegen die jüdische Schule und gegen die Ostjuden Gesagte liest, so meint man, daß dieser Herr Rosenthal Parteigänger der Nationalsozialisten ist. Was sich dieser Seelsorger an Verunglimpfungen, Verdacht!- gungcii der Ostjuden leistet, steht wirklich beispiellos da. Nicht einmal Max׳ Naumann hat unter eigenem Namen oder unter Pseudonym derartige Amvürfe gegen die Ostjuden erhoben. Was Herr Roscrithal prinzipiell gegen die jüdische Schule vorgebracht hat, ist allerdings nur eine schärfere Fassung dessen, was die Richtung des Centralvereins gegenwärtig zu diesem Thema sagt. In verschiedenen Orten Deutschlands, bcsonders aber in Berlin, wird von jüdisch assimilierter Seite gegen die jüdische Schule Sturm gelaufen. Offenbar handelt es sich um eine von einer ■Zentralstelle ausgegebene Parole. Es wird notwendig sein, sich mit dieser Stellungnahme der Liberalen ausführlicher zu beschäftigen, die noch im Vorjahre anläßlich der Wahlen in den Preußischen Landesverband ganz andere Grundsätze in dieser Beziehung vertreten haben. Seit einem Jahre ist überhaupt die jüdische Assimilation in Deutsch- Iand militanter geworden. Ein Ausdruck dieser Einstellung ist der Kampf gegen die jüdische Schute. Reformrabbiner Rosenthai vertritt diese liberale Ansicht 'in schärferer Weise offenbar, um sich auf seinem neuen Posten in Berlin bei seiner Gemeinde bestens zu bewähren und den Nachweis zu erbringen, daß er ein ihrer würdiger Seelsorger ist. Zwei iiddiseke Tageszeitangel 1■ Paris Paris, 20. Januar (J. T. A.) Die ״Pariser Blätter“, die eine Zeitlang als Wochenschrift in jiddischer Sprache er• schienen waren, begannen am 15. Januar als jiddische Tageszeitung unter dem gleichen Titel zu erscheinen. Ab 24. Januar begann in Paris eine zweite jüdische Tageszeitung, der ״Pariser Hajnt“ zu erscheinen. Diese Gründung steht in Zusammenhang mit der Warschauer jiddischen Tageszeitung zionistischer Richtung ״Najer Hajnt“. Die Weit-Toiriee der ״Uablmah“ Das berühmte hebräische Theater in Moskau ״Habimah“ hat sich auf die Reise begeben, um in zahlreichen Großstädten Europas und wahrscheinlich auch in Amerika Vorstellungen zu geben. Die erste Vorstellung fand am 28. Januar in Riga statt.! Kurze Zeit darauf wird die Truppe in Kowno gastieren, fn diesen beiden Städten sind die ersten Vorstellungen der ,,Habimah“ seit längerer Zeit bereits ausverkauft. In Riga finden die Vorstellungen im Gebäude der Nationalen Oper statt In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter äußerte sich der Schöpfer und Direktor der ״Habimah“, Herr N. Zeraach, dahin, daß die ״Habimah“ wahrscheinlich ein Jahr lang im Auslande veroleiben wird. In Moskau wlra inzwischen die ״Habimah“ durch ihr aus 20 Darstellern bestehendes Studien-Ensemblc ersetzt werden. Die maßgebenden Faktoren der Sowjetregierung haben versprochen, die Schüfe während der Abwesenheit des Haupt-Ensembles m tnfer« pstütze«״•' Tu»: Anstande־ ■werden -wir ( Truppe in Moskau, abgesehnitten von der jüdischen Masse, leisten kann. Die ,,Hammah“ hielt in Moskau aus und streute l hier den Samen für eine neue hebräische Kunst j Herr Zemacli deutete an, daß die ״Habimah“ möglicherweise auch in Palästina gastieren wird, da sie sich | für Saloniki und Konstantinopel bereite verpflichtet hat Hm Zemach wünscht, eine lebendige Beziehung zwischen der Moskatier ״Habimah" und Jerusalem zu schaffen. Dr. Klee Ober den Slelger-ProzeB Breslau. Am Dienstag, den 19. Januar, hatten die Breslauer Juden die Freude, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin in ihrer Mitte begrüßen zu können. Wie sehr diese Veranstaltung der Breslauer Zionistischen Vereinigung in allen Kreisen des Breslauer Judentums Anklang gefunden hatte, zeigte ein Bild auf die Menge, die jedes Plätzchen und jede Ecke des Kammern!usiksaals füllte. Die Versammlung wurde durch Herrn Rechtanwalt Jacobsohn eröffnet Alsdann nahm Herr Rechtsanwalt Klee das Wort. Indem er an jenes Wort Lord Robert Cecils erinnerte, der Krieg habe uns einen doppelten Gewinn gebracht im Völkerbund und in der Wiedergutmachung alten Unrechts durch den Aufbau eines jüdischen Palästinas, führte er aus, wie unsere Enttäuschung wachse, je langsamer sich die neuen Ideen durchsetzen, von denen wir 1919 und 1920 glaubten, daß sie bereite völlig gesiegt haben. Indem er dann zum Steiger-Prozeß uberging, zeigte er, daß es sich nicht um einen Prozeß des einzelnen Menschen Stanislaus Steigers, sondern um einen Prozeß des polnischen Judentums gehandelt habe. In der ersten Instanz, dem Lemberger Standgericht, habe die Verurteilung des unschuldigen Steigers an einem Haar gehangen, die Folgen des Todesurteils für das polniscne Judentum wären unabsehbar gewesen. Man kann sich denken, was es heißt, wenn durch ein Gerichtsurteil festgestellt wird, daß ein Jude einen Mordversuch auf den Staatspräsidenten gemacht hat, daß die Juden also ein illoyales Element seien. Wir erinnern uns ■ noch zu gut des Dreyfus-Prozesses und des Beilis-Prozesses, um nicht zu wissen, was das bedeutet. Er gab dann eine eingehende Schilderung des Prozeßverlaufes. Gegenüber der unsicheren Lage der Juden gibt es einen Lichtpunkt. Das ist die mannhafte Haltung, mit der das polnische Judentum und das Judentum der ganzen Welt diesen Angriff auf seine Ehre abgewehrt hat. Eine Ausnahme bilden nur gewisse Teile des deutschen Judentums, deren Haltung wir überhaupt nicht mehr begreifen können. Selbst ein Hund beißt, wenn man ihn tritt, und wir können heute nicht mehr verstehen, wie es möglich war, daß deutsche Juden ihre und auch die nichtjüdische Presse von dem Protest gegen den drohenden Justizmord abzuhaltcn versuchten. Eine ähnliche psychologische Einstellung zeigen heute nur noch die ungarischen Juden, für die kürzlich erst ein Vertreter erklärte, er sei bereit, die bürgerlichen Rechte der Juden in Ungarn zu opfern, wenn die Integrität Ungarns dadurch gewahrt würde. Wir verstehen diese Angstgefühle heute nicht mehr, wir sind aus anderem Holz. Wir werden uns nicht abhalten lassen zu kämpfen, bis ein internationales Minoritätenrecht die Lage auch unseres Volkstums überall in eine menschenwürdige wandelt. Wenn Streseinann kürzlich feststellte, daß neun Millionen Deutsche als Minoritäten in der Diaspora leben, so haben diese neun Millionen doch einen Rückhalt an den 50 Millionen, die in Deutschland wohnen, und sie können mit den Zentren der deutschen Kultur in Verbindung bleiben. Für unsere 15 Millionen müssen wir dieses Zentrum erst bauen, und wir werden nicht aufhören, begeisterte Kämpfer zu sein für unser doppeltes Ziel: Minoritätenrecht im Osten und Aufbau des Heimatlandes, das heute jeden einzelnen ruft. Der Vortrag fand den begeisterten Beifall der zirka 809 Erschienenen. I! 4 /

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