Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 59 «derü d i - Aufweist Vegc 1oliök iienst jluthden nie- 1t a!s ndest ältnis Antirund- :!gen. statt rstansehen sehen ttelu. üßen, nicht- Antiirlscti f die t, so Antisehr Daß ganz nuaft Vorohne 1 der über nrich; nur iungktion ldors hkeit ndera wohl scher ent- M. E. mten nitissind,!eher eine >chen alten irkejt Äenst weittoren des sich illen, Daritung ־ die Anti- Iiterwurf t ein über i K »eher ׳.nder imeii!äher :Inen imen eiche von , der Seide! zur ionsdes seine tialer dem ntcrhabe eien. :geninen, :1 sie eben, men;; der screr Volkder sie be-; die , 80 nnet, issen Vercindlatiot mH zeigt snius dci :liehe stens Das erst . ge• nt. Nr 8 Deedes bei Minister Benesch Prag, 26. Januar. (J. T. A.) Sir Wyndham Deedes, wurde zusammen mit dem Keren Hajessod-Del gierten Leo Hermann vom Außenminister Dr. Benesch empfangen. — Dr. Benesch versicherte, daß die zionistischen Bestrebungen in Palästina seine Sympathie und die des Präsidenten Masaryk in vollem Maße genießen. Die Tagung in Mährisch-Ostraa Am 25. Januar wurde die zweite Konferenz der tschechoslowakischen Keren Hajessod- Zeichner durch Stadtrat Dr. Husz feierlich eröffnet. Mehr als 100 Delegierte und 1000 Gäste füllten den Saal. Die Konferenz wurde von der Stadtverwaltung und den zahlreichen jüdischen Organisationen des In- und Auslandes in der Tschechoslowakei begrüßt. Nach einem Referat Leo Hermanns über das Problem des Palästina-Aufbaues vom Gesichtspunkt der Völkerverständigung, ergriff stürmisch begrüßt Sir Wynd- Ham Deedes das Wort zu einem einstündigen Vortrag, er erörterte die sittliche Bedeutung der zioni-:tischen Bewegung und setzte die Motive auseinander, aus denen das freiheitliche und bibelgläubige englische Volk es sich zur Aufgabe gcmacht hat, das zweitausendjährige Unrecht gutzumachen, unter dem das jüdische Volk leidet. Die abschnittsweise ins Deutsche übersetzte Rede wurde von der Zuhörerschaft mit tiefer Ergriffenheit und begeistertem Beifall aufgenommen. An diese öffentliche Kundgebung schloß sich eine vierständige Geschäftssitzung, ln welcher Sir Wyndham Deedes die britische Politik in Palästina und eine Reihe aktueller Fragen des Aufbaues erörterte. Schließlich wurde eine aus repräsentativen jüdischen Persönlichkeiten der Republik bestehende Zentralkommission für den Keren Hajessod gewählt. Aas der Repräsentanten •Versammlung LI m f a 11 der Liberalen in der Schulfrag c. Von unserem Berichterstatter. In der Sitzung vom 24. Januar gab" es eine sehr interessante Schuldebatte. Der Gemeindevorstand hatte der Versammlung ursprünglich eine Vorlage wegen der Um- Wandlung zweier Gemeindeschulen in Berlin-Mitte in jüdische Gemeindeschulen unterbreitet. Diese Vorlage hat der Gemeinde- Vorstand plötzlich ohne jede Begründung zurückgezogen. Die Volkspartei und die Konservativen verlangen energisch nach einer Begründung dieses Schrittes und darauf erhebt sich vom Vorstandstisch Dr. Kollenscher, um zu erklären, daß der Vorstand die Vorlage deswegen zurückgezogen habe, weil nach einem bei den Akten befindlichen Schreiben des Liberalcn Sonnenfeld an den Liberalen Türk in maßgebenden städtischen Instanzen keine Aussicht besteht, die Vorlage zur Zeit durchzubekommen. Dieser Beschluß des Vorstandes ist, wie man später erfährt, mit den drei Stimmen der liberalen Vorstandsmitglieder gegen die drei Stimmen der Volkspartei und Konservativen gefaßt worden, wobei der liberale Vorsitzende des Vorstandes den Ausschlag zugunsten der Zu- . rückzichung gegeben hat. Ein Vorgehen, in dem Dr. Klee, ■V«fr* Rsd««« ׳der •׳■ VfeUapastciy ״alt•Ä«ht«eine־-• -*rüsktarung ::der ‘ Repräsentanteövefsammlung sieht. Nicht nur die Versammlung, sondern mehr noch die weite jüdische Oeffentlichkeit hat, wie der Redner sagt, ein brennendes Interesse an dieser Vorlage und an den Gründen, die den Vorstand bewogen haben, sie im letzten Augenblick zurückzuziehen. Dem Redner ist es unerklärlich, wie ein einzelnes Mitglied der Repräsentanten- Versammlung Unterredungen mit städtischen Stellen dazu benutzen kann, diese in seinem Sinne zu beeinflussen. Zunächst wäre es Pflicht des Vorstandes gewesen, die städti- ' erben Amtskreise besser zu informieren und wenn dies nicht zum Ziel geführt hätte, an die höheren Instanzen zu appellieren. Dem Redner ist es ein unerträgliches Gefühl, daß für alle Konfessionen Schulen bestehen, der jüdischen Gemeinschaft aber dieses Recht verwehrt wird. Vorstandsmitglieder, die es fertig bekommen, ihre Meinung in einer so grundlegenden Angelegenheit binnen wenigen Wochen 2(1 ändern, seien als Führer ungeeignet. Die Forderung nach jüdischen Schulen ist im Wahlkampf ein Programmpunkt großer Parteien gewesen. Heber diese Forderung ohne ausreichende Begründung hinwegzugehen, bedeutet eine Herausforderung, die man nicht schweigend annehmen kann. Die Ausführungen des volkspartcilichcn Redners haben selbst auf die Liberalen den Eindruck rächt verfehlt. Aus ihrer Mitte erklärte der Leiter der Knabenschule, Dr. Gutmann, sein Einverständnis mit der Errichtung jüdischer Volksschulen, während der offizielle Führer der Fraktion nach einer langen Rede, die im wesentliehen aus dem Vortrag der liberalen Programmforderung besteht, der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es nicht nötig sein werde, in den nächsten Jahren in Berlin jüdische Schulen zu errichten, einer Hoffnung, die in den Reihen der Volkspartci und auf den Tribünen die tiefste Empörung erweckt. Der inzwischen erschienene Kammergerichtsrat Wolff, der Vorsitzende der Gemeinde, gibt eine formale Erklärung ab, die darin gipfelt, daß der Gemeindevorstand es nicht nötig habe, der Repräsentantenversammlung die Gründe für die Zurückziehnng der Vorlage mitzutoilen. Nachdem der konservative Führer sich sehr energisch für die Errichtung der jüdischen Schulen eingesetzt hat, charakterisiert Professor Heinrich Io e w e den Brief des Herrn Sonnen fei d als die Etablierung eitler Nebenregianing. Vor dieser Nebenregierung, die aus den zwei Führern der Liberalen besteht, ist der Gemeinde- Vorstand nrückgcwichen. Von der Volkspartei spricht noch Herr Goslar, der seinem lebhaften Erstaunen Ausdruck gibt, daß hier das Diktat eines Einzelnen genügt hat, dem Gemeindevorstand in einer Lebensfrage des Judentums seinen Willen aufzuzwingen. Der Redner vermißt beim Vorstand die geistige Führung. Nachdem Herr Sonnenfeld versucht hat, sein Vorgelten zu rechtfertigen, nimmt das volksparteiüchc Mitglied Dr. Kolleimchcr das Wort, um sich zu der Auffassung zu bekennen, daß der Vorstand verpflichtet ist, auch für Zurück- Ziehung einer Vorlage die Gründe anzugeben. Aus den Akten zitiert Dr. Kollenscher eine Anordnung des Vorsitzenden der Gemeinde, nach der der Brief des Herrn Sonnenfeld allen Mitgliedern des Vorstandes in Abschrift zugänglich gemacht werden sollte, während ein bei den Akten vorhandener Brief des Schulreferenten Hirschfeld, der sich unter Berufung auf Zahlen für die Errichtung jüdischer Schulen ausgesprochen hat, gar nicht erst weitergegeben worden ist. Herr Kareski ruft den Liberalen ins Gedächtnis, daß sie es verstanden haben, die von ihnen abhängigen Vorstandsmitglieder unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Währenddessen hatte die Volkspartei einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der die zurückgezogene Vorlage des Vorstandes wieder aufnimmt. Dieser Dringlichkeitsantrag wird in der nächsten Sit״״no׳ als einziger Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werden. A. H.-bg. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Verein.gung, Berlin W 15j Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7163—70. Postscheckkonto Nr. 37830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. ש ר ב •ש ב ט ב ת ל ־ א ב י ב• y ח מ ע ה במוצאי שבת זו, .30 יאנואר" ט״ו להדש שבט, בשעה 8 (בדיוק הרגיל!) מודטגים חברי בית הועד העברי בברליו אל המסעדה תל־אביב קאמטאנדאנטענשטר. נ707 (הכניסה - נייע גרינשטר.), להוג את חגיגת חמשה עשר בשבט במסבה עברית, מהיר שירה וזמרה וברכת הנהנץ על פרי הארץ - בהשתתפותם של אפנים עברים מפורסמים, מטיבי נגן ומנעימי זמירות. - כל חובבי ודובבי עברית מווטגים לבוא ומזמינים עמהם את קרוביהם ומיודעיהם• Jüdischer Ruder-Club ״Ivria“. Sonntag, den 31. Januar: Näheres wird am Donnerstag bei Sand bekanntgegeben. Wer von der Sonntagsveranstaltung keine Kenntnis erhält, ist verpflichtet, sich telephonisch zu erkundigen. Donnerstag, den 4. Februar: Heimabend bei Helmuth Levy, Zwinglistr. 4. Ostjüdischer Abend. Wochenbericht Hell- Rothenberg. Montag, den 1. Februar abends 8'/״ Uhr Jugendgruppe Süd in den City-Festsälen, Dresdener Str. 52 Diskussionsabend unter Zugrundelegung einer Artikelserie von Achad Haam, Leitung: Frau Dr. Zadik. Anschließend geselliges Beisammensein. Montag, den 1. Februar abends 8(4 Uhr Gruppe des Xll. Bezirks, im Cafe Bohne, Steglitz, Albrechtstraße 127: Herr Dr. Hurwitz: ״Die innerpolitische Lage des deutschen Zionismus“. In den Räumen des Jüdischen Studenten- Vereins e. V. spricht am Dienstag, den 2. Februar, abends 8(4 Uhr, Jakob Leschzynski über das Thema: ,,Das Emigrationsproblem“ in der ökonomischen Entwicklung der Juden. Mitglieder und Gäste sind herzlichst eingeladen. Mittwoch, den 3. Februar abends S>/3 Uhr im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10, Sitzung der Vertreterversammlung der B. Z. V. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Fortführung der Auseinandersetzung über den Antrag Dr. Hans Bloch. Die Sitzung ist für Mitglieder der B. Z. V. öffentlich. Mittwoch, den 3. Februar abends 8>4 Uhr Gruppe Nord im Gemeindehaus, Rosenstraße 2/4 Herr Dr. Soloweitschik: ״Was wollen die radikalen Zionisten.“ Donnerstag, den 4. Februar abends 8י'« Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Gartensaal der Loge, Kleiststraße 10, Vortrag Kurt Blumenfeld: ״Die jüdische Gesellschaft“, eine soziologische Betrachtung. Sonnabend, den 6. Februar abends 81/2 Uhr HapoSl-HazaTr. im Verwaltungsgebäude der Jüd. Gemeinde, Rosenstraße 2/4. Chawerim-Versammlung. Tagesordnung: 1. Organisation der Arbeit für die nächste Periode; 2. Vortrag Chawer Esroni, Haifa: ״Die jüdische Selbstverwaltung und das Schulproblem in Palästina“. Wir bitten um pünktliches Erscheinen. Hapoel-Hazair. Jeden Donnerstag abends 8»/״ Uhr Zusammensein. Versammlungsort wird jeweilig bekanntgegeben. Zionistischer Sprechchor. Jeden Dienstag abends 7/4 bis 10 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Schule, Knesebeckstr. 24 (Bhf. Savignyplatz), Uebungsabend. Auskunft erteilt Frau Hannah Zweig, Düsseldorfer Straße 23, Oliva 257. Gruppe Osf Jeden Mittwoch abends 81/3 Uhr Zusammensein im Wohlfahrtsamt der Jüd. Gemeinde, Meyerbeerstr. 8, pt. Poale-Zion. Jeden Sonnabend abends 8 Uhr Zusammenkunft im Heim, Linienstr. 159. Mlsrachi-Gruppe Berlin: Der Sehiur bei Herrn Rabbiner Harry Levy am Sonnabend abend findet bis auf weiteres nicht statt. Sekretariat des Zei're Misrachl. Sprechstunden täglich von 8—10 Uhr abends im Misrachi- Zentralbüro, Monbijouplatz 1. Jeden Freitag, abends 8 Uhr, im Misrachi-Zentralbüro, Monbijouplatz 1. jüdischer Geschichtskursus. Leiter: stud. phil. Fleseher, Berliner Zionistische Vereinigung Donnerstag, den 4. Februar, abends S‘/3 Uhr Im Logenhaoi, KleisistraJje 10 Vortrag Kurt Blumenield ״Die jüdische Gesellschaft״ Eine sostologisfbe Beh-achtnng. Eindringen der Juden In die europäische Gesellschaft / Wirtschaftlicher ndlvlduallsmus u. gesellschaftliche Struktur der Juden / Der Jude als literarischest! künsllerlsdiesPro- M׳m / Die antisemitische Wdlwelle / Die geseihdiaftllche Wirkung Jüdischer Vereine u. Organisationen / Weltkrieg und Chaos / Gesellschaftliche Neuordnung / Reaktion*- zeit u. Jüdische Restauration / Amerika / Neue Formen Eintritt Mk, 0,50 und 1,— Bialik in London London, 25. Januar. (LT. A.) Gestern abend ist Chaim Nachman Bialik in Gesellschaft seiner Gattin und Dr. Schmarjah Lew ins aus Palästina in London cingctroffcn. London, 27. Januar. (LT. A.) Am Montag, d«1 Januar, fand in London in der Great Assembley Hall ein Massenmeeting statt, in welchem Bialik und Dr. Schmarjah Lewin als Redner auf traten. Die zahlreiche Zuhörerschaft bereitete den Gästen aus Palästina einen begeisterten Empfang. Am Dienstag, den 26. Januar, abends, fand ein Bankett zu Ehren von Bialik und Dr. Lewin statt, das ebenfalls einen glänzenden Verlauf nahm. Am. 3. Februar treten Bialik und Dr. Lewin die Reise nach New York an, wo sie am 10. Februar in der Carnegie Hall im Rahmen der Aktion zur Aufbringung des Fünf- Millionen-Doilar-Fonds sprechen ־werden. ״In diesem Wahnsinn liegt Melhosle“ Im neuesten Monatsblatt des Naumannverbandes wird in einem Lcitaufruf gegen einen Beschluß der Jüdischen Gemeinde in Berlin, dem Pro-Falascha-Komitee aus Gemeindernitteln 1500 M. zu stiften, Sturm gelaufen. Herr Naumann erklärt, daß für die deutschen Juden keine außerdeutsche Judeninteressen, keine Asien- und Afrikasorgen existieren dürfen. Er ist konsequent und in ״seinem Wahnsinn liegt Methode.“ Er Ist viel konsequenter als manche liberalen Juden und der gesamte Ccntral-Vcieiri, die wohl Interesse für die Krimkolonisation, für die Falaschas — aber nicht für den Palästina-Aufbau haben. Das offizielle Organ des lateinischen Patria r c hat« in Jerusalem ״Rakib Sion“ empfiehlt in einem Leitartikel die möglichste Verbreitung der in Beirut (Syrien) erschienenen arabischen Ausgabe der ,,Protokolle der Weisen von Zion“. (Keine Ehre für die katholische Kirche, solchen Unfug zu dulden. A. d. R.) Eingesandt Die hebräische Wlndelband-Uebersetzung. Herr Abr. J. Stybel, der verdiente Förderer der hebräischen Literatur, sendet uns folgende Zuschrift, die wir schon mit Rücksicht auf die großen Verdienste des Einsenders veröffentlichen zu müssen glauben, ohne darum in dieser Sache Partei zu nehmen. D. Red. Jn Nr. 1 der ״Jüdischen Rundschau“ d. Js. befindet sich in dem Artikel ״Kuno Fischer hebräisch” von H. B. die Bernerkung, daß die Fortsetzung der Herausgabe der Uebersetzung der Geschidite der Philosophie von Windelband wegen der Schwierigkeiten des Verlages Stybel verzögert wurde. Da mich diese Sache nahe angeht, kann ich diese Bemerkung, die mich sehr peinlich berührt hat, nicht stillschweigend hinnehmen. Es ist wahr, daß der Stybel-Veriag von der allgemeinen auf dem ganzen Kontinente herrschenden Stagnation, die alle Industrie- und Handelszweige ergriffen hat, mit betroffen ist. Es ist ganz selbstverständlich, daß sich eine derartige Krise gewöhnlich gerade auf dem Büchermarkt stärker fühlbar macht als in andern Branchen. Und in unserer Zeit .־ 'י * «Issen vorangeht. Aber außer diesen äußern Schwierigkeiten sind bei uns innere Schwierigkeiten vorhanden, auf die ich hinweisen möchte. Mit Bedauern muß ich gestehen, daß mir selbst viel von der Schuld zuzuschreiben ist, daß die Verhältnisse so liegen. Ich hätte rücksichtsloser Vorgehen sollen, um meine Wünsche zu verwirklichen. Die Angelegenheiten des Verlages sollten kaufmännischer gehandhabt werden, auch den intellektuellen Interessenten gegenüber, mit denen der Verlag in Berührung kommt. Der Stybel-Veriag hätte dann für den Aufbau der hebräischen Literatur mit der intellektuellen und materiellen Energie, die aufgewandt wurde, vielleicht das Fünfzigfache leisten können. Ich hoffe, daß ich bei dem weiteren Ausbau des Verlages imstande sein werde, aus diesen Erfahrungen Nutzen zu ziehen. Das peinlichste ist jedoch das Verhalten der Schriftsteller selbst. Und dies veranlaßt mich, diese Zeilen zu schreiben. Unter dem Einfluß der Schriftsteller bin ich voll Begeisterung an mein Werk gegangen und wandte mich, zu weitestgehenden Opfern bereif, voller Vertrauen an sie um Hilfe und Unter- Stützung. Ihre Handlungsweise gegenüber dem Verlag will ich hier nicht erörtern, sie wird aber ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Literatur darstellen. Von diesem Kapite! gibt die Affäre der Uebersetzung von Windelband ein kleines Bild. Herr G I ü c k s o h n wandte sich mit einer Empfehlung einer hervorragenden Autorität und dem Vorschlag, dieses Buch ins Hebräische für den Stybel-Veriag üb'rsetzen zu lassen, an mich. Ich bin auf diesen Vorschlag eingegangen und habe mich auch dazu bereit erklärt, daß dieses Werk in Erez-Israel herausgegeben wird, obwohl die Druckkosten damals dort das 3—4fache dessen, was es in Europa gekostet hätte, ausmachten, um dem Uebersetzer die Möghchkeit zu geben, die Korrektur an Ort und Stelle vorzunehmen. Herr Glücksohn schlug mir weiter vor, nicht nur die drei Originalbände dieses Werkes übersetzen zu lassen, sondern als vierten noch die Abhandlungen desselben Philosophen über Kant, worauf ich gern eingegangen bin, umsomehr als gerade das 100jährige Jubiläum Kants herannahte. Von der Empfehlung des Uebcrselzers hingerissen und dadurch vollkommen davon überzeugt, daß dieses Werk für den Aufbau der hebräischen Literatur von größter Bedeutung sein müßte, und auch der Uebersct/er der hierfür am besten geeignete Mann wäre, bin ich darauf eingegangen, dem Uebersetzer ein außergewöhnlich hohes Honorar zu bewilligen. Der Liebersetzer hat das ganze 1 i ־;orar schon lange vor Vollendung der Arbeit, nämlich bereits \or 1—2 jahren erhalten. Der Stybel-Veriag hat schon lange das Papier für die Druckarbeit der weiteren Bände besorgt, mit der Druckerei die nötigen Vereinbarungen getroffen, so daß die letzten zwei Bände bereits vor zwei Jahren hätten erscheinen können, wenn nur Herr Glücksohn seine Verpflichtungen eingehalten hätte. Schon vor mehr als einem Jahr hat der Stybel-Veriag das Manuskript für den dritten Band verlangt, um den Druck desselben vollenden zu können, aber alle Ersuchen waren vollständig vergeblich. Bei dem letzten Aufenthalte unseres Herrn Lachower in Erez-'srael hat auch dieser sich die größte Mühe gegeben, das Manuskript ausgeliefert zu erhalten, doch alles blieb erfolglos. Daher ist es unrichtig, daß die Fortsetzung .,durch die Schwierigkeiten des Stybel-Verlages unterbrochen wurde”. Ich hoffe, daß mir niemand verübe]!! wird, diese Erklärungen vor der Oeffentlichkeit niedergelegt zu haben und daß niemand daran zweifeln wird, daß dies lediglich im lnteresse der Sache geschieht Kopenhagen, 20. Januar 19%. Abraham Joseph Stybel