Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1926)
- Date
- 1926-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Q^schk&te d«n deutsch« ladenta»* Einzelnummer OJO Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU 1 Redaktion und Verlag W 15, Meinekestraße 10. Erscheint 1 jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark. AaiiandaabanBaasnti werden in der W&uung der emrelnen Lieder berechnet Anzeigen ־Verwaltung Jüdische Rundschau G.aub.IL, Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismark 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oeatemrfeb; Pesinerlusseautt Wien, Kaato Nr. ISS 0» ’ Für Tsehtehedewakei: Pantaperknsennmt Frag, Konto Nr, 594i(L Für Polen: Poetaparkaaaaaamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 1 | Berlin, 5. L1926 AudpapniK S getpalLNmparsiUernUe 0,30 G»M. Stellengesuche 0.25G.-M. AszalgraschlaBi Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. י״ט טבח׳ תרס״ו | xxxl Jahrg. Der Zionismus erstrebt für Das JDDIsche Volk Die Schaffung einer ftffentllch rechtlich gesichert! an Halmstatte in Palästina. ״Baseler Programms*' Der Kampf um Stephen Wise Eine Verständigung in Sicht Die Erklärung Dr. Wises New York, 27. Dezember. (J.T.A.) Rabbiner Dr. Stephen S. Wise, hat, wie bereits gemeldet, der Exekutive | r Zionistischen Organisation Amerikas mitgeteilt, daß er ו :.eine Würde als Präsident der Vereinigten Palästina-Kampagne j infolge der gegen ihn gerichteten Angriffe der Union!orthodoxer Rabbiner niederlegt. Der Präsident der 1 Zionistischen Organisation Amerikas, Mr. Louis L i p s k y,! eilte der Presse mit, daß die Exekutive der Organisation ( Keineswegs Dr. Wise zur Resignation aufgefordert hat und i daß sich die nächste Sitzung der Exekutive mit dem Schritt j Dr. Wises beschäftigen wird, ln seinem Abdankungsschreiben 1 erklärt Dr. Wise, man möge nicht seinen Schritt so deuten, ׳ als ob er seinen konservativen Gegnern Recht gäbe. I Inzwischen hat die Exekutive der Misrachi-Organisation, dem Beispiel der Union orthodoxer Rabbiner fol* gend, eine Resolution angenommen, in welcher der Rücktritt von Dr. Wise gefordert wird. Der bekannte Philanthrop Mr. Nathan Straus hat sich ganz auf die Seite des Dr. Wise gestellt und erklärt, er selber stifte 150000 Dollar für die Palästina-Kampagne als Zeichen des Vertrauens für Dr. Wise. Mr. Straus ersuchte auch Dr. Wise, sich dem konservativen Diktat nicht zu beugen und seine Würde zu behalten. Der Resignationsbrief des Dr. Wise lautet im wesentlichen; ״Ich wünsche es nicht, daß mein Rücktritt so aufgefaßt wird, als ob ich dem Mißtrauensvotum der Agudas Harabonim gegen mich irgendwie Recht geben würde. Ich muß es sehr bedauern, daß Rabbiner zu einem solch nichtjüdiscben Mittel greifen und ohne mich oder Gehörzeugen zu vernehmen, auf Grund von Gerüchten ein Verdammungsurteil gefällt haben. Ich hätte geglaubt, daß mein dreißigjähriger Dienst für das mich vor einer Attacke bewahren wfmic wie eie «». In mehreren amerikanischen Städten wurden Protestver- Sammlungen orthodoxer Juden gegen Dr. Wise abgehalten. Während eines zu Ehren des hier weilenden Präsidenten der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Dr. S. Ehrmann- Frankfurt a. M.. gegebenen Empfanges kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Ä g u d i s t c 11 und M i s - rachisten bei der Erörterung der Angelegenheit Wise. Die anwesenden Zionisten forderten, daß über diese Angc- Iegenheit an diesem Abend nicht gesprochen werde, während einige Agudisten die Frage erörtern wollten. Es kam zu sehr turbulenten Szenen, so daß Polizei herbeigerufen werden mußte, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Ein Appell Louis Lipskys New York, 2. Januar. (J. T. A.) Louis L i p s k y veröffentlieht in dem offiziellen Zionistenorgan ״The New״ Palestine“ einen Appell an die Mitglieder des Nationalkomitees für den Palästina-Drive, das Rücktrittsgesuch ihres Präsidenten Dr. Stephen S. Wise nicht anzunehmen und die Stellungnähme des Rabbinerverbandes gegen Wise als grausam und ungerechtfertigt zu erklären, da Dr. Wise nicht gehört worden war, bevor ein Urteil über ihn gesprochen wurde. Ein Rücktritt von Dr. Wise, so schließt der Appell, würde dem Zionismus in Amerika sehr schaden. Ein Versöhnungskomilee New York, 1. Januar (J.T.A.) Unter Teilnahme des Vizepräsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Mr. Joseph Barondeß, sowie der Herren Rabbi Dr. de Sola Pool, Prof. Richard Gottheil und Rabbi M a s I i a n s k i fand in New York eine Zusammenkunft statt, in der Maßnahmen zur Herbeiführung einer Annäherung zwischen Dr. Wise und seinen Gegnern erwogen wurden. Rabbi Ebin machte den Vorschlag, eine gemeinsame Zusammenkunft r-.-f.. . -t._ J,- —U— Am». Zum neuen Jahrgang Aufgaben der zionistischen Presse - Entrevue Chamberiaie ■׳ Mussolini — Keine Gefahr ffir Palästina- Touristen - Der Fall St. Wise - Irrtum des C.-V. RW, Berlin, 4. Januar 1m Mit dieser Nummer tritt die ״Jüdische Rundschau“ in das vierte Jahrzehnt ihres Bestandes. Dreißig Jahre hat sie mitgewirkt an der Bildung einer öffentlichen Meinung im deutschen Judentum und wir können ohne Uebertreibung sagen, daß sie heute ein wichtiger Faktor dieser öffentlichen Meinung geworden ist. Das deutsche Judentum hatte in der liberalen Äera kaum mehr selbständiges Leben; die jüdischen Angelegenheiten waren in Gemeindestuben verbannt, um die sich niemand kümmerte, und in Synagogen, denen man interesselose Reverenz erwies. Erst die moderne nationale Bewegung des Judentums hat einen frischen Zug in diese Erstarrung gebracht. Nicht nur lehrte der Zionismus die jüdischen Menschen, die Ereignisse und Probleme der Welt wieder von einem jüdischen Standpunkt aus betrachten, sondern er unternahm es auch, die Juden wieder zu politischem Denken zu erziehen. Dieser Erziehungsarbeit diente vor allem die zionistische Presse, Der Zionismus hat einen völlig neuen bis dahin unbekannten Typus der jüdischen Presse in allen Ländern entstehen lassen. In Deutschland diente die ״Jüdische Rundschau“ der schnell fortschreitenden Bewegung, und wir gedenken mit Dankbarkeit der Verdienste und Leistungen unserer Vorgänger, die das Blatt aus erste! Anfängen entwickelt haben. Eine Zeitlang allerdings führte die ״Jüdische Rundschau“ neben dem gleichfall: in Berlin erscheinenden Zentralorgan ״Die Welt“ ei! bescheideneres Dasein, bis ihr im Kriege, durch Ein י״,׳ ׳•׳'•”"״*״• w/»u« •hpenmWp A״f<raben erwuchsen, d< ',ff׳ ■׳.' < .!וי: ־••> ' . % wissen, daß die Redaktion bestrebt ist, soweit es!1 ihrer Macht liegt, den Mangel auszufüllen, der durcl das Fehlen eines großen politischen Zentralorganes unserer Weltbewegung entstanden ist. In dieser Be- Ziehung und in ihrem Bemühen, sich mit den geistigen Strömungen der Zeit auseinanderzusetzen und eine fruchtbare Weiterentwicklung des zionistischen Denkens zu fördern, hat die ״Jüdische Rundschau“ sich ihre besondere Eigenart erhalten. Redaktion und Verlag sind unablässig bemüht, das Blatt in würdiger Weise auszugestalten. Unseren Lesern sind wir für ihr Mitgehen und ihre Anteilnahme zu Danke verpflichtet, müssen ' jedoch den Appell an sie richten, die Ausbreitung, unseres Blattes in noch höherem Maße zu fördern als bisher. Gerade in wirtschaftlich schwerer Zeit muß dafür gesorgt werden, daß das repräsentative Organ des deutsehen Zionismus keinen Schaden leidet. Wir erwarten von unseren Lesern nicht nur, daß sie uns auch weiter die Treue halten, sondern wir verlangen von ihnen, daß sie sich in den Dienst der Verbreitung unseres Blattes stellen, was zugleich Dienst für zionistische Aufklärt!ng und jüdische Erziehung bedeutet. * Der englische Außenminister Sir Austen Chamb e r 1 a i n , der sielt gegenwärtig zur Kur in Rapallo aufhält, beabsichtigt, wie es heißt, von dort aus auch Palästina zu besuchen. Wir wissen noch nicht, ob er seine Absicht ansführen wird. Fest steht jedoch, daß seine Blicke von jenem herrlichen Punkt der Mittelmeerküste nach dem Osten gerichtet sind. Die Vorgänge im Nahen Osten stehen jetzt, nachdem durch Locarno die europäischen Fragen wenigstens für den Augenblick geregelt wurden, wieder im Vordergründe der englischen Politik. Die Mossul-Entscheidung hat den Konflikt mit der Türkei, der mehr als lokale Bedeutung hat, aufflammen lassen. Wieder, wie so oft im 19, Jahrhundert, ist die Türkei der empfindliche Punkt, an dem sich die die Weltpolitik beherrschende englisch-russische Spannung entlädt. Im Moment ist das Verhalten der Türkei noch nicht geklärt. England jedoch sorgt für Rückendeckung, und es ist für uns von besonderem Interesse, daß Chamberlain in Rapallo gerade mit Mussolini über Orientfragen konferierte. Die latente italienisch-englische Rivalität in der Levante (neben der deutlicheren englisch-französischen) war doch eine Tatsache, unter der auch wir erheblich gelitten haben. Es sei nur kurz auf die verschiedenen im Ein« vernehmen mit offiziellen italienischen Kreisen geführten Angriffe des Vatikans gegen den Zionismus erinnert, ganz abgesehen von vielen symptomatischen Presseäußerungen, vor allem aber an die feindselige Haftung Iln der öffentlichen Erklärung Louis Lipskys heißt es u. a.: Dr. Wise, einer der angesehensten Rabbiner im Lande, und einer der besten Zionisten, ist ganz und gar mißverstanden worden, ihm ist nichts teurer als Judentum und Zionismus. Wie die Ita erfährt, wird sich die zionistische Exekutive I in den nächsten Tagen mit der Angelegenheit beschäftigen; ( es stellt noch nicht fest, ob Dr. Wises Resignation zur Kennt- | nis genommen werden wird. Die Poalc-Zio niste 11 l fordern, daß die Organisation, die sich in die religiösen An-! sichten ihrer Mitglieder nicht hincinzumischcn habe, Dr. Wise zum Bleiben auffordert. Der Misrachi wünscht die Annähme der Resignation. Auch einige allgemeine Zionisten geben der Befürchtung Ausdruck, daß die Palästina- Kampagne durch die Gegnerschaft der Orthodoxen leiden könnte. Andere wieder meinen, die Exekutive dürfe durch ein Nachgeben gegenüber den ultra-orthodoxen Elementen kein Präjudiz schaffen. Die Diskussion in der Ocffcntlichkeit hält an. Der ibbinerrat in Kalifornien und mehrere R c f o r in r a b b i 11 e r ן in verschiedenen Tellen des Landes haben sich auf die Seite von Dr. Wise gestellt. Die Union der orthodoxen Rabbiner 1 . nerikas äußert sich auf die Bemerkung von Dr. Wise, daß ׳ז י! persönlich nicht gehört worden sei, dahin, die Union , der Rabbiner war nicht in der Lage, mit Dr. Wise per- ־ sönlich Fühlung zu nehmen, nachdem Dr. Wise wiederholt die Lehre Jesu zum Gegenstand seiner Predigten gemacht hat. f ür aai gegen Wise ' New York, 29. Dezember. (J.T.A.) Der Präsident des amerikanischen Keren Hajessod, Samuel Undcrmyer, I sprach in einem Schreiben an Dr. Wise die Absicht aus, allen seinen Einfluß ausruüben, damit Dr. Wise zur Zurücknähme seiner Resignation bewogen wird. New York, 1. Januar. (J. T. A.) Die Union o r 111 o - doxer Rabbiner (Agudath Harabbonim) und die Führer des Misrachi in Amerika hielten heute eine gemeinsame Konferenz ab, in der zur Frage, ob Dr. Wise die Präsidentschalt der Pakstine-Kampagne behalten solle, Stellung genommen wurde. Mr. Joseph Barondea hielt eine befeisterte Ansprache zugunsten einer friedlichen Verständigung, •er Herausgeber des ״Jüdischen Tageblatts“, Gedaliah B u b 1 i c k ,'erklärte, Dr. Wise müsse zurücktreten; cs gebe in dieser Frage kerne Kompromisse. Eine Anzahl Rabbiner sprach in dem gleichen Sinne. Der gleichen Ansicht waren auch der Präsident der Misrachi-Organisation Amerikas, Rabbi M c i r, Berlin, der Präsident der Union orthodoxer Rabbiner, Rabbi Levinthal, sowie Rabbi Bloch. Der Herausgeber des ״Jewish Morning Journal“, der bekannte Zionist Jacob Fishmann, flehte die Versammlung an, einen Bruch zu vermeiden. Die Konferenz nahm einen Beschluß an, sich an der ו vereinigten Palästina-Kampagne solange nicht zu beteij li ge n, als Dr. Wise der Führer ist, dagegen separate | Drives zugunsten des Keren Hajessod und des Keren Kajei meth zu organisieren. Rabbi Gabriel Sew M a r g o 1 i s, Rabbiner der Addas Jis- 1 rot! und Präsident der Knesset!! Harabbonim, teilte der JTA. mit, daß er der Versammlung, die den Beschluß gegen Dr. j Wise annahm, nicht beigewonnt hat, und daß er die Aktion der Union orthodoxer Rabbiner nicht unterstützen wolle. .׳ (1c14usgeöer mcs ״log•/.!_» wUtuc eilte י es)tö)MCvhetKK: ke*o- Iution angenommen und ein Komitee eingesetzt, das die Versöhnung herbeiführen solle. Dem Komitee gehören an: Rabbi Levinfhal, Prof. Margolis, Joseph Barondeß, Bemard Semel und Dingol. Vor einer Verstiidipng? New York, 2. Januar (J.T.A.) Im Gebäude des jüdischen theologischen Seminars ״Schächter“ fand eine Rabbiner- Versammlung statt, der mehr als 200 Rabbiner aus New York und anderen Städten Amerikas beiwohnten. Die Versammlung beschloß, an Rabbi Dr. Stephen S. Wise einen Appell zu richten, er möge öffentlich erklären, daß der ln 11 altsein er Predigt von der Presse falsch wiedergegeben worden war und daß er die Aussprüche, die ihm zur Last gelegt werden, nicht getan habe. Durch eine solche Erklärung werde die Angelegenheit zufriedenstellend erledigt sein. Daraufhin hat Dr. Stephen S. Wise eine Mitteilung veröffentlicht, in welcher er erklärt, keineswegs habe er in seiner Predigt gesagt, die Juden sollten die Lehre Jesu studieren, da diese Lehre ein unvergleichlicher ethischer Kodex wäre. Die Zeitungen, die über seine Predigt berichteten, hätten seine Worte entstellt, keiner war im Besitz des geschriebenen Textes seiner Predigt, und so konnte auch keine Zeitung einen authentischen Text bringen. ״Ich als jüdische: Rabbiner und Lehrer, sowie als Zionist", schloß Dr. Wise, ״kann solche Ansichten, wie sic mir in den Mund gelegt wurden, unmöglich geäußert haben“. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erklärung auch von der Union orthodoxer Rabbiner als genügend erachtet werden wird, uni den Zwischenfall als beigelegt zu betrachten. Pie Demission nicht angenommen New York, 4. Januar (Kabel). Sonntag, den 3. d. M. tagte die Landesexekutive der Zionistischen Föderation der Vereinigten Staaten, um zum Falie Wise Stellung zu nehmen. Die Exekutive beschloß mit 71 gegen 1 Stimme, die Demission Dr. Wise’s nicht anzunehmen. Gleichzeitig tagte das Zentralkomitee der ״Vereinigten Palästina-Kampagne‘‘, deren Vorsitzender Wise gewesen ist. Auch dort wurde mit 50 gegen 9 Stimmen nach sechsstündiger Debatte die Demission abgelehnt. In einer Resolution hebt das Komitee die Verdienste Dr. Wise’s um die jüdische Sache hervor und appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit, die Einigkeit wieder herzustellen. Die frage des Reichsverbandes Sonntag, am 3. d. M. tagten in■ München die Vertreter sämtlicher deutscher Landesverbände jüdischer Gemeiiiden. Auch der Deutsch-Israel. Gemeindebund war vertreten. Nach ausführlicher Aussprache wurde beschlossen, daß nunmehr zur Gründung des deutschen Reichsverbandes jüdischer Gemeinden geschritten werden soll.