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Jüdische Rundschau · 1924-12-24 · Heft 102-103 (24.12.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 102-103 (24.12.1924)
Date
1924-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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QU r״;!:׳״! r״ ',in: ■ ■;r ר<:; י ' ת G tG.Jt... R״lnldi״n und Verlag W 15, M«lnekc*lr1>a• 10. Erscheint | AllKClfCa-VcrwnlltlftflJ!cücn Dienstn!» und i'rctta{•, lK'*11|pprci* bei der Expedition h , , “ , »# . , monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5.25 Gotdinnrk. Jüdische Ivandsch#« G.ia.b.ll., Berlin W15, Metaek«. Au.1.nH.»l.nn״.ra«nU w.iden in d«f WShrunä der •Inreln.n Und« t>w«cWl. || «traOclO. ~ lolcphoOi Amt Bismarck 7163 — 70 --r .. ,״״״_ ״.. .Anf«l)<«»nr»is1 «r*«p»)I.N0rr»r»n1*rtlU «4nO«Wm»A. 8t*N**- ■ ... 0 . ‘ ' "“ “־.JS OoMaaiit. ftr b*l.f HW>• An*•!*•» MH AhImU•!. Nummer 102/103 j, Berlin, 2׳:. XIL 1924 fj v E!nzctnmmmer 0,50 ti׳okfnmrh! ־׳ ' ' J J־"t נ ";1 \׳1 g'־׳ , /;! ל׳ ■' i.JLJEJ 1 Vj I Telephon; Ilitmnrclc 7165—70, J’ontsrbcckkonto! Berlin Nr. 17302. Nr()..l.tr«lch1 IW1!<*1k*״«n.ml'£|,״, Konto Nr, 156030 / i'arT«cl1<>cl1(»!owt!»i< Po.l.p^kMiM.ml i-r.i Kon(״ Nr, S9U0 ✓ Küf Pol«1«*»״*)!ו»ק.!.0י| ״ j WuriOmu Nr. 190 m 1 — Rrdnktinns'icMiiß Sonn lnי,׳ und Mittwoch nachmittag. — כ״ז כם<ר׳ תרס״ה XXIX. Jalirff. Per lloRiswtia cretrobt, fSr das ICcltecha Volk üla c!lt:er rac573״״» cc3!&Q7t,3n NafrnctDtta In Palästina. ״Baseler Programm.1* v r^r סצ■ Qj ׳. ])< eilerlfleE*S־en1!äar5 י^> &4״*יף Wem ZJonlstcrt zu rlncr T.igtn׳;’ zusammentreien, und sich der schier unübersehbaren Menge drängender Aufgaben gegenüber sehen, die auf dem die Vcr.antwortnng Jur die Zukunft am stärksten empfindenden Volksteil schwerer als auf andern lasten, dann ist cs notwendig, vordem Eintritt in die Arbeit an den brennenden E'ragcn des Tages eine Stunde der Besinnung zu widmen auf Wesen und Wert der Bewegung;, die uns immer wieder rur.nmnicuführi Die zionistische Tagesnrbeit bringt cs mit s.'di, daß wir unsere Kräfte tausendfärb zersplittern 1mi5:c:1 und doch nicht mit der Arbeit fertig werden, dall oft Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze hcrvortrclcn, die unser Pnrteilcben zu bcherrschen scheinen. Und doch hat jede unserer Tagütigen einen feierlichen Gharakicr, wenn wir uns bewußt werden der Einheit der Idee, die uns zusnmmcngcführt, und wenn wir zurückblicken auf den Weg, den wir gemeinsam bereits durchwandert haben. Aut unsclveiubaren Anfängen hat sielt die zi >11!st'sclie Bewegung 71:r stärksten Macht im Juden turn entwickelt. Auch in Deutschland, dessen Juden ihrem Wesen nach wenig geeignet waren, die zbnistisclic Botschaft zu empfangen, vermochte sich der Zionismus vor allein bei der Jugend durehzmefzen. Das deutsche Judentum, gelöst von allen wesenhaften jüdischen Traditionen, in einer beschämenden Genügsamkeit sein geFEges Leben auf ein Geplänkel verschiedener ritueller Strömungen beschränkend, völlig beherrscht von rein opportunistischer Politik und Lebensgestaltung •••ußte der revoh.'fiumren Idee des Zionismus, die aij den einzelnen Juden und an das Judentum als Ganzes bisher unerhörte Anforderungen stellte, die übermächtige Kraft der Trägheit entgegensetzen. Das deutsehe Judentum war in der Zeit des Liberalismus in ein satteis Bürgertum liittciugcwachscn und dieser soziologische Prozeß mag mitschuldig sein an der geistigen Apathie und Indolen/, die eben ein Merkmal jener Schicht ist, welche das Ideal der Bequemlichkeit, ästhetisch verbriinit, aufgerichtet hat. Es ist selbstverständlich, daß der Zionismus auf wütende Abwehr stoßen mußte, als er diese geheiligte Ordnung zu stören wagte. Der Zionismus ließ das jdüischc Bürgertum nicht in seinem illusionsbcfangcnen, sclhsttäuschcndcn Schlummer. Er riß den Vorhang weg und zeigte die grausame Wirklich- Leit. Das Zeitalter des Liberalismus lag bereits in den letzten Zügen und ist heute iiingst dahin. Nur das jüdisehe Bürgertum möchte sich nicht darin stören lassen, in dieser ,iebgewordenen Jugenderitmerung weiter zu träumen. Darum ignoriert cs alle Tatsachen, die längst von allen Spatzen von allen Dächern gepfiffen werden. Dieses Ignorieren ist seine Lebenslüge, denn nur so vermag cs zu übersehen, daß es heute mehr als in einem Sinne am Scheideweg stellt. Der Zionismus jedoch fordert eine Entscheidung. Geschult an den besten Geistern Europas und vor allein auch Deutschlands, die wir Zionisten dankbar in uns aufgenommen haben, haben die Zionisten die tiefe Ein- Sittlichkeit des passiven Gcschchcnlassens, des unschöpfcrischcn Dämmerzustandes erkannt. Durch den Zionisinus ist das Judentum wieder eine gestaltende, schöpferische Macht geworden. Der seelische Umsturz, den er bewirkte, war das eigentliche Ereignis der jüdischen Geschichte des letzten Vierteljahrhundcrts. Alle Ereignisse der äußeren Geschichte, von der Balfour-Dckiaratio» bis zur Besiedlung der Berge Galiläas, sind nur Kon.se־ rpjenzen und Begleiterscheinungen dieses großen Prozesscs der Selbstbesinnung und der Erhebung zu positiver schöpferischer Kraft. Durch die zionistische Idee, diesen Küuigsged.ankcn des Juden, ist jüdische Politik und jüdisclies Wesen aus dem Sumpfe des Verfalls und des Opportunismus emporgehoben worden in die Sphäre der sittlichen Entscheidung und der revolutionären Tat. Dies alles gilt heute ebenso wie vor fünfundzwanzig Jahren. Trotz unserer großer! Fortschritte in der Welt der Wir! "clikeit, trotz dem zunehmenden Interesse weiter Kreise des Judentums für die Wiedergeburt des jüdisehen Volkes in Palästina, wissen wir doch, daß wir im deutschen Judentum eine Minorität sind, und bis auf Weiteres wahrscheinlich bleiben werden. Denn zu stark s.iiid die Bindungen des Alltags, zu stark die Macht der Trägheit, besonders in einer aus historischer Bedingtheit so gearteten Schicht, wie das deutsche Judentum darstellt. Die Mehrheit geht meist auf der Linie des geringstcii Widerstandes. Wir erleben gerade heute immer wieder, wie von jüdischen Verbänden unter der Fahne des Ju׳Jenl3:..״־ mit ängstlicher Sorge ein Minimum an Judentum verfochten wird. Dies halten wir für eine traurige Verirrung. Wir wollen das Judentum wieder aufbaucn. Wer den jüdischen Nationalismus wirklich kennt und sich nicht von Schlagwörtern verführen läßt. BIc li;v׳>Inun{j‘;sil/.Kr.g 115״׳et Im Inrhaus, alle übrigen Sitzlagen im PaulIncBscIiIössehea in WiCdbada» statt. Tagesordnung: Sonnabend, den 27. Dezember 1024! abend• 8Vj Uhr Zentralkomitee-Sitzung. Sonntag, den 28. Dezember 1924, vormittags 10 Uhr Eröffnungs-Sitzung 1. Ansprache des Vorsitzenden. 2. Begrüßungen, 3. Rede des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Weizmann über: Die Gegenwartsfragen der zio* nistischcn Arbeit. Sonntag Nachmittag 1. Wahl des Büros. 2. Gcncralbericht über die Arbeit des vergangenen Jahres. Referent: L>r. Alired Landsberg. 3. Finanzbericht und Dccinrgccrtcilung, 4. Aussprache. Sonntag Abend Aussprache über die Wahlen zum Preußischen Landesverband; RcL: Dr. Sandler, Dr. Foerder. (Nur für Delegierte.) Montair, den 2t>. Dezember 1924 1. Notwendige Reformen der zionistischen Wcllorganl* rathn w derent: Dr. Nanirn Go ld m an n 2. Aussprache. Montair Nachmittag 1. ,,Die gegenwärtigen Aufgaben des deutschen Zio* nismus.“ Referent Kurt Blum enf cid. 2. Aussprache, die in d«r Abendsitzung fortgesetzt wird. Dienstag, den 30. Dezember 1924, vormittags II Uhr Konferenz der Vertrauensleute des Keren Hajessod in Anwesenheit der Herren Dr. Weizmann und Dr. F c i w e 1. (Geschlossene Sitzung. Der Eintritt Ist nur ״egen Vorzcigung der Delegierten •Legitimation oder einer vom Büro des Keren Hajessod atisgcstellten Teilnehmerkarte gestattet. Die Karten sind im Büro des Keren Hajessod, Berlin!W 15, Meine k cs fr. 10, zu beantragen.) Tagesordnung: 1. Begrüßung. 2. Die Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland, Referent: Herr Alfred Berger, 3. Die Leistungen des Keren Hajessod ln Palästina. Referent: Herr Dr. Bcrthold Feiwcl. 4. Aussprache. Dienstag Nachmittag t. Fortsetzung und Schluß der Diskussion. 2. Abstimmung der Anträge und Wahlen. (Weitere Mitteilungen im Innern des Blattes.) Sokolow beim ICIinlj! von Rmaünlen Bukarest, 23. Dezember (Tel. d. ״J. R.“). Der König von Rumänien empfing eleu Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, Herrn N. Sokolow, in längerer Audienz und unterhielt sieh mit ihm über die Juden frage. l>er König zeigte siel! sehr freundlich und lud Herrn Sokolow zum Frülistück ein, worauf er ein Gespräch von über einer Stunde Dauer mit ihm hatte. der weiß, daß uns jede nationale Intoleranz, fern ist, daß wir, indem wir uns zu behaupten suchen, keinerlei feindliche oder gehässige Tendenz gegen ein anderes Volkstum kennen. Wir wollen auch als Juden innerhalb des Staates mit Wurde und wahrer Glciclibcrcchtitfung, ohne unser Judentum zu verschleiern, leben. Wer uns mit klarer Absicht im heutigen Deutschland ״Jüdisch-Völkische“ nennt, begeht, bewußt oder unbewußt, eine Fälschung, Oder beweist doch, daß er noch nicht so >vcit ist, die Gedankcngangc des Zionismus zu erfassen. Wir können 1ms dadurch nicht beirren lassen. Der ungeheure Eindruck, den das in .zionistischem Geiste cm: landenc Siedlung.nvcrk in PnUir.tlna heute auf jeden unvoreingenommenen Juden ausftbt, zeigt uns, daß die handgreifliche .Wirklichkeit ein Argument ist, das auch widerstrebende Seelen bezwingt Wir wollen das nicht• zionistische Judentum in zunehmendem Maße für die Mitarbeit am Palästina-Werke gewinnen. Wir können dies nur, wenn unser Zionismus stark und rein bleibt, denn nur seine Macht vollbringt die Wunder, die auch Niclit/ionUtcu überzeugen. Wir wissen, daß die jüdische Gesinnung nichts Starres und Unbewt־jliehcs ist, sondern daß eilt lebendiges Gefühl im entscheidenden Augenblick alle ängstlich aufgcrichtelcn Formeln durchbrechen kann. Darum werden wir auch aus dem deutschen Judentum die besonders wertvollen, besonders empfindlich rcagierenden Menschen und Gruppen immer wieder an 11118 ziehen körnten. Die Judenfrage ist ein äußerst komplizierlcs Phänomen und ihre Lösung besteht nicht darin, daß man sich eine Formel sticht, die das Gemüt bcruhigt, sondern man muß den Tatsachen ins Auge sehen und sie zu meistern versuchen. Nicht dieser oder jener aktuelle Streit ist für uns von Bedeutung, sondern der Entscheidungskampf des Zionismus, der ein historischer Prozeß von ganz andern Dimensionen ist, als man in den meisten jüdischen Gemcindestuben zu begreifen vermag. In diesem Bewußtsein von der Macht unserer Idee tritt auch der XX. Dclcgiertentag der deutschen Zi misten zusammen. Er ist nicht nur ein Wiedersehen der Freunde und Mitarbeiter aus dem ganzen Reiche, sondern bcschert uns die Begegnung mit dem Manne; der heute der unbestrittene Führer unserer Bewegung und die proniinentcste Gestalt des zeitgenössischen Judentums ist. Die deutschen Zionisten sind sich der Ehre und der Bedeutung des Besuches Dr. Weizmanns beim Dcle* giertcutag voll bewußt und heißen ihn herzlich willkommen. Dr. Weizmann steht nun bald ein Jahrzehnt in der aufreibendsten und verantwortungsvollsten Aufgäbe, die ein Jude der neueren Geschichte zu erfüllen hatte. Er Ist mehr als ein politischer Führer, er ist der erste Pionier der Bewegung, der überall dort in die Bresche springt, wo der schwächste Punkt der Front zu sein ■scheint. Er hat die politischen Voraussetzungen für den Aufbau der nationalen Heimstätte geschaffen, er hat auch die materiellen Grundlagen während der bis heute dauernden Ucbergangszcit gesichert, er hat durch seine persönliche Einwirkung den1 Kreis der für das Palästina-Werk sich verantwortlich fühlenden Persönlich• keilen erweitert. Die deutschen Zionisten schätzen sich glücklich, daß sie von Weizmann persönlich seine Ab* Schätzung der gegenwärtigen zioni*tischen Lage erfahren werden. Aber sic legen auch Wert darauf, daß der Führer der Bewegung hört, was der Kreis verantwortungsbewußter und ergebener Zionisten, der heute In Deutschland wohnt, über die Lage der Bewegung denkt. Eine solche Aussprache betrachten wir als ein Zeichen wahrer Demokratie, die sich nicht in abstrakten Formeln oder in doktrinärem Parlamentarismus erschöpft, sondern durch rückhaltlosen Mcitnmgsau tausch in stäikstem Bewußtsein der zionistischen Pflichten gefordert wird. Es ist selbstverständlich, daß die Gesamtheit der zionistischcn Probleme den Wiesbadener Deiegie tentag beschäftigen wird. Wenn trotzdem die Frage der Reform der Weltorganisation als eljencr Punkt hervorgehoben wurde, so geschah es deshalb, weil gerade dieser Punkt sich wengier!eicht dem allgemeinen Gedanken/usanunenhang cinfügcn läßt und doch von unleugbarer Wichtigkeit ist. Wir sind heute in einem Zustand, wo es nicht nur darauf ankommt, die richtigen Gedanken auszusprechen, sondern auch den richtigen und tauglichen Apparat ru haben, der diese Gedanken auf allen Oebieten in die Wirklichkeit umsetzt. Wir alle fühlen, daß unser heutiger Apparat etwas brüchig ist und insbesondere die einschneidenden Veränderungen durch die Erweiterung der Jcwisli Agency rechtzeitige innere Reformen bei uns notwendig machen. Der deutsche Delcgiertentag will diesen Prozeß fördern und beschleunigen und wir hoffen, daß auch der Kontakt mit den Zionisten anderer Lander sich c'mstcllen wird. Dine Debatte über die Krise der Bewegung, die lange Zeit unsere Tagungen beherrscht hat, geht ihrem Ende *entgegen. Allgemein wird ein neuer Aufschwung einp* ׳{uiiden, die Lust am Zionismus ist wieder stärker erwacht als in der Periode der Ermüdung nach dein großen Kriege, ln Palästina selbst erlebt man eine Periode des Optimismus und des Fortschreitcns wie vielleicht nie zuvor. Der Wiesbadener Dclcgiertentag soll im Zeichen dieses Aufschwunges stehen. Er soll der Auftakt stin zu gesteigerter zionistischer Aktivität, zu praktischen zionistischen Erfolgen, zu kraftvoller Verkündigurtg zionistischen Gedankens.

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