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Jüdische Rundschau · 1924-12-19 · Heft 101 (19.12.1924) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 101 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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"׳־י* \ Nf 11״!!jüdische Rundschau *33 Seite 633 Von Dr. Mirjatn Scheuer. Cs bestehen zwei Möglichkeiten: entweder war Leopold WclB in Palästina oder er War nicht darl \V־ar er wirklich clort. so hat er sich wenigstens nicht viel Mühe gegeben, uns in seinem Duche darüber ru täuschen; war er dort, s״ fiel die Abfassung des Buches wolil auf einen früheren Zeitpunkt als die Reis:, die er beschreibt. Denn die Träume, *hc^rr rnit dein Eifer der.szn, der eine Psychoanalyse erhofft, erzählt, lind die Feuilletons, die er im Wachen erlebt, sind derart fjr.ntisr.h, daß sic sich nicht voneinander unter• s(beiden lassen. Und die tcudenrlöse Konstruktion der letzteren wird von der der ersteren so völlig demaskiert, daß es enttäuscht. Ein Traum — vom 10״. Juni“ — sei wicdcrgegcbcn. ' Weiß träumt, daß Indianerhorden Abessinien verwüsten. Die kleine Abesslniersehar, die sich entgcgcnstellt, wird niedergcnictzclt. Er erfährt, daß die Indianer von Amerika importiert wurden. Er will seine Entrüstung telegraphieren. — Traumlücke. — Er steht nach dem Gemetzel unter Zuschauern in einem Hof. Ein zwölfjähriges Kind soll als Franktireur gehängt werden. Jtt Gail erscheinen Herbert Samuel und Gemahlin und nehmen als Zuschauer auf er• höhter Tribüne Platz, Der Henker legt den Strick , ., Weiß will protestieren ... Er erwacht. Ein Kommentar wäre überflüssig, Aber Weiß ist «einen Träumen gegenüber so unschuldig, daß er, wie das Freud verlangt, gleich beim Erwarben notieren muß, was ihm dazu cinfällt, sonst verstünde er sic nicht. Also: ״Nach dem Aufwachen notierte ich mir: Setze ״Europa" an Stelle von ״Amerika", ״Orientalen‘' an Stelle von ״Abessinier" — und der ״politische" Inhalt dieses Traumes bedarf keiner weiteren Erkiäruaig. Nein er bedarf keiner. Auch der ״politische" Inhalt de« Wachens bedarf keiner. Die Gänsefüßchen um ״politisch" sind beizubdialtcn, sic scheinen die Spuren seiner Reise־ geführten. Das ganze ist ״die wunderbare Reise des kleinen Leopold mit den Wildgänsen". Wie sein Pendant bei der Lagerlöf findet auch er sich nicht mit der umgebenden Grüße ab, auch er plötzlich als Zwerg zwischen das Große gestellt Aber anders als Nils Holgcrsson ist er Journalist und man verlangt von ihm. daß er die größten Dinge begreift oder zumindest über sic schreiben kann. Das letztere tut er. Es steht in den Feuilletons, daß die Araber ein sehr hoffnungsvolles Volk sind, die Juden aber nicht, sondern im Gegenteil auf einem verhängnisvollen Irrweg, dem Zionismus, daß die Engländer eine skrupellose Koloni.ilpoUtik betreiben, UV.isclikin ihm dasselbe gesagt hat, wie ein eng* liichcr Beamter, Emir Abdullah dagegen etwas ganz anderes, — es Ist sehr schwer, das alles zu verfolgen, weil man eben nicht weiß, wo seine Träume aufhören und sein Bericht beginnt So scheint es doch, daß sein Interview mit einem höheren englischen Beamten, der ihm ״Im tiefsten Vertrauen, das zu brechen mir sofort als Pflicht erschien'׳, Offenbarungen über die britische IC bnisa'ionspolitik macht, geträumt war; ebenso der Anblick der Kalifengräber, ״da• hinter ein weites Reich lebendiger Kräfte — Gesichter, Rufe, Bewegungen . , aber da steht danach: ,. . , ich wachte auf“ und dort steht cs «ic'it. Es ist sehr schwer, sich da auszukennen. Aber es muß sehr leicht gewesen sein, dieses Ibach na schreiben. Wir wollen am Glauben fcsthaltcn, daß Weiß nicht in Palästina war; sonst hätte er gut daran getan, statt der schönen Ansichtskarten, die die Feuilletons ilhi- «trferen, sein Schiffsbillett und Fahrkarte fn Faksimile zu reproduzieren. Denn so wird ihm das keiner glauben. ״Aber als ich mich ihnen arabisch zu erkennen gab, kam mir wie aus einem Mumie ein ,ahfan w’ sahlan' entgegen und dieses Frcu־le-inniges Wort berührte midi fast wie Heimat“ — das steht doch schon im Karl May. Gleich wird Hadschi •) ״Unromen'ischcs Morgenland“. Tagebuch einer Reise von Leopold Weiß, Verlag der ״Frankfurter Soziet.ils• druckerm . — Wir haben sclv־n zu dem Buch bzw. dm Auf• Sätzen in der ״Frkft. Ztg." Stellung genommen. A.d.R. Halft kommen und rufen: ״Masehallah, du bist Old Shatter-!!and und hast das aller, la einer Villa bei Dresden erdichtet!“ ״Diese Itisllnkfntetischcn können wirklich vcrnunftmfißlg leben, weif ihre Spannkraft unproblematisch und nicht an die zahl• losen ,Berücksichtigungen' gebunden ist, die der Intellekt des westlichen Menschen gebiert und die *eine Weit, *clu'inbar erweiternd, bis zur" usw. u.w. Wir haben doch auch Kayserling gelesen. Was ist das ganze? ein Fcuillctonist, der Karl May noch nicht vergessen und da* ״Rcisctagebucb eine« Philosophen" schon gelesen bat, zu abnormen Träumen disponiert ist und schreiben muß, hat uns da ein Buch geschenkt. Es Ist aiicbt Sache des Schöngeistes, nicht des Politikers oder sonst wessen, sondern nur die Freuds. Statt im ״neuranmniischen Morgenland“ Palästinas, Ist er Im roman* tlsdien Morgenland seiner eigenen Tagträume und Wunschträume gewesen. Es wäre zu wünschen, daß einmal ein Anflzlonist die Ergebnisse einer Pnlästioareir.e nufzclelinrte. Was wir Wsher an Palästinarelsebfkhcrn erhielten, war objektives Leben oder Wohlwollen, nie die Schattenseiten, nie das, was «ich dort gegen die jüdische Kolonisation erhebt, nie die Bedrr׳hungon, welche nie.ltI vom Heute Und politischen Konfdfll.Ulonon, sondern aus naturgegebenen Schwierigkeiten, Antagonismus zwischen den Bcvftlkerungsgruppett hervor• gehen. Sollte es solche unüberwindliche Schwierigkeiten gar nicht gehen? oder sollte das jttngo Palästina *0 mSch'lg wirken, daß jeder Beschauer philoziotiis'isch wird? Oder wäre das vorliegende Buch und Weiß wäre wirklich dort gewesen? ,-Aber das ist ja ausgeschlossen! II. Von Ben Nissan. Aus dem von der W*ad#th FWarfmfh der ATIgemeinen Arbciterorganha'hn herausgcgcbcncn Lesebuch ״Mcssillali". (Jerusalem 1024.) I. Ich sitze auf einem Steinhaufen und zerkfonfe Steine. Vor mir und hinter mir sitzen ebenfalls solche Steinklopfcr auf kleinen Steinhügeln, und wir sind *Ile verlieft In die Arbeit, In der Stil'e des Morgens hört man nur das eintönige Aufschlagen des Hammers auf den Stein. Wir sind im Emck. Ringsum Berge. Auf beiden Selten der Chaussee grünen die Felder, Udaer uns blauer Himmel. Kein Mensch geht vorüber. Ich arbeite hier erst seit wenigen Tagen. Meine Hände sind schon wund und die rechte Hatto, die immer den Hammer schwingt, ist müde. Die kleinen ah״e<c!1!ngelten Stelnsoliller fließen!ns Gesicht und auf die Hände. Es ist heiß. Sehnsüchtig warte ich auf die Stunde des Mittagessens. Ich erhebe den Kopf, um die Sonne zu beobachten und nach Ihr die Stunde zu be• stimmen, da Weiht mein Bück auf dem Jungen MIdchen haften, das mir gegenüber auf Ihrem Stelnhfmcl »itzt. Ist doch ihr Stcinhügcl drei mal so groß gewachsen 018 der meinige. Ich fühle mein Gesicht crrft'en, erhebe den Hammer und senke ihn, schwinge und senke ihn und *che mit Freude, daß auch mein Sldnhügc! langsam wächst, immer wächst. Meine Arbelts-Gcnossin ist noch sehr jung, fast roch ein Kind. Sie trägt um ihren Kopf ein rotes Tüchlein mit weißen Punklr.11 gewickelt; sie bat große unschuldige Augen und wenn sic einen harten Siein zerschlägt, beißt sie auf, ihre Unterlippe. Mittags kommen wir in das Lager zurück, leb trenne mich von den Genossen, gehe langsam und sauge in mich die Ruhe eines Mittags im HelmatUnde. Hinter dem Hügel kommet! die Lastwagen unseres Lagers gefahren, die die zerschlagenen Steine zur Chaussee befördern. Ein Wagen ist voll von saf'.igcm Hctt, vermischt mit farbigen Blumen und auf dem Heu »itzt meine Arbelts-Oenossin, die Zügel in der Hand und die Augen voll Freude. Nach dem Mittagessen begehen wir uns In unsere Zelte um zu ruhen. Und bei dem Klang der Schüssel, die un* als Glcckc dient und zur Arbeit ruft, bleibt das Lager ein• sam mit seinen Zetten, stül und bell.. Und wenn der Tag sieh neigt und ein leiser Afvndwhtd wjit, »leiten die Clmvrrlm in kleineu Gruppen twhclien den Zeiten um! lc5f,m die Briefe, die ״von dort" gekommen sind, vom O.ifuth. Dieses ״dort“ wurde so weit, 80 weit Aber beim Lesen dieser Briefe klopft das Herz und sehnt sich ein wenig nach den kalten Winterstürmen, nach der endlosen Steppe, nach den dichten Tannenwäldern, die sich dort hinter dem Städlchen ,erstrecken. Der Inhalt der Briefe ist fast Immer der gleiche: Möge Euch Oott Kraft gebrn, meine teuren Kinder, die schwere Arbeit zu tun. Unser heißester Wunsch ist cs, bald ztt Euch zu kommen. Und ein jeder denkt an die, die er verlassen hat, in »eine alte Mutier, an einen kleinen Bruder, die dort Im Lande des Kummers zurückgeblieben sind, und sdn llcrz zitiert ein wenig. Und gleich darauf füllt sich das Herz mit Fretnjc, der Freude des Schaffens und Bauens. Und einer beginnt zu «Ingen, ein zweiter fällt ein. Neben der Baracke fängt eine Gruppe zu tanzen an; und zerronnen ist die Trauer, die die Erinnerungen heranfbescltworeit hatten, wieder glänzen die Angen, sicher und freudig. Schon wurden die Lichter am Himmel angezündet und auch aus den Zellen blicken Lichter. Ich bleibe an dem viereckigen Zelte stehen — dem Ort des Lernens. Der junge Lehrer liest mit Pathos ein Kapitel aus den Propheten. Er beendet das Kapitel und beginnt mit neuer Literatur. Und 111 der großen Baracke, die uns als Eßzimmer und Versantm- Ittngssaal dient, ist eine Besprechung der Chawerim. Die Venus geht auf am Firmament. Die Lichter in den Zelten verl&chcn. Die Insel schläft ein — die Insel der Arbeit. Stille. (Aus dem Hebräischen übersetzt von O. Sfr.) Gründung einer Freimaurer-Loge fn Jerusalem. Juden, Mohammedaner und Christen der Stadt Jerusalem gründeten gemeinsam eine palästinensische Freimaurer-Loge mit dom zweck, Einigkeit und Brüderlichkeit zwischen den Mitgliedern zu fördern. Die Loge »taltm den *chottländlscticn Ritus an, ״King-Gcorge-Avcnue" In Jerusalem. Am 0. Dezember wtmde in Jerusalem eine neue Straße als ״King-George- Avenue“ durch Sir Herbert Samuel feierlich cingcvvciht. Viele Regierungsbeamte, die Oberhäupter der religiösen Gemeinden und die ausländischen Konsuln in Jerusalem waren anwesend. Herr Naschaschibi, der Bürgermeister Jerusalems, sagte In *einer Ansprache, die Avenue sei zwei Kilometer lang und 20 Meter breit. Sir Herbert Samuel führte aus, die neue Avenue *cl ein Symbol des Fortschritts in Palästina. Falls F'ricxfe vorherrschen wird, so werde Jerusalem in ganz kurzer Zelt eine Einwohnerschaft von 101)000 haben. Der Rabbi von Sadngora gestorben. Rabbi Isaak Fried• mann aus Sadagora, der vor einigen Monaten In New York eingetroffen und von vielen Tausenden seiner Anhänger am Landungsplatz begrüßt worden war, ist am 9. Dezember nach kurzer Krankheit im Alter von 30 Jahren gestorben, 15000 Personen folgten dem Sarge. Rabbi Isaak Friedmatm, ein Angehöriger der berühmten Rabbincrfntnilic F'riedntann und Nachfahr des ״Grüßen Maggid", lebte bi» zum Ausbrucli des Krieges in Sad.tgora. BUchcrnusstelluttg. Die Zionistische Ortsgruppe Nordhausen veranstaltete gemeinsam mit anderen jüdischen Vereinigungen In der Zeit vom 26.—■30. November eine Ausstetlung: Das jüdische Buch, verbunden mit einer Aus- Stellung von Graphiken und kunstgewerblichen Gegenständen. Der Erfolg zeigte, daß ein starkes Bedürfnis nach einer solchen Schau über jüdische Bücher sämtlicher Gebiete vorhanden istj Außer anderen Verlegern hatte der Jüdische Verlag und die Ewcr-Buchhattdiun g bereitwillig eine große Auswahl von Büchern zur Verfügung gestellt, die eifrig gckauft und uadibestellt wurden, f reudig begrüßt wurden auch anläßlich des bevorstehenden Chanukka!1-Fe6tcs di: jüdischen Spiele für Kinder. Abends fanden gesellige Veranstaltungen mit Referaten über die ausgestellten Bücher und musikalische Darbietungen statt. Unter anderem wurde ein Referat über zionistische und Palästina-Literatur gehalten. Die vorgetrage^ rten hebräischen und ost jüdischen Lieder fanden großen Bei• fall. Die Gründung eines jüdischen Büchernrkcls sorgt dafür, daß die Wirkung der Ausstellung nachhaltig bleibt. Oekeuonde hu ״Daniel“ von Ernst Weiß (in einer ausgezeichnet schönen Ausgabe im Verlag Die Schmiede, Berlin). Das Thema des Buches: Zeugung, Jugend und Berufung des Propheten Daniel gibt Ernst Weiß, einem ausgezeichneten Prosr.i<stcn, Gelegenheit, ein babylonisches Exil reichlich dekorativ zu enlfalUn, Flaubcrts Farben in unelementare Rührwtg und bleiches Gefühl aufgelöst Das Er- ״ebnis Ist leider nur sehr schöne Prosa, aber weder Gestaltung noch gnr Erschütterung — Beweis für den alten Satz daß mir der Herzen bewegen kann, der selbst bewegt worden ist. ■— Da wenden wir uns lieber Hermann Unga r zu, dessen zweites Buch ״Die Verstümmelten" seine Erzählcrqualitäfcn, seine harte sachliche Ruhe, seine Uner- »rhrockcnhcit den häßlichen Dingen des Lebens gegenüber, seine Fähigkeit zur entschlossen durcligcfiihrten und gcführten Fabel erneut beweist. Hier ist größte Lebensnahe, ein strenger Wille zur Ueberwindung des Abschreckenden durch die Form und den distanzierenden Erzählcrton — kurz ein Talent, von dem man auf reifere Art die Einlösung jenes Ver.rrcdK ns erwarten darf, welches seht ers.es Buch, ,Knaben und Mörder" (bei E. P. Tal, Wien), gegeben hat Unter den nachwachsenden Talenten des tschedioslowa* k!selten Judentums (zu denen auch Emst Weiß gehört) ist Hermann Un״nr ganz zweifellos das männlichste, unter denen des dzufsch-jtidisehen Nachwuchses Ist vorläufig Han» Sochar/cwcr wubr.sehebilich das bemerkenswerteste. Sein Buch Die Grenze“ (bei Oskar Wöhrle, Konstanz) ist eine geradezu erstaunliche Aufhellung von sec;Ischen Vorgängen und Zuständen jenseits der Grenze des Normale״*;״fassend und geschmeidig erzählt mit einer Sprache, deren Eigenart man fiter ihrer *urötkhailendm Sachlichkeit überhören könnte Was eine Fabel Ist und warum man »Sc braucht, weiß freu ch auch Hans Sochaczcwcr nicht•, man wünschte manchmal, tul, de« begabten deutschen und jüdischen Talenten ln Deutsch and einen Anf.mgerkurs über die Grundvoraussetzungen von Kunstwerken alinihaltr.n. Oder würde es genügen, ihnen ein Buch wie Jean de Lacretclles ״Silbermann (deutsch bet E. P. Tal, Wiest) in die Hand zu drücken, damit sie davon Aufbau und Lenkung einer Erzählung lernen? ־־־ ewt Buch, kristallklar, spannend nach den ersten Sätzen, voll wirklicher Gestalten, von tiefer Anschauung jüdischen Wesens. Kein einziger deutscher oder jüdischer achter »och hat so viel wirklich wesentliche Züge heutiger junger Juden ln einer Gestalt zusammen sehen können. Und daher ist dieses Buch literarisch denen der vorgenannten jüdischen Schriftsteller gleichwertig, aber zwanzigmal künstllerisdicr und daher zwanzigmal' so fesselnd. Oder sollten «sie vorziehen, den Ton, das Tempo, den Aufbau und die heroische Einfachheit eines, erzählten Geschichte an dem prachtvollen ״Ruf der Wild• 11 is" Jack Londons nt lernen (See-Verlag, Konstanz), de ■men Held zwar nur ein!׳!und, dessen Erzähler aber um so mehr Mensch Ist? Die Engländer und Franzosen habest vor den Deutschen voraus, daß sie, ohne da» Ins'inktlve zu enthdtren, es doch nicht überschätzen, und wissen, daß kein Kunstwerk ohne die ordnende und sichernde Macht bewußter Komposition möglich ist. Während die Deutschen und die Juden immer glauben, schon alles getan zu haben, wenn sie «ich der Fülle ihres Gemütes durch da« Medium der Niederschritt entladen, , ■ Unser Paket isf fatbf. Wir legen noch schnell für die Kinder —- da die Eltern Liebhaber und pietätvolle Träger der Erinnerung an Max Nordnu sind — Max Nord aus M ä rchc n bei (Otto Hendel-Verlag, Berlin W9), nicht gerade «ehr nobel ttt der Aufmachung aber doch groß ged nickt und in großem Format, leicht lesbar für junge Augen, und unter dem vielen, was an neuen Kunstmärchen für wirkliche Kinder verbreitet wird, immer noch recht anregend und die junge Phantasie lH׳'־düftL:fti1d. Und dann schnüren wir das Bündel zu, in dem so viel geistiges Leben und Intellektuelle Kraft enthalten ist, komprimiert wie der Sprengstoff ln einer Granate, und gewiß imstande, die Intensität von Granaten- Wirkung zu erreichen; aber nur aufbauend, nur weltvcrbcsscnd, und iumderttauiendmat *tmtvollrr als die Anbeter von Granaten cs sich jemals werden voretcliat können, . Arnold Zweig. M. M. Freim gestorben. Am Sonnabend, den 13. De- 7,e!r.bcr verstarb in Waffichau trn AJtcr voa 66 Jahren der populäre hebräische Schriftsteller Mose* Mordcchal From der in dem hebräischen Schrifttum unter *einem Pseudonym ,,1 sch Jchudl Sapltra“ bekannt geworden war. Der Verstorbene hat sich auch zionistisch und sozial betätigt, Der Schlemiel Etliche unserer besten Leser haben uns erstaunt gefragt, ob wir wirklich als Empfehlung einem Teil der Auflage unserer letzten Nummer die vier Seiten des neuen ״Schlemiel“ bcigclegt hätten, oder nicht vielleicht als Abschreckung. Ihnen sagen wir zunächst, daß leider auch bei uns die rechte, schreibende Hand nichts oder fast nichts zu tun hat mit den Dingen, die die linke, Inserate annchmendc, lut. Darüber hinaus aber sagen wir gelassen lächelnd: Liebe Freunde, ja dieser neue Schlemiel ist ein besonders urncitejiidiger Schlemiel. Vom Titelblatt laßt mich schweigen — es vereint Kuh in- Imitation mit dem Geist einer Reklame von Halbmond- Keks. ״Tausend Hände jüdisch" Ist ein Einfall, den der selige Säuferlcber-Eckardt ln ״Auf gut deutsch" auch hätte habe8 können. Die ,kleine Antt-Ha'cenkreuzlerel ist eine altbackene Semmel — billig und alt. Das fast zwei Seiten überziehende Gewäsch der sogenannten Plauderei war abgestanden schon als Herz! noch lebte. Drei hübsche Schnorrer• Anekdoten und der Majim-Witz sind die ganze Ausbeute der vier Seiten. Aber, meine Lieben: nur wer mit Leidenschaft und um einer neuen Uebcrzcugung willen sich gegen die ganze Welt :־u setzen bereit ist, kann witzig sein. Noch nie ist ata bürgerlicher Gesinnung etwas anderes als ״Fliegende Blätter11 hervorgegangen. Die Unterhaltungsbeilage einer Familien• Zeitschrift ist immer mehr beiliegend als unterhaltsam. Ge• wlß, so schlecht wie sie heut aussicht, braucht sie nicht zu sein. Aber wir haben ihr ziemlich unverhohlen gesagt, was ihr fehlt, um sie nnzustacheln besser zu werden. Sie hat ja noch so viel Spielraum elafürl Nummer Eins kann schlecht *ein; Nummer Zwölf wird besser — oder garnkht rein. _ A. L, Der sechste Band des Wörterbuche* Ben Jehuda», ' ■str Tage fand ln Jerusalem unter Vorsitz von Kolonet 1; i sch eine' Sitzung des Komitees für die Herausgabe de• Wörterbuches Beit Jehudas statt, auf der Frau Be■ Jchuda die Mitteilung machen konnte, daß der 6. Band de• Wörterbuches nunmehr fcrtiggcstcllt ist. Er reicht bl* zum Wort. Miflan. Das Komitee ersuchte Frau Ben Jchuda» sofort alles Nötige zu veranlassen, um die Arbeiten für den 7. Band aufntnehmen. Man hofft, auch den 7. Band noch in* Laufe eines1 Jahres hcrausbringen zukönnen. ll!

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