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Jüdische Rundschau · 1924-12-19 · Heft 101 (19.12.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 101 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11 יון M 1! | i 'י' ■■*־י) ... י <?.:; v ■'י!,’׳ ■ G 1,r ג V ״ Redaktion und Verlort W 15, Meinekcslatß« 10. Erscheint j jeden Dicnttnrt und Freitag, Bezurtsprcij bei der Expedition I monatlich 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark, ( Berlin, 19. XU. 1924 Anzci$cn-VcrwaltunjJ• Jüdiache Rwndiclinu G. m. b, II., Berlin W15, Mclnck•* straßo 10, — Telephon! Amt Bismarck 7165—70 At1r.ldenpr#l«1 H{..n.U.Nonn*r.m««He 0,MG«lrtm»tk. 8t«ll«n• ׳ £..ud,» 0,15 Uoldiiinrk. PAr hahrU•«)!• A01at(«1100% AulwliUf. An1cl1J.n.ohluU« Dt.oili« und F r 11 » g osotiraHUg 4Ut1r. Einr.etmtmmer 0,40 (ioldmnrk ־׳':'Ur,r1־־־ a r-;”־ ל. י : ' / \!: ij ■׳ t..U H J L, XJ V.,: -'S r. m2<׳. — Rcdaktlomschluß Sonntag und Mittwoch nnchmittatf. — ב״ב כסלו» תיס״ה | xxix. jahrg. Der Zionismus «ritrabl IQr das JQdlscho Volk dio Schaffung einer ällonlllch ■ rechtlich geliehenem Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.« ב lüL EDdc^eifiantoö V®3r & Prinzipielles zur örpnlsationsrelorm Von Dr. Na 11 um Gold mann. Eine radikale Reform der Zionistischen Org.misa- (1011 wird schon seit vielen Jahren von allen mit den inneren Verhältnissen der zionistischen Bewegung Vor- 11,inten als eine unabweisbare Notwendigkeit empfunden. Die großen Mängel, die sich aus dem gegenwärtigen Zustand ergeben, machen sich von Jahr zu Jahr stärker fühlbar und haben schließlich die Organisation in eine I agc gebracht, in der sie kaum mehr fällig ist, ihre wichtigsten Aufgaben und Funktionen zu erfüllen. Wenn jetzt der Lnndcsvorstnml der Z. V.l. D. sich entschlossen hat, dieses Problem auf die Tagesordnung des deutschen Delegierientngcs zu setzen, so will er damit die Initiative ergreifen, um zunächst wenigstens die Bedeutung des Problems der zionistischen Oeffcntlichkeit zum Bewußtsein zu bringen, eine Diskussion und damit eine Klärung des ganzen sehr komplizierten Fragenkreises herbcizufiihrcn und so vielleicht dem nächsten Kongreß schon die Möglichkeit einer Inangrifinähme dieses großen Reorganisationswerkcs zu geben. Fs sei liier versucht, die Momente, aus denen sich die Notwendigkeit einer umfassenden Reorganisation der Bewegung ergeben, zusamnienzuiasscn und die Riehtlinien, nach denen eine solche Reform vorgcncinincn werden soll, zu skizzieren, während die Darlegung der einzelnen konkreten Vorschläge und Maßnahmen, die hierzu notwendig sind, dem Referate auf dem Dciegiertentag Vorbehalten bleiben soll. Der ursprüngliche Charakter, den die Zionistische Organisation vom Tage ihrer Entstehung an hatte und haben mußte, bedingte schon von vornherein große!organisatorische Schwierigkeiten. Die zionistische Bcvegung trat mit dem Ansprüche auf, die große um- 'assende nationale Bewegung des jüdischen Volkes zu ein. Ihr Programm war kein Partei-Programm, son- : ׳.em gipfelte in einer Forderung, dis eigentlich das. *anzc jüdische Volk sich hätte zu eigen machen .nüssen, da sie ja nichts anderes als die Forderung der Möglichkeit einer normalen nationalen Existenz, darstellte; so lange das Volk in seiner Gesamtheit oder wenigstens seine große Majorität diese Forderung sich nicht zu eigen machte, mußte sich die Zionistische Organisation als Beauftragte des Volkes in der Vor- Irelung dieses Postulates fühlen. Daraus ergab sich der Anspruch und der Charakter der Zionistischen Ürganisation als einer Bewegung über den einzelnen Parteien des Judentums, als die jüdische Vo 1 k s b c - w c g u n g. Dieser entscheidende Gesichtspunkt, der die gcsamte Haltung und die gesamte, sowohl äußere wie innere, Politik der Zionistischen Organisation von ihrer Gründling an beherrschte, war bestimmend für den organisatorischen Aufbau der Bewegung. Er bestimmte zunächst die Zugehörigkeit zur Organisation. Als Volks- Bewegung mußte sich der Zionismus mit einem Miniinalpropruinm und mit organisatorischen Minimaifordoningen begnügen; er verlangte die Anerkennung des Baseler Programmes und die Zahlung des Schekels. Cer gleiche Gesichtspunkt entschied aber auch über eien organisatorischen Aufbau der Bewegung in ihren einzelnen Instanzen. Der Begriff der Volksbewegung verlangte nach dieser Seite die weitestgehende Anwcttdang demokratischer Gesichtspunkte und des Prinzips des Proporzes. Sollte der Zionismus das jüdische Volk repräsentieren, so mußte dafür gesorgt werden, daß sowohl der Kongreß wie das Aktions-Comitä wie auch die Exekutive in ihrer Zusammensetzung ein möglichst gctreues Bild aller Strömungen und Richtungen innerhalb des im Zionismus vertretenen jüdischen Volkes wiederspiegeln sollten. So gelangten wir zum Kongreß in seiner heutigen Gestaltung, zur Bildung der eigentlich bestimmenden Instanz des Kongresses, des Permanenz- Ausschusses, durch eine schlüssclmäßige Vertretung aller Einzclgruppicrungen, und so gelangten wir zum Aktions-Coiuitd in seiner jetzigen Form, das nach dem f'leichen Prinzip gebildet wurde; und sogar die Exckutive wurde bekanntlich in den meisten Fällen nach ״hnüclien Gesichtspunkten einer möglichst weitgehenden Vertretung der verschiedenen Gruppen .zusammengestellt. Diese Gestaltunng und dieser Aufbau der Organisaßon waren historisch bedingt und waren so lange richtig, גזיי lange der Zionismus in der Tat nichts anderes als «׳’je nationale Bewegung des jüdischen Volkes war, die 1*je jüdische Heimstätte in Palästina {orderte und für d‘« Anerkennung dieser Forderung kämpfte. Je mehr ן׳ Dio Iietillgo ׳ p jj ן 3 cntlitiU neben 7!d!irclcl1cu Beitritten, Korrcspon- >J «lenzen aus Palästina uiw, im Ifaupiblalt u. 0.1 |1 I Der Slnowfcwbiicl des C. V., [4 | Der ׳ Golieslästerimgsprozefl des a I Doar Ilajom ' fl!1 ierner ln dcrrcicMiaUlgcn Jl fl ein. Szene su, (es, unvorüliciitllsliton Dri.1 |j | ״Der Abtrünnige“ ׳ » | . van Arnold Zweig B ן sowie zahlreiche andern Beitrüge und Btlekorff Besprechungen. g ©-:- ן | Die nilchsto Ncmruor erscheint M jJ Mittwoch, den 24. ds. Mts. 1 © c::r ziz ca crr7rrr:3Qcr^r‘.:r3 o stell jedoch der Zionismus entwickelte und intensivierte, umsomehr begann eine ganz andere Seite seines Wesens und seiner Struktur in den Vordergrund zu treten, bis sie. schließlich di beherrschende Komponente wurde. Immer mehr mußten die Zionisten erkennen, daß cs mit der Anerkennung des Baseler ׳Programnics und der Zahlung des Schekels nicht getan war, daß vielmehr, wenn die: zionistische Forderung -irgendwieeinmal zur Verwirklichnng gebracht werden sollte, eine Gruppe von Menschen hcrangebiklct werden ' mußte, denen diese Sache zentraler• Lebensinhalt, war,, der sie ganz, ausfüllte. Dies bedingte die Tendenz zu einem zionistischen M a x i m a 1 i s in u s, d. 11. zur fortwährenden Steigerung der Forderungen an die einzelnen' Zionisten, zur Iiitensivieriin״ des zionistischen Programms und zur immer stärkeren Zusammenfassung und DiszipU-‘ nieruiig der wirklich aktiven Zionisten. Kürzer und dcut-, lieber gesagt, dies bedingte die Tendenz zur Parteibiidung, zur Zusammenfassung der Zionistischen Organisation zur Partei der wirklichen Zionisten. Aus diesen beiden Tendenzen, die beide in ihrer Entstehung notwendig und berechtigt waren, ergibt sich die schwierige Situation, in der sich die Zionistische Organisation seit vielen Jahren befindet. Die Tendenz zur Volksbewegung mit dem Minimal-Prograinm kämpft dauernd mit der Tendenz zur Partei mit dem Maximal-, Programm. Die eine Tendenz forderte Ocffmmg der Grenzen,!nöglichst umfassende Heranziehung aller irgendwie mit dem zionistischen Ziel Sympathisierenden. Die andere verlangte Verengerung der Grenzen, immer straffere Zusammenfassung und Disziplinierung der wirklich aktiven Zionisten unter dauernder Steigerung der Forderungen an sie. Die Organisation lebte dnuernd in diesem Konflikt und litt darunter in außerordentlicher Weise. Er verbinde!te sie eigentlich daran, das eine oder andere ganz zu sein. Immer stärker selzte sich die Tendenz zur Partei durch, ohne aber daß sic organisatorisch, in den Statuten und in dem Aufbau der Bewegung, einen Ausdruck fand. Und so sind wir bis heute prinzipiell, statutarisch und int Anspruch noeii immer die große Volksbewegung, während die Tendenzen gerade der besten Zionisten und der eigentlich aktiven Kreise zur immer strafferen Zusammenfassung der Organisation drängten, ohne aber sich durchsetzen zu können. Daraus ergaben sich die folgcschwcrsten Mängel' und Mißstände innerhalb der Bewegung, und wenn — cs sei dies ganz offen gesagt — der Zionismus, organisatoriseli gesehen, heute räch in einer ungemein traurigen Lage und die Organisation als solche seit Jahren sich in einem Vcrfalistndium befindet, so trägt die Schuld daran in erster Linie dieser Konflikts- Charakter der Bewegung. Auch wenn die Exekutive der letzten Jahre den Willen und die Fähigkeit gehabt hätte —sic hat leider beides nicht gehabt — in organisatorischer Hinsicht energisch zu arbeiten, wäre ihr dies sehr schwer geworden durch den Charakter der Bewegung. Die wichtigsten Mißständc dieses Zustandes — von allen Einzelheiten sei hier abgesehen — betreffen einmal den Charakter der Organisation und zweitens ihren organisatorischen Aufbau. Wir befinden uns heute ln einem Zustand, in dem eigentlich katmi noch Kriterien und Unterscheidungsmerkmale bestehen für den, der Zionist ist. Das Baseler Programm hat seine Bedeutung als scheidendes und unterscheidendes Kriterium im Judentum verloren. Millionen von Juden sind heute bereit cs zu unterschreiben, ohne daß sie sich als Zionisten im Sinne der Zugehörigkeit zur Organisation empfinden und — seien wir ehrlich — ohne daß wir sie als solche en pfinden. Die Majorität des Judentums ist heute zweifellos für das jüdische Palästina, aber sie ist ebenso zweifellos nicht/ioni-tisch im Sinne der Zugehörigkeit zur Organisation, weil sie mit gutem Instinkte fühlt, daß Zionismus mehr ist als Bekenntnis nun Baseler Programm, vielmehr int Laufe der Jahre etwas geworden ist, was den ganzen Menschen und die Ausfüllung seines ganzen Daseins verlangt. Ebensowenig kann der Sclickc! als Kriterium des Zionismus betrachtet werden. Er hat seinen symbolischen Charakter als Ausdruck einer Willenscntschcidung für den Zionismus fast ganz, verloren. Wer weiß, wie die Schekel-Aktionen vor sich gehen, wie Schkolim verkauft und Sclikolim gekauft werden, ist sich darüber klar, daß ein Jude, der einer» Schekel zahlt, damit sehr oft noch nicht ,den Willen zur Zionistischen Organisation kund tut, wenn man unter dieser Willenskundgebung etwas Ernstes verstauden haben will. Und so gibt es beute kaum ernsthafte Kriterien, die den Zionisten vom Nichtzionisten scheiden* und die Zionistische Organisation repräsentiert einen sehr weiten und heterogenen Kreis von Juden, die mehr oder minder mit Palästina sympathisieren, ohne daß aber ein großer Teil von ihnen jene Konsequenzen daraus zu zielten bereit ist, die die Organisation heute vor» citiem wirklichen Zionisten verlangen muß. Ein solcher Zustand verhindert natürlich jede wirkliche Aktions? fühigkeit der Organisation. Große Zahlen von Mitgiiedern sind nicht immer ein Vorteil für eine politische und geistige Bewegung und cs können Fälle eintreien* in denen eine zu große Peripherie eine Belastung darstellt, die den wirklich zentralen Kreis der Bewegung; an der Auslösung und Mobilisierung seiner Kräfte liindert. Noch empfindlicher sind tlic Mängel des gegen* würdigen Zustandes hinsichtlich des organisatorischen Aufbaues der Bewegung. Die schrankenlose Durchführung des Proporzgedankens bei der Zusaminenseirung unserer Instanzen hat die nachteiligsten: Wirkungen. Er verhindert vor allem zweierlei: die Her- Ausbildung einer klaren Scheidung der Meinungen und Gruppierungen auf der einen Seite und — dadurch! bedingt — die Wald einer geschlossenen und homogeucn Leitung auf der «anderen Seite. Es gibt seit Jahren bei uns de facto keine wirkliche Majorität und keine wirkliche Minorität, keine wirkliche Leitung und keine wirkliche Opposition. Beides aber ist für den Zionismus in seinem heutigen Zustand von entscheieiender Notwendigkeit. Die ungeheure Zersplitterung der Meinungen und Strömungen innerhalb der Bewegung, die eine unvermeidliche Folge der Struktur des Judentums im Galuth darsteilt, macht dadurch, daß sie auf Grund des Proporzsystems sich schrankenlos wider* spiegeln kann im Aufbau der Instanzen, eine scharte Gr!!|>picnmg nach großen Gesichtspunkten unmöglich, und so haben wir seit Jahren den Zustand, daß im Kongreß wie im Aktions-Oomitd als den parlamentarischen Instanzen der Bewegung die Majoritäten fortwährend wechseln und die Exekutive aus den heterogensteil Bestandteilen zusammengesetzt ist, weil jede Gruppe in ihr vertreten sein zu müssen glaubt. Dadurch wi d auf der einen Seite die Hcrutisarbeitung ein« klaren politischen Programmes einer bestimmten Majoritäts- ' gruppe verhindert, die bereit ist, auf dem Kongreß die Verantwortung für die künftige Politik der Bewegung zu übernehmen, und damit zugleich auch die Entstehung einer ebenso geschlossenen Minorität, die um die Durchsetzung ihrer Forderungen kämpft und bereit ist, Majoritiit zu werden und dann ihrerseits die Verantwortung ru übernehmen. Weil wir nie eine klare Majorität haben, konnten wir auch meist keine Verantwortung*, bewußte und damit fruchtbar wirkende Opposition haben; in einem höheren Sinne war beides eigentlich immer das Resultat zufälliger Konstellationen und Kombinationen. Den Taktikern war zwar damit ein großes Feld ihrer Betätigung gegeben, die Bewegung «aber konnte niemals zu einer klaren Wi'.Icnsbiklung gelangen. Die Exekutive wiederum war ebensowenig in der Lage, ein bestimmtes klares Programm zu vertreten und zu

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