Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 97 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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7' 11/ / 24?»גז JEtnxclndmmcr 0,33 Goldmark 1־~־ן t—"S8r״l c! ח V, Vf. I.. ־y r r 1־r ר—t ץ־ s\ Redaktion und Verlag W 15, McinckeslraOo 10. Eradidnl jaden Dienstag und Freitag. Bcrußsprei* bei der Expedition (non&tlieb 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5.25 Goldmark. AttHan«i*«bAnn«m«nl• wtrrtoa *in d«r VC׳&hrun< dwr elnxulncn Llodet bereeho*!. Nummer 97 Berlin, 3. XII. 1924 Anzcidca-VerT/altund: Jüdische Rundschau Q, yn.b. 11., Berlin W 15, Meineke* »traßc 10. - Telephon! Amt Bismarck 7165—70 Ani!t*g«npr«i«t Nonp*r^<n*f*iU 0,3OGn!dtn*fk״ SUlieo• tfrMich• (ל4!,י G^Umertt. Für hthrliRcK« An*olf!*n UXJ7/0 AuttchUg« An?H1!r11*vhtuÖ1 Dl 0 0 M % jJ und K f •H fl 0»chn1Hl»fl 4 U W• :ac r״Ä,r; Tclrphon: ttUmiirck 7165—70. Po&t^chrckkonlo} Berlin Nr. 17302, |;flrOe*10rr»icbt Po*D|nfkä@*enäm! Wmn, K יזילו יי Nr, 1S6010 / Für TuKecImtiöwtk««! FoaUptTMtittotml Fr• 4. Kontn Nr. 59410 ✓ Für Pol«o: Po1Upnrk»M«0»m* Wnr»clnu Nr 190 70a — RodakllonnscMuB Sonntag und Mittwoch nachmittag. -« ח׳ כסלו׳ תרס״ה x - *x׳i@X, x.';jar Zionismus orstrebt für das IQdlscho Volk dlo Schallanq olnor dflantllch rochtälch (jaslchorlan Hoimsllllto In XXIX. Jahre. ms -■gr-ürersgasBr aaaasasw Palästina. ״Oasalar Programm.'♦ ג״ב5 der Zionistischen Vereini$unfJ für Deutschland uni 28.—31. Dezember in Wiesbaden, Tagesordnung: Sonntag, den 28. Dezember 1824, vormittags 10 Uhr Bröffnungs-Sitzung 1. Ansprache des Vorsitzenden. 2. Begrüßungen. 3. Wald des Büros. 4. Ansprache des PriL«.idente 11 der Zionistischen Or• ganisntlon Dr. Weizmann. Sonntag Nachmittag 1. Gcneralbcricht des Vorsitzenden über die Arbeit des vergangenen Jahres, 2. Aussprache. Sonntag Abend Aussprache über die Wahlen zum Preußischen Landes• verband. (Nur für Delegierte.) Niemand darf nein Wahlrecht doppelt (in der Ortsgruppe lind finer RomlernigaiilMtioii) .־uisiihen. § 0. Jede Ortsgiuppc von mindestens 25 Mitgliedern wählt einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 75 Mitglirdern wählen zwei Delegierte, Ortsgruppen von mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes weitere Hundert Mitglieder einen weiteren Delegierten; wobei üherschiclkmk 56' Mitgllcdcr einem ,vollen Hundert• gleichgcreduict werden. f; 10. Die Mitglieder ,des Lamlesvorstamlcr., des‘Zentralkomiiecs und «ler Vorsitzende des Finanzausschusses haben als solche, auf dem Delegiertentag Sitz, aber kein Stimmrecht. § tl. Jeder Delegier(«' vciltigt auf dem Delegiertentag mir Ober eine Stimme.; Die Dclegicrtcnmandntc sind nicht übertragbar. Die Delegierten sind an Aufträge und fnstruMipnen nicht gebunden. Anträge für den Dc’cglcrtcnlag bedürfen der Unterschrift von mindestens 15 Delegierten. Alle Anträge sind in einer aus der Mitte der Delegierten zu wählenden Rcsoluli-onskornmlsslon zur Vorbereitung und Rückgabe an׳ den Delcpicrtentag einztireichen. Fs darf über keinen Antrag ahgrstiinnit werden, der nicht der Rcsolutlcmskommission Vorgelegen hat. Montag■, den 29. Dezember 1924 f. Notwendige Reformen der zionistischen Weftorganl* sation, Referent: Dr, Nahuin Go Id mann. 2. Aussprache. Montag Nachmittag 1. Voraussetzungen und Erfordernisse der zionistischen Arbeit in Deutschland. Referent: Kurt Blumen• f e I d. 2. Aussprache, die in der Abendsifzung fortgesetzt wird. Dienstag, den 80. Dezember vormittags 12 Uhr Konferenz der Vertrauensleute des Keren Hajessod in Anwesenheit der Herren Dr. Weizmann und Dr. F c i w c I. (Geschlossene Sitzung. TeilnahmebcrediUgt: Ver* trnucnslcut« des Keren Hajessod, Delegierte, Er. satrdefe.gie.rte.) . Das genaue Programm dieser Konferenz wird in •der nächsten Nummer bekanntgegeben. Dienstag Nachmittag Abstimmung der Anträge und Wahlen. Die wichtigsten Wnhlbesthrmniiigcn. Vor der Vornahme der Wahlen müssen die Gruppen die Landesbeiträge an die Z. V. f. D. (Postscheckkonto Berlin 8091) nbgeführt haben. Alle Dclcgicrfcnwahlen müssen spätestens bis zum 21. Dezember dem Büro der Z.V. f.D. gemeldet werden. '§ 8. Jedes Mitglied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat mit Vollendung des 18. Lebensjahres das aktive, mit Vollendung des 20. Lebensjahres das passive Wahlrecht zum Dctcgicrtcntag. Unterkunft und Verpflegung. Es kann damit gerechnet werden, daß Zimmer voraussichtlich schon von 2 M. an, Inkl. ritueller Verpflegung für 8 M. täglich zu haben sein werden. — Nähere Mitteilungen hierüber werden noch rechtzeitig veröffentlicht werden. Alle Wünsche bezüglich Wohnung, Verpflegung usw. sind an die Zionistische Ortsgruppe Wiesbaden z, H. von Herrn RcieMsamvalt Dr. Harry, Wiesbaden, Kleine Burg- Straße 2, unter Beifügung einer Freikarte zu richten. Eintritt•,karten. Es werden Eintrittskarten für Zuhörer ausgegeben und zwar für «lic Eröffnungssitzung . M. 2,־־־ für die folgenden Tage . . . M. 1,— Bestehungen unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages und ״inr-s F r e i e 011 v e r t« werden schnellstens an die Z. V. f. D. erbeten. Die Zusendung der Karten wird rechtzeitig nach Fertigstellung erfolgen. Dcleglerfcntags«Mandätf. ' ‘ , ' 1 ' Zur Ueberrahme von Mandaten von Gruppen, die nicht ju de/ Lage sind, eigene Vertreter nach Wiesbaden zu entsenden, haben sieh bereit erklärt: Adolf PoBak-Berliti, David Hamburger-Frankfurt a. M.,• Frau Berta Epstefn-Dulsburg. Anträge. Antrag des Landesvorstandes, auf Statutenänderung. (Zur Beschlußfassung Zweidrlt'clmajoritSt erforderlich): Ergänzung von § 8 des Statutes: Das passive Wahlrecht zum Dcleglerlcntag, Zentralkomitce, L,mdesvorstand oder zu sonstigen Aemtern Innerhalb der '/, V, (. D., steht nur solchen Angclulrigen der Z. V. f. D. ת!, die ihre Maasserpflicht gegenüber dem' Keren Flajessoct crfültt haben. ‘ Gemeldete Dclcglcrtcnwahfen. l'.alhcr.sladt! Josef Hirsch, Rechtsanwalt Hermann . Hirsch, HaUmrstadt, Delegierte. Frau Elli Baer, Max Lonncrstädlcr, ilalbcrstadt, Ersatzdclegicrtc. Kisch fährt nsch Aoierlba Die Gcmelndcordnnng j Wie wir erfahren, wird Colonel K i s c h int Monat I Dezember nach Amerika fahren, um dort au der dies- | jährigen Kampagne für den Keren Hajessod teilztmchmen und gleichzeitig die von Dr. Weizmann im vorigen S Jnhre geführten Verhandlungen mit den Nicbtz:onisten * | wegen Gründung der Jewish Agency fortzusetzen. Die | zur endgültigen Formulierung der Beschlüsse notwendige Plenarsitzung der Konferenz vom 17. Februar d. J. ,ן soll in allernächster Zeit .stattfinden, was für die Reali-;! siernng der Erweiterung der Jewish Agency einen großen 41 Schritt vorwärts bedeuten wird. Pr, .Weizmann, der j : bekanntlich Im Dezember auf den europä'schen Kontinent 5' kommt und in Deutschland am DeVriertentag in Wiesbaden feilnehmcn wird, beabsichtigt Ende Januar;1 gleichfalls nach Amerika z.u fahren. Kisch verläßt Anfang Dezember Palästina und be* gibt sich zunächst nach Rom, wo bekanntlich am 8. Dezember der V«>lkerbundsrat Zusammentritt. Kisch "ird in Rom mit Dr. Weizmann Zusammentreffen. Loais Marsh*!! tiad .der Heren Hajessod Aus New׳ York wird berichtet, daß Louis Marshall, auf der nächsten Jahresversammlung des amcrikatikchcn Keren Hajessod, die für den 7. Dezember m das Astorlrotcl, New Vork, einberufen ist, eine Ansprache halten und ausführliche Witfedungen üfxy die Pales'ine Investment Corporation machen "■’ird. Bekanntlich hat Marshall unlängst auf dem Meeting ecs American Jewish Gomittcc dieser mit einem Kapital von 3 Millionen Dollar ג ungestalteten Gesellschaft Erwähnung getan. Man nimmt an, daß Marshaft in, seiner Rede auch die ha Gange befindlichen Maßnahmen zur Schaffung, des amerika- "liehen - Teiles der Jewish Agency, behandeln wird. Der Kolonlahninlstcr Mr. Amerv hat den Oberkommlssar von Palästina vcrsfändi׳rt, daß das Colonial Office bereit ist, die vorgeschlagenc Grmoimleordnung zu genehmigen. Jedoch möchte das Kolonialamt einige kleinere Aenderungen vornehrnen, darunter auch eine besondere SchechHa-Organisation für die Anhänger der Agudas Jkrocl gutheißen. Der in London weilend״ Oberrabhhier \r»n Palasllna, K11 k, wurde gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Rabi no witsch nnd Dr. Sch «in fe Id vom Kolonlalministcr Am׳ry in halbstündiger׳ Audienz empfangen, Amerv erkündigte sich hei Kuk über gewisse Funkte der Gemeinde- Ordnung und drückte seinen Wunsch aus, den Forderungen der Agudas Jisrocl einigermaßen entgegenzukommen. ׳ Im übrigen erklärte sich Amery 'mit dem Standpunkte des Oberrabbiners Kuk einverstanden. Der Empfang trug einen herzliehen Charakter. Die Einwandernng von Januar bis September London. (J. T, A.) Das Kolonialamt leih mit, daß laut der otfi/Idic.n Statistik d'c Zahl der ln den ersten nenn Monaten dieses Jahres in Palästina ein gewanderten Juden 8101 (3226 Männer, 2522 Frauen und 2433 Kinder) beträgt. Tourisfcti und vorübergehende Besucher Rrnd in dieser Zahl nicht eingerechnet.׳ Während der gleichen Zeitperiode sind 170! Juden aus Palästina ausgewandert (Ob darin nicht Touristen inbegriffen sind, Ist nach den letzten ״Enthüllungen״ über die früheren Fehler der amtlichen Statistik In diesem Punkt nicht sicher. A.d. R, ״J. R.״) Llpsky sacb London inrtttbgelchrl tonts LI rsky Ist vorige Woche von seiner Palästinareise nach London zurückgckchrt und hat seine Tätigkeit in der Exekutive wieder aufgenommen. Dr. Mosslnsohn, Dsrektor dem Gymnasiums ln Tel Awiw, der vom Keren Ha’e-,50« 1 Direktorium für Propagandaarheit in überseeischen Ländern engagiert wurde, Ist gleichj falls in London clngctroffen. ■ , ׳ . Rundsd)au Der 7. Dezember. — Samuels Nachfolger, — Rück« kehr In• Mittelalter? — Mlsrachl und Arbeiterschaft. t ~ Unliebsame Tendenzin. RW., Berfiu, 3. Dezember. Der kommende Sonntag ixt ein FntsciicidungUnj ür Deutschlands näclusfe Zukunft. Die deutschen Wäher werden zu bMtiminen haben, ob Deutschland dm Weg der Konsolidierung, des allmählichen Wiederaufbaus und des Fortschrittes als demokratische Nation gehen *oll, oder ob es zurückgezogen werden soll in den vorlängnisvollen Machtbereich «ler Reaktion und der Jun- «crhcrrschaft, der. es sein Unglück verdankt und die neuer. Unglück herbeizuführen sehr geneigt ist. Die Situation Europas ist heute derart, daß nur eine Politik der Annäherung der Völker die Katastrophe der Zivi•!Ration vermeiden kann. Mit Recht schrieb diese Woche George Landsbury, der tief religiöse Christ und von den Massen geliebte englische Arbeiterführer: die Tollheit des Imperialismus, der den nationalen Egoismus als oberstes Gesetz anerkennt, müsse in der heutigen Zeit zum völligen Dcb.iclc führen. Wir Juden, aus zwei* tausendjährigen Erfahrungen und aus der Eigenart ume* rer Stellung in der Welt, stehen auf der Seite derer, die die Kultur der Menschheit retten wollen. Wir wollen das aus tiefer menschlicher Einsicht, ans praktischer Vernunft, welche die Völker sich verbünden heißt, um eine neue Blütezeit friedlichen Schaffens herbeizuführen. Für uns Juden ist die Stellung in diesem Waldkämpfe klar. Nicht nur aus den angedcutc'.cn allge• meinen Gesichtspunkten, sondern aus eigenem Interesse stehen wir auf; der Seite derjenigen Gruppen, die in dem nach Rasse und Volkstum anders üeartc'en nicht einen hassenswerten Feind sehen, sondern einen Genossen, vor dessen Eigenart man Respekt haben soll. Wir verhehlen uns nicht, daß diese geistige Haltung heute auch in den Kreisen der Linksparteien nicht allzu häufig ist. Die demokratischen Parteien meinen oft. detf Antisemitismus dadurch ablehoen zu ־müssen, daß siß jeden Unterschied zwischen •Juden und Nichtju:len leng* ncn. Durch diesen Fehler liefern sie im Grunde dem Anti■ semitismus selbst Argumente. Aber wir wissen, daß eine Aendenitig dieser Anschauungen, die ein Produkt der hundertjährigen liberalen Erziehung sind, nur allmählieh erreich: werden kann, indem wir selbst versuchen, in öffentlicher׳ Diskussion die Tiefe des Judcnnroblems aufzweigen. Wie die Dinge heute liegen, kommen für uns .Juden nur die Parteien vom Zentrum links in Frage. Welche Partei einer wühlt, wird meist von seinen allgemeinen politischen Anschauungen, zum Teil auch von seiner ökonomischen Stellung, manchmal wohl auch von lokalen taktischen Erwägungen abhangen. Ohne daß wir hier für eine bestimmte Partei Stellung nehmen, können wir doch der Genugtuung Ausdruck geben, daß In diesem Wahlkampf der demokratische Gedanke weit wirksamer als bei früheren Anlässen in Ersclicmimg trat. Außerdem mögen die etwas gefestigteren Verhältnisse dazu beigetragen haben, daß in. diesem Wahlkampf die antisemitische Hetze nicht mehr jene schmachvolle, für Deutschland, beschämende und erniedrigende Rolle soiett wie in der vorhergegangenen. Selbstverständlich haben die Rechtsparteien auf antisemitische Agitation nicht ver• zichtet, die Dcutschnationalen haben sogar die Parole ״Gegen Juden- und Franzosenherrsebaft" zum Kernwort ihrer Kampagne’ gemacht. Von der völkische! Garde Ludendorffs brauchen wir ohnehin nicht zu reden, da ihre geistige Dürftigkeit sic zu völliger Leere verurteilen würde, wenn sic nicht die Juden hätten. Aber trotzdem g«b es diesmal kein Pogromgcschrci. Nicht einmal die Ostjudcnfnjgc, die Herr Naumann zu forcieret: vcrsvchle, fand ein lebhafteres Echo. Die Rechtsparteien, die die Stimmung des Volkes gut kennen, wissen ganz gut, daß sie heute nicht mehr mit den Ammenmärchen autwatten können, die, ihnen bei früheren Anlässen zur VcrSehlcic• rung ihrer.eigenen Inflations-Nutznießung so gute Dienste leisteten. Di? ’ deutschen Parteien haben gelernt, ihre politischen Gegensätze miteinander auszufr?gcn, und dies ist eine Hoffnung für eine allmähliche . Gesundung dc3 deutschen Volkes, das wie jedes andere in gleicher Lage noch fange an seinem Krieg und Kriegsverlust wird leiden müsse 11., , ׳ : Aber kein Jude darf sich durch die Tatsache־ dieser Besserung «inschläfcrn fassen. Die Gefahr von rechts besteht, und das Judentum in Deutschland wird trüben Zeiten cntgcgcngehcn, wenn die Reaktion ans Ruder gelangt. Darum ist cs Pflicht jedes deutschen Juden, am 7 Dezember zur Urne zu gehen und sein höchstes s' itsbürgcrlichcs Recht auszuüben. Es wäre ein .schwe* mi Fehler, picht jede jüdische Stimme zugunsten frpiheit•