Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-11-14 · Heft 91 (14.11.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 91 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652679--16166-2675537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mrmelnämmcr 0,30 Goldmarft 1B«r1״־r ד—ן ר r1־ r—\ n r m 1 ־ n : ד—1—1 r ך־ ,1 c j נ. Redaktion und Verlort W 15, Mcinekcstraße |0, Erscheint!*den Dicnstaj) und Freitag. Bezugspreis bet der Expedition gjonatiieb 1.35 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark, *gatgndtftbonntnMnI• vtrdio In der WlhmoiJ der elaretoea Uodir beiochncl. י■־•-־•־־-.. - ז .*-־ Nummer 91 jj Berlin, 14• XL 1924 1 Anzeigen -Verwaltung s Jüdische Rundlich au G. in.b. IL, Berlin W 15, Melneke» straüc 10. — Telephon! Amt Bismarck 7165 — 70 I'clcphon: Bismarck 7165—70, 1*0 Ki!rO..Urtflch! Po.lip.rk*״, n»ml Wirn, K, PoitipkiktiKnual t r«(, Konto Nr, »! — RedakllonsschluO Sonntag 1 י״ז סרחשון׳ תיס״ה i xxix. Jahrs. Der Zionismus «ratrabt für das lUdlech« Volk dl« SchaUunr! einer tiffentllch rediKisf» a®stsS1QPt®n HcImetiStta In Palästina. ״Banaler Programm.4* ZioisisiaocEie Eicscndcm©22Gi2־Gfi©!n La T/crccI:״a Hundert lausend Warschauer Juden bctciliöeu sich an der Kundgebung Warschau, 10. N’ovcmber 1921. In Warschau f»nd Sonntag, <lpn 9. November, anläßlich <|fj J.ihre.'iajrrs der Balfour-ITekinrntion eine große zionistische KuiHigebiing statt, .111 der s'di 11 u nd c r 11,1 u s c 1! d Per• joiicn beteiligten. Der Deinonröratioiisziig, an dessen Spitze die Pfadfinder-Organisaiion Haschnnier llazair marschierte, bewegte sich durch die Straßen des Warschauer JudenvierteK ־Vi.lv Organsrtioiu 11 nahmen unter Vorantragung von jü«J;<sc!tnationalen Patinen am Marsche ־,eil. Die Iimtptaufmcrkf.am- Veit Itahtcn auf sich die in |1?!mUc.1cr, jiddischer und polni-rlicr Sprache ahgcfalltcii Aufschriften, wie: ״Wir verlangen fr«i*־ Immigration“, ״Hoch das arbeitende Palästina״ ,״Oer jiidbchc Beden dem jüdischen Volke“, ״Oie Dalfoitr-lX'klaration ist eine Form, Keren Hajessod ist der Inhalt“. ■An der Spitze der Keren Kajcmctli-Organisatlon trug man eine große Sammelbüchse des Jüdischen Nationalfouds, mit der Aufschrift: ,,Ocrrlnh Titnu laarcz". Um l Uhr setzte, sicli der Zug in Bewegung. Voran schritt eine Polizeiabteilung, die die Wagen und Straßenbahnen zum Stellen brachte. Dann folgten die Pfadfinder-Organisationen, das Zontra'koinitce «1er Zionistischen Organisation in Polen, das Direktorium des Keren llajessad und die Leitung des Keren Kajerneth, der Klub der zionistischen Abgeordneten und Senatoren, die zionistischen Sladtrüto, der Nalionalr.it, der Merkas, der Misr.ichl, Makkabi, Bar Kechba, die Komitees «ler /.1onisti,seilen Bezirksorgatunational, die vereinigten Uandwcrkcrvcrbändc, die ״Ilehr.Tschc Bühne" und eine ganze Anzahl jüdischer Institutonen und Organisationen. D«:r Vorbeimarsch des Zuges dauerte fünf Viertelstunden. Am Mnronaw-Platz, dem Hauptpunkt der Kundgebung, wurden Ansprachen (gehalten. Sodann löste »ich der Zug in Ordnung auf. Der BerichtciRtaticr des 11״ a i 111“ beschreibt die Kundgebung folgendermaßen: ״Isaak Grün bäum schritt an der Spitze, hinter ihm die Pfadfinder, Der Zug bleibt einen Moment riehen. Die Straßen sind von Zehntausemlen helagert, l-'lölzlicli Orchestciklang, der Makkabi marschiert, gefuhrt von seinem Kapellmeister. Oie jüdischen jungen Leute marschieren mit starkem Schritt. Fs ertönt die ״I1 rtikwah“. Aus Fenstern un.l von Balkoncn bürt rinn die Rufe: Hoch das jüdische Volk! hoch Ercz.Isr.1cl! Es muß zugeslanden merden: der Anteil der. Misrachi am Zuge war imponicreiK). Senator K.owalsky schritt inmitten von vielen Juden mit Siiberbärtcn voran, hinter ihm die Zcirc-Mbrachl, in langen Gewändern und Schritt haltend, als ob sic die turnerische' Erziehung des Makkabi hätten. Aber auch der Anteil der ״H i t a eh du t h" ist sehr groß gewesen, sic wurde vom Abgeordneten Lewinsohn geführt, Die Verfreier der zionisti־.cl1en Arbeiter trugen Transparente mit der Forderung: ״Oeffnet Palästinas Tore für die jüdische Immigration!“ hnponicrcml war die Gruppe der jüdischen Handwerker mit einer blauwcillen Fahne und einem eigenen Orchester. Der Zug will kein Ende nehmen. Immer neue Scharen ziehen vorbei mit Fahnen und Aufschriften: ״Hoch der Völkerbund!“ ״Hoch das englische Volk, für die Anerkennung unserer Rechte!“ 121״ Schulen erhält der Keren H.ijfescd in Ercz-Isracl." Diese letzte von Kindern getragene Fahne macht besonderen Eindruck. Endlos ziehen die Massen vorbei. Leih J a f f e marschiert hcchcrhobencn Hauptes. Es Orsmby Gore — Unferstaafssekrettir Wie wir einer Londoner Meldung entnehmen, ist der Posten des Unterstaatssekretärs im Kolonialamt dem Major Orntsby Gore .™geboten worden. Eine Antwort ist noch nicht gegeben worden, da örinsby Obre sich gegenwärtig auf einer Studienreise in O.dafrikn befindet. Die zionistische Welt würde es jedenfalls mit großer Genug- Imin״ begrüßen, wenn dieser Mann, der nicht nur ein aus- (:ezcichneter Kenner des gesamten Orients, sondern mich!׳in besonders warmer Freund der zionistischen Sache ist, wieder auf den für unsere Sache besonders wichtigen Posten zurückkehren würde, den er schon im ersten Kabinett Baldwin iniic- Rfchabt hat. Ormsby Gore war bereits im Jahre 1913 ür Palästina, zur Zeit der unter Führung Dr. Weizmanns stehenden offiziellen ,,Zionist Commission“. Er bat wiederholt in lüden innerhalb und außerhalb des Parlaments sieb nachthückhch für die Idee der Errichtung der nationalen Heim- »Ufte fiir das jüdische Volk eingesetzt, die er nicht nur von! Standpunkt der englischen Koleniolpolitik für notwendig hält, «ondern die er als gläubiger Christ zu fördern für eine Weale Pflicht der Christenheit betrachtet. Die ״T i raes" begrüßen in ihrem Leitartikel vom 12. d, M. *,arm die Berufung Ormsby Gores, dessen besondere Eignung lür die delikate Aufgabe des Ausgleichs der Interessen der Einwanderer mit denen der zu wachsender Selbständigkeit reifenden eingeborenen Völker in den dem Amte untenitchcndcn Gebieten hervorgehobeu wird. Koalg Ali vor Mekka? Laut einer Pariser Meldung aus Kairo rückt König AH *ii seinen gesamien Streitkräften gegen Mekka vor, um die ^ahabiten zu vertreiben. Die Truppen Alis haben bereits׳ sämtliche strategischen Zugänge zu der- Stadt besetzt. . (Ob 11י* Nachricht stimmt, bleibt abzuwarten. Red. ״J. R-“) ist ihm gelullten, die Warschauer Judenheit auf die Straße zu bringen. Der Zug ist kilonietcrlang. Neben Senatoren und Abgeordneten marschieren einfache Leute, gehen Handwerkcrvercinigiinjvcn. Tbul über . allen klingen Melodien jüdischer Lieder." Die Vcrniditonppolilllc flegea die Jnden Rede des Abg. Reich in Sejm. im Verlauf der mehrtägigen Budgetdebatte im polnischen Sejm ergriff, wie schon kurz gemeldet, auch der Vorsitzende des jüdischen Paiiaincriisklubs, Dr. Reich, das Wort, 11m die jüdischen Forderungen zu begründen. Als der jüdische Deputierte die Tribüne bestieg, verließen die Abgeordneten der Regierungsparteien samt* 1 i c h d c n S a al. Es fiel auf, daß auch der Ministerpräsident G r a b s k i, der der bisherigen Diskussion aufmerksam gefolgt war, sofort nach Beginn der Rede Reichs den Saal verließ. Lien. Reich führte aus: Das gegen die Juden gerichtete, den städtischen Mittelstand nicderdrückcndc Steuersystem trifft auch zahlreiche Christen, ln vielen Städten haben gemeinsame Proteslvcrsammlungcn jüdischer und christlicher Kleinhändler und Handwerker stattgcfundcri. Man tröstet die Christen damit, «laß man durch ein unerbittliches Steuersystem die Juden dazu zwingt, nach Palästina zu emigrieren; dadurch werde die Lage der Christen erleichtert werden. Das ist falsch. Sämtliche Einwanderungsländer sind gesperrt, Palästina kann nur einen kleinen Bruchteil der Juden nufnehmrn. Die Politik des Ni cderbrach* kann nur «ln zu führen, daß die verarmten jüdischen Massen Polen selbst zur Last fallen. Der Rainer besprach die Frage der Zwangssonntags• ruhe, die die Juden zwingt, zwei Tage in der Woche zu feiern, sowie die neuen Stnatsmonopolc, die tausende jüdische wirtschaftliche Existenzen zerbrechen und führte weiter aus: Wir fordern, daß man die jüdiscltcn Soldaten nicht peinigt, «laß man. unsere menschliche Würde respektiert. Die Juden unterhalten ein Scliulnetz für 't()(XK) Kinder, außerdem erhalten die Orthodoxen zahlreiche religiöse Schulen. Bel der jetzigen Krisis ist die jüdi!׳c|1c Gesellschaft nicht Imstande, allein ihr .Schulwesen zu erhalten. Wir fordern eine Subvcntionicrung. unseres Schulwesen« um! «Jas Atifhürcn dej ständigen Schikanen'. 1 Der Außenminister S k rz^flsk f, setzte Dr. Reich.fort, hat in Genf die Beziehungen der Regierung zu den nationalen Minderheiten falsch dargcstcllt. Der Minderheit«.• traktat wird sabotiert, die Juden genießen nicht einmal mehr «lie bürgerliche Gleichberechtigung, der Weg zu den freien Berufen, wie Advokatur, ist ihnen versperrt, von «!er Hochschulbildung werden sic fcrngchnltcn. Dr. Reich schloß: Der jiidNehe Parlamcntsklub wird gegen das Vertraucnsvotum stimmen. Nach Schluß der Debatte versuchte Ministerpräsident Grabski in einer vierstündigen Rede die Angriffe aller Oppo sitionsredner zu entkräften. Es fiel auf, daß er mit keinem Worte auf die schweren Angriffe von ja<lI״ scher Seife einging. Man sieht darin eine schwere Brüskicrung «ler jüdischen Deputierten Und der jüdischen Bevölkerung Polens. Das Ergebnis der Wiener KuUuswahlca W i c n. (J. T. A.) ‘ Das Ergebnis der «am Sonntag, den 9, November, stattgefuticJencn Wahlen in die Wiener jüdische Gemeinde ist das folgende: Es wurden 28 Re* präsentanten gewählt, unter diesen 9 Zionisten, 2 Mis* rachisfrn, 5 Sozialisten, 12 Mitglieder der Agudah und der Oesierrcieliischcn Union. (Es waren 36 Repräsen• tanien zu wühlen.' Die Meldung der J.T, A. scheint unvollständig zu sein. — Red. ״J. R.“) Der Ckklrabbi von England Aber das Nalionalhelm London. (J. T. A.) Clücfrnhhi Dr. J. H. Hertz eröffnete am Dienstag, «len •I. November, im Rathaus zu Leeds einen gemeinsamen Basar der jüdischen Gemeinden «ler Städte Leeds, Bradford 11ml Harrogatc. Das Erträgnis dient der Errichtung einer l.c cd 8 Kolon ic und einer Lccds-Talaiud-Torah in Palästina. Der Oberbürgermeister von Leeds, Herr C. G. Dickson, führte iu der Eröffiiungszcrcinonic «len Vorsitz. Nach einleitenden Mitteilungen des Prof. S. Brodetsky, als des Vorsitzenden des Komitees, hielt Dr. Hertz eine Anspräche, in der er die Balfour-Dcklaration von 1917, sowie «las vor zwei Jahren an England erteilte Palästina-Mandat als Grenzsteine in der Entwicklung und Emanzipation der jüdischen Rasse bczclrhncfc. Es ist die heilitre Pflicht der englischen Juden, England in dem Wiederaufomi des Jildisehen Nation,־ilheiins zu unterstützen. Ein Naüonallieim würde aber nutzlos sein, wenn die «ircizehu oder vierzehn Millionen Juden außerhalb Palästina» nicht zu der Beobachtung des Glaubens erzogen würden. Am 5. November cröffnete Sir Charles Wilson, das konservative Parlamentsmitglied für Leeds-Mitte, den zweiten Tag des Basars mit einer Ansprache, in der er sagte, die Regierung werde dem jüdischen Volk in Palästina, bei 8 teil «ui.• ... ׳ Deutschland und der Völkerbund Von Dr. Jacques Adler, Leipzig. Die Auflösung des Reichstages hat zwar die En{• Scheidung über wichtige Fragen der deutschen Politik gegenwärtig hinausgerückt, doch kann wohl mit einiger Sicherheit damit gerechnet werden, daß auch nacht den Wahlen die Linie der deutschen Außenpolitik unverändert bleiben wird. Auch der Regierungswechsel in England dürfte kaum an der durch die letzten Verträge und Konferenzen geschaffenen Position Deutschlands in der Völkergemeinschaft etwas ändern. Demnach! müssen wir damit rechnen, daß auch der Beitritt des Deutschen Reiches zum Völkerbund nur noch eine Frage der Zeit ist, denn cs ist nicht anzunelimen, daß sich diesem Akt unüberwindliche Hindernisse in den Wegj stellen werden. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund ist — gleich der parallel gehenden Aktion zum Abschluß neuer Han׳■ dclsverträgc auf Gegcnscitigkeitsgrundlagc — ein neuer Fortschritt auf dem Wege zur Wiederherstellung ge• Runder, normaler Verhältnisse auf dem europäischen Kofltinent, ein Symptom des weiteren Abbaues der Kriegs- Stimmung und Kricgsgcsinmtng. Diese allgemeine Ent- Wicklung ist vom jüdischen Standpunkte aus willkommen zu heißen, erstens, weil die Sicherung des Weltfriedens überhaupt eine Forderung der Ethik des Judentums ist, zweitens deshalb, weil wir Juden als Minderheit allcnthalben der Oefahr feindseliger Entladung des aufgewühlten Volkscmpfindcns besonders nusgesetzt sind und daher in der Rückkehr ausgeglichener nationaler und sozialer Be- Ziehungen auch eine Erleichterung unserer Lage erblicken müssen. Soll der Anschluß Deutschlands an den Völkerbaind im Sinne des Weltfriedens wirken, dann wird freilich erforderlich sein, daß er von der Mehrheit des deutschen Volkes auch tatsächlich gebilligt wird, was wiederum 'abhängt vom Grade der Rücksichtnahme auf das National- und Staatsgcfühl der Deutschen. Gerade, wenn man den Gedanken des Völkerbundes anerkennt, wenn 'man in der Schaffung des Rechtsfriedens zwischen den Völkern auch eine Existenzgarantie tür unser von jedem Krieg, von jeder Friedensstörung bedrohtes jüdische» Volk erkennt, gerade dann muß man auf das Lebhafteste wünschen, daß das wichtigste Ereignis der Völkerbundsgeschichte seit der Rtindcsgründung, der Beitritt Deutschlands, sich unter Bedingungen vollzieht, die den be> rcchtigtcn deutschen Wünschen Rechnung tragen und dadurch der Völkcrbundsidcc eine Statt״ im Herzen des deutschen Volkes bereiten, der Verbitterung ent« gegenwirkend, die seit dem demütigenden Vertragsabschluß von Versailles nur allzu begreiflich ist. Neben dem generellen Stimmungswert hat die Aufnähme des Deutschen Reiches in den Völkerbund und voraussichtlich auch in den Völkerbundsrat für uns Juden in Deutschland verschiedene spezielle Auswirkungen günstigen Charakters. Einesteils handelt es sich um das Ostjudenproblcm, andcmtcils um das Palästina- Problem. Die Ostjuden, die in den letzten Jahrzehnten vor der .Wirtschaftsnot und den Verfolgungen an ihren alten Wohnsitzen Zuflucht in Deutschland suchten, leiden jä heute nicht nur unter dem allgemeinen Judenhaß, sondern tragen auch noch daran, daß sie Ländern als Staatsbürger angchörcn, die mit Deutschland nicht gerade in den besten Beziehungen leben, wie namentlich Polen und in geringerem Grade auch Litauen und Rumänien. Den Betreffenden vermag es nur wenig zu trösten, daß er vielleicht in der polnischen ״Heimat" als ״Jude" eine noch ungünstigere Behandlung zu gewärtigen hat «als im deutschen ״Ausland" als ״Pole". Besonders tr.v gisch ist die Situation tür die zahlreichen Juden au» Galizien und der Bukowin.a, die als frühere österrei* clüschc Untertanen schon seit langem iu Deutschland leben und halte auf Grund der Grenzenführung des Vep• trags von St. Oennain mit einem Male als ״Polen" oder ״Rumänen" sich betrachten sollen. Die ganze Wirrnis des jüdischen Golus-Schicksals zeigt «ich in den drastischen Beispielen, die man, etwa in Leipzig, zu Hunderten erfahren kann. Die Behörden mögen korrekt verfahren, wenn sic den Menschen nach seinem Paß behandeln. Traurig aber ist es, wenn jene schematische Klassifikation, die nur nach Dokumenten, nicht nach der Gesinnung urteilt, auch ins Innere der jüdischen Ge« meinschaft übernommen wird, wenn deutsche Staats* bürger jüdischen Glaubens den! polnischen Staatsbürger jüdischen Glaubens seine Stellung als Fremdling im Lande möglichst oft und deutlich zu fühlen geben. Tritt nun Deutschland heule in den Völkerbund ein! so wird wahrscheinlich audi sein Verhältnis zu den Ost- Staaten sich entspannen, unter dessen heutiger Ungunst so viele Juden ohne das geringste eigene Verschulden . leiden. Die Entspannung dürfte sich nicht nur auf die ן Gefühle beziehen, die die Länder für einander hegen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.