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Jüdische Rundschau · 1924-11-07 · Heft 89 (7.11.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 89 (7.11.1924)
Date
1924-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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־ז ו!פ» =״י Reduktion und VcrlnsJ W 15, McinckcstraOe 10. Erscheint edeo Dicnstnö und Freitag. Bczuj'r.prcis bei der Expedition flooatlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark Kniumcr 89 Berlin, 7. XI. 1924 T.im.clnnmmcT 0,40 (roldmark 1 ־־ r . 'U hi .יי־ c 1 ri /: i Ij ...נ l. j t. .נ vh;;h Anzeigen•Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.II.. Berlin W 15, Melnelteutr.iilc 10. — Telephon 1 Amt Bismarck 7165 — 70 An1.1«innr•'•! S«•«ד•».N'r,npar.m,ttll• <1.3000Mm«rtt. 0.15G״l,l,n«rk. FUf h«br»l«cbt An״ln.0 100 % AuluhU«. — RcdnktlonsschluO Sonnlafl und Mittwoch nachmltlntf. - י׳ מרחשון" חרפ״ה S xxix. x4״!rg. gar Zlonl»mu» tritrab) für das fUdlscha Volk dl« Schaff««»* einer Öffeniäieh rachtllch gealchortan Halmslütt« In Palüsllna• (lDas«l«r Proaramm.1* Die neue Einwanderung An die Juden m Pretn^en! plc ״Jüdische Volksparlcl" veröffentlicht anläßlich der Wahlen zum prcufjlschcn Landesverband jüdischer Gemeinden nachstehenden Aufruf: Die ״Jüdische Volkspartei'* ist begründet auf der Überzeugung von der Einheit des Judenfums in aller Welt. Sic lehnt daher alle Bestrebungen ab, die das Judentum in landeskirchenähnliche, von den Staatsgrenzen beschränkte einzelne Gemeinschaften zerreiben wollen. Sie verlangt, dab über den Kreis der rein religiösen Tätigkeit hinaus und im Zusammenhang mit dem Gesamtjuden tum ollen Interessen der jüdischen Gemeinschaft im jüdischen Sinne gedient werde. Der Preubische Landesverband, die erste öffentlich rechtliche Zusammenfassung eines erheblichen Teiles des deutschen Judenlums, hat sowohl die Aufgaben zu losen, die das preubische Judentum besonders angehen, als auch die preubische Judenhcit zu einem wirkenden Faktor zu machen innerhalb der Gcsomljudcnheit. Neben der Pflege der überlieferten Schätze der Vergnngenheit verlangt die ״Jüdische Volksparlei" vom Landesverband umfassende Mitarbeit an den Zukunftsaufgaben. Im einzelnen erhebt die ״Jüdische Volkspartei" folgende Forderungen: 1. Sammlung aller jüdischen Kräfte zur Einheit. Gleiches Recht für alle Richtungen im Judentum, die der Erhellung des Judenlums dienen. — Gleichberechtigung der ausländischen Juden im jüdischen Leben, Gleichberechtigung der Frauen. Wirksame politische Vertretung nach auben — Schaffung eines umfassenden sozialen Hiifswerkes — restlose Demokratisierung der jüdischen Körperschaften. 2. ln kultureller Beziehung: Erziehung eines von jüdischem Geiste und jüdischem Bewußtsein durchdrusgenen Geschlechts. Der Jugend muß das Judentum lebendig und Heb gemacht werden. Die jüdische Schule ist zu fördern; neue jüdische Schulen aller Art sind ins Lehen zu rufen. Das Hebräische ist als Sprache unserer Vergangenheit und als lebende Sprache zu pflegen. Hierzu brauchen wir einen hochstehenden Lchrcrstahd, dessen Unabhängigkeit und wirtschaftliche Gleichstellung mit den vom Staat angestellten Lehrern gesichert werden müssen. 3. Der Kampf gegen die Feinde des Judentums ist in ־würdiger Form zu führen. Nur jüdische Leistung, nicht Beteuerung, erzwingt Achtung. 4. Das deutsche Judentum hat an dem vom Völkerbund gewährleisteten Aufbau der Jüdischen Heimstätte in Ercz Israel ideell und materiell mitzuarbeiten. D.'c Regelung der jüdischen Emigration, insbesondere aus den Ländern des Ostens, gehört zu unserem Pflichtenkreise. Juden 1 Jeder, dem die Ziele dieses Programms am Herzen liegen, der ein starkes, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, die Zukunft bejahendes, stolzes Judentum will, gibt am Wahltage seine Stimme der ״Jüdischen Volkspariei"! Das Falästinamaadat vor £em Völkerbund Schluß der Diskussion über Samuels Bericht G c 11 f. (J. T. A.) Am 30. Oktober 113t die ständige Mund.ilskmitnisston des Völkerbundes die Diskussion filier den i’CM-lit der bilüsrhcn Rr׳;icn1n״ bclretfcnd die Administration <ks palästinensischen Mandats beendet, Herbert Samuel '1»terhrcitetc einen ergänzenden Bericht, in welchem er die Tillgkcit der christlichen, mohammedanischen und jüdischen Schulen in Palästina, den Gebrauch der hebräischen Sprache *יי öücntlkhcn!.eben, die Arbcitsverhäitnisse, das Gesund* heitswesen, das Budget der palästinensischen Administration, die gegenwärtigen finanziellen Verhältnisse im Lande, sowie dessen Handelsbilanz, behandelt. Herbert Samuel ging auf •He Details cm und beantwortete ausführlich die von den Mitgliedern der Kommission an ihn gerichteten Fragen. Die Kommission dankte Herbert Samuel für die er- 1*köpfenden Auskünfte, die er der Kommission während der dfei Tage dauernden Verhandlungen über die Arbeit der Palästinensischen Administration erteilt halte. Durch diese Auskünfte habe die Kommission einen Eindruck von den ״tr Administration Palästinas innewohnenden besonderen Schwierigkeiten bekommen. Protokollierung des arabischen Memoranda ms Hieran! ließ die Kommission das am 29. Oktober von ** palästinensisch-arabischen Exekutive durch die britische Regierung unterbreitete Memorandum protokollieren. In diesem Memorandum protestiert die palästinensisch-arabische־ Exekutive gegen die zionistische Politik In Palästina und forciert die Errichtung einer nationalen Regierung, in der Repräsentanten der arabischen und der jüdischen Bevölkerung sitzen sollen. Die Teilnahme soll dem Bcvolkerung.svcrhältnis entsprechen, wie es vor dem Beginn der zionistischen Arbeit im Lande bestanden hat. Die im Memorandum aufgeworfenen Fragen wurden von Herbert Samuel in seinem Berichte schon vorher behandelt. Der Präsident der Kommission, Marquis Titeodoli, bo merkte betreffs des Memorandums, daß die permanente Mandatskonimisskm des Völkerbundes zu dem Zweck eingesetzt worden ist, uin die Anwendung der Mandatsvor• Schriften, wie sic der Völkerbundsrat formuliert hat, zu überwachen. Die Entscheidung über die Frage, ob diese Mandatsvorschrift mit dein Geist und dem Wortlaut des Artikels 22 des Völkerbundsstatuts übcrcinstlmmcn, liegt außerhalb der Kompetenz der Kommission. Herbert S:r.1u2I5 Abreise ans Cent Samuel hat bereits Genf verlassen, um sich nach Jeru• sale.m zu begeben. In seiner Abwesenheit hatte Sir Ronald Storrs, der Gouverneur von Jerusalem, die Vertretung des Oberkotnmissärs inne, da der ständige Vertreter Herbert Samuels, Sir Gilbert Claytop, krank darnlederlicgt. Die Immigration nach Palästina hat im letzten halbe» Jahr einen unerwarteten Umfang angenommen. In den letzten Monaten sind monatlich beinahe 3000 Immigranten ins Land gekommen. Diese Einwanderung unterscheidet sich aber von der früheren sehr wesentlich durch ihren! Charakter. Nach dein Kriege, als die sogenannte ״dritte Alijah“ cinsetzte, kamen die großen Scharen der Cha» luzim, jene jungen Männer und Mädchen, die sich schon: während des Krieges darauf vorbereitet hatten, in dert Dienst des Aufhaus des jüdischen Volkes und des jüdisehen Landes zu treten und min, sobald die Tore sicht öffneten, mit dein vollen Enthusiasmus der lange er. sehnten Erfüllung in das Land strömten. Sie betracht teten sich als die nationale Avantgarde, die das persönliehe Interesse dem nationalen Interesse unbedingt unten, ordnet. Nach der Unterbrechung die diese Eiuwandenmgswcllc durch die traurigen Ereignisse vom Mai 1920( erlitt, wurde die Einwanderung in die Fessel eines Reg», lafivs gezwängt, das den Strom immer mehr verdünnte. Obwohl im Jahre 1922 und 1923 noch eine große Zahl von Chahizim Ins Land gekommen sind, hatte doch die Bewegung etwas von ihrer elementaren Krait verloren, Mittellose Einwanderer — lind alle Cltaluzim sind mittel« los — konnten nur auf Grund der Zertifikate der Re« gierung ins Land kommen. Dagegen wurde Palästina int zunehmendem Maße eine Zufluchtsstätte für Immigranten anderer Art, die über etwas Kapital verfügen und daher! nicht unter die Bestimmungen, des Regulativs für Arbeiten. Immigranten fallen. Schon itn Jahre 1923 hat diese* Element überwogen. Aber erst im letzten Halbjahr hat dta Bewegung solche Dimensionen angenommen, daß matt mit Recht von einer ״vierten Alijah“ sprechen kann, dräl eine ausgesprochen kleinbürgerliche ist Die unerträgliche Lage der Juden In Osteuropa, vor allem der furchtbare und planmäßig organisierte! wirtschaftliche Druck in Polen, die Schließung der Tora Amerikas und die Unzulänglichkeit anderer Einwanderungsländer, aber auch die immer mehr unter den jüU dischcn Massen sich verbreitende Kunde vom Wachsen und Werden des jüdischen Palästina, dies alles hat dazu geführt, daß Palästina immer mehr und mehr als Zielpunkt’ derer erschien, die aus ihrer alten Heimat auswandem wollen. Palästina gibt heute die Antwort auf das Wohin, die Schicksalsfrage des wandernden Volkes. Schon im Motiv der Einwanderung ist aka ein tiefer Unterschied zwischen dritter und vierter Alijah, Die Menschen der dritten Alijah zogen nach Palästina!, weil es das Land der nationalen Zukunft war und obwohl sie in ihren Ländern rum größten Teil hätten verbleiben, können. Sic gingen also aus eigentlich zionistischen* Antrieb. Die neuen Immigranten kommen deshalb, weil sie ihr Land verlassen müssen und weil sich keine andere Zufluchtsstätte bietet. Sie folgen dem natürlieben Gesetz der Migration, die sich von Orten höheren politischen und wirtschaftlichen Druckes in die Länden geringeren Druckes zieht Wenn wir dies fcststellen, so soll darin kein Tadel liegen. Es muß uns vielmehr mit Genugtuung erfüllen, daß unsere Voraussagen eingetroffen sind, daß die zionistische Idee nicht eine erdachte Romantik ist, sondern eine Notwendigkeit des harten Lebens. Aber es wäre ein schwerer Fehler, wollten wir vor diesem Unterschied gegen früher die Augen verschließen. Denn er ist eine Tatsache, die kolossale An- Sprüche an das Anpassungsvermögen, die Organisation», kraft und die geistige Führerschaft der zionistischen Bewegung stellt. Die Schilderungen über die Auswirkungen der neuen Einwanderung, die aus Palästina zu uns dringen, sind nicht gerade erfreulich und ermutigend. Ein großer Teil der Einwanderer ist rein individualistisch und egoktisch eingestellt, in jenem veralteten Sinne, der nur Gegensätze und Intercssenkonfliktc zwischen Individuum und Gemeinschaft sieht. Ihr natürliches Bestreben, sich im Daseinskampf zu behaupten, artet aus in Disziplinlosigkeit und gescikchaftszcrsetzendc Tendenz. Viele der neuen Einwanderer waren niemals zionistisch gesonnen, ja sie waren Gegner des Zionismus und übertragen diese ihre Gesinnung nach Palästina. Sie verstehen nicht, daß man nach Palästina nicht so einwandem kann wie nach Amerika, denn in Amerika empfing die Einwanderer ein bereits bestehender riesiger WirUcliaftskörper, während in Palästina die wirtschaftliche Entwldclung erst in den Anfängen ist und, mit Hilfe der Eimvamlerer geschaffen werden muß. Dazu kommt noch, daß diel Mehrzahl dieser Einwanderer in nationaler Beziehung völlig unvorbereitet ist, die hebräische Sprache nicht beherrscht und, was am schlimmsten ist, sich über diesen Mangel durch geringschätzige Behandlung und Verächtlichmachung der nationalen Sprache hinweghilft. Dl« rapide Zunahme dieses Elementes in den letzten Mo. naten und dir« relative Schwäche des national konsoll•

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