Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-10-28 · Heft 86 (28.10.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 86 (28.10.1924)
Date
1924-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652674--16123-2675489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

§5ך־־״ן 3* י~יין IIIII1II.^ F.inxclnnmmcr 0,2.9 Goldmark -*•"ן ך־•• 3''*"*"£ ך jj‘"'""*'.. : iI > \ i\ i! ך׳^ \. 1 1־~־5 r ~־r gl■— —»■■ן«״ V« i!■ '.J'i Redaktion und Verlort W 13, Meinckcstrano 10. Erscheint jeden Dienslad und 1‘rcitag, Bcrurtsprei.1 hol der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 üoldmatk. Au1l*׳״l״honn«m»nl• werden In der WshrunJ der •!meinen!,Inder brredieel. ’*«Ä'II'* Nummer 86 «—slits», r Berlin, 28. X. 1924 Anzeigen *Vcrwaltu n ||! Jüdische Rimdichnu G. in. 1), 11., Berlin W IS, MclneUtstraüc 10, — Telephon!, Amt Bismarck 7165 — 70 AnriH^enprri* j h grspalt, Nnnpat 0,J0(i״IHmark, Sl«H«>n* i2<*B11cl1c 0,1S Guidmmk. J tir l!*1׳riü»cht’ An1«־»!Jen lUO')® AnUcM»g, Anfrigcnflchlulii 1) t « a ■ l a •j t» n t\ {־’ f « 1 I » g u C h tu H lag 4 Uhr. ”:fי^־ ■* 1ד?״• * - —&*Trn1rr?snsx?frtiranrrqattfmujsjjr«,r*f «r.T! Telephon( Bismarck 7165—70,!,onUehcckkontoi Berlin Nr. 17392, FllrOe«l.rrcltl1:l’o«|1p»rke1it’nsml Vt irn, Konto Nr, IS60K) ✓ Für TirliethnilowakeU »״•liperkMieneml l'r«<, K«1n1״ Nr 10! 9,׳ / In, l'nl.n, l’01l.n»rk«»»«n«mt Wurisloui Nr l'X) 7M. Rcdnkllonsochhin Sonntag und MiUwoch niiclimitinij. ־~MSSB3T!Umr£X7g£XytT,',M1a!rSM; ל׳ תערי• חרס״ה r. 5^■ ״,״r*1L2r per z,0,1lstn11* erstrebt fflr da» jüdUthe Volh die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina, jKXIX. Jnlirg. ״Baseler Programm." I Der Bcrldht der Jcv/idi Ageiacy en die Maiidaiskoiiiinriissloii des VölEscrbundes Am 21. Oktober tinlerbrcilctc I>r, Weltmann der in Genf tagenden ständigen Mandatskommission des Völkcrbunder. das Memorandum der Jewisli Agencv in fr.in/ftfisclicr, englischer und hebräischer Sprache, Wir geben vorderhand einen kurzen Auszug und behalten uns vor, auf einzelne Abschnitte des Memorandums, das von der letzten Nummer des zionistischen Zcntralorgans ״The New Judaca1‘ vollinhaltlich veröffentlicht wird, noch zurück• rukomincn. Pie zionistische Arbeiten Palästina und in der Di as p o r a. Das Memorandum erinnert zunächst an die Artikel 2 und •I dos Mandats, und an die Bestimmung, daß die Zionistische Organisation als Jewish Agency anerkannt wird als eine Körperschaft, die der Administration Palästinas in den An• gclcgcnhcilcn, die die Errichtung des Jüdischen Nation,ilheims׳ betreffen, beratend zur Seite ütcticu und mit ihr zusammen• . arbeiten soll. Hierauf setzt das Memorandum die zionistischen Ziele bei der Schaffung eines Heims für das jüdische Volk in Palästina auseinander. Darüber wird gesagt: Unter der Inspiration der Zionistischen Organisation, die in Form und Inhalt die Ideen, Hoffnungen und Bestrebungen des jüdischen Volkes seit seiner Zerstreuung vor 2000 Jahren zum Ausdruck bringt, breitete sich die Bewegung für Zion immer mehr aus 11ml gewann neuen Sinn und neue Bedeutung. Als im Jahre 10M der Weltkrieg nushrach, hatten die Juden in Palästina nicht nur eine An/alil blühender Landmul Stmlt.ausiedluugen aufgcbaid, sondern sic hatten auch ein vielseitiges Gemeinscliaflr,leben entwickelt, Ihre Mitbrüder in den anderen Län• dem bückten auf diese Arbeit mit Hoffnung und Stolz lind sahen in ihr die Verheißung einer jüdischen Wiedergeburt, Das war die Grundlage der britischen Deklaration vom 2. No• vcnibcr 1017 und später auch jener Bestimmungen des p.v lästincndsehcn Mandats, die zur Verwirklichung der Deklaration angenommen wurden. Die Erweiterung der Jewish Agency. Das Memorandum bringt dann Einzelheiten über die Verfassung der Zionistischen Organisation und über die An• striugungcn, die gemacht worden sind, um eine Zusammen• arbeit anderer jüdischer Körperschaften an dem Palästinaaufbati'zu erreichen und auf diese Weise den Kreis der Jewish Agency zu erweitern. Es behandelt ferner die politische Arbeit der Organisation und legt Nachdruck darauf, daß der zweite Teil der B .11 f o 11 r - D c k I a r a t i o n , der vor• schreibt, daß die Rechte der nichtjüdisclien Bevölkerung sichergestellt werden, nicht weniger respektiert wird als der erste Teil, der die Errichtung eines jüdischen Nation,alheims betrifft. Es wird unterstrichen, daß cs das Bestreben der Juden sei, zu ihren Nachbarn, sowohl in Palästina selbst, als auch in den angrenzenden ,Ländern, die freundschaftlichsten Beziehungen zu unterhalten. Einer der wichtigsten Faktoren der Errichtung des jü* disclicu Nationalhcims ist die Einwanderung; die Zionistische Oiganisalion hat siel! von Zeit zu Zeit in dieser Angelegenheit an die Maudntarinnclit gewandt. In dem ursurünglichcn im Jahre!020 getroffenen Arrangement mit der Zivilvcrw.il• tung Palästinas wurde die Zionistische Organisation bevoli-!nächtigt, eine vorgescliriebene Anzahl Immigranten ins Land zu bringen. Die erste jährliche Quote war 16000. im Jahre 1921 wurde die Immigration infolge der in Palästina stattgefundenen Ausschreitungen zunächst eingestellt, um einen Monat später wieder nufgenommen zu werden, aber unter neuen und einschränkenden Bedingungen. Später wurden zwar die beschränkenden Verordnungen beträchtlich modifiziert, aber in der unerwartet langen Zwischenzeit, die bis zu .der Re- Vision verstrich, war die Immigration auf ein äußerstes Minimum reduziert. Man schätzt die Zahl der Juden, die sielt seit der britischen Besetzung bis Ende September 1021 in Palästina «»gesiedelt haben, auf annähernd 33 000. In diese Zaiil sind etwa 5000 Juden eingerechnet, die schon vor dem Kriege Im Lande wohnten, während des Krieges aus wandern mußten und die mm wieder in ihr Heim zurückgekehrt sind. Die jüdische Bevölkerung in Palästina wird gegenwärtig auf über 100000 geschätzt. Der jüdische Landbesitz, in Palästina. Das Dokument weist darauf hin, daß die Zionistische Organisation der Maudatsmneht über vielerlei die Entwickhing Palästinas und demzufolge des jüdischen Nationalhcims betreffenden!־'ragen ihre Ansichten unterbreitet hat. Die wichtigste Funktion der Zionistischen Organisation ist die gewesen, die Immigranten in das Wirtschaftsleben des Landes schnell cinzuglicdcrn,!״dem man sic produktiv beschäftigte. , Dies hat jenen materiellen Fortschritt möglich gemacht, der unter jüdischer Kontrolle in der Sphäre der landwirtschait- , liehen Kolonisation, sowie in der städtischen Entwicklung, ebenso in der Industrie und in der öffentlichen Arbeit er- , reicht worden ist. Zu Ende der Kircgszcit waren etwa 400 000 Dunam Land in Palästina in jüdischem Besitz; Anfang 1924 hatte sich der jüdische Landbesitz, auf 750 000 Dunam vermehrt. Seit 1920 hat der Jüdische Nationalfonds unter zionistischer Kontrolle im ganzen etwa 81000 Dunam Land käuflich erworben. All dieses Land ist aus den Händen freiwilliger Verkäufer auf offenem Markt erworben worden. Obgleich Artikel 6 des palästinensischen Mandats anordnet, daß die Administration Palästinas die dichte Ansicdhmg der Juden auf dem Lande mit Hilfe des staatlichen und jenes Brachlandes, das nicht für öfieutlichc Zwecke erforderlich ist, zu fördern Int, ist die Palädina-Rcgieriing bis heute noch nicht in die tage gekommen, eine irgendwie beträchtliche Lamlfläche für die jüdische Kolonisation bclzustclleii. . Die Zionistische Organisation mußte auch selbst viel vorbereitende Arbeit tun, um ihren Landhesitz. urbar zu machen, Es wurden Sümpfe trocken gelegt, der steinige Boden gesäubert und 'Aufforstungen durcligdührt. Diese mühsamen und kostspicligen Arbeiten wurden in Verbindung mit dem Keren Hajessod und dein Jüdischen Nationalfonds bewerkstelligt. Die Entwicklung der städtischen Industrie und des C1 e s u 11 d 11 c i t s w c 8 c n s. Parallel mit dein Wachstum der landwirtschaftlichen׳ An• Siedlung schritt die städtische Entwicklung fort. Die Zionistischc Organisation hat auch viel zur industriellen Entwicklung Palästinas beigetragen, indem sic die Invcslitition des jüdischen Kapitals in verschiedene» Unternehmungen des Lau• de׳-, förderte; sie entlastet außerdem die Palästina-Regierung, indem sie verschiedene ׳öffentliche Arbeiten durchführt. Die jüdische medizinische Arbeit in Palästina wird, liauptsäch• lieh durch die medizinische Organisation ״Hatlassa“ geleistet. Die ״Hadassa“ unterhält Krankenhäuser, Kliniken, Laboratoiicn, Ucbungsschiilen für Säuglingspflege, sic leitet ferner die medizinischen und sanitären Arbeiten in den Immigranten- Herbergen 11ml in den Hospitälern vieler jüdischer Kolonien. Sie iinterslützt schließlich das Gesundheits-Departement der Regierung in der wirksamen Bekämpfung der Mnlaria und dos Trachoms. Die jährlichen Ausgaben «ler ״Hadassa“ betragen 172000 Dullai׳, wozu der K. II. 100 090 FXillar beiträgt. Das jüdische Schulwesen. Die große .Mehrheit der jüdischen Schulen in Palästina stellt unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation. Die Unterrichtssprache in sämtlichen zionistischen Schulen ist Hebräisch. Die Organisation kontrolliert 65 Elementar- . Schulen, 3S Kindergärten, 5 Mittelschulen, 3 Lehrersemiuarien, 4 technische Schulen, 5 Handwerker-Schulen mit 11 062 Sehlem. Die Kode» dieser hebräischen Schulen, die jährlich 87 174 •CE betragen, werden in der Hauptsache von der Zionistischen Organisation init Unterstützung de■! Keren Hajessod getragen. Eine hebräische Universität auf dem, Berge Skopus zu.Jcrusalem ist .int Entstehen. Der Universität steht die Jüdische Nationalbibliothek mit 80 000 Bänden zur Verfügung. Die Geldleistungen der Zionistische״ Organisation. Die Gesamtausgaben der Zionistischen Organisation werden aus freiwilligen Beiträgen, die ans allen Ländern und Weltteilen fließen, bestritten. Das Kapital setzt rieh aus unzähligen kleinen Spenden wenig bemittelter Personen zusainmcn. Die Gesamteinnahmen der verschiedenen Fonds seit Mitte 1917 betragen annähernd 3090000 Pfund; fast die gesainte Summe ist in Palästina, ausgegeben worden. Außer dieser von der Zionistischen Organisation für Palästina ausgegebenen Summe Italien andere jüdische Körperschaften in dieser Zeit große Summen, insgesamt etwa 1 560000 Pfund, für Palästina ausgegeben. Schätzungsweise wurden nach Palastina seit der britischen Besetzung (die Privat in vesti titionen eingerechnet) 6 000000 Pfund gebracht. Die weitere E n t w 1 c k lu n g. Zum Schluß erinnert das Memorandum an die zahllosen Hemmungen, auf die die Zionistische Organisation im Anfangs- Stadium der Probezeit gestoßen ist und stellt fest, daß das Stadium des Experimcnticrens «lein Ende entgcgcngcht. Es sind jetzt Anzeichen vorhanden, daß Palästina wieder in eine Periode dauernder und vielseitiger Entwicklung c i 11 z 111 r c t c n im Begriffe ist. Die Zionistische Organisation ist sicli dessen bewußt, daß sie nur Schritt für Schritt vorwärts schreiten kann, sic glaubt aber, daß jetzt die Zeit hcraiuiaht, da eine gewisse Beschleunigung des Tempos vernunftgemäß erwartet werden kann. Alles, was sic verlangt, ist, daß das Land sich entwickelt und die Arbeit anfäiigt, Früchte zu tragen; daß ihr die Freiheit gelassen wird, auch weiterhin in vollster Ausnutzung ihrer Hilfsquellen den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas und die Errichtung des jüdischen Nationalhcims durchzuführen. Die Zionistische Organisation vertraut darauf, daß sie in der Erfüllung ihrer hohen und vcrantwortiingsvollen Aufgabe auf das fernere Wohlwollen sowohl der Maudalarmacht, der sie bei dieser Gelegenheit ihren Tribut der Achtung zollen will, als auch auf das Wohlwollen jener humanen und liberalen Kräfte der ganzen Welt, die ihren höchsten Ausdruck in dem Völkerbund finden, rechnen könne. Herbert Samuel bei Mussolini und Kardinal Caspar! Rom. (J,T. A.) Herbert Samuel traf am 20. Oktober auf dein Wege nach Genf in Rom ein. Er hatte in Rom eine Unterredung mit dein Ministerpräsidenten Mussolini 80wie mit Kardinal Gas pari, dem Staatssekretär des Vatikans. Die katholische Presse teilt mit, daß die Unterredung Samuels mit Kardinal Gaspari freundschaftlich verlief und daß die Versicherungen, die Herbert Samuel In bezug auf die katholischen Interessen in Palästina geben konnte, vollkommen befriedigten. Das Schweizer Vorbild Von Dr, Edmund G oe t s c 11 e I, Basel. L Das N a I i o 11 a i i t ä t c n p r 0 b I c m in den Schweiz und seine administrative L 6 s u 11 g. Es ist wohl nicht Zufall, daß in letzter Zeit, weint von der Lösung cD־־, Arabuprableme.s in Palästina die Rede war, öfters auf die Schweiz als das Land, welches in mustergültiger und vorbildlicher Weise das Nationalitäten. Problem gelöst lut, hjngcwicscu wurde. Vor nicht allnt langer Zeit hat Wci/maim in mehreren Ansprachen der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die politischen Verhält• tiisse Palästinas'ähnlich denjenigen der Schweiz sich ent• wickeln werden. Der Tunesier Abdul Aziz Salabi der in Tunis Gelegenheit hat, den Verwaltungsapparat einer zen* tralistisclicn Regierung kennen zu lernen, wie er nur in einem national geeinten Staate möglich ist, hat in seiner in Jerusalem vor kurzem gehaltenen Rede ebenfalls die Schweiz für Palästina als vorbildliches Beispiel empfohlen, 111 die sem Postulat sein inen also jüdische und arabische Persönlichkeiten übereiuzmdimmcii. In der Tat wohne״ in der Schweiz drei Nationalitäten auf relativ kleinem Territorium eng beisammen, Deutsch• schweizer, Welschsclnveizer (franz. Zunge) und Eidge. nossen italienischer Zunge. Ja noch mehr, in Graubünden lebt cingcsclilosscn zwischen einer deutsch lind einer italienischen Bevölkerung ein alter räto-romanischer, Stamm mit eigener Sprache und eigener Kultur, ohne dalS die stärkere״ Nachbarn daran dächten, ihn seiner kuU turcllcn Eigenart zu berauben. 1 Die Schweiz ist das klassische Land, das beweist, daß der Begriff ״Nation“ nicht identisch ist mit ״Staats• volk“. Das Scliwcizcrvolk bestellt offiziell aus Schweiz«• rischen Staatsangehörigen deutscher, französi• scher und italienischer Nationalität. Die vollständige faktische Gleichstellung und Gleichberechtigung der drei Nationalitäten ist das Ergebnis der historischen Entstellung und Entwicklung der heutigen schwcizc. rischen Eidgenossenschaft. Mit den deutsclisprechcndcn Kantonen hat siel! als erster französisch sprechender, selbständiger Staat 14SI Frei bürg verbündet, so da iS von Anfang int interkantonalen, freundcidgcnüssischctl Verkehr die Gleichberechtigung und gegenseifige Achtung die Basis bildeten. Als dann die neue Bundesverfassung im Rcvolutionsjalir 1848 zurä.ntdc kam und aus dem alten Staatenbund ein neuer Bundesstaat entstand, war es selbstverständlich, daß auch( interkantonal (denn es gibt auch Kantone, die zwei-, ja dreisprachig sind, z. B. Bern, Freiburg, deutsch- und frnnzösischspracliig; Grnubi'niden deutsch,, italienisch und riito-romanisch), die rechtliche, politische und kulturelle Gleichstellung erfolgte. Heute ist die Gleichstellung und Gleichberechtigung derart im Volksbewußtscin verankert und ist so zur Selbstverständlichkeit geworden, daß in der Verfassung und Gesetzgebung von Minoritätsrcchtcn (denn die frait. zösisclic mul italienische Nationalität ist im schwcizc• rischen Staatsverbande zahlenmäßig eine Minorität)' keine Spuren zu finden sind. hn Gegensatz zu den neu errichteten Osistaaten, wo die Minderiicitsrcchte sowohl durch internationale Vcr. träge (Versailler Vertrag, Vertrag von St. Germain usw.), als auch teilweise durch die Verfassungen auf dem Papier ״garantiert“ sind und durch lic Administrntivorganc nicht selten tatsächlich mißachtet und wirkungslos gemacht werden, wird in der Schweiz die Gleichstellung fast ausschließlich durch die Praxis der Verwaltungsorgane und der politischen Parteien verwirklicht. An Minoritätsgarantien finden wir in der schweizerischen Bundesver• fassung kaum mehr als Andeutungen. Außer der .״sclbstvcrsfandliclicn“ Gleichstellung aller Schweizer• Bürger vor dein eidgenössischen und kantonalen Rechte (Art. 4 11. 40 ß. V.) werden Deutsch, Französisch und Italienisch zu gleichberechtigten ifauplsprachcn des Landes proklamiert. Ueberdies ״empfiehlt“ Art. 107 der Bundesverfassung der Wahlbcliördc, bei d-r Besetzung des Bundcsgcriclitcs ״darauf Bedacht zu nehmen", da® alle drei Nationalspraclien vertreten seien. Andere ״Minoriüitsgarantien“ finden wir im geschriebenen Recht nicht. Hingegen wird durch die Maßnahmen der Staatsverwaltung die Gleichstellung verwirklicht Dies geschieht in der Hauptsache dadurch, daß die Beamten der Bundesverwaltung ungefähr proportional der Bevölkerung aus den verschiedenen Lande-teilen rckrutiert werden, und größtenteils in der Gegend, der sic ent« stammen, ihr Amt ausüben. In den jüngeren Jahren wechseln sie oft ihren Amtsbezirk, um die verschiedenen Landesteile und ihre Bevölkerung kennen zu lernen. Von sämtlichen Beamten wird ein gewisses Mi .dcstmaB von politischem und geschichtlichem Wissen, entsprechend dem Programm der von der Eidgenossenschaft unterstützten Schulen verlangt. Von den unteren Be. amten wird die Kenntnis von wenigstens zwei, von den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.