Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 84-85 (24.10.1924)
- Date
- 1924-10-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 602 1U E D I 8 C H E RUNDSCHAU Kr. 84 85 Mei־»t mefeeti, nur crfllliizca Voit A b r n 11 a m Gold b erg, New York. Vorbemerkung <1 e r Redaktion:! lerr Ab. Gold b erg aus New1 York, Mitglied des A.*C., hat unlängst in B c r 1 i 11 einen Vortrag ״Das Tempo des Aufbaues“ gehalten, über, den wir auch hier kur/, berichtet haben. I lerr (midherg sendet uns mm diesen Atifsat/, in dem er seine Ansichten ausführlicher auscinamlcrscUt. Wir ge beit einem so aktiven (iesinnungs* genossen tiuhesduiiuk te Redefreiheit, obwohl wir mellt verschweigen körnten, *lall wir — obwohl mit vielem übereinstimmend -. inaneiie Stellen seines Aufsatzes doch für bedenklich halten. Zn einer Stellungnahme wird wohl noch Gelegenheit sein. Ein Dogma duldet gewöhnlich nicht den leisesten Schatten der Kritik. Aber tnr die, die nicht mit Dogmen gepanzert sind, möchte ich hier mn-lunals meinen Standpunkt in den Fragen des Aulhaus Palästina darlcgen. Zuerst ein paar Thesen: 1. Niemand von denen, welche neue Methoden Und Wege im Aufbau Patiisiiuas fordern, behauptet, daß ein jüdisches Palästina ohne Landarbeit, ohne Laiularbcitcrkiassc, ohne Ilesitz großer Strecken Landes errichtet werden kann. 2. Niemand verlangt, daß große Teile der nationalen Gehler vom N'atioiiaUomls sowohl wie vom Keren Hajcssod für industrielle Unteriidumnigcn, Handel mul. die Vergrößcntng der Tours!ik verwendet werden sollen. 3. Niemand bi banntet, daß cs möglich ist, die Eroberung des Bodens in Palästina ohne Kwu/oth durchzufilhreu; umgekehrt, alle gehen zu, daß die erste Bedingung filf die Erobcrimg• die Kwuzoth (Hier der Gciu.l sind. ■I. Niemand vom den Enieuercni will in Palästina neue Ghettos errichten, will Lidtmcnsehen hiueinbriiigcii mit ihrer Unproduktivität, welche charakteristisch ist für große Massen der Judcnhcit in Galuth. ln Wirklichkeit wollen diejenigen, die den neuen Kurs verlangen, nicht das bestellende ersetzen, nur ergänzen. Es handelt sicli darum: Es gibt zwei Methoden des Auibaus: Eine Methode, die glaubt, daß wir mit dein Material, das wir nach Palästina bringen, vorsichtig sein müssen. Wir müssen sozuzngeii eine Auswahl des Materials treffen. Es handelt sich hierbei um Qualität und das, was wir in Palästina errichten wollen, soll nicht nur schöner sein als im Galuth, sondern es soll, wenn möglich, das Schönste in der Welt sein, es soll die Erfüllung der Prophetie sein, daß die Gerechtigkeit von Erez-Isr.ael kommen wird und das Licht der Freiheit von Jentschoiajim. Diese Mcthrxfe will darum sehr vorsichtig Vorgehen, Schritt für Schritt. Sie fürchtet den Andrang der Massen, denn sie »lenkt, daß das die erhoffte ideale Gesellschaft in Frage stellt. Die Anhänger dieser Methode erschrecken vor der Möglichkeit, daß in Palästina ein Lodz oder, Gott behüte, ein BerJitschcw errichtet werden soll. Sie wollen hierzu Ercz.-lsrael nicht nur nicht verhelfen, sondern wenn möglich sogar hiervor behüten. Zur Bcgröndutig dieses Systems ist auch eine Wissenschaft erufgestellt worden, eine Pseudo-Wissenschaft, welche behnuptef, daß es in Palästina keinen Platz für iiulnstrien gibt, für große Industrien sicher nicht, daß die Kwuzoth die einzige Möglichkeit sind, Palästina zu erobern, daß unlcrdicscn Uinstän* den keine Rede von einer Masscneimvamlerting sein kann. Nur auf dem Wege der Kolonisation durch Kooperativen könne man das jüdische JTei.u1 siehersteilen, können die Formen der hebräischen Kultur fest gehalten werden. Andere Kolonisationsmdhodeii sollen wir nicht cinfiihren, denn erstens sind diese nicht möglich und zweitens nicht erwünscht, denn das würde ein neues Ghetto schaffen. Die zweite Methode des Aufbaus behauptet, daß es im Interesse der erhofften jüdischen Hcimstütic zu allererst wichtig ist, eine Majorität in Palästina zu gewinnen. Deshalb ist die erste Bedingung, schnellstens eine halbe Million Juden; nach Palästina zu bringen. IXenn, wenn wir in Palästina auf lange Zeit hinaus keine Majorität haben, dann sind alle unsere )Versuche, so gut und aussichtsreich sie auch sein mögen, in ständiger Gelahr, dann sind wir nicht Herren im Laude, nicht einmal imsern Nachbarn gleichgestellt, sondern den Capriccn der Einwohner des Landes ausgesetzt. Es liegt daher im Interesse der Erricht!!״״ des jüdischen Heims, gewissermaßen hinwogzusehen über die Fehler und Schattenseiten, welche eine gesteigerte Einwanderung mit sich bringen muß. Denn schließlich ist es doch leichter, die Fehler der Leute zu beseitigen, wenn wir sie erst im Laude haben. Wir können auch wegen der gesellschaftlichen Reformen ruhiger sein, wenn wir wissen, daß wir politisch im Lande sicher sind. Das Hauptziel bestellt im Moment nicht darin, eine sozial gerechte Gesellschaft zu schaffen, so wünschenswert das auch ist ümi so begeistert wir .dafür sind, denn schließlich ist docl! jedem Juden ein Tropfen des Prophcteiitiuns eingespritzt; mir eine jüdische Gesellschaft, ein jüdisches Heim und die ׳Juden dort zusammen mit den Sozialreformen geben die Mügliclikcit, das zu verbessern, was verbessert werden muß. Die zweite Methode fürchtet nicht Lodz, oder Warschau, denn sie sagt, cs ist viel profitabler u!1d gesünder, zu einem jüdischen Lodz in Erez-Isracl über soziale Gerechtigkeit zu sprechen, als über Zkinismus zu einein jüdischen 1.1 d/ fn Polen, Denn das jüdische Lodz in Erez-Isracl wird viel fnehr für die Gerechtigkeit tun können, aLs das jüdische Lodz, in Polen für den Zionismus. 'Diese Methode ist nicht bereif, mit tlen kleinen Mitteln, über weiche wir verfügen, Experimente in neuen gesellschaftlichen Formen zu suchen, sich als die Lichtträger der Welt aufz.uspiclen, denn sie sagt sich, dieser Luxus ist fiir uns jetzt, wo unsere politische Lage im Lande so unsicher ist, zu kostspielig. Anstatt Experimenfe zu machen, sollen wir den ausgetretenen Weg gehen. Wir scillcu Koloni:11 errichten auf die gleiche Art, Wie sie in der ganzen Welt gemacht werden, auf dem Prinzip von Privateigentum, und wir sollen, wenn nötig, mich Arbeiter beschäftigen, natürlich jüdische Arbeiter, ohne dabei zu zittern, daß wir gesündigt haben gegen den sozialistischen Sclmlchan Artich. Die neue Methode behauptet, daß alle die ACußcruiigen über die Unmöglichkeit der Schaffung einer Industrie in Paläslina und der Eifer, mit dem diese Acußeruiincn verteidigt Werden, nicht erfolgten, um die bahne der Wahrheit hochziihalten, sondern aus ganz anderen psychologischen Motiven. Die Vertreter des Bestehenden möchten keine fmlustrie haben, denn Industrien können nur durch Industrielle gemacht werden vrnd In der heutigen Gesellschaftsform durch Kapitalisten, und Kapitalisten werden wahrscheinlich kapitalistische Regie cinfüliren wollen, mul darum behauptet man, daß Industrien nicht ״uiglich seien. Der Wunsch ist liier der Vater der Wissenschaft. All diese Bclmiiptiuigcri, die mit so großem Pom(! serviert werden, daß Palästina kein Eisen, keine Rohstoffe mul keine 1 lei/iiiateriailen lud, berühren den springenden Punkt nicht. Es wird dabei viel Pulver in die Luft geschossen, es wird viel Lärm verursacht, aber cs läuft über das Ziel hinaus, Denn wenn mau von Iiulnstrien spricht, meint man gar nicht die Großindustrien, mich sie sind Vielleicht möglich, aber für die Versorgung einer halben Million Menschen 111 Palästina kommen sie im Moment gar nicht in Befracht. Es gibt an Stelle dessen viele andere Industrien, die mit der Land- Wirtschaft verbunden sind, Industrien, bei denen der Roh• sloff eine geringe Rohe spielt, Industrien, weiche im Lande heimisch sind, aiiflcrdem auch Handel und Touristik. Von diesem allen kann man leicht eine halbe Million Juden in Palästina in kürzester Zeit versorgen. Zu diesem Zweck ist cs aber notwendig, daß wir ganz, andere Losungen unter den jüdischen Massen nusgebeu, «laß wir unsere Propaganda auch auf die höheren Schuhten unseres Volkes ausddiiien, «laß wir Palästina nicht mir als ein Land der Zukunft, ein Land, wo ein jüdisches Heim fiir finstre Urenkel aufgebaut wird, lünstelieii, sondern Palästina für die Gegenwart als das Zentrum für die große Massencimvandcrimg, welche von l’oleit, LItalien und anderen Lämlcrn kommen muß. Es ist notwendig, daß wir nicht itlir Chalu/In! fordern, die in das Land Idealismus und guten Wißen, aber keinen Pfennig Geld bringen, sondern auch andere Chaluzim. Chaluzim des Kapitals, Clialu/im der Industrie, Chaluzim des Handels, Cii.du/im «1er Tccluiik. Wir sollen au die hiiiKlerttaiisemlc Juden, weiche liervorragteu in ihren Bcrufen auf «lein Gebiete des Handels und der Fmlustrie, unsere Forderung richten, «laß sic kommen sollen nach Paläsiiua, zur Leitung und um der Sache «Ics Aufbaus zu dienen. Wenn der Arbeit ein brciler Schutz gegeben und wenn auf allen Gebieten des Handels gearbeitet wird, wird Palästina das Zentrum fiir die jüdische Einwanderung sein, welche jetzt nirgends zugelasseu wird. Diejenigen, welch«] an den neuen Kurs glauben, behaupten, daß es eine Sünde ist, eine Kolonisation ciitzuführeu und lücht zur gleichen Zeit fiir den Absatz ihrer Produkte zu sorgen, und nicht zu derselben Zeit von den Methoden aiulc^cr Völker zu lernen, die ein ähnliches Klima wie unser Land haben. Sic behaupten, «laß cs eine Sünde ist, primitiv sein z.u wollen und sicli an das Beispiel «1er primitiven Völker zu haben, anstatt «lerjenigen, die sich auf der Stufe der höchsten Kultur bcfinden, denn die Primitivität ist In diesem Falle gleichbedeutend mit «1er Verkleinerung v«m Möglichkeiten für, «lig Aufnahmefähigkeit des Landes. Sic behaupten, daß das jahrzciintolungc Warten, bis Palästina eine Majorität haben Wird, die ganze Leistling in Gefahr stellt, denn niemand kann \ornussagcn, was in vielen Jahren sein wird. Günstige politisch*! Konjunkturen halten sich nicht Jahrzehnte hin* «imcl!. Das sollen wir «loch aus «len letzten Erfahrungen der anderen Völker!erneu. Bis jetzt haben wir, trotzdem wir schon vierzig Jahre Kolonisation treiben, noch keine Kühlhäuser, keine Konserven* fabrikm, wir lialieii keine Zuckerfabrik, keine Textilfabrik, keine Webereien, keine Spinnereien lind keine Raffinerie fiir Oel, All «iiesc Objekte sind ein Teil der Kolonisation, können sie festigen, stärken, ihr als Fundament dienen; doch wir haben nichts dafür getan. Letztens sind einige Leute aus eigenem Willen gekommen und haben sich einigen Industrien gewidmet: Zement, Oel; ganz kürzlich haften w׳ir «las Bei• spiel 1 ubiiuers, der eine kleine Revolution in der Tdbak- Industrie Palästinas hervorgerufen hat. Das soll nur als Beweis dafür dienen, daß diese Dinge gemacht weiden können und «laß es unter den jüdischen Kapitalisten und Industriellen Menschen gibt, die Idealistisch sind, wenn sie midi gleichzeitig Nutzen haben wollen. Bei größerer Agitation wären noch mehrere von Ihnen . nach Palästina gegangen, um neue Industrien clnziifiihreh und hätten so Lebens- und Arbeltsmöglidikdten fiir Zclmtmisemlc um Menschen geschaffen. Wir müssen daher eine Agitation unter diesen Leuten treiben, welche auf Tatsachen ge* stützt und von optimistischem Geist getragen sein soll, sogar wenn er auch konservativ ist. Die Leute müssen über* zeugt weiden, «laß sie bei der Gründung Voll Industriell nicht nur Geld verdienen, sondern gleichzeitig mich der Sache dienen, «Infi sie uns ebenso teuer sind, wie die anderen Giaiiizim. Nur daun können wir Erfolg erwarten, Denn wenn sie auch bis jetzt nicht zu uns gekommen sind, so ist «las nicht ihre Schuld. Wir linheu unter ihnen erstens keine Propaganda getrieben, zweitens hatten wir keine Materialien zur Hand, um sie von den Möglichkeiten zti überzeugen und drittens haben wir irrtümlicherweise immer und Initiier wilder unterstrichen und betont, daß es In Palästina keimt industriellen Möglichkeiten gibt. Außerdem wellte stets kalter Wind, wenn 1« sich um die Iiölieren Kreise des jüdischen Volkes handelte. Wir haben sic von vornherein dazu ver* urteilt, daß sie nicht mit uns arbeiten und find ihnen mit dem Rufe begegnet, daß das Kapital nur dorthin gellt, wo Wohl• stand ist. Anstatt «lall wir uns bemühten, jüdische Kapitalisten hcraii/itziehen, haben wir denen den Mut genommen, die sieh beteiligen wollten. Das muH sich ändern. Wir müssen eine vernünftige Politik auch in bezug auf die Heranführung von Kapitalien führen. Wir solieil uns hierfür sowohl die Deutschen wie die Bolschewisten zum Beispiel nehmen, Ruß* laral und Deutschland bieten jetzt die größten Möglichkeiten für fremdes Kapital. Mit Rücksicht auf verschiedene Ur* Radien ist das fremde Kapital jedoch vorsichtig und möchte nicht dorthin gehen. Sitzt man deswegen fn Rußland und in Deutschland mit gefalteten Händen da und wartet? Sicher nicht. Sic. führen eine große Propaganda auf verschiedenen Wegen, Sie nutzen alle Möglichkeiten der Propaganda aus, um ihr Ziel zu erreichen. Auch «ick letzte Zeppelin ist mit Propaganda belastet worden, um dem fremden Kapital zu imponieren. Warum wartet! wir auf Wunder? Wahr• sdieiniieh sind allerlei Möglichkeiten In Palästina Vorhanden. Wir wissen vom ״Toten Meer׳', von dort ״heißen Quellen von Tiberias״, verschiedene Drogen sind reichlich vorhanden. All das wird bei uns stiefmütterlich behandelt. Die Antwort ist:!,Ja, wir müssen Kolonisation treiben." Sicher Kolonisation. Das ist das Alpha der Arbeit, aber nicht das Omega, Außer der Koionisatiou sollen auch noch andere Arbeiten geleistet wertlcn. Wir nü'mcp einen aktiven Wlrtsclirtflsrat halmii, der nicht aus I'arteileiiten, sandern aus hervorragenden Industriellen besteht, die bereit sind, ihre Kcnntniise, ihre Initiative der Sache zu wldmeii. Wir dürfen die Industrie nicht stiefmütterlich behandeln, ebenso auch nicht die Touristik. Die beiden ersten Bedingungen für die Industrie, clckirische Kraft Utut Hafen, hätten bei uns seit langem auf geschäftlicher Basis geschaffen werden müssen. Es sollten Komitees eingesetzt werden, die diese Sache durchsetzen und nicht die ganze Angelegenheit «lern Laufe dei. ScmcKs.ug überlassen: kommt cs, sind wir froh, kommt es nicht, Bober» wir eine Verteidigung: es ist nicht unsere Schul«!, England 5 ist scliuhiig, die Juden sind schuldig, Gott ist schuldig Aber die wahre Schuld liegt doch bei uns. Es laßt sich viel mach eil. Nicht alles köimen wir Zionisten machen. Aber wir können, wenn wir wollen, andere htran/ichen, die etwas tun. Die Elektrifizierung hätte schon längst diirchgcführt sein können, wenn wir nicht alles auf die Schultern eines Mannes gelegt hätten, sicher eines der Besten — ein jgnter Techniker, mit gewaltiger Initiative, energisch und, wenn nötig, auch bereit, mit «lern Kopf eine eiserne Wand zU durchbrechen — alle Ehre Rutenbcrg, aber in KapitalsGingcn doch ein ncilcr Mann. Darin sollte er viel mehr unterstützt werden, als man cs getan hat. Mit dem Hafen halten wir sogar nicht einmal so weit. Aber cs bringt keinen Nutzen, sich darüber zu unter• halten, was unterlassen worden ist. Was wir jetzt zu be• achten halicii, ist das, was uns in Zukunft helfen kann. Vor 11ns stehen zwei Wege offen: entweder wir gehen weiter, wie wir bisher gegangen sind, eigentlich nur lang, sam, fühlen uns mit der Zukunftsmusik zufrieden. Und lassen dabei die Zehnt,־uisemie von Juden, weiche eine Heimat brauchen und welche uns den Aufbau Palästinas garantieren können, an uns vorüherzichen, lassen sic verwehen wie Staub an allen Ecken «icr Welt, ohne Nutzen fiir sich mnl für das Volk, «xier lassen sic in f*ole11 und Rumänien und «len anderen Lämiern, wo sie ersticken Vor Mangel aa Luft und wie ein Balken auf der! übrigen Juden lasten, die in Polen leben. Schließlich sind doch auch vor dem Kriege mehr als 50000 Juden alljährlich von dort emigriert. Das war ökonomisch bedingt. Oder wir schlagen einen neuen Weg ein; Wir stellen Palästina in das Zentrum der Abhilfe Wir weisen auf Palästina als auf das Land, weiches die Emigration in sich niifnclinicn kann. Wir reden weniger von der Zukunft, denn sic wird durch die Gegenwart gesichert und eröffnen Möglichkeiten durch die Ausbreitung von Tätigkeitsgebieten für die Tausende von Juden, die in das Land kommen. Wir rufen alle Schichten an, daß sie mit uns kommen, mit uns arbeiten und sich als Pioniere in unseren Dienst stellen sollen. Ais Pioniere der Arbeit und Pioniere des Kapitals, als Pioniere der Industrie und Pioniere dca Handels. Wir knüpfen aufs neue Verhandlungen mit der englischen Regierung und dem Völkerbund an und für unseren Etni• grationsstrom, welcher wie brausende Wellen an alle Türen klopft, soll geöffnet werden — Transjordnnitn nicht aus poil• tischen Griimlen, sondern weil das Land viel Boden hat und reiche Möglichkeiten fiir unsere unglücklichen Massen bietet. Wir eröffnen eine Emigrntionsbank, Wir rufen alle diejenigen auf, die mit der palliativen Abhilfe beschäftigt sind, die aus Verzweiflung’ die Möglichkeiten in Palästina nicht sehen können, daß sie sich uns anschlicflen und mit uns zusammen für den Aufbau Palästinas arbeiten, weil das das Einwandertuigszciitrnnt ist, das einzig Mögliche und das einzig Wünschenswerte. Wir eröffnen Liquidationsbanken in "Polen und Litauen utuf in allen anderen Ländern, wo cs Llimdcrttaincndc von Juden gibt, die auch Kapital besitzen und die bereit sind, ihr Schicksal mit Palästina zu verknüpfen, die aber nicht liquidieren können. Wesen Leuten sollen wir zu I li'fc kommen und die Liquidation ermöglichen und starken Zufluß von Ka* pital Ins Land bringen. Durch die große jüdische Not sollen war zu unserm Ziel gelangen, Herzl hat das lange empfunden, er hat es sogar Im ״Judenstaat“ nngedeutet. Die Not kann eine schaf• lende Kraft werden, vorausgesetzt, daß mit ihr der Optimis• nms Schritt hält, der Glaube an unser Volk und an die Möglichkeiten in unscrin Lande. Zlonlsl's'hF Arbeit in Amerika Aus New .York wird uns berichtet: Irn Anschluß an das Schreiben des Herrn Louis Lipsky an die 'Zionisten von Amerika hat das Organis.ations-Dcnark’nicnt in New Y«!rk an alle Leiter der zionistischen Distrikte eine Distrikt-Ordcf erlassen mit «Icr Aufforderung, tmw/Oglich mit einem Diivc für neue Mitglieder für das Jahr 1025 zu beginnen, entsprechend dem Beschluß des amerikanischen Exokuüv-Komiircs, eine Kampagne fiir 50 000 neue Mitglieder dnrdiztiführeii. Das Exekutiv- Komitee hat für alle Staaten Kontingente festgesetzt, die zusammen 50(XX) neue Mitglieder der Organisation ergeben. Die MLglKderschaft «1er amerikanischen Zionistischen Gr• gmilsatioii dürfte als! Im kommenden Jahre weitaus die des Jahres 1924 übersteigen. Die Zionisten Amerikas geben sich die größte Mühe, auf dem nächster! Zionisten• kongreß entsprechend ihrer wirklichen Starke vertreten 7.U sein, und viele einzelne kleine Orte spannen ihre Kräfte aufs äußerste an, 11m ihren eigenen Delegierten entsenden zu können. Die ,.I lerzli.V'-Kntnpnpne des ״Zion-Coinmonwenllh“ (für Bodenknuf) gellt ihrem finde entgegen. Mit verdoppeltem Eifer wurde in New York in den letzten Wochen gearbeitet, so daß noch eine ganze Anzahl von Landkmifen dort getätigt, wurde. Auch in Chicago wurden erfreuliche Resultate g:• zeiiigt, trotz «Icr Konkurrenz der dortigen Kampagne für die Clilcagocr Kolonie in Palästina. (Die Chicago-Colony-Kamnagite 8011 in Qdcago, gemäß einem Beschluß des dortigen Komitees, einen Teil der Chicagocr K.-li.-Kampagne bilden.) So hat z. B. eine Gruppe prominenter Juden in Chicago, dar• unter auch viele an der Chicago-Kolonie interessierte, Tlerzfia- Böden erworben, tun sich selbst dort an/iisiedclu. Audi mit einer Poale Zion ■ Grumte sind Verhandlungen im Gange. Intcressantcrweise erstellen auch einzelne Palästinenser Par* zellen im Hcrzlia-Komplcx. Die christlichen Konfessionen in Jerusalem Der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Dacithrö, ist, von Bukarest kommend, In Belgrad eingetroffen, mit dem König den Konstantins-Orden zu ribcrhrin״cu. In einem Interview erklärte er, «laß er nach Europa gekommen sfci, um hei der orthodoxen Kirche Hilfe gegen die Katholiken zu flhtien, die große Ansprüche auf das Heilige Grab und Auf Jerusalem stellen uiiil r.!d1 dabei auf gewisse Zusicherungen Franklin Bouillons beruft*«. Dl: Verhältnisse fn Palästina bcZridincid er Infolge der unklaren Lage zwischen Juden, Muhammedanern nmi Chrlslcn all schlecht, Englands poli* tischet Einfluß iti stark füll Mär, Während sich ein Wirtschaft* liehet‘ Einiluß Englands stiehl geltem( mache.