Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 81 (10.10.1924)
- Date
- 1924-10-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 5P,0 TUE DI SCHE RUNDSCHAU Nr 81 mul gegen die immer wieder mit Vcrsainmliuigsprotcsten niigcrannt wird, lassen sieh zweifellos aus der Sachlage und aus der;uißcrordcullich delikaten Rcgieruiigsaiitpake rechtfertigen. Aber nach einem Zeitraum von vier Jahren, nachdem uinniiigfadic l:rf,׳t'11״1111׳on gemacht wurden lind auf allen Seiten bereits besseres Verständnis für dar Problem vorhanden ist, wird die modische Regierinifi' selbst zu der Einsicht kommen müssen, dal! sie nicht alles getan hat, was zur Förderung des jüdischen nationalen l leiuics nach den» Wortlaut des Mandates und noch mehr nach dem Geiste des Mandates zu tun. nötig gewesen wäre. Man kann sich manchmal des Eindrucks nicht ganz erwehren, als ob gewisse englische Kreise gemeint hätten, der ganze Zionismus sei eine nicht allzu seriöse Angelegenheit, und wenn man sielt ihm gegenüber etwas reserviert verhält, so werde er sich schon totlautcn. ,Wenn jemand so gedacht haben sollte, so hat er sich außerordentlich schwer geirrt, und er müßte heute schon begreifen, daß er sich geirrt hat. Denn die jüdischen Anstrengungen sind nicht erlahmt, die Juden haben in diesen vier Jahren in Anbetracht der Verhältnisse Ungeheures im Lande geschaffen und sind entschlossen, dieses Werk mit verstärkten Kräften [ortzufüliren. Die Verstärkungen sind schon unterwegs, immer weitere Kreise interessieren sich aktiv für die Sache, in Palästina ist heute ein Werk der Kolonisation im Gange, wie es die Welt noch nicht gesellen hat. Während ■die Regierung Englands und seiner Dominions Millionen von Pfunden dafür ,ausgeben, um ein paar tausend Siedler aus dem Mutterlaiul in die Kolonien zu verpflanzen, wird in Palästina von einem Volke, das keine Staatliehe Macht, keine Stencrunellca und keine Millionen hat, mit geringen Mitteln, aber mit großem, opferbereiten Enthusiasmus ein Werk der Kolonisation durchgeführt, das alle Beschauer in Erstaunen versetzt. Der Beweis für die Leistungsfähigkeit ist erbracht. Das ist das große positive Ergebnis der zionislischcn Arbeit, Aber zur Lösung der unter dem Mandat gestellten Aufgabe bedarf es besserer Bedingungen, bedarf es aktiver Hilfe und größerer Mittel. Die Mandatskommission, die die Sache prüfen und die Leistungen abschätzen wird, muß die Maudatarmadit ermutigen, auf dem vorgezeiclmcten Wege nun etwas weiter zu gehen und die aus eigener Kraft geleistete Arbeit der Juden durch Entgegenkommen auf dem Gebiete der Gesetzgebung, der Konzessionen, der Vergebung von Arbeiten und Ländereien usw., aber auch etwa durch Gewährung von Krediten zu unterstützen. Das Mandat soll erfüllt werden, in seinem Wortlaut und in seinem Geiste, Die Zionistische Organisation als Jewish Agency hat, wie berichtet, der Mandatskommission gleichfalls einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit gemäß Artikel 4 des Mandates vorgelegt. Wir nehmen an, daß sich aus diesem Bericht mit zwingender Logik zweierlei ergeben wird, was der Völkerbund wissen muß. Erstens die Feststellung, daß die gesamte Jüdische Tätigkeit in Palästina keinerlei Zurücksetzung oder ungerechte Benaclitciligung der autochlhonen arabischen Bevölkerung zur Folge hat. Die Juden kommen als Freunde ins Land, und die ganze Politik der Jewish Agency in der Berichtszcit war darauf abgesteiit, einen Ausgleich der beiden Völker auf Grundlage der Aneikemmug der beiderscitigcn nationalen Rechte herbeizuführen, Die zweite Erkenntnis, die sich , bei unparteiischer und objektiver Beurteilung des Berichtes ergibt, ist die Tatsache, daß die von den Juden aus eigener Kraft geschaffenen wirt• schädlichen, kulturellen, sanitären Realitäten den zivilisntorischcn Standard des ganzen Landes außerordentlieh gehoben haben. Die Juden haben ihr Kapital und ihre Arbeit ins Land gebracht, sie haben gebaut und gepflanzt, Sümpfe ausgctrockuet, ganze Landstriche von g‘.- "... -.'■«■׳נ■; ע״ו!«".וו._";י 11,■j». Klalscl! ln Büchern Es gibt Bücher, deren Kraft, Teilnahme und Fesselung der Lcscrschaft zu wecken und zu 11,alten, aus der puren und etwas indiskutablen Tatsache quillt, daß sie Namen und Person wirklich lebender Menschen enthalten; das nicht erfundene sondern wirkliche Leute drin Vorkommen. Klatsch also, sagen die Absteinplcr. Aber was ist Klatsch? Klatsch über längst Verstorbene macht die reizvolle Abteilung der Anekdoten- und Mcinoircnbiicher aus; Klatsch über Lebende sollte zum mindesten von denen auch gedruckt vertragen werden, die ihn, falls er nur mündlich miftritt, nicht ans ihrem Leben missen könnten. Natürlich ist es unerlaubt, seine Bekannten abzukonterfeien und dazuzusagen wie sie heißen, und noch unerlaubter, Indiskret zu sein. Aber wenn sich auch die Zeitgenossen empört zeigten, als Frau Asquith, einst die charmante Miß Margot Tennaiit, vor zwei Jahren ihre Jugcmleriuiicrimgen hcrausgab, die Nachwelt wird sie dafür )oben; und wenn die tapferen Verurteilungen Wilhelms lt. ' und der wilhelmi- *Lehen Epoche, die jetzt den Söhnen und Nachlaß- Verwaltern der Zedlitz Triitzschlcr, Kidcrlcn, Eu’cnburg lind all der anderen aus den Schubladen springen, der Ocffcntlichkeit übergeben worden wäre, solange die Katze noch auf dem Ofen saß und von der guten Germania gestreichelt und mit Stolz den Nachbarn vorgewiesen wurde, •° hätte man Hoffnung haben können, daß besagte Katze am Umwerfen der Petroleumlampe verhindert worden wäre, sodaft weder Germ,•uilas Wohnung noch die der anderen Mietsparteien fn dem großen Etiropa-Mietsliausc hätte abbrennen müssen, und auch das armselige Mansardciistübchcn des jüdischen Volkes Im Osten stünde noch. Und, nochmals gefragt: was ist denn Klatsch? Ein übcrlcidcnscliait'.ichcs Inter.ssc am Mitmenschen, das aus falschen Ventilen abströmt; ein fantasiebewegender Gestaltungsvcrsuch van Mcnscltcnsclucksakn, dessen Kraft nicht weit germg zu künstlerischer Formung reicht und der. uiivcrgeistig bleibend nicht ins Typische zu dringen vermag; ein allmcnschlicher Ausweg des Individuums, an der Gestaltung einer öffentlichen Meinung über passenden Lebenswandel des engsten Bekanntenkreises nützuwirkc», und schließlich das bedauerliche, aber ebenfalls auf der ganzen Erde in Wirkder Ficbcrpcst befreit, sie haben Geld und Existenzniögliclikeit auch für die arabische Bevölkerung mit sich gebracht. Sie sind beute das aktivste aufbaueiulc Element <ks Lande:'., timl die großen Potenzen eines lang'.am erwachenden und sich organisierenden Vicrzehn-Millioncn* Volkes stehen noch hinter ihnen. Was .sieh heute in IMl;i.;tina vollzieht, ist ein gescUichtiklier Prozeß von Be« dculung nicht nur für das kleine Volk der Juden, sondern fiir den ganzen vorderen Orient und in hoher» Maße viel« leicht auch für die Völker Europas. Der Völkerbund ist der natürliche Patron dieses Werkes. Denn das jüdische Volk kann mir im Zeichen der Völkcrvcrbin Jung, der friedlichen Völkergemeinschaft, seinen Teil zur Kultur der Menschheit beitragen. Das jüdische Volk vertritt nicht die Interessen einer bestimmten Macht, es ist nicht geeignet, Vorposten dieser oder jener imperialistischen Tendenzen zu sein. Der Völkerbund als Ganzes ist für das Gelingen der nationalen Heimstätte verantwortlich. Wir ]!offen, daß die Kommission das vorgcicgic Material mit der Gründlichkeit und deni Interesse behandeln wird, die der Gegenstand verdient. Die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes wird eine der ״rußte» und ruhmreichsten Taten des Völkerbundes sein, einer der Bausteine, die das Gebäude »cs Weltfriedens, dem der Völkerbund dient, tragen werden. R.W, Heren llafessod ln Südafrika Von Dr. Alexander G o I d s t c i n. Zu Ehren Dr. Alexander Golds t eins, der nach acht Monalen schwerer Arbeit nach Europa zuriickgckchrt ist, fand vor "kurzem in London ein vom Direktorium des Keren Ilajcssod veranstaltetes Bankett statt, auf dem alle Redner auf die außerordentlichen Leistungen F>r, Goldsterns wie auch die glänzende Arbeit der südafrikanischen Zionistischen Organisalion hii!wiese 11. Herr Dr. Goldstern, der für kurze Zeit in Berlin weilt, war so freundlich, über seine Arbeit in Süd• afrika der Ziko folgende Mitteilungen zu machen. ״Am 14. I.uninr traf ich in Südafrika ein. Ich muß offen gestehen, daß die 60 000 jüdischen Seelen, die es in Siidafrika gibt, für midi wirklich eine Offenbarung waren. Nie und nimmer hätte ich in einer verhältnismäßig so kleinen Gemeinde so viel Lebenskraft und Energie vermutet. Mit sehr wenigen Ausnahmen stammen alle Juden in Südafrika aus RuIVand und sogar tnerkwiirdigerwcltc fast alle aus ein und derselben Gegend, dem früheren Gouvernement Kovvno. Es ist ihnen geh'inven, eine Gemeinde aufzubanen, die die Achtung der britischen und burischen Nachbarn genießt. Ockonomisch gehören diese Juden zum Mittel- und Kleinbürgerstand; recht viele sind auch in freien Berufen tätig. Die fünf oder sechs jüdischen Millionäre sind Diamanten- und Gold• magnaten. Diese inhnien jedoch kein Interesse an den jtidi• selten Angelegenheiten und leben auch zumeist in England. Meine Mission war, in Südafrika eine Kamrngne für den Keren H.rcssod diirchzufiihrcn. Nach meiner Ankunft schritten wir an die Organisierung einer großen Werbcarmce. Dann setzte eine iuteiirive Prcßpmpaganda ein. Es gelang mir, in allen größeren S'ä-ltcn die Unterstützung der führenden engli• sehen Zeitungen fiir uns zu gewinnen. An allen Banketten und Meetings in den 32 verschiedenen Städten, die von der Kampagne ergriffen wurden, erschienen die, Bürgerm eiste r und führenden Politiker und gaben in warmer und müridüiger Weise ihrer Sympathie Ausdruck, ln Jolianmshurp z. B. wurde die Kampagne mit einem Bankett er• offner, daß der Bürgermeister mir zu Ehren veranstaltet hatte und auf dem 5600 iMinid aufgebracht wurden. Auf dem Eröffnun,׳smeefing in Capctown sprachen der Bürgermeister und der derzeitige stellvertretende Premierminister von Südafrika, M,11.111׳, Gleich wohlwollend und Iicr/Fcli waren die Bürgermeister von Piclermaritz.huirg, Port i'ii/nhe‘11, Lynbeig und vieler anden r Städte, I1\ Raüsburv, der IInt1-<'!;t,1dt Von Rhodesien, gestaltete sich die Eröffnung der Keren Iinjossod-!vamr>a״t1e z» einer eindrucksvollen Demo!»« stration, die wirklich ein Ereignis in der Geschichte der ju11<׳cn jüdischen Oeinrimlc der S'adt war; auf diesem Meeting brachte der Premierminister Sir Charles Coghlan, in einer langen Rede die Sympathie der Regierung mit dem Zionismus zum Ausdruck. Außerdem waren fast alle füh• re »den Pcii ikcr mul Parlnmcnlsmilgücdcr anwesend. samkeit gesetzte Mittel, schweigend erlittene Kränkungen zu vergo lten und sich selbst besser zu fühlen als die Nachbarschaft. Klatsch betätigt also zu gleicher Zeit viele Errcgungszoiicn und MiUeilungsdrängc, so daß er eine Art Selbstluir der Seele und ganz gewiß heilsam ist — zumindest für den Klatschenden. Eine begeisterte und hingcgcbcnc Klatschbase am Werk sehen lut etwas Bezwingendes: wie sie sclbstveiioren und mit funkelnden Augen bei der Sache ist, wie sic Talent fiir das Wort bekommt, die Welt um sich herum und zu ihren Füßen arrangiert — denn um sich besser fühlen zu dürfen als die Welt um sich herum, dazu klatscht sic ja —י Schicksale abnmdet und leicht verändert um die blinde Fortuna zu korrigieren, und divinatorisch sanfte Skandale in die Wirklichkeit hinciiueichnet, die die arme langsame Wirklichkeit erst mit vieler Mühe, späterhin und auch dann nur unvollkommen zur Existenz bringen kann. Tadelnswert bleibt der Klälschcr immer; aber gegen die bösartige Ernsthaftigkeit respektabler politischer Journalistik gehalten, die gegen einen ״Schädling“ (wie Erzberger) zu Felde zieht oder einen Reichsfeind wie Rrnhemui, ist er doch ein harmloser Zeitgenosse. Ehrabschnelder — meinetwegen; aber seine Opfer bleiben doch ganz behaglich am Leben; und da nur, trotz des gewissen seniper illiquid hacrct, ein Klatscher einem anderen glaubt, ist Klatsch etwa wie Landregen: lästig, unvermeidlich, manchmal rabiat machend aber nicht lebensgefährlich — und unendlich minisaiiter. Und mm, nach dieser allzu behaglichen Vorrede, erscheint, indes der richterliche Rezensent gerade einen hübschen BücherlKiufen pedantisch vor sich aufbaut, der Bote der Druckerei und bittet um das Manuskript — auch dies ist Klatsch — und zwingt zu einer Kürze, die den Epigrammatiker zieren mag, dem Leser aber außer Anweisungen und kurzen Motti alles schuldig bleiben muß. Da ist Vergangenheit, auf behagliche und interessante Weise hcranfgcholt' von den ״E rin ne-' rungen Moritz Oppenheims“ (Frankfurter Verlags• anstait A.-G.) — des Maiers, der sich um den Wandschmuck und die Gemütswelt ungezählter jüdischer Heime verdient gemacht hat, und der weniger Erfolg Rehabt hätte, wäre er nid» ein so qualitätsvoller Künstler gewesen wie die aus• gezeichneten Reproduktionen des bilderreichen Buches immer wieder beweisen. Seine ״Erinnerungen" schließen un& Mi- F>ie unvcrgUkhH.hr■ Ergebenheit der zionislischcn Arbeiter in Südafrika Int es ntö dich gemacht, einen geradezu beijmiclloscu 11(104: zu cr/ivi.it. Der Bei trag der stuf• afrikanischen Juden wird m diesem Jahre 75 0,)« Pfund betrage 11. Haue Summe ward van euer Gemeinschaft, die mir 6 >t;(Hl jiidiwtu• Heuen zahlt au.gcara׳|!t W j, r d c 11 d i c J ud en v <> ״ A m c r i ka u n u de r Länder des britische״ I 111 p c r i sin 11 s im gleichen V״r. 11 ä 11 n i s z u tu Keren Hajes יי.־׳ d beitrage n, w! c cs (iicscs Jahr d i c 8 ud a f r i k a 111 s c h t 11 J u d c n g e t a n haben, so w a r e d e m K e re n 11 a ן e ssod c i n fall rcsc in kommen von fünf Millionen Mund sicher und Palast! 11 a könnte i n n e r 11 a 1 b von wenigen Jahren a u f g e b a u t w erde n. Fan besonderes Cltarakkridikum dieser Kampagne war die Niclitak/eplierung von ,,I’Irdges“ (Zeichnungen). Von Anfang an bcntfh'e ich mich mit aller Energie, es durchzusetzen, daß in dieser Kampnane jede Zeichnung von einer LunkoKcr begleitet wird, und ich freue mich, fesUtellcn zu können, daß dies im ganzen Lande, bis auf geringe Aufnahmen, durchgcsctzt worden ist, sodali also die Zeichnungen innerhalb der nächsten zwölf Monate, vom Augenblick: der Z ichnung an, ohne noch, in «ihn' liiäimcrunp• automatisch cingchen. Ein weiterer Cha• KI I-Fraucnkoinilecs. . ... Besondere Aufm ■rMamkcit widmete ich der zionistischen Propaganda unter der Jugend. Fast in allen Städten arrangierte die ״Yottng Israel“ Organisation spezielle Jugend« Mcclin״.», auf denen ich über Zionismus und über Palästina sprach“ Eines der schönsten dieser Meetings war das Yotmg israel-Mcctinp im Standard Thcatrc in Johannisburg, wo da» ganze 1400 Plätze umfassende Theater von junge» jüdischen Menschen besetzt war. . . , , Ich glaube, es ist nur angebracht, die außerordentliche Beteiligung Rltodcsiuis besonders licrvorztihebcn. Auf die dringende'Bitte der Bulawayoer Zionisten entschloß ich mich, die ermüdende, lange Reise nach Rhodesien zu machen und die dortiacn drei jüdischen Gemeinden ßulawayo, Salisbury und Liviiigstonc zu besuchen. Alle drei Städte zusammen zählen nur 170 jüdische Familien. Ihr Keren liajcssod-Bel« trag machte durchschnittlich £ 20 pro Familie aus, ein Rekord, aen noch keine jüdische Gemeinde der Welt errungen hat. Zum Schluß besuchte ich auch die Hauptstadt der Kolonie Kenya, Nairdi, wohlbekannt unter dem Namen Uganda. Es gelang mir, kt dieser kleinen jüdischen Gemeinde, die nur 35 Familien zählt und wo noch nie eine zionistische Vcr- Sammlung stattgefunden hat, eine zionistische Organisation zu gründen und auch 300 Pfund für den Keren Hajessod zu erzielen. Das dies die erste KH-Aktion in Zcnfrafostafrlka ist, Kt »cllvs!verständlich. Die sechs Monate, die ich in Südafrika weilte, waren zwar eine Zeis a1׳strcn״c11ster Arbeit und mannigfacher Schwierigkeiten, aber der Gedanke an diese prachtvolle Judcnhcit und diese hingebungsvollen zionistischen Arbeiter wird für mich stets eine der stolzesten Erinnerungen meines Lebens sein.“ PIsit elfter N’ordau •Mamorek-KoUmte Die Erwerbung von Boden in Palästina für die Errichtung einer Kolonie zum Andenken an Nord au und Marmorek wird von der Gesellschaft der Freunde Nordaus und Marmorcks geplant. Die Gesellschaft trifft auch Vorbereitungen zur Vorüficnttichung von Dr. Max Nordaus literarischen und Dr, Alexander Marmorcks wissenschaftlichen Werken in hebrä« Kelter Sprache. Die Gesellschaft ist der Ansicht, daß Dr. Marmorcks Aufzeichnungen über seine bakteriologischen Unter* suchungen für die hebräische Universität in Jerusalem von großem Wert sein könnten. Dem Komitee der Gesellschaft gehören u. a. an: Pro« fcssor der Sorbonne Victor Basch, Prof. Nahum S 1 o u s c h « Jerusalem, Herr Andre Spire; Rabbiner Dr. Stephen S. Wisc-Ncw York, Prof. Yahuda au» Madrid und Herr Israel Zangwill. (j.T. A.) Die Frankfurirr Gemeind? [är die Jerusalemer Universität Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß als erste unter allen deutschen Großgcmeimleit die alte Gemeinde in Frankfurt a, M. ihr Interesse an dom Aufbau Palästinas dadurch bekundet hat, daß sie anläßlich ihrer diesjährigen Etathcratung für die jüdisch-wissenschaftliche Abteilung der Universität in Jerusalem einen Beitrag bewilligte. Wenn man sieh vcr« gcgenwiirtigt, wie man sieh bisher in nicht/ionKtKchen Kreisen zur Palästinnfragc gestellt hat, so wird man in dem Beschluß der Frankfurter Körperschaft einen recht erfreulichen Fortschritt festzustcllen haben. Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß auch die anderen jüdischen Großgemeinden in Deutschland dem Frankfurter Beispiel folgen. Heus auf, die alle so staunenswert und anregend sind, wie da» Rom der Nazarencr-Malcr oder das Frankfurt der Rothschilds, gesehen durch das kluge Temperament eines jüdischen Mannes, der nicht so put zu zeichnen wüßte, wenn er nicht so einsichtig zu sehen verstünde. Ganz charmant und ebenso anspruchslos erzählt, erweckt ein anderes Buch berlinische Vergangenheit: J. Käst ans Lustiges Panoptikum (Hoffmann und Kampe Verlag, Hamburg und Berlin), liier sieht ein alter berlincr Israelit, den mit der Haupt- und Residenzstadt Berlin die herzlichste Zuneigung verbindet, Juden und Nichtjudcn, Bankiers und Künstler, Gelehrte und OertUchkciten mit den jovialen Augen an die Max Liebermann gezeichnet hat — das Bild Ist mit vielen anderen im Buche — und wer dies Alt-Berlin lieht — von dem sich ja mir noch Spuren in diesem neuen finden ■— wird in diesem Kasianschcn Panoptikum gern eine Stunde amüsanter Vergangenheit finden, die weniger Wutrfinstig und aufgedonnert Kt als die des leider verhökerten Unter den Landen, und bei weitem geistvoller. Und dam» ist, um mit Sprung in die jüngste Vergangenheit zu setzen, unseres prächtigen Freundes Grone mann wohlbekanntes Plaudcrwcrk ״Hawdoloh und Zapfenstreich (Jadischcr Verlag), über das hier nichts weiter gesagt werden soll als daß seine Büchcransgahe eine Fülle Blätter von Magnus Zollers Hand enthält, Zeichnungen, die ebenso eindringlich wie formvdl dastchen — denn erstens kennen cs Unsere Leser zur Genüge und in extenso, und zweitens wird noch in, anderem Ztunmmcnhaiig davon nach Gebühr die Rede sein. Zum Schluß das weitaus umfangreichste dieser Bücher, da» ausgesprochene Klatschbuch, Emil Szittya, Das Kuriositätenkabinett (See-Verlag- Konstanz), Im Gegensatz zu jenen drei ist es ganz sicher höchst unerfreulich und seine Lektüre voller Hindernisse inmicr wieder ansteigender Mißgefühle. Ein Mensch, umgetrieben gm Rande der bürgerlichen Gesellschaft, dort wo sie an die Welt der Künstler, der Sektierer, der sexuell Pathologischen, der Prostituierten und aller proletarischen und untcrproletarischen Existenzen grenzt, schwatzt wahllos alles was er sah: und da er manches sehr gut sah und vieles wieder nicht verstand, wechseln In seiner hemmungslosen und manchmal auch boshaften Suada hörenswerte Stellen mit anderen, denen man davonläuft, Indem