Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 71 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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7ז f /ל 1 / ן; V. \ /!! rv י׳■ > \ I... 2 L ׳<• י "י \ ans7rarcr -־ÄV: -RSIP24 3 Jic tu les cn ,cli intU tlv. or <'־•! eil eh iilic klit. bd I!. le ,£ efs »; e: ); rr- .3 I. 7. 0 Redaktion und Verln,! W iS, Melnckcstrnßa 10. Eractieint jeden Dicnstng und l־rciln(J. Dczu^sprcia bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmnrk, Av»U1wU«h<m»fm*nU w*r(Un in *W Wlhnintf d#r Und*r W«cWt. Berlin. 5. IX. 1924 fpesssz Nammor 71 jjjss sss» ־ a r*1 r 1 c Anzeigen -V crwaliiing: Jüdische Rundsclnui G. m. b. II,, Berlin W 15, Melnek«־ ttrnOo 10. — Telephon 1 Amt Bismarck 7163*—70 Anzoljjfnpr.i« 1 «i!«1p*lt.N״np*r«lll»ro[U 0,30Guldm«rt(. Süllen- £e«ucho 0,15 Gotdraark. l'ftt hahrCUrka 100% AuticMij. ArtraißaniclilaO( Ol•״*(»( nid Freitag niehnttl•( ,Uhr. / / Ein zetntfmmer 0,30 Galdmark ~ך—) |ך r—j ץ-ץ r— \ v \ 1 ג... ז .. ’י־ ־ ־ ־ 1 * ... Telephon: Bismarck 7165—70, Postscheckkonto! Berlin Nr. 173‘)2. FilrOriUrrolchtPeil.parkliifnsmlWlrn, Konto Nr, 156030 / J-'OrTieiiattinilnwakel: rpdtparkiiHtuntt |־r»,, Koni׳» Nr. 59110 ✓ l-flr t׳oi»B1 P01t1D*rk»01»״n1l W»״cl1*u Nr, 19071», ~ Rednldlortssehhiß Sonntntf und Mittwoch nachinlltn#. — IJr ״ד״•. ■-.. XXIX. Jahrg. per JHonltimu» erstreb! für da» jÜdSacha Volk dla Schaffung elnar öffentlich ף אלול׳ תרס״ר ' TI״־ '*X־׳ך«*»*-«"י-. ,».י«-».׳״־*״**״ •%ZTZZ,”?'״״T׳ '”.‘!״TTCX51 » »TE r«.rr; f L__, *—•■ו (jealchQrton HolfnsttlUo In Palästina• ״Daselar Programm»״ ae וי # _ *A a.ii.1 ■aJ, J /r* 0 ß V K •1׳ '* י <r ■״>׳״׳*) יוי*v »*«*,ך. 43? ׳ I ' ' 4 / , 1; 1 S! ' ׳ < J W Die Zentralkomitee-Sitzung der deutschen Zionisten die einen sehr starken Besuch aufwics, war die erste AeuDerung einer zionistiscltcn Landesorganisation nach den schwerwiegenden A.-C.-Bcsciilüssen in London. Die Stellungnahme der deutsclicn Zionisten ist darum in gewissem Sinne symptomatisch für die Auffassung der Mitglieder der zionistischen Weltorganisation betreffs der neuen politischen Entwicklung, die ihren Ausdruck in der Einbeziehung weiter nichtzionisiischcr Kreise in die Arbeit für Palästina findet. Mit strenger Sachlichkeit und mit ernstem Willen versuchte die Zentralkomitee-Sitzung die durch die neue Politik entstandenen Probleme zu erkennen und zur Klarheit zu gelangen, in erster Linie beschäftigte sich die Tagung mit der Frage der Zukunft der zionisti- *dien Organisation. Es ist ein Verdienst derjenigen, die die neue Politik bis zur letzten Konsequenz durchdachten, daß sie am ersten Tage der Zentralkomitee-Sitzung dieses Kernproblem der kommenden Entwicklung in nachdrückliciicr Weise aufzeigten. Der intransigenten Auflassung, daß cs nur logisch wiire, der neuen Agency einen Unterbau in einer Palästina-Weltorganisation zu schaffen und ihr die Hauptaufgaben der zionistischen Organisation zu überlassen, was, nach dieser Meinung, eine Liquidierung der zionistischen Weltorganisation zur Folge haben müßte, stand die Ansicht der Mehrzahl der Teilnehmer der Zentralkomitee-Sitzung gegenüber, daß gerade durch die neue Politik die zionistische Weltorganisation wieder die Möglichkeit habe, sich ihrer besonderen Aufgaben zu entsinnen und ihnen zu widmen, und daß Umkreis und Inhalt dieser Aufgaben die Existenzberechtigung und Notwendigkeit der all weltlichen Zionistischen Organisation bedingen. Die Referenten und die Diskussionsredner des ersten Tages waren bemüht, die Methode der zukünftigen Arbeits-Gestaltung zu umreißen und den Kern des Aufgnbenkreises hernuszuschnlcn. Es zeigte sich, daß gerade durch die von der zionistischen Exekutive angeschlagene, neue Agcncy-Poiitik die Teilnehmer an der Tagung sich bewogen fühlten, in viel stärkerem Maße als cs in der letzten Zeit auf zionistischen Konferenzen in Deutschland üblich war, sich mit der theoretischen Fundierung des Zionismus zu befassen und den gesamten Umkreis der zionistischen Ideologie in den Mittelpunkt ihrer Betrachhing zu ziciicn. Wenn cs auch noch nicht gelungen ist, auf dieser Tagung zu einer vollständigen Klärung der Probleme zu gelangen, so bedzuten die Beratungen des Zentralkomitees der deutschen Zionisten doch einen vielversprechenden Anfang auf dem Wege zur klaren Erkenntnis von dem, ״was ist“ und von den Zielen, denen sich die zionistische Weltorganisation in der Zukunft wird widmen müssen. Geradezu einmütig war die Erkenntnis, daß Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nach der Konstituierung der kommenden Palästina- Weltorganisation identisch sein muß mit der persönlichen Verknüpfung jedes einzelnen Zionisten mit Erez-Israel. ,,Man muß mit dem Zionismus Ernst machen", lautete der Ausspruch eines Diskussionsredners, und die Fordertmg nach Erfüllung des Stcuerprinzips, nach flebraisicrung der zionistischen Ortsgruppen und nach Inauguricrang eines konsequenten Nationalisicrungnprozcsscs der Juden heit auch außerhalb Palästinas war nur eine selbstverständliche Folgerung, die die weiteren Redner aus dem ,,Ernstmachcn" zogen. In besonderer Weise brach sich die Erkenntnis Balm, daß das Erzielnmgsproblcm von nun ab eine zentrale Rolle in der Arbeit der zionistischcn Organisation spielen müsse. Der wertvollste Besitz unserer Bewegung werden Menschen bleiben, die bereit sind, das letzte für den Aufbau des Volkes und Landes herzugeben. Durch die neue Agcncy-Poiitik ist cs wahrscheinlich geworden, daß von den zwei Hauptclcmcntcn des Aufbaus, Geld und Menschen, das erste leichter wird herbeigesdiafft werden können. Das zweite Bauelement zu liefern, und zwar in baugerechtem Zu- Stande, wird nur der zionistischen Organisation gelingen können, denn sie ist berufen, Hüterin des Geistes der Bewegung und Wahrcrin jener restlosen Äufopferungsßfiigkeit des Pioniertums zu sein, die nur als Produkt reifster Erkenntnis und stärkster Selbstzucht möglich Ist. Zum Bemühen, theoretisch der neu entstandenen Pro- Bkmc Herr zu werden, gesellte sich der Versuch der Zentralkomitcc-Sitzuiig, auch der praktischen Arbeit innerhalb der deutschen Organisation Wege zu weisen. Diesem Teile der Arbeit der Zentralkomitee-Sitzung war der weite Tag gewidmet. Die Vertreter der einzelnen Gruppen ließen in ihnen Erklärungen erkennen, wie inten- *lv der Wunsch der in Deutschland organisierten Zionisten ist, das Leben der Organisations-Zellen auszuhauen und inhaltlich auszugestalten. Gerade der kommende Winter, der erste nach vielen Jahren, der riiie Stabilisierung der allgemeinen .Verhältnisse in Deutschland erhoffen läßt, soll in stärkster .Weise dem Ausbau der deutschen zionistischen Organisation und der Belebung der zionistischen Arbeit gewidmet sein. Die Zentralkomitee-Sitzung stellte einen Auftakt für diese Winterarbeit dar. Die Tatsache, daß sie versucht hat, theoretische Klärung herbeizuführen und praktische Folgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen, beweist, daß im deutschen Zionismus ein guter Geist lebt, der berufen ist, der gesamten Weltorganisation mich fernerhin wichtige Dienste zu feisten, wie Nahuin Sokolow in seiner Begrüßungsansprache zum Ausdruck gebracht hat. Wir sind weit entfernt davon, zru glauben, daß die Tagung des Zentralkomitees irgendwelche endgültige Formulierungen gefunden hat. Das aber konnte man füglich von ihr nicht verlangen. Sic hat indessen versucht, Einsicht in die gegenwärtige Situation zu gewinnen und Wege der künftigen Arbeit zu zeigen. Darum hat sic durchaus ihren Zweck erfüllt. Die Arbeif Incierlmlb der Jfuflead Referat von Dr. Werner Bloch. Anschließend an die beiden gestrigen Referate und die Debatte ist der heutige Tag speziellen Fragen der zionistischen Arbeiten in Deutschland gewidmet, letzt handelt cs sich um die Arbeit innerhalb der Jugend. Urn nur theoretische Auseinandersetzungen zu vermeiden, wird ein Ueberbiiek über die bestehenden Verbände gegeben. Ueber ganz Deutschland erstrecken steh die Verbaude: Blau-Weiß, K.J.V., Brith llaolim und Jung-Jüd,- Wanderhund. Au einzelnen Orten Deutschlands existieren vereinzelt zionistische Jugendvereine, deren Zahl nicht genau feslziisieilen ist und die lokal begrenzt sind. Zwecklos ist cs, solche zionistischen Jugendverdne zu gründen, um sic nach zwei bis drei Monaten aus Führcrmangcl wieder cingclicn lassen zu müssen. Nur wenn cs gelingt, an dem betreffenden Orte einen oder mehrere geeignete Mcnsdieri zu finden, die das hohe Maß von Verantwortung der .fugend und der zionistischcn Bewegung gcgcniibci auf sich nehme», soll man an die Gründung eines zionistischen Jugendvcrcins hcrangchcn. Man muß wissen, daß eine solche Arbeit erst nach zwei, drei Jahren Früchte zeitigen kann, die die Existenz eines zionistisdien Jugendvcrcins berechtigt erscheinen lassen. Die Schwierigkeit eines solchen zionistischen Jugendvcrcins beruht auch auf seiner Arbeit und seiner Arbeitsmethode. Mit immer wieder geforderten Rczxptcti kann eine erzieherische Arbeit nicht geleistet werden, da Erziehung mehr bedeutet als nur Vermittlung von BiUlun'.jsstoff, So ist cs von Bedeutung, lokal begrenzte Vereine in die großen Verbände cinzurcihcn, da hier eine Tradition besteht und regelmäßig Anregungen auf f ülrrcrtagungcn, Treffahrten usw. den einzelnen Führern gegeben werden. Von diesen großen vier Verbänden wurzeln Blau-Weiß, Brith Haolirn und J. J.W. B. in der deutschen Jugendbewegung, an der man bei der Betrachtung der zionistischen Jugeneb bewegmig in Deutschland nicht panz Vorbeigehen kann. Dabei soll man aber wissen, daß cs ein Märchen ist, immer wieder fc,.(stellen zu wollen, wie sehr die iüdisdic Jugendbewegung von der deutschen abhängig ist. Um die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts gab es in Deutsch fand eine Jugend, die alle bestehenden Verhältnisse wie Schule, Elternhaus, Milien, Großstadt usw, negierte und sich in der Wandervogel- Bewegung zusammenfand. Das Große dieser Bewegung war die Auflehnung gegen den Medianismus der Zeit und die Lösung von Kräften Innerhalb ־ der Jugend, die durch die bisherigen Erziehungsmethoden vollkommen verschüttet waren. Das Unglück der deutschen Jugendbewegung ist es gewesen, daß cs ihr nicht gelungen ist, die revolutionär wachgcwordenen Kräfte zu bestimmten Volksaufgaben zus,ammenzuschließen, so daß man bei einer Negation verharrte. Heute ist die beste und in ihrem Sinne einzige Jugendbewegung, 11.1 in* lieh der Wandervogel, zerborsten und in einzelne kleinste G'üppchen zersplittert. Man soll nicht glauben, daß die völkisclien Jugendorganisationen auch nur im entferntesten das d.irsteiien, was einmal die Wamlervogelbcwcgung gewesen ist. Hier handelt es sich nur um eine oberflächliche Erfassung der Mensehen durch einen Appell au niedrige Instinkte. Die wahre Lösung von Kräften una die Neuwerdung einer Jugend fehlt vollkommen. Vor 20 Jahren hat so der Wandervogel begonnen, vor 10 Jahren der Blau-Weiß und vor 2 Jahren der Jung-Jikl, Wanderbund. In keinem anderen Lande kann man sich eine so geartete Jugendbewegung vorstellen, die zionistisch von ungeheuren Möglichkeiten ist. Bedingt doch ein zionistischer Einsatz der Jugend ein wirkliches Lösen von der Umwelt und sicherlich ist es kein Zufall, daß aus einer solchen Jugendbewegmig die Menschen• erwachsen, die nh lamiwirtsehaftliehe Qiaiuzim nach Palästina gehen. Hier ist der Weg zum Chaliiz nicht nur aus zionistischer Einsicht elitgcschlagcu worden, sondern er bedeutet in der Tat: Fortsetzung des in der Jugendbewegung begonnenen Lebens. Dieser Weg, junge Juden aus dem Oolus beratiszurcißen, ist nach wie vor der beste, acn es für uns gibt. Noch nie ist aber sachlich die Situation für uns so ungünstig gewesen wie heute, wo der größte Teil junger Menschen sehr früh in die Wirtschaft angespannt wird und außerdem an den Sport verloren geht. Nach einem verlorenen Kriege und einer halben Revolution hat innerhalb .der lugend eine geistige Sterilität eingesetzt, so daß die obertläehÜchsten Reizlind Verlockungsmittcl auf sic wirken. Verweilen wir z. B, einen Augenblick bei dem Bar Kochba, den man endlich als wirklich zionistischer! Faktor ausschcldett sollte, da er aus dem Konflikt nicht herattr.kommcn wird, entweder zionistisch Menschen zu erfassen und sie nach Palästina zu schicken, oder den sportlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Das zweite wird Immer das erste überwiegen, weil man hei jedem Sportfest mit ״Kanonen" .״!׳treten will, tim zu siegen. Fs gibt aber eine wirklich zionistische Jugend, deren Zahl heule ia der Tat nicht• zu■ uatcrscliäljcn ist, wenngleich noch unendliche Möglichkeiten für eine Erfassung von jungen Juden bestellt. Die Daten lauten folgendermaßen; Blau-Weiß, l:r bestellt in 40 Städten Deutschlands und 5 ^Stadien Oesterreichs und umfaßt eine Mitglicdcrschaft von 2500 jungen und Mädchen. Seine landwirtschaftliche Praklikantcnsdiaft betragt in Deutschland 121), in Palästina 15, wobei Icstzustellen ist, ein fl diese Zahlen sich nur beziehen auf die Mitglieder des sogenannten Brunner Bundes. Datier sind in der landwiriscSiahiichcn Ausbildung auch nur neun Blau-Weiße länger als drei Jahre. Die handwerkliche Braktikantenscliaft umfaßt 150 Handwerker und 30 Handwerker in den ßlau-Weiß-Wcrkst.ittcn in Palästina. , K- J■ V. Es bestehen 18 aktive Verbündungen, die zirka 30י aktiyc Mitglieder umfassen. In dem letzten Semester sind allein 60 neue Aktivineklungen zu verzeichnen. Da« K. J. V. stellt 22 Praktik.inten. B r i t h - i I a o 1 i 111. Erstreckt sich über 12 Städte Deutsch- Lands mit zirka 350 Mitgliedern und stellt 1O0 Chaluzim in Deutschland und 22 in Palästina. Jung-Jüd. Wanderbund. Umfaßt 1000 Mitglieder in 30 Städten Deutschlands. Er stellt heute bereits 40 Chaluzim. Die Entwicklung des J. J. W. B. ist interessant genug, um einen Augenblick bei ihr zu verweilen. Ehemals eine Untergruppe der neutralen jüdischen Jugendvereine, die heute nicht mehr existieren, hat er sich vor zirka U/* fahren von denselben losgelöst und auch weiterhin sich als neutral bezeichnet. Allein durch die Tatsache eines wirklich engen Zusammen- Schlusses junger Juden in einer w.uidcrvogclartigcn Bewegung mußte er natumotwendig zionistisch werden. Mau muß hervorliehen, daß die Zionistische Organisation für die Zionisierung dieses Verbandes kaum etwas getan hat, sondern daß hier eben diese Kraft ztim Ausdruck kommt, die eingangs schon erwähnt wurde. Heute Ist der J. J.W. B. eindeutig zionistisch, und nunmehr wird cs darauf ankommetr, daß man mit der Leitung des J. J.W. B. in engstem Kontakt steht und daß cs dieser Leitung gelingt, den Bund zentral zu beeinflussen, da er heute an viefett Orten Deutschlands nur dezentralisiert existiert. Nun stehen wir vor dem Problem sowohl Innerhalb der zionistischen Gesamtorganisation als auch bei der zionistischen Jugend, unser Augenmerk darauf zu richten, daß die nationale Idee und die Auswanderung nach Palästina beide Teile bcstimmt. Seit Jahren erleben wir es, daß immer wieder davon gesprochen wird, diese zionistische Idee reiche für die Erfassung unserer Menschen nicht aus, und infolgedessen sucht man nach neuen Inhalten und greift zu Surrogaten. Jede Gruppe innerhalb des Zionismus hat eine besondere Nuance, und innerhalb der Jugendbewegung müssen wir erleben, daß ihnen die zionistische Idee nicht mehr genügt und daß man z. B. als Erziehungsziel eines zionisTschcn Jugendverbande* ein so verschwommenes Bild Iiinsteilt wie: ״Den sozialschöpferischen im Judentum verankerten Menschen". Das muß so lange so sein, wie die Zionistische Organisation sich in einer sogenannten ewigen Krise befindet und nicht in der Lage ist, immer wieder die ״Revolution mit langem Atem“ durchzuhaftcn und zionistisch Kräfte zu konzentrieren. Man soll nämlich wissen, daß das ״Woher“ der Menschen, die heute Zionisten werden, dasselbe ist wie vor 20 Jahren und daß cs immer wieder nur darum geht, die Menschen für׳ diese zionistische Idee zu gewinnen. Die Oesinnnng aber reicht nicht mehr aus, und deswegen Ist die Gegenwart und das ״Wohin“ anders als cs vor 20 Jahren gewesen ist. Wohf sollen wir nicht mehr nur schreien, wie Holdlicitn in seinem׳ Artikel mit Rocht hervorhebt, und unsere Kräfte verpuffen in dem Kampf gegen eine Assimilation. Aber nach wie vor müssen wir kämpfen um Menschen, um sic fßr den Zionismus ganz zu gewinnen. Wieder wird man cs dabef darauf onkoinmcn lassen müssen, daß dann allerdings die anderen das doch nls einen Kampf empfinden. Eine Pro- Palästina-Stimmung reicht für di Durchführung des Zio« nisnms nicht aus, haben wir nicht eine zionistische Ke1.-׳tn1ppe, die sich für dieses Aufbauwerk cinsctzt. Und es ist schwerer, im Oolus Zionist zu sein, als in Jungen Jahren nach Palästina zu gehen. Dennoch braue.1t ״älter werden nicht zu heilkut müder werden, sondern weiser* (I loklheim). Dann aber muß mau ״aus Weisheit“ jung sein, um immer wieder jene innere Kraft zu besitzen, die nun einmal eine Bewegung erfordert, die werbend auftrltt, 111u Menschen lierauszureükn und neu eiiizuordnen. Kana man das nicht mehr, so muH man den Mut haben, aus Weisheit zu entsagen und diejenigen Menschen in die zionlstisrhc Arbeit einzusetzen, die diese jugendliche Kraft noch aufbrlugen. Somit wird cs wichtig, daß man die Führer der Jugendbewegung und ihre ältesten Mensche« für die zionistische Arbeit in Deutschland hcranzicht. Es darf nicht mehr so sein, daß hier eine ״altersschwache“ 'Or״! ganisation stellt und irgrndwo ganz anders une Jugend, die, wie die Zahlen beweisen, doch vorhanden ist. Aber diese zionistische Jugendbewegung braucht eins zionistische Atmosphäre. Diese zionistische Jugend kann nur Respekt vor der Zionistischen Organisation haben, wenn diese Organisation Menschen umfaßt, die ihre zionistischen F'or•• dertingcn erfüllen. Immer wieder schreit man von Seiten der Organisation nach dem Nachwuchs. Der Nach wuchs ist da; mache man erstens die wichtigsten zionistischen Arbeiten In der Jugend zu allgemein zionistischen Arbeiten, sorge man dafür, daß die Arbeit der Hachscliarah und der Alijald in dem Mlftelpimkt der zionistischen Arbeit in Deutschland stellt. Patronisiere man diese Jugend nicht, sondern leiste eine solche Arbeit in demselben Sinne, wie sic heute von den ein- /einen zionistischen Gruppen selbst geleistet wird. Nur dan« wird man wirklich die Vcrtraucnsbnsis zu einer Jugend finden. Ordnet man selbst noch Palästina so in sein eigenes Leben ein, daß mau mit der Uebcrsicdluiig Ernst macht, dann gibt ca überhaupt keine Divergenz mehr zwischen dieser zionistischer» fugend und den Mitgliedern der Zionistischen Organisation» Isieiht man aber immer dabei, nur der Ocsinming, oder, besser noch, mir dem Worte nach sich Zionist zu nennen, mir das Baseler Programm anzuerkennen und keine Forderung zu erfüllen, so hat in der Tat die Zionistische Organisation keine Bedeutung mehr. Das große Werk Ucrzls bei der Zionistischen Organisation war der antizipierte Staat. Der Staat stellt Forderungen an seine Mitbürger und hat Zwangsmittel zur Verfügung, wenn der einzelne sic nicht affiliert will; Wir haben kein anderes Mittel, unsere Forderungen durchzuseizen als den Druck einer starken öffentlichen Meinung» Diese fehlt heute, und so erleben wir eine vollkommene Zer* jüttung innerhalb unserer Organisation. J^o sind die Zionisten;