Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1924)
- Date
- 1924-08-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1 I Kr. 68 Aas ier jtldlscLiea Well Crtl-!*!,»«l Wie der ״Doar Hajom“ hcrichtct, wird der Prinz von \ ork, der Zweitälteste Sohn König■ Georgs, demn,teilst 111 Begleitung seiner Frau Ostafrika besuchen 11ml bei dieser Gelegenheit auch nach Aegypten und Pa- | j s 1111 a k o 111 me 11. Wie bereits gemeldet, sind auf dem Dampfer ״Kcrtsch1' 1S7 1 inigranteu aus RuBl.uid in Jaffa cingetroflen, von denen jedoch nur 37 richtige Einreisevisen besaßen. Bezüglich der!ihrigen 150 wurden die nötigen Schritte hei der palastinensisdiai Kegienr.g cingclcitct, die, wie nunmehr berichtet wird, Erfolg hatten. Mit Rücksicht darauf, daß es sich uin politisch Verfolgte handelt, hat die p a - 1 as11 ncns 1 schc Regierung ihnen die Einreise gestattet. Der bekannte palästinensische Arbeiterführer Ben fUirion soll sich demnächst nach Moskau begeben, um dort Verh.indhiiigen über die Möglichkeit der Auswanderung von Chaluzim aus Rußland nach Palästina zu führen. In J c r 11 s a I c 111 wurde die Gründung einer cflinographischen Gesellschaft beschlossen und ein Komitee gewählt, das die Statuten ausarbeiten soll. Die Generalversammlung soll dann beschließen, ob eine besondere Gesellschaft gegründet werden soll oder nur eine Unterabtcilung der Gesellschaft zur Erforschung des Landes. 111 Tcl-Awiw wurden Mitte August Privatleute für Landwirtschaft und Naturkunde durch Herrn Arie Fcldmann eröffnet, und zwar vorläufig folgende drei Kurse: Allgemeine Biologie, städtische Agronomie und palästinensische i tiaiizenkuiide. Der einzelne Kurs dauert je einen Monat. Sir Gilbert Clay ton hat im Hinblick auf die foridauernde Streikbewegung in Jaffa und Tcl-Awiw beschlossen, cliie Kommission einzusetzen, die gemeinsam mit dem Jaffacr Arbciterrnt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vermitfein soll. Dr, Isnnc Epstein liat von Sir Gilbert den Atmrng erhalten, mit beiden Parteien wegen Entsendung von Mitgliedern in diese Kommission zu verhandeln. Vor kurzem besuchte einer der Redakteure der Moskauer kommunistischen Tageszeitung ״Prawda“, Herr Holei'° י י alastma. Er legte die Reise als Tourist mit dem izampicr ״Kcrtscli", der die russischen politischen Emigranten beförderte,. zurück. Herr Holcnoff besuchte die jüdischen Arneiteransiedlimpcn, sowie die Büros der palästinensischen Arl>c1tcrorgamsats«n in Jerusalem. Er erklärte, daß er nach seiner Rückkehr nach Rußland in der ״Prawda“ seine Eindrucke veröffentlichen und insbesondere der Behauptung entgegentreten wird, daß die Juden in Palästina die Araber explodieren. ,, Pa«! Komitee zur Förderung einer palästinensischen Musik-Akadcnuc hat den Professor Abiles nach London una New York geschickt, damit er dort zugunsten der Akademie in Ycrbindiing mit dem New Yorlecr Komitee Jur das Palästina-Konservatorium tätig sei. Bis zu!n 1. Juli 1021־ hat die palästinensische A r n c t c r h a n k Aktien für insgesamt 21,965 iig. Pfund vcrkaull, HHXXl Aktien wurden 111 Amerika, 5000 in Palastina, 2000 in Rumänien, 1100 in Polen und 1000 in Ll 1?j£R5sc.‘zt־ Scit tlcm L Ju״ s‘״d »״ Polen außerdem noch 3000 Aktien der Arbeiterbank verkauft worden. Scheich Mustapfia, das Oberhaupt des Beduinen- Stammes Al Shmalni, der, wie erinnerlich, um seine Aufnahme in die jüdische religiöse Gemeinschaft angcsucht hat, hat 111 einer Unterredung mit jüdischen Besuchern erklärt, daß der Entschluß des Stammes zum Uebertritt aus zwei Gründen,, einem historischen und einem ökonomischen, gefallt worden ist. Der historische Grund ist der: Vor 80 Jahren kam ein Beduine aus Aegypten nach Palästina. Er hieß Simlon (hebräisch Simon) und war jüdischer Herkunft. Er heiratete eine Frau aus dem ägyptischen Stamm Masarow, der in Transjordanien seinen Stammsitz hat. Sjc brachte sechs Kinder zur Welt. Die Nachkommen dieser sechs bilden den Stamm Al-Shmalni. Simlon war jüdischer Religion, er wurde jedoch durch Verfolgungen seiner mohammedanischen Nachbarn gezwungen, zum Islam überzutreten. Vor einiger Zeit, berichtete der Mukhtar weiter, hatte einer der 130d>!incn-I läuptlingc Ibrahim Abdtiallc, einen Traum: Einer der Stammväter erschien vor üun und forderte ihn auf, daß er den ganzen Stamm wieder dem Judentum ziiführcn solle. Was die wirtschaftliche Seite anbctriflt, so hält sich der Stamm Al-Shmalni hauptsächlich in der Gegend von Tabgh.1l, an den nördlichen Ufern des Kincreth-Secs, auf und sein Land ist auf den Namen einer reichen moham- ס sc 11 a ס ed!'sch e . ntf n ס ץ י med,mischen Familie Murnd of Snfed eingetragen, die das Land mm als eigenen Besitz nur.ie 11t. 'Oer Stamm hofft, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft sein Recht auf Landbesitz, zu erlangen. In der Jcmcitilctisicdlmig M a c h n e h J e!111(1 a, die von dem Territorium der großen Kolonie Pdath-Tikwuh bloß 8(1 Duimin cinnahin, sollen nimm ehr, an ,sbliefkinl an Petaeh-Tikwah, einige liuudert Dim.ini hliiriigcknolt werden. Dies wird die Er- Maikiing der Jemiiiileiisiedlmig ermöglichen. Von den 60 Familien der Siedlung leben nur 14 in Häusern, während sieh die übrig«! mit einer der drei großen, seinerzeit vom KKL. erbauten Baracken begnügen müssen. Nur 50 Familien verfügen über ein Stückchen Land, und zwar 20 über je 2 Dunam und 30 gar nur über je 1 Dunani. Da es bei den Kolonisten von Pctach-Tikwali nur Saisonarbeit gibt und oft auch diese ausblicb, litten die Jemeniten grolle Not. Denn ihre eigenen Konferenz der Vertrauensleute des Kcrea Kajemcth in Deutschland in Leipzig, nm Sonntag, den 14. September 1924 7 agetordnung: Vormittag! M. Ussischkin: ״Unser Aufbauwerk“ In der Diskussion vorgemerkt die Direktoren dei Keren Kn|cmeth Adolf Boehm, Dr. Artur Hantke, S. Schocken, Prof. Herrn. Struck, Prof. Warburg Nachmittag! Dr. Erhard: ״Die Arbeit des Keren Kajemcth in Deutschland“ In der Diskussion vorgemerkts Julius Berger, Adolf Pollak Sämtliche Vertrauensleute, Vorstände der zionistischen Ortsgruppen, Organisationen usw. sind cingcladcn. Die Vormittagstaijunjj. auf der sämtliche Probleme des Palästina-Aulb,nies besprochen werden :ollen, sollte von allen Zionisten besucht werden. Seit« 491 (t folgende Darstellung: Die Zusammensetzung der Listen für die , Feststellung der rumänischen Staatsbürgerschaft erfolgte in unserer Stadt vom!. Juni bi<1 zum l. Juli. Es wurden ir» den StaatsbiirgcrlWten au .schließlich Personen eingetragen, die bereits das form eile Heimatsrecht in Rndaiitz vor dem 1. Dezcinber 1018 erworben hatten. Der Besitz des alten“ 1 lemiats• rechtes würde aus den hier vorhandenen 1 leimatsrcgistcrn sowie aus den Urein wohne rüsten erwiesen. Die Kommission lunchte es auf diese Weise zustande, mehr als 101K) Familien, »11 der überwiegenden Mehrheit Juden, durch die Nichtcintr.igung in die Bürge Misten in 11״ e i m a t s los c“ zu verwandein. Man kann ruhig sagen, daß 10 <׳־, der hiesigen Juden auf diese Weise im 1 l.indimidrclien ״Fremde“ geworden sind, obwohl der größte Teil hier geboren ist oder wenigsiens seit langer Zeit den dauernden Wohnsitz in Radautz hat. Russland aa kleinen Parzellen konnten sic nicht ernähren, Nim sollen diese auf etwa 10 Dunain erweitert werden, was — bei inten- River Kultur — eine genügende Basis für eine landwirtschaftliehe Existenz bietet, Otnt«rr«(d» Das s t a ,1III c 11 c österreichische Vcrkchrsbüro kündigt •in, daß es eine Gesellschaftsreise nach Pa- In st Inn und Aegypten arrangiert, die vom 22. Oktober bis 11. November dauern wird, Für Palästina ist aber nur ein fünftägiger Besuch vorgesehen. Es sollen die folgoiidcu!,unkte berührt werden: Jerusalem, Haifa, Tel-Awiw, Tlberias und Ernck J 1 srecI. Angesichts des wirtschaftlichen Rückgangs ln Oesterreich steigert sich die Notlage unter׳ den jüdischen Studenten in Wien immer mehr. Die Mensa acadcmiea, in der mehrere hundert arme Studenten ausgespeist wurden, mußte geschlossen werden. Die Krankenfürsorge, das Studentenheim lind andere Institutionen den jüdischen 1 loehscliul.uiRsrhusses stehen vor dem Zusammenbruch. Dringende Hilfe ist geboten. Rumänien Das in deutscher Sprache in Czcmowltz erscheinende ״Czcrnow i< zer M o r g e n b 1 a 11“ hat einen Sondervcrtreter in die Provinzortc der Bukowina entsandt, um die Amtshandlungen bei der Festsetzung des Bürgerrechtes zu erkunden. Der Sondervertreter hat ermittelt, daß in allen Gemeinden der Provinz das jüdische Element zurückgesetzt wird. Sogar führenden Angehörigen der jüdischen Intelligenz, die in der Bukowina geboren 1»11d erzogen worden sind, wurde das Bürgerrecht verweigert. Das ״jüdische Recht:»- schutzbiiro der israelitischen Kultusgcmciiide Radautz" gibt In Weißrußland sind nach der letzten Statistik etwa 21000 Juden in der Landwirtschaft tätig: sic bearbeiten Inggesamt eine Fläche von ungefähr 20000 Desjatincn Land. Int ganzen existieren 201 jüdische Siedlungen in Weißrußland. In 38 von ihnen kommt auf jeden Kopf nicht mehr als ein Viertel •Dcsjatin Land. Unter den übrigen '63 Siedlungen sind 55 individualistische Kolonien, die übrigin sind Kollek« tivsicdlungcn. Hier wie dort kommt auf jeden Kopf ein bis eineinhalb Desjatincn Land. ln Sosnice, Gouvernement Tschernigow, existiert eine jüdische landwirtschaftliche Kollektivgcnossenschaft, die im Jahre 1921 freien Boden zur Bearbeitung erhalten hat. Vor kurzem hat das Rayon-Vollzugskoinitce den Boden der Genossenschaft wieder n b g c n o m m c 11, unter der Begründung, daß die Genossenschaft keine vollwertige Arbeit leistet, Dabei ist cs Tatsache, daß das erwähnte Vollzugskomitcc im Verlauf der drei Jahre der, Genossenschaft keinerlei Unterstützung gewährt hat. Alexander Ellaiberg Mit diesem bescheidenen und vornehmen Schriftsteller Ist ein Botschafter des östlichen Judentums bei der deutschen Sprache und Kultur zu Grabe gegangen; und er wäre weniger Jude gewesen, wenn er, den Sinn des Juden für allgemeinere Verantwortung verleugnend, sich nur auf das Jüdische beschränkt hätte und nicht auch der anderen, breiter und gewaltigeren nah-östlichen Welt, dem Russischen, zum treuen ׳Dolmetsch geworden wäre. Alexander Eliasberg übersetzte aus dem Jiddischen und dem Russischen: aber nicht war er einer der mechanisch-schädlichen Uebcrsetzungsfabrikanten und auch kein ״Eindcutschcr“, sondern ein wirklieber 'Dolmetsch fremden Wesens, dem er seine Fremdheit ließ, Indem er sic dem deutschen Leser nahcbrachtc. Es fehlte nicht an Kritik mancher seiner Arbeiten, aber er lernte aus Ihr; er hatte den unermüdlichen Ehrgeiz de« Schriftstellers, dein Leben gleichbedeutend ist mit Vcrvollkommnen. So bleibt sein Name noch auf langcliin verknüpft mit jener Vermittlung jüdisch-östlicher Werte und Werke, von der das westliche Judentum nm meisten profitiert hat: konnte cs doch immer, wenn Angriffe die Möglichkeit originaljüdischer Schöpfung leugneten, auf den ganzen KuHurkrcis verweisen, den zuerst Alexander Eliasbergs Uebcrsctzungen den deutsch Lesenden erschlossen hatten. Den Werken unserer östlichen Künstler und Volksschriftstcllcr hat er zu westeuropäischer Bekanntheit die Tür geöffnet; und weil schic Wirkung nicht abreifien wird, ist ihm ein bleibende« Gedenken sicher. Geboren am 22. Juli 1878 in Minsk, wo er das Gymnas'nim absolvierte, bildete er sich auf der Moskauer Univcrsltät zum Elektrotechniker aus. Seit 1901 lebte er iu München seiner literarischen Mission, bis ihn voriges Jahr die bayerischen Machthaber erst einsperrten und dann vertrieben, weil sie ihn, der geistig eher Kadett und Konservativer war, mit Bolschewiken verwechselten. (Das schwere Mißgeschick, welches seine treue Lebensgefährtin in München traf, ist noch ln aller Erinnerung.) Schon vor Buber publizierte er in verschiedenen Zeitschriften chassidische üeschichten; seinem ersten Buch aus dem Jiddischen (״Sagen polnischer Juden“) folgten bald sechs Bücher von Perez, je eins von Scholcm Alcchcm und Mendalc, vier Sammclsehen Blick des jüdischen Führers. Meine Tochter las auch das mir von Ihnen zugesendetc zweite Werk von Hcrzl ,Altneuland‘ — ich hatte bis jetzt keine Zeit, dieses wunderbare Buch zu lesen, werde cs aber in nächster Zeit, sobald ich frei sein werde, lesen — und sic war derart vom Inhalt des Hcrzlschen Werkes ,Altnculand‘ hingerissen, daß sic mich hat, nicht früher das Vorwort zum ,Jmknstaate‘ zu schreiben, bevor ich nicht diesen schönsten jüdischen Roman gelesen habe. Sic befürchtete nämlich, daß mir die trockenen Ausführungen Hcrzls im ,Judciistaal' nicht genügend Schwung in der Charakterisierung der zionistischen Bewegung geben werden. Und auch deshalb wollte ich bei Niederschrift dieser Zeilen ,Altnculand' nicht lesen, da ich aus den Worten meiner Tochter den Eindmck hatte, daß cs ein utopistischcr Roman ist, der auf Flügeln der Phantasie und des Idealismus getragen wird.“ Und Graf Iwan Tolstoi sandte mir die Vorrede zum ,Judenstaat". Eine sachliche, trockene Auseinandersetzung eines offiziellen Staatsmannes des mächtigen Rußlands mit den sachlichen, trockenen Ausführungen eines niditbcvollmäclifigten Staatsmannes des staatslosen Juden Volkes, ״Früher oder später wird die Judenfrage in Rußland in positivem Sinne gelöst werden müssen“ schrieb der russische Staatsmann. ״Auf die Dauer lassen sich Millionen von Menschen von der Kirnte nicht unterdrücken. Der Antisemitismus in Rußland ist der klarste Beweis, welcher moralischen und politischen Hebung dieses Land benötigt. Für mich ist cs kein Zweifel, daß für viele der Antisemitismus ein Mittel zur Bereicherung und Sclbstvcrhcrrlichung ist. Das russische Bauernvolk ist aber seelensgut; ihm ist der Haß fremd; er wurde ihm von Pfaffen und Demagogen eingeimpft; der gute russische Bauer wird aber erwachen und sein Haß wird all diese großen Herren und Pfaffen niedcrmacheii. Ich fürchte vor diesem Augenblick. Denn dieser Moment ist die Zeit des Niederganges Rußlands, der Verwüstung von Städten und Dörfern, aber bald danach wird die Zeit der Wiedergeburt kommen. Und noch eines befürchte ich: Die Millionen der unterdrückten Juden, die heute das beste «taatscrhaltcndc Element sind, werden, verfolgt und gejagt, in die Arme der Linken gestürzt werden. Es wird ein Haß des Volkes gegen die Tyrannen entbrennen, welcher zweifellos mit dem Siege des Volkes enden wird; denn lange dauert nicht die Macht der Gewalt. Dieser Sieg des Volkes wird aber mit der Aufopferung auch vieles Guten des heutigen Rußlands enden. Ich fürchte aDcr auch, daß die Juden, wie sie heute der Sündenbock der Rechten sind, dann der Siindenbock der Linken sein werden. Dieser große Kampf um die Macht wird zweifellos die größten Opfer unter den Juden erfordern. Die Ueberzcugiing, daß das oben Gesagte bestimmt eintreten wird, veranlaßt mich zu sagen: Ein ludcnstaat im Sinne Hcrzls ist eine Notwemiigkeit für all diese Juden, die heute oder morgen ohne Dach sein werden, ohne Boden, ohne Land. Die Gründung des Judeiistanies wird wohl die Judcnfrage nicht zur Gänze lösen, aber sie wird zur Lösung der Judcnfrage im weitesten Maß beitragen, Es werden hier bleiben, die bleiben können, wollen und sich wohl fühlen, und der gegenseitige Verkehr der Juden im Judenstaate und in den anderen Ländern wird zur Wiederbelebung des alten jüdischen Geistes und höchster Moral beitragen. Die Verfolgung der Juden wird zur Gänze wohl nie aufhören, wjc nie die Verfolgung eines Menschen durch einen anderen aufhören wird. Sie werden aber nur so gehaßt werden wie die Deutschen in Frankreich, wie die Franzosen in Deutschland, wie die Japaner in Rußland und die Russen in Japan usw. Man wird die Juden eben als Staatsvolk behandeln, wenn auch mit Haß, so doch auch mit Respekt. Der Jude wird eben nicht heimatlos sein, nicht staatslos . . . Ich glaube an Hcrzls Programm. Es ist ja heute nicht wichtig, zu urteilen, ob die Form und die Mittel des Aufhaiies des Judenstaates, wie Herzl sic vorschreibt, die riehtigsten sind: cs kommt eben auf den großen Organisation•!- plan, den dtirchzuführen Theodor Herzl wie kein anderer berufen war, und auf den Willen der Juden an. Meiner Meinung nach werde״ die Juden wollen, sie werden wollen müssen. Und es kommt auch auf die Mithilfe Europas an. Und das kulturelle Europa wird mithelfcn, weil cs nicht nur 111 seinem eigenen Schoße׳ durch die Gründung des Judenstaates zur Losung der Judcnfrage beitragen wird, aber weil England, Rußland, Frankreich in erster Reihe an der Wiederbelebung Asiens Interesse haben: weil ln Asien die Zukunft Europas liegt. Meiner bescheidenen Meinung nach kommt für Juden nur Palästina und Umgebung in Betracht, wenn sich auch Herzl in seinem Huche nicht klar über die Ortsgriindiing des Judenstaates nussprieht. Historische Rechte und Tradition sind die wichtigsten Argumente für die Grün* düng des Judcnstaatcs in Palästina. Auch die Christen haben Interesse an der Gründung des Judenstaates in Palästina; die Juden werden meiner Meinung nach die treuesten Hilter der christlichen Religion sein; und die Juden werden tolerant sein, weil sie seit Jahrhunderten Opfer der Intoleranz waren ... Ich glaube an Hcrzls Traum . . . Oie Verwirklichung liegt nicht in weiter Ferne, wenn auch nicht im Jahre 1924, wie Herzl in seinem zweiten Buche prophezeit. Aber zu jener Zeit werden nicht nur der Grundstein für das erwachende Palästina gelegt worden sein, sondern auch die ersten Anfange der Wiedergeburt sichtbar werden. Für mich ist e« auch kein Zweifel, daß hervorragende Männer der europäischcn Politik und Wissenschaft, die heute noch über den Judenstaat lächeln, sich ernst zusamnicntun und bein» Wiederaufbau mithelfcn werden. Theodor Hcrzl war der berufene Führer. Nicht nur auf Grund dieser Schrift, die durch die höchste Kunst eine* großen Staatsmannes auffällt, sondern auch durch seine faszinierende Persönlichkeit und hinreißende Popularität, die scit Jahrhunderten kaum ein Jude genossen hat. Ich erinnere mich noch seiner Anwesenheit in Rußland, als dieser große Jude imd noch größere Mensch kam, um unsere Regierung; für seine Pliinc zu gewinnen. Unsere führenden Männer behandelten Herzl als offiziellen Abgesandten eines Volkes, Seine Persönlichkeit war die Majestät, vor der sich all« hengten. Seine hohe Sendung, dem heimatlosen Volke ein« Heimat zu geben, flößte unseren Politikern, die mit Herd zu tun hatten, Ehrfurcht ein. Die Juden bereiteten ihm überall, wohin er kam, einen Empfang, wie kaum gekrönte Häupter Ihn hatten. Diese spontane, ungewöhnliche Begeisterung der russischen Juden für Herzl erweckte einersclts große Acngste bei den ״Schwarzen Hundert“, anderseits! aber auch Achtung. Die Berichte• unserer Beamten, die au« Wilna eingetroffen sind, wo Herzl wie ein Messias begrüßt wurde, sprachen vorn Empfange eines jüdischen Königs und drückten die Befürchtung aus, daß eine jüdische Revolution ausbrcchon könnte. In einem geheimen Berichte war aber zu lesen, daß Theodor Herzl ein Mann Ist, der Ehrfurcht und Ochorsam einflößen muß. Es ist jammerschade, daS Hcrzl kurze Zeit darauf gestorben ist. Die Zelt in Rußland war für ihn noch nicht reif. Ich bin überzeugt, daß cs dem Hcrzlschen diplomatischen Talente gelungen wäre, große poal* tive Resultate für seine Ideen zu gewinnen. Heute ist dl* Zeit für Ihn retter , ,