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Jüdische Rundschau · 1924-08-26 · Heft 68 (26.8.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 68 (26.8.1924)
Date
1924-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 400 Nr. 03 JUEDISCHE RUND׳ > I » i Rio; für ifcs Jalir 5GS5 NVic bekannt, int es der Keren Rajessod, der für die Aufbringung um! Decks!!!״ des gesamten Buügi’ts der Auüv.u- •י■beit in Palästina verantwortlich ist, soweit ’diese unter der direkten Kontrolle der josisli Agency stellt. 13.1s ordentliriie Palnsliuabudget tür das folgende Jahr wurde mit dem He- <raf:־e von £ •110 lt>0 augesci/.t. lieber eite Verteilung die •es Betrages haben wir bereits berichtet. Neben diesen! Betrage hat der Kere-11 liajessod noch eine Reihe von Verpflichtungen 711 decken, die da!; Direktorium des Keren 1 Ujcssad vorher €ingeg;n1!;rn ist. Darunter befinden sich die Zahlt!!]).; von 25 0(D Dollar (über .C 500(1) für den Bau eines Spitals in 1 iberins, X KKKl Beteiligung am Mining Syndieate Ltd., und ein Darlehen von X 31XK) an den Paliistina-ArbeiterfonJs. ~ Das Misrachi-Bmlget setzt sieh zusammen aus C 3;>0ü fiir Erziehungsarbeit, ’ £ 1800 für religiöse Einrichtungen, £ 3000 für rlen Bat! des Gebäudes der Tnchkcnioiii-Schule. Außerdem sind im Arbciisbudget t!ml itn Immigrntionsbmlget je £ 1200 für den Misrachi bestimmt. Bei der Verwendung des Budgetpostens I taciischarah im Kalnnen des Imniigratiotts- Gats, wie auch bei der Verwendung de:; Budgets der Knjr.1tfr Gholim sind die Misrachi-Arbeiler m'it einem ihrer prozentuellen Stärke gern allen betrag zu berücksichtigen. Antlcrludb des Budgets sollen zwecks eines schnellen Aushaus der bestehenden landwirtschaftlichen Siedlungen noch .C 50OtX) im Wege eines langfristigen Kredit» unter Garantie des Keren Hajeasod aufgebracht werden. Dieses neue Budget ist von grundlegender Bedeutung und bildet eine Etappe auf dem Wege zur Konsolidierung des Finanzsystems der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina. Es sollen kurz, die Prinzipien angedaitet werden, auf denen sich _das Palästinnbtidget fiir das Jahr 51183 auibaut: Zuin Unterschiede zu den vorhergegangenen Jahren Kt diesem Budget das Prinzip zugrunde gelegt worden, daß die Ausgaben sich streng im Rahmen der voraussichtlichen Eingänge z.u bewegen haben, da die über diese Grenze hinausgehenden Bewilligungen zu einer finanziellen Verschaldüng und wirtschaftlichen Unsicherheit führen, im Einklang mit den bisherigen Erfahrungen der Keren llajcssod-,Arbeit wurde die Gesamtsumme der Ausgaben innerhalb der Grenzen dieses Betrages festgesetzt. Es wird erwartet, daß dieses Budget mit den in der Vergangenheit vorhandenen Schwierigkeiten nttfrämnen, eine größere Stabilität in unserer Finanzgcharttng ermöglichen und einer Konsolidierung und Ge- Rundung unserer wirtschaftlichen Zustände den Weg bahnen wird. Das Budget enthält außer regelmäßigen Aufgaben der Palästina-Exekutive auch Investitionen, die diesmal (zum Unterschiede vom vorjährigen Budget) in den ordentlichen Etat citigcscMosscn wurden. Zu den Investitionen zählen die Beträge, die für die Hypothekenbank, für öffentliche Arbeiten, für die Palest ine Land Development Co. Ltd. und die Palestine Electric Corporation bewilligt worden sind. Das fUulgct von £ 125 (XX) für die landwirtschaftliche Kolonisation ist hinter dem seitens der palästinensischen Landwirtschaft gestellten Forderungen weit zurikkgebliebeii. Das angenommene Budget ist so bemessen, daß cs keine Möglichkeit der Erweiterung des Sicdlungswerkcs bietet, aber das Fortbestehen und den Aushau der bestehenden Siedlungen sichert. Daß diese Summe nicht genügt, beweist der Beschluß, in dem eine Kreditoper.iti.m zum Zwecke der Sclbsfändigmachung einer Reihe von Siedhingen empfohlen wird. Dies ist allerdings gleichzeitig ein Beweis der Ucberzcugung, daß viele der neuen Siedlungen so weit vorgeschritten sind, daß sie durch einen langfristigen Agrarkredit zu wirtschaftlicher Selbständigkeit gebracht werden können. Der Posten ״Handel und Gewerbe“ enthält ztnn großen Teil Beträge, die für Krcditcrteikmgcu an kleine Industricbctricbc und Handwerker bestimmt sind. Durch eine Reihe von Beschlüssen wurde dafür gesorgt, daß bei der Verwendung des Budgets sämtliche wirtschaftlichen Schichten berücksichtigt werden. Die Bewilligung eines Betrages für die Vorarbeiten für die S c h e c 111! n a t h O w d i ni bedeutet einen wichtigen Schritt auf dem Wege der Verwurzelung der städtischen jüdischen Arbeiter in Palästina. Es wird beabsichtigt, in der Nähe der Städte Jaffa und Haifa auf Boden, den der K. K. L. beisteuern soll, Arbeiterheimstätten zu errichten, die dem städtischen Arbeiter die Möglichkeit eines Nebencinkommens aus der Gartenwirtschaft geben soll. Der in das diesjährige Budget eingestellte Betrag ist für die ersten Vorbereitungsarbeiten (wie Nivellierung, Einte;־ Jung, Wegebau, Wasserversorgung usw.) bestimmt, die noch der Bereitstellung des Bodens seitens des K. K. L, in Angriff genommen werden sollen. Es ist zu hoffen, daß die gesteigerten Einnahmen des K. IC. L. im nächsten Jahre eine baldige Ausführung dieses Planes ermöglichen werden. Der für ״öffentliche Arbeiten“ bewilligte Betrag stellt ein Darlehen dar, das dem Misrad Laowodoth Zihurioth, der inzwischen bekanntlich in den Solei Roneh übergegangen ist, die Liquidierung seiner Geschäfte ermöglichen soll. Es wird an Tel/־;! Graf cnd Ifccodör Ecrzl!(Eine unbekannte Vorrede zu einer russischen Uebersetzung des ״Judenstaates“) »• Im ,,Neuen Wiener Journal“ veröffentlicht Lucian Frank Erdtracht unter dem Titel ״Europas humanster Staatsmann“ einen Artikel, der sich hauptsächlich mit der Stellung des Grafen Iwan Tolstoi zum Zionismus und zu Theodor H c r z I befaßt. Nachstellend ein Auszug aus dem interessanten Aufsatz; Vor einigen Tagen erfuhr ich von dem Tode des Grafen Iwan Tolstoi. Es ist jener russische Staatsmann, von dem Poincarü knapp vor Kriegsbeginn sagte: ״Ich weiß nicht, ob dieser Bürgermeister der Stadt Petersburg, der uns so höflich, aber zurückhaltend mit Salz und Wasser begrüßt 1!״i, Sohn oder Neffe des berühmten Leo Tolsioi ist, jedenfalls ist er ein Tolstoianer, und «och einige solche russische Staatsmänner und wir können sicher sein, daß wenn Rußland nicht gegen uns, jedenfalls nicht mit uns im Kriegsfälle gehen wird,“ Graf Iwan Tolstoi war zur Zeit der größten Reaktion und Korruption, während des n! .risch-japanischen Krieges Unterrichts• und Kultusminister und zu Kricgsbegimi Oberbürgermeister von Petersburg. Als Politiker war er der Bokämpfcr der alles verwüstenden Korruption, die zur Zeit des russisch-japanischen Krieges auch in den höchsten Regienmgskreiscn wütete, als Unterrichtsminister der mutigste Gegner des Rasputinismus, des Symbols der geistigen Finsternis, als Oberbürgermeister der führende und vidieicht in den Rtgieningstellcn der einzige Streiter für die Aufhebung der mittelalterlichen Barbarei, welche die ״Czerta osiedlor.ü“ (Ansiedlungsrayon) Sür Nichtrussen, insbesondere für Juden war. fch war damals in der sechsten Gymnnasialklasse, als ich durch Zufall eine kleine Schrift unter dem Titel ״Der Antiremitismus“ in die Hand bekam. Für mich war es damals die Zeit der Sturm- und Drangpcriodc, ich sah die Welt mit dein unverbesserlichen Optimismus an, ich sah nur gute Menschen und nur Menschen, aber keine durch nationalen 'Haß sich einander bekämpfende Nationen. Ich muß heute »!geben, daß diese Schrift Tolstois, mich zum Judentum bekehrte; noch nie hat ein europäischer Staatsmann mit einer derart rücksichtslosen Offenheit die Judenphobie• entlarvt und noch nie hat ein Staatsmann rationellere Vorschläge tut Bekämpfung des Antisemitismus gegeben, den er die ei'w.'iiK‘t,!1.111 dir;, hi bedeutendem Maß zur Kcutsolidienrnpf dzi lFu;(.׳ou.'s,vn-־״h;!ft Uriiragcit wird. Ls kann ubsvhhrüenvi werde;!, daß das neue Budget im großen und griii/.eu eine normale Entwicklung des jüdischen Sicdlungswerks in den bisherigen Grenzen gewährleistet, die Mangel des trüberen Budgetierung!Systems :uiliiebt und Ansätze zu einer 01״הו1ל־ di.11g und Stärkung der wirtschaftlichen Positionen, enthalt. Für die Fortentwicklung und Vcrgtüßcrimg der Wirtschaft, für eine Ausbreitung der Eiuwamlorimgsmftglicbkcitcn, für die Schaffung neuer’ Sicdhmgspimktc ist die Ersclilienung weherer H'uiiialiiiieqiu’llen, ist die erhöhte Opferwilligkolt des jüdischen Volkes eine unbedingte Voraussetzung. In erster Linie ist eine Vergrößerung der bisherigen Keren Hajcssod* Ein!!,ahmen notwendig, ein Ziel, das sich alle vor Augen halten müssen, welch« ein Wachstum des Palästinawerkes ernstlich wünschen. Die Zeit ist gekommen, insbesondere von den Zionisten ganz andere Anstrengungen als bis mm zu verlangen. Soll die Aufbauarbeit in Palästina in wirklich großem Maßstah woitergeführt werden, so muß das gesamte jüdische Volk in einem viel größeren Ausmaß als bisher an der Bereitstellung der Mittel für Palästina tcihichmcn. Das Budget für das nächste Jahr ist nur ein Minimum. Soll die Ein- Wanderung in ansehnlichem Ausmaß wachsen, so!miß der Keren Hajtssod weit mehr als dieses Minimum zu seiner Verfügung haben. Bas autonome Acpy«>ten In1 ״Prager Tagblatt“ schreibt der Herausgeber, Rudolf Keller: ״Aegypten, in dem der gestern noch, verfolgte Hochverräter Sa ad Pascha Za gl ul Premierminister und Führer der emriandfeimilichen Unahhängigkcitsnartei ist, bat kurz nach dem Kriege seine Souveränität von Großbritannien geschenkt erhalten und spielt nun mit seiner jungen Selbständigkeit wie ein Kind. Wie in so vielen anderen jungen Staaten, ist in Aegypten eine Hochkouiiinktur der Lackierer ausgebrochen. Alle englischen Aufschriften werden fiherpinselt amd in den Farben des neuen Staates ägyptische Aufschriften an iitre Stelle gesetzt. Ein Heer von eingeborenen Beamten hat sich auf das Land gestürzt, erhält sehr kleine Gehalte und frißt trotzdem das reiche Land kahl, Die eifersüchtige Nation,iltstenprrsse wacht darüber, daß kein Fngl;inder mehr neu nngestcllt wird. Ein Hauptorgan der Eingeborenen heißt ״M i s r" — dies ist der ägypfische Name für das palästinensisch«• Mizraim — und vertritt die Parole: Misr nur den Misrun. Der ״Misr“ erlaubt nicht, daß Niclii.'igynier Beamtet«■,Hier! erhallen. Aller die F.rfMge der ägyptischen Nationalisten fiir die Allgemeinheit sind keine besseren als die der deutschen oder der tscbechisehen Nationalisten. Kairo wird unter ihrer Herr«11,1־׳ ft rasch zu einer verfallenden Stadt, eine Korrupfion hat den Staat ergriffen, von der man sich kaum eine Vorslellnug machen kann. So sind in Aegypten die unentbehrlichen Niliihrrschwcmmmir״'« ausgehlicben, seit die Nationalisten die SchlcusenwächtcrstcUen unter ihre Parteigenoss׳•»;! miffeilcn. Diese SchletiscnbcanPcn, die über Sein und Nichtsein der wertvollen Riumwollpflanzen entscheiden, haben Gehalte von wenigen hundert Pfund und können sehr schwer der Versuchung widerstehen, in zwei Jahren 20 000 Pfund 711 machen, ln einem Blatt erzählt ein eingeborener Banmweßpftanzer, d־׳r unter der britischen Verwaltung niemal« eine Schwierigkeit hatte, daß innerhalb eines Monates nach der Uehrrgabo an den eingeborenen Ingenieur das Wasser zu fließen nufhörte, norh dazu zu Beginn der Baumwolle,aison. Reklamationen erwiesen sich als ganz erfolglos. Schließlich sandte er ein Trinkgeld lind ein Paar Stiefel an den Nachtwächter des Schleusentores. Am nächsten Morgen war er überflutet. Zwei Dörfer, die an demselben Kanal lagen, organisierten eine öffentliche Subskription, bei der der ägyptische Ingenieur 120 Pfund erhielt. Fr erklärte ganz offen, von «einem Gehalt könne er nicht leben.“ Diese Darstellung der neuägvptischen Verhältnisse beweist, daß der Wunsch nach politischer Unabhängigkeit und Autonomie noch nicht genügt, Um sich auch selbst vorwalten zu können. Die I7d5iancs(!k0£*erenz fn ranzig Anläßlich des XIII. Zionistenkongresses beschlossen einige Führer zionistischer tngendvcrbäiulc’ Europas die Errichtung einer Zentralstelle für jüdische lugcndhewcgimg, mit dem Sitz. in Berlin. Aufgabe der Zentralstelle sollte es sein, möglichst mit allen zionistischen Jugendverbänden der Welt in Fühlung zu treten, um die gemeinsamen Fragen der zionistischen Jugend zu einer Klärung zu bringen. Nach mehrmonatiger Arhcitserfahrung stellte sicfi die Notwendigkeit heraus, eine Konferenz cinzuberiifon, an der möglichst alle bestehenden zionistischen Jugendverbände teilncbmen. Diese Konferenz ist nunmehr für den 2. bis 4. September einberufen, und 23 zionistische J11 ge n d v c r b ä n <1 c haben ihre i Vertretung rugcr.ngt. Zum erstenmal seit Bestehen der /!0. I nistisdicn Organisation werden also in Danzig Vertreter w!״!. iicher Jugcndverbamle teilnclimen. Für den Aufbau!>;!. Fistinas und für die Stärkung der Zionistischen Organisation . ist die Erfassung der Jugend von größter Bedeutung. I).e:,et; Einsicht hat sich auch die zionistische Exekutive nicht ver• I schlossen; sie begrüßt die Konferenz der 23 Jugcndvcr• } bämlr mul wird auf ihr vertreten sein. Die Tagesordnung i der Konferenz lautet folgendermaßen: I. Eröffnungsrede.! 2. Referat über den P.ilaslin.i-Aulßau und über die Lage j in der zumistischen Bewegung. 3. Wahlen eines PruMdimm; und der Kommissionen. 4. Berichte der Zentralstelle und; der Vcrbnmlsdclegicrtcu. Programm und Arbeitsmethoden des; Wc'Uverbandcs. <>. Stellung zum a) Hechaluz, b) as'bcitemifn Ercz-lr.raei, e) zur zionistischen Weltorganisation. 7. Weit, verband und Jugend in Erez-Israel, 8. Zeitschrift. 0. Hinan, zierung. t(». Staiuten-Fcstsctzung. 11. Wahlen der Leitung und der Geschäftsführung. Fallt man die einzelnen Punkt« der Tagesordnung unter größeren Gesichtspunkten zusammen, so ersieht man, daß zwei Fragen von entscheidender Be■ dcuiimg für das Gelingen der WeUjugcudkotiferciu sein werden: 1. Die Vereinigung sämtlicher zionistischen luge ml• verbände zu einer Weltjugend-l iga unter dem alleinigen Gesichtspunkt der zionistischen Idee und der Zionistischen Organisation, und 2. die Schaffung einer gemeinsamen Platt• form für die Erziehung zu Quihizim für den Aufbau Palästinas mit Ablehnung der F'estkguiig auf ein bestimmtes Parteiprogramm. Der zionistischen Jugend der Welt soll auf dieser Wclljugciid-Konfcrcnz zum erstenmal die M׳!,:. lichkeit gegeben werden, gemeinsame Wege und Richtlinie!: für eine zionistische Jugendarbeit zu finden. Wer den Aufbau Palästinas aufmerksam verfolgt, weiß, daß es eine der wichtigsten Aufgaben der gesamten zionistischen Bewegung ist, einen Nachwuchs für die Zionistische Organisation und Menschen zu erziehen, die sich für die palästinensische Land, wirtschalt eignen, besonders dann, wenn sich die finanziellen Leistungen für Ercz-lsrael steigern werden. Rückgang der [OJisdien Bevölkerung in Polen Unter der Uebcrschrift >?Die Juden in Polen und ihre Zukunft“' veröilcnthcht das führende nationakkinokratischc Blatt ״R z c ez po s p o 1 i t a“ einen längeren Artikel, in welchem fcstgestcllt wird, daß unter der jüdischen Bevölkerung Polens eine starke Umschichtung vor sich geht. Vor dem Kriege wohnte die Mehrzahl der Juden in dem Ostfell Polens, so in der Gegend von Suwalki, Siedler, Lom/a und Lublin, ln dem gewesenen Gouvernement Lomza z. B. erreichten die Juden 10,4 «0 der allgemeinen Bevölkerung»• zahl, fn der letzten Zeit hat sich die Zahl der Juden in diesen Gegenden bedeutend vermindert, da große Teile der• selben in die Handels- und Industriezentren gewandert sind. Die I I.'inptUrsache liegt darin, daß die jüdische Bevölkerung dieser Gebiete durch den Krieg ruiniert worden ist. Gleich• zeitig mit dieser Umschichtung hat ein allgemeiner Rückgang der Zahl der Juden in Polen stattgefunden. Im Jahre 1012 lebten in Polen 2830000 Juden, d. s. 10,4״'® der allgc• meinen Bevölkerung. In dem eigentlichen Kongrcßpolcn betrug der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1003: 14,6. Während des Krieges fiel der Prozent• satz auf 14,2. Die Statistik des Jahres 1<)21 weist trotz der Zuwanderung aus den Ostgebieten einen beträchtlichen• weiteren Rückgang im früheren Kongreßpalen auf. In Galizien machten im Jahre 1S90 die Juden 11,7 gb der Bevölkerung aus, im Jahre 1021 bloß noch 0 ".0. ln Poincrcllcn, wo die Zahl der Juden im Jahre 1010 0,8 «3 betraf, sank sic i!n Jahre 1921 auf 0,5 0/9 herab. In Posen zählte man 1010: l,3״v> Juden, jetzt nicht mehr als 0,7 0/®. Trotz der fast auf che tlälftc verminderten Zahl der Juden in Posen verlangt die ״Rzeczpospolita“, daß man weitere Mittel er• greife, um zu verhindern, daß ״diese rein polnische Provinz von Juden überschwemmt wird“. Die Zeitung schreibt weiter; Die Konzentrierung der Juden in den Handels• und Industrie• Zentren, wie Warschau, Lodz und Lemberg, gibt der jüdischen Politik die Möglichkeit, sich auf kompakte jüdische Massen zu stützen. Gruppe V/cst ■ Charlottenburg B. Z. V. Mittwoch» tien 8. 8*pt«xnber WH, 1»b0n4a pünktlich VjÖ Ufcri Kurt Blumenfeld ״Das Schicksal der Zionistischen Organisation.״ Auiiprkchf. A110 MitgHodor mul Kretmd* dar B. Z. V. sind b#«Un• «mgtUdon. Ort: Logonhaai, Xlciststra••• 10. ״dauernde Krankheit Rußlands und den wichtigsten Faktor des Abgrundes, in den Rußland ging,“ nannte. Zu jener Zeit entbrannte in Rußland der Kampf um den Beilis-Prozcß, jenen Ritu.1hnordpro7.ell, der wieder den dunklen Kräften der ״Schwarzen lluiKlert“ Gelegenheit gab, Pogrome zu veranstalten und ihre Macht überall zu begründen. Dieser Prozeß gab mir Gelegenheit, eine größere Abhandlung, über ״den Blufaberglaubcn“ zu schreiben. Das Werk, das ich mit sechzehn Jahren schrieb, erschien knapp vor dem Kriege mit einer Vorrede von Professor Masaryk und Grafen Iwan Tolsioi. Es war eine Revue der Ritualmord- Prozesse, die zur Römerzeit zuerst gegen die Anhänger Christi geführt wurden und dann durch das Mittelalter bis zur Neuzeit von! dunklen Pöbel aut die luden übertragen winden; cs war auch eine objektive Darstellung des Hilsner- Prozesses auf Grund von Materialien, die mir auch teilweise Professor Mnsarvk zur Verfügung stellte, insbesondere aber eine wissenschaftliche Abhandlung über den Biutabcrglauben. Bevor Graf Iwan Tolstoi, an den ich mich nach Durchlesung seiner Schrift über den Antisemitismus unbekannterweise, vielleicht in jugendlicher Naivität, wandte, ein Vorwort schrieb, verlangte er von mir die genaue Inhaltsangabe meines Buches. Ich war ungewöhnlich und freudig überrascht, als ich zuerst, einen ausführlichen Brief von ihm erhielt, in dem er meinen Entwirf sorgfältig und mit bewunderiingswürdiger Sachkunde korrigierte und ergänzte und nach einer nochmaligen Vorlage des’Manuskripts eine ausführlicbe Vorrede schrieb, die in der Oeffcntlichkeit mit Rücksicht aut deren Inhalt und die Stellung des Schreibers ungeheures Aufsehen liervorgcrufcn hat. Der Raum gestattet mir nicht, diese berühmte Vorrede, die der russischen Presse der ,,Schwarzen Hundert“ (so war die öffentlich anerkannte Organisation der Pogromhcldcn genannt) Anlaß gab, heftige Worte gegen Grafen Tolstoi ־zu füll re n und seinen Rücktritt von den!nächsten Stellen, die er bekleidete, zu verlangen, in vollem Inhalt wiederzugeben. Sie hrnndmaride die offiziellen Kreise Rußlands, die ihre!fand den dunklen Kräften in Ihrer, jeden Fortschritt verbeerenden Arbeit, bot, sie wies mit einer seltenen Uncrschrockenheit auf die niedrigsten Instinktc aller offiziellen und nicht .offiziellen, oberen und unteren Schichten hin, auf die Triebkräfte des bestorganisierten Antisemitismus im zaristischen Rußland. Mit beißender Ironie schilderte er die Maskenpolitik der russischen Regierung, die einerseits Im Aiislande um Sympathien der reichen Juden warb, anderscits im Innern die Trägerin des Judenhasses, und zwar mit den Mitteln der jüdischen Finanzlcute, war. ״Die czert* osicdlosti — schrieb er — ist der gelbe Fleck an der russischen Gesellschaft, der aus der Geschichte Rußlands nie auszumerzen sein wird. Menschen, die durch ihre Intclllgenz, Arbeit und ihr Kapital die russischen Städte zur große« Blüte gebracht haben, werden — weil sic Juden sind — in kleine Rayons, moderne Ghettos, zusammeugepfropft und jeder Freiheit und Entwicklungsniöglichkcit, ärger wie Tiere, beraubt. Und wenn der hungrige Mob Geld braucht, cigentlieh seine Führer, dann stürzt er sich am hclliclitcn tag• unter dem Patronate der Rcgicrungsmänner auf die ,go!• denen Judenkäfige' und mordet und plündert. Diese Regicmngspolitik anderen Nationen gegenüber muß früher oder später, da sie auf dunkle Kräfte, Hab- und Machtgier sich stützt, zu einer Katastrophe und zum Ruin des zaristischen Ruß- Lind führen. Menschenrechte verlange ich für Nichtrussen, Menschenrechte insbesondere für diese Juden, die das beste staatscrhaltendc Element sind und am meisten verfolgt werden.“ So ruft der an leitender Stelle sich befindend• Staatsmann Rußlands, zur Zeit, wo von links und rechts ei« Sturm über die Juden kam, denen man die Niederlag• im russisch-japanischen Krieg, die Krcditvcrwcigcrung Amcrlkas zuschricb. Einige Monate später ersuchte ich führende Politiker Europas um einige Worte zu den von mir in andere Sprachen veranstalteten Uehcrsctzungcn des berühmten Buches von Theodor I lerzi ״Der Judenstaat“ und erhielt unter anderem größere Zuschriften von Berta v. Suttner, Professor Masa ryk und eine lange Abhandlung vom Grafen Iwan Tolstoi. Graf Iwan Tolstoi kannte Hcrzl von seiner Anwesenheit in Rußland und kannte Palästina, wo er während seiner Oricntreise in Gesellschaft seiner einzigen Tochter einige Tage sich aufhiclt. Er kannte die zionistische Bewegung, wie er auch der beste Kenner des Judcnproblems in Rußland war. Er ersuchte mich zuerst um die Zusendung des Hcrzl* sehen Buches, da er — wie er mir schrieb — Herz! wohl kennt, aber nicht seine Schriften gelesen, obwohl er gehört hat, daß Hcrzl einer der feinsten Fcuillctonistcn und einer der interessantesten europäischen Köpfe ist. ״Zwei Wochen studierte ich,“ schrieb mir Graf Tolstoi, ״den ,Jndcnstaat* von Hcrzl und ich finde keine Worte der Bewunderung füf die sachlichen, vom staatsmännischcn Verstände diktierte» Ausführungen, vom grenzenlosen Idealismus und prophetf*

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