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Jüdische Rundschau · 1924-08-12 · Heft 64 (12.8.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 64 (12.8.1924)
Date
1924-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4G2 TUCDISCHE RUNDSCHÄO Nr. 64 j•■ r.1:5‘?er die Sa/, uns des Ald!c3s־Cc:1!iles Der ״I laolnm" schreibt in seiner letzten Nummer: ״Es Ist hei uns schon üblich geworden, Leitartikel ״vor“ und ״nach‘* jeder Sitzung des Aktions-Coinitcs zu sclircibcn; vor der Sitzung kündigt man ihre Aufgaben an, und nachdem sie vorüber ist, zieht man die Bilanz, und oft ״cschieht beides nur, um der 1 Idilhchkeit zu ״einigen, Hicsuul aber kommen unsere Worte nicht aus dieser (icwoluiheit und es ist auch nicht eine I lüfiichkoitspfliclit, die wir erfüllen. Es ist jetzt eine dringende Notwendigkeit, •dieses ״nachher“ sich m vergegenwärtigen als eines Problems der Stunde im Loben unserer Organisation, Was soll jetzt geschehen, nachdem wir eine!ranze Woche mit Referaten und Debatten verbracht haben, nachdem wir drei Tage in lu ftigen Debatten hinter den vcraciilnssenen Türen der Koimnissiom n verloren haben, nachdem wir uns die Köpfe ־zerbrochen haben, um diese oder jene scharfsinnige Bormel zu finden, kurz, nachdem schon alles gcsagt ist, was gesagt werden konnte und schon tausendmal vorher gesagt worden ist, und nachdem wir wieder einmal beschlossen haben, was notwendigerweise beschlossen werden!1111151»■ und schon mehrmals, teils einstimmig, teils mit großer Mehrheit, angenommen wurde, — werden jetzt endlich unsere Freunde die Forderung des harten Lebens erkennen? Werden fiie sich dazu aufschwiiigen, was die Pflicht jedes gebildeten Menschen und jedes verantwortlichen Mannes des öffentlichen Lebens ist, n.'imlieh sich anztipassen an das notwendig Koni• incmie und es selbst zu ergreifen, um ihm den eigenen Stempel auf/inlrückeu? Wir wollen offene Worte sprechen: die Jewisli Agency .wird zustande kommen. Heute besieht kein Zweifel nicbr, ‘laß die zionistische öffentliche »Meinung in ihrer überw.ilii-!:enden Mehrheit für sie ist. E111 grober Teil .der Orgnui• sation aut beiden Seiten des Ozeans verlangt sic und sieht in ihr die Verheißung eines Vorvv.irtssclireitens unserer Arbeit. Die verantwortlichsten Führer der Bewegung wollen sie und sehen in ihr den einzigen Weg. der zur Verwiikliehmip unserer Idee in naher Zukunft führt. Beschluß nach Beschluß wird von unseren Sitzungen angenommen, welche deutlich den Willen beweisen, mit aller Beschleunigung diese!•"rage zu lösen auf dem Wege, welchen Dr. Wcizmann iiuf dem XIII. Kongresse gewiesen hat. Eine der wichtigen Fraktionen, die I iitaeluliith, bat schon mehrmals erklärt, »Saß sie der Erweiterung zustinmit und wenn sie dafür Bedingungen aufsiellt, so enthalten diese doch nur Forderungen, die kein einziger von den Fürsprecher» der Erweiterung verneint, am allerwenigsten Dr. Weizmamt selbst, und gegen die bisher auch noch nicht der geringste Widerstand von Seiten der heraiiziiziehciideii Kreise laut geworden ist. Daraus gebt klar hervor, daß das Prinzip der E r wc i t e r u 11 g bereits angenommen ist 1׳״tl keine Möglichkeit besteht, sie zu verhindern, auch nicht durch komplizierte Resolutionen ihren Sinn ins Gegenteil zu verkehren, l/tul angesichts dieser Sach• läge wäre es die Pflicht der Wächter der Reinheit des zionistischen Gedankens, sich dieser Sachlage nnzupassen oder richtiger, diese Sachlage unseren Bedürfnissen anztipnssen und das beste daraus zu machen, Da schon kein Zweifel 11cstellt, daß ihr diesen Schritt tun werdet, Wäre cs nicht viel richtiger, ihn in würdiger Weise zu tun? Wenn wir schon im Begriffe sind, mii neuen Menschen ziisammenzusitzen, wäre es nicht richtiger, ihnen mit Freundlichkeit und Vertrauen cutgcgcn/nkommen? Wenn wir schon eine wich• tige Armierung im System unserer Arbeit vornehmen, wäre cs nicht richtiger,_ dies schnell und in Einigkeit zu tun, und wenn wir so sehr um die Reinheit unserer Idee und der Organisation besorgt sind, wäre cs nicht besser, daß wir uns alle vereinigen in dem festen Willen, unsere Idee zu fundieren und unsere Organisation ausznbaucn? Und dies ist das Problem der Stunde; nach dieser Sitzung, welche neuer• lieh die Wagschale zugunsten der Erweiterer gesenkt hat, wird jetzt den aufreibenden Kämpfen ein Ende gesetzt werden, wird jetzt ein Verantwortungsgefühl für das Schick• snl unserer Bewegung entstehen, wird man jetzt verwirklichen, wovon niaii immer spricht, daß die Organisation selbst ein großer nationaler Schatz ist, werden jetzt unsere Herzen sich der wichtigsten Aufgabe zuwciidcn, nämlich der S .ו m »11 Jung der Kräfte, der Steigerung unseres Lebenswillens, der Befruchtung des zionistischen Gedankens? Wir sind jetzt vor eine große Prüfung gestellt und nur in unserer eigenen Hand liegt es, zu beweisen, daß wir in Wahrheit eine Schöpferische Kraft in der Geschichte unseres Volkes dar• stellen und nicht die Verhältnisse uns beherrschen, sondern Wir der Verhältnisse Herr zu werden verstehen.“ Die InlcraclEonale des Antisemitismus Auf dem in Salzburg abgeb,ilteucn Hakenkreuzlertag stand die Judcnfragc ■im Vordergrund. Ein Antrag verlangte die Einleitung einer Volksabstimmung über die Juden frage, und zwar mit folgendem Inhalt: Die Einreise ausländischer Juden nach Oesterreich, beziehungsweise der Aufenthalt hier soll aut nur 14 Tage in jedem Kalenderjahr beschränkt werden. Eine Ausnahme darf nur für protokollierte Kaufleuic unter Nachweis der Notwendigkeit gemacht werden. Ferner wird eine Heber• Prüfung der bisher erteilten Aufcnthaltsbcwilliguußen, Einbürgerungen und Optionen gefordert. Bei ■Widersetzlichkeiten wären die betreffenden Juden in Inter• nicrungslagern ziisammcnzufassen und von Staats wegen zur Arbeit zu verhalten, Deti Juden ist weiter das aktive Sind passive Wahlrecht in die österreichischen Vor• tretungskörper zu entziehen und die jüdischen Kinder sind in besonderen jüdischen Schulen zu unterrichten, Bis spätestens Pfingsten 1026 soll in Wien ein Weltantisenu tentag siattfinden, wozu mit allen antisemili• cciicn Vereinigungen der Welt ein Einvernehmen hergestcilt werden soll. Da die Einzelheiten dieses Antrages auf dem Pariei lag nicht verhandelt werden konnten, wurden nur die Grundlinien einstimmig genehmigt und die weitere Behänd- Jung der ßundcspartcilcitung übertragen. An den Beratungen nahmen aus Deutschland teil: Der Abgeordnete v. Grafe• Goldcfacc, der Führer der ״Rcichskriegsflagge“ Haupt• mann Rohm, Hauptmajiu P rose he, Kapitänleutnant Krüger und Oberstleutnant A h 1 e in a n n, M. d. R., der letzthin berüchtigt gewordene Verleumder des Abgeordneten Brcitschcid. Eia Uelicrlall aal Palästina * Emigranten In inniMa Der Buknrcstcr ״Adeverul“ meldet: In zwei Waggons, die dem Zuge Bukarest — Constanza angehSngt wur• den, befanden sich 200 jüdische Emigranten, die ihre Reise nach Palästina an traten. Zwischen den Stationen Ciulniza und Fitest» begab sich eine Gruppe von fünf jungen Leuten, die sich als Studenten ausgab, in den einen Waggon fern! begann die Palästinafahrer zu schlagen. Glücklicher• weise hörten im nächsten Waggon befindliche Soldaten die ,Hilferufe der Angegriffenen und machten der Attacke ein Ende. Die Htiligans wurden dem Gendarmerieposten in Jigalia ßbergeben. Es wurde konstatiert, daß sie nicht Studen• tes, sondern Beamte waren. ן־־׳דז öre •Ti-.vact Der W a .ו d Leu m I hat an öle p a lii 81 i 11 e 11 8 f 1 c 11 e liuleniidt nachstehenden Aufruf crln-.seii: ״Der Keren Haj t so d hofft auf den Tag, da es kein Land mehr _ gibt, de*.:,en Jiiiien nicht am Auib.iu des Landes durch Beiträge zum Keren 1 lajessod teilnehmen. Palästina darf keine Ausnahme bilden, obgleich ja die palästinensischen luden schon durch ihr bloßes D.i-u-in 7.11111 Aulbau des Landes beitragen. Die Beiträge der palästinensischen Juden als des l ler/cns des jüdischen Volkes haben auf unser Werk einen unermchlieheit Einfluß.“ Die Uisfradnili haowdlm haklalith war eine der ersten Organisationen, . die dem Keren Hajessoil ihre Unterstützung lieh, indem sic es jedem Arbeiter zur Pflicht machte, <1 cm Keren Hajcssod einen Tages• lohn z u zahle 11. Der gefürchtete Räuber Abdullah Sus, nach welchem die palästinensische Polizei seit drei Jahren fahndetc, ist von einer Truppe palästinensischer Polizei und Gendarmerie in einem Schlupfwinkel in der Nähe von Hebron um/iiigdt worden. Er wurde, da er sich nicht ergeben wollte, erschossen. Der Räuber, der besonders das südliche Palästina hcim/uRucheii pflegte, befand sich gerade auf der Flucht nach T r a 11 s j o r d a n i c 11. Die gegenwärtig in M ckka tagende Konferenz moliammc• dänischer’ Führer nahm eine Resolution •an, in der gegen die Politik zugunsten der Errichtung eines jüdischen N a t i o n a 111 c i m 8 in Palästina protestiert wird. Die Protestresolution wurde vom Scheich Muzfnr, einem Mitglied der palästinensisch-arabischen Exckuiive, angebracht. Die pniiislineiisisriic Nation.it-Bibliothek hat von dein Ca r n e ,״ie f ״st i tu t eine Sammlung naturwissen■ 3 c 11 a f 11 i c h c r Werke erhalten. Di״.־ Hanger J, T. A.•Vertreter teilt folgende Einzelheiten aus dem Bericht des 11 i cd e rl ii 11 d i s c 110 11 Konsuls in J 0 r u s n 1 c 111, 1 kirn Jncobus Kann, an seine Regierung mit: Obwohl der wirtschaftliche Niedergang in der ganzen Weit sich auch in Palästina fühlbar machte, kaitn mau doch hier Fortschritte konstatieren. In den Städten wird fortwährend gebaut: ln Haifa ist neuerdings eine grolle Mühle errichtet worden; die Salzfabrikation und das Ru t h c n ii c r g U n t e r 11 c 11 ni c n schreiten vorwärts. Be• sonders hat sich die T .1 b a k k u 1111 r entwickelt. Jüdischen sowie arabischen Tabakpfianzcrn, eröffnen räch die 11c.-,teil Aussichten; der Tabak scheint von einer vorzüglichen Quali• tat zu sein. Die Ernte war im allgemeinen gut, die Apfelsinen• und Melonenernte gewinnbringend, Palästina braucht unbedingt einen modernen Hafen; die dies• bc/.ügtidini Projekte sind jetzt in Uchandlung. Bei der Vcr• uciuing werden sich auch niederländische Firmen bewerben können. Palästina könnte ein gutes Absatzgebiet sein für Kaffee, Tee, Kakao, Tabak, Reis. Horn, Kokosnüsse, Gummi und Zucker. (Hierfür käme als Lieferant Niederländisch- Indien in Betracht.) Einen sehr guten Absatz würden Kon• server,gemiisc finden. Am 4. Thatnus sind in Palästina drei neue große D r es c 11 m a r. c 11 i 11 c 11 aus England clngctroffen, die fiir Nahalal, Kfar JcchcskicI und Beth Alpha bc• stimmt sind. Sie sind von den Geldern des Keren Hajessod vom Kolonisatioiisdcpartmcnt der Zionistischen Palästina-Exekutive zum Preise von fast £ 600 pro Stück gekauft worden. ״A!if Pa“ teilt nach der ״J.T. A.“ mit: Die seit einiger Zeit in Bciruih geführten Verhandlungen (?) betreffend die Auskeilung von 100000 Juden tu Svrien und im großen Libanon nehmen ihren Fortgang. (Eine etwas mysteriöse Nachricht, die wohl eine arabische Erfindung ist. .Uns ist von solchen Plänen nichts bekannt. — Red.) im •französischen Mandatsgebiet gibt cs f 1111 f jüd 1 sc 11 c Kolon isa tionspunkte, die gegenwärtig, obwohl der Boden sehr fruchtbar und wasserreich ist, für die jüdische Arbeit nicht 111 Betracht kommen. Der Umfang dieser Flachen bcträ״t nicht weniger als S6.300 Dunum. Einer dieser Punkte, linc'lehuda, gegenüber von Tiberins am jenseitigen Uler des K'increthsccs gelegen, ist eine Schöpfung von Juden aus Saf cd welche vor 36 Jahren eine Gesellschaft gründeten, um Vodcn m kaufen und Juden von Safed anziisicdcln. Mit tc’kvoisef Unterstützung des ■englischen Palästina•! rcunücs oir O H p 11 a n t kauhm sie ein Stück Land von 2110 Dunam Und ISO! siedelten sich die ersten fünf Familien an, welche sich arabi che Hütten erbauten und nach den von den Arabern gelerntes» Methoden Landwirtschaft zit treiben begannen, Ls wurden noch 1500 Du 11 am Irina» erworben «her *nlojgc einer .schweren Seuche wurde aller Verkehr lahmgclcgt und diese ersten Siedler blieben ohne Oeid und ־Lebcltstmttc gänzlich von Palästina abgesdnutien, so daß sic das Land raumen mußten. Die Gesellschaft wendete sich um Hilfe nach Europa und erhielt die Unterstützung der Londoner Chowewe■ 7bn mit deren Hilfe Häuser gebaut und Vieh erworben wurde. Eil Familien zogen wieder in die Siedhing und begannen mit großen Hoffnungen zu arbeiten, als infolge einer Heu׳ schrccketiplarc die ganze Ernte verwüstet wurde, so daß (lb'W) die armen Kolonisten wieder 11nc.11 Safed zttrlickkelircn mußten. Später, als man wieder die Siedlung bezogen hatte, blieb die Hilfe der Chowewe-Zion ata, die Siedlung konnte sch allein nicht halten und wurde allmählich geräumt. Eine einzige jüdische Familie blieb mitten unter Arabern dreißig fahre öiizen. Nach der Eroberung Palästinas durch die Eng• iünder überfielen die Araber die jüdischen Siedler, töteten die Menschen, verwüsteten alles und damit hatte die Kolonie Bne jcliuda zu bestehen aufgehört. Als die Franzosen in dem Gebiete Ordnung machten, forderten 51c die Erben und die Juden von Tiberins auf, Ihren Boden zuriickzunchmeu, aber niemand meldete sich, weil man begründete Furcht hatte, völlig isoliert unter den halb• wilden Arabern zu siedeln. Infolge der entlegenen Lage der Siedlung, die abseits von der Verkehrsstraße liegt, und infolge des Mangels an Dokumenten, mittels deren sich die Btsitzreclue iwcliweLa» HeBcn, dürfte der Boden fast als verloren anzuschcn sein. Die übrigen im französischen Gebiet liegenden vier Punkte — 82.000 Dunam — sind Besitz von Bart«; Edmund Rothschild. Es sind die« die früher fransjordanischet! Böden, welche seit langen Jahren im Bcr.ilze des Baron« die aber, wohl Infolge der Unridierlieit der Gegend, nicht der jüdischen Bearbeitung zupvüihrt wurden. Da dier.es Gebiet nunmehr der französier,!!«! V« ,״;:.״)!־'.׳ unterstellt, 60 wäre c5 jedenfalls von erheblichem Intcrwse, zu erfahren, wie die Frage der Uebcrfülrrung dieser Böden dr:; französischen Staatsbürgers .Baratt Rothschild In jüdische lic.srbeintng steht. Die Exekutive des syrisch •palästinensischen Kongresses hat au alle Syrier und Palästinenser, die in ihren Heimatländern oder im Auslände leben, das folgende Manifest gerichtet: ״Die Exekutive hat sich stets bemüht, die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf unsere natlo naht! Besiedlungen zu lenken, für die Unabhängigkeit und Freiheit unseres Landes chmitrctcn, auf die' wirklichen Tatsachen hlnzuwclscn, damit das Volk erfahre, dafi die despotischen Methoden darauf!!!:!zielen, das Land zur Kolonie zu machen, in welcher die Eroberer 11 nein re• schränkt herrschen wollen. Die Exekutive hat sich bemüht, mit dem Völkerbünde privatia und auch gelegentlich seiner allgemeinen Versammlungen in Fühlung zu treten. Sie hat Delegationen Ui;d detaillierte Memoranden gesandt, uni dem Völkerbund unsere Lage auseinandemisctzen und unsere Rechte vor ihm zu vertreten. Die Exekutive wird diese Meiliodcn fori setzen in der Hoffnung, daß sie :־•ich das Vertraue!! des Völkerbundes noch erobern wird. Jeder Nationalist uns! Patriot hat die Pflicht, der Exekutive allerlei Nachrichten zu übermitteln oder Tatsachen zu schildern, die der Exekutive eine Handhabe bieten, dem Völkerbund und der zivilisierten Welt die ganze Wahrheit zu enthüllen. Man 6011 erfahren, wie das Mandat aus geübt wird, wie hier ein im. pcrialistischcs Verbrechen im Namen der Zivil!, sation begangen wird, und wie das Land deswegen rückwärts anstatt vorwärts schreiten muß. Die Welt wird dann wissen, daß einzig und allein Unabhängigkeit und Freiheit die Basis zum Fortschritt bieten und die einzigen Mittel sind, Frieden und Ruhe im Nahen Osten herzustcllcn.“ DtutachUnd Die Kassen der bayerischen Völkischen sind leer, ln einem Rundschreiben beißt cs: ״Die Landespartei der ,Deutschen Arbeiterpartei‘ stellt heute völlig mittellos da und kann nicht mehr die dringendsten Zahlungen leisten, so daß verschiedene Firmen gezwungen sind, gegen uns klagbar vorzugehen.“ David Bergeisen und Jacob Lcsczynski, die seit einigen Jahren in Berlin leben, beabsichtigen laut einer Mel• dting des Warschauer ״Najcn Hain t“ nach Riga zu über• siedeln. Nach einer Bekanntmachung des Konsistoriums in Kiel findet am 24. August eine Kollekte für die Judenmission statt. Die völkischen Zeitungen veröffentlichen eine offenbar inspirierte Notiz, in der die Deutschen aufgefordert werden, die Kollekte zu boykottieren. In der Notiz wird gesagt, die Judcnfrage sei keine Religionsfragc, sondern eine Rassenfrage; ein Jude bleibe auch nach der Taufe innerlich doch immer ein Jude. ... Es sei eine Unmöglich• keit, den in seinem innersten Denken und Fühlen ganz anders empfindenden Juden mit arisch-christlichem Geist, Gedanken und Empfindungen zu durchtränken. Diese Juden• missiori sei ein Verrat am deutschen Blute. Hierfür scheine der Kirclie und Ihren Dienern jedes Verständnis zu fehlen, denn sonst wäre cs nicht möglich, daß Pastor Schäl fer. langjähriger Direktor der evangelischen Judcnmission, rühmend erklären könnte, daß gegenwärtig mehr als 500 Christ• gläubig gewordene Juden auf evangelischen Kanzeln das! Evangelium von Christus verkündigen. ötnterrdtb •Der Weltsportverband ,,Makkabi“ führt mit dem Präsidium der olympischen Spiele in Paris Verband• hingen wegen Zulnjsung einer separaten jüdischen Vertretung bei der'nächsten Olympiade, die im Jahre 1028 statt linden soll. Der Bevollmächtigte des Makkabi-Weltverbandes In Paris teilt mit: Die Frage der Teilnahme der Juden als besondere Nation an der kommenden Internationalen Olympiade ist noch nicht geklärt. Es wird wahr• scheinlicli eine große interterritoriale jüdische Sportveranstaltung nötig sein, um die Entwicklung des jüdischen Sports der Welt zu demonstrieren. Erst dann wird eine nationale jüdische Vertretung an der Olympiade aktuell werden. Der Makkabi-Weltvcrband plant cm all• weltliches jüdisches Sportfest. Der soeben aus London nach Wien zurückgekclirte Dolegierte des Makkabi-Wcllspartvcrbaudes teilt mit, daß der berühmte englisch-jüdische Sportklub ״Jewish Ath• Ictic Association“ seinen Beitritt zum Mali• ka bi-Wcl t vc rba nd angcmcldet hat. Man erwartet, daß .«ich auch die Jüdischen Sportorganisationen in Südafrika dem Wcltverband ansddießen werden. Cocbccbootownli«{ 1111 Anschluß au das Jüngst vom Außenminister Dr. BencscK dem Journalisten W, Oroßmann gewährte Interview über die MimlcrhciLsrcclite der Juden schreibt die offizielle ״Tschechoslowakische Korrespondenz", daß die Juden der Tschcchoslo• wakei als Nation anerkannt werden, daß aber auch die Assimilationsbcstrcbuiigcn nicht gehindert werden. Die tsclic• elicslowakische Verfassung .׳urkunde enthalte keine taxative Auf• ziililung der nationalen Minderheiten, so daß cs den Juden freistehe, zu welchem Volkstum sie sich bekennen wollen, ln Bezug auf die Scliulfragen werde in der Verfassungrurkunde für das Kriterium einer Nationalität die Sprache gehalten, so daß jüdische Schulen nur dann atu öffentlichen Mitteln bewilligt werden könnten, wenn sie entweder hebräisch oder jüdisch als Unterrichtssprache armehmen würden. Forderungeiy nach öffentlichen jüdischen Schulen mit deutscher, tschechischer, slowakischer und anderer Unterrichtssprache würden daher der Verfassung widersprechen, wenn es sich um keine konfessionellen Schulen handelt. (Wenn diese Auslegung auch formell zutreffen sollte, so ist es klar, daß die Unterstützung ausschließlich hebräischer Schulen von Staats wegen vielleicht im Interesse des nationalen Charakters der tschechoslowakischen Juden, keineswegs aber des tschecliisehen Volkes oder Staates liegt. Die Hoffnung, auf diese Welse die Gründung nationaljüdischer Schulen wenigstens In den westlichen Ländern der tschechoslowakischen Republik zu verhindern, ist wohl trügerisch. — Red.) In der ganzen Verfassung sei kein Wort von einer jüdischen Nationalität enthalten, wohl aber enthalte der Motivenbc rieht einige Stellen über die Juden als nationale Minderheit. Die Verfassung erkläre vor allem, alle Staatsbürger seien vor dem Gesetze gleich, ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache oder Konfession. Der Moiivenbcriciit macht darauf aufmerk• snm, daß sich die Juden zur jüdischen Nationali* tät bekennen dürfen, nicht aber bekennen müssen. Die Verfassungsurkunde kenne offiziell keine jü• dlbUie Nationalität. ^Das heißt, der Text der Verfassung selbst führt die jüdische Nationalität nicht an, ebensowenig wie er die anderen Nationalitäten aufzählt. — Red.) Nachdem die offiziöse Korrespondenz die verschiedenen jüdischen Gruppierungen aufzahlt, kommt sic zu dem folgenden Schlüsse: ״Wie ersichtlich, bildet schon die politische Judenfrage ein sehr kompliziertes Problem, da die soziologische Einzigartigkeit des Judcnproblcms jeder einheitlichen Formulierung widerstrebe, ein Umstand, der sich auch in der tschechoslowakischen Verfassungsurkunde widerspicgelc, De Tschechoslowakei sei zu keiner eigenen ״Judcnktnuscl“ vcr• pflichtet worden, well man an maßgebender Stelle gewußt habe, daß eine solche Verpflichtung der Tschechoslowakei gegenüber überflüssig war. Dies treffe auch tatsächlich zu. Die tschechoslowakische Verfassung biete allen Bevölkerung*•!׳nippen die Möglichkeit, ihre politischen Ansichten auf recht״ liebem Boden zu vertreten.“ Cfagarn Nach einer Mitteilung des Universitiitßprofcssors Dr. Kart Moor haben steh bis jetzt für das nächste Semester 357 neue Hörer an der Buanpester Universität gemeldet. Nach dein Gesetze des Numerus clausus kann die Zahl der jüdischen Hörer nur 55a der Oesamtzahl aus״׳ 151 i

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