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Jüdische Rundschau · 1924-08-05 · Heft 62 (5.8.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 62 (5.8.1924)
Date
1924-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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' Seite 44ft Kr. 62 Briefe aus Paris r. Der Zionismus vor dem französischen Jude nt u m. In Frankreich fohl es keine j u d e 11 (r ין ה e. Man kam׳, eine fniii/ösische. Juden frage theoreiisieremJ oder polemisierend konstruieren (wie die Ahar und Thron verteidigende Action Fran<,־aiso cs tut), im frau/״:v.1'.chen Volk weilt man nichts davon, Fs gibt keine französische Judenfrage, weil es kenn: "■französischen Juden gibt. Dies ist!initirlk'h ein Paradoxon und;spricht mit paradoxer Kühnheit. In Frankreich ansässige 1Juden gibt cs SO bis 120 000, von denen die allerwenigsten ihren Ursprung vergessen haben oder gar leugnen. Aber für das französische Volhsbewiilitsein gibt es keine fran/.ösi sehen Juden. Der üurdiseiitiiUs-Frnnzose macht sicii vom Juden 11,״' keine oder ganz groteske Vorstellungen, meistens gar keine. Woher sollen ilnn diese Vorstellungen kommen i 1Wa.s unterscheidet den fran/ös'sclten Juden vom französischen (iallier? Dali der französische Jude oft französischer ist als der französische Gallier, physisch, psychisch, iiilellektiieli? . Per crtahreiie Beobachter bestreitet nicht, dal) in vielen französischen Seelen, ganz tief, nur von plötzlichen Gelegenliehen aufgeweckt, eine Verachtung des Jüdischen schlummert, eine sehr vage, oft ironisch betonte Gcringwerhwig des Semiten. Doch dringt diese Einschätzung nur überaus selten!>11 den urteilenden Verstand oder den handelnden Willen. Sie bleibt atavistisch verwurzelte ״Stimmung“, die sich zuweilen in sponianen, absichtslosen Ausrufen äußern kann, die aber auf das große oiler kleine konkrete Ereignis im t;!״liehen Leben ohne Einfluß ist. Denn zwischen jüdischen Franzosen und gallischen Franzosen herrscht Wahlverwandtschaft, bk in die Farbe des ׳Haares und des Geistes. Der Liberalismus Frankreichs, das;Anpassiiiigstalcnt Israels machten aus der Wahlverwandtschaft die heutige Tatsache: es gibt keine französischen Juden. Deshalb gibt cs auch keine französische judenfrage, im Bcvußtsem des Juden genau so wenig wie im Bewußtsein des Christen. Die zionistische Idee überfällt jeden französischen Juden als eine ׳befremdende, vielleicht gefährliche Uebcrrasclnmg.!Wohltätigkeit,. Solidarität übte er stets, folgte darin dem Hang des Herzens!!und der Gewohnheit, der Tradition der!Vorfahren und der großen Familien. Aber woher diese nie gehörte Affirmation von Rechten der Einen, Pflichten der ■!Andern? Wozu diese Aufrichtung stolzer Prinzipien, gebieterischer Argumente, von denen niemand je sprach, ohne die mau vordem sehr befriedigt lebte, wozu diese Forderungen, diese Aufrufe, die Agitation in Szene setzen, da, wo bisher wohltuende Ruhe herrschte! Sollen Gegensätze, die in Vor- {gcssciilieit versanken, wieder aufgeweckt werden? Soll die!.ehr gewichtige FxKtenz einer jüdischen Bevölkerung, die dein Wirtsvolk zum nicht empfundenen, ganz sclbstvcr.standliehen täglichen Dascinsbestand geworden ist, soll sie so Ingressiv proklamiert und mit ii.'dkmalistkchein Selbstbewußtseiii in Zeitungen und Versammlungen awsposnunit werden, daß sehr bald das Eclvo unangenehm von irgend einer Seile hcriibcrschalleii muH? Kurz, banal und wahrlieitsgcnaii: i-st's tlk'scn Zionisten zu wohl? Ist 1ms unsere gegenwärtige Lage nicht gut genug? Man verschone uns doch mit solchen kompromittierenden, völlig nutzlosen Provokationen! Daher die Haltung des jüdischen Bürgers in Frankreich gegenüber dem Zionismus: Indifferenz oder Feindseligkeit. Die zionistische Propaganda mußte sich, in schwerem, wenigdankbarem Kampf, solcher Haltung anpnssen. Die hohen umii.sseiiden Ideen des Zionismus, die schöpferischen!Absichten treten zurück, die humanitäre, allgemein menschlich berührende NCbaitendenz wird zum eigentlichen Sinn der Bewegung erhoben. In den Acunerimgcn der jüdischen Redner und Schrift- Rlellcr vviid der Zionismus zu einem großartigen, an Originalität 1und Ganzheit unvergleichlichen Wohltniigkeiü.unlcriichmeii, 111 Reden und Schriften rein französischer Persönlichkeiten ober wird Zionismus darüber hinaus ein Schulbeispiel, eine Probe aufs Exempel aller republikanisch-revolutionären Tradition, Die Erklärung der Menschenrechte von 1780 gibt, int Geist des offiziellen Frankreich, dem Zionismus sein geheiligte«, unwiderlegbares Dogma. I>ie Situation, die Kräfte und Widerstände sind nunmehr Umrissen. Wir nennen jetzt einige Namen und überschauen dann die Ergebnisse. Für den Zionismus wirkende französische 'Juden gibt es nur ganz wenige.־ (Von diesem Satz sind, wie in der ganzen Abhandlung, Elsaß und Lothringen ausgenommen, andre Traditionen, .selbständige Organisationen machen aus diesen Provinzen ein vom Zionismus (nncrfrankrcichs scharf getrenntes Gebiet.) Französisch-jüdische zionistische Politiker gibt cs kaum. Es gibt eine kleine Gruppe jüdischer, dem Zionismus anhängemler Schriftsteller — ein Lilcraturkapitcl, das hei einer späteren Gelegenheit hier geschrieben werden soll. Was darüber hinaus an zionistischer Tätigkeit in Frankreich vorhanden, ist ziun größten Teil das Werk ewigewandertcr Ostjuden. Trotzdem sind zwei Naincn fcstznhaltcn: Fernand Corcos, Südfranzosc, Advokat in Paris, Mitglied des Zentralkomitecs der Liga liir Menschenrechte, ein Redner von ausgezeichneter Wärme und Eleganz, der von einer Palästinareisc tin sehr gulcs Propagandawerk ״Israel sur la terre bibliqtic“ mitbrachte; und Jacques Cal 111 y, Sekretär des französischen Keren Hajcssod, aus der Literatur zur politischen Aktion gekommen, eifriger Organisator, begabter Rainer und Schriftsteiler. Audi eine Frau, 1 v on neNettcr, ebenfalls Advokat, tritt mit Rede und Schrift für den Zionismus ein. Das offizielle Frankreich konnte den zionistischen Be- *Ircbuiigcu nur freundlich begegnen. Die Regierung Poincare ließ es bei einer wohlwollenden, mit Mäßigkeit ausgesprochenen Approbation bewenden. Der Linksblock, der heule führt, hatte reit Kriegsende seine Führer tu die zionistischen Versammlungen gesandt und sich sogar um ein praktisches Verständnis des zionislisclien Problems bemüht. Heute stehen diese Zionsfreunde an den ersten Stellen im Staat: Paul Painlevü, Präsident der Deputicrtcnkanuner; der Jude Leon Blum, Chef der sozialistischen Kammcrlraktion und somit eine der wichtigsten parlamentarischen Persönlichkeiten; Justin Codart, Arbcitsminister; de Möj! zic, berühmt als Advokat tund sehr bekannt als Senator, der Regierung sehr nahe Eichend und nur durch politische Zufälle von ihr ausgeschlossen. Triv Liga der Me «sch e« rechte unterstützt den Zionismus mit allen Mitteln. Unter da! Professoren der Pariser Universität proklamieren drei der berühmtesten ihre zionisti- •chen Sympathien mit werbendem Eifer: der Historiker 'Aulard, der Aesthetiker Basch und der Nationalökonom Charles Gide. Ministerpräsident Her riot empfing vor j u r.!131 oL.iiiiü »w er 1* il?oCi#ä 1 i%d)!;־:ir/i'in Prof. ,Wir/Siianl!‘. Ilcrri.»!! fei r.Icti I!Ia jetzt mit ziouisfisdiui Fragen nicht beschäfligt. Er versprach, sobald ihm dringendere Augelegciilicilcu Zeit Leßcn, dem׳ jüdischen PiobU'ui mit Jnicrc.oe und Sympathie luhcrzulrctcn und die K״nviT:;al:..a fori/uiiihrcn. Die L'ige. ist ah« nichl r.olir Gufadt’, Die T01>rm!Z, das Wohlwollen des chrlstliclin! P'rankreicJi be-Jingt tli׳e Apathie, ja die Feindseligkeit der jiKÜscbej! Bevölkerung. Keren Kajcmclfi und Keren HajcssxxJ haben keinen leiditen Stand. Der K. II.ן obwohl glänzend prii.-.jdicrt (von Dr. Ldon Zadoc• K a h 11, dem Sohn des verstorbenen Großrnbbiiicrs, und dem bckamifen Gcschäftsnianii Isidore Wcill), dringt mir miilisa.m durcii. Sein SubskripticNissystciu ist den französischen Gewohnheiten zuwider, lieber 360.000 Frcs. hinaus hat cs <l:1s finanzielle Gcsamtresnltat seiner Aktion bisher recht bringen können. Der K. K, L. existierte bis Anfang 1024 soznlagen gar nicht. Während der 14 Monate, die dein laufenden Jahr vorangingcii, halte man nlles in allem 10.000 Frcs. ziisainmengebracht. Es wunk* wenig gearbeitet und cs wurde falsch gearbeitet. Das Zentralkomitee griff ein, formierte eine neue Rcgioiialkammixsiön, sah sich die Leute, die arbeiten sollten, auf ihren Arbeitswillen an. Ergebnis: in den letzten 0 Monafen gingen über 42.000 Frcs. ein; aus DO Büchsen, die zahlen, wurden 600 (es sollen 3 000 werden). — Der PaJästhmfHi« wurde im größten Saal der Hauplst.-uft (4 (XX) Plätze) drei Mal gezeigt, dabei bisher apathische Publikumsschiclitcn erreicht, viel neue Interessen und Sympathien, zahlreiche neue Anhänger geworben. Auf die Zukunft fällt damit ein freundlicheres Licht. Der Präsident des K. K. L. ist seit Jahresanfing A r m a 11 d F 1 c i 6c hin a an, Lr hat einen Kommandanten der Ehrenlegion, den General Geismar als Ehrenpräsidenten gewonnen und hat große, realisierbare Pläne. Sylvain Cahn. Slipsg des Bonrd 0! DcpaUcs London. (J. T. A.) Am 27. Juli fand eine Sitzung des Board of Deputies statt. Der Präsident, Herr M. S. O. Hcnriqucs, der dc!1 Vorsitz führte, feilte mit, er werde an der atn 5. September in Stockholm beginnenden internationalen jüdischen Konferenzteilnehmern Die A 11 s I ä 11 d c r f r;1 g e: Colonel Walcy Cohen besprach den gemeinschaftlichen Bericht des juridischen, des parlamentarischen und des ,auswärtigen_Komitecs. Der Bericht bezieht sich auf einen Brief des Ministers des Innern in Sachen der Deportation, Rcgislrafion und Naturalisation. Der Innenminister teilt mit, daß die Depoilalionsorilner nicht zurückgezogen werden könnte, da sonst die notwendige Kontrolle über die F re m d c 11 i!11 m i g ra t i o n ernstlich bceinträchtigt würde. Die Annahme eines Vorschlags, nach dem gewisse Ausländer von der Registration befreit werden sollen, sei!mmüpjieh. Was die Naturalisation angehe, so werden der Board of Deputier, sowie andere verantwortliche Körperschaften ersucht, auf besondere Fälle aufmerksam zu machen, so unmentlich aut soziale Verhältnisse und Verdienste der um die Naturalisierung Aiisuelienden. Einige Mitglieder drückten ihre Enttäuschung aus über die Antwort des Ministcriums des Innern. Herr Henrioucs sagte, mich er sei von der Antwort tief enttäuscht, dennoch ist ei'11 merklicher Unterschied in der Naturalisations- und Deportationspraxis gegen früher zu verzeichnen. Fr glaube nichl, daß gegenwärtig die Zeit günstig sei, eine Aeiiderung des Gesetzes anzuregen.' Der Bericht wurde angenommen. Die ernste Lage der Transemigranten in E a s 11 c i g 11 C a m p. Ernst Schiff erstattete den Bericht des Auswärtigen Komitees. Dieser enthält Einzelheiten in bezug auf die jü rlis eben D11 r e 11 w a n d c r c r, die in L a s t 11* i g!1 in d!׳r Nahe von Southampton infolge der Abänderung des Immigrationsgesclzes in den Vereinigten Staaten stecken geblieben sind. Es wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß eine lange Zurückhaltung in Eastlcigh zu Massenselbstinorden unter den Emigranten führen wird. Fs benötigten noch ■100 Menschen Unterstützung. (Siche mich die Nachricht in Nr. 61 d. R.",) I.ueien Wolf berichtete sodann über seine erfolgreichen Bemühungen für Flucht. I i n g c in R u in ä n i e n. Die lea hat wiederholt große Summen liir die Fliirlitliiigc gegeben. Seiner Ansicht nach wäre die Lage der Juden in Südrußland keine schlechte. Dr. Jo c 11 e Im an wendet sich scharf gegen die Bc* hauptung, daß die Rückkehr nach Rußland möglich sei. I'.s würde ein Verbrechen sein, die Juden dorthin zuriickzn schicken. Das Zwangs-Sonntagsru hegesetz in Saloniki: Herr d’Avigdor Golds mid teilte mit, daß die Frage der Sonntagsruhe in Saloniki dem britisehen Auswärtigen Amt unterbreitet wurde. Er teilte ferner mit. daß der Fall des Numerus clausus in Ungarn nicht eher dem ständigen internationalen Gerichtshof unter■ breitet werden wird, als bis nicht das Joint Foreign Committee darüber beraten haben wird. Ans der jEdlsdien Welt Grct - ־Israel Aut Wunsch der Histadruth Haowdim in Palästina beschäftigt sich die Exekutive der eng- I i s c 11 c 11 Gewcrkschaftsverbnndc mit der Ausarbeifung eines Memorandums an das Kolonialamt, in welchem die Einführung verschiedener sozialer Reformen für die Arbeiterschaft Palästinas im Einklang mit den Beschlüssen der internationalen Gewerks c 11 a f t s k o n f e r c 1! z in Wien gefordert wird. Herr E. S. Kadoorie, der Präsident Tier Zionistischeu Organisation in China, und mehrere Mitglieder des Keren Hajessod-Komitecs herate.11 gegenwärtig über den Plan, eine Gartenstadt in Palästina mit Hilfe der Juden aus dem Fernen Osten zu errichten. Die Gartenstadt soll von beträchtlicher Ausdehnung sein 11ml neben den W0I111vierteln Industriebauten, eine Herberge für Immigranten aus dem Fernen Osten, eine Bank, ein Theater, Synagogen, ein Rabhincr-Kolleg, Parks, Plätze, Fontänen usw. erhalten. Die Steuern und Abgaben der Gartenstadt sollen zur Erbauung und Erhaltung verschiedener Institutionen, einschließlich des Immignuitciiheims, dienen. OcutarMvnd Das Plenum des bayerischer. Landtags boschäftigte sich noch am letzten Sitzungstagc vor den Forlen mit den völkischen und dcutschnationalcn' Anträgen über die Entrechtung der bayerischen Juden und der Ausweisun'g und Enteignung der ausländischen Juden. ■Die Rechtsparteien, die die Anträge einbrachten, waren unter* einander nicht einig und die' eine Fraktion half mit, die Anträge'der anderen Fraktion uiedcrzsistimmcn. So kam cs, daß sowohl die wcitcrgchcnilcn Anträge der Völkischen, als auch die von dem Verfassungsausscliuß angenommenen und auch von der Majorität der bayerischen Volkspartci gebilligten Anträge betreffend die Namensänderung der Juden und die Statistik der jüdischen Staatsbeamten abgcich nt worderi sind. י ׳יי ׳־ ׳יי' יי׳,'•־* Der im Stadtviertel Eilpe der Stadt Hagen (Westfalen) aj,, gelegene Friedhof der Hagener jüdischen Gemeinde wurde 29. Juli in vaudali'.clicr Weise verwüstet. Die ltagen'■! I.okalprcr.se betonte, ״daß seit Jahrhunderten in Dcu'ixc'!. laml Kein jüdischer Friedhof so zugerichtet wurde“. Am orte fand 111;! 11 ein Hakenkreuz, so daß angeiioimncii wurde die Tater seien völkische Antisemiten. Tags darauf \vurd n* jedoch als Täter vier Männer und zwei Frauen verhaftet, 1\l{ der kommunistischen Partei angeboren, und die d1( Tat begangen hatten, um den Verdacht auf ihre völkischen Gegner zu lenken. Ozatcrreteb Am 30. Juli starb in Wien der langjährige Sekretär der. Oesterreich isch-Israclitischcn Union, Siegfried Fleischer, im Alter von 08 Jahren. Fleischer, chcnial!: der energischste Verfechter des liberalen österreichischen Juden.! tuins, näherte sich im Verlaufe *einer langjährigen jüdisch. ' politische« Tätigkeit immer mehr den Zionisten und trat bei den letz.ten Wahlen in den österreichischen National, rat für die gemeinsame J-istc der Union und der Zionisten ein, polen Die n c 11 g e 'v ä h 11 c Warschauer jüdische Ge. ‘ m c i 11 d c v c r tr e t!1 n g , deren erste Sitzung, wie wir seiner■ zeil gemeldet haben, einen so stürmischen Verlauf genommen hatte, ist nach langen Vorverhandlungen zwischen den ein• zellten Parteien neuerdings zu einer Sitzung zusaniinengctreten, in der nach Annahme einer P r o t c s t c r k 1 ä ru n ״ gegen das Verbot,jiddisch zu verhandeln, ein!1 e u es Präsidium mit einem Zionisten an der Spitze gewählt wurde. -- Die neugewähite Lntl/er jüdische Cic■ meindevertreüing wählte als Vorsitzenden den unparteiischen Orthodoxen Bndzyncr tmd zu seinem Stellvertreter den Zionisten Ingenieur Bronschkcr. Der neugewähite Gcmcindcvorsitzcnde erklärte, daß er cs entschieden ab- I c 1111 c, mit der A g u d a 11 zusammen zu arbeiten, In St.inislau ist der dortige Abgeordnete des polnischen! Sejm Dr. Rubin Jonas im Alter von 54 Jahren gestorben. *' Der Verstorbene war eine der populärsten jüdischen Person-! 1 lichkeitcn Ostgalizicns; er stand seit 30 Jahren in der! : zionistischen Bewegung. j ‘ Der Vertreter der Arbeiterbank, Jehuda Lcviatow, j; setzte während seiner zweimonatigen Anwesenheit in Ost•}־, galizien •1000 Aktien der Bank ab. Ein Komitee, das er I : vor seiner Abreise nach Palästina begründete, verpflichtete 1 > sich, in den nächsten Wochen weitere 1000 Aktien der Bank i! in Ostgalizien zu!•erkaufen. hu jüdischen Vieriei Warschaus hat ein Soldat in *; eine Gruppe vor einem Hause stellender junger Juden und Jüdinnen geschossen und den'18 jährigen Simon T c i t cibäum schwer v envund et. Dar Soldat flüchtete, 1 wurde aber (ostgenommen und der Polizei übergeben. Der j Zustand Teilclbaiims ist lebensgefährlich. Es bestellt i aber Hoffnung, ihn am Lehen zu erhalten. I Nach dem offiziellen Inforni.itionsbulletin des polnischen > Innenministeriums, erscheinen in Polen insgesamt 53 jüdi sehe Zeitungen, Davon sind 11 Tageblätter, 26 \ Wochenschriften, 3 Halbmonatsschriften, 13 Monatsschriften, ' und eine in unregelmäßigen Abständen erscheinende ncrio■ dischc Zeitschrift. Von den 53 jüdischen Zeitungen sind 5 hebräisch. Als unparteiisch bezeichnen sich 12 Organe, zionistisch sind 0, 5 nennen sich Volksbin ttcr. Außer den 53 erwähnten Zeitungen erscheinen noch mehrere jüdische Tagcsblätter in polnischer Sprache. Rumänien Wie der J. T. A,-Vertreter aus gut informierten jüdischen Kreisen erfährt, beabsichtigt die Bukarest er Univcrsit ä t einen Lehrstuhl für die hebräische Sprache i zu schalfcn. Es wurden bereits Schritte unternommen, daß I der Lehrstuhl schon zu Beginn des neuen Universitätssemesters | besrtzt sein soll. Wie verlautet, wird ein Professor aus | Palästina cingcladen werden, den Lehrstuhl eiiizunchmen. Die unaufhörlichen antisemitischen Ucberfälle auf die jüdischen Passagiere der transsylvanischen Eisenbahnen haben dazu geführt, daß die Juden die Eisenbahnen überhaupt meiden. Es wurde ein besonderer A 11 i o m o b i I v c r k e 11 r für jüdische Reisende an den wichtigeren Verkchrspunkteu eingerichtet. Der Präfekt des Kreises M .1 r m;1 r 0 s c 11 - S z i gc t im rumänische» Siebenbürgen, der sich schon oft durch anti• jüdische Maßnahmen hervorgetan hat, hat unlängst ange• ordnet, daß der Wochenmarkttag der Krcisliauptstartt Marmarosch-Sziget am Sonnabend, statt wie bisher am Montag, »!!gehalten werden soll. Dadurch sollte dem jiklischeu Hamlc-l ein empfindlicher Stoß versetzt werden. Diese ״Reform“ hat aber unter de!! Bauern der Umgegend, die auf den jüdischen Handel angewiesen sind, große Empörung hervorgerufen. Der Präfekt mußte sich dazu verstehen, die bisherige Ordnung wieder herzustcllen. Nach einem Telegramm aus Budapest wurden die Urlieber des Anschlags, dem die Synagoge Joszahcly (Josasel) zum Opfer fiel, verhaftet und sie haben bereits ein Geständnis abgelegt. Es sind dies der Universitätshörer Pavel Ivan aus Klausenburg und der Taglöhner Paul Serb. Wie weiter festgestellt wurde, war die Absicht der Attentäter darauf gcrichtet, die in der Synagoge versammelten Gläubigen ums Leben zu bringen. Da aber die Zündschnur zwei Stunden länger zur Zündung brauchte als berechnet worden war, und sich daher die Explosion verzögerte, wurden Menschenleben nicht betroffen. RueaUnd Von den •ID jüdischen Studenten, die an dem Moskauer landwirtschaftlichen Institut studieren, wurden 38 Opfer der sogen. ״Reinigung von nichtproic* ta rischen Elementen". Die Ausschließung erfolgte unter der Begründung, daß die Betreffenden ihrer Herkunft nach keine Beziehung zum Boden (!) haben. Auf dringliche Bitten hin wurde ein Teil der Abgewiesenen aber zum weiteren Studium zugclnsscn. Die Hauptverwaltung für professionelle Bildung beim allrussischen Bildungskommissariat bat dieser Tage beschlossen, mit Beginn des neuen Universitütsjnlires eine jüdische Sektion bei der pädagogischen Fakultät der zweiten Moskauer Universität cinzuriehten. Die nötige Summe, wurde bereits in das Budget eingestellt. ■fyawhrefcb Der Organisator des Volkstribunals, das allen Parisern unter dem Namen ״Club du Faubouig“ bekannt ist, Leo Pol des, berief eine _ Versammlung zur Behänd (unf! der Juden frage ein. Zur Diskussion standen drei die Judenfragc behandelnden W'eike: ״Im kommenden Jahre in Jerusalem“ verfaßt von den Brüdern Jl-römc et Jean Thar au d; ״Israels Imperialismus“, von £oß?r״LambcL'" un^ >'13racJ auf der biblisch cn Erde“, von Fernand Corcos. Da Buch der Brüder Tharaud wurde von verschiedener Seite als talentvoll gelobt. Doch erklärte der anwesende Jude Ferdinand Lop, daß che heulen Verfasser Antisemiten seien und das jüdische Leben falsch und einseitig dacstcllen. Sic hätten sonst nicht

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