Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1924)
- Date
- 1924-07-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652649--15906-2675247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 41S JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 58 TccüecSiesIovakisdicr Brie! V o 11 unserem l’rajcr Korrespondent«; n. Die k’t/len paar Wochen waren für das jüdische Leben in di r T:.cIh cln>!,l<n a'.i i eine Za! der Konferenzen und Krisen, In Poprad, in der Slovakei fanden zwei wichtige politische Tat*un^cii stall, die d'.T;«111j־f des_Vo 1 k s v c r b a 11 * des der Juden f ii r die Slovakei und die lagum: der Jüdischen Partei; in Prag fand anläßlich der Anwesenheit Ussisclikins «ine außerordentliche lagjuig des Keren Kajemeih Le Jisracl statt. U s־s i s c h k i n besutute .וווו seiner Tournee durch Mitteleuropa die 1 scheciioslovakci; Präsident M a s a r v k niste «huch Mähren und Schlesien, 1׳r empfing auch eine Reihe jüdischer Deputationen, die ihm ihre Wünsche und Beschwerden mitteilten. .Die Tagungen in der Slovakei zeigten eine entschiedene Erstarkung des jüdisch-nationalen Gedankens und waren zutu grollen Teil der Auseinandersetzung mit der politischen Orthodoxie gewidmet, welche m der Slovakei gern die politische Führung der Juden mite hatte, trotz aller Beziehungen zur Regierung und der tschechischen Assimilation jedoch an Loden verliert. Das haben die Wahlen in der P od k a 1׳ p a t 8 k a R 11 s (KarpathoruIlland) zur Genüge gezeigt. Die RcsohUioiie״, welche auf diesen Tagungen in Poprad gelallt wurden, bestätigen vor allem das ‘bisherige Programm des Voiksverbandes: die Wahrung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte der Juden in der Slovakei mit Ausschluß der religiösen Fragen und legten das Hauptgewicht auf die kulturelle Seite der Arbeit der volksbewullien Juden. Die. gemeinsamen Interessen mit den übrigen Juden in der Slovakei wurden hervorgehoben, mul es wurde auch an Palästina mellt vergessen. Die Gründung der Jüdischen Völkerbund־ Liga in der Tsehcchslovakci wurde mit großer Begeisterung begrüßt. Der Delegierten;.■».! begrüßte weiter die hoffmmgsvolle Entwicklung des hebräischen _S eh ul wertes in K a r p a 111 o r u (11 a n d , konstatierte die Notwendigkeit einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt, welche die Ktil'.usgemcindc in Novc M e sto_ (Neustadt in der Slovnkei) zu errichten bereit wäre. Schließlich wiederholte die Tagung den in früheren jüdischen Tagungen wiederholt gefaßten Protest gegen den t s c 11 c c I! i s c 11 - a s s i > in i 1 a t o r i s c h c n Referenten _ für jüdische An■ g c 1 e g c 1111 0 i t e 11 im S c 11 u 1 ־ M i!1 i s t e r i 11 m. Der kurze Zeit vorher staltgchtndcnc Misrachi-Tng in der Slovakei bedeutete auch eine Festigung der misra• cltistisclicn Organisation. Zum Obmann der Partei wurde wieder der Oberrabbiner von Prag, Herr Dr. Heinrich Brody gewählt. Es wurde ein Misrachi-Chaluz-Vcrbaud für die Tschechoslowakei gegründet, die Zentrale in Jerusalem wurde aufgefordert, an die Kreiicrung eines misrachistischcn Pressbüros heranzutreten, und die Budgetierung zu 50 0',״ von den einzelnen Landeszentralen besorgen zu lassen. Von den tschechoslowakischen Misrachisten wurden 500 Kc he■ willigt. Die Tagung stellte fest, daß der Misraclii mit den Zionisten nach außen eine lückenlose Phalanx bilde, hingegen müßten fiir die Durchsetzung der religiösen Anschauungen in der zionistischen Bewegung alle erdenklichen Mittel ergriffen werden. Es wurde eine Resolution angenommen, welche die zionistische Exekutive autfordete, die beiden Herren der Exekutive, von denen bekannt geworden war, daß sie am Sabbat im Automobil gereist sind, — Halpern und van Vrics• ]and — ihrer Posten zu entheben. Die letzte Woche stand im Zeichen des Besuches Ussischkins. Ussischkiin wurde in Prag im W.artesaal 1. Klasse des Wilson-Bahnhofs, den das Eiscnbahnniinistcrhmi» zur Verfügung gestellt hatte, tmd der zu diesem Zweck abgesperrt worden war, mit einer hebräischen Ansprache des Prager Oberrabbiners, Dr. Brodv und anderen Reuen empfangen, welche er hebräisch erwiderte. Es war wohl «1:1s erste Mal überhaupt, daß auf einem Prager Bahnhof eine derartige hebräische Empfangsfeierlichkeit staltgefundcn hatte. Ussischkin sprach in Prag auf einer großen Vers,1mm• lung, die sehr gut besucht war. Vor allem hielt er in einer außerordentlichen Sitzung des Keren Knjemeth l'Jisrael ein äußerst ein gellendes Referat über die Pläne des National- Fonds. Sellen hat man in Prag noch ein so gut durchdachtes Aufbau-Programm und so klare Pläne über den fk>:lenkauf des N. F. gehört, Mit zwingender Kraft stellte er die Situation dar, welche gerade jetzt «len großen Bodenkmsf notwendig mache. Von den ג/נ Million-Pfund, welche Ussischkin in den nächsten 15 Monaten für den Nntional-Fond verlangt, übernahm die Tschechoslowakei 20.000 .CE in einer einstimmig■ angenommenen Resolution. So hat Ussischkin in der Sache selbst hier einen großen Sieg errungen. Was die Stimmung betrifft, die er antraf. so verbarg Ussischkin «ine gewisse Enttäuschung darüber nicht. Gegenüber der Begeisterung, mit der ihm die jüdischen Massen bisher auf seiner Tournee zugcjiibclt haben, fand er in Prag eine weit kühlere Atmosphäre Die Geschichte der Juden au! Sizilien f■ Es kann mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß nach der Einnalic Jerusalems unter Vcspasi.11! und der Vertreibung der Juden, wie nach anderen Gegenden des römischen Reiches, auch nach Sizilien Flüchtlinge kamen, jedoch stammen verbürgte Nachrichten über ihre Anwesenheit auf der Insel erst .aus dem 7. Jahrhundert. In Berichten, welche derzeitige sizilinnischc Bischöfe an den Papst üregorio Magno nach Rom sandten, werden über Juden Mitteilungen gemacht, welche in Palermo, Messina, Catania und Gir• genti ansässig sind. Es wird unter anderen ein Jude mit Namen Snlpingc erwähnt, der des Papstes Schutz gegen Angriffe erbittet. In einem anderen Bericht nn Gregorio Magno beklagen sich die palcrmitamsehcn Juden über die Beschädigung ihrer Synagoge. Als Sizilien im 11. Jahrhundert unter arabische Herrschaft kam, genossen die Juden die gleichen Rechte wie die Christen, sie konnten gegen Bc- Zahlung einer Steuer ungehindert ihre Religion ausiiben, konnten Synagogen bauen und Immobilien besitzen. Unter den Normannen, welche im 12. Jahrhundert die Insel in Besitz nahmen, erfreuten sich die Juden noch größerer Freiheiten als unter den Muselmanen, In seinen Reiseberichten erzählt der spanische Jude Bcnjamino Tudela, daß er unter der Herrsch,alt des Königs Wilhelm If. in Palermo 1500 und ln Messina 200 seiner Stammesbrüder angetrotfeu habe. Merkwürdig genug, daß dann im 13. Jahrhundert unter Friedrich dem Schwaben, deutschem Kaiser und König von Sizilien, den man einen Freidenker und ״Spirito forte“ nennen könnte, Eich die ersten Anzeichen von Unduldsamkeiten bemerkbar machten. Den Juden beiderlei Geschlechts wurde anhcfohlen, {sm sie von anderen kenntlich zu machen, ein rundes rotes Stück Tuch auf ihren Kleidern aiizubringcn, auf welchem amßcr dem Namen, auch der Stand ■anzugcben war. Während der Unruhen und bürgerlichen Zwistigkeiten, die bald den Aniouschcn Kriegen folgten, erfährt man nichts über die Juden, ihrer friedlichen und arbeitsamen Natur zufolge scheinen Eie sich dem Sturm ferngchaltcn zu haben. Erst nachdem Sizilien unter spanische Herrschaft gekommen war, tritt der Rabbiner und hervorragende Arzt Mose■ Bonavoglia aus Messina hervor, der als Hofarzt und Ratgeber des Königs vor. Zu erklären i-t dies vor allem dadurch, «laß das Pr.agcr Jndcmii'ii eben kein politisch» ■t Temperainont 11 ״t, wie etwa die t>. lj־!׳.len, und sieh von Rednern und Vcr1;r.mmk׳ugc;1 mir ävlnvcr lünreißm läßt. Weniger kommen vielleicht für dieses Verhallen politische Momente in Betracht, wie Ussbehkin .־u/michiuc'ii schien, der den Antanogismus zwischen NaiionaUonil und der zionistischen Organisation einige Male hervorhob und vor allem konstatierte, daß die führenden Männer der i.scliccluislovakisclien Organisation der Nationalfond-Tagung und «lem Vortrag Ussischkiiw nicht heigcvvolint haben. Diese Konstatierung veimochte jedoch nichts gegen die Tatsache, daß die Zionisten der Tschcehostovakci eine große Verpflichtung auf ,;;ich genommen haben, welche für sie eine schwere Aufgabe für die nädisfe Zeit werden wird. Präsident Masaryk hat in der letzten Woche eine Reise durch Mähren und Schlesien gemacht. Ann vielen Orten wurde er auch von Deputationen der n a t io u a 1 - j ü d ischeu Korporalioneil begrüßt. In Brünn hielt namens der nationalen Juden Herr Dr. Feld mann eine Ansprache an den Präsidenten und überreichte ihm ein Memorandum, ln Troppa u bc1״ ulkte den Präsidenten unser Gesinnungsgenosse Finzi als Verfilzender der Israel. Kultus,gemeinde Troppnu. Masaryk antwortete ihm folgendes; ״Sic wissen genau, wie ieli und meine Rcgicnin;( siel! den Juden gegenüber verhalten haben, uml ich'werde meinen Prinzipien auch weiter treu bleibe n. Ich stehe auf dem Standpunkt der striktesten Gleichberechtigung aller Nationen und Konfcssionc 11.“ O elcgcntlid! des Besuches in Mähr. Ostr.au überreichte Dr. Rufeisen als Vorsitzender der ־zionistischen Exekutive in «ler Ischcchoslovakvi dem Präsidenten ein Memorandum. In allen diesen Mcnmraixlen wurden «lic Wünsche und Beschwerden der nationalifKÜschcn Bevölkerung, insbesondere in Bezug auf «Ins Ver• h ä 1 ז n i s des Staates zum jüdischen S c h u 1 w e r k vor;׳« bracht. Anläßlich des <10. Geburtstages des Außenministers Dr. B e n e s c 11 Iwt ihn der Jüdische N n t i o 11 a I r a t beglückwünscht. Die Antwort auf diesen Brief, die Dr. Singer vor unigen Tagen zuging, hat folgenden Wortlaut: ,,Geehrter Herr Vorsi'/erder! Sie waren so liebenswürdig, durch ein Olückwimsrbelir. iben meines Gcburls'ngcs zli gedenken. Ich danke ihnen hor/liehst hierfür und ersuche Sie, meinen Dank dem |ii<!Lchen Nation.11r.at in Prag freiindlichst übermitteln zu wollen, zugleich mit der Versicherung, daß ich nach wie vor die Entwicklung der national-bewußten J u d e n 11 c i t in der. Republik mit Interesse verfolgen w i i 1.“ Ausschreitungen slrdkendcr Zlmmorlcule inTel-Awlw Die Z i 111 m e r 1 c u t e von T c I A w 1 vv sind in den Streik getreten. Sie verlangen höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Zimmerleute, Tischler usw., die in «ler Möbelfabrik von Ouralsky u. Krinizi beschäftigt sind, schlossen sich den Streikenden nicht an. Zwischen ihnen und den Streikposten fanden am H. Juli Zusammenstöße 'statt. Die Polizei griff ein, um die Arbeitswilligen zu schützen. 15 Streikende, die der Union der Zimmcrlcute angeboren, überfielen am 16. Juli Herrn Krinizi, den Inhaber der Möbelfabrik Guralsky u. Krinizi, deren Arbeiter die Teilnahme am Streik ablelmtcn, und miß■ handelten ihn. Es kamen auch Zusammenstöße zwischen den von d״n Streikenden eingesetzten Streikposten und den Arbeitern der Fabrik Guralsky u. Krinizi vor. Eine Anzahl der Arbeitswilligen wurde geschlagen. Schließlich erreichten die Streikenden eine Stillegung der Fabrik. Wir möchten diese J. T. A.-Moldung nicht ahdmeken, ohne unserem Bedauern über solche Vorkommnisse Ausdruck zu gehen. Wir hoffen, daß die palästinensischen Arbeiterorgniiis.itionfu seihst mit aller gebotener Schärfe gegen solche terroristische Methoden vorgehen werden. Wird doch dadurch vor allem der gute Ruf unserer Arbeiter in Ercz- Israel aufs schwerste beeinträchtigt. Von umerer (und wie wir hoffen, auch der palästinensischen Arbeiterschaft) prinzipiellcu Abneigung gegen Gewalt m י ßnnluncn abgesehen, ver• stößt ein solches Verhalten empfindlich gegen die eigensten Interessen der Arbeiter. Verkenn'] der Jcseiilwah von Slobodkn nach Hebron Wie die Paf. Tef.-Agcntur erfährt, hat Sir Gilbert Clayton, der_stellvertretende High Commissioncr, .auf Ersuchen des palästinensischen Obcrr.abhinats für 100 Zöglinge der Siobodkaer Jeschivvah, die nach Hebron in Palästina verlegt werden soll, Visa bewilligt. Die Jcscliiw.ah in Slo• bodka (Litauen) ist eine der angesehensten der Welt. tu Warschau ist die erste Nummer der ״Ercz Jjisrocl- Zeitung“, des Organes des Warschauer Palästina-Amtes, erschienen. Der reiche Inhalt der Zeitschrift ist ausschließlich palästinensischen Problemen gewidmet. Alfons H. seinen Einfluß geltend machen konnte, um seinen Stanimcsgenosscn ein ungestörtes Dasein zu sichern, ln der zweiten I lälfto des 15. Jahrhundert zählte inan auf Sizilien 57 jüdische Gemeinden, weiche in den wichtigsten Städten bestanden, wobei Palermo als Sitz der höchsten Gerichtsbarkeit galt. Jede Gemeinde batte ihre Oberen zur Verwaltung, Schlichhing von Zwistigkeiten und Uebmvachting dafür, «laß «lie Gesetze iunegchalten wurden. Jede Gemeinde hatte eine oder mehrere Synagogen, ihren eigenen Friedhof und ihr Fraiienbadeliaus. Die Oberen der Gemeinde wählten ihre Priester. Die Rabbiner nahmen den ersten Sitz in der Synagoge ein, erklärten die Bibel und beschlossen, was. erlaubt oder verboten sein sollte. Sic allein durften den I allitli in viereckiger Form über den Kopf tragen, die anderen trugen, ihn über die Schultern. Zu Obcrrichlcrii über alle sizitia.nischeu Julien ernannte der König Martin«) 1,, Nachfolger Alfons If., den schon erwähnten Bonavoglia und den Rabbiner Giuseppe Abbau,iscia. Dem Ansehen Boii.avoglias ist es wohl zu danken, daß dem Bischof von Mazzara eine scharfe Zurechtweisung zuteil wurde, als ihm eines Tages die Grille kam, die Juden zur Teilnahme an christlichen Festen in der. Kirche zu zwingen. Die Freiheit und Steher* heit, deren sich die sizili,■mischen Juden erfreuten, reizte natürlich auch ihre außerhalb wohnenden Stmnmcsgcnosscn, und so kamen sie von der afrikanischen Küste, besonders von Marokko, aus Frankreich tmd auch aus Spanien herüber. Hauptsächlich in Palermo suchten sie sich nnziisiedeln, wo sic mit größter Gastfreundschaft aufgenomtnen wurden, fm November 1*16I) {eierte die Stadt Palermo mit großem Pomp die Vermählung Ferdinands von Aragonicn mit Isabel In von Asturien. A11 dem feierlichen Umztig nahmen mich 100׳ der schönsten jüdischen Mädchen und Jünglinge teil, wie uns ein Augenzeuge berichtet. Die armen Juden ahnten damals noch nicht, was diese Heirat für sic bedeuten sollte! Nach einem zehnjährigen Widerstand fiel «■mllich im Jahre 1101 die Festung Granada, der letzte Stützpunkt der Maurenherrschaft in Spanien. Unbeschreiblich war die Begeisterung über den errungenen Sieg, der die gänzliche Befreiung des spanischen Bodens von den Mauren bedeutete. Aber angcfaclit durch den berüchtigten Dominikanermöueh Torquemada, artete die Trunkenheit bald ln Sieten soz!־lI.5i‘.־.r.!1e Arbeiter ln Jeresslem verhallet! Sieben jüdische Arbeiter, die der ä u D e r s f e 11 LI ת k e n j der sozialistischen Organisation in Palästina an gehören,_ sind; dieser Tage von den Behörden verhaftet worden, als sic im; Begriffe waren, eine iiiegaie Zusammenkunft ab- , zu halten. Am 13. Juli sind sie in das Landesgefängnis 1 eingclicfcrt worden. Die Mindcrheltsreclile der poltslschen Juden; Eine positive polnische Acnderung! Die dem Ministerpräsidenten Grabski nahestehende polij tische Zeitschrift ,Drogie PoNki“ veröffentlicht einen bemerkenswerten Artikel über die Forderungen «ler nationalen M i 11 d e r 11 c i t e 11 unter besonderer Berücksichtigung der Juden. Der scheinbar von Grabski inspirierte Artikel- ן Schreiber weist darauf hin, daß die Juden in [,ölen stets ein loyales S t a a t s c 1 e tu c 111 waren. Der von mancher; Seite erhobene Vorwurf, tlaß die Juden die Polen hassen,; sei grundfalsch. Die nationalen Forderungen der : Juden widersprechen keinesfalls den p 01-!lisch c!1 S t a a t s i 111 e r c s s c n. Fs sei Pflicht der Staatsl orgnnc, zweifelsohne fcstzustcllcn, daß der sogenannte jüdische ן Separatismus und sein national-zionistisches Programm keinesj weg:; gegen den Staat gerichtet seien. Das nationale Bewußtsein der Juden dürfe bei Polen keine beängstigenden Gefühle hervorrufeu, weil die jüdischen Fordcrimgcn mit den Staatsinteresson in Einklang gebracht werden können. Der Arlikclschreibcr analysiert die Judenfrage, wobei er sämtliche Strömungen innerhalb der polniscltcn Juden bespricht und zum Schlüsse gelangt, daß es im Interesse des Staates liege, den Juden eine ausgesprochene kulturelle Autonomie zu gewähren. In Wirtschaftlieber Hinsicht müsse der Staat dem jüdischen Proletariat einen besonderen sozial-wirtschaftlichen Schutz angedeihen lassen und die jüdische Bevölkerung zum Wiederaufbau des Wirtschaftslebens heranziehen. Eine jüdische Autonomic werde nie irgendwie dem Staatsorg,■mismus schaden können, iin Gegenteil, Hand in Hand mit einer Gleichberechtigung würde sie die Juden zu einem wertvollen Element für den Aufbau des Staates machen. Schon in den nächsten Tagen soll eine von der Regierung eingesetzte Sonderkommission einen Gesetzentwurf zur Regelung der j ü d i sehen und deutschen Minderheitsfragen ausarbeiten. Vereinigung aller zionl.Mischen Organisationen in Polen Warschau. (J.T. A.) Die Zionistische Organisation Westgnlizicns (Sitz Krakau) hat dem Warschauer zionistischen Zentralkomitee beknnntpegeben, daß der letzte Parteitag der wcstgah'zischen Zionisten die Exekutive beauftragt hat, die Bemühungen zur Vereinigung sämtlicher zionistischer Organisationen der Republik fortzusetzen. Die Organisationen in Lemberg und Wilna erhielten eine gleichlautende Verständigung. Oie Zionisten Verfolgungen in Rufilantl Wie der J. T. A.-Vcrtrcter erfährt, sind in den letzten zwei Wochen 17 Mitglieder der linken Zeitc-Zion in Rußland verhaftet worden: einer in Simfcropol, vier in Rostow am Don und zwölf in Minsk. Gegen elf andere Ztire-Zionisten werden jetzt Gerichtsverhandlungen durchgeführt: gegen fünf in der Provinz Tambow, gegen einen in der Provinz Jckatcrinoslaw, gegen einen in der Provinz J a r o s 1 a w, gegen zwei in der Provinz Kostrom a, gegen einen in der Ural- Provinz und gegen einen in uotkolima (Distrikt Zirian). Milte Juli sind 44 rusäsehc Zionisten, die von den Sowjet- Behörden nach Sibirien verbannt worden, dann aber die Er- I. aubuis erhalten haben, nach Palästina zu reisen, mit dem Schiff ״Novorossiisk" in Konstantinopcl cingetroffcn. 18 von ihnen gehören den Z e i r e ־ Z i o n an, so z. B. die Herren Eazarc, Lcvinc, Sclincur, Aronoff und Nahum Plot ki ne, die Mitglieder des Zcntral-Komitces sind; acht sind Mitglieder der Hitachduth, vier gehören der zionistischen Studcntcn-Organisation 11״ c c h a w e r“ an, drei der Organisation ״H a s c 11 o m e r Haz.air“, einer ist Mitglied der ״Maccaban“ und vier gehören der jung-jüdischen sozialistischen Union an. ln einer Unterredung mit einem J. T. A.-Ver'retcr erzählte Herr Lcvinc, daß er und seine Genossen drei Monate in dem berühmten Butirkv-Gcfängnis in Moskau zugehraclit haben. Die allgemeine Lebenslage in Rußland ist fürchterlich. Der politische Schrecken wiitet noch immer in ganz Rußland. Die Zentrale ״G. P. U." (die Nachfolgcrin der Tscheka) hält viele Juden in ihren Diensten, deren Spezialität cs ist, andere Juden zu verfolgen. Es sind wenige Zeichen eines öffentlichen Lehens der Juden in Rulll,am! zu merken, da große Vorsicht in allen Aeulierungen beachtet werden muß. Das Schiff ״Novorossiik“ fuhr dieser Tage von Konstantinopcl nach Jaffa ab. National -und Glaubenswahiisinn aus. Man predigte die Ausrottung mit Feuer und Schwert aller, die nicht spanischer Abkunft und katholischen Glaubens waren. Wie immer, so wandte sich die Grausamkeit zuerst gegen die Juden. Am 31. März 1492 wurde das verhängnisvolle Edikt erlassen, welches die Juden aus Spanien und eleu spanischen Provinzen verbannte. Nur eine Frist von drei Monaten wurde ihnen gelassen, um ihre Angelegenheiten zu ordnen, nach Ablauf verfiel jeder noch in Spanien befindliche Jude dem Tode. Dieselbe Strafe ereilte auch «lic Christen, wenn sie den Geächteten Hilfe leisteten oder Unterkunft gewährten. Den Juden wurde strengstens das Mitnahmen von Gold, Silber, Edelsteinen, Seidenzeug, Brokat, Wollstoffen uml Leinen verboten, mir das Allcrnotwcndigstc wurde ihnen belassen. Ucbcr die Zahl der damals auf Sizilien befindlichen Ju«Jcn herrsch1( Unklarheit, nur von Palermo, der größten Gemeinde, weiß man, daß sie ungefähr .5000 betrug. Größere Gemeinden befanden sich außerdem noch in Messina, Syrakus und Girgenti. Ucbcrall, wo die Juden gewohnt Hatten, hatten sic sich die Achtung ihrer Mitbürger erworben. Man wußte sie als Aerztc, Handwerker mul Kaufleute zu schätzen, sonst hätte sich wohl nicht zu ihren Gunsten der Pnlcrinitaner Magistrat bei dem obersten Statthalter für sie verwandt, wobei er often erklärte, daß die Vertreibung der Juden den Ruin der Stadt und des ganzen Landes bedeutete. Die verhängnisvolle dreimonatliche Frist ging ihrem Ende entgegen. Vom Inneren des Landes und den entferntesten Hafenplätzen kamen die Angewiesenen, um sich alle in Palermo cinzuschiffcn. Es war ein ganzen Volk, welches in die Verbannung ging, und am Ufer stand stumm und bestürzt ein anderes Volk, welches jahrhundertelang in Friede und Eintracht mit ihm gelebt hatte, um den Unglücklichen einen letzten Gruß ziizmvinkcn. Die luden verließen das Land, welches seit Jahrhunderten ihr Vaterland war. Die Auswanderer begaben sich über Neapel nach dem Osten und nach Afrika, ein anderer Teil ging nach Rom, Wo ein freisinniger Papst Ihnen den Aufenthalt gestattete. Späterhin forderten nacheinander drei Könige mit Namen K1״ die Juden auf, zur Belebung des Handels wieder nach Sizilien zimickzukehrcn. Aber die Einladung fand kein Echo mehr, das Jahr 1492 war ihnen zu tief, ins Gedächtnis