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Jüdische Rundschau · 1924-07-22 · Heft 58 (22.7.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 58 (22.7.1924)
Date
1924-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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PoiUcheckkontoi Berlin Nr. 17392, 0«r IlcniBiwu» erttrabl für da» Jüdlacho Volk d;o Schaffung clrior Öffentlich ■> rochlllth gesicherten HelmglMUa ln Pelttstlna. ״Baseler Programm.*• Probleme der A.-C.־ Sitzung Der Sitzung des Grollen Aktions-Komitees, die .וווו 22, Jini beginnt, ging eine Beratung über die Hebräische Universität in Jerusalem voraus, zu der eine ganze Reihe von Sachverständigen und anderen Pcrsönl chkcitc» eingeladen worden war. Die Bedeutung, die der Hebriiischcit Universität im gegenwärtigen Stadium des Aufbanwerks zukommt, nach beiden Seiten hin, der des Vorteils und derjenigen der Gefahren, zu cröricrn, würde zu weit führen. Es genügt vielleicht, darptif hiiizuweisen, daß bei ruhiger Abwägung aller Umstände'auch für den Skeptiker, der vor allem die durch die Universität gefürderte Intellektualisierung des neuen Jisclmw befürchtet, sicli doch ein erhebliches Saldo zu Gunsten des Planes ergibt. Geistig, moralisch und auch finanziell muß die Errichtung eines solchen Geisteszentrums eine große Bereicherung des Jischuws mit sich bringen. Und es ist vielleicht auch besonders die Tatsache zu berücksichtigen, daß im jüdischen Volk gerade für einen soeben Zweck ain leichtesten größere Beträge aufzubringen sind, die ja direkt oder indirekt auch dem wirtschaftlichen Paliistina-Aufbau zugute kommen. Bereits heute stehen schon ziemlich bedeutende Summen zur Verfügung. Es muß in diesem Zusammenhang auf de;1 außerordentlich großen Anteh liiugewiescn werden, der Dr. Wcizmnnn auch bei den Sammlungen für die Universität zufällt. Sind in Jerusalem erst einmal die ersten sichtbaren Anfänge der Universität geschaffen, dann kann wohl auch erwartet werden, daß die Spenden, Subventionen und Stiftungen noch reichlicher als bisher fließen werde». Es ist ein durchaus verständlicher Ehrgeiz unter Juden, ihren Namen mit wissenschaftlicher Forschung und in diesem Falle auch noch mit der Errichtung eines neuen geistigen Zentrums in dem religiösen Mittelpunkt der Weit rerknüpft zu sehen. Juden haben für die Förderung der Wissenschaften immer das größte VciSiändnis bcw.c eu. Dafür mag als ein Beispiel aus den letzten Wochen auch die Anzahl von Spenden im Betrag von 20 00J bis 50 000 Dollar angeführt werden, weiche amerikanische jüdische Pa-omici keitcn unlängst f.ir c'jz l larv r.i-Uu.vcrs.tät gestiftet Baben. Sobald die ersten größeren Gebäude auf dem Scopus-Berg eriichtct und in Benutzung gem>mmcn sind, dürften wir, soweit man voraussehen kamt, in der Universitätsfrage über den toten Punkt hinausgekommen sein. Dann werden wir auch in Jerusalem ein weithin sichtbares Zeichen unseres Neuaufbaus besitzen, das bei den zahlreichen Reisenden und Touristen seine Anziehungskraft nicht verfehlen wird. Im übrigen ist es durchaus wahrscheinlich, daß gerade die Universität jener in der letzten Zeit ziemlich häufig bcklagtenStrömur.g, die die Schüler der palästinensischen Mittelschulen dem Lande und dem Aufbauwerk enfrenukt, eilten Damm entgegensetzen wird. Die Absolventen der pa'ästincnsischcn Mittelschulen, die jetzt gezwungen sind, europäische Universitäten aufzusueiien, werden dann im Lande bleiben können und auch eher in der Lage sein, einen Beruf zu wählen, der auch den nationalen Erfordernissen unserer Arbeit entspricht. Hoffentlich hat die Universitäts-Konferenz zm einer Klärung der noch unentschicdcncn Detailfragen geführt, die hauptsächlich mit der judaistisclien Fakultät Zusammenhängen. Der Sitzung des Großen A. C. selbst sieht wohl jeder Zionist, der in sich tief die Verantwortung der Idee und der zionistischen Organisation gegenüber fühl1, mit einigem Bangen entgegen. Es ist in zionistischen Blättern schon so oft und bei so vielen Gelegenheiten von der schlechthin entscheidenden Bedeutung, die bestimmten zu fassenden Beschlüssen innewohnt,'g.schrieben worden, so oft hat cs geheißen, daß jetzt alles auf dem Spiele stehe und dergleichen mehr, daß es nicht verwunderlich ist, wenn allmählich die großen und feierlichen Worte phrasenhaft klingen. Es ist an dieser Erscheinung durchaus mrlit die Exaltation und Uebertriebenbeit der jüdischen Blätter schuld, die auf das jüdische Temperament und seine leidenschaftliche Anhänglichkeit an politische Ideen zurückzuführen wären. Vielmehr ist cs durchaus natürlich, wenn eine Bewegung wie die zionistische, die eine tägliche und stündliche Revolutionier»!!״ jüdischer Zustände und jüdischer Einzelner in Palästina und der Diaspora mit sich bringt, immer wieder vor Krisen steht, die überwunden werden müssen. Der ruhige, organische Verlauf der politischen Evolutionen bei andern Völkern ist dem jüdischen nicht gegeben. Denn dieses muß sich erst seine Existenz gründen, die die andern Nationen bereits gesichert besitzen. So erklärt sich, daß die zionistische Bewegung immer wieder vor folgenschwerste Entscheidungen gestellt wird. Ungeachtet aber der Gefahr einer Verfälschung des Sinnes dieser Fest- Stellung muß docl! von der jetzt zusammentretenden Londoner A. C.-Sitzung gesagt werden: nun wird cs wirklich ernst mit der Entscheidung über Schicksal und Zukunft der Zionistischen Organisation. Nun erst beginnt nach all den zahllosen theoretischen Diskussionen über die Jewish Agency die Wirklichkeit der unmittelbar zu icalbiercudcii Beschlüsse in all ihrer großen und unendlich schweren Tragweite. Auch wem! die innere Situation im Zionismus noch viel geklärter wäre als sie cs in Wirklichkeit ist, die Einigkeit viel stärker und umfassender, so würde das Gefühl der Sorge und der erwartungsvollen Spannung, mit dem wir die Beratungen in London jetzt begleiten, 1ms ebenso erfüllen. Leider haben die vielfach gckliigcltcn, spitzfindigen lind mit den Realitäten offenkundig nicht zu vereinbarenden Beschlüsse der früheren A. €.-Sitzungen in der Frage der Jewish Agency 1ms nicht das nötige Vertrauen gegeben, daß wir mit absoluter Gewißheit atinchincu könnten, die jetzt zu fassenden Beschlüsse würden glücklicher und •/.weckentsprechender sein. Vielleicht gehen wir trokdem in der Hoffnung nicht fehl, daß im augenblicklichen Moment, da wir vor den letzten Entschließungen stehen, Freunde und Gegner der bisherigen Entwicklung in dieser Frage nicht mehr das A und O des Problems wieder aufrollcn werden, sondern in nüchterner und klarer Betrachtung und Erwägung der jetzt vorhandenen Gegebenheiten und der nun einmal geschaffenen Situation sich vereinen, um das Beste für unser Endziel und die Zionistische Organisatiou darin licrauszufindcn. Ebenso wie wir also erwarten, daß der Frage der Agency nicht mehr mit jener Negation begegnet wird, wie dies früher der Fall war, ebenso hoffen wir auch, daß niemand den Willen verkennen oder gar mißdeuten wird, der in jedem Zionisten, auf welchem Standpunkt er nun stehen mag, lebendig ist: unter allen Umständen, für jede Zukunft, und in jeder Situation die Stärke, die Bedeutung, den Zusammenhalt und die Gestalt der Zionistischen Organisation in ihrer geschichtlich gewordenen Eigenart aufrecht zu erhalten, sic nicht preiszugeben, sondern dafür bis zum Letzten eiuzustchcn, Hätten alle Zionisten die Empfindun״ dafür, daß dieser Wille bei unsern leitenden Persönlichkeiten wie auch in all den Kreisen, die für die Einbeziehung von Nichtzionistcn in die Agency clntrctcn, wirklich vorherrscht und unantastbar ist, daun würden sicherlich die meisten Bedenken verschwinden. Dann würde sich endlich auch bei den Gegnern der gemischten Agency jenes durch nichts zu erschütternde Gefühl Bahn brechen, das uns, die wir für die Teilung der uns verliehenen obersten Gewalt ungeachtet aller möglichen weitreichenden, durchaus nicht zu verdeckenden und zu beschönigenden Folgen cingetrctcn sind, stets begleitet; jenes Gefühl: cs kann uns nichts geschehen, Dieses Bewußtsein nimmt auch dem Problem seine von der andern Seite vielleicht etwas übertriebene Schürfe. Es ist nichts anderes als das Vertrauen in die eigene Stärke und der Glaube an die Kraft unserer Idee. Davor treten Fragen organisatorischer und verfassungsrechtlicher Natur an Bedeutung weit zurück. Es ist falsch, zu glauben, das Schicksal des jüdischen Volkes hänge davon und nicht entscheidend und letzten Endes von. uns allein ab. ״In unserer Brust sind unseres Schicksals Sterne." Das Problem der Jewish Agency, das wohl die Sitzung des A. C. beherrschen wird, soll uns aber nicht den Blick für manche anderen Fragen von Wichtigkeit verstellen. Auf eine, die außerordentlich brennend zu sein scheint, möchten wir wieder hinweisen. Es sind dies die Finanzen der Exekutive, die, wie wir vernehmen, wieder einmal sehr kritisch geworden sind. Wir möchten nachdrücklich darauf aufmerksam machen, daß es un. möglich ist, beispielsweise über Probleme wie den Sitz der Exekutive überhaupt ernstlich zu diskutieren, wenn sich nachwciscn läßt, daß die von allen empfundene mangelnde Aktivität des Londoner Zentrums hauptsächlich in der ewigen finanziellen Kalamität ihre Ursache hat. Es ist außerordentlich traurig, daß die Exekutive sogar auf ihre Hnupteinnahmequcllc, den Schekel, so hnge vergeblich warten muß, da die Schckelsammlung lässig und interesselos betrieben wird. Da bei dieser Aktion der Gesichtspunkt des finanziellen Opfers und die damit verbundenen üblichen Hinweise auf die wirtschaftliche Lage usw. wirklich vollkommen Ausfallen, ist es geradezu beschämend, daß die bisherige Schckelsammlung in diesem Jahre so dürftige Resultate gezeitigt imt. Man sollte doch glauben, daß schon das landsmanrischaftliclie Interesse an einer würdigen Vertretung auf dem nächsten Zionistenkongreß zu einer erhöhten Aktivität anfeuern sollte, wenn schon die schwere Gefahr, In die wir die Exekutive infolge des Ausbleibens auch nur der geringfügigcn, von ihr benötigten Mittel bringen, keinen ge-!lügenden Ansporn bedeutet. In einem Lande mit einer durchgcbildctcn zionistischen Organisation wie Deutschland müßte cs doch möglich sein, die Schckelsammlung in! Verlauf von wenigen Wochen durchzuführen und die Erträgnisse der Exekutive zur Verfügung zu stellen. Was für den Keren Hajessod und den Nationalfonds bei unvergleichlich größeren Schwier'gkeiten erzielt wird, kann bei der Schekelaktion mit viel weniger Kräften erreicht werden, S. K,' Die Jool-EInflinge beim Hauptbüro des Keren Hajessod In London Audi im Juni sind beim K, H.-Hauptbüro in London über £ 39,000,- angegangen, also ungefähr der gleiche Betrag wie im Mai. Wie stets, stammt der größte Beitrag aus Amerika. Diesmal stellt Südafrika mit £ 8,500,— an zweiter Stelle. — Obwohl die Monatscinnalimcn bedeutend höher sind als in früheren Jahren, ist es dringend notwendig, daß die Arbeit für den Keren Hajessod in den verschiedenen Ländern auch in den Sommermonaten mit unermüdlicher Energie und im energischsten Tempo weitergefühlt wird. Die Einnahmen aus den einzelnen Ländern setzen sich 1. Vereinigte Staaten. 20,831.15. 3 2. Südafrika . *. 6,300,—.— 3. Polen: Warschau 1630. 1..7 Wilna 150.10.— 1,780,11. 3 4. Einzelbeiträge .. 1,619. 6. 5 5. Rumänien . 1,437.18. 1 6. Tschechoslowakei. 1,032. 5. 5 7. Litauen . 678. 1. 4 8. Bulgarien . 592.14.- 9. Oesterreich. 403.12. 5 10. Ostgalizicn .... 312. 5. 2 11. Palästina 267. 3. 2 12. Lettland . 257. 1,- 13. Bukowina 218. 5.- 14. Finnland 183.9. a 15. Aegypten 160,-.- 16. Schweden ■ 140. 1. 6 17. Indien ... 127.15. 9 18. Marokko 55.—.— 19. Danzig . 41.16. 1 20. Luxemburg. 43.18. 6 21. EIsaß-Lolliringcn 31. 2.- 22. Verschiedene Länder 17. 6.10 38,832. 9. 1 23. Keren Hagciilah in Palästina 200.- 24. Juwclcnfomls der Zionist. Frauenorganisation 75. 4. 3 275. 4. 3 £ 39,107.13. 4 Die Ausnutzung der Jordan•Wissrrkralt In der Sitzung des Unterhauses vom 14. Juli erkundigte sich Abg. Becker bei dem Staats-Sekretär für die Kolonien nach dem Ergebnis der Ausnutzung der Jordan- Wasserkräfte in Palästina. Er fragte weiter: ״Werden noch Oclmaschincn gebraucht? Und wie groß ist die Gesamtenergie in Pferdekraft ausgedrückt, die durch die Ruthenberg-Projekte erzeugt werden kann?" Thomas erwiderte: ״Wie sich das ehrenwerte Mitglied aus dem amtlichen Berieht informieren kann, wird jetzt Elektrizität in Palästina nicht durch Wasserkraft erzeugt. Die Jaffa- Eicktrizitatsgcscllschaft hat Oclmaschincn von KKX) Pferdekräften installiert, die in kurzer Zeit auf 1250 Pferdekräite gebracht werden sollen. Die palästinensische Elcktrizitätsgcscllschaft installiert ferner Oclmaschincn in Haifa mit 1200 Pferdekräften. Der Jordan-Entwurf sicht die Konstruktion von drei Wasserkraft-Stationen vor, die 24000 bzw. 50000 Fferdekräfte entwickeln sollen. Das Maximalcrgebnis an Kraft, welche durch Wasserkraft in Palästina erzielt werden kann, wird ungefähr auf 200000 Pferdekräfte geschätzt. Die Jordan-Konzession ist noch nicht in Kraft getreten. Teilnahme des Waad Leuml an |ü!!Ischen Wellkoiilcrmen Der Waad Lcumi hat in seiner Sitzung voirt 11. Juü bc* schlossen, an jenen Konferenzen tcilzunchinen, die acr Besprcchung allgemeiner jüdischer Fragen dienen. Er wird üarum Delegierte zur zweiten jüdischen Emi« grationskonferenz, die in Prag vom t2, bis 16. August, sowie zur zweiten jüdische 11 Welthilfskonferenz, die vom 21. bis 26. August in Karlsbad stnttfindct, entsenden. Es ist dies das erstemal, daß sich der Waad Lcumi an allgemein jüdischen Konferenzen beteiligt. Der Waad Lcumi wird auf der jüdischen Emigrationskonferenz In Prag durch die Herren Sprinzak und Tsclicrnovitz und auf der Jüdischen Wclthilükonferenz durch die Herren Ycllin, Kaplan und Tsclicrnovitz vertreten sein. Ein Aotoanlall Nalditscüs Am 17. Juli begaben sich Isaac N a i d 11 s eh , Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrats, und sein Schwager O j a 11 s k y im Auto von Paris nach Diepne, von wo sie noch einen Dampfer nach England zu erreichen hofften. Naiditsch wollte an der am 22. Juli in London beginnenden A.-C.-Sitzuug tciinelimcu. Auf dem Wogt nach Dieppe erlitt das Auto einen Unfall, die Insassen wurden hin.ausgcschlcudcrt. Naiditscii wurde am Bein verletzt, sein Schwager Ojansky war auf der Stelle tot. Naiditsch wurde nach Paris gebracht. Sein Zustand ist befriedigend. (J.T. A.) Die verbannten russischen Zionisten in Palästina Am 15. Juli ist der erste russische Dampfer von Odessa, mit 171 Immigranten an Bord, in Palästina eingetroffen. Unter den Immigranten befanden sich die aus Rußland verbannten Zionisten, die auf Orund einer besonderen Erlaubnis der palästinensischen Regierung nach Palästina kommen durften. 43 Immigranten, die keine Visa bcsaßen, erhielten keine Erlaubnis zur Landung und müssen nach Rußland zurückkehren. Die verbannten Zionisten übermittelten sofort nach ihrer Landung der palästinensischen .Regierung und der palästinensischen zionistischen Exekutive für die Erteilung der Einreisebewilligung ihren Dank.

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