Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-07-15 · Heft 56 (15.7.1924) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 56 (15.7.1924)
Date
1924-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652647--15888-2675227
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sehe ■102 TU HD ISCHE RUNDSCHAU Nr 50 Unsere MinSIffC Arbeit H. Ko 11 s o 1 i d i c r ui! g und Au {bau. Die wirtschaftliche Loge in Palästina hot sich in der letzten Zeit zweifellos gebessert, auch die Stimmung ist viel besser geworden, «her bei genauer Ueberlcgung scheint cs uns, dall die Luge vielleicht etwas zu 0 p 111» 191 i s c 11 beurteilt wird. Der Strom der Touristen hat viel Geld ins Land gebracht, viele der Besucher hüben außerdem au wir!• schaftlichen Unternehmungen im l ande praktisches Interesse gewonnen, die Bautätigkeit hat wieder begonnen, die großen Möglichkeiten des Tabakbaues haben zahlreiche Arbeiter be• schädigt mul die Zahl der Arbeitslosen vermindert. Die Arbeiter sind aus den Städten in die Dörfer gestromt und cs wurde sogar die Parole einer neuen Einwanderung auf Grund von Zertifikaten ansgegeben. Das alles sind bekannte Tatsachen, auf die schon oft hingewiesen wurde. Aber wir müssen der Tatsache ins Auge schauen, daß die Beschäftigung der Arbeitslosen und der neuen Einwanderer zum . grollen Teil Saisonarbeit ist; sobald die Regenzeit beginnt, werden viele dieser Arbeiten wieder mdhüren und da die Arbeiter jetzt schon!.filme beziehen, die kaum das Existeiizniiniimim decken, werden sie, wenn die Arbeit aufhört, völlig subsistenzlos. Diese Tatsache muß bei Aufstellung eines Wirtschafts• planes für das nächste Jahr in Erwägung gezogen werden, denn eine Wiederholung der letzten Krise Von Arbettslosig• keit und Auswanderung könnte für den Zionismus höchst ungünstige Folgen haben. Das Budget für das nächste Jahr muß also so angelegt sein, daß möglichst viele Arbeiter dauernde Beachäfti- Rung finden können. Nur dies kann wirklich als Konsolkiicruug des Bestellenden betrachtet werden. Da aller kaum an/mu'luiieii ist, daß ein solches Unternehmen gelingen kann, muß das Budget wenigstens die Möglichkeit größerer ötfentlieber Arbeiten versehen, die in der schwersten Zeit eine beträchtliche Anzahl von Arbeitslosen absorbieren können. Schon im vergangenen Jnltr hat das Arbeits-Departement der Paläsliua-Exckuiivr, dns soeben einen Bericht vcrüffciitlicht hat, das Aeußersfe getan, um die Folgen der ArbcitsloMgkeit zu mindern. Für das kommende Jahr sind mehrere Arbeiten in Aussicht genommen, die von großer allgemeiner Bedeutung für das Land sind, z. B. Anlage wichtiger Straßen usw. Ein Teil der Arbeiter dürfte auch in der Imlustric Unterkommen, besonders wenn das Rotenberg-Unternehmen und vielleicht noch andere größere Unternehmungen ihre Tätigkeit beginnen. Wenn wir alle diese Möglichkeiten in Betracht zielten und annclinten, daß die Exekutive iiir Aeußcistes zu tun entschlossen ist, um die heutigen jüdischen Positionen im Lande zu konsolidieren, dann erkennen wir trotzdem, daß im günstigsten Fall diese Absicht gelingen kann, dabei ober kommen keine neuen E i n w a n d c r c r ins Land. Oroße Hoffnungen setzen inancbe Kreise in die Ein- Wanderung kleiner Kaufleutc und Handwerker, -die etwas eigenes Kapital mitbringen und sielt vorzugsweise in den Städten ansicdcln. Wir sind überzeugt, daß aus diesen Kreisen dt» sehr wertvolles I'iinvauileruiigMiiatorial nach Palästina kommen kann, aller wir zweifeln, ob größere Möglichkeiten für eine derartige Einwanderung bestellen, wenn nicht auch das Werk derjenigen Faktoren, die für den Aufbau des Landes primär verantwortlich sind, entsprechend vergrößert wird. Diesen selbständigen Einwanderern soll mit allen Kräften von der Ocffcntlichkcit geholfen werden, sic sollen auch durch Kreditinstitute und amlcre Erleichterungen unterstützt werden, aber cs ist ein altes zionistisches Axiom, dns schon Herz! gekannt hat, daß die Grundlage des jüdischen nationalen Heims in einer landwirtschaftlichcnSicdiungbc• stehen muß. Die städtische Siedlung wird sich von selbst entwickeln und ist bereits heute im Gange; dns jüdische Dorf aber müssen wir durch Kolonisation schaffen. Es zeigt sich klar, daß im Rahmen des heutigen Budgets keine Möglichkeit besteht, die landwirtschatfliche Siedlung erheblieh zu vergrößern. Würden wir dies versuchen, so wäre das Resultat dasselbe negative wie bisher, d. 11.. wir würden wieder mit ungenügenden Mitteln arbeiten und dadurch cin^Miß* lingcu riskieren. Während also das gegenwärtige Budget zur Festigung des Bestehenden verwendet wird, reift gleichzeitig die Erkenntnis, daß zur Lösung der eigentlichen zionistischcn Aufgabe ein weit größeres Kapital erforderlich ist. — Was ist die zionistische Aufgabe? Eine zusammenhängende jüdische Siedlung zu schaffen, die ein Wirtschaftlich produktives Gebilde und zur Sellwlvcrwaitun;; fällig ist. Wie die politischen Verhältnisse heute liegen, wird cs immer deutlicher, daß eine zukünftige Verfassung Palästinas sieh nur auf eine Art nationaler Autonomie der beiden Völker wird auibaiicn können. Jede nationale Autonomie ist aber praktisch nur möglich, wenn sic sich wenigstens in gewissen Grenzen auf eine territoriale Grundläge stülzcn kann. Das Prohlan, das vor uns sieht, ist also nicht nur eine Vergrößerung der Einwanderung, sondern gleichzeitig eine dauernde SeBhaftinnclning der Einwanderer dureli winschaiiliihc Sclbstcrlwiitung in einer zusammenh ä u g c 11 den j ü d i :1 c 11 c n S i c d 11111 g. Diese erst wird die reale Grundlage bilden können für die politische Formel des ״nationalen Heinis1', die int Baseler Programm und in der Baloftu• Deklaration geprägt wurde. Wenn wir dies nicht im Laufe des nächsten Jahrzehnts zustande bringen, dann ist ,die größte historische Chance des jüdischen Volkes seit der Zerstreuung ungenützt verloren. Seit 1*121) wissen wir, daß eine solche große kolonisatorische Aufgabe vor uns steht. Ala erster hat Ru pp» 11 einen Plan dafür entworfen in dem Buche ״Der Aufbau des L a n d e 6 1 6 r a c 1“. Ungefähr im Rahmen seiner Forderungen bewegte sich das Programm, mit dem der Keren Hajessod 1920 seine Arbeit begonnen hat. Der Keren Hajessod konnte jedoch in den ersten Jahren seine Aufgabe nicht lösen. Er hat lediglich das Budget für die bestehende Siedlung gebracht, und weil wir trotzdem neue Einwanderer ins Land bringen mußten, enlst.iiuleii die Dellzlte und die Krise. Inzwischen Ist aber (las jüdRehe Volk der Suche näher gebracht worden. Besonders in Atue|ika habet» diejenige« Krclic, die bisher da» Joint Distribution Committee finanziert haben, lebendige» Interesse für den Aufbau Palästinas gewonnen. Die Idee der Jewish Agency Ist es, diese Kreise so weit zu bringen, daß sie nicht nur als Außenstehende luterensc zeigen, sondern die Sache Palästina!* als Ihre eigene Sache anerkennen und alle Aufgaben des Aufbau«! zusammen mit der Zionistischen Organisation in die Hand nehmen. Aber auch in anderen Lunden» haben sich die Verhältnisse gebessert, die euro* p ä I s c h c 11 Länder sind leistungsfähiger geworden, und die Immer enger werdende Verbindung der Diaspora mit Palästina durch die zahlreichen Reisen hat dazu hoigetragen, das Volk zu beeinflussen. Nim muß CR sich zeigen, oh das Volk ln seiner Gesamtheit imstande ist, eine Million Pfund jährlich für den Aufbau Palästinas Iiiri/ugHieu. Mit diesem Betrag würde es gelingen, etwa 2000 F. i n w n 11 d c r c r monatlich Ins Land zu biiiigcn und der ökonomischen Struktur des Landes cinzufügen. Voran in unserem Kolonisationsprogramm muß nach wie vor die landwirtschaftliche Siedlung stehen. Die Vergrößerung der Landwirtschaft bringt cs aber mit sich, daß auch für eine (ganze Reihe anderer Kategorien Exlstcnzmöglichkeit vorhanden ist. Dazu kommt das Wachstum der Städte und der Imlustric, die Universität in Jerusalem usw., die auch eine größere Zahl von Einwanderern nbsorhicrcn. Selbst• verständlich 'wurde dieses kolonisatorische Werk, das kaum ein Präzedenz hat, kolossale Anforderungen in organisatorlscher und;111111 mixtrativer Beziehung stellen. Denn von der Vorbereitung um! Auswahl der Einwanderer bl» zur konxtruk• tiven Durdilülirmig des Gesamtplan» im Lande müßte ein einheit lieber Gei st und eine starke Richtung das Werk durchziehen. Hier warten ungeheure Aufgaben, die tu diesem Augenblick nur augedeutet werden können. Die Notwendigkeit konzentrierten Kapitals zur Durch• führimg der Kolonisation wurde in der fetzten Zeit vielfach erkannt und cs wurden Pläne für die Beschaffung durch eine Anleihe »(!«gearbeitet. Ohne auf da» zentrale Problem einer jüdVlicn Aidoiho hier eiiigebcn zu Wollen, möchte« wir nur bemerken, daß auch die Aussichten einer Anleihe sieh durch Vermehrung unserer nationale« Positionen im Lande mir verbessern können. Viele Experten meinen, daß die lieuügc finanzielle Lage auf dem Weltmarkt für eine jüdische Anleihe wenig Aussichten bietet. Vielleicht wird das Projekt später realisierbar und wir erinnern mit Nachdruck ah den Beschluß der letzten A. C.-Sltzung, daß der Finanz• und Wirisrhaftsrat das Problem untersuchen soll. Aber inzwischen darf unsere Arbeit nicht Stillstehen. Unsere Parole muß sein: eine Million Pfund in einem Jahr. Wenn die Zionistische Organisation heute daran geht, die Jewish Agency aus Vertretern de* g a h z c 11 Volkes auf/u!1auc11, so müssen wir auch deutlich die Aufgäbe zeigen, die, dieser Körperschaft gestellt ist. Die Jewish Agency hat die, Funktionen auszuübcn, die in dem' Mandat erwähnt sind; jüdische Einwanderung, Siedlung auf zusammen־ hängenden Bode«, öffentliche Arbeiten, wirtschaftliche Kon• Zessionen. Für alle diese Punkte haben wir ein konkretes Programm, beruhend auf unseren Erfahrungen und auf ge• nauem Studium der Möglichkeiten des Landes und des Volkes, aufzustellen und der Jewish Agency vorzulegcn. Es wäre unverzeihlich, den Zeitpunkt der Jewish Agency ohne.eine solche Anstrengung vorübergehen zu lasse« und sich damit zu begnügen, daß die neuen Pnlästinafreundc »inscrc alten Lasten teilen. Es ist hier nicht der Ort, die Gründe aufzitzahlcn, warum der Moment günstig ist. Die Schließung der Tore Amerikas für die jüdische Einwanderung ist nur einer dieser Gründe. Die Energie, die früher für andere jüdische Arbeit verbraucht wurde, ist heute für Palästina frei. Die Schaf• f u n g der Jewish Agency muß mit allen Mit• teil» beschleunigt werden, die Vorarbeiten müssen in allen Ländern in Angrift genommen werden, inzwischen muß aber auch das große Programm des Aufbaus, umfassend Finanzierung und Kolonisationswcrk, vorliegcn. Dies sind die Aufgaben, die jetzt der Zionistische« Organisation ob* liegen. Sic sind unendlich schwer, aber die Perspektiven sind groß und das Ziel ist die Verwirklichung der zionistl* sehen Idee. R, W, (im ״Uaofam",) Zur Ermoräunfl de Haans Nach Depeschen des ״Daily Express" leitet die Unter• suclmng In der Mords,ichc de Haan Major Bro ad hurst, der kürzlich noch Beamter des Londoner Polizeipräsidiums , Seolland-Y.ml“ war. Er vernahm alle in Betracht kommenden Personen. Doch ist, nach Mitteilungen des ״Daily Express“• Korrespondenten, das Verbrechen ״bisher noch völlig ein Mysterium geblieben und es sind weder die Identität noch die Motive des Mörders enthüllt". Einem auch vom ״Daily Express“ vcr/cielineiä'ii (»et»icht zufolge, da« vielleicht zu einer Ent• hüllmiß fühlen Icum, ״r, ■i der Mörder in F rn u enk 10 I de rn gesehen worden, als er entfloh". Na; 11 einem anderen Ocrücht sei es ihm bereits gelungen, außerhalb des Landes zu ge• langen. ״Daily׳ Expreß" erwähnt ferner, daß ״sowohl ״D 0 a r Hajom" wie . 11 a a r c 7." den Mord verurteilen und die Hypothese scharf zurückweUcn, daß er politischer Natur sein kftn 11 c“. Die gleiche Auffassung wird übrigens mich in Mitteilungen vertreten, die an uns aus Palästina gelangt sind. Informationen der Aguda Der ״Israelit“ schreibt in einem Leitartikel seiner Nummer von» ID. (11.) Juli: ״Die ,Jüdische Tek'grnphen-Agcntur‘ hat gemeldet — n 11 d w i r h a h e 11 alle 11 u rund die N a eh ri eh t für richtig zu halten —, daß Prof, de Haan noch Im Laufe der vorigen Woche nach London fahren sollte, um den dortigen zuständigen Stellen die schweren Bedenken der palästinensischen Orthodoxie gegen den . . . Gesetzentwurf über das Recht der Jüdischen Gemeinschaft Ercz* tJisroels zu lialerbreitcn.“ , Das ״Agudas-Jismcl-PrcsscbÜro" meldet hingegeninseincr Ausgabe vom 11. Juli: Eine töof; irr ®dtyatla war nfdit kabsldttlfll Wien. (A.J.P. B.) Von gut informierter Seite wird uns mitgctcilt, daß die Meldungen über die beabiichtlrjlc Entsendung einer Delegation aus Jerusalem nach London ln der Angelegenheit der geplanten neuen Gemeinde- Ordnung den Tatsachen nicht entspricht. ״Israeli(“, ״Jewish Chronicle“ und ״Jüdische Rundschau“ In dem bereits erwähnten Leitartikel des ״Israelit“ vom vorigen Freitag Ist das [olgende zu lesen: ״Wenn ein fast immer anständi ge s zionistisches Blatt wie ״Jewish Chronicle" jetzt in starken Worten die Schandtat der Jerusalemer Mordbuhen verurteilt, wenn •elb<t die ״Jüdische Rundschau“, aus deren Spalten mau sonst den Eindruck gewinnt, daß fortgesetzte moralische Mordversuche Kcurnidier der A^tuh und iiirri! Kmrem juk'list vcriÜViibdicn M'ien, ihrer ehrlichen l.nlrüstiu!^ Ausdruck verleiht, »o ist die Frage der Verantwort• lichkeit für das Geschehene damit nicht aus der Welt geschafft. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. De 11.1 an war zu Lebzeiten ein Opfer des jüdischvölkischen Fas zi smus, und sein gewaltsamer roß darf schon heule mit hoher Wahrscheinlichkeit als die unmittelbare oder mittelbare Wirkung dieses völkischen Fa*zI*imis im jüdischen Kreise bezeichnet werden.“ In »einer Nummer vom gleichen l'reitag erteilt der ״anständige" ״Jewish Chronicle" bereits die Antwort. Er stellt fest, daß die. Haltung der ״Mormng Post“ der englischen Auffassung, in jedermann soijiigc einen U 11 schuld!• gen zu neben, bevor nicht das Gegenteil bewiesen i׳:t, widerspricht, weil die ״Morning Post“ ohne den Schatten eines Beweises die Zionisten für die Mordtat verantwortlich macht. Forlfahrcnd schreibt der ״Jewish Chronicle“: ״Möglicherweise haben wir Juden aber gar keinen Grwid, uns über das Unrecht zu beklagen, dass 1ms von Fremden zugefügt wird, wenn wir fcststcllcn müssen, daß •ich einige luden in einer noch weniger verantwortungsvollen Weise benehmen. Eine Körperschaft, die sich selbst die englische Agudas litroci nennt, hielt am letzten Sonntag eine Versammlung ab, und faßte eine Resolution, in der der Mord an Df. de Haan endgültig״ d c 11 Zionisten z u r L a s t gelegt wird, Juden werden als Mörder und als intellektuelle Urheber angeklagt und ohne einen Schatte« von Beweis in der Presse dos Landes so hczeiclinct. Fs war eine schändliche Tat, trie• fend von beschränkter Parteilichkeit und blinder Sorglosigkeit. Ucbcrdic» *trotzt sic von geschmackloser Heue 11 ei ei. Leute, die die Gottlosigkeit begehen, den Mord an l)r. Haan jemandem Ziiziumitcii, der vollkommen unschuldig sein kann, be• schmutzen vor N i c 111 j u d c n den jüdischen Na. 111 c 11 mit i 11 r c r unreinen A 11 s c h u i d i g 11 n g und haben die Unverfrorenheit, sich gleichzeitig über den Geist der Feindseligkeit und d * 11!**es unter jüdischen Brüdern zu beklagen. Wer sind die Leute, die für diesen unerhörten ״Chllul Haschern“ verantwortlich sind? Wir fordern sie auf, iliic Identität zu enthüllen. Wir behaupte״, daß diese Versammlung au* Personen bestand, von denen keine einzige irgendeinen Einfluß in der Getn c i n d 0 hat, und keine außerhalb einer kleinen und unbedeutenden Clique bekannt ist. Jedenfalls repräsentieren sie nur sich selbst und nichts als einen elenden und reaktionären Klüngel, den jeder rechtlich denkende Jude mit Verachtung von sich weist. Die .■ Gelegenheit,._Zjo11Ktc.11 •und Zionismus y«jt. Schmutz, zu oe- 'werfen, die'*Ich durch'auf' Möglichkeit' tt'gab, Zlonistetf für den Mord an Dr. de iiaan verantwortlich zu machen, genügte, um alle Rücksicht beiseite zu schieben lind die Tragödie von Jerusalem dazu zu benutzen, um dem uncr- *ältlichen Haß gegen den jüdischen Nationalismus zu fröhucn.“ Was uns selbst betrifft, so ist eine so feige, unanständige und infame Verleumdung bei einem Blatt wie dem ״!>- raclit" nicht weiter verwunderlich. Feig darum, weil gerade der ״Israelit“ bei Lebzeiten de Haans siel» niemals, trotz, unserer siebenmaligen Aufforderung, zu ihm und zu v inem Tun zu bekennen wagte, während er jetzt aus dem Morde Kapital für die Aguda zu schlagen sucht. Unanständig, weil der ״Israelit“ ganz, genau weiß, d,»ß gerade wir jeder• zeit, in jeder Sache und hei jedem Anlaß uns in schärfster Form gegen irgendeine Gewalttat und Gewaltpolitik gewendet haben. In Nr. 33 unseres Blattes haben wir bei Besprechung der — übrigens bis heute von der Aguda noch nicht zugegebenen — ungeheuerlichen Verleumdung von dem ״zio• nistischcn Mord" in Jciidr/cjcw geschrieben: ״Es muß doch möglich sein, eine zahlenmäßig kleine Clique, die sich in Palästina, Oesterreich, Polen, Deutschland u. a. Ländern erlaubt, im Namen der gesctzcstreucn Massen zu sprechen, im Judentum moralisch so zu isolieren, daß sic es nicht mehr wagen wird, politische Kämpfe mit den Mitteln körperlicher Gewalt und der Verleumdung zu führen.“ Wir forderten also selbst in dem eklatante« Falle einer völlig frei erfundenen, böswilligen Verleumdung keine Sühne, sondern nur Schutz, vor Wiederholungen durch Maßnahmen, die man bei physischen und psychischen Krank-!leiten trifft mul die die Aguda auch in religiösen Dingen zu ihrem Programm erhoben hat. i 11 f a 111 schließlich, weil der ״Israelit“ weiß, daß nicht wir, sondern das Blatt des Präsidenten der Aguda, des Herrn Ür. pinehas Kolm, die Wiener ״Jüd's.'he Presse“ u. a. geschrieben hat: ״Uns imt diese Nachricht von der Ausschreitung der orthodoxen Jugend' in Warschau überaus svmpa* tisch berührt . . . Dies sind Eruptionen der jü• d i s c 11 c 11 Jugend, d I c s i c h im Dienste der väterlichen Tradition gegen die Feinde der• selben wende t.“ Wir wiederholen unsere Frage, ob in irgendeinem zion!*tl*c'hen Blatte eine solche ausdrückliche Billigung von und eine Aufreizung zu Gewalttaten stand und welche Be• weise der ״fsradil“ für *eine Behauptung unserer ״Mord• versuche“ zu nennen hat. Die Ap״a bei Herber! Samuel Herbert Samuel hat am 8. Juli, einer J. T. A.-Mcldung zufolge, den Präsidenten der Weltorganisation Agudas jisrocl, Dr. Pinehas Kohn, und Herrn H. A. Ooodman, den Sekretär der politischen Exekutive, empfangen. En wurden bei di ser Gelegenheit die allgemeine Situation In Palästina und die geplante Vcroidiumg betreffs der jüdischen Ue* meinden in diesem Laude ausführlich besprochen. Da die Konversation privatim geführt wurde, kann ein detaillierter Bericht nicht gegeben werden. Es verlautet, daß Herbert Samuel das Versprechen gegeben hat, die verschiedenen beanstandeten Punkte sorgfältig zu erwägen. Man nimmt als sicher an, daß Herbert Samuel, bevor die Verordnung Gesetz wird, die Agudas Jisrocl, sowie die Jerusalemer Aschkenasim• Gemeinde zu Rate ziehen wird. Rabbiner Horowltz aus Jerusalem wird in kurzer Zeit in London erwartet, wo er *ich der Aguda-Delegation beigesdien wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.