Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1924)
- Date
- 1924-07-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 304 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 55 Melcffri:aei־«:j! der |ü41scli11״ Gerjelntlea 1גס50״!ו\1וו Brief unseres Jerusalemer Korrespondenten. Jerusalem, 1. Juli 1020. Die latigumstriUene Frage einer Organisierung der Juden in Palästina und einer gesetzlichen Ancrkctimtn״ dieser Organisation scheint sieh einer Lösung 7U nähern. Die Rrgimmg hat dem Want! I lalcumi einen Oe dzcfitv/urf zur Kenntnis ahetmitteU, welcher für den Jisdtuw vier wichtige E r r 11 n g ciisc 11 a f t e n tiarsteilt. Kiste ns die Aiicikcmmiig der j ü d i s c h e n <3 c m e i n d e 1t und des W a a d 1. c u in i als j 11 r i s t i s c 11 er Pc rs 0 n e n. Zweitens die Ancrkennuiig des Prinzips, daß in jedem Ort vori nun ah nurmehr eine j ü d i s c h e G c 111 c i n de rein wird und nicht mehrere. Bis jetzt hatten wir ja verschiedene Gemeinden der Aselikeii.'isiut, Si'pliardim, der persi che 11, Aä |)j>. er Jiuleit lisw, itsw. i >1 itli ifs lief Wuad 1 i tieiimi timl die Oenteimleit erhalten das Recht, Zimt Zwecke der I'. r 11 a 1111 ng von Schulen Stenern z.tt erhöhen. Viertens der Wand llalettnii erhält das Rocht der finanziellen und admiiiisirativen Aufsicht über alle religiösen, kulturellen und p 11 i 1 a n t ro p i s c h c n Institute der Juden in Palästina. Der Gesetzentwurf enthält zum Schutze der religiösen Minoritäten einen Passus, der seinerzeit schon von der 2. Session der Assefat Nivchaiiin in folgendem Wortlaut angenommen war: ״Jede Minderheit in der Gemeinde hat das Recht, von der Gemeinde die Befriedigung ihrer religiösen und kulturellen Betliirfnls.se entsprechend ihrer Richtung zu vorlangen." Die Regierung hat dies folgendermaßen formulreit: ״Ein Teil der G c 111 e i 1111 c, d e 1׳ wenig s t e 11 s 10 <>/» ihrer Mitglieder u 111 f a 01, hat das Recht, zu v c r 1 a n g c n, d a fl ihm aus den S t c 11 c r g c I d c r n der G e in c i 11 de seine religiösen und kulturellen Bedürfuissc entsprechend seiner Grunda!1 sic 11 ־ ten befriedigt werden." Der Gesetzentwurf der Rcgienmg hat noch einmal alle diejenigen auf den Plan gerufen, welche seit Jahren die Organisation der Juden zu verhindern suchen: die rechtsstehende Gruppe der Orthodoxen, die unter dem Einfluß der Agudath J Israel stellen. Sie Sandten Telegramme an grolle englische Zeitungen und an das Koloiiial.imf, um gegen den angeblichen Zwang des Oesctzcsvorselilagcs zu protestieren. In Jerusalem selbst riefen sie zu Gebet und Fasten auf. Es wird liier der W01 flaut eines ihrer Aufrufe wiedergegeben, ״Die Gefahr der Vernichtung schwebt über dem Heiligen Land überhaupt und über der Stadt Jerusalem insbesondere durch das Gesetz der Gemeinden des Wand Lcimii, welches die Freisinnigen einsetzt über alle Institu- II o n c 11 der Thora und Religion und fi b c r alle g o 11 c s f ü reit t lg e 11 Juden in Palästina. Dies ist keine Zeit zu schweigen. ■Stärken wir uns in vielen Gcbeten und Gnndeiibitten, erflehen wir die Barmherzigkeit für den Rest, der entronnen ist, die Heilige Stadt, daß sie nicht zu Schmach und Schande werde, Auf Veranlassung der Rabbincn und Gaoniin und des Bellt Din wird der 20. Siwan als allgemeiner Bittag bestimmt. Im Morgengebet wird man ״owimi malkeuu" sagen und nach dem Gebet 10 Psalmen. Um 10 Uhr versammelt sich die heilige Gemeinde bei der Klagemauer, Schwache und Greise in den Synagogen und Im ßeth Hamidrascli, um Psalmen zu sagen und von Gott, der Jerusalem erwählt lint, zu erflehen, von uns almiwenden Hindernis und Anstoß, auf daß wir Gott III Ruhe dienen können." Die Ursachen dieser Aufregung der Rcchtsorthodoxen sind zweierlei: Einerseits enthält der neue Gesetzentwurf eine offizielle Anerkennung des Großrabbinates als eines organischen Teiles der Organisation der jüdischen Gcmeinden. Die Rechtsorthodoxic verweigert bekanntlich den beiden Oroßrabbiiicrn K11 k und Meyer die Anerkennung und hat ein eigenes Rabhinat. Noch vielmehr richtet sich aber ihr Protest dagegen, daß der Wand Malctimi die Kontrolle über d i e W o 1111 ä t i g k c i t s i n s t i t u t i o n e n erhält. Damit würde die Chalukkah möglicherweise unter die Kontrolle des Waad Ecumi kommen und die Angehörigen der Aguda rekrutieren sich meistens aus Angehörigen der C ha 1 u k k a h - K rc i sc. Dis Organ des Misrachi, der ״Hator“, der gegen die Form der Proteste der Agtidalt Vcr- Währung cinlcgt, teilt gleichzeitig mit, daß so manche an der Spitze von Institutionen stehende Personen bereit wären, dein Gesetz zuzustimmen, wenn der Waad llnleuml die Ver- 6icherung abgiibe, i!1rc Institutionen nicht anzugreifen. Der ״Hator“ forciert die Orthodoxen auf, nicht von außen zu kämpfen, sondern in die Orgatibatioueri clnznttrefcii und den K a m ji f von i 1111 c n z n S is 11 r e 11. Einen r.;1!׳.hen Kr mp! von iiiiii-u führen die sog! iiaiiiiten geuiänigteri Orthodoxen, das sind jene, die an der Ässcfat Nlvcharlm int Prinzip tcüiH-him'ii mul nur wegen der Beteiligung der Eraue 11 an der Assefat Nivchailm sich abenticit haben. Sie wenden sich gegen den :j 3 des Gcsclz.csvorschlnges, der dem Waad t.euuu das Hecht einräiimt, «Sie finanzielle und a d m l - nistrative Führung der religiösen Institut io ne 11, also auch der Talmud Tlioras und Jcschiboth, m beaufsichtigen. Es ist aber zweifellos, daß in diesem Punkte eine Einigung erzielt werden wird, Man erwartet, daß das Kolonial a m t in London «las Gesetze:;projekt während der Anwesenheit Sir Herbert Samuels in London genehmigen wird. Auch der Präsident des Waa«l Lcumi, Herr David J c 11 i 11, befindet sich derzeit in London. Die Assefat Nlv- «׳hariit), deren «Iriilc Session bereits für das Frühjahr einberufen war, wurde verschoben und sott stell nach Legalisierung des Geset/esprojekles venu-immeln imkI die Wahlen für seine neue, auf Grund des Gesetzentwurfes clnhcrufcne Assefat Nlv• charim aussclircibeu, h. b. Die LcUnng der p.ililsüiieitsi,selten Kolonlsationssrbelt 1 11.10״ am" schreibt 1 111 der letzten Zeit haben gewisse Zeitungen in Palästina eine Reihe von Sensationsmeldungen veröffentlicht, die die künftigen Pläne bezüglich der Leitung der zlon I #tlscheu Arbeit lutritfen. Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß alle diese Nachrichten wahrscheinlich in Irgendeiner Redaktionmlulie fabriziert worden sind. Wo irgendein Kern von Wahrheit in diesen Nachrichten enthalten ist, so ist er so entstellt, daß der Effekt geradezu das Gegenteil «ler Wahrheit ist. Z. B. wurtle jüngst sensationell nngckiindigt, daß de L i c m e zum Leiter «icr Palästina-Arbeit au.ersehen Ist. Der zionistischen Ocffentlichkcit ist cs nicht unbekannt, daß während' des letzten Kongresse׳:, in Karlsbad «i c L i c m c vorgescldagcn wurde, und zwar von R11 p pp 1 n, der, um endlich die Zustimmung zu seinem Rücktritt zu erlangen mul sein immer wieder liinausgesriiobcncs Bedürfnis nach Ruhe befriedigen zu können, einen Nachfolger für sich suchte und dafür de Liane empfahl. Auch Dr. Welz mann hatte nach dem Karlsbader Kongreß eine Unterredung mit de Llerne, «Icr sich jedoch eine Stellungnahme vorbehtclt Hs nach einer von ihm geplanten Reise mich Palästina. Ein Resultat wurde also nicht erzielt und Ruppin ist auf dringendes Ersuchen der Präsidenten der Zionistischen Organisation im Amte geblieben. Heute wird in Palästina eine bei* spicllose Kampagne gegen Ruppin geführt. Die Gegner sind in der Wald ihrer Mittel nicht wählerisch, sie verwenden vergiftete Waffen und entstellen die Wahrheit. Obwohl es außerorilciitlich bedauerlich ist, daß In unserem jungen nationalen Heim derartig traurige Methoden praktiziert werden, würden wir doch nicht darauf cingchcn, wenn nicht aus irgetulciner dunklen Quelle das unsinnige Gerücht in Umlauf gesetzt worden wäre, daß der Präsident der Organisation in irgendeiner Weise mit dieser Kampagne verbunden ist. Kein Gerücht Ist so absurd, daß cs nicht in der engen Atmosphäre Palästinas Glauben fände. Die Hinweise in der Presse wurden immer deutlicher und zuletzt haben einige prominente Arbeiterführer einen offenen Brief an Weizmann gerichtet (im ״Hapoei-H.vzatr", — Red. ״J. R"), in dem säe ihn nuffarderten, zu dieser schädlichen, die Atmosphäre vergiftenden Gedichten Stellung zu nehmen. Es ist vielleicht doch nicht überflüssig zu sagen, daß das erwähnte Gerücht absurd ist. Ruppin ist auf ausdrückliches Verlangen W c i z m a n n s hn Amte geblichen. Er hat mit Weizmann in Amerika in herzlicher, kollegialer Weise zuvinimengc,arbeitet. Ruppin war cs, der als erster die Einladung von Prof. Mcnd nach Palästina gcfordert hat, Ruppin hat seit Jahren chic Reihe von Reform- Vorschlägen gemacht, die er auch Weizmann vorgeiegt hat. Es ist kein Geheimnis, daß Ruppin seit Jahren seinen Posten zu verlassen wünscht, um wenigstens für einige Jahre wissenschaftlich arbeiten zu können. Aber zwischen diesen Absichten und der Kampagne des ״Doar Hajom" besteht kein Zusammenhang. Der Versuch, zwischen Kollegen iri der zionistischen Exekutive von außen einen Keil zu treiben, wird nicht gelingen. Es Ist schade, daß unsere Kräfte in Palästina, die für Arbeit des nationalen Aufbnus dringend notwendig sind, sich in solchen Skandalaffären verzehren. Nacfirlclitiin ans Palästina Eine Abordnung der palästinensischen arabischen Scouts ist nach Dänemark und E n g I a »1 d gefahren, um als Vertreter Palästinas an den Weltkongreß scn der Scouts teil/unchtiicn. Der tunesische Araberführer Altaiabi hat Palästina vcrlassen und sich nach dem H e d s c 11 a s begeben. Der tschechische Geologe Prof. Petrbok ist in Jerusalem eingctrolicii. Er wird mit Unterstützung der tschechischen Regierung geologische Forschungen am Toten Meere unternehmen. Gleichzeitig hat Professor Petrbok vom tschechischen Unterrichtsministerium den Auftrag bekommen, mit unserer National- und Universität*- bthliothek wegen Austausch von Büchern zu vciliandclii. * Der Führer der Misrachi. Rabbi Meir Berlin, Ist am 2. Juli in Jerusalem cmgclrouctt. * Der Zlvilsckrctür der pa'ästinensischcn Regierung, Sir Gib bert Clayton, besuchte die Versuchsstationen der palästinensischen Exekutive in Ben Shcmcn. In Jaffa Ist «ler smvjctrusilschc Handelsvertreter Laworow eingetroiton, um die Aufnahme von Handels• b c z i c 11 u 11 g 01! z. w i s c 11 c 11 Rußland und p a I ä s t i ncnsischcn Firmen vorzubereiten. * Herr Ben Zwl hat aus persönlichen wie aus allgemeinen Gründen seine Ernennung nun jüdischen Rcpr,,ment,111• ten im Jerusalemer Stadtrat, die durch die Exekutive des Wand Hnir erfolgt war, abgclclmt. Daraufhin hat der Waad li.tir Herrn J. Elias 11 a r vorgeschlapcn, der eben• falls ablelinfe. Die Exekutive des Waad Hair hat nun beschlossen, dem Gouverneur keinen anderen Kandidaten vorruschlagen. (Eine etwas myatcriösc Nachridit der J.T, A.l - Red.) Söhnen der ersten Siedler von Gcdcra soll nun zur Aiisicdhmg in dieser Kolonie ilurcli die Zionistische Exekutive In Palästina verholten werden. Danach ist ein Vertrag mit 16 Siedlern für «len Bau einzelner Ställe abgeschlossen. Die Mehrheit dieser Siedler sind Söhne der ״Bilu . # In Ri schon ic-Zioit wurden kürzlich 10 Häuser für jemenitische Kolonisten vollendet, ebenso ein Stall, und ln Petach Tikwah eine Baracke für die dortig« Mädchcnfarm. , * Die britische Regierung hat den Völkerbund vcrstnndigt, daß sie nicht beabsichtige, die Bewohncr der Mandatsgebiete für Militärdienste in 11 er 11 alb oder außerhalb der'Mandatsterri• torien zu rekrutieren. Bekanntlich sind zweitausend paläxtincnsisclie Araber in die transjordauischc Armee eingetreten. Der ״Haolam" schreibt darüber: ״Es muß die schwersten Bedenken erregen, daß die palästinensische Regicrung nicht den Eintritt der palästinensischen Araber in die transjordanische Arme« verhindert hat. Diese zweitausend Leute werden sechs Monate militärisch gedrillt und nach ihrer Rückkehr wahrscheinlich durch andere palästinensische Araber ersetzt werden. Wiihmid die palästinensische Rp. gicrung es ablchnt, Palästinenser, Juden und Araber, 1111 Militärdienst zu verwenden, haben die Araber die Möglich• keit, diese Bestimmung des Mandates zu umgehen und sich außerhalb Palästinas militärisch auszubilden. Auf diese Weise bereiten sic sich für militärische Absichten vor.“ Arabische Großgrundbesitzer, die sich in der letzten Zeit dem Tabakbau zugewendet haben, bemühen sich, j ü• «lisch c Arbeitskräfte zu beschäftigen, da die Juden für den Tabakbau in höherem Maße qualifiziert sind als die arabischen Arbeiter. Die Mörder des Ischedioslowaklsclien Wdlrelsendcn Tatransky zum Tode verurleilt Jerusalem. (J.T. A.) Am 6. Juli ist vor dem Distrikts- Gericht von Nablus die Verhandlung gegen die sechs Mörder des tschechischen Journalisten Tatransky aus Prag zu Ende geführt wor«len. Wie erinnerlich, ist Tatransky, als er in der Nacht des 27. März, mit seiner Frau in einem Zeit in der Nahe von Nablus lagerte, von einer Arabcrbamic angegriffen worden. Tatransky wurde gelötet und ausgeraubt, seine Frau wurde schwer verletzt. Von den beteiligten Arabern wurden zwei zum Tode, weitere zwei zu je 15 Ja hren Gefängnis und die letzten zwei zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt HilTK" ßl2dcl:cn des allen Jlscliab In der Nachbarschaft meines Hauses gibt es zwei jüdische Siedlungen, einen richtigen aschkcnasischcti Kolel und eine Siedlung, die wohl ursprünglich ebenfalls ein Kolel — ein srpltardischcs — war, «las aber allmählich durch Zuzug von allerhand aus orientalischen Landern eiligewanelcrtcn Elementen seine Einheitlichkeit verlor. Alles int Lehen ist relativ. Wer die Bresche In «!er Steinmatter, welche di(‘ nxdtkciiasisiiie Kolonie wir den Augen «ler Welt fast verbirgt, durchschritten hat und in den übelriechenden Hof cingctrclcn ist, der auf beiden Seiten von zwei Reihen von winzigen Wohnungen eingefaßt ist, der glaubt, hier alles vereint zu finden, was den Begriff ״Verkommenheit" aiisniacht: trocknende Wäschefetzen, die einem ins Gesicht schlagen; vor die Türen geworfenes Gerümpel, krekclwmtle Frauen in Narhtjaelifti und Uiilrrrüclteit, tiiibescitrählki» vernachlässigte Kinder, Blicke ln enge, schmutzige Stuben und in ein tittappetitliches Lebensmittd-Liidchcn, das zugleich als Sdtlafstttbc dient. Alter alles ist relativ. Wenn man von dieser Siedlung ln die benachbarte s e p 1t n 1׳ d i s c h c gelangt, so scheint* cs einem, daß man zuvor in behagliche bürgerliche Verhältnisse hineingerelieii hat. liier liegen an einem Tümpel, der im Sommer zum Sumpf austrockuet, die elendesten Häuser, die man sielt vorstellcn kann; aus Stein ist bei den meisten nur der Unterbau, nach oben bilden Bretter, Pctroleumblcche, Bambttszweige, ja — buchstäblich Lappen — die ״schützenden vier Wäiuic". Hier gibt cs Stuben ohne ein einziges Fenster, in denen, wenn man die Tür schließt, nächtliches Dunkel herrscht. Hier gelten Menschen als halbzerfcizte Säcke hemm. Hier versinkt der Fuß in schlüpfrigen Schmutzlagern. Hier scheinen selbst die Steine zu stinken. In diesen bckleu — immerhin verschiedenen sozialen Gmp• pen angehorigen — Siedlungen habe ich Beobachtungen über das Leben der Jerusalemer Jüdin anslellca können, dje mich ywnwrwiM«■»,1׳ im. -!» .»•-«■«,■1■ ווM■ן^^«ו..■«ו■■«י^ו^ וו■וווי■^^ו■ו■ן■^>^וו I—■■■■■mui- . ii.inwuiii n;1r! 11 1111111 jn■■■■ וווןוויןוו ■iiiiuiiigmfiwiiiw^««■ zu der Ucherzettgimg brachten, daß cs sicli an beiden Orten mir durch einige Nuancen von einander unterscheidet. Der Fluch, der auf beiden Orten gemeinsam nur auf (1er Frau ntht, ist die Uebcrzcttgung, daß Arbeiten eine Schande ist. Diene Ucber/cttgung macht sich von Anfang an Im Leben des Mädchens geltend. Während man Ln den Familien dieser Clinhikahletile, in denen einige Männer, ncltoti dem Beten, einen kleinen Handel, ein bischen Schusterei «Hier Schneiderei bett'«'ilw11׳, die Knaben vom vierten oder fünften Jahr ab ln «len Glieder schickt,!»!eilten die kleinen Mädchen zu Hau«:, Vor den ״nationalen" Kindergärten hat man den größten Abscheu, vor der ״nationalen“ Müdchcnschute ebenfalls. Außerdem kostet «las Schulgeld ein paar Groschen. Und wozu hat man das überhaupt nöiig? Wozu braucht ein Mädchen zu lernen? Also läßt man cs zu Hause und im Studium des Anatphahctismiss. Den Mädchen aber, welche dennoch irgendeine Ans- Bildung erhalten, wärt! diese in Form des notdürftigen Eiementaiwissciis gereicht, das zu keinerlei praktischer Tätigkeit genügt. So sitze 11 denn die kleineren und größeren Mädchen ln den Stuhen und auf dem gemeinsamen Hot herum, helfen bei «ler höchst ungenügenden Reinigung der elterlichen Wob• mm;׳ mul dem Hin• und 110rreltattkein der Geschwister itn Sätiiditigsalter (eine Tätigkeit, die offenbar Tausenden von palästinensischen Frauen und Mädchen als Lcbcnsbcnif er• scheint) und sticken Phat.tamestickcreicn nach vorzeitlichen Mustern. Ich kenne bei meinen Nachbarn 14—15 jährige Mädchen, die seit ihrer frühen Kindheit noch nie etwas anderes getan halten und die nach nie weiter als bis zum nächsten Markt, nächsten Arzt cxler nächsten Steinzaun, auf dem matt am Abend sitz, und l.uit schöpft, hinausgekommen sind, die sich fürchten, in ein entfernteres Stadtviertel zu gehen — von einem Ausflug ln die Umgegend ganz zu schwelgen. —. Es gibt in diesem von Mauern fest umschlossenen Kolel nur einen einzigen Beruf, der nicht geradezu als Schande cmpfunden wird: Schneidern. Dieses Handwerk hat fast jedes Mädchen in einer orthodoxen oder nationalen Mädchenschule oder in der Alliance — oder Evclitta der Rothschild-Schule mit mehr otlcr minder — meisten* minder —• Erfolg erlernt und bemüht sich nun aus einer Fertigkeit, die kaum zur Deckung de* eigenen Bedarfs ansreicht, einen Beruf zu machen. Daneben ist ebenfalls noch das Waschen und Bügelt! fremder Wäsche zulässig und das — in dem einzigen, unsauberen Zimmer 11tt«i Gemeinschaftsitof, ungetrübt von jeder Sachkenntnis, betrieben — nicütcm in jeder Beziehung erbärmliche Resultate zeitigt. Jede andere Arbeit ist ״tinKtamlcsgciiiüß", und wenn man gar einer Mutier einen Hansdienst für iitre Tochter anbletct, so stößt man auf tidgckriitiktes Ehrgefühl. Mtl 16 oder 17 Jahren muß dann unter allen Umständen ein Mann für Cliail «xler Süsse! gefunden wcrilcn. Sie erlebt mm den einzigen großen Tag ihres Lebens, den floclucitstag, an dem sic schön gtgniizt und Mittelpunkt der Aufmerk• samkeit ist, und dann geht das alte Leben weiter, mit dem einzigeit Unterschied, daß jetzt ihr ausschließlicher Lebensberuf das Kindcrgcbärcn und Kinderstillcn ist, während jegliche andre Arbeit nach der Heirat als Schmach und Schande angesehen wird. Nur wenn jegliche Kolclhilfc versagt oder der Mann ln seinem kleinen Unternehmungen *׳e'u'alver oder nn-Rrer Art Mißerfolge erlitten hat, muß sich die Frau entschließen, einige Stunden des Tages als Köchin oder Plätterin zu ar• beiten — was sie meistens ängstlich vor den Nachbarn zu verbergen sucht. In dem scplmrdiscltcn Viertel Ist es — wenn auch äußerlich n«x:h viel elender und orientalischer — Itn Innern nicht viel anders. Die kleinen Menschblüten, die hier atts dem Schmutz heraussprießen und nicht Ire reit* im Säugilngsalter zu Grunde gelten, wachsen auf wie die jungen Katzen, die sich in den Winkeln ihrer Gassen herumtreiben, ohne Pflege, ohne Wissen, oft ohne Nahrung. Die allerwenigsten sind jemals in eine Schule gegangen oder haben irgendeine Fertigkeit erlernt. Aber bei iiuten gilt wenigstens der Beruf des Hausmädchens nicht durchweg als erniedrigend, Viele der Mädchen gelten vom 10• oder 11. Lebensjahr ab morgens zum Scheuern und Putzen /