Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1924)
- Date
- 1924-07-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 55 זu1 גז5ו sche Rundschau Seife m3 * l \ t » i! 1 i l! 9 t I;:f I I I ו i 1 e r f t I I r e r r n u n * F e (t ir .1 ד n יו e d ir n r- »■ 5• ־1 If « n »1 , tr 1, ru ,1 ■ ¥ i | j i h t! le n 's, te t, IS I> 1 s i Die Millcllann des!lainlborcaus der 4״pdas Jisroel“ über die Ermordung de Haans M c 1 d 11 n g des W. T. B. Pas Frankfurter Hauptbüro der Palästina-Zentrale der ״Apmlrts Jisroel“ teilt (durch das Wo'.ffsche Te’cgraphcn• Büro am 2. Juli. — Red. ״J. R.“) mit: In Jerusalem ist Dr. de H ה an, fii' .endes Mi. ird der streng ortlioJox gerichteten Juden (Aguilas Jisroel) ermordet worden. Er ist HoUämlcr von Gehurt und war Vertreter des ״Allgeinecn Hamlekbbd Von zionisti scher Seite wurde er stark angcfeindet. Seine Beerdigung, an der fast 5000 Personen, fa«t die gesamte Orthodoxie Jerusalems, teilnahmen, wurde streng überwacht. Während der Beerdigung wurden 6 f f e n t * liehe Protest Veranstaltungen gegen die Z i o nisten abgeh alten, deren verhetzender Tät i g k e i t d i c Presse den Mord z u s c h r c 1 b t. De Haan erhielt drei Rcvol Vorschüsse mit Dum-Dum-Kugcln. Vom Mörder fehlt noch jede Spur. Dan die Agudas Jisroel durch das Wölfisch e Tele• g ra p h c 11 B ü r 0 die Nachricht von dem Morde mit deutlieber, wenn auch indirekter Beschuldigung ״der Zionisten'1 in der nichtjüdischen deutschen Presse vertue ten hißt, bevor nocli die Motive der Tat feststehen, kennzeichnet und richtet die Aguda für jeden rechtlich Denkenden. Selbst der antisemitische ״Daily Expreß“ hat express! s verbis cs abgelchnt, ״die Verantwortlichkeit an dem Verbrechen irgendeiner Gruppe aufzuFürden“. Und die Pc cichmmr, die der Präsident des englischen Unterhati'cs schin bei der bloßen Frage, ob ein politischer Mord vorlicge, fand, daß sic nämlieh unfair sei, gilt doppelt für den Versuch, vor Ergreifung der Mörder schon die Motive der Tat fcstziistcl'cn. Wir verweisen übrigens auf die Tatsache, daß auf unsere Anfragen in Nr. 9, 14, 19, 26, 36, 33 und 42/13 der ״Jüdischen Rundschau“ 1921 hinsichtlich der Beziehungen zwischen de Haan und Aguda diese bis heute nicht erklärt hat, daß sic mit de Haans Tätigkeit iibcrcinstimmc und er ihr Vertreter war. Lediglich der ״Israelit1 hat uns den Rat gegeben, uns darüber nicht ״den Kopf zu zerbrechen". Nach Informationen, die wir eben aus Paläst'na erhalten, besteht durchaus die Möglichkeit, daß die Motive des Mordes auf privat-persönlichem Gebiete liegen. Die Antwort des Kolonlalmlnlslers an! die Interpellation Ober de Haan Mr. J, H. Thomas erwiderte auf die (in unserer letzten Nummer initgeteüte) Interpellation des Lentn.-Cooiud Howard Burv: ״Bedauerlicherweise ist Dr. de Haan in der Nacht des 30. Juni in dem jüdischen Viertel von Jerusalem erschossen worden. Es werden energische polizeiliche Nach• forsch ungen angcstclit. ich bin jedoch noch nicht in der Lage, irgend etw׳as über die Resultate zu berichten. Was den zweiten Teil der Frage anbetrifft, so beabsichtigte nach meinen Infor• mationen Dr. de Haan nicht, nach London zu reisen. ColoncbLeutn. Bury fragte hierauf Mr. Thomas, ob dieser glaube, daß es sich um einen politischen Mord handle. Thomas begann: ״Ich kann nicfil glauben , . “ wird jedoch vom Speaker unterbrochen, der diese Zusatzfrage als unfair bezeichnet und darum die Ecant• Wartung nicht zulassen kann, « In der Nachmittagssitzung vom 7. Juli stellte Leutn,• Colonel T. S. R. Williams an den Kolonial-Staatssckrctär die Frage, ob seitens der britischen Regierung an die Pa• lästina-Regierung eine Anweisung ergangen sei, der Regierung von Transjordanien einen finanziellen Bei• stand zu gewähren. Mr. J. H Thomas erwiderte, daß die britische Regierung keine Anwc isung dieser Art gegeben hätte. Das Kolonialarat an die palSslinensisehe Regierung über den Mord an de Hann Die p.1 lä st i n en s is eh c Regierung hat von dem Kolonialamt das folgende Telegramm erhalten: ״Bitte im Namen der Regierung Sr. Majestät den Verwandten Dr. de Haans die Anteilnahme ausrudrikken. Die Regierung Sr. Majestät ist über die Gewalttat sehr bestürzt und hofft, daß man die Mörder bald dem Gericht wird übergeben können.“ Sir Gilbert-Clayton, der Vertreter des High Com• missioncr, überreichte das Telegramm persönlich dem Rabbiner Sonncnield während dessen Besuchs im Rcgicrungspalais. In Privathäuscr und kommen nachmittags wieder nach Hause, während mir ganz wenige bei ihren Arbeitgebern logieren mögen. Die meisten dieser häuslichen Hilfen sind bloße Ge• legcnhcitsarbeiterimien, die bei jedem Anstoß die Arbeit nieder• legen und ein paar Wochen müßig hertmigehen, bis der Hunger sie wieder ans dem Hause treibt. Einige Mädchen machen auch den unvermeidlichen Schnciderkursus durch, einige wenige kommen in industriellen Betrieben unter. Am Sabbat gehen sic in leuchtenden Seidenkleidern und fettglänzenden Frisuren in den Hauptstraßen der Stadt spazieren, Will man sie zu irgendeiner Bestellung in ein andres Viertel schicken, so findet man, daß sic vor einem solchen, ihnen gänzlich ungewohnten Unternehmen lebhafte Furcht empfinden. Ihr Horlzont (st winzig, ihre Gewissenhaftigkeit gering, aber die meisten dieser jungen Sephardinnen haben einen angc60r״c11 Sinn für Ordnung, eine erhebliche Haudgeschicklichkeit und Intelligenz und ein feines Taktgefühl. Ihre Arbcitslaufbahn, bei der sie, unter der Leitung einer verständnisvollen mütterlichen Hausfrau erzogen werden kön• nen, ist leider nur kurz, denn eine Antoinette oder Viktoria oder Loulon (beliebte Namen für scphardischc Mädchen!), die mit 1ל Jahren noch keinen Mann hat, gilt schon als Sitzengebiiebene. Noch vor diesem Alter suchen die Mädchen aus ihren flausstcllt1nr.cn iicrausrukommcn, weil die sepharclischcn Schneider• und Schuhms-hergehilfen, die als Bewerber in Betracht *omnien, ein ״Dienstmädchen“ als unstandesgemäß anschcn. Eines Tages, wenn die Fünfzehn• oder Sechzehnjährige 6 "י״יer Arbeit׳ nach Hause zuriiekkehrt, wird ihr eröffnet, daß sie nun so gut wie verlobt sei. Den Zukünftigen hat sic ״och nie gesehen und lernt ihn auch erst am Abend der großen ־ Veriobungsfeier in ihrem eigenen Hause kennen, bei welcher «er Verlohungskontrakt aufgesetzt und von zwei Chachamim unterzeichnet wird. Laut diesem Kontrakt muß die Hochzeit In soundso vielen Wochen oder Monaten statifinden. Protestiert die Braut gegen die Ehe mit dem für sie ausgesuchten oUnne, so muß sie eine hohe Entschädigungssumme «■« etwa Die Ajjstla sh Kc״lc0«*0־*r;J Die p.ilfi st inen siehe Aguda h forderte telegraphisch das Colonial ofiice auf, den jüdisch-orthodoxen kommunalen Organisationen in Palästina volle Freiheit zu gewähren, das wäre das einzige Mittet, dem Konflikt zwischen den beiden jüdischen Parteien in jerusnlcm Einhalt zu gebieten. Am 3. Juli ahends fand in London eine Versammlung des 7. c ntralrats der englischen Aguda» Jisroel siatt. Den Vorsitz führte der Präsident der Weltorganisation der Agrnlah, Dr. l’inchns Kohn. Es wurde eine Resolution angenommen, in der das Attentat an Dr. de Hann scharf \cnir• teilt wird. Ferner wurde erklärt, die zionistische Presse trage die Verantwortung für die Feindschaft unter den jüdischen Brüdern. Die Resolution bezieht sich nicht auf die Zionistische Organisation, sondern mir auf gewisse Tendenzen einzelner zionistischer Zeitungen. (Und die agudistischc Presse? Dürfen wir Herrn Pinchas Kohn vielleicht an den Artikel seines Blattes, der Wiener ״Jüdischen Presse“, erinnern, ln dein die schwere Mißhandlung des greisen Warschauer Gemeindepräsidenten durch Agudisten ausdrücklich gebilligt wurde? Er nenne ein zionistisches Blatt, dar, sich so weit verstiegen hättet Und es macht doch wohl keinen nt großen Unterschied für die Beurteilung der Tat aus, ob rin Attentat ״mir“ erhebliche Verletzungen oder den Tod zur Fo’ge hatte 1 Red. ״J, R.“) Es wurde beschlossen, bei Sir Herbert Samuel .anzufr.agen, ob nicht endlich eine Möglichkeit geschaffen werden könne, eine freundschaftlich׳; Einigung bezüglich der Position der Aguda in Sachen der Gemeindeordnung herbeizuführen, damit die Aguda der Notwendigkeit eilthoben sei, sich offiziell an das Kolonlalamt zu wenden. Die Wahlen zum psISsllnenslsch-arabiselMtn Kongreß Grober Wa 11 IschWindel. Der siebente arabische Kongreß, ursprünglich auf den 15. Juni cinherufen. ist auf den 20. Juli verschoben worden, um die Wahlen der Delegierten ״mit aller Sorg• fall“ vornehmen zu können. Wie diese Sorgfalt missient, darüber berichtet der ״Ncar East", Die Jerusalemer Wahlen waren nach einem offenen Briefe an MusaKasim Pascha, den Präsidenten der Exekutive des Kongresses, eine Komödie, Der Schreiber des offenen Briefes, ein Jerusalemer Notabler, Shekib Effendl c n - N as 11 n sh i b i, war eingeladen worden, bei der Oeffimng der Wahlurne und bei der Zäh• lungderStimmen mitzuwirken, fm Briefe erklärt Shekib, daß er wegen des ganzen Wahlhutubtigs ,.seine Hände in Unschuld wasche“ und daß er mehrere Tafsscliqn von Ws.hl* schwinde! anführen müsse. Die meisten Aufschriften auf den Umschlägen, in denen sich die Wahlrede! befanden, waren von derselben Hand geschrieben. Die Wahlzcltel waren von derselben Hand ausgefülit, die die Adressen auf den Um• schlagen geschrieben hatte. Viele Stimmzettel waren nicht ausgefiillt. Die Gesamtzahl der in den Urnen befind ichcn Stimmen betrug 980, wälirend Musa Kasitn F’ascha als mit 1124 Stimmen gewählt erklärt wurde (1). Wenn die Wahlen in Jerusalem so ausgescltcn haben, fragt der Schreiber, wie sind sie erst im ganzen׳ Lande vor sich gegangen? Der ,,Ncar East" fügt hinzu, daß der arabische Kongreß wohl eine repräsentative Körperschaft der arahisch-pj'ästlnen!Ischen Meinung wäre, wenn ihn tatsächlich die Gesamtheit der Araber Palästinas gewühlt hätte. im ״Near East“ lesen wir: ״Eine charakteristische Probe vom Nebeneinander moderner Einrichtungen und mittelalterliclier Bräuche in Palästina bildet nachstehendes Vor• koimnnis, das sich in ungefähr einer Melle Envfern u n g v o n Jerusalem um dieselbe Zeit abgespielt hit, als in Jerusalem in ״geheimer Wahl“ Delegierte für den arabischen Kongreß gewählt wurden. Im Dorfe Sihvan wurde der Bruder eines gewissen Ahamad Darwlsh ermordet. Der Mörder entkam und seine Familie zahlte an Ahamad 300 £ Sühne• gcld, tim im Sinne der ״Fcllah“, eines alten Blut rach-!• Gesetzes, «len Mörder von Ahamad, auf dem die Pflicht eines ״Bluträchers" Hegt, losnikanfcti. Ahamad ging aber auf diesen Handel nicht ein und tötete zwei Brüder des Mör• der s.“ 17 Millionen Juden In der Welt Laut Angabe des Taschenkalcnders, den der Keren Ka• fern eth für das Jahr 5685 in Druck gelegt hat, gibt cs in der ganzen Welt 16 875 000 Juden. Die Zahl beruh! auf Angaben der Vertreter des Fonds in den ver• schiede nen Ländern. 5 Pfund — bezahlen, was ihr von vornherein den Mut zt! je,י׳• lieber Auflehnung raubt. Ist sic dann, nach siebentägiger Hochzeits,׳der, im Hause des Mannes, so muß alle Arbeit für sic ein Ende haben, denn für eine verheiratete Sephardin ist das Arbeiten ebenso schm!.eh» voll wie für eine Aschkenasin. Ihr einziger Beruf ist jetzt nur noch, jedes Jahr ein Kind zu gebären und di *sc neue Generaüon aiifwachsen zu lassen, wie sie selbst ,-uifgcwachsen ist, Und wenn die Kindesschar in der einzigen Stube gar zu iäsdg wird, schickt man sic in den Kindergarten und die Schule. In welche Schule, ist gleichgültig, solange man kein Schulgcld zu bezahlen braucht. Die billigsten Schulen sind die Miaslmisscluilen, die noch was zugeben, da sie Mahlzeiten und Kleiner verteilen. Sic haben infolgedessen ln der letzten Zt dt bei meinen scpli,irdischen Nachbarn aus Bagdad, Urfa und Ninive, aus Alexandrien, M־rokko und Tunis, 1ms Allcppo und Saloniki stark an Beliebtheit zttgenommen. Wann wird endlich der Tag kommen, an dem Jerusalems Frauen sich ztisammenfun und in die einzelnen kleinen Welten in ihrer Stadt cindringcn werden, um hier Wirtschafts• und Industrieschulen zu errichten, in denen ihre elenden Mit• Schwestern lernen, daß Arbeit kein Fluch, sondern ein Segen isil Auf Enttäuschungen müssen soziale Arbeiterinnen mit #01• eh cm Programm freilich vorbereitet sein, denn wo der Arbeit*• willc seit Generationen erschlafft ist, wird es nicht leicht ®du, ihn zu wecken. Aber cs gibt doch auch Erscheinungen, die zu ernstem Bemühen anregen: z. B. meine grusinische Nachbarin, deren Mann als Lastträger manchen Tag nicht mehr als einen Schilling verdient und die es dennoch — auf fast rätselhafte Weise — möglich macht, ihre Kinder sauber zu kleiden und die drei größten regelmäßig ln die Schule zu schicken. ״Und wo nehmt Ihr das Schulgeld her?“ ״Dafür müssen wir eben Hunger leiden. Aber besser, daß die Kinder jetzt hungern und dafür später ihr Brot verdienen können,“ . h.h, c. Za den Protesten pflen Dr.llalpera und vanVriesUud Vom deutschen Z c n t r aIb ü r 0 des ״M ls * rach i" erhalten wir die folgende Zuschrift: Die ״Jüdische Rundschau“ hat vor einigen Wochen eine kurze Notiz über Protcstversammlungcn in Ercz-Israel ge• bracht, die gegen die Verletzung der Sabhatliruhe seitens zweier Mitglieder der Exekutive, der Herren Dr. II,ו Ipern und van V riesland erfolgt sind. Die Notiz war etwas lapidar gehalten und man durfte auf die in Aussicht gestellten näheren Mitteilungen gespannt sein, denn bei dem Umfang, den die Protcstversammlungcn in Ercz-Isract an. genommen haben, diirlte man nnnchmcn, daß ein Interesse daran vorlag, die zionistische Ocffcntlichkeit in Deutschland über die Tatsache atifzuklären. Es erschien dann eine Woche später eine kurze Mitteilung, ln der als Tatbestand angegeben wurde, «laß die Herren bei einer Inspektionsreise, die 6ie am Freitag Abend unternommen hatten, erst nach Beginn des Sabbatiss in Haifa angekommen seien. Im unmittelbaren Anschluß daran wurde eine Erklärung der Exekutive abgedruckt, in der cs u. a. heißt, daß sie ihr Bedauern über eien Vorfall ausspricht, aber keine Macht hat, die ״Handhingen von Einzelpersonen in ihrem Privatleben diesbezüglich zu kontrollieren“. Es scheint, daß man hiermit die Angelegenheit als erledigt anschcn will. Gehe man sicli indessen keiner Täuschung hin; sie ist nicht erledigt und das üclühi höchster Erbitterung, das im ganzen Lande herrscht, ist auch nicht dadurch zu beschwichtigen, daß man den Tatbestand entstellt wiedergibt. Geschehen ist folgendes: Die Mitglieder der Exekutive van Vricsland und Dr. 1 lalpern sind von einer Inspektionsreise geraume Zeit nach Beginn des Sabbaths in Haifa angekommen, dort in dem arabischen Hotel ״Majestic“ abgestiegen und haben am nächsten Tag, dein Sabbath, im Automobil die jüdischen, wirtschaftlichen Institute Haifas inspiziert. Ist es vielleicht notwendig, dem deutschen Leser zu erklären, was das für eine ungeheuerliche Brüskierung der religiösen Gefühle des Landes bedeutet? Es wäre bedauerlich, wenn cs notwendig wäre. Aber der Umstand, daß sich in der zionistischen Presse bisher keine Stimme gegen diese Provokation erhoben hat, scheint doch darauf hiiwuwciscn, daß man das Vorgefallene nicht versteht. Der Sabbath ist im ganzen Lande der Tag der Arbcitsruhc. Von Freitag Nachmittag an sind die Geschäfte geschlossen und die Heiligkeit dieses Tages ist im öffentlichen Leben erkennbar, In allen Stätten und Kolonien. In Tcl-Awiw, der einzigen Stadt mit jüdischer Selbstverwaltung, ist durch Ortsstatuten festgclegt, daß im öftciitlichcn Leben die Verletzungen des Sabbatligesdzes verboten sind. Zwei Männern, die im höchsten Gremium sitzen, das die Zionistische Organisation geschaffen hat, ist es Vorbehalten geblieben, sich über diese Dinge hiriwcgzaisetzcn. Ohne Gefühl für das, was dem jüdischen Volk, nicht nur in Erez-lsracl, heilig ist, fahren sic iin Automobil durch *Jiic Straßen der Stadt Haifa und das jüdische Viertel ״Hadar-Hakannel“ und besichtigen dort wirtschaftliche Institute. Die Exekutive will glauben machen, es habe sich um eine Privatsachc der beiden Herren gehandelt, und sie könne sich nicht in Privatangelegenheiten cinmischcn. Warum nicht? Ist-das, was Mitglieder einer Organisation öffentlich tun, eine private Angelegenheit einer Person; fällt nicht mit Recht die Verantwortung für solche Dinge auf die gesamte Exekutive und auf die Urganisation zurück und glaubt man, daß die Stimmung, die durch eine brutale Verletzung der religiösen Gebilde ausgelöst wird, nicht wieder auf die Organisation, als deren Vertreter sie gewählt sind, zurück fällt? Und nun (obwohl wir dies für unerheblich halten) zur privaten Angelegenheit. Herr van Vricsland ist Finanz» Beamter, Herr Dr, Hslpern Vcrwaltungsmitglied der jüdischen Kolonialbank und Mitglied des Finanz• und Wirtsch.iftsratcs. Die Herren inspizierten am Freitag vermutlich in amtlicher Angelegenheit die Siedlungen des ländlichen Emek, die städtischen dagegen nicht in amtlicher Eigenschaft, sondern lediglich als private Beschäftigung. Wäre diese Besichtigung auch dann eine private Angelegenheit gewesen, wenn sie am Donnerstag oder am Sonntag stattgefunden hätte? Haifa besitzt jüdische Hotels. Mitglieder der Exekutive ziehen es vor, statt im Hotel ״Herzt i .1“ in einem arabischen Hotel abzusteigen, Es ist nocli nicht lange her, daß ein großer Pressesturm gegen ein amerikanisches Reisebüro erfolgte, weil es die Reisegesellschaften in arabische Hotels führte, anstatt in jüdische. Den Mitgliedern der zionistischen Exekutive scheint man das gleiche Verhalten nicht zu ver- Übeln. Ich weiß nicht, oh ein Führer der arabischen Natio» nalistcn bei gleichen privaten Inspektionsreisen im Hotel ״Herzlia“ Wohnung nerimen würde, und wenn, welche Beurteihing sein Verhalten in ihrer Presse finden würde. Die öffentliche Meinung in Erez-lsracl ist durch diesen höchst bedauerlichen Vorfall aufs Aeußerste erregt, unti es gibt kaum eine Stadt, in der nicht die energischesten Protestkundgebimgcn erfolgt sind. Es wird der zionistischen Leitung nicht leicht sein, die Wogen wieder zu glätten, die durch das so vollkommen unverständliche und jedes Gefühl für das religiöse Empfinden des Volkes und für politischen Takt ermangelnde Vorgehen der beiden Herren aufgewühlt worden sind. Auch der unvermeidliche Rücktritt der beiden Herren wird jetzt, nach der unglücklichen Erklärung der Exc. kutive, kaum ausreichen, Zu vorstehender Erklärung möchten wir zunächst bemerken, daß wir nicht von einer ״luspektionsre-sc“, sonder« ausdrücklich von dem privaten Charakter der (in einem Privatauto unternommenen) Reise beider Herren geschrieben halien. Es scheint uns ganz klar zu sein, daß von einer anti» religiösen Tendenz und Absicht In der Angelegen• heit keinesfalls gesprochen werden kann. Das ist für jemanden, der die Herren Hatpem und van Vricsland kennt, von vorn• herein anzunehmen, Wir hätten daher gewünscht, daß der ״Misrachi“, auch wenn er sachlich im Rechte wäre, unnötige Schärfen, wie sie Insbesondere im Schlußsatz zu konstatieren sind, vermieden hätte. Eine solche Behandlung an sich be• daticrlichcr Verstöße müßte notwendigerweise zu einer Ver• armunfj an Menschen Inncrha'b der Zionistischen Organisation füiircn, die unserer Sache nicht dienlich sein könnte. — Wir sehen übrigens in der Angelegenheit auch einen charaktcristisehen Beitrag zur Frage der Verlegung def Exekutive nach Palästina. Nene Exzesse in CzcroowUz Nachdem In C/crnowItz In den letzten drei Junitagen ein von Studenten geführter Mob im Volksgartcn und Im Zentrum der Stadt schwere Ausschreitungen gegen Juden begangen hatte, schien cs, als ob die Ruhe wieder c’mgckehrt wäre. In den letzten Tagen jedoch wiederholten sich die Exzesse und nahmen zum Teil einen großen Umfang und einen ernsten Charakter an. Die rumänischen Studenten und ihr Anhang versuchten, die Cafehäuser im Zentrum der Stadt zu stürmen. Einzelne Trupps Wierfielen jüdische Passanten. An mehreren Stellen kam es zu Schlägereien. Es gab auf beiden Seiten zahl• reiche Verwundete, Auch der Führer der antisemitischen Studenten wurde schwer verletzt. Die Polizei ging viel• fach gegen die Juden vor und verhaftete mehrere der• selben.