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Jüdische Rundschau · 1924-06-03 · Heft 44 (3.6.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 44 (3.6.1924)
Date
1924-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Efmtfnmnmer 0,25 Goldmark r ד־־״־ז j-j ך~-ן f- ך־! ד ü®,,if«rr usBrsT”״” מד ״ Redaktion und Verlas! W 15, MdnekentraOe 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bcznfpprci» bei der Expedition monatlich 1,05 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. A<Ml«nHakHARnt«1»nl1 «rtrdUn in dar Wlhmaj( dar atntataaa Lladtr barachnrt• J \!SStlFSITS Nummer 44 Berlin, 3. VI. 1924 Anreißen -Verwaltung: Jüdische Randichnti G. m. b. H., Berlin W15, Melnekc• »traÜo 10. — Telephon! Amt Bismarck 7165 — 70 Amatganprafi 1 RNonparatllaialla 0,30Goldmark, Slallen« g«1uthe 0,15 Gnldmark. Für htbrKUch• An«»i|an 100% Au(8cb)1|. Ancai(!*nacHlyQ1 Dlaa•(•!{ und F r i t tf 01eb«IM1|| 4 Uhr. 1״ r״׳*״״! ji.. נt.j 3־־1 r Dar Zionismus erstrebt fllr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rochtllch gcialchoi'ton HolmstStta In DelSstln■• Telephon! Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich! Postapark,n»sen«ml Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Poataparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — RedaktionsschluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. — XXIX Jalirg. ״Basalar Proaramra.‘* א׳ פיון׳ חרס״ד Dis oiacrEscadMätaa Jade» üstd dis Jcwish Agency Eine Darstellung Dr. Wcizmann* Kolonisationswirtscliail Eine der Besonderheiten des Attfbaus Palästinas kommt mcl!r und mehr zum׳ Bewußtsein der zionistischen Kreise: die Tatsache, daß « sich bei dem Aufbauwerk 11m ein Kolonisationsuntcrnchmcn bandelt. Mehr und mehr erkennt man, daß alle Vergleiche mit der Wirt• Schaft anderer Länder schon aus dem Grunde hinfällig sind, weil in Palästina eine Kolonisations-Wirtschaft notwendig ist, während die Unternehmungen der anderen Länder auf einer bereits gefestigten volkswirtschaftlichen Basis beruhen. Kolonisations-Wirtschaft unterscheidet sich von anderer Wirtschaft dadurch, daß sic sich selbst die Bedingungen ihres Gedeihens schaffen muß. Während in der normalen Wiitschaft mit bestimmten Transport in 5g• liclikeiten gerechnet werden kann, wahrend die Zu- und Abfuhrwege vorhanden und demgemäß bekannt sind, muß eine Kolonisations-Wirtschaft sich diese Wege und Transportmöglichkcitcn erst schaffen; während man anderswo mit einem vorhandenen inneren Absatzgebiet rechnen kann, muß die Kolonisations-Wirtschaft immer davon ausgehen, aus sich selbst heraus neben einem Pnoduktionsßcbiet ein inneres Absatzgebiet zu bilden. Daher ist z. B, Mcnschcnzuwachs in Kolonisationsgehicten geradezu entscheidend. Ein Zuwachs von 5CK)(T Menschen in Pa* läitina bedeutet eine außerordentliche Vermehrung nicht nur der Produktivsondern auch der Konsummöglichkeifen, Kolonisntions-jWirtschaft bedeutet also, daß die meisten Erwerbszweige Unkosten tragen, die gleiche Unicritehnumgen in wirtschaftlich fundierten Ländern nicht zu tragen haben. Selbstverständlich ist jede derartige Kolonisations- Wirtschaft nur möglich, wenn die besonderen Unkosten, die sie zu tragen hat, ihr nicht allein aufgebürdet werden. Jede Kolonisation verlangt Zuschüsse seitens des Mutter- Landes. Die Kolonisations-Wirtschaft kann die allgemeinen außerordentlichen Unkosten nidit tragen. Sie hat ein Recht zu verlangen, daß das Mutterland diejenigen Summen in das zu kolonisierende Gebiet hincinstcekt, die eine wirtschaftliche Produktivität überhaupt erst ennögliehen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Kolonisations- Wirtschaft immer wirtschaftliches Beginnen von Grund auf darstcllt. Alle Erfahrungen, mit denen man in Lindern, die wirtschaftlich durchorganisiert sind, rechnen kann, die ungeheure Bedeutung der wirtschaftlichen Tradition, die Tatsache, daß in anderen Lindern im Laufe der Jahrhunderte genau bekannt wird, in welcher Art die Wirtschaft am besten gedeiht, fehlen im Kolonisationslandc. Dort müssen Versuche angcstcllt werden, von denen notwendigerweise ein großer Teil fehlschlägt, um zu erkennen, welche Wirtschaft möglich ist; der Anbau der verschiedenen Arten von Pflanzen, Getreide, Früchten, Bäumen, die Art der landwirtschaftlichen Bearbeiturig, Düngung usw. muß erprobt werden. Die Frage der besten Ausnutzung von Wasser und Wirtschaftskräften muß einem Studium unterliegen, nicht nur einem theoretischen, sondern einem praktischen, kurz, es müssen immer wieder von neuem Versuche unternommen werden, um endlich nach dem Fchlschlagen 9011ndsovielcr und dem Gelingen einiger Versuche eine wirtschaftliche Produktion auch im Kolonisationslande zu schaffen. Alle diese Bedingungen gelten für Palästina. Jede Arbeit ln Palästina muß von Grund auf getan werden. Es wäre schon rein wirtschaftlich unzulässig, Wirtschafts• und Prtxluktionsformcn anderer Länder einfach nach Palästina zu übertragen. Die Tatsache also, daß Palästina ein Kolonisationsland ist, die besonderen Erschwernisse, mit denen demgemäß die jüdische Wirtschaft in Palä.stiiia zunächst zu kämpfen hat, •sind gleichzeitig eine der größten Chancen für den jüdischen Aufbau in Palästina. Der Aufbau dieser Kolonisationswirtschaft ist aber, wie bereits betont, nur mit Zuschüssen seitens des Mutter• Landes möglich. Das Mutterland fiir die jüdische Kr>- Ionisation Palästinas ist die Judonheit. Es ist eine Utopie, zu glauben, daß die niclitjiidische Welt den jüdischen Aufbau Palästinas finanzieren wird. Die gesamte Judenheit hat die Aufgabe, die Stelle zu vertreten, die das staatliche Mutterland bei anderen KolonisationsLändern einnimmt. Die Judenheit muß die• jenigen Beträge aufbringen, die die Kolonisation ennögliehen, sie muß diejenigen Zuschüsse leisten, ohne die die Wirtschaft im Kolonisationslande nidit produktiv werden kann. Ein staatlich selbständiges Mutterland zwingt seine Bürger, durch steuerliche Mehrlcfstiingcn die Entwicklung der Wirtschaft im Kolonlsafionslande zu ermöglichen. Die jüdische Wirtschaft ln Palästina hat das Recht, gleiche Leistungen von ihrem Mutierlande, von den Juden, zu verlangen. Die Judenheit hat nicht die Möglichkeit, Steuern ein- *utreitren. Sie ist darauf angewiesen, daß die von ihr ausgeschriebenen Steuern freiwillig geleistet werden.' Ihre Das Mitglied des Großen Adions-ComiWs, Herr Leon Le vite, veröffentlicht im Warschauer ״Na je« Uajnt“ vom 26. Mai eine ausführliche Unterredung, die er mit Dr. Weizmann in London gehabt hat. Dr. Wcizmann erklärte, daß die Sainmelkampagnc für den K. H. in Amerika zufriedenstellend vor sich geht. Die Einnahmen können auf mehr als 2 Millionen Dollar geschätzt werden. Das normale Palästina- Budget sei somit gesichert. Falls c i n U c b c rs c 11 u ß, wie zu erwarten, übrig bleibt, wird dieser für Investierungen verwendet werden. Vor allem wurdet' ■250 001) Dollar reserviert, als erster Anteil des K. H. an der Investment Corporation, die auf dem Wege: der Realisierung ist und im Laufe des kommenden Winters! a!$ palästinensische Gesellschaft ihre Arbeit in Palästina beginnen wird. Dr. Wcizmann verwies darauf, daß dir: b i s 11 c r i g e n S a m m 1 u n g e n noch immer nur in jenem Kreise der Juden vor sich gehen, in dem der K. H. seine Tätigkeit begonnen hat. Die anderen Kreise, z. B. die deutschen ״Jalnidim“ und die ameri• k a n i s c h e n Juden, die unter dem Einfluß des ״American Jewish Committee“, also Louis Marshalls und Genossen stehen, sind bisher von der Tätigkeit des K. M. noch nicht berührt worden. Sic warten noch alle auf das Signal, das von ihren Ver•• trauensi( uten gegeben wird. Die Sammlungen gehen nur schwer vor sich. Obwohl der K. H.-Apparat gut ausgebaut ist und im Lande feste Wurzel geschlagen hat, ist dennoch eine große Anstrengung erforderlich, um bedeutende Resultate zu erzielen. Man kann nicht viel erreichen mit .Versammlungen und Reden, sondern muß von Person zu Person gehen. Hierbei macht sich der Mangel an Kräften fühlbar. Die Zahl der aktiven zionistischen Kräfte ist. eine sehr geringe und man muß ständig lokale prominente Kräfte heranziehen. Mit der Arbeit für die Erstarkung der Zionistischen Organisation in Amerika, die jetzt 30 bis 40 Dclegierte zum Kongreß wird entsenden können, ist Dr. Wcizmann zufrieden; das sei aber noch zu wenig, utn die amerikanische Judenheit zu beherrschen und bei dieser die höclrstmöglichcn Leistungen für Palästina zu erzielen. Dr. Weizmann stellte fest, daß in •der ameri• konischen Judenheit hinsichtlich des Palästinaprobicms eine radikale Aenderung vor sich gegangen ist. Die Kreise, die sich bisher kühl, oft negativ verhielten, haben jetzt große Sympathien für ein jüdisches Ercz-Isracl. ln dieser Hinsicht haben stark die Berichte gewirkt von Paiästinareisenden, wie Felix Warburg u. a. Felix Warburg ist von Palästina ganz begeistert. Erbcdaucrtscinfrühcresycrhalten bezüglich Ercz-Isracls und hat als erstes Zeichen Stcucrleistungcn fließen zusammen im Kolonlsationsfonds Palästinas, dem Keren Hajessod. Der Keren Hajessod ist das Gegenstück zur freiwilligen Arbeitsleistung des Chaluz. Jeder Jude, der nicht seine Arbeitskraft für den Aufbau Palästinas!!ergibt, ist verpflichtet, seine Stenerkraft für den Aufbau freiwillig zur Verfügung m stellen. Dieser Kolonisationsfonds ist notwendig׳, gleichviel oh man wünscht oder glaubt, daß in Palästina in ver• stärkten! Maile gcmeinwirtschnftliclic Formen herrschen werden oder oh auch in Palästina die Privatwirtschaftliehe Arbeit dominieren wird. Ohne den Kolonisationsfonds kann keine Form des wirtschaftlichen Aufbaus produktiv und rentabel werden. Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge muß vor allem Allgemeingut der Zionisten werden. Es genügt nicht mehr, siel! als Zionisten zu bekennen, cs genügt mich viel weniger, anderen Zionismus zu predigen. Es ist die Pflicht der Zionisten zu beweisen, daß sie sich Palästina gegenüber wirklich verpflichtet fühlen. Sie müssen die ersten sein, die die freiwillige Stcueifordcrung Palästinas erfüllen. Sie müssen die ״Kerntruppe“ des ״Mutterlandes“ sein, das die Verpflichtung fühlt, Palästina aufzubauen. Sie haben ihren Beitrag für Paiäsiina abzuführen, indem sic der Maasserforderung nachkommen. Die Maasserforderung ist nicht ein Hirngespinst utopisch denkender Menschen. Sie ergibt sich logisch aus den Notwendigkeiten für den jüdischen Aufbau Paläsiinns. Wenn Palästina werden soll, so muß diese Forderung erfüllt werden. Die nichtzionistischc Oeffentliclikcit, die von uns aufgefordert wird, mit uns Palästina zu bauen, verlangt ihrerseits mit Rocht, daß nur die- Jenigen Menschen diesen Appell an sic richten, die dieser .Verpflichtung selbst' restlos nadigckommcn sind. seiner Buße 100 00(1 Dollar für die Universltät in Jerusalem gespendet. Die Zukunft der Universität hält Dr. Weizmann jetzt für gesichert. Diese Stimmungsänderung läßt sieb bei allen amerikanischen Juden fcststcllcn. DaS j ii d i sc I! n a t ion a I c Gefühl ist bei ihnen viel stärk e r geworden. Tatsächliche Resultate könne man aber erst erwarten, wenn die Frage der Beteilig ungderamerikanischcn Juden an der Jewish Agency gelöst sein w ird. Vor seiner Abreise hatte Dr. Weizmann eine Bespreehung mit Louis Marshall und den Mitgliedern des zmn Studium der Frage der Jewish Agency eingesetzten Komitees, denen er den Beschluß der letzten A.-G.-Sitzung vorgelegt und motiviert hat. Das Komitee erklärte, daß es im Prinzip durchaus für eine aktive Beteiligung an der Agency sei, aber dem zionistischcn Vorschläge, daß die Vertreter der amerika* nischcn Judenheit sich bloß am Council der Agency und nie I! tan ihr selbst beteiligen, nicht zustimmen könne, Mars ha 11 machte folgenden Vorschlag: Für Februar 1925 wird ein Palästina- Kongreß der amerikanischen Juden cinbcrufen, der 40 Vertreter in die Agency dclegiert,während« Ile anderenLänderweitere 35 Vertreter zu senden haben, die zusammen die 75 nichtzionistischen Vertreter in der Agcncybildcn ,währendandere 75 Vertreter von der Zionistischen Organisation zu delegieren sind. Diese 150 Vertreter bilden die Jewish Agency und wählen die gemischte Exekutive der Agency. F i n a n z i c 11 e s Instrument bleibt der Keren Hajessod, für den eine große Sammlung proklamiert wird, die im Laufe von zwei J ähren 40 bis 50 Millionen Dollar ergeben soll. Die Amerikaner glauben an den Erfolg dies c r S am m lung und sind der Meinung, daß man nach zwei Jahren eine Einwanderung in großem Stil werde durchführen können. Der Aufbau Erez-Isracls müsse in! Laufevon 20 Ja 11ren vollständig zur Realisierung gelangen. Das A.-C. bzw. ein für Januar 1925 einzuberufender außerordentlicher Zionistenkongreß wird zu diesen Vorschlägen Stel« lung zu nehmen und darüber zu entscheiden haben. «I Zu diesem Interview erhalten wir nach RedaktionsseMuß die telegraphische Mitteilung aus London, daß die im ״Hajnt“ gemachten Angaben ohne Autorhlcrung veröffentlicht wurden und daß sie in wichtigen Punkten unrichtig Rind. Wir hielten uns trotzdem für verpflichtet, den Inhalt der Unterredung unseren Lesern mitzuteilcn. Der Zionismus selbst entscheidet wieder einmal über die Zukunft seiner Idee, über den realen Aufbau Palästinas!. Nur derjenige, der den positiven Forderungen, die sich aus dem Aufbauwerk ergeben, nachkommt, ist in Wahrheit Zionist. A. Bi Das PalSstlQZ-Dndgel Wie die Pal. Tel.-Agentur erfährt, sind die kürzlich zur Festsetzung des nächstjährigen Palästina-Budgets nach Palisü'na gekommenen Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrats der Zionistischen Organisation Dr. Halpern, Kaplansk y und Dr. A r 1 o so r o f f der Ansicht, in dem Budget keine Posten für neue Siedlungen aufzustcllcn, sondern statt dessen Maßnahmen zur Kräftigung der bercits bestehenden Siedlungen zu treffen. Ihr Plan geht dahin, alle bestehenden Siedlungen 111 Palästina innerhalb dreier Jahre Wirtschaftlieh selbständig zu machen. Eine Kommission, bet stehend am den Herren Dr. Ariosoroff, Qettinger, Wilkansky und Barasch wird alle jüdischen Siedlungen in Palästina besuchen, um fcstzustcllen, welche Maßnahmen notwendig sind, um alle diese Siedlungen selbständig zu machen, Kleine PalSslina-NacItrlchlen Im Emek wird zurzeit eine neue jüdische Siedlung für eine Gruppe von 40 transayfvaniachcn Fa* mllien errichtet. Diesen sind in Tel• Adas 4000 Dunam K. K. L.-Rodcn zur Verfügung gestellt worden. Bis rum komtuenden September müssen alle angcsiedclt sein. Bisher wohnen auf diesem Gebiet 44 Leute in 7 Baracken und einem Steinhaus.' Sie haben bereits ]000 Dunam gepflügt und besät, darunter, gegen 700 mit Wein, 300 mit Sommerernte, 20 mit Gemüse und 20 mit Tabak. Am 20. und 27. Juni werden aus dem Hafen von Konstanz* zwei große Dampfer nach Palästina abgeheu, die ausschliefllieh Palästina-Einwanderer mit sich führen werden. Am 26. Mai wurde auf dem Friedhof von Tel-Awiw ein Denkmal für die Opfer des Jaffaer Araberaufstandes vom Mai 1921 eingeweiht. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Usicl,

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