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Jüdische Rundschau · 1924-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1924)
Date
1924-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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יזו nvffn*׳t נ"—, י .0 V**. w * J ד" ץ"- ״־•-״£׳ ן־ --—ין ך-- r ח ן \ 2 I. 30 5. TAttzcln&mmct 0,33 Goldm.irh l ג t Redaktion und Verlag W 15, McinckcstrnOo 10. Erscheint jeden Dienstaß und Freitag. Rczußspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au*'Mnd1fthftf1n«m«nU werden in der WlVinmg der «inrelnen LÄnder berechnet• Mujntacr 42/43 Berlin, 28. V. 1924 Anzci^en-Vcnvalhmd: Jüdische Rttiul-icluui G. m. b.!!., Berlin W 1! Meinelce• strnüe 10. - Telephon! Amt Bismarck 1165 — 75 Anr.ijOnpre!* 1 SNnnpAf*־Ut(.je!!o 0,30Got.tmftrtc Stelluije,lieh. (US UnUmlirk. Für li.Urüi.cIi* An1tl£־n 100';^ Auficbl« J. Aat.'^.a.cbUiU 1 0 i e n ( r (י u n ti treltast fi.cbnjilt.ö 4 Uhl. Telephon: Bismarck 7165—70. Poitscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsnarkaisenamt Wien, Konto Nr. 156030. l'iir Tschechoslowakei: rostsparkas»ennmt Praß, Konto Nr.59410, - Rednktionsschhiß Sonntnß und Mittwoch nnchmittaß, — riasre־ דגס..־ Der Zionismus erstreb! für das Jüdische Volk die Ssha! Jung einor «י««, 1׳■■^.׳.־״ ן כ״ד אייר׳ תרפ״ד r-rr.nKr-? y r r. % v.^׳:ד.״.־ .. ״.־. . XXIX. Jahrg. öffentlich - rechtlich goslchorlon Kelnisllilta In Palästina. ״Baseler Programm.** Lr/rit* Ir di n%0 •וו %׳5 Von A b r. O o 1 d b c r g. Für ein in der ganzen Welt zerstreutes Volk wie das unsrige ist vom Beginn des Zionismus an die Frage des Sitzes des zionistischen Zentrums sehr schwer zu losen gewesen. Wir haben bei dieser Frage, wie bei vielen anderen Fragen, unter dem l>r11ck der Umstande zumeist nur nach opportunistischen Rücksichten gchandelt. Zu 1 Icrz.ls Zeiten ist das zionistische Zentrum in Wien gewesen, nicht weil Wien wirklich der passende Ort war, sondern einfach deswegen, weil Uerzl zufällig in Wien gewohnt hat. Die Schwierigkeiten, welche dadurch cutslanden sind, kann man jetzt am besten in den Tagebüchern ller/.ls lesen. Durch den Ort der Leitung war er gezwungen, sich mit Menschen zu plagen, die für die Arbeit nicht geeignet waren; aber er hatte keinen anderen Ausweg. In Wirklichkeit wäre zu jener Zeit Odessa, wo sich das Zentrum der Cliowewe Zion befand, der richtige Ort gewesen, oder Warschau, das Zentrum der hebräisch *jüdischen Literatur, oder Petersburg, wo die jüdischen lntellektuellen versammelt waren. Rufiland hat damals die Cadrcs des Zionismus gestellt — der ganze Westen war noch zionistenfeimil'di gestimmt. Rußland war aber aus politischen Gründen unmöglich und das Los fiel auf Wien, dem Führer zuliebe, der in Wien gelebt hat. Nach Herzls Tod ist das Zentrum nach Köln gewandert, weil sein Nachfolger, Wolffsohn, in Köln gelebt hat. Köln paßte als Zentrum ungefähr wie der Mars, aber durch die Umstände wurde cs dazu bestimmt. Nach Köln wurde Berlin das Zentrum, vielleicht der geeignetste Platz, Zu jener Zeit hatte Berlin schon eine zionistische Intelligenz, und seine Ver Bindung mit dem Ostjudentum aus kulturellen und sprach• liehen Gründen v.ar seit langem bekannt. Außerdem ühcrsicdcltcn nach Berlin drei hervorragende russischjüdische Persönlichkeiten als Mitglieder des E. A. C. Jedoch war auch die Wald Berlins für Amerika und die et’.rli sei» sprechenden Juden keineswegs befriedigend. Vor dein Kriege rechnete aber die zionistische Bewegung — aus Mangel an Voraussicht — sehr wenig mit Amerika, Infolge des Krieges hat sich das Bild nun vollkommen geändert und die englisch sprechenden Juden spielten die erste Rolle. Die Orientierung wurde englisch und aus den bekannten politischen Gründen ist das Zentrum nach London verlegt worden. In London wohnen denn auch die offiziellen Führer des Zionismus. Es Ist aber sehr fraglich, ob London wirklich das geeignet• Zentrum für die zionistische Bewegung ist und ob die Zeit noch nicht dazu reif ist, daß wir auch in der Frage des Zentrums eine radikale Acndcrung durchführen und uns endlich für den Platz, entscheiden, der zumindest theoretisch von allen anerkannt werden muß als der einzige entsprechende Sitz des Zentrums Palästina. Zuerst die negativen Gründe, weshalb London nicht geeignet ist. Erstens: London ist insular und nach dem bekannten Sprichwort: ״Wie es sich christclt, so jüdelt cs sich“ ist das Denken der Juden Londons auch insular. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit dem europäischen Judentum, sogar nicht einmal mit dem amerikanischen, trotz der Sprachcnglcichhcit. Das aiue• rikanisclie Judentum steht in viel engerem Kontakt mit dem polnischen oder deutschen Judentum als mit den englischen Juden, trotz der Sprachenverschicdenheit Zweitens: das englische Judentum ist in den letzten Jahren in jüdischem Sinn ganz unfruchtbar. Es ist hier nicht der Ort, auf die Gründe näher einzugehen. Die Tatsache bleibt aber bestehen, daß, trotzdem die Mandatarmacht englisch ist, die englischen Juden am wenigsten am Aufbau Palästinas und am Gang der zio« nistischcn Sache interessiert sind. Drittens: Auch die Ostjuden, die in England leben, sind ihrer kleinen Zahl wegen und aus anderen Gründen nicht genug national bewußt und nehmen im Lande nicht die Position ein, die dem zionistischen Zentrum als Stütze dienen und seine Tätigkeit aktivieren könnte. Viertens: Es ist fast unmöglich, Juden aus anderen Ländern als Mitglieder der Leitung nach London zu bekommen. Trotz des Liberalismus in England und seiner Gastfreundschaft, ist es ein bcgrcnzt-nationaler Staat mit fest ausgeprägten Sitten und Traditionen, so daß neue Menschen, speziell die Juden aus Zentral- und Osteuropa, sich schwer einlebcn können, und es nicht leicht ist, Juden aus anderen Ländern als Mitglieder der Exekutive heranzuziehen, um ihr den nötigen Einfluß und die erforderliche Autorität zu verleihen. Nur Emigranten, die entwurzelt sind und über keinen Einfluß verfügen, sind bereit, Positionen in der Exekutive einzunehmen, aber es ist fraglich,׳ob ihre Aufnahme nicht mehr schadet als nützt. Das Verbleiben des Zentrums in London bis auf den heutigen Tag ist daher mehr durch die KraJtt der Be• iWJiä Die Exekutive schlagt vor, dea XIV. Kongreß bereits in diesem Jahr abzuhalten Auffall der Jakrcskonferenz י (Offizielles Communiqud) Die Exekutiv« der Zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, da* Action*-Comit^ zu «inor Sitzung einzuberufen. In» Einvernehmen mit dem Präsidium des A.C. wurde als Ttmnln der Sitzung der 17. Juni und als Tagungsort Load©« featgeaetzt. Die Exekutive beabsichtigt, dem Actiena-Comltd den Antra״ vorzulegcn, don XIV. KongroÜ bereits In diesem Jahre, und zwar Ina Winter 1924 abzu- Imlton. Dementsprechend würde die ursprünglich!für dienen Sommer vorgesehen® Jahreskonfcrenz aasfallen. Der Grund für diesen Vorschlag ist darin zu cchcn, daß die Verhandlungen über die Bildung der Jowlsli Agency, die in Amerika geführt wurden, bereits in ein derartiges Stadium getreten sind, daß damit zu rechnen ist, daß bereits in der kürzesten Zoll klare Vorschläge der wichtigsten Jüdischen Grappa» §l»*r dlo Form ihrer Beteiligung an der Jauriah Agency varllog*» ward«». Da die Jahresko11f«raax, di« durch di« Beschlüsse das XIII. Kongresses gebunden ist und nur in deren Rahmen Entscheidungen treffen kann, in ein«r freien Erörterung und Entschließung über diese Gegenvorschläge durch formelle Bedenken gehindert wäre, dlo Entscheidung aber keinen Aufschub um oin walteros Jahr duldet, so muß nach Ansicht der Exekutive der Kongreß cinberufen werden. Die Exekutive beabsichtigt, dem Actions - Comltd am 17. Juni einen genauen Bericht und alles bis dabin vorliegende Material vorzulegcn. Die Entscheidung über die Fragen, die dann vom Actions - Comite zu formulieren sind, wird den zionistischen Wählern selbst unmittelbar anheimgcstellt werden. i*«anGswmT1CT»’K8r1i liarrlichkcit als durch positive Momente zu erklären. Faktisch hatten wir während der ganzen Zeit keine einzige geeignete Exekutive in London. Menschen sind gekommen, Menschen sind gegangen, sie haben sich aber an London nicht angepaßt, sind durch die kalte Atmosphäre Londons immer gelähmt worden, haben den Kontakt mit der Peripherie verloren und wurden abgenützt, ohne der Bewegung zu dienen. Die Frage ist daher: Wenn nicht London, welcher Ort dann? Bekanntlich hat uns die Wirklichkeit gezwungen, schon einen Teil der Exekutive nach Erez Israel zu bringen. Trotz des mangelnden Willens, sieh für Ercz Israel zu entscheiden, it doch durch den Druck der Logik wenigsten־׳, ein Teil der Exekutive nach Eie/. Israel übersiedeit worden. Wir sind durch diese Logik zur Unlogik gekommen. Denn anstatt mit einer, sind wir mit zwei Exekutiven gesegnet; wir haben ein Chaos und Zerrissenheit geschaffen, anstatt Einheit und Ordnung. Außerdem ist es bis jetzt nicht-klar geworden, welches die Funktionen der Exekutive in Palästina nt;d welches die Funktionen der Exekutive in London sein sollen. Theoretisch haben beide gleiche Rechte. Faktisch muß sich aber eine der andern uutcrordncn; die Kompctenzen vermischen sich und cs ist nur eine Frage der Stärke oder der Schwäche der Persönlichkeiten, ob wir Konflikte oder Ruhe haben, ln der Zeit, wo die Palästina- Exekutive eine starke Persönlichkeit als Führer hatte, sind die Reibungsflächen, wie bekannt, sehr groß gewesen. Wenn die Exekutive in Palästina schwächer geworden ist, war cs sicher nicht zum Nutzen der Bewegung. Wer die Frage des Aufbaus Palästinas an Ort und Stelle studiert hat, muß zum Schluß kommen, daß 99 (l/0 aller Fragenkomplexe besser in Palästina behandelt und berücksichtigt werden können als von irgendeinem anderen Ort her. Es ist beispielsweise purer Unsinn, einen W i rt sc 11 a f tsrat in London zu haben, der theoretisch Wirtschaftsfragen in Palästina leiten und lösen darf, in einer Zeit, wo das ganze Material und alle Anregungen aus Palästina kommen müssen. Sogar die Politik ist jetzt in der Hauptsache eher eine Frage der Verhandlungen mit der palästinensischen Regierung, als mit der englischen. Es gibt viele Momente, in denen das Colonial Office in London als letzte Instanz wichtig wird, aber London soll wirklich bloß letzte Instanz sein. Eine gute, tüchtige Politik wird die sein, die an wenigsten gezwungen ist, mit London zu verhandeln. Es ist darum klar, daß, wenn wir aus der Verwirrung licrauswolien, cs am besten Ist, nicht zwei Exekutiven, sondern nur eine zu haben und sic nicht zu teilen, sondern sie im Ganzen an einem Ort zu haben. Selbstverständlich muß dieser eine Ort Palästina sein. Es werden natürlich Einwendungen kommen: Können wir denn schon die Politik zur Gänze naclt Palästina verlegen? Hat die Erfahrung uns nicht bewiesen, daß London uns aus Verlegenheiten herattsgerissen hat, die durch die Regierung in Palästina geschaffen worden sind? Unsere Antwort ist darauf: In London soll tatsächlich eine gute politische Vertretung' bleiben. Es kann in London außer unserer Gesandtschaft ein Komitee von einflußreichen Persönlichkeiten organisiert werden, so daß wir bei gewissen Gelegenheiten, wenn wir cs brauchen, den ganzen Einfluß haben sollen, um unsere Exekutive in Palästina bei den Vorstellungen im Colonial Office in London zu unterstützen. Wir haben schon Achnlichcs in der Geschiclitc unserer zionistischen Bcwegung gelabt Gleich nach der türkischen ,Revolution, als Konstantinopcl vom politischen Standpunkt wichtig wurde, ist außer dem Zentrum in Berlin ein gute•» politisches Ressort in Konstantinopcl eröffnet worden, welches im Aufträge der Exekutive die Bewegung bei den betreffenden Instanzen politisch vertreten hat. Es• ist damals niemand eingefallen, weil die Politik in Konstantinopcl gemacht wurde, daß darum, auch da* zionistische Zentrum nach Konstantinopcl verlegt werden solle. Das Festhalten an London ist jetzt in Wahrheit nicht logischer, als cs die Entscheidung für Konstantinopel damals gewesen wäre. Der zweite Einwand, der viel gewichtiger ist, ist der folgende: Was soll aus der Zion!,tischen Organi•• satkm werden? Ls wird dabei gesagt, daß Palästina zu weit ist, um auf den Gang der Bewegung Einfluß zu haben und mit allen Teilen der Organisation in Berühning zu kommen. Dabei wird der Verdacht geäußert, daß die Verlegung des Zentrums nach Palästina eine Unterschätzung der Wichtigkeit der Zionistischen Organisation bedeutet, und daß mit der Uebcrtragung des( Zentrums beabsichtigt wird, die ganze Aufmerksamkeit dem Aufbau Palästinas zu widmen. Darum soll ein für alle Mal deutlich gesagt werden, daß die jetzt maßgebenden amerikanischen Zionisten, die bekanntlich Anhänger der Verlegung des Zentrums nach Palästina sind, absolut Gegner jeder Abschwächung der Bedeutung der Zionistischen Organisation sind. Gerade umgekehrt: die amerikanischen Zionisten sind sich darüber klar, daß der Aufbau Palästinas nur möglich ist, wenn die Zionistische Organisation stark ist. Es wird daher in Amerika sehr viel Gewicht auf den Aufbau der Organisation gelegt, welcher als eine Vorbedingung für den Aufbau Palästinas betrachtet wird. Doch sind wir für die Verlegung des Zentrums nach Palästina nicht nur aus den Gründen, die hier angeführt wurden, sondern es ist unser fester Glaube, daß auch hinsichtlich der Organisation Palästina der geeignete Ort ist. Aber das erfordert noch eine kurze Erläuterung: Wollen wir dem Leben ins Auge sehen, so müssen wir zugeben, daß unter den jetzigen Bedingungen des jüdischcn Lebens, was die Organisierung der Kräfte, die Stellungnahme zu •zionistischen Kreisen und die ganze technische Arbeit anbelangt, ein Zentrum unmöglich ist. Es ist z. B. ein neues Faktum zu berücksichtigen, welches bis dahin in der zionistischen Bewegung nicht existierte. Das sind die fünf Millionen englisch sprechenden jüdischen Massen, welche nicht von einem Ort in Europa geleitet werden können. Sie haben eine andere Psychologie, eine andere Mentalität, ganz eigenartige Agitntionsformen, eine bessere oder schlechtere Stellung zu verschiedenen Fragen. Und das alles muß von einem Ressort geleitet werden, das die Psyche der jüdischen Massen jener Orte kennt. Es ist auch eine Tatsache, daß Deutschland z. B. jetzt nicht mehr als das Zentrum für Osteuropa angesehen werden kann, was vor dem Kriege möglich war. Polen, Rußland, Litauen usw. müssen jetzt ein ganz anderes Zentrum haben, welches ihren neuen Bedingungen nngepaßt sein und ihre Möglichkeiten in der Zukunft berücksichtigen soll. Ebenso ist cs klar, daß wir endlich aufliörcn müssen, das scphardische Judentum oder die Juden des Orients weiter zu vernachlässigen, die für den Aufbau Palästinas sehr wichtig sind, was von Tag zu Tag deutlicher wird. Und wenn wir einen wirklichen Einfluß auf sie haben woben, müssen wir ein Zentrum haben, das im Einklang jnit ihrer Psyche steht

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