Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 39 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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19. 5. 24 EJmdnämmer 0,30 öoldnmrft '♦«»ן mTl 1..—.1 tjfl 1 ■ sti.ilk 10. Anicl! g«1ucI1 Aini * 0,15 Goldnuifk. •Itliiü! Di *וון ־:;L/'r.'.ÄEsr, r «' ן ן \! ,! / :־: ׳ .1 t m־r»1Tafaa1 Rtdaktion und Vcrlmt W 15, Mcinekcstrnßo 10. Erscheint jeden DicnMng lind I-'reita!{. I1«*y«1jJ»)»rcln bet der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldinarl». A*iUod»*bonefmenU w*rden in d«r WlUrung <1«r •in!«ln«n Lflndcr borcchmM* Kj V MiESWSSSEZZ 8liShSr!.,*>,,■ Kummer 39 . 1 Berlin, 16. V. 1924 maamx4azs%vmaM£ssr.es^a£,1mxrJs1sas.zaata:':'^azz ־«r.■. axKisxxBRr:׳ ” x;• sx es. Dar Zionismus ersSrabt fßr das Jüdisch® Volk dla Schaffung einer öffonllleh»rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baselar Programm.‘* Das jetzt wieder in London erscheinende zionistische Zcniralorgnn 1״ Ino) a m“ &chreibt: Die Antwort, die der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Lord Arnold, ,7 הוו. Mai im Hou.se of Lords gepöben 11 at, ist eine wichtige Kundgebung der gegenwärtigen Regierung über ihre Politik in Palästina. Die Antwort ist im allgemeinen für uns zufrieden* stellend. Der Minister hat betont, daß die Rcgicrung sieb vollkommen mit ihrer Vorgängerin darin identifiziert, daß sic ihre Verpflichtungen gegenüber den Juden und Arabern buchstäblich erfüllen will. Der Minister hat ferner die Ausdruckswcise der gestellten Frage zurückgcwicscn, die von einer ״zionistischcn Tyrannei“ in Palästina spricht mul damit vor allein das demagogische Ziel verfolgt, auf den einfachen Leser i!1 antizionistischein Sinne ciiiziiwirken. Wir sind völlig mit Lord Arnold einverstanden, wenn er sagt, daß die Regierung Palästinas auf Grundlage der Gercclifigkeit geführt werden soll. Die Zionisten haben wiederholt betont, daß es ihnen fernlicgt, in Palästina etwas zu tun, was gegen die heutigen Bewohner ungcrecht oder feindlich wäre. Wir verlangen lediglich Freiheit für unsere Entwicklung und wohlwollende Unterstützung seitens der Regierung, die erkennen muH, daß Arbeit und Kapital zur Wiederaufrichtimg des Landes im wesentlichen von den Jn* den licreingebrnciit werden. Ohne jüdische Euergie und Mittel wäre das Land noch heute verödet. Ganz abgesehen von den im Mandat übernominellen Verpflichtungen, ist jede Regierung vcrpfliditet, im Interesse des von ihr verwalteten Landes vor allem mit jenen Gruppen der Bevölkerung zu Tcclmen, die die Hebung der Wirtschaft und Kultur erstreben. Aber darüber hinaus bestellt ja nach dem Mandat die klare und eindeutige Verpflichtung, ״solche politische, ökonomische und «administrative Bediiigungen zu schaffen, die die Entwicklung zu einer jüdischen nationalen Heimstätte sichern“. Dies und nichts anderes betrachten mich wir als Verpflichtung der Rcgierimg, die noch nicht im vollen Maße cingclöst worden ist. Wir wollen keine ״zionistische Tyrannei“, nichts liegt uns so fern wie dies, aber wir wollen eine loyale Auffassung des Begriffes der Gerechtigkeit uns gegen* über. Der zweite Teil der 'Antwort betraf Transjordanien. Auch dies ist eine außerordentlich wichtige Frage, an der die zionistische Bewegung interessiert ist. Zweifellos sind die vom Minister erwähnten Vorteile der politischen Trennung der beiden Teile Palästinas — Befreiung Palästinas von den bcduiimclicn Räubercinfällcn —־ hoch ciimiscliät/cn, aber wir kommen nicht uin die Tatsache herum, daß Palästina westlich und , östlich des Jordans eine ökonomische Einheit bildet. Besonders ein industriell, sich ent* wickelndes Palästina kann ohne das transjordänische Hinterland nicht bestehen. Daher sind auch wir Juden stark daran interessiert, daß in Transjordanien eine geordnete Verwaltung geschaffen wird, und daß zwischen den beiden Gebieten ein solches Verhältnis besteht, das eine wirtschaftliche Kooperation sichcrstelit. Wir glauben sogar, daß jüdische Intelligenz und Schaffenskraft imstande wäre, der arabischen Regierung Transjordaniens bei der Entwicklung ihres Landes׳ sehr beizustehen, und daß durch solche gegenseitige Hilfe ein wichtiger Schritt vorwärts zur Verständigung und harmonischen Zusammenarbeit zwischen jüdischem und arabischem Volk gemacht werden könnte. Natürlich müßte es klar sein, daß ein solches Zusammenwirken nicht von irgendwelchen imperialistischen Hin* tergedanken bestimmt würde, ln dieser Beziehung können die Araber zu den Juden mehr Vertrauen haben als zu irgend einem anderen Volke der Welt, denn die Juden haben keinerlei imperialistische Interessen zu vertreten. Die ganze Frage der Reformen in Transjordanien wird übrigens nach der Erklärung des Ministers In der nächsten Zeit einer Diskussion unterzogen werden. IVciznianns Absclt'edsredc an die Zionisten Amerikas New York. (J.T.A.) Am Vorabend der Abreise Df. €11, Weizmanns nach London fand in der überfüllten Halle des Hotels Astor eine eindrucksvolle Ab* s c 11 i eds kund geb un g statt. In seiner Ansprache sagte Dr. Wei/.mann: ״Solange die Jcwisli Agency sowohl liier wie auch in Europa nicht anfgebmit ist, und ■solange diese beiden Teile noch nicht vereinigt sind, um die Last des Aufbau« Palästinas auf ihre Schultern zu nehmen, so lange ruht d ic ga n z e V c ra n t wor tun g au f d c n Z ion is t c n und der Zionistischen Organisation. Da dieses Werk nicht eine einzige Sekunde unterbrochen werden kann, müssen die Zionisten die ganze Last tragen, wie sie sie bis jetzt getragen haben. Die Garantie für den endlichen Erfolg des Aufbnus der Jcwisb Agency aus den verschiedensten Elementen der Judcnlieit hängt nur von einer Sache ab: von der unbeirrbaren Bemühung der Zionisten, in ihrer Arbeit fortzufahrcn.“ Richter Bcriiard A. Rosenblatt führte nuf der Ver- Sammlung den Vorsitz. Außer Weizmanti sprachen noch Ahg. Dr. Osias Thon und der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis Lipsky. Dr. Thon spracli von den geistigen Werten des Zionismus und sagte: ״Wir müssen nicht nur die Juden aus dem Golus herausführen, sondern auch das Golus aus den Juden.“ 116.000 Pluml lllr das Rutlienberg Projekt Wie die J.T.A. erfährt, haben Joint Distribution Committee und Palcstinc Development Coun eil (Brandcis-Grupnc) beschlossen, sich an der Paläslinen•• sischen Elcktn/llu's-GesellschaSt (R u t h c n b c r g Gesellschaft) mit einer Summcvon 116000 Pfti nd zu beteiligen. Diese Summe ist sofort in bar vcrftigbar. Bevorstehende Anerkenr.mi!; der Ifhllsclicn Gemeinde• Autonomie ln Palästina Wie die Pal. Tel.-Agentur erfährt, Ist die Haltung des KoIo 111 a 1 am ts in de r Frage der Autonomie d er jüdischen G e m e i n d e n in Palästina jetzt eine weit günstigere als früher; cs bestellt die Aussicht, daß die autonomen Rechte der jüdischen Gemeinden hinnen kurzem anerkannt werden, Die betreffende Verfügung wird auch das Recht der Besteuerung durch die jüdischen Gemeinden Vorschein Die ״Hisladrulh flaowdim" nul dem Intcrnallonilcn Gewerkschaftskongreß Jerusalem, (J.T. A.) Die palästinensische Arbeiter- Organisation (liistadrulh Haowdim) wird vier Deie* gierte zu dem in diesem Monat in Wien stattfinden* den Internationalen Gewerkschaftskongreß entsenden, Regierung lehnt das l m m i Nene Kample an der syrischen Grenze Nach einer Konstantinopcler Meldung der Tclunion aus M e r s i n a vom 12, Mai sind an der syrischen Grenze neue schwere Kämpfe ausgebrochen. Das letzte Ocfccht fand bei Manni Keny statt, wo 120 Franzosen getötet und verwundet wurden. Nach einer Konstantinoplcr Meldung des ״Mcssnggcro“ hat sich die kritische Lage der französischen Truppen in Syrien verschärft, weil türkische Abtellungcn ,sich den aufständischen Syriern a»geschlossen haben. Die Kämpfe dauern mit bedeutenden Verlusten an, und neue französische Verstärkungen sind im Anmarsch. Line ncoc Blamage der Aguda Die palästinensische Reg' agudistische Gesuch auf getrennte grationsllstcn־ ab. Wie die Pal. Tel. Agentur erfährt, hat die Regierung ein von der Warschauer A g u <1 a s - J i s ro c I cingcrcichtcs Gesuch, ihnen eine besondere I mm 1 gra t lons 1 istc zu gestatten, nbgclclint. Die Palästina-Regierung hegründete die A b 1 c 11 ti miß damit, dal) nur die Zionistische Organisation a 1 s d i e anerkannte j e \v i s 11 Agency mit der Verwaltung z u s a m * mcnarbeiten könne, weshalb nur die Zlon i s t i s c 11 c Organisation das Recht auf eine besondere IIin wa ndc run gslis t c habe. (Die Aguda gibt die Hoffnung auf eine für sic zu bereitende ־ koschere — Extrawurst anscheinend nicht auf. Sie riskiert seihst die größte Blamage. Eine vernichtendere Antwort auf die kindliche Anmaßung, das agudistische Trcnmmgsprinzin auch auf iiichtrcligiösc Gebiete staatlicher Vcrwaltmigspraxis zu übertragen, ist kaum denkbar. Eine Organisation, die Forderungen stellt, welche zu den komischsten und groteskosten Konsequenzen führen müssen, ist politisch nicht mehr ernst zu nehmen. Die Bescheinigung darüber hat die ״Aguda“ jetzt in den Händen. — Red. ״J. R,") Kleine Palästina Nachrichten Eine mohammedanische Pitgcrschar, die nach Jerusalem zum Fest des Ne bi Musa aus Hebron gekommen war, zog durch die Straßen und stieß die Rufe aus: ״Nieder mit dem Zionismus!“, ״Wir werden uns die Unab* hängigkeit durch das Schwert erkämpfen 1“, ״Lang lebe Mustapha Kanal!“. Andere Stöiungcn sind nicht vorgekommen. Die Stimmung ist ruhig. Der Direktor des Jewish Colonial Trust Dr. Halpern Ist am 8. Mai in Jerusalem cingetroffcn. Das Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrats Isaac Naldltsch, der Dr. tfalpern hätte begleiten sollen, sah sich im letzten Moment aus privaten Gründen gezwungen, seine Reise nach Palästina aufzuschicbcn. In Jerusalem starb Im Alter von 81 Jahren fchoschua V eil in, der Vater David Y c 11 i n s. J, Yellln war einer der jüdischen Führer in Palästina während des vorigen Jahr■ liuiidcrts. Er hat Memoiren licrausgcgcbcn, in denen viel Material über das Leben der Juden in Palästina während dieser Zeit enthalten ist. ■ Briet ans Paliisllna Die Moazah der Arbeiterorganisation — Der Arbeiter• mangcl und die Chofuz.luth — Der ״Maschbir״ Es fehlt an jüdischen Arbeitern In Pa« Ei st i 11 a! Es fehlt vor allein an Chatuzim! Dies ist die paradoxe Lage, in welche wir durch die unerwartet entstandenen großen Arbcitsmöglichkeitcn i nf Tabakbau geraten sind. Vor einer Woche versammelt« sich in Jerusalem die Moazah (der Rat) der Arbeitcrorgani» sation und konstatierte diese Lage in folgender Resolution, ״Die Moazali stellt fest, daß infolge der g c r i n g c rt Einwanderung in den vergangenen Monaten vcrschie* dene dringende Arbeiten nicht ausgeführt werden können, Sie betont die dringende Not« wcndlgkcit, d i c Einwanderung zu erneu e rtt und zu verstärken und mit Energie im Inland und Ausland den Kampf um die Aufhebung der Be« Schränkung der Einwanderung aufzunchmctr, Sie stellt fest, daß die Regierung der Einwanderung von Chaluzoth besondere Hindernisse in den Weg legt. Die Moazah lenkt die Aufmerksamkeit der Zentren dos Jlcchaluz auf die Tatsache, daß der gegenwärtig« Augenblick eine Mobilisierung der Chaluzim für die Notwendigkeiten der Arbeiten im Lande verlangt und betont, daß die Vorbereitung den Möglichkeiten einer schnellen Einwanderung angepaßt werden muß/‘ Der Annahme der Resolution ging eine Beratung voraus) welche durch ein Referat von 1. Sprinzak über die momen* taue Arbcitslagc eingclcitct war. Sprinzak stellte fest, daß wir seit zehn Jahren auf einen solchen Augen« blick gewartet haben, wo sich uns große Arbcitsmüg* Ikhkcitcii eröffnen würden und daß jetzt, wo der Augenblick cingctrctcn ist, wir keine Reserven an Einwan« derern, speziell an Einwanderung von Chaluzim haben, 111 den letzten zwei Monaten sind 2100 Visa ausgegebem worden, und cs bestellt noch die Möglichkeit, weitere 5000 Visa zu erhalten, aber die Einwanderung, die auf Grund dieser Einreiseerlaubnis sich vollzieht, geht nur zu einem geringelt Teil den Weg der Chaiuziuth. Wohl ist die Unterstützung für Arbeitslose nti!,־):׳lassen worden, und die Einwanderer i'alirn — momentan wenigstens, denn niemand weiß, was irrt Winter mit ihnen werden wird — der zionistischen Kass« nicht zur l ast, aber mir ein Teil von ihnen geht zu den Tabakarbeiten, für die sie bestimmt waren. Die Ursach« liegt in den vergangenen Monaten und Jahren. Die Losung ״stop Immigration“ wirkt sich jetzt in Ihren Folgen aus. Man hat zuviel über Krise und Arbeitslosigkeit ge* klagt, obzwar man docli von vornherein wissen konnte, daß uns durch viele Jahre ein Wechsel von guten und schlechten Jahren, Arbeitslosigkeit und Arbeit bevorstcht. Jetzt ist di« Tatsache so, daß das Reservoir der im Oaluth in Aus* hildung befindlichen Chaluzim viel zu klein ist, und daß hier nicht nur Menschen fehlen, um den großen Bedarf an Arbeitern für den Tabakbau in den alten Kolonien zu decken, sondern daß auch in den iieugeschaffcnen kleinen Siedlungen vielfach Mangel an Menschen herrscht. Man beginnt schon darüber zu sprechen, daß die Zeit, welch« die Chaluzim für ihre Hachse linra 11 im Ausland ver* bringen, viel zu lang ist, und daß man sich mit cinef kurzen, minimalen Vorbereitung im Galuth begnügen könnte. Die Moazah der Arbeiterschaft hat sich noch mit eine* zweiten wichtigen Angelegenheit beschäftigt, mit der Konsum* genossenschaft ״M a s c h b i r“. Bekanntlich hat sich def Maschbir im Laufe der letzten zwei Jahre überaus schnell entwickelt, hat Geschäftsstellen an 12 Orten —4 cs gibt keine Firma im Lande, welche 12 Zweigstellen hättel — und hat in einer gewissen Weise das Verkaufs« 1110nopol für gewisse Kreise, nämlich für jene Arbeiter und zum Teil auch Lehrer und Beamte, welche ihren Lohn nicht in barem Geld, sondern in Anweisungen an den Maschbir erhalten. Diese Anweisungen kommen da« durch zustande, daß der Maschbir einzelnen Körperschaften, wie der Bau kooperative Sölclboneh, aber auch der zionistischen Exekutive Kredite eröff« net. Dieses Monopol hat aber auch seirie negative Seite, deren Ursache ini Kapitalmangel des Alaschbir zu suchen ist. Er hat infolgedessen nicht alle Waren auf Lager, und er kann auch nicht direkte Verbindungen mit den großen Firmen des Auslandes anknüpfen, sondern muß seine Waren von inländischen O ro ß k a ti f I e u t e n beziehen. Dabei muß doch gesagt werden, daß der Maschbir ein un« schätzbares Verdienst um die Sicherung der e i n h c i m i« sehen Produktion hat, daß er speziell durch den Ver« kauf der Milch unserer landwirtschaftlichen Siedlungen die Eröffnung von Molkereien möglich gemacht hat, welche vielfach den Hauptzweig der Arbeit darstcllen. Die Moazah hat beschlossen, für die nächsten Monate eine große Aktion für die Vermehrung des Aktienkapitals zu beginnen. Das Aktienkapital beträgt gegenwärtig 4000 Pfund •— nicht 350 000 Pfund, wie Gide Im Märzheft des ״Juden“ schreibt —. Die Kampagne soll es bedeutend ver* mehren und gleichzeitig für die Verbreitung der Vorzugs« a k t i c n zu 5 °/0 sorgen. Gleichzeitig sollen weiter« Zweigstellen des Maschbir in Tel-Adas, in der Boruchow-Siedlung bei Tcl-Awlw und vielleicht noch ait anderen Orten cröifnct werden. Es wäre sehr zu wünschen (die Aktie wird jetzt 1 Pfund statt 2 Pfund betragen), daß die Kampagne für den Maschbir auch Int Ausland den Anklaiig finde, der einer der wichtigsten Institutionen unseres Aufbaus entspricht, h. b. ta