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Jüdische Rundschau · 1924-05-13 · Heft 38 (13.5.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 38 (13.5.1924)
Date
1924-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wenn auch die Nachrichten über einen bevorstehenden Krieg zwischen den Türken und den Franzosen, der durch Gren/gefechte an der syrisch-türkischen Grenze bereits cingclcitct sei, ebenso verfrüht sind, wie die Mehlung von der Uebernalunc des türkischen Oberbefehls in dieser Gegend durch General von Lossow, so ist doch von einer recht ״rollen Garung unter den syrischen Arabern und auch von verschiedenen Grcnzkoaflikteu an der Nordgrenzc Syriens zu berichten. Die Franzosen haben die Garnison in Syrien verstärkt, was angesichts der Stimmung der Bevölkerung, die immer offenkundiger siel! gegen Fraukreid! und das französische Mandat wendet, geboten erscheint. Frankreich hat seit Absetzung des Emir Feisul, des früheren französischen Vasallen in Syrien, eine von viel weniger Sentiments und Rücksichten beschwerte Politik in Syrien getrieben, als etwa England in Palästina und Transjordanicn. Man kann augenblicklieh noch immer nicht beurteilen, ob diese französische Methode der gepanzerten Faust besser oder schlechter war als die nachgiebig elastische Herbert Samuels in Palästina. Denn wenn Palästina zur Zeit vielleicht das einzige der Länder im Nahen Osten ist, das nicht von solcher Unruhe erfüllt ist wie die andern, so besagt das durchaus nichts für oder gegen die Richtigkeit der englischen Politik. In Mesopotamien liegen bcispielxweise die Verhältnisse ebenso im Argen wie in Syrien, trotzdem dieses Land von England noch viel mehr Freiheit cingerämnt erhielt als Palästina. Bekanntlieh wurde beabsichtigt, den Irak als selbständigen Staat in den Völkerbund aufnehmen zu lassen, was einer Aufbebung des englischen Mandats gleiclikiime. Seit Wochen herrscht nun in Mesopotamien große Erregung, und die englische Militärmacht sah sich zu zahlreichen Verhaftungen genötigt. Gegen Abgeordnete des Bagdailer Parlaments, die Gegner der arabischen Unablringigkeitsbestrehungen waren, wurden Attentate verübt und erst vor einigen Tagen ist es dort zu einem sehr schweren Zusammenstoß zwischen Soldaten und der Bevölkerung gekommen, bei dem über hundert Personen das Leben cinbüßteii. I>ie Nachrichten, die sonst aus dem Irak kommen, sind recht spärlich, was wohl mit der schlechten Postverbinduiig zusaminenliängt. Aus den vorliegenden Telegrammen läßt sich ein genaues Bild über die dort aiigciiblicklicli herrschenden Zustände nicht gewinnen. Es ist vor allem nicht klar, ob sich die Bewegung unter den Arabern nicht nur gegen die Engländer, sondern auch gegen den Emir Feisul richtet. Die Söhne König Husseins haben es im allgemeinen bisher nicht verstanden, die Liebe ihrer Volker zu erringen. Auch mit ihrem Vater und untereinander scheinen nicht selten die Brüder Differenzen zu haben. — Auch die ii u II e re Situation der vo;1 den Husseiniten regierten Ländern ist nicht sehr rosig. Die Proklamierung König Husseins zum Kalifen scheint auf sehr erhebliche Widerstünde zustoßen. Es ist schon bezeichnend genug, daß Hussein siel» entschloß, die Entscheidung über die Frage einem panislamitischcii Kongreß in Mekka zu unterbreiten. Es ist überaus fraglich, ob dieser Kongreß, wenn er überhnupt zustande kommt, zu einem einstimmigen Beschluß, der in einer solchen religiösen Kardinalfragc wohl erforderlich erscheint, gelangen wird. Auch ist es Zweifelhnft, ob er von allen mohammedanischen Völkern beschickt werden wird. Sicher ist mir, daß nach dein ergebnislosen Verlauf der Konferenz von Koweit, die der Festsetzung der Grenzen der verschiedenen Staaten der arabischen Halbinsel dienen sollte, Husseins Konflikt mit dem Sultan von Nedjd und dem Herrscher von Ycmcn in unverminderter Stärke anhält. (Wenn daher die Vertrder der ״Aguda“ in Palästina bei König Hussein zugunsten der in Ycmen unterdrückten Juden intervenierten, so war dies ebenso zwecklos und unverantwortlich wie die anderen diplomatischen Schritte der ״Aguda“, die aus durchsichtigen Gründen bei ihren Anhängern eien Anschein einer politischen Führung erwecken will. Nicht anders stellt cs mit der Palästina-Arbeit der ״Agutla‘׳, In jedem Bericht ist von vielen Plänen die Rede, aber seit ihrem Bestehen hat die Aguda nicht eine nennenswerte, von ihr als Organisation und nicht von Privatleulen zustandegebrachte Unternehmung in Palästina aufzuweisen. Dafür verlangt 6ie dann eine den Zionisten gleichberechtigte Stellung in der Jewisli Agency und erklärt, sich mit der Teilnahme an dem Council der Agency, in den cinzutrcten sic übrigens niemand aufgelordert hat, nidit zufrieden geben zu können!) Die Nachricht von einem bevorstehenden Kriege zwischen Heiljas, Transjordanicn und Irak einerseits' gegen Ycmcn I und die Walinbitcn andrerseits, dürfte wohl übertrieben I sein. Es wird schon aus Gründen, die in den Bcdingungen des Landes liegen, unmöglich sein, in das Innere der arabischen Halbinsel einen regelrechten Feldzug zu unteniclmicn. Die Engländer sind bisher wenigstens immer von einem solchen Unternehmen zuriickgeschreekt. Die Feindseligkeiten dürften sieh vielmehr auf Einfälle der Wahabikiistämme und einen Guerillakrieg in den Grcuzslncliei! beschränken. Jedoch werden zweifellos auch diese Auseinandersetzungen die Aufmerksamkeit der hussciuitiscticn Staaten genügend in Anspruch nehmen. Dies und die anderen Sorgen dürften wohl auf eine längere Zeit hinaus Hussein und seine Söhne veranlassen, einer Behandlung der Palasiinafragc überhnupt aus dem Wege zu gehen. Nur unter dem Druck der palästinensischen Araber und eigentlich gegen seinen eigenen Willen hat Anscheinend Hussein, der gar kein Interesse daran haben kann, sieh auch noch mit den Juden zu verfeinden, den Versuch gemacht, die Wünsche der palästinensisch-arabischen Kongreß-Partei zu erfüllen. Er dürfte sich inzwischen wohl eines anderen besonnen haben. Die Verwirklichung seines Traumes von dem großarabischen Staatenlnmd liegt offenbar jetzt ebenso weit wie die Erfüllung seiner Sehnsucht nach unbestritle- 11er Annahme der Kalifenwürde. Angesichts der arabischen Uneinigkeit und der heftigen Vorwürfe, die ein so extremer Antizionist und Araberfrcund wie Lord Raglan gegen den Emir Abdullah in Transjordanien erhebt, den er der Bundesgenossenscliaft mit den Zionisten bezichtigt, wird die von den palästinensischen Arabern jetzt entwickelte politische Propagandatätigkeit in England und in Amerika einen schweren Stand haben. Es genügt ja, darauf liinzuweiscn, daß die von den palästinensischen Arabern angestrebte Vereinigung aller arabischen Länder durchaus nicht das Ziel aller Araber ist, und daß vielleicht der arabische Kongreß, in Palästina die arabische Gruppe ist, welche das größte Gewicht auf diesen Zusammenschluß legt. Auch die vollkommen arabische Verwaltung eines so rein arabischen Landes wie Transjordanien beweist, auf welcher Entwicklungsstufe Palästina stellen geblieben wäre, wenn es nach den Wünschen der palästinensischen Araber gegangen wäre. Trotzdem ist die Gefahr, die in den Planen des Captains. Ricimiomb, des früheren Stellvertreters des palästinensischen Zivilsekretärs, für den Zionismus liegt, nicht zu unterschätzen. Und cs ist durchaus möglich, daß es seiner Tatkraft, die wohl auch von einem besonders großen Haß gegen die Juden und Zionisten befeuert wird, gelingen wird, die geplante ständige arabische Vertretung in London cin/urichten. Bisher scheiterte dieser Plan an der mangelnden finanziellen Unterstützung aus Palästina. Die reichen Effendis Palästinas geben ihr Geld liebef in Paris und Kairo aus, als cs für politische Zwecke zu verwenden. Ein eng- Sischcr Politiker wird cs vielleicht aber leichter erhalten als das Präsidium des arabiscli-palästinensisdien Kongresses. Und überdies gibt es auch in England genug antisemitische Quellen, die fiir diesen Zweck nutzbar gemacht werden könnten, Mr. Richmond und seine übrigen antisemitischen Freunde, in London werden daher eine erhöhte Aufmerksamkeit der zionistischen Exekutive erforderlich machen, und es wird notwendig sein, den mm schon lange genug erörterten und allgemein gebilligteil neuen politischen Propaganda- und Aiifklärimgsfckl- 7.11g der Zionistischen Organisation in der englischen Oeffcntlichkeit in die Tat umzusetzen. Wir dürfen nicht erst wieder abwarten, bis unsere Gegner Erfolge errungen haben und uns erst dann zu einer Abwehr entschließen. Fs gilt auch liier der Satz, daß die beste Parade der Hieb ist. Allerdings sind die finanziellen Schwierigkeiten unserer Exekutive nicht mehr weit von denen der paliisiincnsisch-arabischen Exekutive entfernt. Wenn nicht bald eine Besserung cintritt, wird unsere Leitung vor demselben Problem stehen wie der palästinensisch•• arabische Kongreß vor der Rückkehr seiner zweiten Delegation aus London. , S. K. Mesopohmicn und Syrien Nach einer Mitteilung des Londoner Ivototualamics sind in Mirkuk (?) im Irak am 4. Mai ernste Unruhen ausgebrochen. Sie wurden zimächst «furch einen Wortwechsel zwischen Soldaten und K a u f 1 e u t c 11 hervorgerufeu, in dessen Verlauf die Bevölkerung für die Kaufleutc Partei nahm und die Soldaten an griff. Schließlich gaben die Sot- «laten, die die Offiziere vergebens zurikfczulialtcn suchten, Feuer und töteten hundert Personen aus der Menge. Sechs Soldaten wurden erschlagen. Nach einer ,,11 a v a s‘׳-Me!dung vom 9, Mai dementiert der ״Teinps“ m formeller Weise die Meldung des ״Daily Fixpreis“, daß an der syrischen Grenze Kämpfe zwischen französischen u n d türkischen T r u p - peit slattfänden, und daß General v. Lossow demnächst in Cilicien ciutret'fen werde. 938 PaläsUns-Immiflrsatcn lm April Jerusalem. (J.T. A.) Die Pal. Tel.•Agentur erfährt, daß während des Monats April <733 Immigranten nach Palästina kamen, (Im März betrug die Zahl der Immigranten 566.), Nach den offiziellen Statistiken betrug in Palästina diä Zahl der Geburten während des am 31. Dezcmbcf 1623 beendeten Jnhresviertcls *WH gegen 7672 im gleichen Quartal 1922. Die Zahl der Todesfälle im letzten Jahres• viertel betrug 4738 gegen 3151 in der gleichen Periode des( Vorjahres. Abreise W'tizmanns and Felwels aas Amerika Dr. Ch. Wcizmann hat am 7. Mai die Rückreise nacH London angetreten. In seiner Begleitung befindet sich auch Dr. D. Feiwcl. : Lord Raglaas Anfrage im Oberhaus Dlo ״zionistische Tyrannei“ — Emir Abdullahs Verwaltung in Transjordanicn — Eine Erwiderung des Unterstaatssekrctärs für die Kolonien Am 6. Mai stellte Raglan in der Sitzung des Ober« h•1 uscs die (von ihm bereits früher aitgckümJiglc) Anfrage an die Regierung, ob ihr bekannt sei,, daß die Ver« waltung T ran s jo rd a niens durch Emir AbdullaH eine tyrannische, unbesonnene, unfähige »uw! vor allem u :1 p o p 111 ii r e sei, und daß der Oberkommis•« sar von Palästina sieh konsequent weigert, von dem ihm anstehenden Rechte, eine Besserung der Dinge herbeiruführen, Gebrauch zu machen. Er fragte weiter, ob es die Absicht der Regierung sei, die palästinensische Bevölkerung mit der zionistischen Tyrannei in Palästina durch die Errichtung einer noch sch lim« nie ren Tyrannei in Transjordanien ausnt« söhnen. Lord Raglan will seine Anfrage nicht als einen persönlichen Angriff * u f Sir Herbert Samuel aufgefafit wissen, aber er meint, daß für ihn genug Gelegenheit gegeben sei, Vcrbcsscrungsmaßnalimcn durctm*• führen. Der Unicrslantssckrelär für die Kolonien Lord Arnold führte in seiner Erwiderung aus: ich glaube, einige Ursache zu haben, mich über die Form, in welcher die Ange« legcnheit hier behandelt wird, zu bek lagen. im letzten Teil seiner Darlegungen deutet Lord Raglan etwas an, was et die ״zionistische Tyrannei in Palästina“ nennt• I c 11 in ö c h t c durchaus klar fcst&tcllcn, d a 8 <1 ic se Andeutung vollkommen unbegründet ist, Es gibt wcdcrcinc zionis tisch cTyrannei, noch sonst eine Tyrannei irgendwelcher Art in Palästina. Es gibt dort eine britische Verwaltung, die von einem britischen Staatsmann von bestem Ruf, der einem britischen StaaNminister verantwortlich ist, geleitet wird. Alles das ist von Tyrannei sehr weit entfernt. Die in Palästina geführte Politik wurde durch drei aufeinanderfolgende britische Regierungen bestätigt. Es ist unmöglich, jetzt von ihr abzugehen. La sind über die praktische Durchführung dieser Politik des öfteren Schriftstücke veröffentlicht worden. Eines dieser int November vorigen Jahres veröffentlichten Schriftstücke ent« hält elfte Mitteilung des früheren Kolonialministers an den Oberkommissar, mit dem Datum des 4. Oktober 1923, in welchem der folgende Satz, vorkommt: ״Es war das s'.iimligh Bestreben der Regierung, ebenso wie das Ihre als Obcrkom« missar, die Verwaltung Palästinas so zu handhaben. daß den Interessen b e i d 0 r i n Betracht ko in inenden Pars feien Gerechtigkeit zuteil werde“. ln det gleichen Botschaft spricht der Herzog von De vo 11811 irc von ״dein Wunsch und der Absicht der Regierung, die verschiedenen Gemeinschaften Palästinas durchaus unparteiisch zu behandeln, und die von den Vorgängen! der Regierung[ öffentlich übernommenen Verpflichtungen sowohl den Arabern als den Juden gegenüber nach dem Buchstaben zu erfüllen.'* Das kennzeichnet den Geist, mit dem die frühere Regierung die übernommene Aufgabe erfüllte. Es ist dies eine Aufgabe, der sich die jetzige Regierung vorbehaltlos anschlicßt. Eine in diesem Gebiete geführte Verwaltung als Tyrannei zu bezeichnen, widerspricht ganz, und gar den Tatsachen, Dann sprach «1er Unterstaatssekretär übel! «las r c c n 11 i c h e V c r 11 ä it n i s Englands z tl Transjordanicn. Zum Schluß erinnerte er daran, «laß die Errichtung einer Verwaltung unter dom Emir AMullaK zwei bedeutende Vorteile gebracht hätten. ״Früher bestand eine dauernde Gefahr des 1' t n d ri n g c 11 s vo n B edu inen« Banden, deren Feriiiialtung beträchtliche polizeiliche und militärische Anstrengungen erforderte. Seit dem Tage jedoch, au dem die arabische Regierung in Transjordanien errichte{ worden ist, bleibt Palästina frei von Ucberfällcn über die örtlichen Grenzen. Infolgedessen haben sich auch die Kosten fiir die Erhaltung des Militärs im Lande für England verringert. Der zweite Vorteil ist die Sicherstellung des von Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, ausgehenden L u f t «i i c 11 s t e s. Die vierzehntägt[׳ vetkehreude Luftpost hat seit zweieinhalb Jahren keine Störung zu verzeichnen. Ich betrachte die Lage nicht ohne Sorgen, sage auch nicht, daß Verbesserungen nicht mehr nötig seien, aber ich sehe nichts, was eine Sprache, wie sic von dein edlen l.oid gebraucht wurde, rechtfertigen wurde« Transjordanicn befindet sich in Bezug auf die Ver« waltung noch in einem experimentellen Zustande. _ Es muß seine eigenen Erfahrungen machen. Wir hoffen, daß wir hinnen kurzem mit dem Emir in freundschaftliche: Besprechungen über diese Angelegenheit treten werden. Das Haus kann versichert sein, daß wir fest zu den Pflichten stehen, die uns aus dem Mandat gegenüber den betreffenden Territorien er« wachsen, und daß wir unser Aeutierstcs tun werden, die Lage so zufriedenstellend zu gestalten, als cs nuf. irgend möglich ist,“

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