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Jüdische Rundschau · 1924-04-24 · Heft 32-33 (24.4.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 32-33 (24.4.1924)
Date
1924-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I I Seife 235 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32/33 1111 .־«•.;,;isdic:; Oro lc loia’311 — Ha 11311 Sfr. 8!.ן1ת;:3ו!־ Jcrusal c!11. (j.T. A.) Die palästinensische arabische Exekutive und der Oberste Rat der Muselmanen gaben am 4. April im liatisc des Präsidenten der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha ein Abschicdsbankctt zu Ehren des zurück,getretenen (antizionlsüsdicii) stellvertretenden Ober■ Sekretärs der palästincic.iselicn Regierung Mr. E. T. Riehinorid. Mr. Ricltmond sagte bei dieser Gelegenheit: ״Ich bin zwar ei 11 Manu von geringer Bedeutungen meinem lande, aber ich habe einige einflußreiche Freunde; ich werde mein Bestes tun, um diese über die Lage in Palästina aulzuklärcn. Die Lage ist nicht zufricacn• *teilend, aber ich zweifle nicht daß eine Aenderung Eintreten wird. Palästina ist ein mohammeda• nisches Land und muß eine arabische Regierung haben. Es ist notig, daß Sie, ebenso wie die Aegypter ein Büro in London besitzen. Ich hoffe, cs wird mir gelingen, für Sic ein solches Büro in London einzurichten.“ Die Tätigkeit der Araber in Amerika New York. (J.T. A.) Die national•{!,liästinensische Gesellschaft Amerikas, sowie die Liga für die Unabhängigkeit Syriens erblinden dieser Tage eine Kampagne zur Sam!11־ Jung von Geldern für arabische Propaganda- *wecke. Als Einleitung gab der frühere Außenminister ,von Synen, 1 >r. A b d 1! I ־ R u I! in a 11 Sh ah and er im Hotel A stör ein Bankett. Der frühere amerikanische Gesandte in China und Haupt der Wilson-Kommission für Syrien und Palästina Dr. Charles R. Cm ne, führte den Vorsitz, Dr. Grane ist bekanntlich der Verfasser des antlzionistischcn Craiic-Beticlites. ln einem Interview mit Pressevertretern versicherte Dr. Abdul-Ruliman Shabnmlcr, Frankreich und Großbritannien 11,1 len ihre Wi'muc J!un;:cn gegenüber den Ambern gebrochen, die Araber seien entschieden §cgcn den politischen und wirtschaftlichen Aufbau des jüdischen laafcs. — Dr. Sliabandcr, der an der mncrikaniscnen Uni• versitiit zu Beirut studiert und sich als Student an der jungtürkisclicn Bewegung gegen den Despotismus Abdul Hamids beteiligt hat, befindet sich fetzt zu dem Zweck in Amerika, um unter den 200 000 Arabern und Syriern Amerikas die nationalistische Bewegung zu organisieren. Die katholischen Infcrcsscn ln Palästina Rom. (J.T.A.) Der ,,Hüter des Heiligen L a n des“, der franziskanische Pater Diotalevi reiste dieser Tage nach kurzem Aufenthalte in Italien, nach Palästina zuruck. Vor seiner Abreise wurde er vom Papst und vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen. Die katholischen Zeitungen behaupten, Diotalevi habe von der englischen Regierung offiziöse Versicherungen in dem Sinne erhalten, daß auf die ,katholischen In• teressen" in Palästina Rücksicht genommen!werden wird. « Der Bostoner Kardinal O’Connell, von dem cs gelegcnt• lieh seiner Palästina-Pilgerfahrt geheißen hat, daß er in Rom und Jerusalem antizionistischc Erklärungen ab• gegeben hat, bestritt gegenüber dem Vertreter der J.T.A. Kategorisch alle diese in der amerikanischen Presse erschic• nenen Berichte. Er erklärte, er habe während seiner Audienz beim Papst keineswegs seine Unzufriedenheit mit der Ver• .waltungstätigkcit Sir Herbert Samuels ausgedrückt. Emir Abdullah und die Zionisten Ein Briefwechsel zwischen Lord Raglan und Leonhard Stein. Nach dem Erscheinen des Interviews mit Lord Raglan Im ״Daily Express“ vom 10. April, in welchem Emir Abdullah als ein ausschweifender Tyrann dargcstcllt wird und die Zionisten zum großen Teil für den augenblicklichen chaotischen Zustand in Transjordanien verant• wörtlich gemacht worden (Lord Raglan sagte, cs sei ein Vor• salz der Zionisten, die Unordnung in Traiisjordanien zu erhalten, um die Aufmerksamkeit von den paläsünensischcn Angelegenheiten abzulcnkcn), schrieb der politische Sekretär der Zionistischen Organisation, L. J. Stein, an Lord Raglan ■und ersuchte ihn um Belege zur Bekräftigung seiner Bchauphingen, damit nötigenfalls Nachforschungen angcsiellt werden könnten. ״Ich kann kaum glauben,“ schrieb Herr Stein, ״daß Sic so ernste Anklagen erhoben hätten, ohne wirk Hebe Beweise in Händen zu haben, die für ihre Wahrheit bürgen." Lord Raglan antwortete: ״Ich habe nicht behauptet, daß die Zionisten tatsächlich Aufstände in Trans- Jordanien Hervorrufen. Was ich sagte und glaube, »st, daß die Zionisten die Abdullah-Regierung Un tcrsttttzcii, weil sie glauben, daß ein sich entwickelndes und zufriedenes Traiisjordanien ungünstig auf ihre Stellung in Palästina ciinvlrkcn könnte. Ich habe diesbezüglich an den Herausgeber des ,Daily Express' geschrieben. Die Zionisten hauen, glaube ich, Gründe dafür, Emir Abdullah zu halten, und wurden äußerst ungern Störungen clntreten sehen, die seinen Fad zur Folge haben könnten.‘' Herr Stein schrieb darauf einen zweiten Brief an Lora Raglan und stellte fest: ״Die Erklärung im Dailv Express‘, die Ihnen ״!geschrieben wird, lautete, daß die Zil «irden vorsätzlich versuchen, in Transjordanlcn Aufstände zu 5r״Cilc,nJ l״jJcm Schreiben heißt es dann: ״Ich wußte cs, daß Sie der Zionistischen Organisation nicht auf so eklatante ,Weise unrecht tun wollten, teil freue mich deshalb, aus Ihrem Briefe zu ersehen, daß Sie das nicht gesagt haben und *!!geben, daß dieser Vorwurf, der doch sehr ernster Art ist gänzlich unbegründet ist. Was den weiteren Inhalt Ihres Briefes betrifft, so bedarf es gar keines besonderen Hinweises daß die Zionistische Organisation nicht die geringste Verantwortung iür das augenblickliche Regime in Traiisjordanien hat. Der Emir feilet seine Autorität von der englischen Regierung her und durchaus nicht von der Zionistischen Organisation. Dies sollte nnlüriicli nicht besagen, daß icli mich Ihren kritischen Bemerkniigen über die Regierung des Emirs anschließe. Das sind Ansichtssachen, die zu erläutern mir nicht zustcht." Herr Stein bat auch um die Erlaubnis, den Briefwechsel zu veroffcntlicnai. . Lord Raglan willigte ein, fügte jedoch hinzu: ,,ich muß mich dagegen verwahren, daß Sie meine kritischen Bemerkungen als ,Ansichtssachen‘ bezeichnen. Ich behauptete habe Beweise für meine Behauptung, daß Abdullah 5000 Pfund der ftffcnt leben Kesse entnahm, um für einen Günstling ein Hans n! bauen. Nennen Sie dies eine Analchtssactie?׳׳ Dr. Hoppla Io Hinblick auf Gerüchte über die Absicht Dr. Arthur Rupplns, aus der zionistischen Exekutive auszutreten, erfährt die Pal. Tel.-Agcntur, daß cs sich keineswegs um einen In absehbarer Zeit zu verwirklichenden Ent■ Schluß handelt. Dr. Ruppln hat bereits früher oft den!Wunsch geäußert, sich von *einer zionistischen Tätigkeit zu* rückzuziehen, um sein wissenschaftliches For* *chungswerk wieder aufzunehmen. ■ Seine letzte derartige tAeußerung war in der gleichen ,Weise motiviert. 1 ' *e* , *H . iaik Ji.j # I ## ff £v3*/ 4^*^ <!>•4 4Ä* V/ *■» «M» 'י Iler /iiillcer«!Ilf;:!;113 1!cr A!׳rJcr.1Itcr . Brief aus Wien. Die Inskriptionen für das Sommerecnicstcr an den östeVrcichir.clit!1 Hochschulen haben begonnen. Damit, natürlich, auch wiederum die akademischen Anllscmilcicicii. Einige seien im folgenden verzeichnet — lediglich, um später einmal gesammelt zu sein, wenn jemand nach Kulturdokumenten unserer heutigen Zeit sucht. . , * Was Auditor len ge Id er sind, Ist wohl allgemein be• kamit: Gebühren, die jeder Student — neben anderen — obligatorisch zahlen muß. Aus diesen Eingängen werden Bibliotheken Seminare, aber auch allgemein• studentische Wolilfnlirtscinriclitungen erhalten. So stellt cs wenigstens in der Verordnung. In der Praxis sieht die Sache anders aus. So beschlossen beispielsweise die philosophische, juridische und — wirklich! — die theologische Fakultät der Wiener Universität, daß aus den Audikmengcklcrn die völkische Schulung*- woche der deutschen Studentenkammer mit einem hohen Betrag zu subventionieren *ei. Die ilen chen werden ״Jud!“ schreien — und In Ihren Bestrebungen mit einem schönen Stück jüdischen Oeldes ge• fördert . . . * Die Erdäpfclbnuern, d. h. die Vertreter der ״Kammer der deutschen Studenten“ an der Hochschule für Boden* kuitur!iahen durch willige Beamte der Rektoratskanzlci ein Evidcn/blalt zur Verteilung bringen lassen, das jeder Slu• dent nusfiilien mußte — angeblich im Aufträge der Unter• richtsbeiidrdc. Die inskribierenden Studenten mußten antworten auf Fra• gen wie: Rasse? Volkszugehörigkeit der Eltern? Glaubens• Bekenntnis? cv, früheres Glaubensbekenntnis? usw. usw. Die iiiclitvcilkischeu Studenten protestierten. Und da hob der Rektor diese merkwürdige Maßnahme auf, mit der Kund• maclmng, daß an einen Zwang zum Aus Hillen der Evidenz• blättcr nie gedacht war und eine ״Irrtümliche Auffassung eines untergeordneten Organs“ Ursache des Mißverständnisses sei Möglicherweise hat der Rektor recht beschwören möchte ich cs nicht... * ־ Im Jahre 1010 starb der berühmte Anatom Professor Dr, Emil Zuckerkand], der durch fast dreißig Jahre an der Wiener Universität gelesen iiatte und viel zum Ruhm der alma matcr und der Wiener medizinischen Sclitiie beitrug. Jetzt, nach vierzehn Jahren, ehrte die Hochschule den großen Gelehrten und unübertrefflichen Lehrer — sie ließ ihm ein Bronzcstamlbiid, das Oesterreichs bester Bildhauer, Hanak, schuf, im Arkadetihof der Universität aufstellcn. (NB.: das überlebensgroße Denkmal Ist als nicht gelungen rtr bczeich• neu. Unmittelbar über dem Stcinsockcl erhebt sich die Bronze* statue, knapp unter den Knien ahgcschnitton.) Dieser Tage fand nun die Enthüllung des Standbildes statt. Und beinahe wäre es zu einem Skandal gekommen — denn Zuckerknndl war Jude! Wohl war er auch Gelehrter, einer der Besten und Berühmtesten, die an der Wiener Universität jemals wirkten, ein ganz Großer in seinem Fach — aber was kümmert das die liakcnkrcuzlerischcn Studenten? Sie wissen nicht mehr, als daß Zuckerkand! Jude war; und das genügt Ihnen. Der Rektor Dr. Döiier, ein strenger und objektiver Theologe, hat den Skandal durch eine ernste Mahnung zu verhindern gewußt. So konnte die Feier ungestört verlaufen. Professor Dr. Tandler (ein Judenstiimmüng), der Schüler und Nach• feiger Zuckcrkandls, hielt die Festrede. Dann übernahm der Rektor das Denkmal in die Obhut der Universität —׳ Eigentlich ist die geplante Demonstration der Krawall* Studenten verständlich. Wieder ein Judemlenkmal mehrl Nur die bedeutendsten Lehrer bekommen solche Standbilder Im Arkadenhof gesetzt — und, es ist merkwürdig, eine große An/ühl stellt jüdische Männer dar. Es wäre unmöglich, den Numerus clausus danach, nach den wissenschaftlichen Leistungen also, fixieren zu wollen... Man müßte denn von einem Numerus clausus der Arier sprechen — die Juden wären am Ende gar in der Majorität . . . * An der philosophischen FakuKät der Wiener Universität wirkt an der Lehrkanzel des bekannten Physikprofessors L e c h n c r ein Assistent namens Dr. H o r w 11 z, acr bereits viel auf seinem wissenschaftlichen Gebiet leistete. Aber er ist Sozialist und, angeblich, Ostjude. (Wahrscheinlich Judenstärnmling.) So kam cs, daß ihm von der Fakultät das Ansuchen um Bestellung zum Privatdozenten mit der Be• griindung seiner Gesinnung und Abstammung abgclchnt wurde, obwohl es von seinem Chef und den zuständigen Faktoren befürwortet worden warl! Die Beschwerde, die hierauf beim Unterrichtsmlnlater ein* gebracht wurde, hatte den Erfolg, daß der Entscheid der Fakultät als ungesetzlich aufgehoben wurde. R.S.?ff Jüdische Philosophen In einer Zusammenstellung der ״Deutschen Hoch* sch u i zc i t u 11 g“ in München unter der Uebersclirift ״Philosophfe und Judentum an den Hochschulen Deutschlands" heißt es über die Verjudung der philosophischen Lehrstühle an den deutschen Universitäten: ״Gehen wir von Basel, wo Herr (Karl) Joel das Philosoplicngcwerbc ausübt, nach dem benachbarten Frei bürg hinüber, so finden wir zwei Lehrstühle In den Händen der Herren Husserl und Jon ns Cohn, In Heidelberg, wo bis zu Kriegsbeginn auch ein ehrenhaft gefallener Herr Lask (eigentlich Lnsker) neben dem zu eien sichersten Stützen des Judentums (!!) zu zählenden Herrn Rickert die Philo- Sophie vertrat, sind auch noch ein Herr EUrenberg und ein Ocstcrrridirr namens Frank liahiliiiert, die gleichfalls jüdischer Abstammung sind; im benachbarten Darmstadt vertritt das Fach der Philosophie gleichfalls ein Jude, und zwar ein Herr Gold5tein, dessen Wiege in Galizien ge- *tarnten haben soll. In Gießen sitzt Herr Professor August Messer, der Jude ist; in Marburg war bekanntlich lange Jahre als Ordinarius Herr Cohen tätig, der es gewissermaßen als seine Lebensaufgabe betrachtete, den modernen Liberalis* mus jüdischer Färbung dem deutschen Volke als die Erfüllung der philosophischen Lehren eines Kant aufzureden. Nach O ii 11 i 11 g e n Ist unlängst als ordentlicher Professor der Philosophie ein Dr, Moritz, Geiger berufen worden,.. In Hamburg haben bekanntlich die Herren Ca5*1 rer und William Stern Lehrstühle inne; in Erlangen ist da» Ordinariat in den Händen des Professor He n« eI, der müSter• licherseits au» der Berliner BanklersfomIHe Mendelssohn stammt... Ja. sogar die Lchrsiüiile {(Ir katholische Philosophie sind, wenigstens Im deutschen Westen und Nordwesten, zum Teil in den Händen getaufter Juden; so sind rein jüdischer Abkunft Herr Dr. Max Ett* IInger aus Frankfurt, der fn Münster katholische Philo• sopiile lehrt, und das gleiche gilt für den bekannten Dr. Max Sch eie r an der Universität Köln... der sich in dicken Büchern als Vorkämpfer und Erneuerer einer unverfälscht katholischen Welt• und Lcbciisanichauung licrvortuL“ * Vor kurzem hat sich in Rom der Professor de» Philosophie an der Universität Rom. Pelice Momigtiano, das Leben genommen. Der verstorbene gehörte zu den angesehensten italienischen Gelehrten. Jude nach Geburt und Erziehung, wurde er später dem traditionellen Judentum entfremdet und widmete sich der Philosophie des Christentums. In den letzten Jahren wurde et aber durch die zionistische Bewegung dem Judentum wieder nahe gebracht. In seinem Testa• ment sprach er den Wunsch aus, nach jüdischem Ritus begraben zu werden. Er erklärte darin, daß seine Sympathien zum Christentum daher stammten, diß er I n den ש vangelien die Entwicklung der jüdischen Idee gesehen habe. ' Die geplante Jüdische Universität In Danzig Warschau. (J.T. A.) Der bekannte Warschauer Finanzmatin Henrik Doktorowlcz, der Initiator der Idee einer jüdischen Universität in Europa, tat soeben aus Genf zurtickgekclut, wo er auf Einladung des Völkerbundes geweilt hat und der letzten Sitzung der Kommission für geistige Zusammenarbeit beim Völkerbund, in der der Errichtung der Universität in Danzig prinzipiell zugestimmt wurde, beigewohnt hat. Gegenüber Vertretern der Presse äußerte *ich Herr Doktorowlcz über die Vor• gcschlchtc der jüdischen Universität u. a,: ״Seit einigen Jahren trage Ich mich mit der Idee der Schaffung einer jüdlschcn Universität in Europa. Ich befürchtete aber, diese Propaganda könnte der Schaffung der jüdischen Universftät In Jerusalem hinderlich im Wege steilen. Nachdem aber In dem polnischen Sejm der Numerus ciausus-Antrag gegen Juden offiziell eingebracht worden war, beschloß ich, mich mit allen Kräften für die jüdische UniverRität in Europa eiuzusetzen. Ich entsandle einige kompetente Personen nach Danzig, die dort einen Platz für die Universität wählen sollten. Sie entschieden sich für einen Platz, der auf dem Wege zwischen dem Kurort Oliva und dem Seebad Oie d k au liegt. Das Areal umfaßt 250 000 qm. Der Stadlrat von Oliva stellte als Bedingung der Ueberiassung des Platzes auf, daß Innerhalb drei Jahren mit dem Bau begonnen werden solle, una daß schon jetzt die Baumaterialien abgelagert werden müßten. Ich war bereit, dies auf eigene Kosten zu tun, wollte aber vor allem den Beschluß des Völkerbundes ab• warten. Am 20. Dezember sandte teil an den Präsidenten des Völkerbundes, Salandra, ein ausführliches Memorandum und erhielt am 8. Januar von Salandra die Antwort, daß das Projekt der Intellcktucllcn-Kommission übersandt worden sei. Ich sandte hierauf ein Memorandum an die Intellektuellen- Kommission. Inzwischen arbeitete der Warschauer Bauingenieur S t y f e Iman auf meine Anregung hin einen Plan des zukünftigen Universitätsgebäudes aus. Ifh sandte den Plan an den Völkerbund, sowie an Profersor Einstein, Professor Einstein antwertete sofort, er interessiere sich sehr für das Projekt und habe sich schon längere Zeit mit der Frage einer jüdischen Universität befaßt. Bald darauf erhielt ich auch vom Völkerbund die Einladung, am 2. April 1921 persönlich in Gent zu erscheinen. Ich wurde auch an diesem Tage zu der Sitzung zugezogen. In einem zweistündigen Oesprädi entwickelte len vor der Intellcktucllcn-Kommission meinen Standpunkt. Es wurde an mich die Frage gestellt: ob ich im Namen einer Partei oder Gruppe spreche, ich antwortete: ich spreche im Namen der jüdischen akademischen Jugend, der ln vielen Ländern der freie Zutritt zur Wissenschaft verschlossen tat. Man fragte mich weiter, ob Professor Ein- 11 c i n meiner Meinung sei, da dies sehr ins Gewicht fallen würde. Ich konnte dies bejahen. Auf die dritte Frage, wie ich mir die Organisierung des Profcssoren-Koiicgiums vorstellc, antwortete ich: die besten Vertreter des Judentums werden ihre Mitwirkung nicht versagen, die Türen der jüdischen Universität werden allen, die lernen wolien. offen stehen, die Frage der Konfession wird für niemand[ ein Hindernis sein, auch wird jeder Lehrende an dieser Universität offene Türen haben. E» blieb noch die Frage der offiziellen Sprache der Universität offen, die durch die Intellektuellen- Kommission nicht erledigt worden Ist. Diese Frage wird durch eine besondere wissenschaftliche Kommission entschieden werden. Herr Doktorowlcz beantragte beim Völkerbund di* Einsetzung einer «iebeng llcdrigen Kotn• mUslon. In der je ein Vertreter Amerikas, Englands, Frank• reichs, Italiens, Deutschlands, Polens und Hollands sitzen sollen. Den Vorsitz 80fI Professor Einstein Inne haben. Dieses Komitee soll dann Subkomitces einsetzen, die in allen Ländern die Aktion iür die Universität durchzuführen haben werden. (Die von uns bereits früher geäußerten Bedenken über die Verwirklichungsmöglichkeit des a n *ich zu begrüßen• den Planes in Danzig sind durch diese Darstellung.keineswegs zerstreut worden. Wer die großen Schwierigkeiten bet der in langsamem Aufbau begriffenen Jerusalemer Universltät kennt, muß die stärksten Zweifel darüber hegen, ob die neue Universität nur so aus dein Boden gestampft werden kann, wie sicli das der Initiator offenbar vorstcllt Die nur im Zusammenhang mit Kliniken usw, denkbare medizinisrlie Fakultät, die wichtigste einer jüdischen Universität, da die juristische wegfällt, ist in Daiuig hzw. Oliva unmöglich. Und wie stellt man sich die Errichtung der Univerritätablbliothck aus dem Nicht», der anderen Wissenschaft• liehen Institute, die Unterbringung der Studenten und Pro• fcssoren usw. vor? Dafür gibt es in Jerusalem doch immerhin schon msnehe gute Ansätze. Zu dem Zeitpunkt, an dem die neue Universität ins Leben treten könnte, werden die dann noch immer von ihren Heimatländern ausgeschlossenen Studenten längst in Italien, Frankreich u. a. Ländern, wo sie freund• lieh aufgeiioinmen werden, heimisch geworden sein, wie früher In der Schweiz und Deutschland, oder sic werden in Jerusalem studieren, wenn sie an einer jüdischen Hochschule lernen wollen. Diese unsere Ueberiegunpen sind rein prakt i seh e r Natur, Vom Standpunkt der Förderung auch der Jerusalemer Universität, deren Hauptschwierigkeit darin be• steht und bestehen wird, daß sie die e inzige jüdisc e Uni• versität sein soll, wäre die Realisierung de» Projekte» der Europa-Universität durchaus zu wünschen. — Anrp. d. Red. d. »}• R•")

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