Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 29 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 210 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 29 diejenigen Neigungen des Kindes zu appellieren, die der Durchbildung der Persönlichkeit am besten dienen“, wenn er 211,״enteilt, was von ihnen ״an körperlicher Ausbildung der Kinder, an Erweckung der Liebe 2ur Natur und rum ,Wandern“ geleistet werde, sei ״schlechthin mustergültig“, wenn er behauptet, uml es ist wahr, was er behauptet: ״Keine iiiditz.ioiihlhchc Jugendorganisation, die von jüdischer Seite geschaffen wurde, kann etwas gleich Wirksames aufweif,en“, so scheint er doch nicht nur an den politischen, sondern an den ganzen Menschen zu denken. Und nun kommt der katastrophale Irrtum: ״Hier müssen wir den Hebel ansetzen. Es mufl dafür gesorgt werden, daß überall nalionaldcutschc Jugendorganisationen entstellen, in denen den Kindern deutschfühlender Juden mindestens das Gleiche an körperlicher und geisüger Anregung geboten wird, wie in den zionistischen!יVereinigungen. Die Veranlassung dazu . . . muß von den Eltern und Erziehern ausgehen“. Man weiß nicht, ob man sich das wahrhaft jauchzende Gelächter derjenigen jungen Juden verstellen soll, die diese Zeilen lesen und unsere Jugendaibeit erlebt haben, oder lieber die ernste, crkcnntnisschwcre und dikiaioiiuhe Miene des besorgten Vaters, der sich also vcniciuiicn läßt. Er weiß nichts von der Art, wie Jugendorg.iiih.itioncn eit(•,tchen, weiß nicht, daß Eltern und Erzielter tausendmal Orgaiiisntioncn gründen können: daß, was au? ihnen wird, aber bedingungslos von der Jugend nbhängl, die hiueiiigeht oder hinein bugsiert wird. Der unbekannte!Verfasser beruhige sich. Er überschätzt uns gewaltig. Unsere 'Jugendorganisationen sind geworden und nicht gemacht worden. Sie haben sich entwickelt, eigenwillig, linier Krisen, Vinter Umwegen und so unabhängig von uns, daß cs in die liberale Schablone eines besorgten Vaters und in seinen greisen Kopf niemals hincingehen wird. Sein Kick auf die Beziehung, die zwischen Eltern und Kindern besteht, wie seine tiefe Kenntnis der Konflikte, die dem jüdischen Kinde in deutscher Umgebung ununterbrochen zustoßen, lassen ihn zum Gründer von Jugendorganisationen wahrhaft berufen erscheinen. ״Nur dadurch kann man den Kindern Seelenk.impfe ersparen, daß man ihnen frühzeitig den richtigen, «len deutschen Weg weist, statt sie laufen zu lassen, bi« cs zu spät ist“, nämlich bis ihnen ״von seiten judenfeindlich verhetzter Kameraden und dann mit der ganzen Grausamkeit, deren Kinder fähig sind“, mitgcteilt wird, daß sic Juden sind, und daß man sie in nichtjüdischen Verbänden, in der Klasse, auf dem Spielplätze eben für Juden halte. Darum müßten die Eltern und Erzieher, so sagt unser Verfasse!, den Kindern selber sagen, was sie sind und wohin sie gehören, nämlich — daß sie Deutsche sind, nein vielmehr, daß sic ״die Träger der deutschen Zukunft“ sind, Uml daß cs lediglich an der Böswilligkeit und Verblcndtmg der anderen Deutschen, nämlich der nichtjüdisclicn, liegt, wenn man sie in jüdischen Verbänden zusatn inenfassen müsse. Der Verfasser ist sich erfreulich klar darüber, daß deutsche Vereine für die jüdischen Kinder ebensowenig in Betracht kommen wie paritätische, deren Charakter er durch• schaut. Uml schwei mutsvoll erklärt er in Sperrdruck: ״solange diese Verhältnisse bestehen ־— und sic werden leider fortbestehen, bis unsere Arbeit tiefergehende Wirkung auf die allgemeine Volkstimmung ge• zeitigt hat (Sperrung der Red.) — bleibt kein anderer!Weg, als zunächst im jüdischen Kreise das deutsche Empfinden zu pflegen, uml den Kindern die feste Grundlage zu schaffen, auf der sie dann mit nichtjüdisclicn Kameraden einen würdigen, Weder durch falsche Scheu noch durch falschen Stolz becinträchtigtcn Verkehr aufndimcn können". Arme Kinder! Wenn sie warten wollten, bis die Arbeit der nätionaldcufschcn Juden eine Umwandlung der Volksslimiming gezeitigt hat, die ihnen gestalten würde, anderswo als im jüdischen Kreise das deutsche JEmpIinden zu pflegen, so würden sie noch als Greise mit jüdischen Bärten AUticrrcnmUgUcdcr jener Kinderausgaben liberaler ״Ressourcen“ und ״Harmonien“ sein, wo auch im jüdischen Kreise das deutsche Empfinden gepflegt wird, damit ja das jüdische Empfinden nicht aufkommen könne. Vor diesem jüdischen Empfinden ihrer Kinder haben diese Juden eine ungeheure Angst, und darum, dies ist die Krone des Ganzen, halten sic cs für nicht minder wichtig, ״daß den zionistischen Werbern endlich einmal das Handwerk gelegt werde“. ״Natürlich wird den Kindern nur in den seltensten Füllen gesagt, daß es sich um zionistische Vereine handle“; und wir bedauern, nicht durch weitere Zitate darlcgen zu können, wie groß die Gefahren sind, die diese armen Haliciälsck - itMlseto Tagcbiicli Von Max Wölls feiner (Berlin). Als ich diesen Februar den Weg ins Land, wo die Zitronen blühen, gefahren kam, plagte mich der Gedanke, ob wohl einer• von den zahlreiche״ deutsdicn Juden, die die lang entbehrten Genüsse einer Italienreise wieder In ihr Frühialirsprograinm mitgenommen haben, in Italien auch jüdische Werte, jüdische Kulturstätten, jüdisch-historische Erinnerungen aufsuchen würden. Ich habe die Frage mit Nein beantwortet, und ich glaube, daß ich damit recht hatte. Der Baedecker erwähnt ja nichts von irgend welchen jüdischen Schützen Italiens, und darum braucht man sich um diese auch nicht zu kümmern. Man geht in die Kirchen, besucht die Friedhöfe, ftchwürml von hundert Madonnen, versäumt keine noch «0 kleine Galerie und hat dann seiner Pflicht als gebildeter!Mensch genüg!. Die Leute haben ja recht. In jüdischer Geschichte und Literatur sind sie vollständig unbewandert. Es hat ihnen niemand gesagt, daß in Venedig noch heute ein Ghetto existiert, das, wenn es auch schmutzig und düster Ist, doch tausendfache Eilnnciutmcn an den ehemaligen Glanz der jüdischen Gemeinde von Venedig in sich birgt. Sie Wissen ja nicht•? davon, daß in Padua Synagogen stehen, die vom architektonischen und kulturgeschichtlichen Standpunkt aus eben so sehenswert sind wie hunderte der von ihnen besuchten Kirchen. Mich hat übrigens weniger eine Erholung, als eine mögliche Bereicherung meiner jüdischen Sammlungen nach Italien getrieben. Ich muß allerdings sagen, daß, obwohl ich mich vier Wochen kreuz und quer im Lande herumgetriclxm habe, diese Ausbeute nur schwach gewesen ist. Vor 25 Jahren war ich einmal in Livorno und habe mit einem jüdischen Juwelier gesprochen, der einige Wochen vor meinem Besuch 25 alte Psomimbüchsen ab Wertlos cingeschmolzen halte. So herrscht überall Unkenntnis, und wertvolle historische Kulturgegenstände werden vernichtet. Der verstorbene Prof. Berliner vom Berliner Rabbiner- Seminar ist allerdings bei seinen Sammlungen radikaler vorgegangen. Er hat wochenlang auf den Böden der Synagogen und Gemeindehäuser lieriimgestübert, um alte Schriften zu entdecken, und das ist ihm auch vielfach gelungen. Seine Bibliothek, die später nach Frankfurt a. M. an die Stadt verkauft worden ist, hat selten schöne hebräische Bücher, die er in Italien zusainmengebracht hat, jüdischen Kinder von seiten zionistischer Weiber umlauern. Natürlich müssen so bedrohte Eltern gar sehr auf dem Qni vive sein. ״Man überwache auf das sorgfältigste den Umgang der Kinder, man weise den zionistischen Werbern riicksichislos die Tür . . . vor «Hem kläre man die Kinder aber selbst damher auf, daß .־: i e jeden, der sich an sie 11 c r a!1 d r ä n g t, c I n d r i n g 1 i c 11 s t darüber fa c - fragen müssen, ob er Zionist sei, und daß sie den Umgang mit Zionisten vermeiden sollen. Man mache dem Kinde klar, daß der Zionist ihm sein deutsches Vaterland nehmen will, und daß er somit nicht minderunscrer Kinder Feind ist als der Hakenkrcuzler, der ja in seinen Anschauungen über das ״Volks- 111 m“ der Juden den Zionisten sehr nahe stellt. Für solche, den Kern der Dinge treffenden, in ihrer Einfachheit schlagenden Argumente hat jedes einigermaßen geweckte Kind Verständnis ... Natioiialdcutsche Juden, rafft Euch endlich auf aus Eurer Untätigkeit. Es geht um das Wohl und Welle Eurer Kinder, um das Wohl und Wehe des deutschen Vnterlnudeq“. 111 Sperrdruck. Und damit Schluß. Fs ist zu billig, über ,diese ungeheuerliche und rührende Naivität nncli mit Druckerschwärze dein Gelächter Ausdruck zu geben, das sich heim Lessen dieser Ergüsse nicht ztrrllckhallcii ließ. 111 dieser, von Niederträchtigkeit aller Art strotzenden Zeit ist eine solche Erheiterung allen Dankes wert. Wir haben ihn vorhin sdion angeklimligt, und wir statten ihn jetzt ab: Gründet Eure Organisation. Bringt Eure jüdischen Kinder in jüdischen Jugendverbiinden gcstalthaft und erfaßbar zusammen. Laßt sic von deutschen Werten und deutschem Volksbcwußtscin so viel kosten, wie 61c wollen. Schickt sie unter erprobten und geübten Leitern ins Freie. Und ״ment uns nach, was Ihr nachmachen könnt. Aber wundert Euch nicht, wenn jedes geweckte Kind unter jüdisclicn Kindern sich nicht germanisiert, sondern judaisiert. Wundert Euch nicht,wenn sie dem Hakenkreuz gegenüber auf den ״Mögen David“ zurtkkgrcifen lernen. Laßt sic ja nicht auf ihren Fahrten Zusammentreffen mit völkischen Wandervögeln, die ihnen Ihr Deutschtum sehr eindrucksvoll abstreiten werden uml mit unseren Blau-Weißen, von denen sie sich, magisch uml verwandtschaftlich angezogen, von ihrer eigentümlichen Jüdisch- Dcutschhcit erlösen lassen — Ins Jüdische nämlich. Wir haben Erfahrungen gemacht und nicht nur wir. Denn, meine Herren Organisationsgründer und liberalen Wcltbctrachtcr, es gibt in der Jugend autonome Tendenzen, die mit dem Jungsein Zusammenhängen; über sie habt ihr keine Gewalt. Ihr könnt den Baum pllanzcn, aber wie er wächst, hängt nicht von Euch ab. Weil er nämlich wächst und nicht gestartet wird, Ucbcrnll auf der Erde brechen nach dem verfrühten Traum einer künstlichen Internationale die nationalen Leidenschäften, bisher mißachtet, an die Oberfläche der Dinge. In Südafrika selbst, diesem ausgezeichnet geleiteten, von vielen Rassen bewohnten Staatcngcbildc, haben sie den bisherigen Premier zum Rücktritt gezwungen, einen Mann, den man ln der ganzen Weit kennt und achtet, den General Smnts, eine überragende Intelligenz und der verkörperte gute Wille in politicis, der bei Deutschen wie bei Juden In gleicher herzlicher Achtung steht, auf den aber das englische Empire als auf einen seiner stärk?len politischen Gestalter blickt. Um Smuts Ist uns nicht bange, er wird die Treppe liinauffallcn und an einer Stelle, die ihn dem Zentrum der Dinge nähert, weiter seine völkerverbindende und -schlichtende Kraft ansetzen können. Wie stark aber die Ocwaltcn 6ind, die einen solchen Mann vom Platze werfen können, die rassenmäßigen und volksmiißigcn Scheidungen zwischen Mitgliedern wirtschaftlich, kulturell und politisch eng verbundener Menschengruppen, das Elementare an diesen Dingen werden naüonakicutsche Liberale nie begreifen. Sic werden weiter, wie die ״Berliner Börsenzcilmig“ vom 7. April ln ihrem Epilog zu der unseren Lesern wohlbekannten ״Ankcr“-Angc!cgeuhclt, erlöst aufatmen, wenn man, um sic zu düpieren, behauptet, man sei aniiintcrnationnl und nicht antisemitisch, wobei diese neue Sorte deutscher Vorkämpfer Übersicht, daß heute nichts so international ist, wie der Antisemitismus, der aus aller Länder Auswurf seine berufsmäßigen Hetzer und Argumentatlonen hcrholt, und für den gerade jetzt ein wundervolles u ie a •,;•111! ׳ i■״: der v.>. י 11 ׳ ין i'i-nitiFs.'hcti Monurchlsicn bi Amerika gemachte, von dem Amerikaner Henry Ford signierte Schmarren ״Der internationale Jude", von Herrn Theodor Fritsch ln Deutschland verbreitet, wird aus Berlin von rumänischen Studenten ln ihr erleuchtetes, hochziviHr.iertes, nur ein bißchen nach Blut und Balkan duftendes Vaterland Importiert, um dort ln Czernowitz und Bukurcscht zu jenen Judenpogromen Beihilfe zu leisten, deren wir in dieser Nummer Erwähnung tun müssen. Der nalionaldcutschc Jude aber ist selig, wenn ein deutsch er Major mit vorzüglicher Hoch• achtung ihm die Türen otfen hält und erlebt ״Augenblicke wahrer Erhebung, wenn fast die ganze, aus Juden bestehende Versammlung blitzartig wie ein Mann“ gegen einen Mann lostobt, nämlich gegen Oskar Cohn, der allerdings ein Mann und ein Jude Ist, würdig aus einer Versammlung nationaldeutscher Mosaisten entfernt zu werden. Ja, cs sind ״Märtyrer“, diese nationnkicutschen Juden; sic ״sind in der Minderheit“ und ״kämpfen einen schweren Kampf“ (Börsenzeitimg daselbst), In der Minderheit an politischer Einsicht und menschlicher Würde, und den schweren Kampf gegen ihre gesunde Vernunft und das Bestehen jüdischer Abstammung, das selbst noch in dieser Verdünnung imstande ist, einen Menschen dorthin zu riehen, wohin er gehört, und wohin er nicht will, ln rein jüdische Organisationen für sich und seine Kinder. A. Z. Dcalsflinnllonale Betllnpnßen In einer Versammlung des Centralverclns deutscher Staats• bürge r jüdischen Glaubens in Eisenach trat auch der Führer der Thüringer Dcutschnationalen, Abg. von Eichel-Strei• her als Redner auf. Er lehnte die maßlose Hetze des ״vö 1 klschsozialen Blocks“ ln Thüringen gegen die Juden ab, stellte aber die folgenden Bedingungen für ein Aufgeben des antisemitischen Kampfes seitens der Deutsch na tionalcn auf: J. Bewußter und geschlossener Rücktritt der Juden aus der staatspolitlachcn Führerschaft. 2. Geschlossener und bewußter Verzicht auf die Führung des Volkes in geistiger Hinsicht 3. Abbruch aller Beziehungen mit dem Judentum, das jenseits derdeutschcnOrenzensteht. Hell und Sieg, sie decken ihre Karten auf! Wenn der Jud• also darauf verzichtet, die gleich ihm entrechteten uml entwürdigten Massen der Arbeiter Im Kampfe um elementare Rechte — gleiche Bildung, gleiche Justiz, menschenwürdige Arbeitszeit, höfliche Behandlung durch den Typ ״Beamter“, anständigen Lohn für eine mcnschcnfrcsscrische Arbeit, Pflege und Aufzucht des Nachwuchses und dergleichen — zu unterstützen, dank seiner reiferen Geistigkeit, seiner Aufopferungsfilhlgkclt und seiner Organbienmgsgabe; wenn er darauf verzichtet, als Staatsbürger dem Staate seine überall sonst in der Welt als wertvoll erkannten Dienste zu widmen, und seine Leidenschaft für den Aufbau menschlicher Ordnung und die vernunftvolle Durchleuchtung menschlichen Zusammenlebens, Aufgaben, die ja in Frankreich, Italien, England oder Rußland nicht weniger zentrale Angelegenheiten des Staats- Volkes sind als hierzulande, und dem begabten Juden daselbst dennoch offcnstchcn, ohne daß jene Reiche dem Untergange zuwanken; wenn er seine geistige Durchschlagskraft kastriert, seine Begabungen kappt, sich entschließt, weder deutsch zu dichten noch zu denken, zu verlegen oder Theater zu spielen, Dichtung von Kitsch zu sondern und für diese Sonderung sich cinrmctzen, vor allem• aber alles Wertvolle im deutschen Geiste zuerst zu erkennen und zu lieben, zu fördern und zu propagieren; Nietzsche und Wagner, Strindberg und Ibsen, George und Dchmel, Wedeklnd, Hauptmann und St ehr; wenn er vielmehr das deutsche Publiktim dem antideutschesten Ding auf Erden überläßt, dem. deutschnationalen Geschmack; dies alles aber krönt durch völliger. Verzicht auf Zusammenarbeit mit den Juden aller Länder und der ganzen Erde, indem er Bande des Blutes und der Liebe, der historischen Gemeinsamkeit und gemeinsamen Sciiicksalswillcns in die Zukunft hinein dcutschnationalcm Dünkel und offensichtlich pathologischer Anmaßung zu Liebe zerschneidet — wenn der Jude sich darauf beschränkt, nichts als der Hand eis jud’ der Deutschnationalen zu sein: dann wird dieser, der Herrentyp, Ihn nicht nur ruhig seinen Profit machen lassen, sondern sich auch weiterhin großherzig daran beteiligen. Denn diesem ״Handclsjuden“ Vermag selbst er sich so sehr überlegen zu fühlen, daß er Ihn gewähren lassen kann, selbst er, der Edcllng, der Herr imd Sinn der Erde, dessen unterbewußte Selbsterkenntnis soviel klüger ist als sein vollbcwußtcs Ge- Hl la.'B-'.TgJ1■.1!!■■"■1lg■" [LHLUJÜ-.I.LJ1X.I ■■ ייו! Riva: Bei der Besichtigung des alten Rathauses der Stadt Riva am Gardasee entdeckte Ich neben einer Anzahl römischer Insdiriltstcinc in der inneren Mauer der Vorhalle einen Marmorstdn, der eine alte hebräische Inschrift enthielt. Die Verzierung über der Inschrift bestellt In zwei zu einem Kranz verschlungenen Oelzwelgcn. Ich glaubte diesen Stein entdeckt zu haben, mußte aber nach meiner Rückkehr konstaderen, daß er bereits eine Literatur hat. Prof. Müller aus Wien hat in der Wiener ״Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“ diesen Stein bereits erwähnt und bcschrieben.' Es handelt sich um (len Grabstein eines Mannes namens Me sc hui am. aus den! Jahre 1133. Woher der Stein stammt, ist allerdings niemals ermittelt worden. Viel* leicht hat ln Riva eine Gemeinde bestanden, vielleicht ist er aber auch aus einer in der Nähe gelegenen größeren Stadt bei einer Judciivertreibung von Angehörigen des Verstorbenen mitgenommen worden. Eine Gemeinde existiert jetzt in Riva nicht mehr. Padua: Auf der Fahrt nach Venedig habe ich■ In Padua einen Abstecher ■gemacht. Eine Stadt, die sonst gewöhnlich von Ilaik'iifahrci n nicht besucht wird. Ich dagegen hatte eine besondere Mission zu erfüllen. Ich hin in Padua auf ״Kewer Chvaus“ gegangen. Einer meiner Vorfahren, der im jüdischen Schrifttum' rühmlich st bekannte Rabbi Mcir K a t z c n c 1! e n b 0 g e n von Padua, der aus dem Nassaui■־■eisen über Polen nach Padua «!!:;gewandert war und dort jahrzehntelang die blühende Gemeinde als Rabbiner geleitet hatte, liegt in Padua auf dem ältesten der fünf jüdischen Friedhöfe begraben. Gelegentlich einer früheren llalicnfahrt habe ich sein Grab sowie dasjenige seiner Frau und seines Sohnes entdeckt und stehe seitdem mit der Gemeinde in Padua betreib. Instandhaltung dieser Grabsteine, die noch vollständig erhalten und auf (lifncn die Inschrift gut leserlich ist, in Verbindung. Abgesehen hiervon bietet Padua für den jüdisch interessierten Reisenden eine wahre Fülle, von Kostbarkeiten in den vielen Synagogen, der Stadt, die zum, Teil sehr allen Dalums sind. Ich habe mir eine Reihe von' Tempeln, die längst nicht mehr benutzt werden, autschtießen lassen uml war überrascht von den ungeheuren Werten, welche da zusniumengetragcii sind. Insbcuomlerc feuclte mich die sogenannte Scuola Italiaim, die nicht mehr!*«sucht wird und die eine Fülle von Schönheiten bietet. Aron H iko• d e s c h und A1 m e m m 0 r sind in der. Mitte dej• beiden Langsclten angebracht. Ueber der Synagoge wölbt sich ein Tonnengewölbe, welches in der Mitte durch eine kreisrunde Kuppel unterbrochen ist, durch deren Fenster den Frauen nur ein dürftiger Einblick ln den Inncnraum gegeben ist. Der Thoraschrein ist von einer Pracht, wie man sie nur selten sieht. Reich geschnitzt sind die Stühle für den Rabbiner und den Vorleser. Die Synagoge ist im 16. Jahrhundert erbaut worden. Wie bereits erwähnt, wird sie nicht mehr benutzt. Als ich dieselbe aufschUcllcn ließ, war vor den Türen dicke» Spinnwebe, daß Ich glaubte, der Tempel sei schon Jahrzehnte• lang nicht mehr gcötfnet worden. Eine Vermutung, die auch ihre Bestätigung fand. י Venedig: Furchtbar sieht cs im alten und neuen Ghetto von Venedig aus. Die Juden, d'c früher im Ghetto wohnen mußten, sind fast alle In die Stadt gezogen. Nur noch einige armselige Bettler lungern den ganzen Tag mit ihrem Anhang herum und warten auf die wenigen Fremden, die sich da» Ghetto und die dort befindlichen Synagogen aiischen wollen. Es erscheint unfaßbar, wie in diesen schmalen Gäßchen, in die weder Luft noch Licht hincindringt, die blühende jüdische Gemeinde Venedig zusammengepfercht leben konnte. Um die Freigabe eines an das Ghetto stoßenden. Platzes, der nicht großer Ist als ein Berliner Bauplatz, mußte jahrelang petitioniert werden, damit die Leute am Sabbath wenigstens auf diesem Platz sieh ergehen konnten. Ich habe von den fünf fm Ghetto existierenden Synagogen zwei ־besucht. Die eine, die sogenannte ״Scphardisciic Synagoge“, hat eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Besuch von Moses Montefiore. Die Tür zum Thoraschrein war ehedem aus Silber. Napoleon l. hat mit vielen anderen Kostbarkeiten auch die Tür nach Parts mitgenommen; sie wurde durch eine eiserne ersetzt. Die Synagoge ist zwar klein, doch reich ausgestattet und hat eine wunderbare Hol/architektur. In Venedig blüht jüdisches Leben in reichem Maße. Die Juden stehen im Handel an erster Stelle. Es gibt eine Anzahl berühmter jüdischer Advokaten und geschätzter Aerzte. Auch sind häufig Juden ah städtische und Ministeriaibenmte anzutrdfen. Vom religiösen Leben ist allerdings nicht viel zu verspüren. An den Sonnabenden ht knapp Minjan vorhanden Bologna: Hier war in der Zeit der Papstherrschaft ein• große und blühende Gemeinde vorhanden, die jedoch all• mählich zustunmcngcschrumpft iat. Bologna ist der Schauplatz # \