Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-03-28 · Heft 25 (28.3.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 25 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652620--15636-2674954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

lilU׳ /V «■ ״ן ןי—יץ ךן »״—״*«ן ך-.,- ) ':: 3 L. > / i r\ ב L"; י ' ו / V; ~ך f" 'vi Redaktion und Verlaß W 15, Sächsische Straße 8. Erscheint j: jeden Dienstaß und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition | monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. t AmlMindatbonnemtn(• vr«rd»n 10 der WShruoiJ d«r elnielaea L&ndar berechnet• l; Nummer 25 | Berlin, 28. III. 1924 f; 0mMms:xzsssmnxs:zzts.:׳sz^1,.. ־■aasvjKS."xa££ seätiz• t.vbäss, ־.rjrrarsK;— Per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die "*\ f**”5*'*^ ן‘*'**'*' \ V. .’X Aozcirtcn-Verwaliaiift: Jüdische Rundschau G.m.b.II., Berlin W15, Sächsische Straße 8. — Telephon: Amt Pfalzburg 6697, 6698 u. 6699. Anteij’enprels 1 ilgeinalt. Nanparr Iller rit• 0,3<)Gül<lm«rk, Stfllcn• £e»uch• 0,15 lioldmark. für hebrühch»« Amöben löü% AtlfichUg. l־ür AusUhdtinsersle AufichUg. An2rlg»nsch!t1(i1 I) i 0 n t וו £ und K r e i t g nachmittag i ut. ScJinfJung einer üffcnttich * rechtlich nsrir’^'^ t1!5״N!■ ץ־ / Telephon: Pfalzhurg6697u.6698, Postscheckkonto: BerlinNr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr, 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — תדס״ד Ichcrtun Uclm כ״ב אדר ב׳ WUo in Palür.ttna. XXDLJalu•??. ״Baseler Programm. Zionismus, Liberalismus und Orthodoxie 1. Prof. .Shvood Kcad £!bcr dis ÄtacdcMeia EP* /*TI * <”*./,,5די«י"׳/ י t!2) f*v * 1 /״, r v ::; « 1 : ,״ j -־ ( : pj 1 4i1» 'w fej ju, <^4at I ׳ «L4tfLiük In der letzten Nuinmer der ,,Jüdisch-liberalen Zeitung“• veröffentlicht der Vorsitzende der Vereinigung fiir das liberale Judentum und der Repräscntantciiversammhing der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern einen Artikel ״Die Zeit der Entscheidung“. Darin wird, wie auch aus der fetten Ucbcrschrift des Blattes hervorgeht, ״die Krise des Zionismus" zum Ausgangspunkt der Betrachtung genommen. Herr Stern erzählt, wie ״König llusseu energisch au der Pforte des Heiligen l.;indes pocht.“ Auch ״das Ausscheiden nicht unbedeutender Persönlichkeiten aus der Bewegung (man denke au Jabotinsky usw.)“ wird hervorgehoben. Die Verspätung scheint nun einmal das Schicksal des Liberalismus zu sein. Herr Stern wenigstens kommt mit diesen ernsten Nachrichten ein wenig zu spät. Es hat sich inzwischen hcrausgcstcllt, daß nicht so sehr Hussein an den Pforten Palästinas, sondern die palästinensischen Araber sehr energisch, aber mit völligem Mißerfolg an die Tür König Husseins geklopft haben. Die in unserer letzten Nummer wiedergcgcbcnc Kennzeichnung der Ansichten König llii'seins durch den ״Manchester Guardian“ trifft mit größter Wahrscheinlichkeit zu. Wir können auch Herrn Stern durch die Mitteilung beruhigen, daß Erklärungen maßgebender eng-!isolier Regicrungskrcise vorlicgcn, nach denen eine Acndenmg des gegenwärtigen Status Palästinas dem arabischen Stnatenbimd gegenüber, der ja vorläufig auch nur eine Hoffnung, aber keine Wirklichkeit ist, nicht beabsichtigt wird. Wenn der Redakteur der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ Herr Dipl.•Ing. Bruno Woyda in seinem zweiten Artikel ״Der Zionismus in der Praxis“ der gleichen Nummer unseren Leitartikel in Nr. 10 der ״Jüdischen Rundschau" als Kronzeugen anführt, so ist ihm, der offenbar in Fragen der Außenpolitik nicht besonders bewandert ist, entgangen, daß inzwischen sowohl der Dezernent für die Araberpolitik in Palästina, Captain Richmond, wie auch der englischc politische Berater in Transjordanien, Major Philhy, beide extreme Anlizionistcn, zurückgctrctcn sind. Es scheint jetzt auch das von uns in dem Artikel erwähnte, von den . »ionistisrhen Vertretern von Anfang an scharf abgclehntc Projekt der Einbeziehung Palästinas in die panarabische Konföcicration unter formeller Anerkennung der Dalfour-Doklaration von Hussein nicht mehr in Betracht gezogen zu werden. Und wenn Herr Woyda aus unserem Artikel die Betonung der Notwendigkeit einer Verständigung mit den Arabern als eine ״weitere Perspektive“ zitiert und hinzufügt, daß ״das kein Antizionist, sondern der Leitartikler der ,Jüdischen Rundschau‘ schreibe“, so empfehlen wir ihm, bevor er über zionistische Politik schreibt, zunächst einmal die Durchsicht der politischen Resolutionen der letzten beiden Zionistenkongresse zur Araberfrage. Offenbar wird auch von ihm Zionismus mit Austreibung der Araber aus Palästina identifiziert. Es erscheint zwecklos, hier noch einmal die Anfangsgrümlc der zionistischen Außenpolitik darzulcgen, ohne deren Kenntnis ebensowenig ein Urteil gestattet sein sollte wie ohne jede Ahnung der Vorgänge im Nahen Osten. Es genügt die Feststellung, daß uns der arabische Staatenbund lind König Hussein im Augenblick verhältnismäßig wenig’ Sorgen machen; über die zionistisch-arabischen Verhandlungen, die duren den Besuch der zionistischen Delegation in Amman begonnen wurden, Näheres zu berichten, haben wir keine Veranlassung. Auch die Sorge von Rechtsanwalt Stern über die ״Parteiungen in der zionistischen Leitung“ ist schon, ein wenig überholt. Sogar wenn wir aunchmcn, daß Herr Stern Jabotinsky mit Dr. Soknveitschik verwechselt, da der Austritt Jabotinskys ja doch immerhin schon ein Jahr zurückliegt, hätte inzwischen die letzte Actions-Comite-Sitzimg zu seiner Beruhigung beitragen können. Es würde sich also empfehlen, wenn unsere freundschaftlichen Gegner, statt sich mit den etwas komplizierten Fragen der zionistischen Innen- und Außenpolitik zu beschäftigen, bei denen ihnen doch immer wieder vielfach peinliche und komische Mißverständnisse und Irrtiimer unterlaufen, sich auf die Aufbauarbeit im Lande selbst beschränkten. Die geringe Einwanderung, die geringen finanziellen Mittel, die Bodenfrage — das sind vor allem unsere wirklich ernsten Sorgen. Es ist zwar anzucrkennen, daß in beiden Aufsätzen zum Ausdruck kommt, daß auch die deutschen liberalen Juden die Verlangsamung des Tempos der palästinensischen Aufbauarbeit in den letzten Jahren nicht mit Schadenfreude, sondern ״mit tiefer Besorgnis“ betrachten. Das ist aber auch alles. Herr Stern zieht die etwas geometrische Konsequenz, ״daß es politisch und historisch, vom jüdischen und nicht jüdischen Standpunkt aus gesehen, eine Utopie ist, Palästina als Stätte nationalen Wirkens, als sogenanntes nationales Zentrum der Juden auszugestaltcn. Zu einem Zentrum gehört eine Peripherie und die Peripherie fehlt.״ Wenn die deutschen liberalen Juden sich an eine deutsche Wesenseigentümlichkeit mit Erfolg assimiliert haben, dann ist es die unglückselige politische Gedanken- und Blicklosigkeit des deutschen Volkes, das immer wieder seine spe- *ifische Einstellung zu politischen Dingen .auf die ganze Welt überträgt. Wollen denn auch die liberalen Juden Deutschlands nicht endlich einmal sehen und einschen, daß die Majorität des jüdischen Volkes in der Welt eben nicht liberal, sondern national ist, und ist es wirklich notwendig, dies statistisch nachzuweisen nach der Zahl der Wähler jüdischer Abgeordneter, der offiziellen Volkszählungen, der Ergebnisse der Wahlen zu den jüdischen Kongressen, der Palästina-Plebiszite usw.? Man halte gegen den oben äugeführten Satz eines Führers des deutsch •jüdischen Liberalismus den folgenden aus einer Rede eines führenden liberalen Juden Wir erhalten aus New York unter dem 7. März den folgenden Bericht: Ein großer, hagerer Mann, das kühne Gesicht von der Sonne und den Winden zahlreicher Länder gchraunt, sah gestern abends einer Versammlung von dreihundert führenden Juden Amerikas im New Yorker Astor-Hotel ins Gesieht uml •sagte zu ihnen: ״Palästina wird in «len kommenden Jahren in d c r G c sch t ch tc der Welt wieder eine große Rolle spielen lind zwar ein re 11 die Heldentaten seiner jüdischen Pion i e r e.“ Viele der Zuhörer hatten schon vorher Worte wie diese gehört. Gehört von Schern uml Träumern, Diesmal empfing die Hörerschaft diese Worte mit einem besonderen Schauer wegen der großen Bedeutung des Mannes, der sie sprach. Der Sprecher war Prof. Elwood Mcad, der erste Kolo n 1 a 1 s a c It verständige der Welt, der nach einer Besichtigungsreise durch die jüdischen Kolonic.1 in Palästina über das berichtete, was er gefunden hatte, und als Sachverständiger dann, seine Ansichten über Aussichten und Möglichkeiten der Zukunft ansdrücktc. In diesem Zusammenhang ist cs interessant, anzumerken, daß, bevor er Palästina besichtigte, Prof. Mead auf Verlangen der britischen und australischen Regierung ein Kolonisationsprojekt im Werte von dreißig Millionen Dollar erforscht hatte, das in Australien zugunsten britischer und australischer ehemaliger Soldaten verwirklicht werden soll. Auch hatte er, aufgefordert von der hoiländi sehen Regierung, gerade Java besucht. Während seiner ganzen Rede unterstrich Prof. Mcad nachdrücklich die Achnlichkcit zwischen Palästina und Kaliformen. Er nannte Palästina das Kalifornien Asiens und versicherte seinen Hörern, daß ״Ackerbau-Wissenschaft und Geschicklichkeit im Anhau, Sorgfalt und Gründlichkeit im Absatz dieselben überraschenden Ergebnisse in Palästina bewirken werden, die in Kalifornien erzielt worden sind.“ Er zitierte Beispiele aus dem Kolonie- und Städtclebcn, die geeignet waren, zu beweisen, daß ״alles, was in Südkalifornien möglich war, auch in Palästina möglich ist.“ ״Die Ackerbau-Kolonisation Palästinas", erklärte der Gelehrte, ״hat nun ihre Pionierperiode hinter sich.• Die zionistischcn Kolonien am Tiberiassee und am oberen Ende des Jordantales zu sehen, lohnt allein schon die Fahrt über den Atlantischen Ozean. Mit ihren sauberen, modernen ״homes“ und baumbegrenzte» Straßen sind sic den fenstcrlosen, unbcschattctcn Lehmhäusern der nahen Araberdörfer nm Jahrhunderte voraus.“ Die Möglichkeiten der Ackerbau- Kolonisation in Palästina betreffend, sagte Prof. Mcad: ״Wissenschaff, Geschicklichkeit und Fleiß können die Ebene von Esdralon und das Tal von Jcsreel zu einem ebenso bezaubernden B׳ild landwirtschaftlicher Schönheit und ackerbaulicher Ueppigkeit machen, wie cs heute den Blick dessen erfreut, der von Los Angeles nach St. Bernardino fährt.“ Prof. Mead fand, daß nicht allein das Land selbst seiner Heimat ähnele, sondern daß auch der Ocist der Bevölkerung jenem Geiste vergleichbar sei, der aus Kalifornien ein Gartenland gemacht habe. Dr. Mcad sagte: ״Die Juden bringen ihrer alten Heimat denselben Optimismus und die gleiche Energie, die mein Heimatland Kalifornien kennzeichnet. Ein schlagendes Beispiel davon ist Jaffa und seine Vorstadt Tcl-Awiw. Jaffa ist eine arabische Stadt mit 15 000 Einwohnern, die so aussicht, als wäre die einzige Veränderung während ..—■a—M Amerikas, des früheren Antizionisten Dr. Joseph Silverm a n n, der nm 17. März in New York nach seiner Rückkehr aus Palästina in einer Keren Hajessod-Vcrsaminlung sagte: ״Seit vielen Jahren war ich Rcformrabliincr und habe den Zionismus bekämpft. Aber jetzt nach meinem Besuch in Palästina erkläre ich, daß ein jüdisches Heimatland aufgebaut werden soll, das das geistige Zentrum des jüdischen Volkes sein wird.“ Und was ist das am . für eine Gcschichtspliilosophie, die in de» folgenden Sätzen zum Ausdruck kommt: ״Ich habe cs immer bedauert, daß die nationale Verbränumg des Paliistinawerkes es weiten Kreisen gemeinrnemsciiafisbewußter Juden unmöglich machte, an diesem Werke mil/unrbeiten. Wäre dieses Werk als gcmeinschaftliehe Kolonisationstat aller Juden aufgezogen worden und hätte man sich zunächst einmal damit begnügt, Juden dort seßhaft zu machen, anstatt in den unseligen Fehler zu verfallen, alles erst theoretisch-nationalistisch zu tundieten und zu zerspalten, anstatt praktische Arbeit zu leisten, so hätte es keine Paliistinafrngc im deutschen Judentum gegeben. Daran aber kann kein Zweitel sein, daß wir mitbetroffen werden durch die Katastrophe, die jetzt in den Herzen der zahlreichen Juden vorgent, denen der Boden ihres Judentums unter ihren Füßen zai schwanken beginnt, je mehr die ״nationale Heimstätte“ wieder in grauen Nebel zurücksinkt.“ , Weiß denn Herr Stern wirklich nichts von der Wirksamkeit nationaler Ideen in Vergangenheit und■ Gegenwart und glaubt er im Ernst, nicht der nationale Wiedergeburtsgedenke, sondern die philantropisch-mcchanistischen Programme der verschiedenen Kolomsationsvcreinc hätten die Balfour-Deklaration und die völkerrechtliche Anerkennung des Zionismus durch das Palästinamandat erreicht? Wenn inan die von Herrn Stern in seinem Aufsatz ganz offen zugegebenen Ergebnisse der bisherigen liberalen Arbeit in Deutschland überblickt, die Stern sehr richtig als ״bloß«! eines Jahrtausends gewesen, die Häuser ein bischen schwärzer zu machen. Neben Jaffa liegt die moderne Stadt Tel-Awiw, auch mit 15 000 Einwohnern, alles Juden. Diese neue Stadt ist in den letzten sechs Jahren gewachsen wie der Kürbisbaun» Jonas. Vor fünfzehn Jahren war hier eine dürre Sandwüste. Nun hat cs weite gepflasterte Straßenzüge, moderne, reizvolle, kostspielige, elektrisch erleuchtete Gebäude. Eine GeschäflsstraIle von einer Meile Länge ist vor kaum drei Jahren erst angelegt worden. Es gibt auf diesem Pia- 11 c t e 11 nichts, was mit de m mouernen Wunder von Tel-Awiw verglich cn werden k önnte, ausgenommen jenes׳ Wunder an Selbstvertrauen und Vision: Los Angeles, Die moderne Mctilmülile in Haifa, das elektrische Licht in Tcl-Awiw, der 11ydro-ctckfrische Aushau von Tiberias, die Vorkehrungen für trinkbares Wasser und Gcstindhcifspflege in Jerusalem sind alles Zeugen jüdischen Scharfsinn«* und jüdischer Geschicklichkeit. Sic lassen, was den endgültigen Erfolg des jüdischen Hcimstättcnplancs anlang», keinen Zweifel übrig.“ Prof. Mcad zog einen lebhaften Vergleich zwischen der Verwüstung, der Palästina durch Jahrhunderte zum Raube fiel, und dem Werk des Wiederaufbaus und der WiederhcrstclUmg, die nun im Fortschreiten ist. ״Dank den britischen und jüdischen aufbauenden Unternehmungen, die int Großen vom Keren I Injessod unterstützt worden sind,“ sagte Prof. Mead, ״tritt Ordnung, Gerechtigkeit und Gleichgewicht in Erscheinung. Das Heilige Land war der Verwüstung anhcimgcfallcn, nicht weil cs natürlicher Hilfskräfte entbehrte, sondern weil ihm die Versorgung mit denjenigen Gegenständen fehlte, auf denen Fortschritt und Zivilisation ruhen. In den Jahrhunderten, die der Zerstörung Jerusalems folgten, wurden Straßen zu Fährten, Hiigcltcrrasscn fielen in Ruinen und die Felder verloren ihre Fruchtbarkeit, weil sie iii der ausbeutcrischsfcn Weise, die Menschen überhaupt bekannt ist, bebaut wurden. Nun eröffnen Straßen- und Schienenwege dem Handel den Weg. Es gibt neues Interesse für Schulen — der Palästina.Aufbaufonds allein unterhält 135, cinschlicßlieh der Hebräischen Universität, deren erste Abteilungen bereits arbeiten — für die Aufforstung von Gebirgen, die Regulierung von Flüssen, den Bau von Häusern und Vor« städfen, für wissenschaftsmäßigen Ackerbau usw.“ ״Ich sehe in den jüdischer» Kolonien den stärkster» und wertvollsten Einfluß, der jetzt in Palästina zur Verbesserung des Ackerbaues und zur Schöpfung eines eingesessenen lind aufgeklärten Bauerntums ausgeübt wird. Die Schöpfung neuer und größerer Ansicdlungcn wird die soziale!» und politischen Lebensbedingungen weiterhin stabilisieren und dem gegenwärtigen raschen Wachstum des Geschäfts- und Sfadflchens in Palästina die notwendige Unterstützung geben.“ Eines der unmittelbarsten Bedürfnisse ist nach Prof. Mcad ״ein sorgfältig ausgedachtcr und entsprechend finanzierter Plan zum Landkauf“. Nicht allein brauche man Land als Grundlage zukünftiger Entwicklung, meint er, sondern cs sei jetzt auch der gün« stigste Augenblick, cs zu erwerben. Die unmittelbaren Notwendigkeiten zum Wiederaufbau Pa. lästinns als dem jüdischen Heimatland, sind nach dem Bericht Prof. Meads Gelder für die Entwicklung aller Tätigkeiten des Keren llajessod, für den Landkauf im großen Stil, un» alle wünschenswerten Gegenden für Kolonien aus/unützen, und für die Ausführung der Pläne von Bewässerung und Sumpftrocknung, um die Gesundheit des Landes zu sichern. Volksversamnilungs- und Wahlzeitcl-Liberatismus" bezeichnet, dann ist die Barmherzigkeit geradezu rührend, mit der Herr Woyda ״dafür sorgen will, daß die resignierenden Zionisten! nicht wieder in Indifferentismus untergehen“. Es ist höchst amüsant, zu beobachten, wie hier die tiefere Empfindung von dem Mangel einer nennenswerten Aktivität im liberalen Feiertagsjudentum als unbewußte Wunschvorstcllung auf die doch allgemein als die vitalste und aktivste Gruppe in» jüdischen Volke anerkannten Zionisten übertragen wird. 11» einem Leitartikel dieses Blattes ist vor kurzem von den ver- Achicdcncn englischen und deutschen Informationsmethoden im Weltkriege gesprochen worden. Auch hierin müssen wir die erstaunliche politische Assimilicrung des deutschen liberaten Judentums fcststcilen. Die ״am Judentum Verzweifelnden“ (Stern) uml die ״resignierenden Zionisten“ (Woyda) haben eine frappante Achnlichkcit mit den Ucberschrifteit der deutschen Presse im Kriege, die in denselben fetten Lettern u׳ic die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ verkündeten: ״Lloyd George gestellt die englische Niederlage ein" u. ä. mehr. Vielleicht warten die Herren aber einmal auch beim Zionismus den Ausgang ab. Was ungefähr nach einer Ge* ncration in Deutschland noch an liberalem Judentum vorbanden oder welcher Prozentsatz des deutschen Judentums dann zionistisch sein wird, kann nach der Entwicklung»- fendenz der letzten zehn Jahre kaum noch einem Zweitel unterliegen. Trotz des uns drohenden Mitleids der ״Jüdisch-! liberalen Zeitung" werden wir nach wie vor in unserer zionistischen Presse die vielfachen und schweren Sorgen, die ein so gigantisches Beginnen, wie es die Renaissance eines Volkes in einem Lande ist, das es nicht seihst bewohnt, notwendig mit sich bringt, in aller Offenheit und ohne das Geringste zu vertuschen, erörtern. Es kennzeichnet den Unterschied in der Gcistcshaltung des liberalen und des zionistischen Juden, daß den einen auch fremde ♦

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.