Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Pur Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. rur Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410. - Rcdaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. - כ״ו אדר ב׳ תיס״ד XXIX. Jahr״ 5sh;aff«1nr1 einer öifcntilch ■ rechtlich gesicherte! ui Heimstätte In Palästina.!,Baseler Programm.“ Fortschritt Die New Yorker Konferenz — Die A. C.* Sitzung - Zionistische Arbeit in Amerika Von Ah, Ooldberg, New York. Herr Abr. Goldber״, einer der prominenteren nmerikanischcn Zionisten, Mitglied des Ailminisfrntiv-Komitccs der amerikanischen Zionistischen Organisation, weilte auf seiner ländliche von der A.-C.-Sitzuag nach Polen einige '1 a.!c in lleriin, wo er in einer großen Versamaihing; über die Bcduüitng der New Yorker Konferenz und die soeben stattgefmiilciic A.-C.-T.-tgtmg unter großem Beifall sprach. 1 Serr Gr. kl borg war so tremuükh, auf unsere Bitte uns folgenden Beitrag über die jetzt besonders aktuellen Fragen zu,־ Verfügung: zu steilen. Die New Yorker Konferenz vorn 17. Februar war meiner Ueberzettgutig nach ein großer Erfolg. Schon der Umstand, daß die prominentesten Juden, die den grüßten Einfluß auf die amerikanische judenheit ausüben, die Einladung zur Konferenz untcischrieben haben, bedeutete einen Erfolg. Die Unterfertiger des Aufrufes waren auch die aktivsten und bedeutendsten Arbeiter der Relief* Aktion, die bekanntlich im Verlaufe von sechs Jahren (>b Millionen Dollar, also im Durchschnitt 11 Mil* lionen im Jahr aufgebracht hat. Von den vier Uuter/eichnern des Aufrufes waren Lehman der Vorsitzende der Wiederaufbau-Abteilung des Joint D'stribution Commiuee, Dr. Cyrus Adler der Leiter der Kulturarbeit des J. D. C. und Louis Marshall der treibende Geist der ganzen I lilfsarbeit in Amerika. Diese drei haben auch schon bisher aus ihren Sympathien für Palästina kein Mehl gemacht. Der vierte dagegen, l lorace Stern, ein berühmter Jurist und angesehener Richter in den Vereinigten Staaten, ist bis vor kurzem ein Gegner der zionistischen Bewegung gewesen. Seine Gewinnung für den Zionismus ist zur Gänze Dr. Wcizmanns Verdienst, Herr Horacc Stern hat sich unter grollen Perspektiven der Sache angenomnten und tritt für eine Palästina-Arbeit in großem Maßstabc ein. Der Einladung die rer vier Persönlichkeiten sind gegen achtzig Personen gefolgt. Es ist dies eine verliältnismäßig große Zahl, wenn man bedenkt, daß die Einladung nur an Nichtzionisten ergangen ist. Unter den Teilnehmern waren Vertreter der größten jüdischen Zentren, so außer New York von Chicago, Philadelphia, St. Louis und auch Washington. Der Vorsitzende des Joint Distribution Committee, Felix Warbürg, der während der Konferenz von Amerika abwesend war, hatte für die Konferenz ein Schreiben hintcrlasscn, worin er sic zur Einigung und harmonischer Zusammenarbeit ermahnt, damit letztere zu einer jährlichen Palisünaeinwantlerung von mindestens 3D0U0 Seelen fiiluen solle. Die f Jebat teil der Konferenz und die Reden dieser bisberigen Nichtzionisten haben bewiesen, daß die 2äj;ih1ige Agitation für den Zionismus nicht vergeblich gewesen ist. Trotz aller Erklärungen der Redner, daß sic Nicht- Zionisten seien, können ihre Reden in jedem Sinne als zionistisch bezeichnet werden. Es gibt in A m c r i k a zwei Arten vo n Juden, die beide gewöhnlich als Assimilantcn bezeichnet werden. Bei der einen Art geschieht dies vollauf zu Unrecht Die ganz kleine Gruppe, die zu Recht als Assimilantcngruppe bezeichnet werden kann, nimmt am jüdischen Leben gar keinen Anteil, besitzt nicht den geringsten Einfluß und dürfte im Laufe der Jahre durch Mischehen im amerikanischen Schmclzticgcl verschwinden. Diese Gruppe kommt für uns nicht in Betracht. Die andere, die größere Gruppe, ist »zionistisch, ein kleiner Teil vielleicht auch antizionistisch, aber auf keinen Fall assimilatorisch. Ja, manche antizionistischen Gruppen haben einen so hohen Begriff von ihrer Mission im Judentum, reden in einem so stolzen Ton, daß man sie sogar als hypernational, ja vielleicht sogar als chauvinistisch bezeichnen könnte. Diese Gruppe kann das beste Material für unsere Aufbauarbeit in Palästina abgeben. Auch heute schon befinden sich unter ihnen viele, die mit unserer Bewegung sympathisieren. Charakteristisch ist der Umstand, daß sie nicht etwa aus dem Grunde uns sympathisch gegenüberstehen, weil Palästina einen Zufiuchtsort für die notleidenden wandernden Juden abgeben, sondern vielmehr deshalb, weil in Palästina ein jüdisches geistiges Zentrum geschaffen werden kann. Es ist merkwürdig, daß der Achad Haamismus, der so sehr mit seiner östlichen Abstammung paradiert, seine größte Wirkung gerade unter den Westjuden in Amerika aufzuweisen hat, eine größere jedenfalls als der westliche Hcrzlisinns. Alle diese ‘Leute standen bisher abseits, weil wir auf Grund zionistischer Tradition und Organisierung eine eigene, fest geschlossene Gruppe bilden, welcher Umstand ja den Beitritt neuer Elemente erschwert. Wir pflegen stets zu sagen, daß der Eintritt an und für sich sehr leicht ist; man braucht ja bloß den Schekel zu zahlen. Aber das ist falsch. Solche Leute von großer Bedeutung können sich doch nicht als Untergeordnete, als einfache Soldaten aniwiüHGsem m ״Könifi Hussein bnt kein Interesse an Palästina“ Uchcr Herbert Samuels Besuch bei König Hussein in Amman schreibt ״Manchester Guardian“: ,,Polii'.ciies scheint sehr wenig diskutiert worden zu sein, und tatsächlich hat die palästinensische Regierung schwerlich die Macht und noch weniger den Wunsch, sich mit ihm in längere Verhaut!- hingen über politische Fragen cin/ulassen. Ls scheint, daß das Colonial Ot'licc eine dahingehende Entscheidung erreicht hat, daß T r a n s j 0 rd a n i c n unter d c n E i n f I u 1! P a! a s t i 11 a s gestellt wird, wodurch der britische Vertreter in Amman Beamter der pnläst inerts i s c!1 e n Regierung würde und dem High Comniissioiier von Palästina unterstellt, wäre. Es wird verstanden, daß dieses Arrangement den Anlaß zur Resignation Mr. Philbys, des britischen Vertreters in Amman, bildete. Mr. Philby ist gegen alle Mandate über arabische Territorien und verlangt auf jeden Fall, daß der britische Vertreter in Amman mir dem Kolonialministcr direkt verantwortlich ist." Das Blatt fährt weiter fort: ״Es ist ganz klar, daß König Hussein kein besonderes Interesse .an P a 1 ä s t i 11 a nimmt, und eiaß er, wenn die Parteif ii 11 r c r in Palästina cs ihm nur erlauben w ü r den, sich beeilen würde, in dieser Beziehung allen Wünschender britischen Regierung entgegenz 11 komme 11.“ ' König Husseins Rileltrcf.sc nach Mekka Jerusalem. (J.T, A.) Es verlautet, König Hussein werde am 16. März in der Hauptstadt Transjordaniens, Amman, nochmals offiziell zum Kalifen über alle Mohammedaner ausgerufen werden. Ende der Woche wird König Hussein die Heimreise nach seiner Hauptstadt Mekka nntrclcn. Der Nachfofficr Major Philbys Jerusalem. (J.T.A.) Wie der Pal. Tcl.-Agcntur ot-!in:!! mitgeteilt wird, v.u''- ,;!*!׳ Go uv erneu ־י von Nablus, Colonel Charles II. F. Cox, zum britischen Beamten .bei der t r a n s j o rd a n 1 s c 11 c n Regierung an Stelle des Majors St. John Philby ernannt. . ';1Ielt1!!r,I1 bleibt bei Pnlfislina Jerusalem. (J.T. A.) I Hier wird offiziell bekannt gegeben, daß vom April an die jüdische Kolonie Mctullah, die nördlichste jüdische Siedlung, zu Palästina gehören wird. Das Abkommen zwischen der englischen und tränzösi sehen Regierung bezüglich der Grenzlinie zwischen Syrien und Paläslina, in der mich die Frage der Zugehörigkeit Moltillalis geregelt worden war, wurde im März Vergangenen Jahres ratifiziert. Im Juni vergangenen Jahres besuchte Sir Herbert Samuel in Begleitung von Colonel Monktnn von der briiischen Armee und Colonel de Morfe von der französischen Armee Mctullah, wo sie von dem französischen Gouverneur von Salon am I.ihanon offiziell empfangen wurden. Auch die Bewohner der Kolonie bereiteten Sir Herbert Samuel einen warmen Empfang. Der Oberkommissar gab m seiner Ansprache der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Bevölkerung Mctullnhs und der 26 benachbarten arabischen Dörfer, die ebenfalls offiziell Palästina .1!!geschlossen werden würden, unter der englischen Verwaltung wohl fühlen mögen. Wie erinnerlich, wurde auf dem Rückweg aus Mctullah auf die Begleitung Sir Herbert Samuels, die aus britischer Gemlarmciie bestand, ein Anschlag verübt, wobei drei Engländer getötet wurden. Thomas über die Räumung Mesopotamiens Im Unterhaus(! antwortete der Koloiva'minister Thomas auf eine Anfrage eines konservativen Abgeordneten, daß er das Datum tür ’die Räumung Mesopotamiens durch die־ englischen Truppen jetzt noch nicht angeben könne. Die Regierung beabsichtige, in diesem Lande die Politik der vorausgcgangciicn Regierungen fortzusetz.cn und das Land möglichst bald zu räumen. Die Agudas Jisrocl an König Hussein Jerusalem. (J.T.A.) Die Pal. Tel.-Agcntur vcröffriif. licht den Text des von der Agudas-Jisrod-Dclvgatkin an König Hussein in Shuna gerichteten Begrüßungsschreibens: ״wir die Ehre, als Vertreter der orthodoxen Wdtorg.ini• Agudas^Jisrocl und der Jerusalemer orthodoxen 1 Waad liair d.׳r Asclikenas mit der Agudas jisiocl zuaammengeheii, Im Namen dieser Organisation und G! Ehre, Eure Majestät an den Grenzen t begrüllcn. Die Agudas Jisrocl ist e doxer Juden der ganzen Welt, die Mitglied 1 ihren Zielen r Luch zu eischeinen, :mcinde haben wir die des Heiligen Landes ine Organisation ortiiu- Sic drückt aber di!■ Lmpliiidtmzon noen m c 11 r bisher noch nicht organisierter orthor Juden aus, d:c alle dasselbe Ziel haben: die alte Form Israels und der 'i hora in ihrer Reinheit 11 id Heiligkeit zu erhalten und edle Probleme des jüdischen Lebens im Geiste der Thora zu lösen. I)>c Agudas Jisrocl ist unabhängig von irgendeiner anderen Organisation. Die große Versammlung, die i:;1 Monat Flui vergangenen ja!!:׳.* in Wien statifand und an weicher Delegierte’der orthodoxen Judenheil, die Leuchten der Thora und die Häupter des jüdischen Volkes aus allen Ländern teilnahmen, öffentlich, daß keine andere Organisation e o 11 c r! u r <1 a s ganze jüdische V o I k , cn könne. Wir sind deshalb sicher, daß Ihr auch den Vertretern der Agudas Jisrotl die Gelegenheit gehen werdet, als Vertreter der orthodoxen judenheit vor Euch zu rsrheinen. Wir versichern Eure Majestät, dal! die Juden treu Mitmenschen in allen Ländern wie auch im Heiligen Lande, für dessen Wohlergehen sie täglich beten, mit briider- Gefühlen gegenüberstehen. Das wünschen wir auch fortzusGfzen 11m! wollen mit allen Bewohnern des Landes, das der Mittelpunkt jüdischen Strebcns ist, für dessen Auf- 1 und Gedeihen zum Nutzen aller seiner Rassen arbeiten. Wir geben auch der Hoffnung Ausdruck, daß Eure!Majestät den großen Einfluß zum Wähle aller in den arabischen Län- (lern lebenden Juden cinsctzen wird. Möge der Herr Eure Majestät, Eure Söhne mul Eure ganze Familie segnen und möge Eure Majestät das Glück Eures Volkes schauen. Möge und in unseren Tagen Juda erlöst werden Ural Israel in Sicherheit wohnen. Amen.“ (Diese ״Botschaft“ ist typisch für die ״Agudas Jisrocl“; sie hat keinen anderen Zweck, wie aus dem Mangel jedes positiven Vorschlags, jeder jüdischen Forderung, jedes politischen Programms hervor« geht, als der Zionistischen Organisation die Legitimation zur Führung der Verhandlungen abzustreiten. Dazu wird die Behaiiptung von der eine Million betragenden Mitgliedcranzahf, eine Zahl, die ja nur in der Phantasie der Agudal! existiert, nicht aber in ihren Mitgiicdsbdiriigcn, aufgestcUt und ein Beschluß der Knrssioh gcdattloh, der nur von der alten Eifersucht gegen die Z;onistische Organisation zeugt, heran* gezogen. Nach dem völligen Mißerfolg ihrer Bemühungen, in die Jewir.h Agency zu kommen, und der allgemeinen Ab- Irhutmg ihres zu ihren bisherigen Leistungen in einem korr.isehen Mißverhältnis stellenden Anspruchs auf Vertretung auch, mir des orthodoxen Judentums, sollte sich die Agudas Jisrocl lieber iiäherliegeiideu und positiveren Aiifeabcn /;iwendcn. Vorläufig bestehen diese anscheinend besonders in der Demolicrung zionistischer Bibliotheken und jüdischer Gcnieimlestiiben in Polen, der Sprengung der jüdischen Einheitsfront bei den Wahlen zum Prager Parlament in Karpathorußland usw. Auf die Dauer ist mit einer solchen ״Aktivität“ eine Grgantsalion nicht aufrecht zu erhalten. — Antn. d. Red. der ״J. R.“) Iiilmnsiycnz der iinliisiincnsixchcn Araber Die pal ä s t i ״ c ns is eh-a ra bisc hc Exekutive veröffentlicht eine Kundgebung, in welcher der kürzlich von dein offiziellen Organ der arabisch-nationalen Partei ״Mer a a t el Sherk" veröffentlichte IVricht, die Exekutive hätte während einer Unterredung mit Koni:! Hu;sein m Slnma der Annahme der IViiour-Dclüar.ition zu gestimmt unter der Bedingung, daß eine nationale Regierung in Palästina errichtet würde, bestritten wird. Die Exekutive erklärt, sie werde ihren Kampf gegen die B a I f o u r - D e k 1 a r a t! o n und die indische Einwanderung fortsetzen. Die arabische Exekutive versichert dun Volke, sic werde von ihrem politischen Ptad nicht abwcichcn. und die Beschlüsse des sechsten arabischen Kongicsscs ausfülircn. Ein siebenter cinziiberufcmlcr arabischer Kongreß werde dies zweifelsfrei feststälc״. schließen und haben vielleicht nicht den Mut, für sich den Platz der Offiziere und Generale zu verlangen. Eben deshalb muß, wenn wir wirklich die Absicht haben, sie heranztt/ichcn, etwas Neues geschaffen werden, dem sie beiU'dctt können und w:> sic sofort nach Stand und Einfluß den ihnen gebührenden Platz entnehmen. Nach unserer Ucberzcugung ist in Amerika dazu die Jcwish Agency besonders geignet, die als Geschenk des Himmels zu bezeichnen ist und die wir, wenn sic nicht durch das Mandat bestimmt worden wäre, hätten sonst schaffen müssen. Denn die Jcwish Agency ist das Neue, das auf dem Alten basiert, das Alte bestehen läßt und doch für die Neuen die Möglichkeit schafft, den Platz, der ihnen gebührt, einzuttchmeu. Was nun die Ergebnisse der Konferenz betrifft, so hat diese zunächst etwas direkt Praktisches noch nicht gezeitigt; dies konnte sie auch gar nicht. Aber indirekt ist es bereits der Fall. Die große Masse der Juden, die weder die Lust noch die Gabe hat, sich in pilpu* listischc Differenzen und verwickelte Theorien einzulassen, setzt diese Persönlichkeiten bereits auf das Konto des Zionismus. Seit dem denkwürdigen 17. Februar sind die Marshalls und Warbtirgs, die Adlers und Lehman* für den Durchsclmittsjiidcn in Amerika Zionisten geworden. Und dies bewirkt, daß die Masse viel mehr Zutrauen zu unserer Sache gewinnt und viel eher an ihre Verwirklichung glaubt. Wir befanden uns bisher in einem circulus vitjosus. Wenn wir mehr Mittel hätten* könnten wir größere Erfolge haben und die Mittel brachten wir nicht auf, weil die Leute eben nicht glaubten, daß wir Erfolg haben werden. Diesen Glauben an unseren Erfolg haben wir nun bis zu einem gewissen Maße geschaffen, und dies bedeutet den Anfang der Durchbrechung dieses Zauberkreises. Gestützt auf diesen durch die Konferenz gestärkten Glauben, wird in Amerika auch die Aufbringung viel größerer Mittel als bisher möglich sein. Es darf nicht vergessen werden, und ich muß dies stets wiederholen, daß auch ohne Hilfe der Großjitdcn die jüdischen Massen in Amerika allein Pallistina nufbaucn können. Aber das setzt das größte Vertrauen zu dem Erfolg voraus, und dieses Vertrauen zu gewinnen, dazu können und müssen die Großjudea helfen.