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Jüdische Rundschau · 1924-03-18 · Heft 22 (18.3.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 22 (18.3.1924)
Date
1924-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Konto Nr. 156030. I'ür Tschechoslowakei: Postepnrknssensmt Prag, Konto Nr.59410, ־* Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — אדר ב׳ תרפ״ד ו״ן Pef Zionismus erstrebt für da» Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich » rechtlich oaslchorten Kalmslötta In Palästina. f| XXIX. Jalirfj. ״Baseler Programm.'1 E 00 •© ץד*! ’,ff® \ c;•! n. ,.-,"a ‘W»***י .J1A Die Mo'ummcdancr Palästinas Reuter meldet am 10. März aus Jerusalem: Hundert bevollmächtigte Abgesandte aus verschiedenen Teilen Palästinas haben nach einer Besprechung mit dem mohnmmedänischen Hohe״ Rat einstimmig König Hussein das Kalifat im Namen der Mohammedaner Palä- *tinas an ge boten. Unzufriedenheit in Aegypten Reuter meldet am 0. März: Die Ausrufung des Königs Hussein von lledjar. /um Kahlen hat in den übrigen musc’lmanischen Zentren starke Unzufriedenheit ausgclöst. f r. wird darauf hingewiesen, daß die Muselmanen des lkdjns, des Irak und Transjordaniens, lediglich einen kleinen Teil der Mohammedaner ausmachen. Aegypten und Marokko schlagen Gcgcnkandidaten für das Kalifat vor. In Indien hat die Nachricht von der Absetzung des bisherigen Kalifen Erregung unter der mohammedanischen Bevölkerung hervorgeruien. * Eine Reuter-Meldung aus Kairo vom 10. März besagt ferner: Uleman Ala bar hat gegen die Ernennung des Königs Hussein zum Kalifen protestiert. Zahlreiche Schciks und Würdenträger haben dem König Hussein mitgeteilt, daß sämtliche Kandidaten für das Kalifat die Entscheidung der muselmanische 11 Welt »bwarten müssen Englands Slclliinpalime Auf eine Anfrage erklärte Macdonald am 11. März im Untcriiause, daß die englische Regierung weder vom politischen noch vom religiösen Gesichtspunkte aus das Recht habe, die Aufhebung des Kalifats durch die türkische Regierung zu kommentieren. Diese Angelegenheit interessiere die englische Regierung nicht. Die Ausrufung König Dur,seins zum Kalifen Die offizielle Proklamation König Husseins von Hcdjas zum Kn'ifen über alle Mohammedaner fand am 12. März in Situ na unter großen Feierlichkeiten statt. Viele Geistliche und arabische Notabein aus Palästina, Transjordanien und Iledjas waren zugegen. Arabische Soldaten und Beduinen nahmen in Massen an den Feierlichkeiten teil. Es wurde mitgeteilt, der Exsultan der Türkei und frühere Kalif Me 11 nt cd (dürfte eine Verwechslung mit seinem Vorgänger sein. Siehe unten! — Red. d. ״J. R.“) habe an König Hussein ein Telegramm gesandt, in welchem er die 424 Palästina - Einwanderer im Februar Wie die palästinensische Tclcgrafcn-Agcntur erfährt, sind wahrend des Monats Februar 424 Einwanderer nach Palästina gekommen. Der Rücktritt palästinensischer Rcgicrungsbcamfen Eine Anfrage im Unterhaus Auf eine Anfrage des Licut.-Coloncl Howard-Bury am 10. März im Unterhaus gab der Kolonialmini'icr Mr. j. H. Thomas die folgende Auskunft: Außer den durch Streichung ihrer Posten oder durch Versetzung aus Palästina scheidenden Beamten sind kürzlich vier weitere Beamte in Palästina und einer in Transjordanien zurückgetreten. Die Gründe des Rücktritts sind persönlicher Natur. Bei dieser Gelegenheit wolle er sowohl den aus der Verwaltung ausscheidenden Beamten, als auch alten übrigen Mitgliedern der Palästina-Verwaltung die Anerkennung der Regierung für ihre treuen Dienste aussprechen. Auf die weitere Frage des Lieut.-Colonel Howard-Bury, ob diese Rücktrittsgesuche nicht mit der in Bezug auf die Araber verfolgten Regierung*- politik zusammenhingen, antwortete Mr. Thomas: Ich habe Einblick in die Riicktrittsgesuchc genommen und mich davon überzeugt, daß die Beamten ganz entfernt davon sind, unzufrieden zu sein. Felix Warburg über Palästina Jerusalem. (J. T. A.) Der jetzt in Haifa sich befindende Vorsitzende des Joint Distribution Committees, Herr Felix Warburg, hat sich in einem Interview mit dem Haifaer Vertreter der Pal. Tel.-Agentur über seine Eindrücke in Palästina in folgender Weise geäußert: ,,Ich glaubte, ein Land von Schnorrern anzutreffen, doch statt dessen sehe ich ein schwer arbeitendes Volk." Herr Warburg erklärte noch, cs sei die Pflicht der amerikanischen Juden heit, an dem Palastina-Aufbau mitzuwirken. Das amerikanische SfudlcH-Cemifee für die tavfsimeat Corporation Louis Mars ha 11 hat auf Grund der Beschlüsse der Konferenz vom 17. Februar die folgenden Herren zu Mitgliedern des Komitees für die Investment Corporation ernannt: Colonel Herbert Lehman, Alvin Untermeyer, David A. Brown, Detroit, Lessing Rosenwald, Philadelphia, James H. Becker, Maurice Wer t h e 1 m, Lewis L Strauß, Julius Simon, Bernhard Flexner, Sam. C. Lamport, B, V. Cohen, Paul Baerwald, Uebeniahme des Kalifats durch König Hussein begrüßt. Die arabische Presse veröffentlicht eine Botschaft König Husseins, in der er erklärt, die jetzigen Weltverhältnisse hätten ihn bewogen, dem auf ihn ausgeübten Druck naclizu• geben und das Angebot an zu nehme 11. Es bleibe sein Ziel, den Mohammedanern in allen Ländern zu helfen und mit allen Nationen gemeinsam für den Weltfrieden zu wirken. * Die ״Vo'dsehe Zeitung" bringt in einem Artikel vom 15. März ״Das Ringen um das Kalifat" die folgenden Informationen: Für den 12. Marz dieses Jahres war die ״formelle Zeremonie der Verkündung des König Hussein als Kalifen" angesetzt. Die Feier sollte in dtr arabischen Stadt Slmnah *tattfinden. Große Massen der Bevölkerung von Arabien, Tr.1nsjord.mien, aus dem Hatiran und aus allen Städten Palästinas, ja sogar aus dem Hcdjas haben sich schon einige Tage zuvor zu dieser Feier eingeftinden; alles abkömmliche arabische Militär ist dahin aufgeboten worden, ebenso die Scheichs der S 3 k 11 r-Be d u i n e n, die Prominenz von Palästina, viele Geistliche und moslemische religiöse Körperschäften. Die arabische National- und die Bauernpartei haben zwar keine Vertreter, aber doch sehr warm gehaltene Begrüßung»• und Zustim 111 ungstelegrammc nach Shunnli geschickt. Dagegen sollen die Mohammedaner Aegyptens, Syriens und des Libanon der großen Mehrzahl nach Anhänger des abgesctzlen Kalifen Abdul Medjid sein; auch wird berichtet, daß die französische Regierung ihren Einfluß aufgclroten habe, um die dortigen Moslcmcn von Verhandlungen mit dem König Hussein abzuhalten. Die Kalifats-Kandidatur des Königs von Hcdjas hat eine nicht unerhebliche moralische Förderung dadurch erfahren, daß der am 2. November 1022 von Angora abgeseSzte Sultan W a h i d - e d - D i n , der sich gegenwärtig in Italien aufhält, dem Hussein ein Telegramm geschickt hat, in dem er dessen Anspruch auf das Kalifat energisch unterstützt. Wahid-cd-Din hat, wie erinnerlich, nie auf das Sultanat noch auf das Kalifat verzichtet; er hat im vorigen Jahre die Pilgerfahrt. nach Mekka unternommen und dort seine langjährige persönliche Freundschaft mit liusstin erneuert. Den letzten Meldungen zufolge haben auch die Mohammedaner von Jaffa den König von ltedjns offiziell als Kalifen proklamiert. Dis Moslcmcn von Nablus schwanken noch, sind aber nicht abgeneigt, Hussein als Kalifen atmicrkcnncn, falls dieser sich zu einer endgültigen Regelung der Palästina-Frage unter Berücks i c h t i g u n g i 11 r c r Wünsche verstehe. Die Mohammedancr von Jerusalem sind mit der Uebernahme des Kalifats durch Hussein vollständig einverstanden. Das zweite Komitee, das die Teilnahme der amerikanischen Juden an der Jcwish Agency erörtern soll, wird später zusanunengesetzt werden. Mr. Samuel Untermeyer, der sich augenblicklich in Florida befindet, telegraphierte, daß er zur Mitarbeit bei der Begründung der Investment Corporation bereit sei. Vom Tcchniknm in finita Vor einiger Zeit war in Palästina das Gerücht verbreitet, daß das Kuratorium des Technikums in H a it a nicht die Absicht hat, die hebräische Sprache als einzige Unterrichtssprache des Instituts zu erklären. Es hatte bereits eine Protestbewegung eingesetzt, in Versammlungen und in der Presse wurde dieser angebliche Beschluß des Direktoriums bekämpft. Die zionistische Exekutive hat sich daher mit der Bitte um eine authentische Erklärung an das Kuratorium des Technikums gewandt und erhielt darauf einen Brief, dem wir folgende Zeilen entnehmen: ״Das Kuratorium ist unbedingt der Ansicht, daß llrbräisch die Unterrichtssprache am Technikum sein soll. Es ist der Uebcrzctigung, daß alles andere unmöglich und unzulässig wäre. Es hat daher auch hei der Aus- Schreibung der Stelle ausdrücklich betont, daß eine gule Beherrschung der hebräischen Sprache seitens des Direktors eine der Grundbedingungen für die Anstellung ist. In den Besprechungen mit den einzelnen Kandidaten, die sich vorgestellt haben, war in jedem Falte eine der ersten Fugen die betreffs der hebräischen Sprachcnkennfnisse des Bo- Werbers. In dem Memorandum bezüglich der Pflichten de; Direktors wird ausdrücklich betont, daß er für den Gebrauch der hebräischen Sprache seitens der Lehrer, Instruktoren und Schüler verantwortlich sein soll. Das Kuratorium war aber der Ansicht, daß Ausnahmcfälie cintrcten könnten, wie z. W. der Besuch eines großen Gelehrten, der evtl, aufgefordert werden könnte, eine Ansprache an die Studenten oder vielleicht eine Reihe von Vorlesungen außerhalb des Rahmens des normalen Studienplancs zu halten. Der Gebrauch einer anderen Sprache in solchen besonderen Umsländen würde wohl zulässig erscheinen, ohne daß dadurch der hebräische Ohamkter des Institutes beeinträchtigt würde. Soweit dem Kuratorium bekannt ist, erwähnen keine der veröffentlichten Statuten der bestehenden hebräischen Institute die Unterrichtsspräche. Das Kuratorium beschloß daher, keine Erwähnung der Unterrichtssprache in dem Memorandum und den Statuten des Haifier Technikums emzufügen, es hat aber protokol-!arisch niedergelegt, daß Hebräisch <1 ie Unterrieht »spräche für die normalen Kurse am Institut sein soll, mit der Bemerkung, daß nur in Ausnahmefällen der Gebrauch einer anderen Sprache gestattet werden darf, aber auch dann nur auf Grund einer speziellen Entscheidung des Kuratoriums. Diese Entscheidung ist bindend für das Kuratorium, und cs kann daher eine solche Abweichung von der Regei nur als Ausnahmsmaßnahme und auf Grund einer Entscheidung des Kuratoriums gestattet werden,“ Purim Die Parallelen und die Analogien, die historischen! Reminiszenzen und die Vergleiche mit unserer Zeit liege« in diesem Jahr m nahe. Den traditionellen Purimartikel kann sich iicute jeder selbst aufsagen, er bedarf redaktioneller Hilfe nicht. Angefangen vom bösen Haman Hitler und der wunderbaren Errettung der deutschen Juden aus Pogromgefahr bis zu den Nutzanwendungen allgemeinerer Art bricht jetzt eine Flut von aktuellen Purim• Betrachtungen durch die Spalten der jüdischen Blätter, In dieser mitzuplätscliern liegt uns nicht. Nicht bloß, weil uns dies ein wenig zu unoriginell scheint; das Richtige soll gesagt werden, auch wenn es nicht originell klingt. Aber diese Festartikel haften eben doch zu sehr an der Oberfläche und stimmen nicht. Die Analogie ist falsch, der Vergleich hinkt, die Parallele ist gewaltsam. Und cs muß nicht gerade ein Purim-Artikel geschrieben werden, weil der Hitler-Prozeß zufällig zur Zeit des! Purim-Festes stattfindet. Aber auch kein Anti-Purim-- Artikel! Die Erneuerung der schon bekannten Auffassung, daß Puritn kein nationaler Freudentag, sondern eher ein Tag der nationalen Trauer ist, da er nicht eine Selbsteinanzipation, nicht die Befreiungstat eines erwachten Volkes feiert (die Fortsetzung dieses fundamentalen Gedankens der nationalen Volksbewegung bis in alle erdenklichen und unausdenkbaren Konsequenzen sei unseren Freunden von der zionistischen Demokratie überlassen) — auch diese Wiederholung versagen wir uns. Wir schwimmen zu Purim weder mit noch gegen den Strom, nicht nur des kalten Frühlings wegen. Wer sich freuen will, tue es, ob nun mit oder ohne Historismus. Wer aber meint, es sc: not!11:;:; .־t die Zeit der vergnüglichen Feiern gekommen, und die Last der Arbeit und der Anstrengung liege noch zu schwer auf unseren Schultern, der berühmte entscheidende Augenblick in unserer Geschichte dauere unvermindert an, und wir' seien noch immer nicht aus dem Stadium größter Verantwortung hcrausgetreten, hasse sich auch nicht durch Purim zu einer falschen Freude zwingen. Ueber das Thema der vorschriftsmäßigen Reglementierung von Freud und Leid im heutigen Judentum, ohne Untergründe und persönliches Mitlcbeu aber ein andermal. Das gehört nun sicher schon gar nicht in einen Purim-Artikel. S. K, Zur IßännQ Von Moses B c i 1 i n s o n , Rom. Die verschiedenen politischen Ansichten, die heute in der zionistischen OcHentlichkcit um den Vorrang ringen, erinnern in manchem an die bekannte Kontroverse zwischen dem ״politischen“ und ״praktischen" Zionismus, die nach Herzls Tode während einiger Jahre, bis zum VU1. Kongresse, die zionistische Arbeit lahmte oder wenigstens stark hinderte. Der Unterschied in der äußeren Lage des Zionismus ist aber sehr bedeutend und wenn damals die Bewegung sich in jahrelange Diskussionen verlieren konnte, so darf sie sich heute diesen teuren Luxus nicht mehr erlauben. Es wäre wohl am zweckmäßigsten, wenn möglichst alle persönlichen Motive aus der heutigen Diskussion ohne weiteres eliminiert würden, und wenn man auüiörte, die heutige Krise auf die Persönlichkeiten des Vorsitzenden der Organisation und seiner Gegner zurückzuführcn. Das sogenannte ״persöntiche Regime“ von London ist eine Tatsache, mit der man sich in diesem oder jenem Sinne, indem man es annimmt oder verwirft, abzufinden hat. Es Ist nicht aus prinzipiellen und nur zu einem sehr kleinen Teile aus persönlichen Gründen entstanden, sondern beruht ganz einfach auf der unleugbaren Tatsache der größeren Leistungen Dr. Weirmanns und der kleineren Leistungen seiner Gegner; fühlen diese Gegner in sich eine Kraft zur Leistung, die der von Dr. Weizmann gleich oder noch größer ist, so sollen sie diese beweisen und bei nächster Gelegenheit werden sie Dr. Weizmann ersetzen; fühlen sie sie nicht, sollen sie lieber die anderen in ihrer Arbeit nicht stören. Andererseits hat die Organisation sicherlieh das Recht, ihre führenden Organe nicht nur nach dem Maß der Leistung, sondern auch nach der Art dieser Leistung einz.uschätzen; es könnte sich dabei Herausstellen, daß die kleinere Leistung der Gegner der heutigen Exekutive einen größeren Wert hat, als die größere der Exekutive. Damit verläßt man aber schon das Gebiet des ״persönlichen Regimes“ und begibt sich auf den Boden der prinzipiellen Betrachtungen. Ein Teil der Opposition wirft der ״praktischen“ oder richtiger ״synthetischen“ Richtung (wenn man die alte Nomenklatur wieder' aufrichten will) ihre Kleinlichkeit vor, ihre Genügsamkeit, ihre Konzentrierung auf reale Probleme des palästinensischen Aufbaues, ihre Absage den großen poütischen Losungsworten gegenüber. Diese Opposition versteht %

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