Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1924)
- Date
- 1924-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652610--15544-2674852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
LiiüiU 1 r־״r~cs ד־־־ש 1 x'■—־־״ / •> \J r י 7 r ׳ V J L ך-ז ' j ־־ r %-*־. r i i . x 1 j •י' נ' 1' ’] J LJ V .a t . \ \ I J wä i rn נ ־־ r \ u: Redaktion und Verlag W 15, Sächsische Straße 8. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au1l«nd>aboaa«ments werd.n in dtr Wlhnmä dtr •initlnun Und״ brrechort. l. נ v zzsrszazs^anaaxa Nummer 15 Berlin, 22. II. 1924 Anz ctg ca -¥ crwaltunß: Jüdische Rundschau G.m.b.li., BcrlinWlS, Sächsische Straße 8. — Telephon! Amt Pfalzbur({ 6697, 6698 u, 6699. An״l(!rapr«i»1 fl1!«1p«U.Nonp*nll!et*ilo 0,25Goldm*rk. Kimlllennnzildcn und SUlieaJesuchtt 0,15Goldmark. i־ür h<?Wi!Uch« Anzeigen 100% AuUibUg. Hr Ausl»nd*im*r«t« 100% AulichUd. ucbeiltii Telephon! Pfalzburg 669711.6693. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich? Postsparknssenamt Wien. Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassen nmt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — AsrelgtaichUiQi Di«o»tag und F r i l | n 1 4 | ו U b r. י״ז אדר א׳ תרפ״ד XXIX. Jalirg. Dar Zlonlarou» oratrebt «ür da» JUdlacho Volte ctla SchaKung einer €??entlieh - rechtlich gextclierton Heimstätte In Palästina. ,,Baseler Programm.‘1 J 1 I I I I Die amerikanische Konferenz Die atn 17. Februar in New York unter dem Vor• sitz Louis Marshalls stattgefundene Konferenz prominentcr Persönlichkeiten des amerikanischen Judentums hat definitive Beschlüsse über die zwei Bcratungsgegenstände, die Investment Company und die Teilnahme an der Jewish Agency, nicht gefaßt. Aus schon einige Zeit zurückreichenden Informationen können wir mitteilen, daß von Anfang an der Plan bestand, zunächst nur zwei Kommissionen zur eingehenderen Behandlung der beiden Fragen zu wählen, ohne bereits auf der ersten Konferenz definitive Entscheidungen zu treffen. Diesem ursprünglichen Programm gemäß wird sich dann auch eine neue Konferenz mit den Ergebnissen der Konimissionsberatungen zu befassen haben, um auf dieser Grundlage zu endgültigen Beschlüssen zu kommen. Angesichts der großen Tragweite der Entscheidungen der Konferenz, sowohl für die Zionistische Organisation wie für die nichtzionistischen Teilnehmer, ist diese zwar langsamere, aber sachgemäßere und zweckdienlichere Methode des Vcrhandelns von beiden Seiten zu begrüßen. Solch schwierige Entscheidungen sollen nicht überstürzt und unter dem Einflüsse momentaner und vielleicht zufälliger Stimmungen getroffen, sondern müssen wohl durchdacht und überlegt werden. Allerdings ist es crtorderlich, daß die Beratungen m einer Atmosphäre des Wohlwollens und des gegenseitigen Verstehens vor sich gehen und daß auf keiner Seite auch nur das geringste Mißtrauen darüber herrscht, daß durch einen vielleicht gut gemeinten, aber in seiner letzten Auswirkung cifolgloscn Ueberrumpelungsversuch Zugeständnisse cricicht werden könnte״, die später nicht aufrecht zu erhalten sind. Man hat in zionistischen Kreisen von der Grenze gesprochen, bis zu der wir gehen können, um die Mitarbeit der amerikanisch-jüdischen Kreise, die an der Konferenz tcilnahmen, zu erlangen. Aber diese Demarkationslinie, an der die erforderlichen Konzessionen aufzuhören haben, wurde nicht bezeichnet, und dies aus einem ganz natürlichen Grunde. Sie hißt sich gar nicht theoretisch angeben, sondern nur in einer konkreten Situation ist festzustellen, wo diese Grenzlinie zu ziehen ist. Alle prinzipiellen Riehtlinien, die man zu geben versucht, beispielsweise die, daß der Charakter der zionistischen Bewegung als Volksbewegung nicht verletzt werden dürfe, geben ja keine Anweisung für eine bestimmte Konstellation, sind kein klares und detailliertes politisches Programm, sondern gehören im Grande weiterhin nur dem Bereich der Empfindungen und Gefühle an, mit denen man an das Problem herantritt. Sie zeigen nur die Frage auf, aber lösen sic nicht. Das Entscheidende bei allen politischen Aufträgen und ihrer Durchführung ist immer wieder die Frage des Vertrauens. Hat man zu einem für bestimmte Unterhandlungen bestellten Vertreter nicht das erforderliche Vertrauen, dann bleiben auch die detailliertesten Anweisungen mit noch so genauer Grenz- Ziehung letzten Endes zwecklos. Ja, die Frage der Grenzen, bis zu denen ein Beauftragter gehen darf, wird in der Politik zumeist überhaupt nur aufgeworfen, wenn dieses Vertrauensverhältnis erschüttert ist. In einer normalen Demokratie, wie es die Zionistische Organisation leider nicht ist, macht die Möglichkeit sowohl für die Regierung wie für die parlamentarische Kontrollinstanz, jederzeit die Vertrauensfrage zu stellen, d. h. sich immer wieder von dem in bestimmter Form repräsentierten Volkswillen legitimieren zu lassen, eine der wichtigsten Voraassetzungen demokratischer Politik aus. Sie ist die ultima ratio politischen Handelns, auf die in jedem Konfliktsfall oder auch nur bei einer prinzipiellen Meinungsverschiedenheit zurückgegriffen werden kann. Es macht die ganze Anomalie im demokratischcn Aufbau der Zionistischen Organisation aus, daß uns dieses Mittel zur Klärung einer internen Situation und auch zur Reinigung der Atmosphäre nicht gegeben ist. Es kann sich infolgedessen weder die Opposition noch die Leitung ganz durchsetzen und eine Entscheidung oder Klärung herbeiführen. Sicherlich gibt diese naturgegebene innere Aussichtslosigkeit oder zumindest besondere Schwierigkeit in der Austragung eines Meinungskampfes diesem bei uns das Schwere und Verbitternde, an dem beide Teile gleich stark leiden. Die Anomalie der heutigen Situation des Judentums in der Welt zeigt sich eben auch in diesem innerzionistischen Problem. Es ist klar, daß auch für die Nichtzionisten, mit denen Dr. Weizmann jetzt unterhandelt, die gleiche Frage der Grenze besteht, bis zu der sie gehen sollen. Nur befindet sich diese unsere künftige Vertragspartei in einer viel glücklicheren Situation, da es hauptsächlich Einzelpersonen oder Vertreter kleiner Komitees sind, die daher berechtigt sind, in eigenem Namen zu handeln. Doch gilt auch für die Beziehungen zwischen diesen (Uchtzionistea und der Zionistischen .Organisation das TV• aQ-kl©B£crcs1s in Mew '*forlc New York (J.T. A.). Am 17. Februar fand die von Lcuis Mars hall, Dr. Cyrus Adler, Colonel Herbert Lehman und Richter Horace Stern einberufciie Konferenz von 150 prominenten amerikanischen Juden zwecks Beratung über die Teilnahme der amerikanischcn Judenheit an der Jewish Agency und die Schaffung einer Invcsticnings-Körpcrschaft für Handel und Industrie in Palästina statt. Ort der Sitzung war das Hotel Astor; Herr Louis Marshall wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Ch. Weizmann bcrichletc über die Lage in Palästina und ersuchte die Führer der amerikanischen Judenheit um ihre Mitarbeit in allen politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, die auf den Aufbau Palästinas Bezug haben. Herr Louis Mars hall unterstützte Dr. Wcizinanns Vorschlag und erklärte, cs sei die Zeit gekommen, daß die amerikanische Judenheit an dem Aufbau Palästinas tätig teil nehme. In der darauf folgenden Diskussion sprach sich die Mehrzahl der Redner für die Vorschläge aus. Es wurden zwei Komitees zur Durchberatung der Vorschläge eingesetzt. Das erste Komitee soll die Einzelheiten für die Investment-Bank ausärbeiten. Man hofft, daß alle für den gleichen Zweck arbeitenden Körperschaften sich ihr nnschlicßcn werden, so daß die neue Bank das H a u p t - Fi n a n zo r g a n für den Handel und die Industrie Palästinas werden wird. Das zweite Komitee erhielt die Aufgabe, die Frage der Teilnahme der amerikanischen Judenheit an der Jewish Agency zu studieren. Beide Komite cs werden ihre Ergebnisse einer binnen kurzem! wieder stattfindenden Konferenz vorlegen. Zu diesem Berichte der J. T. A. erhalten wir noch die folgende ergänzende direkte Meldung: Dr. Weizmann sprach in seiner einleitenden Rede sowohl von der Notwendigkeit wie von der Möglichkeit geeinter. Anstrengungen in Palästina. Er betonte ausdrücklich, daß von keiner Seite, weder von der zionistischen noch der nichtzionistisehen, Konzessionen in Fragen der Gesinnung gemacht werden sollen. Diese Meinungsäußeruug Weizmanns wurde in der Diskussion von Marshall, Stern, Lehman u. a. energisch unterstützt und begrüßt. Gleiche, wie für unsere zionistischen Vertreter in ihrem Verhältnis zu ihrem Auftraggeber: eine fruchtbare und erfolgversprechende Arbeit kann nur in einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens vor sich gehen. Nicht um jenes Vertrauen allerdings handelt es sich hier, wie cs zwischen Führer und Geführten, Mandataren und Mandanten, Regierung und Volk bestehen muß, sondern um gegenseitige Offenheit und das Bestreben nach Klarheit über die beiderseitigen Wünsche und Forderangen. Vom Prinzipiellen ganz abgesehen, halten wir cs daher auch taktisch für durchaus richtig, wenn Dr. Weizmann in der Konferenz keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß es sich hierbei nicht um Fragen der Gesinnung, sondern um solche praktischer Zusammenarbeit handelt. — Bisher wurden drei verschiedene Vorschläge gemacht, wie die Zionistische Organisation Nichtzionisten gewinnen solle, und nach der grundsätzlich unterschicdcnen Antwort auf diese Frage haben sich zu einem großen Teil die Gruppierungen innerhalb der zionistischen Bewegung vollzogen. Die eine Auffassung, die Brandeis isn Jahre 1920 bei der Londoner Konferenz vertrat, ging dahin, daß die Nichtzionisten in die Zionistlsche Organisation eintreten sollen, deren Charakter zu diesem Zwecke vorher eine entsprechende Acnderung erfahren müßte. Die Zionistische Organisation sollte in eine allgemeine jüdische Palästina-Organisation ohne starke Betonung ihres einheitlichen nationalen Standpunktes und unter Ausschaltung jeglicher Gegenwartsarbeit umgcwandelt werden. Die Verwirklichung dieses Vorschlages setzte also von beiden Seiten un* zweifelhaft Konzessionen der Gesinnung voraus. Die zweite Richtung besteht darin, daß sic den reinen ״Biindnisgcdankcn“ ohne Teilung der Verantwortung und Berechtigung vertritt. Die nichtzionistischen Organisationen sollen nach dieser Anschauung wie bisher weiter autonom an der Palästina-Arbeit tcilnchmcn, und cs soll nur ihre Kooperation mit der Zionistischen Organisation angebahnt werden. Dies ist der Standpunkt der demokratischen Zionisten. Die dritte Richtung, wie sie Weizmann vertritt, ist die einer modifizierten Bündnispolitik. Nicht autonome Arbeit nebeneinander, die nicht zu verwirklichen ist, weil ohne ständige Initiative und Aktivität der Zionistischen Organisation eine Mitarbeit von Nichtzionisten am Palästina-Aufbau, wie auch die bisherige Erfahrung zeigt, so gut wie gar nicht zu erreichen ist — sondern Zusammenarbeit (hauptsächlich in praktischer Kolonisationstätigkeit) mit geteilte!• Verantwortung und konsequenterweise infolgedessen auch mit geteilten Rechten. Also Autonomie der Gesinnung, aber Koordination der Arbeit, unter Teilung der Souveränität der Zionistischen Organisation. Weizmann hat nun auf der Konferenz in New York mit aller Entschiedenheit das Brandeis-Prinzip abgclehnt. Das ist auch für die zionistische Innenpolitik von einer erfreulichen Bedeutung, da Weizmann. bckanntlich die Annahme der von ihm früher abgelehnten Gedankengänge von ßrandeis vorgeworfen wurde. Er hat damit klar zum Ausdruck gebracht, was im deutschen Zionismus wiederholt von fast allen Gruppen betont und anerkannt wurde: daß die Zionistische Organisation kein bloßer (auch nicht ein national-jüdischer) Palästina- Kolonisationsverein ist, sondern eine bestimmte Gesimmngsgcmeinschaft, in der sich der Palästina-Gedanke mit dem Nationalgcdankcn und auch mit anderen, zwar sekundären, aber doch sehr bedeutungsvollen prinzipiellen Gedanken verbindet, beispielsweise mit solchen, die den politischen Zionismus von der früheren Chowewe- Zion unterscheiden. Mit der Vorstellung eines nationalen jüdischen Palästina haben sich die meisten Nichtzionisten bereits ausgesölmt. Aber die Motive ihrer heute positiven Stellung sind zumeist philanthropische, nicht!nationale. Wenn cs nun gelingt, in der von Weizmann klar charakterisierten Situation, in der sich Zionisten und NichtzionLtcn jetzt gegenüberstehen, und auf der von ihm bezeicluietcn Grundlage eine Einigung zu erzielen, dann darf wohl die Hoffnung ausgesprochen werden, daß diese Einigung eine dauernde sein wird und dann auch die erwarteten Früchte trägt S. K, Die Eingänge beim Hauptbüro des Keren Ba]essod in London von seiner Begründung bis znm 31. Dezember 1923 £ 1. Vereinigte Staaten 2. Kanada .. 3. Südafrika . 4. Polen . 5. Tschechoslowakei . . 6. England . 7. Einzelne Beiträge . . 8. Argentinien .... 9. Holland . 10. Russische Flüchtlinge . 11. Litauen . 12. Rumänien .... 13. Bcßarabien .... 14. Bulgarien. 15. Brasilien . 16. Belgien . 17. Frankreich: Paris 1 Straßburg J 18. Oesterreich .... 19. Jugoslawien .... 20. Oslgalizicn .... 21. Chile . 22. Mesopotamien . . . 23. Finnland . 24. Lettland . 25. Estland . 26. Tunis . 27. Bukowina. 28. Griechenland .... 29. Dänemark .... 30. Italien . 31. Marokko . 32. Danzig. 33. Schweiz . 3t. Schweden .... 35. Norwegen .... 36. Palästina . 37. Aden . 38. Sibirien. 39. Türkei . 40. Portugal . 41. Transsylvanien . . . 42. Spanien . 43. Indien . 44. Algier . 45. China . 46. Gibraltar ... 47. Uruguay . . 48. Luxemburg ... 49. Mexiko . 50. Ostindien .... 51. Andere Lander . . . a) Ind. Cont für Ausgaben . b) W. J. Z. O. Jmvclcnfonds c) Keren Hagculah, Palästina » י » ״ « * » ו ‘ ■ 9 1 ■ # ־ - j 9 4 ״ ■ ■ ■ I . . I d äpczial-Fonds_ 738,829. 5. 6 6-1,859.18. 7 40,640. 1. 2 32,391. 8.IQ 27,559. 8. 1' 27,445. 5. 1 27,410.10. 9 25,769. 3,11 ־7 .24,361.13 4 .3 .14,251 6 .12,503.15 12,401.13. 6 Jl,085 14. 5 6.652.11. 9 5,619. 6. 8 5.452.11. 6 4.661.10. 4 4,601. 7. 5 4,580.16 1 3,696.-. 9 3.369.10. 1 3,352.15 10 3.164.17.10 3,007.17.- 2,389. 3. 4 2,370. 9. 1 2,353. 1. 6 2,271. 4. 5 2,073.16. 9 1.871.13.10 1.830.12. 1 1.617.11. 6 1,584. 8. 4 1,347. 3. 3 1,337.10. 9 1,118.-.— 80().-.— 743. 4. 9 600. 1.11 540.-.— 389.—. 3 353. 5. 7 297.16. 6 297. 9.— 284. 8.11 270.15.— 261.12. 6 201. 6. 2 83. 5. 2 50.—.— 98. 6,11 1,135,169.15. 2 16,000.—,— 2,552.19. 4 4,366.-. 4 1,158,088.14.10