Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1924)
- Date
- 1924-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. II JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 7t EinbcruUmo der Assclat Hanhvdiarini Jerusalem. (J.T.A.) Die dritte Session der ״Asscfat Haniwcharim" (Nationalversammlung der palästinensischen Juden) wird am 11. März in Jerusalem beginnen, Verkauf der Tabakcrnle In den pHiiiiscltcn Kolonien An Berliner Industrielle. Dieser Tage wurde eine Vereinbarung zwischen dem lwkannten Inlvikmdiistriellcu Lu bl i ne r ans Berlin, dem Vertreter einer Gesellschaft, die grolle Zigarrenfabrikcn in Deutschland besitzt, und den Vertretern der Vereinig-iun: der Kolonisten in Unter-Galiläa und der Kolonien Roxch.Pinah und Mischmar I Inj irden bezüglich des Erwerbes der TahskenUc des Jahres 56SI unler/eicluiet. Herr Lubliner hat sieh verplhchtrt, von den Siedlungen in Unter• und Obor.Oalil.'ia, insgesamt 250000 kg Tabak zu übernehme״. Der ,Preis betragt 20 Grüsch pro Kilogramm, also insgesamt DOGOO agypt. Pfund. Jeder Tabalmirhter erhält als Vorselmii 10 Grüsch per Kilogramm, zahlbar in zwei Raten, 5 Grüsch nach dem Pflanzen des Tabaks (Monat Nissan) und 5 Gruselt ff ‘Ics 1’fHu'keus (ungefähr Monat Tarnus), den Rest bei Ablieferung des Tabaks. Gemäß dieser Vereinbarung werden dieses Jahr in Unter-Galiläa gegen 3000 Duiiani und ״^)br\r1־);l'll;'a (^«sch-Pinah und Mischmar 1 lajantcn) gegen 1300 Dunam um labak bepflanzt weiden. Wenn man bedenkt, daß für je 2\, Duitam Tabakanbau während der Annflan/ungsarbcitcn• und der dir folgenden Tätigkeiten die Arbeit eines Menschen benötigt wird, so kommt man auf, die Zahl von ungefähr 1720 Personen, die wälire 11 d fünf Monaten bei dieser Arbeit in Galiläa * c 1 s * c r 'י c " Beschäftig u n g find e n. Selbstvers analich midi man die Kolonisten und ihre Familienniit- 11 ין cd er, die sicherlich seihst an dieser Arbeit teilnehiiien weiden, von der Zahl der dabei Beschädigung findenden Arbeitern in ,Abzug bringen. Auch die Sortierung des Tabaks w!rd spaterluu durch ungefähr vier Monate gegen 500 Leuten Beschädigung geben. Der Vertrag ist unterfertigt von den Herren Samuel und Simon Lubliner, Dr. Zlocisti und L. Winz als Vertretern der Gesellschaft, namens der Kolonisten in Galiläa ist der Vertrag unterfertigt von den Vertretern der Kolonistcnvercinigung in Untergaliläa und den Vertretern der Kolonie Roseh-Pi nah. Des weiteren hat auch der Vertreter der lea den Vertrag mit unterschrieben. Es bleibt noch zu erwähnen, da« um den Abschluß dieser Verhaiidlungcn sich Herr Tiscliby, der Leiter der Handels- und Industricabtcilmig der palästinensischen zionistischen Exckutive, sehr verdient gemacht bat, ebenso Herr Koswincr, Sachverständiger der Ica für Tabakziichlung. Ocifiimic In Palästina Jerusalem. (J.T,A.) Die ״Standard Oil Company of Amerika“ hat bei ihren Bohrungen im Südosten von Hcnron eine ergiebige Pctroleumquclle entdeckt. (Wir geben diese Nachricht nur mit Vorbehalt wieder, insbesondere nachdem sich die Meldung der J.T.A. über KohScnfunde in Palästina als Bluff herausgestellt hat. Red.) Eine Geschmacklosigkeit Von dem vorbereitenden Komitee der nationalen Festwoche in Jerusalem (Pcßach 1921) erhalten wir ein Plakat zugestellt, das zu ihrem Besuch auffordern soll, Leider aber lockt es nicht an, sondern schreckt ab. Es 4t in seiner altmodischer Müuchncrci von unausdenkbarer Geschmacklos!״- keit. Auf dem Erdball sitzt mit gegrätschten (gespreizten) Beinen —■ wie noch nie ein Wesen auf einer Kugel geritten ist — ein Makkabi-Turner. Mit einer Geberde, die unverkennbare Aehnlichkcit mit den Karrikaturcn vom kleinen Moritz in der Schule hat, weist er auf den Fleck ״Jerusalem“ hin, während die andere Hand woltl die stereotype Floskel von Heinrich Manns ״Professor Unrat“: ״Aufgemerkt mm also!“ zum Ausdruck bringen soll. Fügt man hinzu, daß die Zcichrmng Palästinas auf dem Erdball geradezu grotesk falsch ist und der Kopf des ״Makkabi“-Jün7״ings antisemitischen Karrikaturen ähnelt, dann wird inan die Behauptung vielleicht nicht als zu scharf bezeichnen, daß es eine skandalöse Dummheit ist. solche Plakate in die Welt zu schicken. Plakate sollen den Geist dessen ausdrücken. der die Aufmerksamkeit der Passanten erregen will; sie sollen neugierig machen, locken, frappieren, gefallen und sich einprägen. Hier aber wird man nur neugierig auf den unglücklichen ״Untain“, der das Mißgeschick hatte, dergleichen zu entwerten, lind einpriigt sich nur die flaue Phvsiognoniielosipkeit von Farbe, Anordnung, Zeichnung und Einfall, Wir sind nicht e׳־~;1■־■;1״״־ü! ׳״— . ..׳.״; ■ j■»;■•*■ י;•!—■ ׳ 1; ■»■«.■1; Hai1?■ ״ ״י!»״«! offen unsere Treue zu den demokratischen Idealen ein, setzten unseren Standpunkt in der Araberfrage auseinander, verstummten aber sofort, wenn das Gespräch auf andere Bahnen gelenkt wurde. Die Herrschaften hatten nämlich ein großes, viel zu großes Interesse für rein technische Fragen: von wem die Einladung zur Konferenz ausgegangen sei, bei wem wir uns in Kiew gemeldet hätten, wer im Präsidium war, wie die Vorträge verteilt wurden usw. Wir konnten das Interesse der Herren leider nicht befriedigen und suchten das Gespräch auf dem höheren Niveau der rein prinzipiellen Fragen zu halten. Wurden die Herren auldringlich, so blieb eben nichts weiter übrig, als jede weitere Aussage, aus ״ethischen“ Gründen, zu verweigern. Man versuchte plumpe!Täuschungen, indem man Vermutungen für Geständnisse anderer ausgab, aber keiner fiel darauf herein und mir ist keine einzige Entgleisung unserer Chawerim bekannt. Nun zog sich der Monat Mai hin. Die Verhöre hörten als aussichtslos auf, man brachte uns schließlich auf unseren dringenden Wunsch wieder in zwei Zellen zusammen. Den Beamten war nur die Zahl der in jeder Zelle Eingesperrten bekannt, aber nie ihre Person und so tauschten wir unter* einander, veranstalteten Vorträge, sangen Lieder, bis die ,Wache in die Fenster schoß, verfaßten Gedichte usw. Bücher waren nicht zulässig, Zeitungen auch nicht, Besuche hatten wir fast gar nicht, da die meisten ja nicht aus Kiew waren, die einzige Zerstreuung war die tägliche Uebcrbringung und Verteilung der Liebesgaben. Und an schwülen Maiabenden schlug die Nachtigall hinter den Gefängnismauern, Fliederduft drang in die Fenster und das helle Wunder der Auferstchung der Natur vollzog sich in der üppigen Schönheit der Ukraine. Am 2. Juni — es war der zweite Tag des Schcwuothfestes — ließ man uns frei, indem man uns verpflichtete, Kiew bis zum Ende der Untersuchung zu verlassen. Es begann die Zeit der Vorbereitung zu unserer Gerichts- Verhandlung, jene Zeit des geheimnisvollen Wirkens der unsichtbaren, aber alles umfassenden Hand der SowjctwiUkür. David Borowoi. bosliait penug, das Plakat fn unserem Hatte zu reproduzieren, wir verlangen aber, daß solche Verirrungen, die einen traurigeu bchluß auf den Mangel des primitivsten Geschmacks m Jerusalem /״lassen in Zukunft unterbleiben. Diese Fordermii; rientet sieh auch an das Londoner zionistische Zentralniro, das ein Plakat über die palästinensische Abteilung der britischen kcichsauxstellung in London von ebenfalls bcispiel• lialicr H.il'l'dikeit hat anfcrligcn lassen. Mau halte dergleichen ja nidit lur AeuBcrlichkciton, Zufälle oder Kleinigkeiten. Ein gutes Plakat ist eine Ausdriicksgeste, in der, symbolisch und eicht ׳ erratbar, der ganze Geist des jiscbmv sich darstelleii konnte; und der ist gottlob doch recht anders als solch abgestandener Kriselt. Die Verfolgung der hcfarMcn Sprache in UtifMand Moskau. (J.T.A,) Eine Gruppe Gelehrter und Schriftsteiler, Juden und Russen, haben dem Volkskommissar 1114־ nationale Angelegenheiten, Stalin, ein Memorandum überreicht, in welchem gegen die Verfolgung der heb r ä i s c 11 e 11 Sprache in Sowjetrußtnnd Stellung genommen wird, ln dem Memorandum wird darauf Itingcwieseii, mau diirio nicht llcbriiiscli mit Zionismus verwechseln. Hebräisch ist die ״wahre Sprache des jüdischen Volkes“, in welcher die jüdische Erziehung überhaupt airiängt. Während alle natio- 11,den Minderheiten in Rußland ihre Sprache pflegen dürfen, wird die hebräische Sprache nocli ärger verfolgt als zur Zeit des Zarismus. Chcdarim werden geschlossen, hebräische Lehrer verfolgt, hebräische Bücher in den Bibliotheken verboten und sogar verbrannt. Die Verfasser des Memorandums ersuchen den Volkskommissar, durch ein Gesetz anzuordnen, daß die hebräische Sprache nicht allein in der zweiten Stufe der jüdischen Schule, sondern auch in der ersten Stufe zugelassen wird. Wie es heißt, stammt das Memorandum aus Emigrantenkreisen im Ausland. Der bekannte Spezialist in den Ostsprachen, Professor Oldenburg, hätte es nach Moskau gebracht. Unterschrieben sind u. a, Professor Marr (ein Russe), der bekannte Literaturkritiker Gcrschonsahn, der Komponist Gncssin, der Komponist David Sclior und der Dichter David Hofstcm. Das Präsidium der jüdischen Kulturliga in Moskau, an deren Spitze die jüdischen Kommunisten Mcrcjin, Lilwakoff, Esther usw. stehen, hat sich in einer speziellen Vcrsammhing mit dem Memorandum befaßt und. eine Antwort abgefaßt, in welcher die Behauptung, die hebräische Sprache sei die Sprache des jüdischen Volkes, als lächerlich hingcstdlt wurde. Ebenso wird die Behauptung, daß hebräische Bücher verbrannt wurden, bestritten. Als Beweis, daß die hebräische tmrachc nicht verfolgt wird, wurde die Existenz des Theaters ,,Hammah“ sowie die Legalisierung des ״Hechaluz.“ angcführt. Diese Antwort soll demnächst in der Presse publiziert werden. Die Erpressungen an den bulgarischen Juden P a r i s. _ (J. T. A.) Das bulgarische Pressebüro veräffentlicht eine Erklärung,!11 welcher die Nachrichten über die schwere Lage der Juden in Bulgarien und Mazedonien, die uncrhartcu Bedrohungen und Erpressungen seitens des revolutionären Komitees ausgesetzt sind, dementiert wird. In der betreffenden Mitteilung wird gesagt, die jüdische Bcvölkcrung Bulgariens genieße den voilen -Schutz, der Gesetze und denkt gar nicht daran, das Land zu verlassen. Hierzu wird der J.T.A. von ganz zuverlässiger Quelle mitgcteilt: Es ist wahr, daß die jüdische Bevölkerung in Bulgarien, die stets ihre Loyalität gegenüber der Regierung lind ihr warmes patriotisches Interesse bewiesen hat, bis in die letzte Zeit Innern die weiteste Freiheit genossen hat. Es ist aber auch nicht weniger wahr, da» die mitgeteiUeu Tatsachen absolut richtig sind. Es läßt sich nicht bestreiten, daß das maze- (Ionische Komitee die jüdische Bevölkerung Bulgariens terrorisiert und mit schweren Strafen bedroht, wenn die verlangten Geldsummen nicht binnen kurzer Zeit geleistet werden. Allein die Juden Sofias wurden mit einer .,Kontribution“ von '20 Millionen Lewa belegt. In ganz Bulgarien und Mazedonien haben 1370 Juden Droh- und Erpresserbride des Komitees erhalten. Schwer lxsdroht wurden besonders die Juden in Warna und Philippopel. Die gesamte lüdtsche B e v ö 1 k e r u n g B111 g a r i c n s 1 e b t 111 c i n e m Z u s t a n d unerträglicher Panik. Mehrere angesehene Juden sind bereits geflüchtet, andere verschleudern ihr Hab und Gut tmd bereiten sich zur Flacht vor. Es ist ferner auch wahr, daß die b u lga ri sehe Regierung nichtsuntcrnom• me n hat, um die jüdischen öü rgc r zu schützen. Die Minister, an die sich die jüdischen Vertreter gewendet haben, erteilten zweideutige Antworten tmd suchlcn sielt ihrer Pflicht zu entziehen. Dabei weiß man, daß die Regierung die Macht hat, die Mazedonier von terroristischen Akten abzuhalten. Wenn in Bulgarien nicht ein anderes System kommt, sind die jüdischen Gemeinden vom Untergang bedroht, potfn Aus der jlisllsclieii Welt Dieser Tage fand in Warschau eine gemeinsame Konferenz von Vertretern der hebräischen Schulorgaiiisation in Polen und jüdischen Politikern statt, in welcher die Maßnahmen zur Behebung der finanziellen Schwierigkeiten, mit denen das jüdische Schulwesen in Polen zu kämpfen hat, beraten worden sind. Die Redner führten aus, die he- Uräischcn Schulen in Polen befänden sich abermals in einer verzweifelten finanziellen Lage, In den letzten Jahren habe sich das hebräische ' Schulsystem in bemerkenswerter Weise entwickelt. Es gibt jetzt '216 hebräische Schulen mit einer Gesamt zahl von 32 001) Schülern, 137 Abendschulen Ihr Lehrlinge, 3 hebräische Lehrerseminare und HO Volksbüchereien, die durch die hehräisclie Sdiiilorjpuiixntioii Polens unterstützt wer• den. Die Summen, die teils durch Sammlungen in Polen selbst, teils durch auswärtige Hilfsorganisationen aufgebracht wurden, sind jetzt erschöpft. Infolge der jetzt schwierigen Wirtschaftliehen Lage der jüdischen Bevölkerung in Polen sind weitere Opfer schwer 7.11 erwarten. Es wurde beschlossen, alle mögliehen Anstrengungen zu machen, um die notigen Mittel zu beschaffen und sich auch au die Juden Englands und Amerikas, sowie an die verschiede neu _ auswärtigen Hilfsorganisationen zu wenden, daß sic das hebräische Bildungswerk in Polen unterstützen. Im polnischen Sejm wies Abg. Kirschbraun auf die Schikanen, denen die jüdischen Soldaten in der polnischen Armee ausgeset/t sind, hin. 111 der Garnison von Stry wurde ein frommer jüdischer Soldat gezwungen, Schweinefleisch zu essen, Hernach mußte er eine Stunde lang auf den Zeilenspitzen stehen und dabei einen 10 kg schweren Kotter tragen. Im 1<>. Infanterie-Regiment wurde das Gesuch der jüdische« Soldaten, sich selbst zu verpflegen, abgclchnt und diese gezwungen, ans der Mititärkiiche zu essen. Jüdische Offiziere und Kanzlisten werden systematisch aus der Armee entfernt. Der Kricgsministcr selber empfiehlt den Boykott jüdischer Lieferanten. Das Resultat ist aber, daß die christlichen Lieferanten sich bei den jüdischen Warcnbcsitzem eindecken müssen, was die Lieferungen bedeutend verteuert. Ungarn Zionismus im 18. Jahrhundert Anläßlich einer sehr herzlichen und eingehenden Besnrcdning der Neuauflage der ״Zionistischen Schriften“ Max Nordaus berichtet im ,,Berliner Börsen-Couricr“ vom 2. d. M. Siegmund Fe Id mann, der in Paris mit Herzl und Nordaii intime Kameradschaft gepflogen, von einem Versuch Livornescr Juden, Palästina für die Judenheit zu erwerben, wie folgt: Ich verdanke diese Uebcrrascliung meiner Neigung, die Nase in alte, verstaubte Schmöker zu stecken, die niemand mehr liest, und dem Zufalle, der mir kürzlich die zuerst 1785 gesammelten Reisebriefe _ des preußischen Hauptmanns j. W. v. Archen holz in die Hand spielte, der, nachdem er seine vortreffliche An.ibasis des Siebenjährigen Krieges geschrieben, ein unermüdlicher Bmnmler wurde, in dessen Schilderungen man heute noch mit einigem Vergnügen blättern kann. In Livorno verkehrte er viel mit dem sehr zahlreichen ״Judenvolk“, das daselbst ,außerordentliche Freibeiten“ und einen großen _ Wohlstand genoß, den cs zum Teil aus seinen Korailenfnbriken zog, ״die nicht ihresgleichen in Europa haben“. Wenige Jahre vorher — es wird wohl nach ihrem vernichtenden Siege bei Tsclicschcna am 5. Juli 1770 gewesen sein — ankerte die russische‘ Flotte in Livorno und einigt: ihrer ״deutschen Offiziers, die den berüchtigten AU Bei persönlich kennen gelernt hatten, kamen mit verscliiedenen hiesigen Juden überein, diesem damals glückliehen Rebellen den Antrag zu tun, für einen gewissen Preis Jerusalem (aus dem er die Türken verjagt hatte) der jiidischcn Nation zu überlass«!“. Und nun erzählt Arclicnholz weiter, wie Ati Bei, dessen ״Begierde nach Rcichtümern uncrsättlich“ war, sich zu dem Geschäft verstand; wie es den Juden gelang, die Garantie großer Höfe und namentlich den von Ali Bei geforderten Beistand gegen den gemeinsamen türkischen Feind zu erwirken; wie sic bereits ״ßiüiizcude Entwürfe für die Wieder;nifbauung des Tempels“ anfertigten und durch die Freigebigkeit ihrer Glaubensgenossen in England und Holland in den Stand gesetzt wurden, dem Eroberer Palästinas den verlangten Kaufschilling zuzusagen. Die Summen, so hoch sic auch' waren, ״machten nicht die geringste Schwierigkeit, und wer weiß, wie weit cs noch mit diesem seltsamen Plan gekommen wäre, wenn nicht der Tod des Ali Bei dieser Unterhandlung auf einmal ein Ende bereitet hätte“. Der in Szegedin verhaftete frühere Leutnant Andor Fülüp hatte bekanntlich gestanden, daß die sogenannte Alföklcr Brtgade mit iwan Hcjjas an der Spitze eine Diktatur der Kasscnschützlcr mit Iwan llejjas als Diktator cinzuführcn entschlossen war. Es war beabsichtigt, nach dem Gelingen des ,Plüsches sich der Juden i.11 Ungarn auf radikale Weise zu entledigen. Das Csongrader Attentat sollte eines der Signale für den Beginn der Umsturzbewoguiig sein, ln der Sitzung der ungarischen Nationalversammlung vom 22. Jamiar machte mm der Abgeordnete Droxdy aufsehenerregende Enthüllungen über die Tätigkeit dieser Brigade und ihres Führers zur Zeit des weißen Schreckens, ln Kecskemct ließ Hcjjas durch die Brigade 33 Personen, in der Mehrzahl Juden, in der bestialischen Weise hinmorden. Fünf Insassen des Polizeigefängnisscs wurden gewaltsam hcrausgcholt und ermordet. Vier jüdische Bürger von Kecskemct wurden vom Eisenbahnzuge hrmntergehoit, in einen Wald verschleppt und ermordet. Vier Polizisten, die mit der Untersuchung dieser Affäre betraut waren, sind spurlos verschwunden, deren Pratokoile gingen heim Militärkommando verloren. An der Spitze der Tieflandbrigade stehen noch heute vier Brüder .Hcjjas, sowie ein Budapcstcr Schuldirektor. Weitere Einzelheiten erfuhr die Qeifcntlichkcit aus der Verhandlung im Prozeß Ulain am 17. Januar, wo jene Detektive verhört wurden, die seinerzeit in München die Beziehungen der ungarischen Putschisten zu Ludendorff und Hitler erforschen sollten. Inspektor Hirsch berichtete über seine Unterredung mit Hitlers Stellvertreter Christian Weber, der Hirsch mitteilte, Hitler sei bereit, baye* rische Terroristen nach Ungarn zu entsenden. Gleichzeitig mit den Juden ä la Stinnes (!) müßten — so sagte Weber —! auch ״alle prominenten Juden Ungarns hingerichtet werden“. Nach dieser Einvernahme wurde das Beweisverfahren geschlossen und die drei Hauptangcklagtcn, Dr. Franz Ulam, Dr. Bcla Szcmcre und lug, Titus Bobula, wegen Aufforderung zum Aufruhr zu je sechswöchigem Strafgefängnis verurteilt. So wurde der große Staatsstrcichp!an gesühnt, der durch ausgedehnte Judenpogrome in ganz Ungarn hätte cingcleitct werden sollen. Sir Thomas Hohler, der englische Gesandte in Budapest, gab am Tage der Ernennung R.'unsay Macdonalds zum Minister- Präsidenten diesem telegraphisch seine Demission. Hohler war der erste Gesandte Englands in der ungarischen Haupt- Stadt und war die Stütze des Reichsverwesers Horthy, dessen Intimus er war. Erinnerlich ist noch, daß er die früheren Meldungen des Obersten Wedgwood, der jetzt Mitgiied des britischen Kabinetts wurde, über die Schrecken j des antisemitischen weißen Terrors in Ungarn widerrief, wes- I halb er im Unterhaus von liberaler und Arbeitersfite wieder- | halt angegriffen wurde. Zionismus avant la lettre, von dem Herz! nichts ahnte, als er seinen ״Judenstaat“ schrieb, dem Nordau die über die Ozeane gespannte Autorität seiner großen Persönlichkeit lieh. Die ״Wicderaufbauung des Tempels“, an die die Livorncser Juden sofort dachten, verrät messiamschc Reminiszenzen, die Herzl fern lagen, mochte er sich ihrer, un Gegensatz zu Nordau, der konfcssionalc Betonungen selbst als Mittel verschmähte, gelegentlich zu propagandistischen Zwecken bedienen. Sehr bemerkenswert ist, daß von diesem Rückfall in die Romantik abgesehen, die Livorncser ihren Judenstaat mit derselben Nüchternheit begründen und sichern wollten, wie die heutigen Zionisten den ihrigen; durch mternationale Rcgicruiigsvcrträgc zum Schlitze ihres durch Kauf oder durch Zuwendung geldlicher Vorteile an den jeweiligen Landesherrn erworbenen Gemeinwesens. Dali aber just der russische Zar der Hauptschützer dieses Werkes sein wollte, und daß, ausgerechnet ״deutsche Offiziers“ zuerst aut diese Idee kamen, zählt zu den größten Ironien der Weltgeschichte. * Von einem anderen Plan jüdischer Kolonisation in nädister Nähe Palästinas berichtet der Wiener jüTischc Historiker Dr. N. M. Gelber. Dieser hat in dem eh .;maligen kaiserliehen Archiv zu Wien vor kurzem Dokumente aufgetunden, aus denen folgendes hervorgeht: . Im Jahre ISO2 forderte die Türkei bekanntlich von Aegypten die Zurückgabe von Akabah und erklärte, da□ andernfalls der Firman für den neuen ägyptischen Khcdive nicht unterschrieben werde. Der Konflikt wegen Akabah hat damals weite Kreise gezogen. Aus der diplomatischen Korrespoiulenz zwischen dein österreichischen Generalkonsul in Kairo und dem damaligen österreichischen Außenminister Kainoky geht hervor, daß die Ursache des Akabah-konfhkts eine jüdische A n g c l c g c n h c i t sei. Paul Fried- 11t a n 11, übrigen» ein Berliner Christ, hat zu jener Zeit -00 russische Juden in Akabah .״־!gesiedelt. Die türkische Regicrung befürchtete, daß diese jüdische Kolonisation auf 1 a- (ästina üherpreifon werde. Die türkische Regierung wollte deshalb Akabah wieder in ihre Macht bekommen, um die geschlossene jiidfschc Kolonisation in der Nähe von 1 alastina auf/ulöscn. Der österreichische Generalkonsul schließt seinen Bericht mit der Bemerkung: ״Durch diese operettenhafte Judenkolonic ist es fast zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen der Türkei und England gekommen.“ t