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Jüdische Rundschau · 1924-02-08 · Heft 11 (8.2.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 11 (8.2.1924)
Date
1924-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Tschechoslowakei: Postsparkassenarat Prag, Konto Nr.59410, — RedaktionsschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. — inilttag 4 Uhr. ג׳ אדר א׳ חרס״ד XXIX. Jakrg. Dar Zionismus erstrebl für da» Jüdlscha Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In PalHstlna. ״Baseler Programm.“ \ \ ' l t t % I 1 Die Verltcmdkmigesi Im Asmaai w Kürzung des Budgets Der in dieser Nummer veröffentlichte Ausweis der Keren Hajessod-Eingänge für den letzten Monat des vergangenen Jahres zeigt, daß wiederum die monatliche Mindcstsummc zur Deckung des vom letzten Kongreß 311*gestellten Budgets nicht erreicht wurde. Der ordentliehe Etat beträgt für das Jahr 5684 inkl. der Nach- Zahlungen 397 000 Pfund. Für Kredite und lnvcstionen waren 124 000 Pfund und schließlich als zweite Rate der Schuld des Keren Hajessod an den Nationalfonds 10 000 Pfund vorgesehen. Das Gesamtbudgel beträgt somit 531 000 Pfund. Weit entfernt davon, daß in den Monaten, die se.t dein Kongreß verflossen sind, die Zahlen des Gesamtbudgcts erreicht worden wären, konnten durch die Eingänge bisher auch nicht die laufenden Ausgaben des Etats gedeckt werden. Die Reserve, die als Ergebnis der letzten Keren Hajessod-Kampagnc Dr. Weizmanns in Amerika für das neue Budgetjahr vorhanden war, ist durch Ankäufe und Ausgaben, vor allein für die landwirtschaftlichen Siedlungen, inzwischen zur Gänze aufgebracht worden. Es war ein ganz besondcrcs Glück, daß das Vorhandensein dieser Reserve die erwähnten landwirtschaftlichen lnvcstionen in diesem Zeitpunkt ermöglichte. Wäre das Geld nicht im Herbst 1923, sondern vielleicht erst zu Anfang dieses Jahres zur Verfügung gestanden, so hätten wir für unsere landwirtschaftliche Arbeit in Palästina mit dem Verlust eines vollen Wirtschaftsjahres rechnen müssen. — Die Tatsache, daß es bisher nicht gelungen ist, das monatliehe Budget von 35 000 Pfund aus den Keren Hajessod- Eingängen zu decken, hat wiederum zu einer in der zionistischen Arbeit allmählich vertraut gewordenen Erscheinung geführt, die sich unter der harmlos klingenden Bezeichnung ״Kürzung des Budgets“ verbirgt. Wieder müssen von den ohnehin geringen Einzelposten Abstriche gemacht, Umstellungen vorgenommen, neue Schulden aufgenommen werden, und wieder kommen täglich die Telegramme aus Palästina nach London, die die längst fälligen Überweisungen immer stürmischer verlangen. Es ist kein Wunder, wenn die Reduzierung lebenswichtiger Ausgaben, die Nichtauszahlung der Gehälter, das ewige Warten auf die nur unregelmäßig eintreffenden Gelder über den Jischuw eine neue Welle der Depression und Entmutigung bringen, wie dies Nachrichten aus Palästina zu entnehmen ist. Man braucht freilich die Situation nicht pessimistischer zu beurteilen, als sic ist. Man muß sich vielmehr vor Augen halten, daß nach unseren bisherigen Erfahrungen stets die letzten Monate des Kalenderjahres im Vergleiche mit dem ersten Quartal in ihren finanziellen Ergebnissen zurückbliebcn. Die Vorbercitungsarbeit für die Keren Hajessod-Kampagne in Amerika, von der ja der Hauptteil der Eingänge stammt, fällt in diese Monate und erst in der folgenden Zeit wirkt sich erfahrungsgemäß diese vorbereitende Tätigkeit aus. Die ״Drives“ in den wichtigsten jüdischen Zentren Amerikas beginnen nicht vor Januar. Es besteht also die Hoffnung, daß die Kurve der Keren Hajcssod-Eingänge im neuen Jahr wieder eine ansteigende sein wird. Die Frage aber, die sich immer wieder und nun schon jahrelang aufdrängt, wenn sich stets von neuem erweist, daß selbst das andauernd reduzierte Minimalbudget der Kongresse nicht gedeckt werden kann, ist die: Kann eine solche Entwicklung, bei der es uns nur mit der größten Anstrengung und auch dann nicht ganz gelingt, in Palästina die errungenen Positionen zu behaupten und vielleicht noch einige winzige Fortschritte zu machen, auf die Dauer anhalten, ohne daß einmal der Punkt erreicht wird, wo sowohl in der Arbeit der Diaspora wie in der Palästinas eine entscheidende Wendung eintritt, eine Wendung nämlich zum Schlimmeren, vielleicht zum Schlimmsten? Der Punkt, an dem cs in Palästina nicht mehr möglich sein wird, daß unsere ganze Kolonisationsarbeit den Charakter einer Notstandshilfe trägt, bei der immer nur die größten Löcher mit Mühe und Not verstopft werden, um das Schiff vor dem Sinken zu bewahren. Jener Augenblick, in dem es sich zeigt, daß der ganze Boden löcherig und morsch geworden ist, und eine weitere Belastung infolgedessen einfach nicht mehr aushält. Aber auch der Moment, in dem bcispielsweise die amerikanischen Zionisten, die nun schon seit Jahren unter dem Druck der dringendsten finanziellen Erfordernisse die Gcldsammeltätigkcit in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen mußten, aber für kulturelle, propagandistische, erzieherische Tätigkeit weder freie Zeit noch freie Kräfte hatten, die Verantwortung, die sie heute tragen, nicht mehr übernehmen können. Es muß darauf hingewiesen werden, daß man nicht immer wieder Jahr um Jahr in einer solch aufreibenden, wenig ״geistvollen“, den Menschen zu einer bloßen Geldsammelmaschinc degradierenden Arbeit stehen kann, ohne die lebendige Kraftquelle dieser Tätigkeit zu verschütten, sich abzunutzen und eben dam» zu erlahmen, Sir Ilcrlicrl Samuels zweiter Besuch in Amman Jerusalem. (J. T. A.) Sir Herbert Samuel ist am 3. Februar nacli A m m a n abgereist, um König Hussein von Hcdjas einen zweiten Besuch abzustatten. König Hussein wird zu Ehren Sir Herbert Samuels in seinem Palast ein Bankett geben, bei welchem sowohl Vertreter der Zionistischen Organisation, als auch der pa 1 ii s t i n c ns i s c h - ara b i s ch c 11 Exekutive zugegen sein werden. Man glaubt, es werde nicht an Bemühungen fehlen, um zwischen diesen!beiden Körperschaften einen Ausgleich in bezug auf die künftige Politik in Palästina zustande zu bringen. Neue Einladung König Husseins an die jüdischen Vertreter J c r u s a I c m. (J, T. A.) König Hussein von Hcdjas hat an den Oberrabbiner von Jerusalem, Jacob M e i ז , und an David V e 11 i n eine Einladung gesandt, sic möchten ihn in ihrer Eigenschaft als Vertreter der jüdischen Bevölkerung Palästinas in Amman besuchen, wo eine Besprechung über eine jüdisch-arabische Verständigung abgchalten werden soll. — König Hussein hat 50 engl, Pfund für die jüdischen und christlichen Armen der Stadt Jerusalem gespendet. Die palästinensischen Araber und der Ang!o-Hcdjas־Vcrlrag In einer Unterredung mit dem Jerusalemer J.T. A.-Vertreter sagte der Sekretär der palästinensisch-arabischen Exckutive, der Wortlaut des A n g 10 - H c d j a s - V c r t r a g c s sei der palästinensisch-arabischen Exekutive noch nicht bekannt. Die palästinensisch-arabische Delegation unter Musa Kazim Pascha hat daher nichts in bezug auf den Vertrag unternehmen können. Sic will sich jetzt bemühen, eine Abschrift des Vertragsentwurfes zu erhalten, den sie dann im Rahmen eines allgemeinen Kongresses de!» Volke bekannt geben will. Auf eine Anfrage des Korrespondenten des ״Allf Ba“ an König Hussein betreffs des Vertrages verwies der König auf seinen letzten Aufruf an die britische Nation. ״Darin,“ saßt er, ״sei alles über den Vertrag gesagt, es sei nichts mehr hinzuzufügen. Wir werden für ein Ziel arbeiten: die Unabhängigkeit unserer Länder. Und eine absolute Unabhängigkeit soll cs sein. Die arabische Halbinsel muß unabhängig sein.“ Das Organ der palästincnsisch-arabischen Exekutive ״Felcstin" drückt seine Un• wie eine Maschine, die von keiner Energie mehr gespeist wird. Man versteht es, wenn beispielsweise ״Dos jiddische Volk“, das Organ der amerikanischen Zionisten die Arbeit in Amerika mit der der alten ״Giwonim“, ״die Wasserträger und Holzträger waren und keine Zeit hatten für Theorie, Opposition usw.“, vergleicht. Unverständlich aber muß cs uns bleiben, wenn Jizchak Grünbaum im ״Najen Haint“ vom 25. Januar, in einem polemischen Artikel dagegen folgendes ausführt: Es ist unsere Aufgabe, unsere finanzielle Leistlingsfähigkeit zu steigern, alle psychologischen Hindernisse zu bekämpfen, die uns im Wege stehen. Das tun wir, wie wir können, wenn wir auch nicht mit tausend Stimmen schreien auf jedem Meeting, jedem Tceabcnd oder jedem Bankett, auf dem einige 101) Pfund gezeichnet werden und auf dein über Zionismus und Palästina gesprochen wird. Dazu haben wir wirk, lieh keine Zeit. Das ist in unserem jüdischen Leben zu einer ganz gewöhnlichen Ersehetnung geworden; unsere Zeitungen notieren cs nicht einmal und übrigens Ist unser jüdisches Leben zu reich, zu vielfarbig, als daß wir uns ihm entziehen könnten und unsere ganze Kraft? unsere ganze Aufmerksam keitkonzentrieren könnten auf Geldsammlungen für Palästina und f ii r Arbeitin Erczlsracl, Ob dies gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Aber es ist so. Es kann nicht ander» sein, falls der Zionismus sich nicht selbst zir Blutarmut verurteilen, sic!» lossagen will von dein lebendigen Leben und dem schöpferischen Kampf. In Polen können wir uns nie 111 in einen zionistischen Winkel ver* kriechen. In Amerika glaubt man, daß dies möglieh sei. Ich hatte schon einmal den Mut zu beliauptcn und zwar auf Grund meiner Beobachtungen, die sicherlich keine ausreichenden waren, daß dies auch in Amerika nicht möglich ist, d. h. d a ß d e r W i n k e 1 Zionismus in Amerika blutarm und gedan. keil feindlich wird. Damit untergräbt er seine eigene Kraft, seinen eigenen Einfluß. Wovon würde eigentlich der amerikanische Zionismus leben, was wäre sein Inhalt, wenn in Europa der zionistische Gedanken zu arbeiten aufhören würde, wenn der europäische Zionismus vollständig ameriknntsiert würde? GridsammeUi kann man für ein Ideal, ge* trieben und bewogen von dem I laß den herrschenden Lcbeiisbcdingungcn gegenüber, durch das stci,,on־Jc Bcdürfnis nach einer Klärung derselben, nach einer Bcscitigung der Ursachen der Leiden und Pein. Ohne dies alles kann man kein Geld sammeln, vielleicht auch nicht geben, aber sammeln gewiß nicht,... Der Gedanke hört nicht auf zu arbeiten1, und wir wollen und können ihn auch nicht ersticken. Und wenn er arbeitet, dann macht er vor gar keinen Autoritäten Halt und hat gar kein« Angst vor Krisen. Ich bin sicher, Zufriedenheit darüber aus, daß König Hussein bisher noch nichts für die palästinensischen Araber getan habe. ״Eins wissen wir nur,“ heißt es in dem Artikel weiter, ״daß der Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Die Palästinenser würden es begrüßen, wenn Palästina überhaupt nicht in dem Vertrag erwähnt und auch nicht in den arabischen L ä nd e r b u n d aufgenommen werden würde, insofern die Zuge* Hörigkeit zu diesem Bund die Anerkennung der Rechte der Zionisten bedeuten würde. Andererseits glauben wir ja, daß König Hussein bestrebt ist, fürdicPaliisiincnscr das zu erreichen, was wir selber wünschen, dafür ist sein Aufruf an das britische Volk Beweis genug. Aber wir Bewohner Palästina» können uns nicht hinreichend um diese Angelegenheit kümmern. Der Zionismus ist für uns die gefährlichste Katastrophe, schlimmer noch als das Mandat.“ Spilan Ibn Saud gestorben Jerusalem. (J.T. A.) Der Emir von Najd Ibn Saud ist gestorben. Er'war das Haupt der Wahabiten, die Transjordanien und Irak durch ihre Ueberfäile dauernd beunruhigten. Er galt als der unversöhnliche Feind der Familie König Husseins. Seinerzeit machte er An- Spruch auf den Thron von Irak gegenüber den! König F e i s u 1. Die britische Regierung sicherte ihm für die Aufgabe seines Anspruches eine jährliche Apanage, außerdem eine Pauschalsumme von 20 000 Pfund zu. Mit ihm ist einer der Hauptgegner einer Vereinigung der arabischen Staaten dahingegangen. Es ist anzunehmen, daß sehr bald eine Bewegung für die Vereinigung aller Länder von Arabien einsetzen wird. Monsignore Barlassina vom Vatikan zurfickberuten Jerusalem. (J. T. A.) Der römische Patriarch in Je* rusalcm, Monsignore Barlassina, ist vom Vatikan zurückberufen worden. Im Sinne der Forderungen der katho* lischcn Gemeinschaft Palästinas ist an seine Stelle ein einheimischer Prälat, ein Araber, gesetzt worden. Monsignor Barlassina ist wegen seiner maßlosen antizionistischen Propaganda bekannt. Wahrend seiner Europa* reise im vergangenen Jahre hat er in Rom, Mailand, Zürich, Paris ■ und London Vorträge über die Lage in Palästina gehalten, wobei er sicli in heftigen Anschuldigungen gegen die Zionisten erging. Auch unter der arabischen Bevölkerung Palästinas hat er eine systematische Propaganda für einen Widerstand gegen den Zionismus betrieben. daß es auch in Amerika nicht anders ist. Die ״Maschine“ ist vielleicht anders, aber gewiß nicht das Leben. Einmal schon hat das Leben einen Aufstand gegen die Maschine gemacht und einen glänzenden Sieg errungen. Es ist aber eine neue Maschine gekommen und icli habe Furcht zu sagen: sie beginnt zu arbeiten und zu wirken genau so wie die alte. Immer mehr und mehr werden die Prinzipien ver. gessen, im Namen derer die alte Maschine besiegt worden ist. Bramkis ist besiegt worden, aber sein Geist erringt einen Sieg nach dem anderen. ... Es hätte doch leicht ganz anders sein können; wir hätten doch überall in ganz Europa mächtige Organisationen des ganzen .Volkes haben können, auf die gestützt wir jetzt ohne große Schwierigkeiten die JewisU Agency liäiicn schaffen können und auch unsere Mittel hätten vergrößern können. In Amerika versteht man dies nicht. Das Unglück ist,* daß selbst unsere Gesinnungsgenossen das nicht verstehen. Der Geist des besiegten Brandeis hat über sic die Herrschaft ge* Wonnen. Sie wollen ihn uns aufzwingen, und wenn wir uns wehren, wenn wir die Souveränität des Kongresses und seiner nöchstcn Organe schützen wollen, schimpfen sie auf uns, fragen nach Rekorden im Zionismus und beklagen sich, mail wolle, daß sic die ״Giwonim-Arbcit“ tun sollen, von der wir uns freihalten, Darin eben steckt der Irrtum. Wir wollen uns von dieser ״Giwonim- Arbeit gar nicht freihaiten. Ebenso wie wir nicht wollen, daß Amerika anzinihrverslnkt. Im Gegenteil: wir wollen, aß Amerika von sich das Joch des ״Giwoni1n“-Geistcs, von dem wir frcibleibcn wollen, abwirft. Wenn man etwas derartiges liest, ist man versucht, sich an den Kopf zu greifen und zu fragen, ob eine solche Polemik wirklich ernst gemeint oder nur ein nicht sehr angebrachter Scherz ist. Glaubt Griüibaum denn wirklich, daß die amerikanischen Zionisten sicli nicht viel lieber mit den ״geistigen“ und kulturellen Dingen der Bewegung befassen würden, anstatt Geld zu sammeln, und wie kann man es wagen, aus der Not der schweren Aufgabe, die sie auf sich genommen haben, die Freiwilligkeit einer prinzipiellen Anschauung zu konstruieren? Und die Zionisten in Polen sollten sich auch ihrer kulturellen und geistigen Leistungen nicht immer so rühmen, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, ihr hebräisches Schulwcrk selbst zu erhalten und wie auch Palästina gegenüber hier den sicherlich bequemeren Weg cinsrhiagcn: auch noch ihre eigenen lokalen Erziehungsanstalten sich vom Ausland (lies;Amcrika) finanzieren zu lassen. (Man vergleiche nur den Bericht über die Krise des hebräischen Schulwerks in Polen und die Mitteilungen über die Bemühungen Dr.

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