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Jüdische Rundschau · 1923-12-18 · Heft 105 (18.12.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 105 (18.12.1923)
Date
1923-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite COS freuen uns, daß׳ er heute gesprochen wurde, ebenso wie wir beklagen, daß er heute in deutscher Sprache gesprochen werden mußte. Immerhin haben die meist jüdischen Leser des ״Prager Tagblattes“ wie die des ״Berliner Tageblattes“ Geldsamtmhingen und Massenspeisnngen in großem Umfange ermöglicht, ohne auch nur einen Schatben konfessioneller oder nationaler Unterstreichung von Jude und Niclitjude zuzulassen, zu schweigen von den Notaktionen innerhalb deutscher Städte, die von allen Bürgern für alle Bedürftigen ins Werk gesetzt werden. Wir fänden cs an der Zeit, daß Kardinal v. Fnulhnlicr sich zur nnrchl'ührung־ christlicher Gesinnung an alle Glieder des großen gestuften, ihm unterstellten Organismus wendet, um sie in dein Geiste einer eigenen Botschaft und Erfahrung zu beeinflussen. Wir überschätzen diesen Einfluß nicht, und lange Erfahrungen haben uns gelehrt, daß hohe ״Dienststellen“ gegen den stillen .Widerstand ihrer nachgcordnctcn Organe recht ohnmächtig sind. Aber immerhin: einige Wirkung hesonders im örtlichen Kampfe der Juden Bayerns um ihre bedrohte Existenz hätten solche Weisungen des Kardinals doch, und wenn sie auch nur eine davon rettete, wäre sic nicht vergebens getan worden, 2. Die deutschen Demokraten Der Bczirksverband Berlin der deutschen demokralischen Partei nahm auf einem Parteitage am 12. Dezember, abends, nach einem Referat des Pfarrers Dietrich Graue folgende Resolution zur Judcuhctzc an: ״Die deutsche demokratische Partei, Bczirksverband Berlin, erlicht scharfen Protest gegen die uuchristliehc völkische Judenhetze, die unterschiedslos lind Unmenschlieh sich gegen unsere alteingesessenen jüdischen Mit- Bürger wendet, die Ermordung Rathenaus verschuldet hat und den deutschen Namen in der ganzen Weit verimehrt. Sie erklärt: 1. es ist Sache des Staates, mit allen Mitteln die staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden zu schützen; 2. cs ist Pflicht der deutschen Juden, wie aller deutschen Staatsbürger, in ihrer Art und mit allen Kräften dem deutschen Vaterland und den Idealen des deutschen Geistes redlich zu dienen; 3. cs ist Auf• gäbe des deutschen Volkes, die Unterschiede der Abstaimmmg und Konfession, des Standes und der Partei nicht künstlich zu vermehren, sondern in geschlossener Einheit den Gefahren der Gegenwart zu begegnen.“ Die drastische Berliner Volkssprache sagt zu jemandem, der sich höchst nachträglich zu einer Handlung entschließt, die niemand mehr von ihm erwartete: ״Mensch, du kommst woll atis’m Mustopp?“ Mit ähnlichem Erstaunen verzeichnen wir obige Entschließung. Jetzt erst? Nach fünf Jahren unglaublicher Betriebsamkeit aller völkischen Schattierungen — einschließlich bayerischer Deutschdemokraten im Wahlkampf zu diesem Reichs- und ihrem Landtag? Linen Monat nach den Gewalttaten im Sclieunenviertel? Und warum kommt der demokratische Graf isolan doch noch? Sein Zuspätkommen liegt in seiner Situation gut begründet; er fürchtet die Marke ״Judcnpurtei“, die seine Presse zum Teil so erfolgreich von unbefangenem Eintreten für jüdische Dinge abhält; er lebt unterbewußt unter antisemitischem Diktat. Sein Docirnoch-kommen, fürchten wir, hat kluge Gründe. . . Nicht die schönen Augen der Gerechtigkeit haben ihn auf den Plan gelockt, tnid nicht so sehr Sorge um die sittliche Gestalt des deutschen Staates, so fürchten wir; der Verdacht läßt uns nicht schlafen, es könnte am Ende die• verstimmende Wirkung■ dieser Pogromhetze im Auslände sein, die ihn jetzt noch ins Feld führt — ein verstohlener Blick auf ärgerliche, entrüstete, ablehnende Mienen jenseits der Grenzen — das Ganze als Manöver, als Demonstration, als eine von jenen Taten, hinter denen man sehr wenig Aufrichtigkeit vermuten muß lind sehr viel Berechnung, . . . Aber wir werden die Entkräftung solchen Verdachts sehr bald erleben. Reichstagswählen nahen. Die Deutsch-demokratische Partei hat sehr angesehene, sehr sachverständige, politisch sehr geschulte jüdische Mitglieder in ihren Listen und Verbänden. Warten wir ab, wieviele davon unter den Kandidaten dieser Partei erscheinen werden — keine bessere Probe für die Ehrlichkeit einer Gesinnung ist denkbar. Wobei wir unter J(F.hrlichkeit'* nicht die ja selbstverständliche, subjektive Auf riehtigkeit ־von Beteuerungen verstehen, die in anderen Westländern keiner pathetischen Unterstreichung bedürfen, sondern jenen Mut, jene Hingabe der ganzen Person an eine Uebcrzeugung, die allein fruchtbar, weil allein anständig ist .Und auch eine Partei ist eine Person — oder sollte es wenigstens sein. 3. Bne Naumann Man erkennt Menschen wie Parteien an der Auswahl dessen, was sie für wichtig halten. Welchen Nachdruck man einer Angelegenheit gibt, daran kann man sich gclcgeutlieh sehr hübsch demaskieren. — Wir sprachen vor einer ,Woche an dieser Stelle, in größeren Zusammenhängen, unsere Ablehnung jeder Repressalienpolitik aus, unter anderem auch des Cellerschen Vorschlags einer Sistierung amerikanischer Lcbcnsmittclhilfc im Zusammenhang mit deutschen Antisemitika; etwas Selbstverständliches, auf beiläufige ,Weise. Der Verband der nationaldcutschcn Juden braucht die gleiche Angelegenheit, um in die große Posaune zu stoßen; er hat es nötig; seine Sache. Nur lasse er uns dabei gefälligst aus dem Spiele. Sein aufgeblasenes Prommciamcnto, das er durch die ״Tclunion“ der aufhorcliendui Welt übermittelt, 1und das in dem abgeschmackten Stile seiner Selbstanprcisungen und Beteuerungen gehalten ist, schmackhaft zu machen dadurch, daß er den Schatten der Zionistischen Organisation! auf diesen Brei fallen läßt: das ist ein verbotenes Unternehmen. Auch wir wissen nicht, welch holländisdies Büro zur Sache gesprochen hat; aber wir verbitten uns die Vermutung, es könne sich ״nur um irgendein zionistisches Unternehmen handeln, dem nicht das geringste Recht zustcht, sich als Vertreter weiterer jüdischer Kreise aufzuspielen.“ Hier spielt sich nur eine Sorlc auf: die Sorte Buic Naumann. Sic gehe bescheiden ihrer Wege ■und binde mit uns nicht an; es könnte ihr eklig in ihren Brei hageln. A.Z. X Die Völkerbundskoramisslon i&r geistige Zasammenarbel gegen den Antisemitismus an den Universitäten , (J. T.A.) In der dritten Tagung der Völkerbunds-rfommission für geistige Zusammenarbeit, die vor kurzem unter Vorsitz von Henri Bcrgson in Paris abgehalten worden ist, wurde über ein von dem Komitee der jüdischen Delegationen eingcreichtcs Memorandum betreffend die wiederholten antijüdiselieii Unruhen an den Univcrsitäten Oesterreichs, Rumäniens und anderer Länder in Veribindung mit der Numerus clausus-Agitation verhandelt. Nach Besprechung des Memorandums nahm die Kommission eine .*Qrnjclk Protest-Resolution an. JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 105 Wiener Erle! (Von unserem Korrespondenten.) Der Poststreik in Wien lut die Ahsendung dieses Derichtes verzögert. Den Lesern der ״Rundschau“ sind wohl noch die Ausschreitungen in Erinnerung, welche im vergangenen Monat von antisemitischen Studenten an der Wiener Uniersität in den Vorlesungen der jüdischen Hochschullehrer Griinberg und Knppclinachcr gegen jüdische Studenten begangen wurden. Infolge der antisemitischen Ausschreitungen wurde die Univcrsiiät für luibesiiiiiiiitc Zeit geschlossen. Die 1 Likenkreu/lcr verlegten ihre Tätigkeit nunmehr an die anderen Wiener Hochschulen. Am 2(). November kam cs arf der Wiener Technischeu 1 Iochsehule, sowie an der Hochschule für Welthandel zu sehr turbulenten Szenen, in der Welthandclshochsdmfc störten die 1 lakcukrcuz.Icr die Vorlesung des Dozenten Dr. Griinberg. Audi die Vorlesung des Professors Dr. Ludwig Strauß wurde unmöglich gemacht. Der Rektor gab den Studeuten eine halbe Stunde Zeit, das Gebäude zu verlassen. Nachdem dies geschehen, wurde die Anstalt für diesen Tag gesperrt. An der Technischen 1 lochscluilc wurden die Säle gestürmt, Kanzieidirektor Dr. Bauer begab sich in die Dorsale und versuchte auf die Radaumacher durch den Hinweis eiiuuwirkcn, daß die Technische Ilochscluilc ja schon den Numerus clausus cingefülirt halie und daß man der verminderten Anzahl von . uden die Lerufreihcit gestatten müsse. Diese Rede wurde mit Hoiinrtifcn und ״Juden hinaus!“ übertönt. Nachmittags zogen Hakcnkrcnzlertrupps geschlossen gegen die Hochschule, jedoch ein Foli/eikordoii versperrte ihnen den Weg. — Diesen Terrorakten gegenüber beschloß der jüdische Hochschulausschuß im Namen des Gesamtverbandes jüdischer Hochschiilcr Oesterreichs ״Judäa“ dem Rektor der Universität ein Meinorandum zu überreichen, in welchem gegen die Bcdrohung der Lehr* und Lernfreiheit, sowie gegen Mißhandlungen jüdischer Studenten Protest eingelegt wird. 1וו dem Memorandum wird gesagt, die jüdischen Studenten hätten an der Hochschule nur ein Interesse: ungestört dem Studium und der Forschung nachgehe 11 zu können. Der Rektor wird ersucht, eine strenge Disziplinierung der Ruhestörer vorzunciimcn, aber nicht die Universität zu sperren, wodurch den Studiumswilligen schwerer Schaden zugefügt wird. Audi die dcutsch-arisclie Studentenschaft hat dem akademisehen Senat eine Denkschrift überreicht, in welcher die Ausschrcituigen bedauert werden, dagegen aber auf die offizielle Erklärung sämtlicher Rektoren am dcutsch-österrcichisdicn Hocliseliultage im Januar 1 *>23 hingewiesen wird, daß der deutsche Charakter der Hochschulen gesichert werden jnuß. Entgegen diesen Zusicherungen wurde neuerdings ein Jude, Professor Fischl, zum Dekan der medizinischen Fakultät gewählt. Fast leichzcitig wurde Privatdozent Dr. Kappclmnclicr primo loco zum Professor vorgcschlagcn. Audi hinsichtlich der Verringcrimg der fehlenden, ostjüdischen Hörer wurden die Fordcrimgen der deutschen Studenten nicht erfüllt. Das Kollcg über Volkswirtsdmftspolitik wurde einem vo lk s f re 111 d e n Lehrer, Professor Grünberg (dein berühmten Wiener Handclsreehtier), übertragen. Angesichts dieser Umstände lehne die deutsche Studentenschaft au der Universität Wien jede Verantwortung für das weitere Geschehen ab. — De Abwehraktion der Wiener jüdischen Studentenschaft fand die Zu- Stimmung weiter jüdischer Kreise, So wurde die am 25. November veranstaltete Kundgebung der jüdischen Studentenschaft Wiens gegen die letzten Vorkommnisse an den österreichischen I loclischuicn unterstützt durch die Israelitische KuHusgenieimle, die Zionistische Or• ganisafion, die Union österreichischer Juden und den freiheitlich sozialen Verein. Nach der Eröffnungsrede des Vertreters der jüdischen Studentenschaft übermittelte der Präsident der Israelitischen Kuitusgemeindc, Universitiilsprofessor Dr. Pick, der jüdischen Studentenschaft die Sympatliien der Kultusgemeinde und sprach die Erwartung aus, daß die berufenen Steilen alle Mittel auweuden werden, um die Lehr- und Lernfreiheit in vollem Umfange für alle zu garanlicren. Hierauf sprachen das jüdische Gcmcindcratsmitglicd Dr. P läse likes, der Präsident der Union österreichischer Juden Dr. Ornstcin und der Führer des frcihcitlich-soz-ialcn Vereins Dr. S c h w a r z.- H i 11 c r. Universitätsprofcssor Dr. Königstcin sprach im Namen der anwesenden jüdischen Universitätsprofessoren. Der Präsident des Zionistischen Lande skomitees, Obcrbnurat Stricker, kritisierte die Kundgeliung der Sozialdemokraten, die sich ängstlich um das Wort ״Jude“ drücken. Nach Vorlesung von Begrüßungstclcgrammcn der jüdischen studentischen Verbände aus Prag, Berlin, Czcrnowitz und Klausenburg wurde eine von der Studentenschaft vorgclcgte Resolution gegen die sich ständig erneuernden Exzesse und gegen die gesetzwidrige Behandlung der jüdisclieu Hörer an den österreichischen Hochschulen unter großen Beifallskundgebungen angenommen. Zum Schluß ergriff Oberrabbiner Dr. Chajcs das Wort und berichtete über eine von ihm vor längerer Zeit mit dem Bundeskanzler Seipel gepflogene Unterredung, wobei der Bundeskanzler ankündigte, er werde in den nächsten Tagen eine große Aktion unternehmen, die die Juden befriedigen werde; er wünsche aber nicht, daß cs den Eindruck mache, es würde dies unter jüdischer Pression geschehen. Seither sind lange Monate vergangen und von Seiten der Regierung ist nichts geschehen. Daher sei der Redner nicht länger verpflichtet, zu schweigen. Der sonst mutige Seipel habe nicht den Mut, in der Judenfrage offen Stellung zu nehmen, weil die Julien nicht energisch genug׳ für ihre Rechte cinlrctcn. Am '). Dezember haben die Hakenkreuz-Studenten, denen der sozialdemokratische Magistrat Wiens die Volkshallc des Rathauses nicht zur Verfügung stellte, eine große Versammhing in einem Privalsaalc abgehalten, die von 1500 Studenten besucht war. Der Vorsitzende des deutschen Hochschulaus- Schusses Pcschke erklärte, es handle sich i«1 jetzigen Kampfe der deutschen Studentenschaft nicht darum, ob krumme oder gerade Nasen, nicht um anthropologische Probleme, sondern cs sei ein Kampf um zwei Kniturauffassungen, um den Kampf des Orients gegen den Okzident. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der cs u. a. heißt: ״Lediglich an den Hochschulen konnte bis jetzt dk Vorherrschaft des Judentums wenigstens teilweise hintanp׳chaltcn werden und sie allein haben sich den jüdischen Einflüssen noch nicht zur Gänze gebeugt. Das internationale Judentum hat kein Mittel unversucht gelassen, auch dieses letzte Bollwerk deutscher Kultur zu erobern. Allein jeder Versuch ist bis jetzt an der einmütigen Abwehrfront der deutschen Studenten gescheitert, und wenn dennoch irgendwo ein .Vordringen des jüdischen Einflusses zu verzeichnen Ist, so ist diese Tatsache auf die altertümlichen Staatsgmndgesetze zurückzuführen, unter deren Schutz es eben jedem zugewanderten Ostjuden möglich gemacht wird die gleichen Rechte nnznsprechen, die dem bodenständigen Deutschen zugewendet werden müssen. Die deutschen Hoch, schiiler fordern in letzter Stunde die endliche Ergreifung von Abwehrmaftiiahmen gegen die entsetzliche Ucberflutung der Hochschulen durch ausländische Hörer. Die Heldentaten ihrer Wiener Kollegen ließen die Buda. pester Studenten nicht schlafen. An der ISudapester Univcrsiiät kam es am 10. Dezember zu blutigen anlijüdischen Exzessen. Als der Professor des llanddsfaches Karch um 8 Uhr früh seine Vorlesungen aufnehmen wollte, sammelten sich zahlreiche Studenten vor seinem Hörsaal, die gegen die jüdisch aus. sclienden Hörer vorgingen. Sie verlangten letzteren die Legitimationen ab, zerrissen diese und begannen hierauf zu einem allgemeinen Angriff überzugehen. Das Vor. gehen fand in anderen Dorsalen Nachahmung, und es ent. wickelte sich eine außerordentlich heilige Schlägerei, bei der die ״Kursstudenten“ mit Gummiknütteln, Ochsenziemern und Dlciknüttcln auf die Juden losschlugen. Acht jüdische Hörer wurden schwer verletzt Erst nach zwei Stunden wurde die Polizei alarmiert, die jedoch keine Verhaflung vornalmi. De Übcrstadthauptniannsdiaft entsandte eine Wachcabteilung, die die auf dem Boden liegenden Ver. wundeten den Händen der Angreifer entriß. Die Rettung*. Gesellschaft mußte zahlreiche verletzte jüdische Hörer ver. binden. Die Ursache der Exzesse soll eine schwere Schlägerei in der Trommelgassc gewesen sein. Dort hatten bewaffnete Soldaten das Lokal eines jüdischen Wohhätigkcitsvcrcincs überfallen, in dem eine Kindcrbeschcrung etattfand. Dabei war ein Soldat von einem der Ucbcrfallcncn in Notwehr er. stochen worden. Die ungarischen Studenten erklärten nun, für diesen jüdischen Akt das Judentum bestrafen zu müssen und begannen damit an der Universität * Die mißhandelten Studenten begaben sich in das Paria, mentsgebäude, wo sic den sozialdemokratischen Abg. Pikier baten, der Nationalversammlung die Vorfälle zur Kenntnis zu bringen. Abg. Pikier kam diesem Ersuchen nach und brachte anläßlich der Feststellung der Tagesordnung der nächsten Sitzung den Fall zur Sprache. Er gab seinem Bedauern Ausdruck, daß fastjcdcsinal.wcnnsichderMinister- Präsident und der F in a n z m in i s t e r in Vertre. tung der ungarischen Interessen ins Ausland begeben, sich derartige bedauerliche Zwischenfälle creig. neu. Der Stellvertreter des Ministerpräsidenten I>r, Vasz erklärte, er habe mit׳ Bedauern von dem Vorfälle Kenntnis erlangt. Die Regierung treffe weitestgehende Maßnahmen teils zur Feststellung, wer die Ruhestörer an der Universität gewesen sind, teils um weitere Ruhestörungen zu verhindern. Sollten die vom Rektor erlassenen Verfügungen nicht genügen, so werde die Regierung die Schließung der Universität anordnen. Soviel könne konstatiert werden, daß es sich nur um sporadische und verein reite Erscheinungen handelt. An der Universität werden die Vorlesungen und Prüfungen durch die Krawalle nicht berührt. —■ Die ungarische Regierung hat also offenbar Angst bekommen, daß d,«se Vorfälle ungünstig auf die zurzeit schwebenden Verhandlungen wegen einer Auslandsanlcihc cinwirkcn könnten. ״FricdcnsstSrende Angrille“ Zur Erklärung der Ortsgruppe Reuthen des Centralvereins in Nr. 48/49 der C.־V,.ZcItung erhalten wir noch die folgende Mitteilung: 1. Es entspricht den Tatsachen, daß die vom oberschlcsisclicn Landesverband des Ccntralvcrcins veröffentlichte Erklärung auch Zeitungen mit unverkennbar antiScmiti- .eher Tendenz zugänglich gemacht worden ist Wenigstens ist diese Tendenz auch von führenden Vorstandsmitglicdcrn des Ccntralvcrcins öffentlich anerkannt worden. 2. Die Erklärung hat als Publikation einer jüdischen Organisation auf die breite Masse der Oeffcntlichkcit unzweifelhaft in dem Sinne gewirkt, daß der Centralverein einen deutlichen Trennungsstrich zwischen West- und Ost- Juden ziehen wollte, dies um so mehr, als nach der zu bekämpfenden gegnerischen Einstellung die unlauteren Eie• mente mit den Ostjuden identifiziert werden. Form und Inhalt der Erklärung sind deshalb auch von maßgebender nichtzionistischer Seite scharf verurteilt worden, insbesondere auch von dem Vorstande der Jüdischen Gemeinde Beuthen, an den sich die ostjiidischcn Gemcindcrnitglicdcr um Schutz gewandt hatten. Die Behauptung, daß ״von führender zionistischer Seite“ die Art der Publikation gebilligt worden sei, entspricht nicht den Tatsachen. 3. Die sogenannten Aufklärungsversammlungen sind von uns als ungeeignete Mittel zur geistigen Abwehr des Anüscmitismiis bezeichnet worden, weil die dort* betriebene Apologic, welche, wie uns bestätigt wurde, auch dem Empfinden nichtzionistischer Kreise widerstrebt, iin letzten Grunde auf unrichtigen Ausgangspunkten beruht. Sie gefährdet andererseits eine wirkliche Aufklärung sowohl der jüdischen wie der nichtjüdischen Oeffcntlichkcit. In diesem Sinne sind die Versammlungen auf der letzten Tagung des zionistischen Gruppeiivcrbandes Oberschlcsien -- nicht bloß von Herrn Dr. Landsberg — als schädlich und innerlich unwahr bezeichnet worden. Wenn wir trotz alledem den Verrammlungen keine Mindernissc in den Weg gelegt haben, während die Verhandlungen zur Schaffung einer gemeinschaftlichen Plattform für den Abwehrkampf unter der Aegidc des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Beuthen im Gange waren, so geschah dies, um die von uns angestrebte gemeinschaftliche Arbeit zur Bekäinpfung des Antisemitismus nicht zu stören. Um so größere Ueberraschung bot uns die den Frieden störende, schroff ablehnende Resolution der Ortsgruppe Beuthen des Central- Vereins auf den Vorschlag des Gerneindevorsiandes, welcher die Organisierung der gemeinschaftlichen Abwehrarbeit aller in Betracht kommenden Verbände bezweckte. Zio nistischcr Gruppen verband Obe rsehtesleo Dr. ,Wcißmatm. Zionistische Ortsgruppe Beuthen Dr. Fränkel. re ,)( in 11t \\ A sa V׳ o L ti S al *l s< a! u JT k Z J־ s׳ d F I ת

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