Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 104 (14.12.1923)
- Date
- 1923-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 604 JUEDTSCHE ■ RUNDS'CH AU Nr. 104 י Es Ist *erbeten, in tief Crenatlierstraße stclai zu bleiben Ein merkwürdiger Prozeß. Berlin. (J.T. A.) Ein interessanter Prozeß fand dieser Tage in Berlin statt. Nadh einer alten Polizciverordnr.ng ist Stchaibleiben in den Straßen verboten, wenn dadurch der Verkehr behindert wird. Die polizeiliche Praxis geilt nun dahin, Leute, die durch Stelienblciben den Verkehr behindern, zum Wcitcrgchcn nnfzufordern und erst dann, wenn dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird, polizeilich cinzuschreiten. Im Gegensatz lüer/u sind eine Reihe achtbarer Bürger, die zum Teil aus dem Gottesdienst einer Synagoge in der Cirenndierstrallc kamen 11 ud angeblich stellen geblichen sind, von der Polizei mit .Strafen bedacht worden, weil, wie der als Zeuge vernommene Polizeibeamte aussngte, der Hauptmnnn des Reviers angeordnet habe, in der Grenadierstraße und Unigcgeud von einer Aufforderung zum Weitergehen nlr/iischen und jeden Stchcnblcibcndcn ohne weiteres zu sisticrcn und zur Strafe zu bringen. Die Strafkammer des Landgerichts, bei der gegen die Hnftstrafc Rekurs eingelegt war, schloß sich der Auffassung des Verteidigern der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr, Klee, an, daß den Iktroffenen völlig das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt habe, daß das Vorgehen der Polizei eine durch nichts gerechtfertigte Märte bedeute und sprach sämtliche Angeklagten frei. Eine Interpellation über Abwanderung der jüdischen BcviiSUcruug aus Posen Warschau. (J.T.A.) Der Klub der jüdischen Abgeordneten hat im Sejm eine Interpellation über die Lage der Juden in der Provinz Posen cingcbracht, in welcher darauf hingewiesen wird, daß ganze Gemeinden zur Auswanderung gezwungen werden. In vielen Städten gibt es überhaupt keine Juden mehr. Die Synagogen sind von der Bevölkcrung des Ortes im Besitz genommen und in Kinos und Theater uingewamlelt worden, Der Klub der jüdischen Abgeordneten fordert, daß in allen solchen. Fällen der Gesamtbesitz der aufgelösten jüdischen Gemeinden auf die jüdisehen N a c 11 b a r g c m e i 11 d c n übertragen werde und nicht in die Hand derjenigen falle, die durch ihr Vcrfolgnngssystcm die jüdische Bevölkerung zum Wegzichcn veranlaßt haben. Die griechischen Wahlen und Saloniki er Juden Saloniki (J.T, A.). Der Revolutionsrät Zaphirics in Athen hat den Salonikicr jüdischen Zeitungen die Schaffung eines besonderen jüdischen Sektors für die Juden Salonikis mitgetcilt Die konstitutionellen Rechte der jüdischen Mitbürger sollen auf breiter Basis gesichert werden. Die Regierung habe den Salonikicr Juden vier Mandate im neuen Parlament garantiert Laut diesem Zirkular ist der jüdische W.ahlscktor als unabänderliche Tatsache anzusehen. * Saloniki, (J.T.A.) Der jüdische Oemeindcvorsiaiid hat in einer Sondersitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten Gattogno die Teilnahme an den Parlamentswahlen be• schlossen. Hierauf hielten die zionistischen Vereinigungen eine Protcstvcrsammlung ab, in welcher eine Resolution gegen die Wahlbeteiligung gefaßt und die Stellungnahme der jüdischen Gemeindevorstehung mißbilligt wurde. Auch die jüdischen linken Sozialisten haben eine gleichlautende Resolution gefaßt. Ausweis der Zionistcnsteucr-Eingänge vom 7. bis 12. Dezember 1923. Orte Kontingent Eingang vom 7. bli 11, Oenimteinganjf für 4. Quartal ncrlin 3000,— 137,75 9S7.75 Dortnvu nd 50,— 3- 3,- Dresden 150,- 4 11,25 Düsseid orf 200,- 3,- 3,- Frankfurt a. M. 1000,- 29,- 33,20 Freiburg 10,- 3 — 9,55 Glogau 6,— 1,— 1,— :Halbere ladt 95,— 40,— 86,- Königsberg 219,— 3- 16,40 Liegnitz 25,- 1,- 1,-!Magdeburg 150,— 48,90 97,10 Mannheim 45,- 21,— 41,— :Nordhansen 35,- 15,75 18,25 'Osnabrück 45,- 88,— 88,~ Oppdn 30,— 11,50 42,10 Rattbor 30,— 84,— 84,— Zwickau 64,- 78,40 78,40 von ein z. Zionisten 300,- 31,20 139,20 Ferner: Sonderependen aus : Zwickau 730,- » « Berlin 420,— Eingang vom 7. bis 12. 12. 23 . 1 1753,50 Goldrsik, Gesamteingang für das 4. Quartal: 6055,39 davon durch Ortsgruppen 2667,31), .־ui Sonderspenden 3388,—. Berichtigungen zur Zionistensteuer-Statistik aus Nr. 102. Aus Cöthen sind nicht 30,—, sondern nur 26,— für das vierte Quartal, aus Magdeburg für das dritte Quartal nur M 3,— «ingegangen. Die Addition ist dementsprechend geändert worden. Wir stellen an Hand des vorliegenden Ausweises gern lest, daO cs eliitgc unserer Ortsgruppen nwglkh gemacht haben, mehr als das Linen autcrlCfjk Kontingent mdznliringen. Wir nehmen diese Tatsache als Beweis düiiir, da׳l cs bei wirklich gulcm Willen unserer Gesinnungsgenossen nicht schwer sein kann, die geringen Forderungen der Zionistischen Vereinigung zu eriülkn uml Ihr endlich die Möglichkeit einer durch keine materiellen Sorgea gcliitatcn positiven Arbeit m gehen. Wir müsst» daher annthacn, daß cs bii diesem guten Willen übend! du mnngclt, wo trotz unserer viel• lachen dringenden Biürn anscheinend auch nicht der geringste Versuch Ilir die Aufbringung der Zbaistensteuer gemacht worden bl. So vermissen wir Antworten und Eingänge aus folgenden Gruppen: Allenstcla, Augsburg, Brandenburg, Bielcleld, Bonn, Ercunsdiwcig. Bremen, Bruchsal, Eydtliuhaen, Gclscnkircbcn, Bagen, Itaiam, Bmncln, Heidelberg, IUndcnburg, Insterburg, Karlsruhe, Kiel, Köln, Hiinehen, Plonhelm, Plauen, Schbalenke, Stultgurt, Waldenburg. Wir!ordern nochmals diese and auch die anderen Gruppen, die ans die Aufbringung der Zionistenstcucm In Aussicht stellten tal, s 010 r t die Beträge tlnznziclicn nai uns za übersenden. Der nächste Ausweis erscheint in Kr. 105 der ,Äschen Bandsehen״. Wir hohen, daß bis doliin alle Zahlungen Ihr das 4. Qnsrtel von s ä 1a t liehen Gruppen clngegaagen sein werden. Wir machen noch darauf aulmcrksam, daß wir 111 den nächsten Ausweisen auch die Namen der Zlonlstcmtcucr-Zabkr (ub 2. Stute) vcrÜllcnUlclicn und nur ent aus• UrUcklicheu Wunsch des Einsenders davon Abstand nehmen werden, . Zionistische Vereinigang ihr Deutschland. ßr.1» l 4%1lWi *י f j ׳*״׳*jk l\.j || M ■■*'h U Böfö! rWi!n«r!rGAniptUFoho Vorhlnlftun״, Uarlin C10» 8 Tolophnm ׳/«MHrmti RiJt/K! * i'o*ttinhoorftoofkto if©« iWA) n*rMn NW ן Krvvfirtnvftrvmltnm{1 «lor H. 'A, V fc>omjabo»d, U«n 24, D0*Mv!1>nr tb&adl Uhur im tJnlrutr. ä Yortrac*ahf tM der 11. ’/״ f. Yortffts? Dr« Arloaoroffi Uran!]{irobiom iiitraf KdlosUlilli*4! Z. 3, t, If«0h4wit öenieinsimep Be*uoh UdH Yorirftr^l'^rut tief tl. 21. V. Im!Btcl&itafaMal• lU80rv׳ierio i'lMn« an Uor Kämet, Sonntag, ׳Ion 10. Doromba? ▼r>rmitt**r• liY* Uhr L*t1U Au Miitruag dos iet DfTlUer WaiU«, in tior ״Alhambra", Kur/ltritomlnmm. US. Montag «Ion 17. Df •.mrnlior *l!TntU 8 Uhr fcruppo dpr Zionisten eou dem 0*ten, M) Herr Dr. Uoicuatelm Im •ntUien uni poltUnekea ÜmiiAuii• proxom de9 Judoatiim»,** (3nippt Weit and ChaTlftttenharjf, im flnimanrtfiftal 40« Z*hn&fvttb•a•44, ÜUlowtitr. 1Q4, abowlft ־pünktlich H1/, Uhr (iemolnrAma 06*f»r*lT*r׳ffs:;vt51lMn?- Ttgoßorrirmtss:! 1. Boriolitor«!.׳»‘tnnp׳ tibor Intrt|l«ktne<-jlonKn*ar1v<äanV:flr1ft0 in und FrauHnrt a. M. ,«I. 11rr*r>11!1Qfft*«r1n<c fltmr dio ״röHitafitfo V0rpint1T״nr( den* Orl^cmpjion Wont und Chr»rloUcn1>urg. ß. Rollern dio lirrli 110r Ort ־!״;ruppfMi zn ttntom IU־rtrkKv#rban<1 Im Hinno der * .!op V. f. D. ru׳mn1monjj׳oWt nhm? 4. Tn 'woiclmr W0D0 karhn Auf Of.Gsl der in dov (fruppo Wo«! don Monaton Rowonranen i’iiishrunRrtn «Ho Agitation in H6rlin *Infoh^pTührfe und vertieftiw«rd9n, wio bnrm מוחן״יאחו toro die Arboit vorhildljph für »110 doatfiohan Ort י• rmjtnon der Z. V. f, D. u-tffdf'nt h. Wahl <\cn Vor*tnmd»1 und 1*rlo*liR־nn:T <!*-r UogiHarirt״. d, lUbHmit be«n1ulo.־er Knmmltiioftoni a) ftlr PfopA!rondaD״r»rn, b) Tür Finatiel ra!ron, o) für rftlllatin»- und ICrren 110je»inodfragou, d) r.nr VwrbruUuujf «loa Abnnnomont• dar ״JüdDnhon KunHwrhnn“ \md ftn׳UT0r Orn:auo, d) aur Vefo.n*UHu11g 4ron Zirkel• rrrBflntmluncon. 7. Yorerliirdono». K« ־wird wiMlorholt darauf »nfmorHiom *omAohfc, dA8ditVer«tmra1a0|r pünktlich xnU Ablauf do§ »kadomlaohan YUrtvl• btgixm«. Abeadi tThr Z. 3, ▼, Heohawer, Önppa ChtTlott»«%arr Bttnch «3©f Qtöorahtriammlung dar % י nippt» \V0«t noA Charlottoobuig Im OatmAimeaal, BÜluwtir. 104 *ta&d« 7H UKr Ztos!9flBnh«^oxt»liRttR«1|)4 Firt«! FaTre-Klos, Im Bnr«*an, Morburar r Ktr, 11, pt. Vortrag da* Chawer S. Friodmanni 1(1״» Pol'tlk I« Pll5i1l1»,w Er*choinon d«r Partolgonosnon nnbodln^t nuiwandlgl hüttwoeb, dou 10. Dor^mltor »btnd* 8 Uhr Oraprt fl*f, Tzand*h*rf0r Rtr. Herr Dr. Üana lUochi .»1>le Ta^t dar Makliiljlor,1• »band« 0 Uhr t. 3. y. Harliawaf, Crwi'pa Tl^rllnOUtl# Im Heim. H״n DoroDtMr. f׳H Frau Df. Zndikt ״Ül« Orandl»^• doa 4td«ttt«01fl,'* abtnd• Uhr Z. J. T, nMiawar, Onfitit fhtrldttanliiff im 1U*taurf־nt HuhUnd, Pavl(rnV|da*» 5 TlarrDr. Bah! 1(1״»!*man »nd 4*» Jtfdankum.“ Un«t4» wDlhomniML Dounor«tajr, don '20, pnromhnr abanda 9H Uhr Ornrpa dar Ztonlßtan 10• d»m 0*le>n dar B, Z. T. Gr 0־or «n׳H daa T,np:ouh»n*«'״. Klol*t»tr. t'b V0Hra?»tHrnd. Korr!,rof. Dr. Btermatmt (J8diifh»1» Totk! W• bl»• d»t** Büunaloüd, dou 22. Doromhor imoh ÖabbftthauigaDg ZI0ttf*1Urlt»r Jofi׳rm1?»ra1i1 1T4eh1w«r Br0fbr*w«ndrr8n• hf# HfHtwnoh. dort Hl, Doxamhar. Kdh״rn* dnrrh ])rfoh Kttiaoh, Dlllawatr, 40• Kal1»nd»1rf tOOd. Mittwoch, den 2d, Doa^mbor flrnppa 0*1 Dor Ornpptualtand I&1H am, Jodon Dirtns)n0׳־\hrt011, M l*Hr Oaljßiiliflier KY. Bari!«, Frl»1rfoh*t^ 1W ^1'1)\:יר.יי• ,'Ir Indiarh« Hitora^nr. אגודת בהי סכר לישראל J!11118:11 t!r Schnlrereln 11. V., Seyüehtr. 8 G o.oha ttsführemteiVr», .tan׳!« mit nt(׳״«! Harr Stn׳tUurwt Kurt!{•R1n1*rat«in, Orunawald, Krio l r»ah*fuhor*tr, 02. nebrümlt« Kpraalitrlial• in liarHn (XI, Anfnnhm» in dar»!*•ritf^f'hrltlortfm Klog^on kann r»׳voh 11מ1 «ו1ו>«זק*ז1י>\*1ז fDm SohnHaitor Horrn H»r*fcrOn indarf.alt orfoltjon. Hnraabaalti Mittwoch, »boii'l« fl Uhr, in der Hooh״obt11a <Ür «Ha \VI«*»n10h»(k (10■ Jodostaro•, AMSU׳*r!o«tin0o 14,1, JfPtU*rka Ora»<1*fl1tt1« Wm♦# Aotknnlt erteilt dl״ Rol-ü11‘ »t«-rin, Pr^ulfln Hotty Xnndan, Moat»־g und MiUwueh H4—S Uhr. lAUr.ow bQ14, 2(1dl*rhe Clr*4d»fh«!a 0*t. Aniknnlt rrteilt dl■ Pchul'o terin, FrtaUin Rnaonni LUhtenat•!!! Freitag 2־־־t Uhr. Pankow tJTd. JQdlmhnr Ktndfrrarto■ €h»rlnttrabnrgv KOifrlner Rbr, B«at4gr«nt .Turhrtr*. — Monta;; bi* Kr itaij* von —׳י^! Uh». Jüdi*ch*r Klndcretrtpa סאrd. UomnthwUr Str. L bei Hopp«. •־־> Hont•! hi* Freita<i von י alO^ID Uhr. Judlflchör KimUrfurteii Süd, im Kootoaront *PAliephofor*, Doqah• Eck• UoutoretraOo. — Montag bi• Freita«! von MIO-Hl Uhr. JüII1>'lu r Kindarsr&rtea 01t, Jabloaikiitr. 23, — Montag bi• Ftoitftgt von Uhr, Jüdischer hitidrrgurtp» Waat, Uhlnndotr« U6/U7, b«t 7tlr«i« *— Montag bi» Eieitnrr* von Uhr. ,I|!!l!illllliil!llll!!!ill!illl!!!!lllil!l!!!!l!ll!llll!lilll!l!!!ll!llillllll!!ll!lllllll!!lil»l!lll!illll!lll | An unsere Inserenten! 1 s Uunor Anzoigenprela botr> ab g f| 15. Dezember 0,25 Goldmark für dia 8d»l» |j I| gospaltoao Zelle, für Famllle&.Aazelgen El : und SLellengcsucko 0,15 Goldmark. M f-' £״” | Verla« ״JSdlsdio Ruadsebau4 | ־; Berlin W 15, Säcltsiseho Stra Oe 8. p ''5!!!ill!!il!lllll!ll!ll|:l!!l!||:||||ll!|Ii!||llll!lll!!||||l|!|||l»|llli«llll||illllll||||!!ll!li^^ Mißliaiuüiing eines lütiisclien Arztes durch die Rclelisweiir Zu dieser in Nr. V) der .,J. *R.“ veröffentlichten Mit• teil« 11;.׳ erfahren wir, daß cs sich um den Arzt Dr, Guhraticr in Tambach-Dilthny (Kr. Gotha) handelt. Dr. Guhrancr ist bereits wieder aus der Haft entlassen, da sich die Beschul• digimgen gegen ihn als haltlos erwiesen haben, Wege« der MiMi..!■!!.;lagen ist eine Untersuchung ei.!geleitet. Kunstnadirlclden Wir machen schon jetzt unsere Leser Auf dis Ausstellung des jüdischen Malers S/achar Beer Rybak im Wintergarten des Logcnliauscs, KIeistr.tr. 10, aufmerksam 1 sic wird am 22. Dezember eröffnet werden und Bilder von Pogromen, au:: der alten jiuLsdicn G.is.e, Landschaften und Porträts enthalten. Ausführliches Eingehen auf diese Veranstaltung behalten wir uns noch vor. ♦ Zu der jüngst In Nr. 102 der ״J, R.'* erschienenen Di• snrechung über das von Theodor L h re 1t s t e i n Wien Im Kunstverlag Albert Keiuic hrrausgcgebcito prachtvolle Bibel• bilderwerk: ״Das Alte Testament 1 m Bilde" Sei noch uaehgetragen, daü der Preis des In Ganzleinen gebun* denen Exemplars OSOtXAJ öst Kr. rund 60 Goldmaik beträgt, AK. Voa indisch-ImK::rcl!cr Arbeit Die Kulturarbeit hat nach der ersten Periode rein 1>or tischcr Arbeit der Zionistischen Organisation ihren Platz inne'" halb des Arbeitsgebiets der zionistischen Gruppen erobert Die liebraisclicn Kurse, dann die Sprachschule die Grundschulen sind Zeichen dieser Tätigkeit 4]’ man den jungen Zionisten die Pflicht der Beschäftigung m! den jüdischen Kulturwericn zu predigen begann, da netzte allgemein eine eifrige Tätigkeit ein. Die hebräischen Sprach, kurse wuchsen aus der Erde; nicht nur dort, wo geeignete Lehrer an Ort und Stelle waren, wurde gelernt, sondern gj, nicht leiten holte man sich die Lehrkräfte eigens hin, damit die Kurse sachgcrnäB abgdialtcn werden konnten. Der ״Rath** war eins der meist gekauften Bücher, und sehr bald konnte man die Frage: ״Ist der Landmann im Hause oder auf dCDl , Acker?" in sephnrdtschem Hebräisch beantworten. י Die meisten der jungen IRker empfanden dann aber auch, dnß sic nunmehr genug für die Pilege jüdischer Kultur getan; halten und wandten sich nut gleiclier Intensität anderen Betütigungcn nalionaljiuüschcr Gesinnung zu. DD Kurse schrumpften J merklich zusammen, wenn auch die größeren Ortsgruppe I sie, so gut es ging, aufrecht erhielten. Es gehört zu den 1 Verdiensten des Jüdischen Schulvercins, dal) tt; an Stelle der extensiven die intensive Arbeit gesetzt hat Auch i in seinen Kursen pflegte die Anzahl der Kursusteilnehmer sich im Laufe des Semesters zu vermindern; aber sie stellten An. " spiüelic an die Arbeitskraft und -fieudigkcit der Hörer und 1 brachten cs dahin,daß eine Anzahl von ihnen wirklich hebräisch 1 lernte, so daß sie die moderne hebräische Literatur selb, ständig lesen konnten. Der Schulvercin hat noch «in Verdienst Er hat den Lehrbetrieb nicht lediglich auf das Verständnis moderner Au. toren abgcstellt Alicidings; auch schon um Achad Haam oder Dialik zu verstehen (von den Autoren der Haskalazdt ganz zu schweigen) ist cs unumgänglich nötig, die Sprache der Bibel und der 1 lag!!ada zu kennen; und wie weit dieser Gesichtspunkt dabei ausschlaggebend war, als die Sprachschule Ihren Lehrplan nach dieser Richtung hin erweiterte, soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls litt der Unterricht in den Sprachschulen daran, daß ein intensives Keimen• lernen der Quellen jüdischer Kultur nicht angestrebt wurde. Es braucht aber nicht bewiesen zu werden, daß hier eia Vakuum bestellt Noch jede nationale Bewegung hat au« innigem Versenken in Sprache und Kultur der Vergangenheit ihre Kraft gezogen. Man hat wie Jizehak die Brunnen wieder geöffnet, die der Vater gegraben und die Feinde verschüttet hatten — und hat lebendiges Wasser darin gefunden. Man hat sich beschv, ingen lassen von dem, was die Ahnen gefühlt und geschaut haben. Man fühlte nicht nur ihr Blut in seinen Adern, sondern auch ihren Geist, ihr Empfinden, ihren Rhytmus. Und wir? Wir Juden? Wir ״nationale‘* Juden? Was die nationale Bewegung der slawischen Volker, f'lnn• lands — um einige Beispiele zu nennen — solcher Kulturarbeit verdanken, ist bekannt. Doch so stark ihr Einfluß nach innen war, die große Welt blieb unbewegt davon. Anders bei uns. Die kulturellen Guter des Judentums sind schlechterdings aus dem Bewußtsein, aus dem Gefühl der zivilisierten Mensch• heit nicht fort711dcnl.cn. Das ist ein banaler Satz — aber einer der zahlreichen, die dennoch immer wieder au-gesprochen werden müssen. Denn wo finden wir in der nationalen jüdischen Bewegung, in der Bewegung der jüdischen ״Renaissancc“ den ernsten Willen zur Versenkung in den Quell des Judentums? Wer das a!>er nicht tut und dennoch über!Tagen jüdischer Lcbensgcstaitting und Kultur mitsprechen will, wiid nur schöne oder weniger schöne Phrasen machen können. Was Jaluhunderte lang der Kern des Denkens und Fuhlens eines Volkes war, darüber glaubt man kcnntnislos zur Tagesordnung übergehen ra können? Glaubt ein Volk, sein Volk lenken zu können ohne Mitwisser!, Mitempfinden dessen, was ihnen Inhalt ihres Selbst ist? Wenn cs die Reform versuchte — wohl. Es paßte zu ihrer Tendenz. Sie wollte Judentum zurückd,■äugen und das entstehende Vakuum durch europäische Kultur au.hdien. Aber eine Bewegung, die die ״Assimilation" bekämpft, die radikal-jüdisch sein will und die Schiificn des eigenen Volkes nur In fremder Sprache durch die Brille goyisciicr Betrachter und christologischcr Kritiker lesen gelernt hat? Es will anders werden. Kleinere Zirkel hier und dort linden sicli zusammen, die Kultur ihres Judentums kennen zu lernen. Nicht als etwas Abgeschlossenes, Versteinertes, und nicht als eine Angelegenheit der Vergangenheit Nicht als etwas Fremdes, dem man objektiv musternd gegenübertritt Sondern sich selbst kennen zu lernen in dem geistigen Werden seines Volkes und aus dem, was geschehen ist, zu erkennen, was sein wird. Wer willens ist, an unserer Arbeit tcilzunehmen, wird gebeten, sich an Lazarus Barth,. Berlin NW, 23, Josef Haydn• straße, zu wenden. L• 8■ Zionistischer Bezlritsvcrband Thilrinccn Am Sonn lag, den 10. Dezember 1923, findet in Gotha (Gewerbeveremshaus, Schüizenberg) eine Bezirkstagung statt Tagesordnung: 1. Referat Dr. Alfred Landsberg•. Die politische Lage und die Aufgaben des deutschen Zionismus. 2. Referat Br. Fritz Njack, Gotha: Das Galuthproblcnf im Zionismus. 3. Aussprache.. 4. Verschiedenes. Im Rahmen der Tagung wird Gelegenheit zu einer Be• sprechung der Jugendgruppea gegeben werden. Eine größere Mittagspause wird nicht gemacht Um die Zeit voll aus• zunutze!!, besteht die Abs,ärt, durclizutagcn. Mundvorrat!« deshalb mitzubrmgeu. Die Tagung beginnt um 9 Uhr_ v«>r• mittags. — Anmeldungen und Aimagen an Dr. Noack, Gotha, Fricdricli-Jacob-Str. 2. Bulletin 0' t'oe Pcks'dne Economic Society Xo. S, Juli 1123 (*׳»gl.) Das Heft enthält den als separate Broschüre erschienenen Aufsatz von 1 looficn über die Wäiiruiigsfrage. ferner du von uns in Uehrrsetzung initRCteilten Artikel von S. l'ewsn« über den lir.fvnbau, ferner eine Fortsetzung tler Ergebnis** def von der P. E. S. an;gestellten Iknilsstatisbk, Lktiea über die jüdischen Aerzte und ApolbckciverciiugUng u. a. Die Hefte sind doppelsprachig. Der ganze Inhalt wird Sowohl englisch als hebräisch gegeben, wir erinnert! noo!• mals an unseren Appell,, der rührigem Gesellschaft bei*!*treten, deren Arbeiten von großem Werte sind.