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Jüdische Rundschau · 1923-11-30 · Heft 100-101 (30.11.1923) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 100-101 (30.11.1923)
Date
1923-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 584 JUEDiSCHE •RUNDSCHAU Nr. 100/toi ' Schurr ringen die palästinensischen landwirtschaftlichen Arbeitcrsicdluhgcn mit den objektiven Bedingungen der Wirt- Schaft des Landes um ihren Bestand. Die Summe der Produktion der jüdischen Arbeitcrlaml- Wirtschaft ist im absoluten Sinne rentabel. Würden wir uns einen Moment den palästinensischen Jischmv als Produktionsmul Konsumgenossenschaft denken, Würde die Summe der auf unsere landwirtschaftlichen Siedhingen entfallenden Produktion das heutige Pixxlukiionsquantum’ kaum erreichen, eher von ihm übertroffen werden. Selbst• verständlich müßte'die Bewertung der Produktion eine immer solchen Genossenschaft gemäße sein. Eine Gemcinwirtschatt, welche für die Deckung der ntcnschliehen Bedürfnisse und nicht für den Markt arbeitet, würde als Kriterium der Bewertung nicht den fiktiven Marktpreis, ,sondern den Arbeitswert und Nutzwert in Betradit ziehen und würde den Umtausch der Gitter der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion auf dem inneren Markt nadi diesem Kriterium durchführen. Es soll aber die Tatsache nidit verschwiegen werden, daß dieselbe Landwirtschaft relativ, das bedeutet im Rahmen des heutigen Wirtschaftslebens und Marktes, nur mit größter Anstrengung und unter vielen Entbehrungen ohne Verluste arbeiten kann. Diese Tatsachen mußten zum Gedanken einer Selbstversorgung der Arbcitcrgcscllschaft im Lande, zum Gedanken des inneren Marktes führen. Dieser Gedanke fand seinen Ausdruck in חברת עובדים (Clicwrat owdim), welche als die Produktions• und Konsum- Genossenschaft der palästinensischen Arbcitcrgcscllschaft ihre Produktion in erster Reihe für die Deckung ihrer Bedürfnisse sind nicht für den Markt gestalten soll, ihren Güteraustausch 'auf einer neuen Bewertung, die von der fiktiven der biirgcr* liehen Gesellschaft alnveidit, aufbauen will. Wir wollen absichtlich von den sozialen, gemcinschaftsbildenden, allgcmcinmcnsdilichcn Werten einer solchen Ein- Stellung absciicn und sic hier ausschließlich vom Gesichtspunkte der harten Notwendigkeiten des palästinensischen Wirt- . »chaft!־,lebcus und des Aufbauwerkes betrachten. Die Privatwirtschaft hat nicht nur quantitativ versagt, was vielfach hervorgehohen wurde, sie versagte auch in ihrer Methode im Angesichte der besonderen wirtsJiaft iehen Struktur des Landes. Die Arbcitcrgcscllschaft im Lande hat sielt die Aufgabe gestellt, aus eigenen Kräften heraus an den Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschaft heranzutreten, die auf koopera- . tiver Basis die Landwirtschaft mit der Industrie verbindet und die Deckung der Bedürfnisse dieser Gemeinschaft durch den inneren Markt und Selbstversorgung einerseits, den weitereu Ausbau, Erweiterung und Förderung der עליה andererscils im Auge hat. Ls soll eine immer sich erweiternde, viclvcrzwcigte Wiit- Schafiscinhcit werden, die zur Verwirklichung des Grundgedankens der palästinensischen Arbeiterschaft, zum Aufbau des jüdischen a r b ei tc 11 d c.n Palästina führen soll. * Wie stellt sich diese Gcmcinwirtschaft zur gleichzeitig bestellenden Privatwirtschaft, wie gestalten sich aie gegenseitigen Verhältnisse? Diese Frage wurde vielfach aufgeworfen und verschiedenartig beantwortet. Der Versuch der palästinensischen Arhci'.crgcsellschaft ist ein ganz neuer und eigenartiger und der Glaube an eine wiftschaftliche Gcmcinschnftscinhcit im Rahmen oder neben der Privatwirtschaft wurde und wird von vielen als Utopie bctrachtet. Das sozialistische Schema der Wirtscliafbentwickhing stützt ׳ sich auf den Klassenkampf i n der Privatwirtschaft uml siebt die Ueberwindung der Privatwirtschaft nur in der politischen Machtergreifung. Die organische Entwicklung der Wirtschaft jedoch verleugnet jedes Schema und schafft •auf ihrem Umwertungswege Uebergangsformen, die den Weg für einen Neubau ebnen, die Wirklichkeit hat den konstruktiven Gedanken wieder in den Vordergrund gerückt. Das Ncbcncinanderbestclicn der beiden Wirtschaftsformen ist als eine zwingende Notwendigkeit, als Tatsache gegeben, es gilt die nützlichste und vernünftigste Form für diese Wirklichkeit zu ־ finden. Selbstverständlich müssen in den Beziehungen zur Privatwirtschaft auf ihrem Boden ihre Methoden verwendet werden, Institutionen geschaffen werden, welche diese Bc- Ziehungen fruchtbar gestalten können. Es besteht für die Gcsamfwi'rtschaft der Arbcitcrgescffschaft als Einheit die Möglichkeit, sich im Konkurrenzkampf als Ganzes zu behaupten und auf organischem Wege zur Basis des Kolonisations- und Aufbauwerkes zu werden, sic hat die riesigen Vorteile der Vieiartigkeit des Großbetriebes und der - Zusammenfassung zugleich. Die Arbciterwirtsciiaft Ist aber wie eine jede andere ein Organismus, in dessen Adern das Blut des Kapitals strömt; die Entwicklung des Organismus kann nur dann möglich sein, wenn das Herz einwandfrei funktioniert und die Blut- Zirkulation reguliert, wenn immer neue Nahrung das Blut, erneuert. Diese Funktion iin, Organismus der Arbeiterwirtschaft erfüllt ihr zentrales Finanzinstrument: die Arbeiterbank. * Vier Hauptaufgaben lasten also auf der Arbeiterbank: als erste die Finanzierung des Aufbauwerkes durch Aufbringung der nötigen Mittel, als zweite die Regulierung der Kapitnlsbcwcgung im Innern des Wirlschattsorgaiiisnnis durch Konzentration^ als dritte die Gestaltung der Beziehungen nach außen zur, Privatwirtschaft, soweit sic finanzielle Form annehmen, als vierter die Akkumulation, die Ansammlung des sich durch Wirtschaftscirtwicklung vermehrenden Kapitals. Bei der Erfüllung dieser Aufgaben hat sich die Arbeiterbank von zwei Gesichtspunkten leiten lassen, dem der kommerziellen Sicherheit einerseits und dem des kolonisatorischen, nationalen und sozialen Gcsamtintcrcsses andererseits. Es war dies das immer wiederkehrende schwere Dilemma der palästinensischen Aufbauarbeit überhaupt, welche immer zwischen der Scylla der kommerziellen Unsicherheit und Philanthropie und der Charybdis der nationalen Unproduktivitüt schwankte. Es war mitunter eine der schwierigsten Aufgaben der palästinensischen Finanzinstitutc ihre Klienten überhaupt au die kommerzielle Methode und Verläßlichkeit, an die phiianthropischc Basis einer solchen Institution zu gewöhnen. ״ Es spielten hier immcjr höchst schädliche psychologische Momente mit, gegen die cs anztikäinpfcn galt. In dieser Hinsicht war die Arbeiterbank in einer viel besseren Lage; die Arbeitergescllschaft stellte sich sofort mit größtem Verantworungsgefühl und mit erforderlichem Ernst zu ihrem zentralen Finanz- Institut. Nichtsdestoweniger war die Synthese solch verschiedener Gesichtspunkte schwierig und gefahrvoll. Daß sie dieser Aufgabe gewachsen war, zeigt die Bilanz, die wir aus ihrer kolonisatorischen »md kommerziellen Tätigkeit und ihren Erfolgen ziehen können. Das Ineinandergreifen der beiden Momente bis zum Verschmelzen zu einer Einheit war in der ganzen Tätigkeit dec Bank fühlbar und führte zur restlosen Lösung ihrer Aufgaben, welche in den besonderen Verhältnissen des Landes und der Entstehimgszeit der Bank komplizierter waren, als sie erscheinen mögen. Schon die Finanzierung des Aufbauwerkes der Arbeiter* Schaft als der Aufgaben wichtigste stellte die Arbeiterbank vor die!•'rage nach den Quellen des Kapitals, nach der Methode der Verwendung und die Regulierung seiner Bewegung. Die Bank stand vor, nur ganz begrenzten Möglichkeiten, da das Vertrauen zti ihr in der Entstcliiiiigszcit nicht groß genug sein konnte, um fremdes Kapital zu konzentrieren und mit seiner Hilfe zu arbeiten; es mußten also die Energien der nationalen Bewegung in der Guluth nutzbar gemacht und die größte Anstrengung der Arbeiter iin Lande ln Anspruch genommen werden. Nur durch schwere Opfer der Arbeiterschaft im Lande konnten alle Aktien verkauft und die nötigen Summen aufgebracht werden. Vor nicht langer Zeit konnte die Arbeiterbank an die Vergrößerung ihres Aktienkapitals herantreten. Auch das von der Zionistisdicn Organisation der Arbeiterbank geliehene Geld konnte vollständig sichergcstclit und vertragsmäßig (5 יי;«) verzinst werden. Welchen moralischen und nationalen Wert diese Art dd• Aufbringung der Mittel hatte, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Jedoch der Wert einer derartigen FinanzicrtmR steigt besonders, wenn wir die Produktivit.it des immer wicdcrkehrentleii Kapitals, die Methode der Verwendung, in Betracht ziehen. Für ein FinanzinstiUrt wie die Arbeiterbank genügt es nicht, die größte Umsicht walten zu lassen, um sich vor unvorhergesehenen Verlusten zu schützen; cs gilt auch, die Initiative der Arbeit zu ergreifen. Diese Tätigkeit war cs vorwiegend, die die Bank zu einem der wichtigsten Faktoren der Aufbauarbeit gestaltete. Durch eine solche initiative Rolle, namentlich in der Bautätigkeit, werden private Mittel in größtem Maße herangezogen, wird Arbeit geschaffen. Alle diese Operationen müssen auch, soweit sic mit Erfolg und Umsicht dureimeführt werden, und dies war der Fall, das Vertrauen zur Bank steigern und ihr ermöglichen, auch mit fremdem Kapital zu arbeiten, welches sonst auf dem toten Geleise liegen bliebe; diese Zukunftstendenz, ist durch Steigerung des Grundkapitals auf dem Aktienwege bedingt Der Schwerpunkt der Arbeit liegt aber in der Regulierung der Kapitalsbcwcgung, in der Methode der Finanzierung. Durch möglichste Steigerung des Umsatzes muß das Kapital in alle Adern der Arbei!erwirtschaft fließen und ihren Organismus beleben. Die landwirtschaftlichen Siedlungen sind im höchsten Maße vom Kredit abhängig, sie müssen über die nötigen Mittel in der entsprechenden Jahreszeit verfügen und so kann die Verspätung in der Auszahlung des Budgets der Zionistischen Organisation manchmal die ganze Arbeit unmöglich machen. Flicr mußte überall die Arbeiterbank einspringen. Es ist selbstverständlich ein weitgehender Unterschied, ob eine gewisse Summe in kleinen Raten der Siedlung ausgczahlt zum Lebensunterhalt der Ar!>: her verwendet werden muli oder die Summe auf einmal erhalten durch Ankauf von Milchvieh, um die Summe der von außen gekauften Milch- Produkte, das Budget der Siedlung dauernd entlastet. Ohne den nötigen Kicdit kann die Arbeiterlandwirtsdiaft nie aus dem verzauberten Kreise der durch Geldmangel verursachten unproduktiven Ausgaben licrauskommcn. Selbstverständlich reichen die Mittel der Bank nicht aus, um hier eine vollständige Umwälzung durchzuführen, sic brachte uns aber einen großen Scliri't vorwärts, wies den Weg, der za beschreiben ist, und zeigte sich dazu geeignet, ihn selbst zu beschreiten. Die Arbcitcrgcscllschaft erstrebt aus den am Anfang genannten Gründen die Schaffung eines vollständigen WirtschaftsorganUmus und dies ist auch für ihre landwirtschaftliche Tätigkeit maßgebend. Die kooperative Bewegung in der Industrie soll der Arbciterwirtsciiaft diese Möglichkeit gehen. Auf konstruktivem Wege (Kredit, nationale Mittel) sollen Produktionsmittel in die Hände der Arhcitergcscllschaf. gelangen. Die Förderung der industriellen Koopcrativbcwegtmg ist aber auch aus itationai-kolonisatorischeii Gründen notwendig, da das Privatkapital sich mir im ganz geringen Ausmaße.am industriellen Aufbau beteiligt. Die Arbeiterbank hat durch iure Kredite die Entwicklung dieser Bewegung gefördert und dadurch die Ansätze zu einer Eigeutätigkeit der Arbcitcrgcscllschaft auch auf diesem Gebiete gesell,affen. Diese Operationen waren alle von weitgehenden Perspek* tiven geleitet, sie galten dem Ausbau der souveränen, nationalcn und Sozial neuartigen Arbciterwirtsciiaft. Die Arbeiterbank konnte sich aber nicht ausschließlich von einer solchen weitblickenden Wirtschaftspolitik Jei.cu lassen^ sic mußte auch auf die brennenden umj aktuellen Fragen des Tages antworten, in erster Linie auf das zentrale Problem der Arbeitslosigkeit. Um auch dieses Problem zur Lösung zu bringen, wurde das Organ der Arbcitcrgcscllschaft, derמשוד לעבודות צב־ריות (Misrad lawodot ziburiot), geschaffen, welcher alle öffentliehen und Bau arbeiten in seiner Hand konzentriert, leitet und organisiert und durch seine ausgezeichnete technische Abteihing, durch seine Verläßlichkeit und Rührigkeit zum Haupt- Unternehmer des Landes geworden ist. Diese großartige Institution arbeitet jedoch ohne jedes Betriebskapital ־ und muß, um den Weg zur Behebung der Arbeitslosigkeit zu beschreiten, selbständig Arbeiten übernehmen, Bauarbeiten durch Kredit veranlassen und mit den arabischen Untcrnchmern bei der Uebernahme von Rcgicrungsarbcitcn konkurricren. Nur die bessere Qualität der Arbeit und des tcchnisclicn Apparates kann einen solchen Wettbewerb ermöglichen. Ls müssen immer bei der Uebernahme der Arbeit schon die nötigen Mittel vorhanden sein, und ehe können nur durch Kredit, wie ihn die Arbeiterbank gewährt, aufgebracht werden. Die Arbeiterhank war fast an allen größeren Arbeiten des טיב ד ד (Misrad) betei igtund hat ihm d.c Lösung seine.־ schweren Aufgaben ermöglicht. Durch den großen Umsatz (in einem Jahr 4יי Million Pfund) konzcntrier'.c die Arbcitcroank die wichtigsten Finanztätigkeiten der Arbciterwirtsciiaft, sic regulicrte und leitete die Bewegung des Kapitals, zentralisierte und vereinheitlichte die ■ verschiedenartigen Tätigkeiten. Die dritte Aufgabe der Arbeiterbank sollte die Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse zur Privatwirtschaft sein, soweit sie finanzielle Form annehmen. Diese Aufgabe lastete selbstverständlich nicht unmittelbar auf ihr, zu dem Zwecke schuf sich die Arbeiterorganisation ihr zentrales Handelsiiistitut, die Konsum- und verkaiifsgcnosscnsehaft, den טשבירfliese ffamiclsiiisütution vervollständigt die Kette der Wirtschaltlichen Einrichtungen der Arbcitcrgcscllschaft. Ihre zweifache Funktion müßte sic scheinbar zu schweren inneren ■ Widersprüchen führen, da sie einerseits die Interessen der landwirtschaftlichen und industriellen Produzenten wahren und der Arbeiterproduktion dadurch Entwickluiigsmöglichkeitcn schaffen, andererseits den für niedrige Löhne arbeitenden jüdischen Arbeiten! billig die nö'.igeri Produkte liefern soll. Durch das, tiefe Verständnis der palästinensischen Arbeiterschaft für die Notwendigkeiten ihrer Wirtschaft waren die Voraussetzungen geschaffen für einen harmonischen Ausgleich in der Tätigkeit des משביר auf beiden Gebieten, Der משרד leitete seine ganze Versorgung durch den משביר und dieser war fast immer in der Lage, noch vor dem Eintreffen der Zahhingen die nötigen Produkte vorzusdileßen, was die Organi- Störung der Arbeit hervorragend erleichterte, Dies ermöglichte ihm in erster Reihe, wenn auch nicht ausschließ• lieh, der Kredit der Arbeiterhank, Durch die Arbeiterbank führte auch der משביר seine finanziehen Transaktionen ans (Zahlungen usw.) und die Arbeiterbank diente hier als Bindeglied zwisdien der Arbeiter- und Privatwirtschaft, gestaltete die finanziellen Beziehungen, Die beschränkteste aller Tätigkeiten der Bank war «tu der Akkumulation, der Ansammlung des Kapitals durch st'me Vermehrung. Diese ist auch schwer zu übersehen, da sie sich nur unmittelbar in der Wirtschaft selbst du reit den Kredit Dank vollzog. Die Zusammenfassung dieser Ergebnisse würde uns wieder zur Basis der חברת עובדים zurückführcii und ihre Stärkung durch die Arbcilcrbank klar manifestieren. Das äußere Zeichen der Rentabilität der Operation» der Arbeiterbank war der Reingewinn, den sic im erst» Jahre ihres Bestandes hcrausgcwirischaftet hat. Unübersehbar nidit in Zahlen ausdrückbar, war derkolonisatorische un<j nationale Gewinn ihrer Tätigkeit. # Die Arbeiterbank wurde schon im Laufe einer kurzen Zeit (U/s Jahre) zum Hauptinstrument der Selbsltätigkclt der m. lästincMsischen'Arbeiterschaft, zu einer realen Verwirklichung!, form ihrer Tendenzen. Für dies nationale Aufbauwerk im Lande war sie durch ihre praktischen Leistungen bahnbrechend. Ihre Kraft demnach schöpfte sie bisher vorwiegend aus der palästinensischen Arbeitcrgcse'.lschaft, deren Pflichterfüllung und Verantwortung vor dem Werke die reale Basis der Bank schuf. Ihre Zukunft, das Ausmaß ihrer Leistung, hängt von der Gesamtheit der Bewegung, ihrer Pflichterfüllung und Ver. antwortung vor dem werke ab. Die Reform der Stenern Kürzlich wurde vom High Commisskmer eine Deputation der ״Vereinigung jüdischer Kolonisten“ empfangen, um mit ihnen ein Memorandum zu besprechen, das sie wegen der! Reform des Stcuerwcscns eingerichtet hatten. Sir H. S. sagte der Deputation, daß die ungünstige Lage der Kolonien auf die fallenden Produkteiipreise zurückzulührcn sei und in der ganzen Welt, nicht nur in Palästina, die Farmer darunter leiden, in anderen Ländern hätten diese Einkommensteuern zu zahlen, in Palästina nicht. Der Oscher sei nicht drückend und zwar deshalb, weil er ja entsprechend den fallenden Preisen selbst fällt, überdies würde bei der Schätzung des Zehnten sehr entgegenkommend vorgegangen. So ergab sich nach der Orangenernte, daß der Oscher viel weniger betragen hatte, als ein Achtel des Wertes (121/2 0.״). Würde statt des Oschcrs eine fixe Taxe cingeführt werden, so wären die Landwirte bei schlechter Ernte sehr ungünstig daran, hingegen wird der Oscher mir im Verhältnis zur Ernte ein gehoben. AchnÜch sei cs mit der Grundsteuer (Vergho). DaB der Städter keine Steuern zahle, ist nicht richtig. Von den Zollcinnahmen fällt fast alles auf ihn, so daß er 2',;• mal mehr dafür zahlt, als der Oscher beträgt Demgegenüber weist The Palcstinc Wcekly in Nr. 43 darauf hin, daß in allen Ländern, wenn die Landwirtschaft infolge stark fallender Preise in Schwierigkeiten gerät, die Landcsverwallung ihr Los durch Nachlässe usw, erleichtert Was das Beispiel der Orangenernte betrifft, so stimmt es nicht, weil der ״Wert“ der Ernte nicht zum Verkaufspreis der fob Liverpool gestellt ist, gerechnet werden kann. Ist dieser 15 Schilling, so erhält der Pflanzer davon nur 4 Schillinge. In bezug auf die Verghotaxe weist das Blatt darauf hin, daß in den Städten eine neue Schätzung der Werte vom Boden und den Häusern nötig wäre, da heute noch immer auf Basis derjenigen von 1014 gezahlt wird, indes die Werte auf ein' mehrfaches gestiegen sind. 'Infolgedessen bezahlen die großen Besitzer in den Städten vom gegenwärtigen Wert höchstens 1 #/n0 statt 8—10 °/00. Die Administration ist nur allzusehr bestrebt, die reichen Badenbesitzer nicht zu rauh anzufassen. Daß die Städter allein die Zölle fragen, ist unrichtig, weil ja die Landwirte verzollte Artikel in den Städten kaufen. * Die Klage der Kolonisten, daß die Landwirtschaft die ganze Steuerlast zu tragen hat, indes die Städter, die viel größeres Einkommen haben, fast nichts zahlen, scheint um nur zu berechtigt. Die Steuern, Taxen usw., die in Palästina heute Ungehobelt werden, sind die folgenden: Zölle, Hafen- und Qunrantängebühren, Oscher, Vichstcucr, Vergho, Landregistertaxen (bei Kauf, Tausch, Belehnung von Im• inobilien), Wein- und Spirituosenstcuer, Gerichts- und Vcrwaltungstaxcn. Wie man daraus sieht, gibt es keine Einkommensteuer, noch die in vielen Ländern bestehende Erwerbssteuer. Die Klage der Landwirte, daß die Verghostcucr in den Städten viel zu niedrig ist, erscheint vollkommen begründet (nur bei Verkauf von Immobilien wird der gegenwärtige Wert für die Weiterzahlung der Verghostcucr ermittelt). Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, wie notwendig bodenrcformcrischc Steuern für die Städte, wie jene auf den Grundwert und den Wertzuwachs wären. Daß Samuel von den Zöllen als Steuer tür die Städter spricht, ist zwar, sofern man die praktische Wirkung der Zölle ins Auge faßt, richtig, da gegenwärtig die lnlandproduktion an gewerblichen Erzeugnisscu sehr gering ist, aber theoretisch unrichtig und auf die Dauer auch praktisch unhaltbar. DicWährungslragc Die erste der Publikationen der ״Palcstine Economic So• cicty“ in Broschürenform ist soeben erschienen. Es ist eine Schrift des Direktors der A.P.C., S. Hoofien: ״Currency Reform“. , , Hoofien führt darin aus, daß Palästina nicht ewig 1« seiner Währung ein Anhängsel Aegyptens bleiben kann, ohne jeden Einfluß auf dessen Notenbank, sondern zur Schaffung einer eigenen Währung mit kleiner Einheit übergehen «nü>«• Diese wäre am besten im Werte von 4 P.T. zu Wahlen. 25 Einheiten entspräche« dem ägyptischen Pfund. Eine eigene Notenbank kann noch nicht gegründet werden. Den bestehenden Banken könnte man die Notenausgabe nicht übertragen, da sie sämtlich Kommerzbanken und von ausländischen Hauptnnstaltcn abhängig sind. Vorläufig müßte eine Agency hü Notenemission bei der Regierung eröffnet werden. IHc Noten müßten anfangs durch bei Londoner Banken deponierte Schatz- Wechsel und Depositen voll gedeckt sein. Es gibt übrigens heute in Palästina auch keine geeignet ausgcbilcfctcn Beamtet» für eine Notenbank. Diese könnte erst in einem spatere!» Zeitpunkt errichtet werden. Die Agency müßte den Ueber* gang zu einer solchen vorbereiten.

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