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Jüdische Rundschau · 1923-11-20 · Heft 97 (20.11.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 97 (20.11.1923)
Date
1923-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I?NCV 3 1? / ־ ־־/ ׳. .y/ 0 tu ytt CINZELNUMMER120 Milliarden M,! ■ J .... i U-. .J t .. 1 \.a l J V l—j s נ_שו_. L.JL. 0:: _■ ־.־, :;״::־־«־־ ־ir■ Oer Zlonismu» erstreb» für da» JUdl«the Volk ctlo Schaffung elnor dffcnSikh - rechtlich gc«tct1crtew Helmitötl« In Palästina. ״Baseler Programm.*4 % J Die judemfeamdMdie T/elle in amfcäliilaimd Zwei Antworten |{. W. Infolge des Buclulruckcrstreiks konnte die ״Jüjisclic Rundschau“ länger als eine Woche nicht erscheinen, öer.idc in einer schwierigen Zeit, während die Wogen der Erregung über die den Juden in Deutschland angetane Sdint.tch hoch gingen, mußten wir besonders bedauern, daß vir verhindert waren, mit unseren Lesern in Kontakt zu treten. Inzwischen hat die völkische Bewegung, die auch die l latiphrägcriii der Judcnhctzc ist, durch die Münchener Vorfälle einen schweren Schlag erhalten. Trotz dieser morali- ,tdien Schlappe wäre■ es aber verfehlt, diese Bewegung fi'ü, erledigt zu halten. Denn der Verstand, der die traurigen und beschämenden Tatsachen erkennt, vermag wenig gegen- Ober den entfesselten Leidenschaften, den triebhaften Affekten, die nicht nach wahr oder unwahr fragen und nicht irre werden, selbst wenn Dinge geschehen, die die Massen an der Urteilskraft bisher blind verehrter Führer zweifeln lehren müßten. Zu tief hat sich der Antisemitismus in die Seelen eingefressen, er ist eine Volkskrankheit geworden, gegen die apologetische Argumentation wenig auszurichten vermag. Damm wäre nichts falscher, als aus der Beruhigung, die inzwischen in Berlin eingetreten ist — die unerträglichen Zustände in Bayern dauern fort —, den Schluß zu ziehen, daß nunmehr der Zündstoff beseitigt ist Wir Juden haben leider manchmal ein kurzes Gedächtnis und wenn das Schlaglicht einer aufsteigenden Rakete unsere Situation grell befeuchtet hat, so sind wir geneigt, nach deren Verlöschen uns rasch damit zu trösten, daß es nur ein böser Traum war. Wer aber, auch ohne gelegentliche grelle Beleuchtung, die Situation kennt, der wird seine Ruhe nicht so schnell wiederfinden können. Manche Kreise des deutschen Judentums sind 1111• begreiflich bescheiden geworden. Sic betrachten es heute schon als eine Errungenschaft, daß die Pogrome aufgehört haben. Sie sehen darin einen Beweis, daß die Judcnfrage nicht existiert, und vergessen, daß die Geschehnisse der letzten Zeit auch den Niclitschenwollcndcn hätten klar machen müssen, wie die Atmosphäre in Deutschland mit Judenhaß gcschwängert ist, und daß in solcher Luft auch der kleinste Zündstoff wieder und wieder zu Explosionen gleicher oder schlimmerer Art führen kann, Uns haben die jüngsten Vorfälle nicht überraseht, weil wir wissen, daß keine jüdische Position im Galuth gesichert ist, daß stets in Katastrophen Zeiten die Juden zwischen die Puffer geraten. Der Unterschied zwischen uns ist der: Wir scheu die Judenfrage, auch wenn es keine Pogrome gibt, und sic leugnen die Existenz der Judenfrage, auch warn M Pogrome gibt Darüber kann man schwer streiten. Ebensowenig wie sich die Antisemiten darüber belehren lassen wollen, daß die Juden weder den Krieg entfesselt noch die Niederlage verschuldet haben, ebensowenig wollen gewisse Kreise des dcutsehen Judentums einsehen, daß es eine Judenfrage gibt, vor der die Augen zxi verschließen schädlich ist und das Uebel noch vermehrt. Unser Artikel in Nr. % der ״Jüdischen Rundschau“ hat im deutschen Judentum ein seltsames Echo gefunden. Zwei jüdische Zeitungen, die nicht in Berlin gedruckt werden und daher erscheinen konnten, haben sich dazu geäußert, das ״Hamburger Israelitische Familicnblatt“ und der Frankfurter ״Israelit“. Dies sind die maßgebenden Organe der liberalen und der orthodoxen Paitei. Beide sind entrüstet. Im ״Hamburger Familicnblatt“ protestiert Herr Fritz Neuländer, nachdem er konstatiert hat, daß die Berliner Ereignisse an den Pogrom von Kischincw erinnern, gegen die ״Proklamation der Berliner Zionisten“, vor allem weil sic sich angemaßt halten, im Namen des deutschen Judentums zu sprechen. 1Wer lesen kann, wird in unserem Artikel vergebens eine Onindlagc für diesen Vorwurf suchen. Wir haben nicht für das deutsche Judentum gesprochen, sondern a n das deutsche Judentum. Klar und deutlich haben wir gesagt, daß wir vom deutschen Judentum die Antwort erwarten, ob es end• lieh seine Vogel-Strauß-Politik aufzugeben bereit ist. Wir haben gesagt, daß wir in dieser Stunde alte Parteigcgcn* sälze zurückzustcllcn bereit sind, und mit allen deutschen Juden gemeinsam die Lösung suchen wollen für dieses ungclicurc Problem unseres gemeinsamen Schicksals, das mm deutlicher als früher zutage getreten ist. Die Antwort des Herrn Neuländer ist kläglich. Er zitiert einige Sätze unseres Artikels und erklärt, daß es sich ״nicht verlohnt, sich mit diesen Thesen ernsthaft zu beschäftigen“. Durch solche Ausflüchte befreit man sich nicht vor Verpflichtungen, die einem die harte Wirklichkeit auferlcgt, Herr Neuländer. Die Judenfrage ist keine ausgedachte Theorie, sondern harte Wirklichheit. Sic besteht überall dort, wo Juden in nennenswerter Anzahl leben und Anteil am öffentlichen Leben nehmen. Sie kann eine Zeitlang latent bleiben, .wenn es dem Volke, mit dem die Juden leben, gut geht, und wenn auch im übrigen ״onanle Zustände herrschen. Sie wird aJait, manchmal brennend, wenn die Normalität der Lage gestört ist, wenn 41« Volk in physischer und psychischer Bedrängnis ist. Das einzige, was Herr Neuländer anführt, um unsere Fcststcllun- ״cn zu entkräften, ist der Hinweis auf die ״turbulenten Zeiten“, in denen wir leben und ״wo eine Schicksalsstundo die andere ablöst“. Gewiß, kein Zweifel ist möglich darüber, daß das deutsche Volk ohne diese Verhältnisse nicht *« derartigen Untaten fällig gewesen wäre. Wir sind die )etrten, dies zu leugnen. Aber erklärt ist damit nichts. Es Rt höchstens der Anlaß der Ausschreitungen, höchstens das Stadium jiidcufdmllich*■.■ Entladung dadurch begründet, aber diese wäre unmöglich, wenn nicht eine bestimmte psychische Konstellation ihr zugrunde Ege. Warum geht der Mob gerade gegen die Juden, warum sehen gerade dieses die vorübergehenden Passanten aller hrtetiigenzgrade zum mindesten mit wohlwollender Neutralität an? Die Juden werden als Fremdkörper empfunden, weil sic ihrer stnimnesmäßigcn Eigenart nach von den anderen verschieden sind. Dies gibt gewiß den anderen kein Recht, die Juden zu schlagen, aber den Juden gibt ticr Wunsch, nicht geschlagen zu werden, auch kein Recht, diesen Tatbestand zu leugnen. Die Juden- Politik, die darin bestand, die Tatsache der jüdischen Sonderart zu verschleiern oder mit dem Hinweis auf so und soviel Eiserne Kreuze zu entkräften und sich dabei auf das formale Recht der Emanzipation stützte, hat 1ms keinen Schritt weitergeführt Die deutschen Juden, die meinten, daß die Lösung der deutschen Judenfrage nur von dem Fortschritt der Auf• klärung und der Humanität des deutschen Volkes abhängt, haben sich ebenso getäuscht wie die ungarischen Juden, die noch vor zehn Jahren stolz, darauf waren, daß in ihrem ״liberalsten Lande der Welt‘ eine Judenfrage nicht existiert, Wer nicht sehen und nicht hören will, muß manchmal fühlen. Wir sind durch ein merkwürdiges Schicksal in Deutschland mit dein deutschen Volk verbunden, diese Schieksalsverbimdcnheit darf uns aber nicht veranlassen, unsere Sondcrart zu vergossen und zu verleugnen, sonst werden wir haltlos. l>ic Deutschen müssen ebenso wie die anderen zivilisierten Völker allmählich zu der Stufe kommen, die Sondcrart anderer Menschen zu respektieren und zumal in dem jüdischen Falle die geschichtliche Einzigartigkeit dieses notwendigen Zusamnicnk'hcns zu begreifen. Nur dann wird das Zusammenleben erträglich werden. Dies setzt aber voraus, daß auch die Juden ihre Augen nicht verbinden, daß sic ihr Judentum nicht als Last mit sich hcrümschlcppen, sondern zu verstehen und zu stärken suchen. Dann werden sie zwar in voller Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem Staate und dem umgebenden Volke — Pflichten die nicht nur formal, sondern empfunden sind, — mit dem deutschen Volk verbunden bleiben, aber gleichzeitig die Judenfrage in ihrem ganzen Umfang verstehen und an ihrer Lösung mitarbeiten, nicht nur zum Wolde des Judentums, sondern auch zum Wolilc des mitlebenden Volkes und der ganzen Menschheit. Dies dünkt uns nicht mir moralisch notwendig, sondern auch vernünftig. Der Jude, der seine geschichtliche Orientierung gefunden hat, wird plützl'ch begreifen, daß die Bejahung der Ver- Inmdaiheit mit dem jüdischen Schicksal in seinem ganzen Umfang die innere Ruhe und Sich erlieft gewährt, die auch —- wenigstens innerlich — gegen Angriffe von außen schützt. Darüber hinaus aber wird das Sichtbarmachen jüdischen Volkstunis, der manifeste Wille zu ■ großer produktiver Aufbauarbeit, zu aktiver Ucbcrwindiing geschichtlich bedingter Verfallscrschcimmgcn, zwar nicht den Judenhaß beseitigen, aber doch die Reibungsflachen mit der Umwelt verringern, weil solches ehrliches Streben Verständnis finden, der Judenfrage ihr Gespenstisches nehmen muß. So wie auf jüdischer Seite auf Grund einer derartigen, tiefer gehenden Orientierung, das Gefühl für die taktgebotenen Schranken nationaler Pro miskuiiät erwachen wind, so wird auf deutscher Seite die Erkenntnis des wahren Kerns des jüdischen Problems gcfördert werden, das weder durch IMgronic, noch durch Assimilation zu lösen möglich ist. ' Besonders eigentümlich ist die Polemik des orthodoxen Blattes. Zwar ist auch der ״Israelit“ von dem ״Fanal“ des Berliner Judenpogroms erschreckt, doch findet er, daß die deutsche Volksseele an diesen Vorgängen unbeteiligt ist. Wenn das heißen soll, daß die deutsche Volksseele von der Judcnfcindsdiaft frei ist, so wollen wir darüber nicht streiten. Jeder verfügt über den Grad psychologischer Einsicht, den er verdient. Aber charakteristisch für das Bediirfnis, Parteieinstellmigcn in den Vordergrund zu schieben und unbedingt jüdische Partcikämpfc auch dort zu entfachen, wo Einigkeit am Platze wäre, ist folgendes: Zunächst verurteilt der ״Israelit“ mit Entschiedenheit die ״würdelose Feigheit“ der nationaldcutschcn Juden Natimannschcr Fürbung, die von den Ostjuden abrücken, und damit ״die unauflösliche am Sinai geknüpfte moralische Solidarität der jüdischcn Gemeinschaft, das ערבות וה בזה zerreißen zu können wähnen“. Dann müssen natürlich die Zionisten drankommen; und was wirft man ihnen vor? Daß sie die jüdische Solidarität, die Einheitsfront gegenüber den Angriffen verlangen. Der ״Israelit“ findet, daß gerade die jüdische Einheit cs ist, die ״von den Völkern am grimmigsten befehdet und am schnödesten verdächtigt wird“. Jedem Menschen wird cs unverständlich sein, warum die ״am Sinai geknüpfte Solidarität“ weniger verdächtig sein sollte. Und ferner: will der Israelit, utn nicht ״verdächtigt“ zu werden, jüdisebe Zersplitterung fordern oder fördern? Dis würde manches erklären. Der ״Israelit“ findet, daß ״die zionistische Partei die gute Gelegenheit benutzen will, um die verängstigte deutsche Judenhcit ihren Parteizwecken dienstbar zu machen". Wer aus unserem Ruf zur Einigkeit d a s hcrnuslicst und nichts anderes, den! ist nicht zu helfen. Der ״Israelit“ ist aber auch darüber empört, daß wir sagten, daß nur wir Juden uns selbst helfen können. Er meint offenbar, daß, wer geschlagen wird, nicht zunächst seine eigene Kraft gebraucht, nicht selbst au die Befreiung aus unerträglichen und erniedrigenden Zuständen denken darf, sondern nach anderer Hilfe ausztiscli.uicu hat. Aber wer sich seihst nicht hilft, dein werden andere auch nicht helfen. Der ״Israelit“ spielt zum Schluß seinen frommen Trumpf aus: nicht wir selbst, sondern nur Gott könne uns helfen. Lassen wir den lieben Gott aus dem Spiel. Wir fürchten, er würde an seinen deutschen Juden wenig Freude haben. Die Summe Von Arnold Zweig. Ziehen wir mit jener Resignation, an die wir uns die letzten fünf Jahre hatten gewöhnen können, die Summe aus den vorläufig abgeschlossenen Ereignissen( die sicli in deutschen Städten an Juden vollzogen haben. Das Empörende vermag dann nicht mehr zu empören, wenn man es zollweise entstehen sah; das Moment der Ucbcrrascliung geht ihnen ab; die Welt des Nachkrieges ist der schönen Leidenschaft und ihren schmückenden Gesten und wärmenden Wallungen gar zu günstig. Ausweisungen in München, Ucberfälie auf Unbewaffnete in Nürnberg, ein Pogrom im Zentrum Berlins, und gleich darauf in München ein Putsch von rechts, um das Deutsche Reich mittels der Intelligenzen Hitlers und Ludendorffs herrlichen Zeiten ciitgcgcnzuführcn — das Ganze zum fünften Geburtstag der Republik mit der rührenden Vorliebe solcher Romantiker für Kalendereffekte aufgezogen: was lehrt, zum Ucbcr- und Ucber• drusse, diese Veranstaltung? Die judenrepuhlik. Die Judenfahne. Die Judenregierung von Berlin. Fünf Jahre hat, ohne erkennbare; Gegenwirkung von bürgerlichen Parteien her, eine ge-! druckte und geschriebene Agitation so uns und das Nach•; kriegsdeiitscliland zusaiiimcngekoppelt. Was immer .von1 Unheil über dieses Reich hcrcinbrach, wer auch immer] durch leichtsinnige oder leidenschaftliche Politik, durch! Unkenntnis angelsächsischen Wesens, der deutschen Iso-■ lierung, der Wirkung törichter Reden die Eingriffe des französischen militaristischen Kapitalismus um Vielfaches1 verschlimmerte, und wie oft auch immer die langsame Bcamtcnintelligcnz in den Organismus der Weltwirt- Schaft eingreifend Ursachen schuf, deren Wirkungen sie nicht in Betracht gezogen hatte —es war leicht, in Deutschland Absolution dafür zu bekommen, leicht, in, diesem Lande ״Verantwortlicher״ zu sein: denn der! wahre Verantwortliche, der, von dem in allen Tönen Rechenschaft gefordert wurde, war immer der Jude. An ihn hielt man sich, und drohte dauernd, sich noch weil besser an ihn zu halten. Wollte man einen Politiker, wie Erzberger, der dem großen Kapital Kräfte zu entziehen drohte, um sie dem anämischen Körper des Deutschen Reiches zuzuführen, ja gar nur den äugenblicklichcn Reichskanzler dauernd diskreditieren, ernannte man sie zu Juden, wie man Bctlitnann-Hollweg zum Juden befördert hatte; und indem man sich so die Möglichkeit schuf, den Sack zu schlagen und dem Esel dabei empfindlieh wehe zu tun, auf dein Rücken der Juden in Deutschland gegen das neue Reich und seine furchtbar schweren Aufgaben mit voller Energie vorzugehen, gewann man nocii den wolilbcrcchnctcn Vorteil, daß keine Reichsregierung sich mit den so Angegriffenen identifizieren werde, weil cs ja unklug gewesen wäre, dem Schimpfwort ,,Judenregierung“ damit neue Rechtfertigung zuzu* führen. Wirkte dann in das überanstrengte Nervcnlcbea des Reiches und der Mehrzahl seiner Bewohner noch die Not um den nächsten Tag, der Hunger nach der nächsten Mahlzeit hinein, diese furchtbaren Helfer aller Hetze, die die Hemmung zwischen gehörtem Wort und getane! Ausführung bis 7.11m Zerfall verdünnen, so konnte de! Stoß gegen die lästige Republik geführt werden: als Stoß gegen die Juden ansetzend, in seiner eigenen Wirkting wachsend, ain anfänglichen Gdingen sicii befeuernd und ohne Kontrolle bis zu Zielen führend, die als ״aufs innigste zu wünschen“ genau von denjenigen verkündet worden waren, die cs durch Aussperrung, Nahrungsab* schnürung und den unendlich törichten Abbau der Brot- Bewirtschaftung im falschesten Augenblick in der Hand hatten, zum Ucbelwollcn Frankreich? und den Hilflosigkeiten der Währungsmaclier die akute Verzweiflung breiter Großstadtmassen zu fügen. Sie wurden die Grundkriiftc, auf die sie sich ver« lassen konnten, um trotz klarster Tatbestände den Juden für alle Uebel dieser Zeit als Sündenbock benutzen zu können. So wenig der einzelne Jude dem einzelnen Dcut« sehen bei normaler Seelenlagc verdächtig ist, ein Schäd* ling zu sein, so leicht ist es, den Juden als Gruppe dem Abstoßungs-, Entvvcrtungs- und Vernichtungsaffekt dei exaltierten Nichtjudcnlicit als Gruppe gegenübcrztistellen« Hier führen Grundkräfte der Gruppcnlcidenschaft, di« anderswo*) untersucht worden sind, zu immer wieder gleichen Ergebnissen. Der Jude als Typ ist dem Deutschen noch immer eine Märchenfigur, und wie die märchendichtende Phantasie des Volkes heute zur Schnuerromaniadc degradiert ist, ist Such er eine Figur des Schauerromans geworden, wie ״der Freimaurer“ der katholischen und ״der Jesuit“ der protestantischen Volks« phantasie: unbekannt, abgesondert, geheimnisvoll und schnell verdächtig. Das klingt nach Mittelalter? Wir leben mitten in ihm» seitdem der große Krieg das bißchen 1 . •) ln der Zeitschrift ״Der Jude“, ...; J

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