Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 79-80 (14.9.1923)
- Date
- 1923-09-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, bür Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei 1 Poslsparkasscnntnt Prag, Konto Nr.59 410, < - Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, - ד׳ חשרי■ תרס״ד ( ”xxvhlji^Tpcr Zlonlstnuy' erstrebt fUr da! jUdlscho Volk die Schaffung clnar fiHanllkh - rechtlich gewieherten Holmwtütt• In Palästina. ״Baseler Programm.**, oder IMICÄ Finanz־■ und Wirtschaftspolitik Von Dr. Siegfried Moses. kostet allein die vorliegende Nummer der ״Jüdischen Rundschau" an Drude- und Papierkosten lowie Administration* * Spesen am Herstelhmgsiogc; demgegenüber sind für den ganzen Monat September, und zwar größtenteils erst in den letzten Taften, bisher nur 2 Milliarden Mark an Abonnements gebühren einge g a n g e n. Die für die Monate September (850 000 Mk.) und Oktober (1 150 000 Mk.) angesetzten Beträge, die sich als viel zu niedrig erwiesen haben, sind von den meisten Abonnenten nicht bezahlt worden. — Demnächst 711egh|äde durch Nachnahme erhoben werden. Falls werden der Teuerung angepaßic ..31— der Geideingang sich nicht bessern sollte, müßte die ״Jüdische Rundschau" ihr Erscheinen entstellen. Verlag der ״Jüdischen Rundschau" BERLIN W15, Sächsische Straße 8 Die Araber und der Advisory Council Jerusalem. (J. C. B.) Die arabische Zeitung ״Muca• hm" meldet, die Regierung habe abermals mehrere arabische Notabel!» eingeladen, Mitglieder des Advisory Council zu werden. Die arabischen Notabel!! haben die Einladung abgelehnt. Reise der arabischen Delegation nach Amerika? London. (J.C. B.) Nach einen! Bericht aus Jerusalem habe der palästinensische arabische Kongreß bcschlossen, die arabische Delegation i!1 London zu ersuchen, daß sic siel! zu Propagandazvvecken nach Amerika begebe. Die Delegation soll erst während der kommenden Parlaments• ictsion nach England zurückkehren. ״El Karinei“ über die arabische Delegation Jerusalem. (J.C.B.). Die Haifacr arabische Zeitung *El Karmel“ schreibt im Zusammenhang mit dem Mißerfolg der arabischen Delegation in London, die englische Regierung wolle Zeit gewinnen, bis es König Hussein gelingen werde, die palästinensischen Araber für den Hedjas-Vertrag zu gewinnen. Die Delegation habe dämm die Aufgabe, sowohl England als auch König Hussein von der Notwendigkeit zu überzeugen, die den Arabern im Jahre 1918 gcmaditen Zusicherungen zu erfüllen. Die Delegation müsse bis zur Wiedereröffnung des englischen Parlaments in London verbleiben. Unzufriedenheit mit Emir Abdullah London. (JC.B.). Wie der ״Daily Marl“ Berichterstattcr in Jerusalem meldet, herrsche in Transjordanien große Aufreg!mg gegen den Emir Abdullah, da dieser zugunsten des Führers des Beni-Sakor-Stannnes, der den letzthin stattgefundenen Angriff der Wahabi auf Transjordanien mrückgewicscn hat, eingetreten ist. Der Scheich von Es Salt toll 3000 Mann mobilisiert und dem Emir ein Ultimatum überreicht haben, in dem er die Einberufung eines Parlaments und die Einführung gleicher Steuern für alle verlangt. Wenn die obige Meldung richtig ist, sagt ״Daily Mail“, ist sie nur rin Beweis der großen Unzufriedenheit gegen die Herrschaft <ks Emir Abdullah. Die katholisch ־ arabische Universität ln Jerusalem Rom. (J.C. B.) Wie in klerikalen Kreisen verlautet, soll »n! 1, Oktober d. J. die vom römisch-katholischen Patriarchen » Palästina, Aloysius Barlassino organisierte höhere Bildungs- »nstalt in Jerusalem eröffnet werden. Nach dem soeben in «,!bischer Sprache ausgegebenen Prospekt stellt die neue Bildungsstätte eine Verbindung von Mittel- und Hochschule dar, unter dem gemeinsamen Namen ״Palästinensische Pahiarchalisdic Universität“. Die Hochschule gliedert sich in fi״e philosophische, eine medizinische, eine juristische und ci״c technische Fakultät. Die Unterrichtssprache ist arabisch, Englisch ist obligat. Aufnahme finden arabisch Sprechende jedweder Nationaiität und Religion. Dis neue Institut ist i!> einem nordwestlich vom lateinischen Patriarchat gelegenen drei Stockwerke umfassenden Gebäude untergebracht. Soziale Anstalten sind der Anstalt atigeglicdert In den der Gründung nahestehenden Kreisen wird behauptet, die Anstalt wolle gegen- ®er der ״Vorherrschaft des Zionismus“ ein Gegengewicht •thaffenund eine arabische Intelligenz im Lande hcranbiWeit.; Die Vollmachten Sir Herbert Samuels f London. (J.C. B.) Wie ״Daily Express“ aus Kairo 1 ״ächtet, soll die arabische Delegation in London erfahren : ®®n, daß der britische Oberkommissar von Palästina, Sir I “Cr®rt Samuel, an das Kabinett das Ersuchen gerichtet hat, j fe'n* Vollmachten zu erweitern. Das Kabinett soll das Erj *,1®n Sir Herbert Samuels abgelehnt haben. (?? Red. ״J, R.״). Judge Mack ln Europa Moran. (J.C. B.). Judge Julian Mack, der soeben von einer Palästina reise zum Besuche seiner in Tirol weilenden Familie hier cintraf, hatte in Trafo! eine Zusammenkunft mit Sir Herbert Samuel. Er wtar auch zu kurzem Besuch in Wien, wo er eine längere Unterredung mit dem Präsidenten des Aktionskomitees, Dr. Chajes, hatte. Judge Julian Mack hielt sich auf der Durchreise einige Tage i:1 Berlin auf. Er trat mit Vertretern einzelner jüdischer Kreise in Fühlung, u. a. bei Dr. A. Klee mit einer Reihe zionistischer Persönlichkeiten, die dem Programm und der Arbeit der Brandcisgrnpp« nahcstchen. Bei dieser Gelegenheit äußerte siel! Richter Mack sehr hoffnungsvoll über die Aussichten der jüdischen Arbeit in Palästina. Mick hatte auch eine Zusammenkunft mit Prof. Otto Warbt!rg und Direktor Wassermann. Während seines Aufenthaltes in Berlin besuchte der Vertretcr der Berliner J. C. B.-Redaktion Judge Mack und ersuchte ihn, sich über dk Eindrücke seiner Palästina reise zu äußern. Richter Mack hat daraufhin seine Eindrücke folgendermaßen zusammengefaßt: ״Ich bin durchaus hoffnungsvoll betreffs der Zukunftsmöglidikcitcn Palästinas. Wir müssen drei Dinge haben: Menschen, Geld und Wasserversorgung. Ich möchte präziser sagen, was ich unter Geld versiehe: Palästina kann nicht ein Chalukka-Land sein. Man kann überhaupt kein L a nd mit Philanthropie aufbaucn. Ein Land kann nur durch Selbständigkeit aufgebaut werden und das eben erwartet Palästina vom jüdischen Volke. Einen Kolonisten mit Familie auf dein lande ansicdeln, kostet heute 1600 bis 2000 Pfund. Auel! abgesehen von anderen Mängeln der philanthropischen Siedlung entsteht die Frage: Wie sollen die Summen aufgebracht werden, um bei diesen Kosten größere Massen von Juden zu kolonisieren? Es ist klar, daß Palästina Leute braucht, die mit eigenem Kapital zum Zwecke eigener Ansicdlung kommen. Alle haben große Achtung vor den Chaluzim. Wer sie einmal gesehen hat, wird nie ihre bewundernswerte Selbstaufopferung und ihre positiven Leistungen für das Land vergessen. Allein die Chaluzim können nicht mehr als ihre Kraft opfern, das Kapital muß von anderer Seite kommen und Palästina bcdarf bemittelter Immigranten. Ueberhaupt muß das Vorurteil fallen, als sollte der Aufbau Palästinas nur auf Landwirtschaft gestellt werden. Die landwirtschaftliche Kolonisation Ist zu teuer, um in großem Umfange betätigt zu werden, parallel mit ihr inuß die Aufnahmefähigkeit Palästinas durch in dustriclle Entwicklung erweitert werden. Auch vom Standpunkte der Landwirtschaft ist die Industrie eine Notwendigkeit, da ja die Landwirtschaft der Konsumenten bcdarf.“ Ueber die politische Lage Palästinas äußerte sich Richter Mack folgendermaßen: ״Nicht der Polemik wegen, auch nicht eines erwünschten Optimismus halber, sondern aus tiefer Ueberzeugung erkläre ich Ihnen, daß die Lage eine solche ist, daß die Bczic hungen zwischen den Juden und den Arabern auf gesunder und friedlicher Grundlage aufgebaut werden. Da die objektiven Momente zugunsten der Verständigung sprechen, so ist dieselbe eine Angelegcnhcit der Betonung, Aufklärung und Ueberzeugung.“ Auf die Frage des J.C. B.-Vertreters, ob die Brandeis- Gruppe nicht die Absicht habe, wieder aktiv in die Zionistische Organisation cinzutrcten, erklärte Richter Mack: ״Erlauben Sie mir, daß ich diese Frage nicht beantworte. ,Wir tun unsere Arbeit in Palästina.“ AnüciigUscbes Komplott ln Palästina? Jerusalem. (J.C. B.) Aus Tulkarem wird berichtet, der Gouverneur des Distriktes Samaria habe Kenntnis erhalten, daß der Führer der dortigen antizionistischen Christlich-molianimcdanischcn Gesellschaft, Abdullah Smara, einer geheimen Organisation angcliörc. die sich die Ermordung aller Engländer in Palästina zum Ziele gesetzt hat. Der Gouverneur von Samaria hat Abdullah Smara aufgefordert, alle Doku men te betreffend die ,Tätigkeit dieser geheimen Organisation auszuliefern. Mit diesem Aufsatz setzen wir die Darstellung der Kommissionsarbeiten des Kongresses, die wir fa der vorigen Nummer begonnen haben, fort. '1. Die Tatsache, daß gerade die aktiven Zionisten׳, vielfach recht unbefriedigt von dem XIII. Kongreß! heimgekelirt sind, beruht wohl zum guten ,Teil darauf, daß die Hoffnungen, die jeder einzelne für sein Arbeitsgebiet auf den Kongreß gesetzt hat, enttäuscht worden sind. Jeder erwartete von dem- Kongreß, daß er für seine Arbeit in irgendeiner Weise und in irgend* einem Umfange richtunggebend sein werde. Scibstver-• stündlich konnte niemand sich der Illusion hingeben* daß der XIII. Kongreß ein Kongreß der praktischer* Arbeit sein werde. Es war von vornherein klar, daß die Frage der üesamtpolitik der Organisation die Arbeit dieses Kongresses zu einen! grollen Teil in Anspruch nehmen mußte, und man konnte ahnen, daß über dieses unerläßliche Maß hinaus Fragen der inneren zionistisehen Politik und namentlich auch die Frage der Zu*, sammensetzung der Leitung den Bereich der praktischen Arbeit schmälern würden. Aber immerhin durfte man an nehmen, daß die praktische Arbeit doch noch in einem gewissen — und zwar beachtlichen — Umfange zu ihrem Rechte kommen werde: es wäre zwar eine Illusion gewesen, zu glauben, daß dieser Kongreß irgendein Teil* gebiet der praktischen Arbeit um ein großes Stückl vorwärts bringen würde; jedoch eine gewisse Förde« rung der Arbeit, einen kleinen Schritt vorwärts durfte man erhoffen. Diese Hoffnung trog auf -den meisten Gebieten der zionistischen Arbeit. Dr. Jacobson hat in seinem( ausgezeichneten Artikel ״Am Scheidewege“ die innere Krankheit diagnostiziert, an der wir leiden: die Kluft zwischen der Leitung und der Organisation. Es muß darauf hingewieseu werden, daß die Erscheinungsformen dieser Krankheit in Karlsbad auf den anderen Gebieten der zionistischen Arbeit womöglich noch ärger gewesensind als auf dem Gebiet der Politik, von dein Dr. Jacobson vornehmlich spricht. Auf dem Gebiete der Politik leben bisher Leitung und Organisation in der Zeit zwischen den Kongressen unverbunden nebeneinandec her. Aber auf den Kongreß kamdoch der Führer der Organisation mit einem — mindestens in den Umrissen feststehenden — Programm, dessen Annahme durch den Kongreß er wünschte. Selbst dieser Wunsch, wenigstens auf dem Kongreß durch ein Zusammenarbeiten zwischen Leitung und Organisation ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, fehlte großenteils auf den anderen Gebieten■ der zionistischen Arbeit. Welches Parlament der Welt kann, im Plenum oder in seinen Ausschüssen, praktische, für die Verwaltung nutzbare Arbeit leisten, wenn die Rcgicrungsvertrctcr nicht bereit oder nicht in der Lage sind, in jedem Stadium der Verhandlungen über die Erfahrungen, Ansichten und Pläne der Verwaltung Berieht zu erstatten, wenn sie nicht durch eigene Vorlagen und durch Stellungnahme zu den aus der Mitte des Parlaments sich ergebenden Anregungen Ausgangspunkte für die Verhandlungen, vor allem der Ausschüsse, bieten? Diese überaus wiciitige Voraussetzung fruchtbarer parlamentarischer Arbeit hat dem XIII. Kongreß in unerfreulichem Umfange gefehlt. Mit dieser Fest- Stellung soll selbstverständlich nicht etwa gesagt sein, daß die Leitung die Allcinschuld an den geringen Ergebnissen des Kongresses habe. Die ganze Enge unserer Verhältnissc — die im Grunde z. B. den einen Dr. Ruppin gleich unentbehrlich für sämtliche Unterausschüsse der Paiästinakommission, für die Budgetkommission, die Organisationskommission und den finanzpolitischen Ausschuß gemacht hat — spielt eine große Rolle. Zu der hier skizzierten Ursache kommen ferner andere sehr gewichtige Ursachen, die in der Zusammensetzung des Kongresses und vor allein in den Auswüchsen des Parlamentarismus liegen, für die die Leitung nicht verantwortlich gemacht werde!» kann. Aber objektiv wird man feststellcn müssen, daß selbst ein ausgezeichnet zusammengesetzter und von höchstem Eifer zur sachliehen Arbeit erfüllter Kongreß auf vielen Gebieten hätte versagen müssen, weil es an der hinreichenden parla« mentarischen Mitarbeit der Leitung fehlte. II. Ein Arbeitsgebiet, das besonders schwer unter den angedeuteten Schwierigkeiten gelitten hat, ist das Gebict der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Die sachlichen Voraussetzungen für eine nutzbringende Arbeit auf diesen» Gebiet — in größerem oder kleinerem Rahmen ׳— waren gegeben. Die Zionistische Verein»• ( ■ I ( * i f i 1 ו i t 1 ' ז r ו 1 1 1 r t I t t; | t 1 | t ׳ | 1! i t 1