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Jüdische Rundschau · 1923-08-20 · Heft 71-72 (20.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 71-72 (20.8.1923)
Date
1923-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FSt AuiUniUIattrsU 100י׳ i ValuluuicMt < AnzcIgenscUlnQ: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Pfalzburg 6697u.6698. Postscheckkönto! Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich! Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: rostsparkasscnaml Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ח׳ אילול* תרס״ג XXVUL Jalirg. per Zionlimut erstrebt fUr das Jüdisch« Volk die Schaffung einer ttffontllth ■ rsdilllth gesicherten HolwitBll« In Palästina. ״Baseler Programm.*4 ־ Die Beratungen des Kongresses. Fünfzehnte Sitarn*. Mittwoch den 15. August 1923, abends. Vizepräsident Motr.kln er Cif net die Sitzung um M9 Uhr abends. Dr. Jakob Weluer (Oesterreich) begründet namens der Keren-Hajessod-Kommlsslon folgende Anträge: Einleitung. Der XIII. Zlonlstenkongrcss nimmt mit Genugtuung das Resultat der Arbeit des Keren Ilaicssod als Beweis zur Kenntnis, dass der Keren Halcssod sich In dor ganzen jüdischen Welt eine ausserordentliche Popularität und die Mitarbeit immer wachsender Kreise erwirbt. Der Kongress begriisst die Tatsache, dass der Keren Halcssod Juden aller Richtungen ln der Hlngaho für den Autbau des Jüdischen nationalen Helmes In Palästina, zur gemeinsamen Arbeit, zur Optorlclstung und solidarischen Verantwortung vereinigt Der Kongress erklärt, dass auch In Zukunft der Keren Halcssod ln den Mittelpunkt der zionistischen Arbeit und der Bemühungen un dtc Mobilisierung des Gesnmtjui'cntums iiir den Aufbau der jüdlrchcn nationalen Heimstätte ln Palästina gestellt werdet! muss, da nur ein schnelles Fortschreiten der Kcrcu-Halessod-Arbclt die Grundlage fiir den Ausbau und die Vcrgiüsscrung dor liidlschcn Position In Erez Israel schaffen kann. Der Kongress erklärt, dass die konzentrierten Anstrengungen Iür den Keren llajessod die Propaganda für andere, von dor Zionistischen Organisation kontrollierte Instltutloaen nicht hindern. Im Gegenteil schallt eine erfolgreiche Aktion Iür den Keren Halcssod die Grundlage und Ergänzung lür die Entwicklung aller anderen mit dem Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte zusammenhängenden finanziellen und Ökonomischen Institutionen. ln Ausnützung der gewonnenen Erfahrung wird zur Entwicklung dor Arbeit beschlossen*. 1. Der Kongress macht cs allen Zionisten zur Plllclit, allo Krälte für die Durchliilirung des Maasser-Prlnzlps zu• gunsten des Keren Halcssod nach Massgabe der Beschlüsse des XII. Zlonlstenkongrcsscs elnzusctzcn, 2. Der Kongress Ist der Meinung, dass der Keren Hajessod als Dauerfonds auszugestaltcn und auf Jahresleistungen aufzubauen Ist. 3. Die Palästina-Exekutive wird beauftragt, zur Veröffentllchung durch das Direktorium des Keren Hnjcssod fortlaufende Berichte über die Verwendung der Keren- Hajessod-Gclder und deren Aufteilung auf die einzelnen Budgetposten zu Verfügung zu stellen. 4. Der XIII. Zlonlstenkongress!ordert das Direktorium des Keren llajessod anl, In Ergänzung der gegenwärtigen Arbeit Iür den Keren Hnjcssod eine Liga von Maas*־,er• Zahlern zu organisieren, die gegründet Ist au! der Vertragsmassigen Verpflichtung jedes Mitgliedes (In Ländern, wo die gesetzlichen Bestimmungen cs zulassen), 10 Prozent seiner Hinterlassenschaft dem Keren Halcssod ziizuwcinlen. Die Elugfiiigo aus diesen Beträgen sollen In einem Sperrlonds (Trustlund) zur Entwicklung und Unterstützung dauernder Institutionen In Erez Israel vereinigt werden. Bel dieser Aktion sollen die vom Direktorium zu bcstimtuenden Bedingungen und Vorslchtsmassnaluncn beobachtot werden, dlo dom Ziele dienen, das Maasser-Prlnzlp, das den Grundstein des Keren Halcssod bildet, volkstümlich zu machen. 5. Dlo Verwendung der Keren-Hajossod-Elngänge erfolgt ausschliesslich gemäss dem von den zuständigen Instanzen beschlossenen Budget. Ausnahmen von dieser Bestimmung sollen nicht zugclasscn werden. 6. Die Aktionen der zionistischen Finanzlnstltutc sind In Ihrer Propaganda miteinander und mit den Bcdürinlsscn einer aufs höchste gesteigerten Wirkung In Einklang zu bringen. Zu diesem Zwecke Ist von der Exekutive an Ihrem Sitze eine besondere Stelle einzurichten, die aus Je einem Vertreter der In Frage kommenden Flnanzlnstltute besteht. 7. Dem § 23 des Statuts der Zionistischen Organisation, das vom XII. Zlonistcnkongress beschlossen wurde, ist nach ״jedes Mitglied der Organisation erlangt mit erreichtem 18. Lebensjahre das aktive und mit erreichtem 24. Gebenslahr das passive Wahlrecht zum Kongress" anzuschllcssen: ״Das passive Wahlrecht ist ferner an den Nachweis der Erfüllung der Kercn-Haiessod-Verpfllchtung gebunden," Vizepräsident Motzkln schreitet zur Abstimmung über die *Inzeinen Anträge der Keren-Haiessod-Kommlsslon. Rabbiner Lewin (Mlsrachl) schlägt vor, Im Absatz 4 der Einleitung den Satz »Der Kongress erklärt, dass die konzen- AnsUeDgupMn Ur 4ca Kettet Hajesvkd die Prep*- ganda für andere, von der Zionistischen Organisation kotitrollierte Institutionen nicht hindern“ abzuflndem anf »nicht hindern ■ollen". Der Antrag wird mit 57 Kegen 60 Stimmen abgelehnt. Da die Abstimmung bezweifelt wird, wird eine abermalige Abstimmung vorgenontmen, bei der der Vorschlag Lewln wiederum mit 65 gegen 73 Stimmen ln der Minderheit bleibt. Hierauf wird die Einleitung zu den Anträgen der Kommission ln der ursprünglichen Fassung angenommen. Zu Absatz 1 der Anträge der Kommission beantragt Dr. Syrkln (Poale Zion), den Maasscr abzuschaffen und statt dessen Einführung einer allgemeinen Besteuerung zu beschllcsscn. Abraham Goldberg (Amerika) wendet sich gegen den Vorschlag von Dr. Syrkin. Lokszyii (Dror) beantragt an Stelle des Maasser die Einfahrung einer progressiven Vermögenssteuer. Bei der darauffolgenden Abstimmung wird der Absatz 1 der Anträge der Kommission in der Fassung der Kommission angenommen und die Anträge Dr. Syrkln und Lokszcn ab gelehnt ln der Debatte über die Abstimmung des Absatzes 2 beantragt Rabbi Meier Berlin (Mlsrachl) Streichung dieses Absatzes. Zlatopolskl spricht sich für Annahme des Antrages der Kommission aus. Dr. Alexander Goldstcln (Kanada) beantragt der Keren Halcssod möge sich aus lährllchcn Leistungen aufbauen. Rabbi Meier Berlin (Mlsrachl) schltcsst sich diesem Vorschlage an. Dr. Weiner schllcsst. sich namens der Keren-Halcssod- Kommission gleichfalls dem Vorschläge Dr. Goldsteins an, und bei der nun folgenden Abstimmung wird der geänderte Antrag ln folgender Fassung angenommen: II. Der Kongress Ist der Meinung, dass der Keren Haiessod aul Jahresleistungen aufzubaucn Ist Programnarcd© Der XIII. Zlotilstenkongrcss nähert sich seinem Abschluss. Sie stehen *unmittelbar vor Entschcidungen, die fiir das Schicksal der zionistischen Bcweguug bestimmend sein werden in der kritischen Periode, die jetzt vor uns liegt. Die Lösung von Problemen von höchstem Ernst I hängt von diesen Entscheidungen ab. Was Immer auch Ihre Entscliliessungcn sein mögen, wesentlich ist, dass Sic den wohlerwogenen Urtcilsschluss dieses Kongresses vcrkörjiern als des letzten Appcllationshofes für die grundlegenden Fragen der Politik, die jetzt von der Zionistischen Organisation zu bcwaltlgen sind. Eine schwere Verantwortung: ruht darum auf dem Kongress. Und um nichts geringer ist die Vcrantwortung derer, die durch den Willen ihrer zionisti* sehen ('.enossen während der vergangenen zwei Jahre die Stürme und die Lasten jedes Tages getragen haben, immer In engster Berührung mit den rauhen Wirklichkeiten, in London sowohl als In Jerusalcm. Unter diesen Umständen fühle ich, dass ich cs dein Kongress schuldig bin, In dieser kritischen Stunde in einfachen und klaren Worten die Prinz!- pieir darzulegen, auf denen nach meiner tiefen Ucbcrzeugung die zionistische Politik sich gründen muss. t. Beziehung zur Mmidatarmacht, Unsere Beziehungen zur Mandatarmacht können keine anderen sein, als die gegenseitigen Vertrauens und beruhen auf uneingeschränktem, gutem Glauben auf beiden Seiten. Der Eckpfeiler unserer Politik muss sein: ehrliche, aufrichtige Zusammenarbeit mit der britischen Regierung. Dieser Grundcharakter unserer Politik — cs scheint kaum nötig, es zu sagen —■ bedeutet keineswegs eine uneingeschränkte Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen Stande der Dinge. Es kann keine Rede davon sein, dass wir auf irgend eines der uns durch das Mandat verbürgten Rechte Verzicht leisten, sei cs bei der Beratung, sei es bei der Mitarbeit mit der palästinensischen Verwaltung in allen Fragen, die die Begründung eines jüdischen nationalen Heims in Palästina oder die Interessen der jüdischen Bevölkerung berühren. Es obliegt uns, die jüdische' Position in Palästina mit unermüdlicher Wachsamkeit zu schützen und jede Gelegenheit wahrzunehmen, um nachdrücklichst unsere legitimen Fortlenmgen zur Geltung zu bringen. In der Frage der Irninigration, in der Frage der Ländereien und der hebräischen Schulen, um nur drei Beispiele zu Zn Absatz 3 des Antrages der Kommission sefrtägt Josef Cowen vor, dass es In dem Antra re statt ״Palästina- Exekutive“ heissen möge ״die Exekutive", da es noch unbekönnt sei, ob es eine gesonderte Palästina-Exekutiv• geben werde. Df. Weiner schllcsst sich namens der Kommission diesem Vorschläge an. Morris Rottenberg (Amerika) beantragt, dass dl« in dem Absatz beantragten Berichte ausführlich und korrekt seien, Bö der Abstimmung wird der Antrag h folgender Fassnng angenommen: Hl. Dlo Exekutive wird beauftragt, rar VeröltentUchang durch das Direktorium fortlaufende Berichte über die Var- Wendung der Kcren-Hajessod-Gelder und deren Aufteilung aul die einzelnen Budgetposten zur Verfügung zu stellen. Zu Absatz 4 des Antrages der Kommission beantragt Dr. Lanfcrsfeln (Ostgallzlcn) die Streichung dieses Absatzes. Nachdem Abraham Goldberg (Amerika) für den Antrag gesprochen hat, wird dieser In der Fassung der Kommission angenommen. Beim Absatz 5 des Antrages beantragt Dr. Dalches (England) Streichung des Satzes ״Ausnahmen von dieser Bestimmung sollen nicht zugelassen werden“. Der Antrag Dr. Daiches wird abgelehnt Absatz 5 und 6 werden sodann In der Fassnng der Kommtsslon angenommen. Bel Absatz 7 protestiert Dr. Groncmanu (Deutschland) namens des Redaktion*- komitecs gegen die Stellung zur Abstimmung, da der Antrag im Widerspruch zu der Meinung der hlefür zuständigen Organlsationskommission steht Die Abstimmung entfällt daher. Vorsitzender Motzkln will nunmehr die Anträge des Permancnzausschusscs betreffen! die Jewlsh Agency zur Verhandlung bringen, doch erklärt Dr. Thon, dass diese Anträge noch nicht endgültig formuliert seien. Das Wort erhält Dr. Wclzmana. Weizmanns. nennen, liabcn wir uns wiederholt gezwungen gesehen, der Mandalarmacht ernste Vorstellungen zu machen, und wir werden nicht verfehlen können,1 immer erneut in dieser und jeder anderen Frage, wo es sich um die Abstellung berechtigter Beschwerden handelt, nachdrücklichst die nötigen Schritte zu tun. Wir haben es getan und werden es immer wieder tun, in der festen Ucberzetigung, dass die Absichten der Mandatarmacht darauf gerichtet sind, uns unser Recht zuteil werden zu lassen, Indem wir dabei nicht ausser Acht lassen, dass, je kräftiger unsere Anstrengungen, je grösser unsere wirklichen Erfolge in Palästina sind, umso grösser auch die Geltung sein wird, dir: unser Wort bei der Regierung haben wird. Eine Politik unaufhörlicher, immer wiederhoher Proteste mag zwar üusscrlich besser wirken, aber sie wäre nach meiner Meinung durch keinerlei Tatsachen gerechtfertigt und sie wäre verderblich, um nicht zu sagen verhängnisvoll, ln den letzten Folgen. Solch eine Politik würde die Schwierigkeiten nicht liiiiwegrüumen. Sie würde wahrscheinlich nur neue hinzufügen. Und vor allem, es ist keine Politik, Lufthiebe auszuteiien. Wenn unsere politische Position wirklich gestärkt werden wird, dann muss cs auf Grund sehr verschiedenartiger Methoden geschehen. Es ist unsere Aufgabe, alle unsere Bemühungen aufzuwenden, um die uficntlichc Meinung aufzuklären über den Inhalt unserer Bestrebungen und den Umfang und die Art unserer Leistungen. Die grosse Welt hat jetzt noch keine richtige Vorstellung davon, was wir vollbracht liabcn und was wir zu unternehmen gedenken. Obwohl das, was wir an verständnisvoller Sympathie besitzen, täglich wächst und gewichtiger wird, liabcn wir dennoch noch immer an vielen Stellen nicht nur gegen böswillige Entstellungen, sondern auch gegen Missverständnisse Gutwilliger anzukämpfen. Wir haben nichts zu verheimlichen. Je mehr die Wahrheit, der wirkliche Sachverhalt bekannt wird, umso herzlicher werden unbefangene und weitsichtige Menschen zu unserer Unterstützung kommen. Im Vordergrund unseres politischen Programntes muss darum die Aufklärung der öffentliehen Meinung stehen, nicht nur in Grossbritaimicn, sondern in allen den Ländern, deren Regierungen sich der BalfottrdcklaraHoü angescliiosscn und das Mandat gezeichnet haben. Die Heiligkeit des Mandates, der gute Glaube der Mandatarmacht, die Sympathien der Aufgcklärten in aller Welt — das sind die Grundlagen, auf denen wir zu bauen haben. f

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