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Jüdische Rundschau · 1923-08-15 · Heft 69 (15.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 69 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mndcr bered,״«»• Anzci!,cnprcis [iirdic 8-gespaltene Nonparcillcxeile 1000׳M, Numxncr uv r.1׳Es*ss-!: Berlin, 15. ¥111. 4923 Für h«hr.Anzeigen 15C% AufochUg. i־ur Au1)»n<k! nm#t• IÖC%V»luti2Uid»tag;| Anzeigenschluss Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Pinlrhurg 6697 u.6698. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreichs Postsnarkasscnamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschcchoilowakci: PosUparkansennmt Prag, Konto Nr.59410. — KcdaktionsscnluO Sonntag und Mittwoch nachmittag, — ג׳ אלול׳ הרפ״ג •XXVIII. Jalirg.! r xionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer tlllcntllch ■ rechtlich!©sicherten KelmsUtto Ir» Palästina. ״Baseler Programm. 1247. [ä ü-4. ®21il t i * 5 II 11 km miiü1׳' 1ur .׳11 " {«™׳!י ף—» m Mtm _ ךי<ןק üi 4*1 d* * 0 0 © די iü4 A © r ' || | 14׳ taL Eor.on 72 Cuimidien ansewommen, Zwölfte Sitzung. Montag den IS. August• 1923, nachmittags. Vizepräsident Mot/.kln eröffnet die Sitzung um K5 Utir. Auf der Tagesordnung stellt die Fortsetzung der Debatte über die Jewlsh Agency und den Welt- Kongress. .־* ' " ’ Pr. Nacht (Rumänien): Ich will nicht auf die technische Frage der Jcwish Agency cingchcn, ebensowenig die juridische Frage berühren. Ich möchte hier mehr die prinzipielle Frage streifen, und zwar nach der moralischen Seite hin. Ich teile nicht die Ansicht, dass die Heranziehung neuer Kräfte uns schaden könnte. .Der Zionismus hat doch das Bestreben, keine Partei Im Judentum zu sein, sondern das Judentum selbst. Sollten wir fürchten, uns mit unseren Gedanken neuen Kräften zu nähern? Noch weniger teilen wir die Ansicht des Herrn Dr. Barth, die dahin ging, die Jcwish-Agcncy-Frage zu einer Art ״Uganda" zu charakterisieren. Dieser Verdacht kann Dr. Weizmann an» allerwenigsten treffen, den Mann, der den Mut anfbrachtc, gegen Uganda aufzutreten und zusammen mit Usslschkin den Zionisgedanken rettete. Nein, Dr. Weizmann wird den Zionismus nie und nimmer untreuen Händen ausliefcrn. Wir sind ihm vielmehr zu grossem Danke verpflichtet für die grossen politischen Erfolge, die er zusammen mit Sokolow erzielt und womit er dem Zionismus neue Lebenskräfte zugeführt hat. Es wäre eine Verkennung des grossen historischen Momentes, wenn wir das Verlangen Weizmanns besüglich der Jcwish Agency bekämpfen wollten. Manche Stunde, sagen unsere Weisen, wenn sie richtig gewürdigt wird, bedeutet die Eroberung einer ganzen Welt. Mit demselben Rechte können wir auch sagen: Manche Stunde, wenn sic nicht richtig bc-1 nutzt wird oder wenn sie missverstanden wird, bedeutet den! Verlust einer'ganzen Welt Würde es nicht den Verlust uriscrer jüdischen Welt bedeuten, den Zusammenbruch unseres grossen Ideals, wenn wir diese grosse Stunde nicht auszunützen verstünden? Wir verlangen von Dr, Weizmann Talen, aber ohne Heranziehung neuer Kräfte fehlt uns das Geld und die Möglichkeit zu neuen Taten. Wir, die wir aus dem modernen Aegypten heraus wollen, dürfen nicht nach dem alten ägyptischen System verfahren: Stroh gibst du deinem Knecht nicht und Ziegeln verlangst du doch. Die Ziegel zu unserem nationalen jüdischen Heim können nur dann hcrgestellt werden, wenn wir neue Menschen und damit Geld für unsere Sache erhalten. Der Moment ist zu wichtig, als dass wir hier Opposition um der Opposition willen treiben sollten. Löbl Taubes (Oesterreich): Die Frage der Erweiterung der Jcwish Agency muss von zwei Selten aus betrachtet werden: von der politischen und der materiellen. Der politische Gesichtspunkt, den mit Ausnähme von Weizmann und Sokolow keiner der Redner hier vertreten hat, zeigt, dass die, Balfour-Dcklaratlon und der Mandats-Vertrag Ercz Israel nicht nur für die Zionisten, sondern für das ganze jüdische Volk bestimmt hat Der Welt• Kongress ist der richtige Weg zur Lösung der Frage. Es ist wohl richtig, dass der Kongress gewisse Schwierigkeiten der Verwirklichung hat, aber ich sehe nickt, dass ernstliche Be• niühungcn zu seiner Verwirklichung gemacht worden sind, (He Furcht ist unser grösster Fehler; so wie wir uns bei der Schaffung der Jüdischen Nationalbank und bei der Londoner Konferenz vor dem Einfluss der Nichtzionisten gefürchtet fcaben, so stehen wir im Begriffe, denselben Fehler zu wieder• holen. Ich schlage daher vor: Der Kongress möge beschlicssc״. dass die Exekutive beauftragt werde, alle zur Ein• berufung des allgemeinen jüdischen Kongresses notwendigen ן Schritte zu unternehmen und dass dieser Kongress nicht später j ils innerhalb von drei Jahren von diesem Kongress an zu■; *usammentreten soll. i i Dr. BrodetzkJ (England): ן Es Ist eine alte Erfahrung, dass noch 60 genau nnsgearbcl• j lcie Pläne ln der Wirklichkeit nicht ausführbar sind, und so i *le der Keren Hajessod nach dreijähriger Tätigkeit anders t *1»sieht, als er geplant war, wird es auch mit der Erweiterung; öcr Jcwish Agency sein. Darum halte Ich es nicht für richtig, ו We״a wir diese Frage in allen Details besprechen; mir er• « scheint es notwendig, die allgemeinen Prinzipien der Frage ,1 erörtern und eine Meinung des Kongresses zu bilden. Das | ^ndnis, das wir mit den Nichtzionisten schllessen, ist' nicht J ״Miäugit: von dem pcrzentuellen Verhältnis der Stimmen In > »Mr Jewish Agency, sondern von dem guten Willen auf beiden j jjdicn. Die Fraktion der zionistischen Demokratie wird sicher j "ichtzionlslen In die Jewish Agency aufnehmen wollen, wenn , von einem Kongress oder einer Konferenz gewählt wur- ■ ab« nicht, wenn eln£elue ftruaidjäUQßM Us Un. So wichtig dieser Standpunkt Ist, so können wir doch nicht auf die Verwirklichung des Kongresses warten, denn wir haben keine Zelt dazu.׳ Wir ln England müssen sehr, häufig I’ropaganda unter Nlclitluden für Palästina machen, und das Schwierigste, was uns In dieser Propaganda begegnet, Ist es, den Nichtjuden zu erklären, warum nicht alle Juden sich am Palästina-Aufbau beteiligen. Ich glaube an den Weltkongress, denn Ich glaube an das jüdische Volk, und Ich will die Jewish Agency als direkte Vertretung der Volksmasscn sehen; aber wichtiger ist mir ein Jüdisches Palästina, und dieses so bald als möglich. Es Ist sicher, dass ln den verschiedenen Ländern verschiedene Verhältnisse und Ansichten zu dieser Frage existieret!, und daher muss die Jewish Agency unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse erweitert werden. Diese Forderung möge der Kongress beschlossen, die Einzelheiten muss das Aktionskomitee und die Exekutive fcstsctzen. Wir sollen Vertrauen in unsere Sache haben, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass wir stark sind und alle Krisen siegreich überwunden haben. ׳ Dr. Leon Reich (Ostgallzlen); begründet nochmals den bereits gestern deklarativ bekannt■ gegebenen Standpunkt der ostgalizlschen Landsmannschaft. Diese Ist für de® Weltkongress nicht nur vom Standpunkt der Notwendigkeit, sondern vor allem von dem der normalen Ent- Wicklung des Zionismus aus. Dlo materielle Seite Ist tiatür׳ lieh äusserst wichtig, wir können nicht warten, denken wir an die hungernden Chaluzim! Aber entscheidend Ist die Ideelle Seite. Das Problem Ist nur künstlich zu einer Frag« der Demokratie und des zionistischen Geistes gemacht worden. Ebenso geht cs nicht an, der Agitation wegen Gespenster an die Wand zu malen. Was wirklich vorlicgt, ist, dass dlo Idee «,ich so erweitert *hat, dass sie den alten Rahmen sprengen will. Ich hatte die. Ehre, Im Comlti der delegations iuives unter dem Vorsitz unseres Präsidenten Sokolow: und des Herrn Marshall zu arbeiten. Dort war die Verantwortung geteilt, aber das lut der gemeinsamen Arbeit durchaus nicht geschadet. Schliesslich weist der Redner darauf hin, dass cs tino wichtigere Instanz für die Verantwortung gibt als die Organisation, das Ist die jüdische öffentliche Meinung, die uns hinwegfegen würde, wenn wir vor ihr nicht bestehen. Die Notabcln schliesslich dürfen für uns nicht Steine des An׳ stosses, sondern Steine des Aufbaues sein. Dr. Leon Lc-vito (Polen): Dr. Solowciczik hat uns ln seiner Rede beruhigen wollen, Indem er sagte, dass cs weder in der Exekutive, noch sonst in der Zionistischen Organisation Gegner der Erweiterung der Jcwish Agency gäbe. Der Beweis lilcfür Ist ihm nicht gelungen. Richtig hat er bemerkt, dass die ganze Frage auigebauscht würde. Wie es sich zeigt. Ist eine Verständigung möglich, und um diese Verständigung wird gekämpft, Ich bin glücklich, dass Ich bemerken kann, tlnss nunmehr eine neue Periode beginnt, wovon die Jewish Agency nur ein Beginn Ist, Alles, was Grüivbaum gegen die Jewish Agency vorgebracht hat, hätte ebensogut für die Erweiterung als Argument verwendet werden können. Die Opposition der Fraktionen vnd Föderationen beruht auf der Angst um Ihre Existenz. Sie fürchten den Einzug eines irischen Geistes. In dieser Frage darf aber nur der Aufbau von Ercz Israel eine Rolle spielen. Leider gibt «s hier auch Gruppen, die für die Erweiterung zu sein erklären, aber, eine Reihe von Forderungen und Bcdingungen aufstellcn, die die Erweiterung unmöglich machen, Gegenüber den Forderungen Solowclcziks betone ich, dass uns ein Provisorium genügt, wir können nicht zulassen, der erste Versuch, der von den Amerikanern und Dr. Welz■ n!ann gemacht wurde, verloren sei. Gebet den in die Jewish Agency aufzunclimcndcn Nichtzlonistcn dieselben Rechte wie den Mitgliedern der Exekutive provisorisch für zwei Jahre. Daraus wird sich die weitere׳ Form des Weltkongresses entwickeln. M. M. Usslschkin: Unsere Organisation beherrscht in den letzten drei bis vier jahren das instinktive Streben, unsere Kräfte atifzufrischcn. Nun ist von dem Manne, der an der Spitze der Bewegung steht, die Parole atisgegängen: Oeffnet die Tore. Und doch hat man in allen Verhandlungen und Aufregungen vergessen, richtig zu analysieren, ob der Weg, den man gehen will, die erwünschten Resultate bringen wird oder nicht. Die ganze Frage wird hinter den Kulissen verhandelt Ich will nicht hinter den Kulissen, sondern vor dem Kongress meine Stellung zu dieser Frage beleuchten. Was Ist eigentlich die jcwish Agency? Man ist §iC!U noch imw nicht klar. Seihst׳ ia' dsc letzten Sitzung des A. C. vor zwei Monaten waren die Leiter unserer Bewegung verschiedener Ansicht darüber, leb will nur meine Meinung sagen, wie ich die Aufgaben der Jcwish Agency verstehe. Wir wollen unsere Kräfte erneuern und uns auf zwei Gebieten stärken, auf dem Gebiet der poiitisehen Arbeit und auf wirtschaftlich-ökonomischem Gebiet. Gewiss sind diese beiden Aufgaben in enger Verbindung. Trotzdem sind es aber zwei gesonderte Aufgaben, die gesondert bearbeitet werden müssen und auch verschiedene Sorten von Menschen bcnötigen. Die Agency soll nun nach meiner Ueberzeugung und derselben Meinung ist Sokolow — die erste Aufgabe, das heisst also die politische Repräsentation der englischen Regierung gegenüber, auf sich nehmen. Aber sie ist keine Institution für ökonomische Arbeit. Dafür sind die Bank, der Keren Hajessod, der Keren Kajcmctli und andere Institutionen da. Durch, die Verquickung dieser beiden Aufgaben ist die Verwirrung geschaffen worden. Ich frage nun: Werden die Kräfte, die man heranziehen will, uns politisch und wirtschaftlich stärken im Aufbau von Erez Israel? Und ich antworte: Nein. Die Elemente, die bereits viel für Erez Israel gearbeitet haben, wollen gar nicht in die Jewish Agency gehen. Baron Edmond Rothschild will nicht hineingchcn. Er sagt: Ich baue das Land, die poiitisehe Arbeit fällt der Zionistischen Organisation zu. Die 1CA will nicht in die Jcwish Agency־ gehen. Der Joint hat, soviel mir bekannt ist, nicht das Streben, sich in der Jewish Agency vertreten zu lassen. (Widerspruch.) Die Alliance Israölite will nicht in der Jewish Agency vertreten sein. (Widerspruch.) Sogar einzelne Personen, die viel für Palästina in wirtschaftlicher Beziehung geleistet haben, wollen nicht hineingehen. Auch die Brandeis-Gruppe, die auf ökonomischem Programm steht, will nicht in die Agency gehen. (Rufe: Das ist nicht richtig.) , Weizmann hat das Argument gebracht, dass der, weicher Geld hergibt, auch das Verftigungsrccht über seine Verwendung haben will. Das ist richtig, obwohl es in unserer idealistischen Zeit auch anders war, obwohl nach den Statuten, die wir für die Jüdische Kolonialbank ausgearbeitet haben, die einen das Geld liergeben und die anderen zu entscheiden haben. Aber trotzdem, das Argument hat seine Berechtigung. Aber brauchen wir dazu die ewisli Agency? Die grössten Einnahmen beziehen wir jetzt aus dem Keren Hajessod. Hier sind die Türen zur Aufnahme neuer Elemente. Wer für den Keren Hajessod Geld gibt, der soll auch im Keren Hajessod seine Vertretung haben. Sollen wir aber den, der mit uns arbeiten will, aber sagt, in die Organisation gehe ich nicht und in den Keren Hajessod gehe ich nicht, in die Jcwish Agency nehmen? Wer mit den Verhältnissen in Erez Israel vertraut ist, der weiss, dass man mit jüdischem Geld auch Sachen schaffen kann, die gar nicht im Sinne unseres nationalen Aufbaues liegen. Es war einst eine Deputation der Chowewc Zion bei Rothschild, die sagte Ihm: Das Geld ist deines, aber Erez Israel ist unser. Jetzt haben wir nicht mehr den Mut, so zu sprechen. Ich stelle mir die zukünftige Arbeit so vor: Es sollen von den einzelnen Gruppen, die in Erez Israel «arbeiten wollen, Vertreter zu einem R a t einberufen werden, der zusammen mit der Zionistischen Organisation an dem Aufbau des Landes arbeitet; aber auf ökonomischem Gebiet. Dies soll der erste Schritt der Vereinigung sein. Weiter können wir heute noch nicht gehen. Ich will hier zwei Männer nennen, deren Beispiel uns zu denken geben soll. Der eine ist Morgenthau. Er ist ein guter Jude: er war in Erez Israel und hat schöne Reden gehalten. Was hat der Zionismus jetzt von ihm? (Zwischenruf: Ein falsches Beispiel.) Und der andere ist Sylvain Levy, einer der Führer der französischen Juden. Sokolow und Weizmann hatten das Glück oder das Unglück, mit ihm vor der Friedenskonferenz zu stehen, nach welcher ilun Weizümäu die fciaaci nlsUt xeiclUe und ihn eiugu .Verräter

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