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Jüdische Rundschau · 1923-08-14 · Heft 68 (14.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 68 (14.8.1923)
Date
1923-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrg. ״r Zionismus erstrebt fUr das Jldisehe Volk die Schaffung einer dlfontllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina• ״Dasefar Programm■** latg ln, g> e! Ei fiSiilililX 0. •J ö if 011 crlo Neunte Sitzung. Freitag den 10, August 192 3, mittags. Vizepräsident Mofr.kln eröffnet um 12 Uhr 15 Min. die $j(:ttng. Auf der Tagesordnung steht der Vortrag ,von Dr. Solo- Vf|r, z! k über den jüdischen Weltkongress und die kwi-l: Agency, sowie anschliessend eine Diskussion hierüber. Pie [!cbntic über die Berichte der Exekutive ist gestern zu Eide geführt worden, und die diesbezüglichen Resolutionen können laut Geschäftsordnung erst in der nächsten oder zweit- Höchsten Sitzung vorgcbrncht werden. ,Wich Verlesung von verschiedenen Begrilssungsschreibcn unterbricht Vizepräsident Motzkin die Sitzung auf zehn Minujen, da der Referent Im Saale nicht anwesend ist. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt Dr. Soioweiczlk, dass er sein Referat jetzt nicht erstatton wolle, weil durch die gleichzeitige Abhaltung der General- Versammlung des J. C. T. eine grosse Anzahl von Delegierten picht in der Lage ist, am Kongresse tcilzunchmen. Vizepräsident Motzkin interpretiert diese Erklärung dahin, dass Pr. Soioweiczlk die Vertagung der Sitzung beantrage. Adler (Tschechoslowakei) beantragt mit Rücksicht darauf, dass die Frage der Erweiterung der Jewish Agency bereits seit Anfang der Kogrcssverhandlungcn debattiert und In der {estrigen Sitzung von den Herren Dr. Welzmann und Sokolow behandelt wurde, sowie mit Rücksicht auf die Erklärung von Dr. bolowciczik, die einer Missachtung des Kongresses {kiclikomme, das Referat von der Tagesordnung abzusetzen und in der Tagesordnung fortzufahren. Dr. MarguUes (Tschechoslowakei) erklärt, dass diesem Anträge nicht stattgegeben werden könne, weil er der Geschäitsordnung widerspreche. Es bedeute auch eine Geringsdiätzung der Aufgaben des J. C. T״ wenn gleichzeitig eine Tagung des Kongresses und des J. C. T. anberaumt sei. Nach einer Geschäftsordnungsdebatte, an der sich die Herren Rosenbaum und Daiches beteiligen, wird der Antrag Dalchcs angenommen, die Sitzung zu schllessen und das Referat Dr. Solowelcziks für Samstag, K9 Uhr abends, annisetzen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Kongressekretars Löwcnsteln schllesst der Vorsitzende Motzkin die Sitzung um 1 Uhr mittags. Zehnte Sitztrag. Samstag den 11. August 1923, abends. Vizepräsident Motzkin eröffnet die Sitzung um 9 Uhr abends und erteilt das Wort zum Referat über Jewish Agency und Weltkongreß. Dr. Soioweiczlk: ־ Ais die Exekutive die Tagesordnung des Kongresses fcststcllte, hat sie darauf Wert gelegt, einen deutlichen Strich zu ziehen zwischen den Fragen, die die Vergangenheit, und jenen, die die Zukunft betreffen. Doch ist es nicht möglich, dieses ׳Prinzip durchaus zur Ausiiihrung zu bringen, und so hat sich denn auch die Generaldebatte schon eingehend mit der Zukunftsfragc tor Jewish Agency beschäftigt Dies geschah in allgcmeiner und prinzipieller Form, und so halte ich es für l möglich, dass wir uns nochmals, gewissermassen auf | einer höheren Stufe und im besonderen Sinne, mit dieser j Frage beschäftigen,! Ueber die Frage der Jewish Agency und die des Weltkongresses, d. i. über die Frage der Heranziehung der Nichtzionisten zum Aufbaue Palästinas, haben sich in den verschiedenen Ländern verschiedene Meinungen ücbikict, die auch auf den Tagungen der verschiedenen Verbünde durch Beschlüsse festgelegt wurden. Eine Reihe von Delegierten ist daher mit einer bestimmten Anschauung hiehergekommen, die meines Erachtens abtongig ist von den jeweiligen Verhältnissen in den einmeinen Ländern selbst Diese Frage ist aber eine all-?«meine Frage der Judenschaft, und es wird notwendig sein, dass die Delegierten ihre vorgefasste Meinung beiseite lassen. Die Frage der Heranziehung von Nlchtzfonistcn Ist leider, zum grossen Teile durch die Schuld der Presse künstlich zu einer Streitfrage gemacht worden, obzwar «s sich keineswegs um Ja oder Nein, sondern nur um tos W i e handelt Die verschiedene Auffassung des Problems findet sich sowohl in der Organisation, als frei! in der Exekutive. Es existieren nicht zwei oder toci, sondern eine ganze Reihe von Meinungen. Daher tobe ich in erster Linie einen objektiven Bericht über die Meinungen in der Exekutive zu geben. Da aber die ‘"rage hier schon behandelt wurde, werde auch ich mir , Urlauben, meine persönliche Meinung bekanntzugeben.; Die ganze Frage ist durch unsere politischen Erfolge Standen. Der Zionismus, wie wir Ihn betrachten, ist! «me historische Notwendigkeit und in diesem Sinne \ ^abhängig von der Zeit. ׳ Erst durch unsere Erfolge ist; d« Bedingung der Zeit eingeführt worden; wir sind : sic aus .der!iahe der ItoüliS kfr die, Äfe && Wirklichkeit gestürzt Wir haben an zwei Dingen gearbeitet; an der Organisierung der Masse und an der Reniisicrung der Idee. Als wir das zweite zu rasch erreichten, genügten unsere Erfolge auf den! Gebiete der Organisierung der Masse nicht mehr; weil die Zeit kleiner wurde, müssen wir die Masse vergrössern. Ich bedauere, dass hier von Herrn C.riinbaum gesagt wurde: wir können warten. Dies gilt nicht mehr wie vor zehn Jahren. Der Artikel 4 des Mandates sprich( nirgends davon, — und cs ist notwendig, ihn genau zu kennen —, das Elemente ausserhalb der Zionistischen Organisation in die Jewish Agency einbezogen werden müssen. Nirgends bestellt diese Notwendigkeit als formale Forderung des Mandates. Ja, wir haben sogar gewisse Erfahrungen aus mit dem Colonial Office geführter Korrespondenz, dass die englische Regierung an dieser Frage desinteressiert ist und uns ihre Regelung überlässt. Aber die Heranziehung der Nichtzionfeten zum Aufbau des Landes wird unbedingt Zusammenhängen müssen mit der Jewish Agency. Das sage ich, damit nicht der Eindruck entsteht, als ob ich mit dem obigen die Notwendigkeit dieser Angelegenheit in Frage stellte. Wichtig ist, fcstzustellen, dass die Majorität des Kongresses und der organisierten Zionisten will, dass der Ausbau der Jewish Agency in einer Art erfolge, die du. Charakter der zionistischen Bewegung als einer Volksbewegung und unseren lebendigen, Zusammenhang mit dem Aufbau von Ercz Israel nicht gefährde. Es besteht die Meinung, dass die Jewish Agency nur eine politischrepräsentative Funktion auszuüben habe und uns der wirtschaftliche Aufbau überlassen bleiben wird. Meine Meinung ist: Die Jewish Agency wird mit oder ohne unseren Willen in das Hauptorgan des Aufbaues von Erez Israel verwandelt werden. Sie wird naturnotwendig den öffentlich-rechtlich organisierten Volkswillen manifestieren. Die Ausgestaltung der Jewish Agency ist daher eine zentrale Frage unserer Bewegung. Es Ist hier der Vorschlag gemacht worden, dass wir die neuen Elemente unter der Voraussetzung zur Jewish Agency heranziehen sollen, dass wir die Herren bleiben oder dass wir sie gegebenenfalls wieder entlassen könneu, wir sollten das ganze in gewissem Sinne probeweise machen. Wir dürfen uns aber in dieser Sache keiner Täuschung hingeben. Die Jewish Agency Ist eine internationale Institution, und es wird nicht möglich sein, das, was man einmal getan hat, rückgängig zu machen. Der Artikel 4 des Mandates wird, wenn wir die erweiterte Jewish Agency schaffen, Jedenfalls geändert werden. An dies alles muss man denken, bevor man sich auf den Weg begibt. Man muss wissen: erstens, dass man eine Aenderung der Zionistischen Organisation hervorruft, und zweitens, dass ein anderer internationaler Zustand geschaffen werden wird. Und darum müssen wir diesen Schritt tun im Bewusstsein seiner Notwendigkeit, aber auch ira vollen Bewusstsein des Ernstes seiner Konsequenzen. Auf der Jahreskonferenz Ist der Beschluss angcnommen worden, dass die richtige Form der Heran- Ziehung neuer Elemente der Weltkongress sei Zwei Dinge sind notwendig, um den Weltkongress zu schaffen: ein gewaltiger Aufwand von Energie an der Peripherie und eine grosse Begeisterung im Zentrum. Was diese zweite Voraussetzung mindestens betrifft, so müssen wir sagen, dass eine Hingebung, wie sie not׳ wendig gewesen wäre, in unserer Leitung nicht vorhanden war. Ich will nicht sagen, ob es ein Fehler war, aber ich will konstatieren, dass diese Hauptbedingung nicht gegeben war. Das Resultat des Briefwechsels, mit dem die Ver handlangen begonnen wurden, war, dass weitaus der grösste Teil unserer Organisation zu der Angelegenheit des Weltkongresses eine positive Stellung nahm. Es Ist nun wichtig, sich vor Augen zu halten, dass mit der Idee des jüdischen Weltkongresses keineswegs notwen dig die Voraussetzung verbunden ist, dass er überall auf Grund eines demokratischen, allgemeinen und propcrtionalcn Wahlrechtes gemacht werden muss. Es gibt Länder, wo das Judentum keine Demokratie, kein Volkstum ist und wo daher auch eine derartige Wall nicht gut gemacht werden kann. Die wesentliche Idee des Weltkongresses ist aber nicht die demokratische Wahl, sondern die, dass der adäquate Aufbau des nationalen Heimes nur vom jüdischen Volk selbst in seiner Wirklichkeit vorgenommen werden kann. Es Ist die Frage, ob wir in unserer unsicheren Stellung zum Weltkongress nicht unter dem Drucke der Reaktion stehen die jetzt in der allgemeinen wie in der jüdischen Welt herrschend ist Wir müssen hier in dieser ernsten Frage ganz offen zu uns selbst sein. Es hat keinen Sinn dm ]Nsliüwjs&ä*. Ja.iüjoad»׳sIeb0 Esaa)Mßae0ju«i1־. kapseln, wir müssen, ■wenn wir nicht die Kraft zu ihm haben, dies ehrlich und offen cingestchen. Wenn wir nicht einen künstlichen Gegensatz schaffen wollen zwischen uns und dem Jischuw, zwischen uns und der jüdischen Arbeiterschaft so können wir die geplante Erweiterung unserer Basis nur durch Heran- Ziehung aller Elemente des jüdischen Volkes durchführen. Und so wird das, was wir Erweiterung der Jewish Agency nennen, wenn wir es richtig machen, schliesslich doch ein jüdischer Weltkongress werden. Es ist möglich, dass wir auch auf dem Wege des Weltkongresscs nur fünfzig Prozent der Juden gewinnen und so vielleicht ein ähnliches Resultat erreichen könnten, wie durch die geplante Erweiterung der Jewish Agency. Aber es wäre wenigstens ein ehrlicher demokratischer Weg gewesen. Welches sind nun die Elemente, die die Zionistische Organisation bei der Bildung der erweiterten Jewish Agency ergänzen müssen? Die Mehrheit der Zionisüsehen Exekutive steht auf dem Standpunkt, dass dies Organisationen der Judenheiten der einzelnen Länder sein müssen. Dieser Weg ist der einzig mögliche und auch allein erfolgversprechende. Und die Exekutive steht auf dm Standpunkt, dass diese Heranziehung im Rahmen der geographischen Einheiten geschehen muss. W i e soll nun jetzt die Art des Zusammenschlusses, die Kooperation der zionistischen mit den nichtzionistisehen Elementen erfolgen? Der Ansicht, dass der nichtzionistische Teil der Jewish Agency nur aus zwei Organen bestehen soll, muss ich widersprechen; meine Meinung ist dieselbe, die die Konvention von Baltimore ausgesprochen hat So, wie unsere Zionistische Organisation aus drei Organen besteht: dem Kongress, dem Aktionskomitee und der Exekutive, so muss der nichtzionistische Teil der Jewish Agency als Unterbau eine Konferenz haben. Dies stellt eines der wichtigsten Prinzipien dar. Ich warne ferner davor, nach dem System zu verfahren, das bei der Bildung des Comitö des Delögatioris Juives befolgt wurde. Wir sind politisch geschult genug, um nach 27jährigcr Arbeit za wissen, dass wir beim Aufbau Palästinas die hlcfür verantwortlichen Organe nicht aus Delegierten der französlschcn, amerikanischen, polnischen etc. Juden zusammensetzen dürfen, sondern dass diese Organe nichts anderes sein dürfen, als die Delegierten eines, des jüdischen Volkes. Daher schlage ich vor, dass die nach dem Prinzip der geographischen Gemeinschaft gebildete Konferenz der Judenheiten der einzelnen Länder vorerst Zusammentritt, nach ihrer Konstituierung als Organ der Jewish Agency aber nurmchr diese, das heisst das jüdisehe Volk, und nicht die Judenheiten einzelner Länder vertritt Wir halten dieses Prinzip für unumgänglich notwendig, insbesondere, wenn wir daran denken, wie die Jewish Agency in schweren Momenten ihre Aufgaben erfüllen soll. So wie der zionistische Kongress den Unterbau, das Aktionskomitee den Mittelbau und die Zionistische Exektiüvo die Spitze des zionistischen Gebäudes darstellt, so schlage ich vor, dass die nichtzionistischen Teile der Jewish Agency aus drei Organen ln der gleichen Gliederang wie die zionistischen Organe zusammengesetzt seien. Die Zusammenarbeit der zionistischen mit den nichtzlonistlschcn Organen dieser drei Stufen stelle ich mir in folgender Weise vor: die primären Institutionen, auf der einen Seite der zionistische Kongress, auf der anderen Seite die Konferenz der Judenheiten, werden gesondert von einander bleiben. Auf diesen Unterbau folgt auf der einen Seite das Aktionskomitee und auf der anderen Seite ein Council der Nichtzzionisten als Mittelbau. Das Aktionskomitee und dieser Council wirken zusammen als beratende Körperschaft Als Oberbau jedes der beiden Teile existiert Je eine Exekutive, die zusammen die erweiterte Jewish Agency bilden. Ich halte diese Gliederung für absolut notwendig, und ich kann nur hinzufügen, dass sich die Jewish Agency, wenn ihre Bildung nicht auf demokratische Weise erfolgt nicht halten kann. Ausserhalb dieser grossen Fragen steht die Frage des Provisoriums. Das Aktionskomitee hat in seiner letzten Sitzung die Einsetzung einer Kommission zum Studium der Frage der Jewish Agency beschlossen. Diese ist nach langen Beratungen zu der Ansicht gekommen, dass, wenn vom Kongress ein Provisorium beschlossen werden sollte, d. h., wenn zunächst der Unterbau, die Konferenz der Nichtzionisten, noch nicht geschaffen wird, man auch noch nicht den Oberbau, die Exekutive der Nichtzionisten, beschlossen, sondern sich vorläufig mit dem Council der Nichtzionisten begnügen möge. So lange die Konferenz nicht vorhanden ist, dürfen nicht mit der Zionistischen Exekutive gleich- .Jct&ICCiUi£U} y.eitJ»Ie1 4er liisUtzitfiistca jgpg&ctzt *ec X ,1 fr V :י'! t ויי :u 1 *1 t - ' y. 1 '־ 0 ־6: .0 1 ‘fr?'t, ■ Ci ׳ 1*; ji. ׳! 1 fr! 'ו¬ י. t ׳"?י] *ן 1 , l| fr 0;12;1I •!c '; 11** 1 ■f. 1״ r!11; s U 1. i d fr fr-1 |,t x •0 : ( ׳ L;1' •. 1u *׳ :i*,!, .fr 'C׳ ‘ ׳ rJ?! . J yl v,v 11; t '״־ 1, l V* rV ',r '1;rX . (V $ ' Ij ■n 1 ,, X 1׳ י' וז¬ י b: fr 'ין' 111 'L, ־׳' 111 □ -!8 ,i 1 fr

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