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Jüdische Rundschau · 1923-08-13 · Heft 66-67 (13.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 66-67 (13.8.1923)
Date
1923-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Konto Nr. 156030k Für Tschcchoalowakei: Postaparkassenarat Prag, Konto Nr,594lO Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, — א׳א<ול" תרס״ג XXVIIL Jahzg. per Zionismus erstrebt filr das JUdlsxha Volk dlo Schäftung einer öffentlich - rechtlich ooslcharten HcImaUitt® in Palästina. ״Baseler ProgramM.» Vierte Sitzung. ' Mittwoch den 8. August, vormittags. Beginn der Sitzung 12 Uhr, Vorsitz Motxkln. Der Vorsitzende macht vor Beginn der Generaldebatte einte« Mitteilungen. Die Generaldebatte soll nach Paragraph 51, Absatz 2, des Organisntinnsstatuts geführt werden, wonach ■die Redner der Landsmannschaften und Fraktionen In der Reihenfolge ihrer Dclcgiertciiwahl zu Worte kommen sollen. Die General-Debatte. Da einige attfgerufene. Redner das Wort nicht ergreifen, kommt als erster namens der englischen Landsmannschaft Morris Mycr ztt Wort (Der Vorsitz geht auf Meierj Berlin über.) ■ ■״,. j ■ Morris Myer (jüdisch): -״•* •;:.ז*■'־ .״.״■,... | Ls muss die Legende beseitigt werden, 'dass die ciisüsehen Zionisten zu wenig geleistet haben. Wenn i man in Rücksicht zieht, dass in England, im ganzen : Imperium, bloss 250.000 Juden sind, dass wir England durch zehn Delegierte vertreten, das; wir in der Zeit י vom vorigen Kongress bis heute 38.000 Pfund für den j Keren Hajessod und 17.000 Pfund für den Nationalfonds beigetragen haben und uns an der Finanzierung der Gartenstadt Nordau an erster Steile beteiligt haben, so i kann man wohl behaupten, dass der Zionismus in England lebendig ist. i Wie ist der wahre Zustand in Palästina? Während 1 die Araber 72.000 Dunain verkauft, 22.000 gekauft haben, die übrigen Europäer 1600 verkauft und 800 gekauft 1 haben, haben wir Juden in einem Jahre, das noch dazu j ein schlechtes Jahr war, 74.000 Dunam gekauft und bloss : 1400 verkauft. Dies muss man allen denen entgegeni halten, welche unsere Arbeit herabsetzen und unser i Prestige schädigen. Das grösste Unglück ist, dass (unsere Bewegung auf Stimmungen beruht und nicht auf konstruktiven sozialen Formen. Letzteres zu erreichen ist unsere wichtigste Aufgabe, ■ Es ist noch die Frage, die Zuziehung der Nicht- Zionisten zur Palästinaarbeit, zu berühren. Die eng- ]!sehen nichtzionistischen Juden haben sich ln hervorratender Weise bereits an dieser Arbeit beteiligt Die i zwei grossen jüdischen nichtzlonlstischcn Korporationen Englands haben unsere Arbeit die ganze Zeit hindurch 1j moralisch unterstützt Es ist unsere Pflicht, mit allen Kräften diese Elemente an uns zu ziehen. Man hört ) sehr viel von Demokratie reden. Ich komme aus einem | Land, in dem Demokratie seit langer Zelt heimisch ist. | Die Prinzipien der Demokratie fordern, dass der Bel Schluss der Majorität für alle Gruppen und Fraktionen : bindend sein soll Das ist jenen zu erwidern, welche 5 im Namen der demokratischen Kontrolle die Beschlüsse | der Majorität nicht anerkennen wollen, i Palästina ist unsere Festung. Es ist im Interesse | des jüdischen Volkes, dass wir unserem Führer Weitzmann, der diese Festung für uns erobert hat, unter- י stützen. י י i r. I - »r. Arlosoroö (Httachdath, hebräisch):v ן Wir dürfen in der Generaldebatte keine Meetingsj reden halten, sondern müssen versuchen, einen Strich 1 ru ziehen, unter das, was seit dem letzten Kongress so- ■ sclichen ist, einen Rechenschaftsbericht zu geben über ' die letzten beiden Jahre. Es gibt wohl keinen unter uns, der imstande wäre, das ganze zionistische Denken, die!Wirklichkeit des Zionismus, den Zustand des Volkes und! des Landes und der Arbeit im Lande in klaren Worten j, zusammenzufassen. Und doch verlangt diese ernste f Stunde, die eine Stunde ist zwischen Aufbau und Zerjj Störung, gebieterisch von uns, dass wir einen solchen Versuch unternehmen. -j Die Signatur der letzten beiden Jahre Ist der Rück- | zug des Zionismus. Wir sind vielleicht bis zu einem Za- Stande der Liquidation gekommen; es war Ja za erwari La, dass nach dem Fortschritt der früheren Jahre ein ■ Rückschlag kommen müsse. Aber unsere gegenwärtige Lage ist schwer, ia tragisch. Das Allcrschllmmste aber Lt d!3 Stimmung der Liquidation die die Bewegung er*!rillen bat Zwei Aufgaben muss dieser Kongress erfüllen: Er '1 mtes diese Stimmung, diese Panik beseitigen, und er! muss Perspektiven für die Zukunft zeigen. Wir wollen; 5dien, welcher Zukunft wir entgegengchea und aus Reichen Quellen wir unsere Arbeit zu schöpfen haben, *fr Kongress hat versagt, wenn er uns diese perspek- Wen nicht gibt iWcitzmann onfl• üss&ctkla Haben gesagt, dass wir ״' ןcltcr gekommen, dass einige Steine zum Bau zugej *icliscn sind. Das kann uns nicht genügen. Ein all- ^meiner Stillstand in der zionistischen Arbeit ist ja 0״vorstellbar; er wäre völliger Vernichtung gleich«. Der grinse Fortschritt unserer Arbeit ist im Hinblick auf dio; ’^irklichüng des Zionismus völlig unzureichend. Eine Wfah von 1000 Menschen monatlich ist keine Verwirk- ״*uns des Zionismus,.Das ficfäfarMstqjst es, dass, cj Menschen unter uns' gibt welche Ihre Gedanken diesem Zustand anpassen und sich aus ihm eine Ideologie schaffcn. Wir müssen mit dem gegenwärtigen Augenblick rechnen: aber die Erkenntnis muss bleiben, dass wir diesen Zustand überwinden und zu Bedingungen gclangen müssen, die eine andere, AHjal! ermöglichen. In der Siedlungsarbcit sind in den letalen zwei Jahren bemerkenswerte Dinge geschehen, iiingewiesen sei auf die Moschnwc owdlm, die Emck-Kolonisation und auf wichtige Versuche Im Lande. Das Tempo aber ist viel za langsam. Den gleichen Rückzug, die gleiche Tendenz zur Liquidation sehen wir auf allen übrigen Gebieten der Arbeit, auch auf dein der Politik. Es ist vollkommen klar geworden, dass die unverrückbare Grundlage der zionistischen Politik dio konstruktive sozialökonomische Arbeit ln Palästina ist So lange diese Arbeit nicht weitergeht, müssen wir auf dio Fortschritte der Politik warten. Nur die klare Erkenntnis, dass dieser Zustand nicht bestehen darf, da sonst der Zionismus in Gefahr ist, kann uns weiter führen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen, uns nicht an passen, sondern müssen neue Perspektiven für die Zukunft suchen. Aber die Rettung aus diesem Zustande kommt niciit durcli irgendwelche organisatorische oder politische Konstruktionen und Pläne, nicht durch Schaffung neuer Organe, die von denen gebildet werden, welche seit 25 Jahren unsere natürlichen Gegner sind. Sic kann aus der eigensten Kraft der zionistischen Bcwegung, aus den jüdischen Massen, die unsere Arbeit leister,, nicht aus irgendeiner äusseren Quelle kommen; sie entspringt der Konzentration der Kräfte Im Zionismus selbst Eine Offenbarung dieser eigensten Kräfte des Zlonismus haben wir im Keren Hajessod zu erblicken. Es ist dies eine überaus wichtige Tatsache in unserem Leben. Ich will jetzt nicht kritisieren und den Mangel an Perspektiven in unserer Finanzpolitik vorwerfen. Es muss gesagt werden, dass im Vergleich mit der Finanzkraft des Zionismus vor dem Kriege der Keren Hajessod eine ungeheuere Kraft darstellt Doch ist der Masstab der Zeit vor dem Kriege unrichtig. Die Tatsache, dass man sich vorgenommen hat 25 Millionen Pfund ln fünf Jahren atifzijbringen, ist keine zufällige, sondern beruht auf einer genauen Rechnung. Diese Rechnung sagt uns, dass diese Summe das Minimum von Mitteln sei für die Arbeit der nächsten fünf Jahre. Wenn wir mm die tatsächlichen Hingänge des Keren Hajessod mit jener Summe vergleichen, so müssen wir aus schmerzvoller Erkenntnis heraus sagen, dass es viel zu wenig ist Die bisherige Methode der Sammlung hat sich nicht bewährt Wir müssen neue Wege und neue Methoden suchen. Es ist jetzt nicht der Ort, darzulegen, worin diese Methoden im einzelnen bestehen sollen. Aber gesagt muss werden, dass die jüdische Masse ungeheuere Opfer für den Keren Hajessod gebracht hat. Es ist eine unerhörte Erscheinung, dass ein so armes Volk so grosse Kapitalien aufbringt Nicht dio Reichen, sondern die Armen haben gegeben. Um einen neuen Plan zu entwerfen für dio Aufbrtngimg des Geldes, muss unsere Bewegung lebendig und die Exekutive stark sein. Leider hört die Bewegung auf zu fühlen, dass cs eine Exekutive gibt. -Wir haben keine ernste Leitung, die ihren Weg kennt, und das ln einer Zeit des allgemeinen Zusammenbruches, unter dem unsere Arbeit leidet. Wir brauchen eine Exekutive, die der Mittelpunkt der Energien ist, beseelt vom starken Willen der Arbeit Das grosse Opfer, das der Präsident der Organisation gebracht ״hat, wissen wir zu werten und werden es ihm nicht vergessen. In der Exekutive herrscht furchtbare Verwirrung. In 'der Praxis wie ln den Meinungen; dazu kommen persöniiehe Uustimmigkeitcn. Wenn der Zionismus seinen Weg weiter finden soll, muss in dieser schweren Zeit die Exekutive stark komogüa sein und wissen, was sie za tun hat ,־.,״ •■״ ׳■י•*'-׳״, ׳״־־׳ ־'־ן Dr. Goifflcb (Polen):■ - Die polnische Landsmannschaft hat mich beauftragt, in ihrem Namen in der Generaldebatte zu den Problemen Stellung za nehmen. Wir haben mit Unruhe einige Akte der englischen Regierung verfolgt welche als Attentate auf unsere Rechte kommentiert werden könnten. Wir glauben nicht dass dieses Attentat, das der grösste Pogrotn auf das jüdische Volk wäre, Tatsache werden wird. Wir glauben an die Vernunft, Grossmut und Korrektheit des englischen Volkes. .f Wir wissen ganz gut, dass wir Bisher r.lcht imstande waren, jene finanziellen Mittel zu schaffen, ■weiche nötig gewesen wären, um die Einwanderung im erforderlichen Masse zu unterstützen. Die jüdischen Massen haben nicht .ר"׳ reagiert, wie wir cs erwartet haben. Aber cs ,;war ar.ch un^re MuW!. iXir haben *u den Julep £b׳ redet, aber nicht mit den Juden. Wir haben Ideen tä ' die Massen geworfen, sie zur Arbeit aufgefordert, aber wir vermochten nicht ln ihre Herzen einzudringen. Wenn wir die Berichte, die aus Ercz Israel nach Polen gelangen, aufmerksam verfolgen, so erkennen wir, dass cs unserer Arbeit in Ercz Israel an Ratio fehlt. Wir sind viel zu sehr Irrationalsten und müssen mehr Sinn in unsere Arbeit bringen. Wir geben das Menschenmaterial, die Ideen, die Seelen, aber was uns fehlt, ist die Ratio. Die erwarten wir von den Personen, die sich nun an unserer Palästina-Arbeit mitixsteUigcn werden. Dies war mit ein Grund, dass wir auf der Landeskonferenz für dlo Erweiterung der Jcwish Agency ein getreten sind. Diejenigen, welche für diese Erweiterung der Jcwish Agency eingetreten sind, sind die Aktivisten unter uns, denn sie wollen Vcrgrösserung der Einwanderung und Steigerung unserer ganzen Palästina-Arbeit Wir haben im Zionismus eine ähnliche Stimmung bereits vor zwanzig Jahren erlebt als die Chowewe-Zion vor dem politischen Zionismus erschraken. Es ist unsere Pflicht dem Drang nach Expansion nachzugeben und ihr nicht den Weg zu verstellen Wir sind dies Palästina und den Chaiuzim schuldig, la deren Namen und auf deren Rücken wir unsere Politik im Golus gemacht und unsere Rechte im Golus geschützt haben. Wir haben nun unsere Schuld abzutragen. Wenn wir es nicht allein vermögen, so ist cs unsere Pflicht die jücflscho Welt zur Mitarbeit aufzu rufen. ז Rabbi Meter Borlin (Mfsrachf, Amerika, hebräisch):. Meine Vorredner haben die allgemeine läge geschildert, dio uns allen genügend bekannt ist Wir alle, ob' wir Parteigänger gewisser vorgcschlagener Reformen sind oder nicht haben das Gefühl, dass wir in der Zionistischen Organisation nicht genug Kraft haben, um unsere Arbeit weiterzuführen. Wenn Ussischkin gesagt hat, wir brauchen filr den Aufbau Menschen, Geld und Kultur, so hat er damit bei uns allen Zustimmung gefunden. Aber wir glauben, dass an erster Stelle die Kultur steht Die Kultur bringt uns Menschen, die Menschen bringen das Geld. Wenn wir beim Geld ahfangen wollen, so bekommen wir gar nichts. Wollen wir uns die stärksten Mittel für den Aufbau sichern, dann müssen wir aus jenen Quellen schöpfen, aus denen die Begeiste* rung, die Energie und Arbeitskraft hervorströmen. Es wurde hier viel von Amerika gesprochen' und erklärt, man habe ln den letzten Monaten viel Geld für י den Keren Hajessod dort gesammelt. Aber als Amcri- Iraner sage ich Ihnen: Zwar hat der Präsident der Organisatlon wirklich Grosses geleistet, aber die Gelder, die aufgebracht wurden, sind noch lange nicht das Maximum, sondern das Minimum. Während wir so viel über die Massen 'des Volkes sprechen, vergessen wir, wo die Quellen dieser Begeisterung zu suchen sind. Nur bei jenen Schichten, die durch viele Jahrhunderte alle Lasten des Judentums : getragen haben, die fest im Judentum' wurzeln, sie werden auch jetzt die Lasten des Aufbaues Palästinas tragen. (Beifall rechts.) Diese Schichten hätte unsere Leitung finden müssen, an den Orten, dio die jüdischen schlechthin sind, in den Synagogen, la den Schulen. (Beifall rechts.) Es geht hier nicht um eine theoretische Frage; jeder von uns hat seine Ansicht und Weltanschauung; über diese zu debattieren, haben wir jetzt keine Zeit Ich spreche lediglich von praktischen Gesichtspunkten und im Interesse der praktischen Arbeit Vor zwei Jahren hat der Misrachl hier einen Antrag gestellt der damals grosse Erregung hervorgerufen hat; man hat uns damals gesagt, man fasse keine Beschlüsse über heilige Dinge,' Auch wir haben das gewusst aber wir haben gemeint, dass dlo Sache von uns offiziell ausgesprochen und ver» brieft werden muss, für jene Kreise, die gewöhnt sind, auf das geschriebene Wort und Gesetz zu achten. Die Beschlüsse des Kongresses sind bindend auch für die Führer des Zionismus, aber den erwähnten Beschluss des vorigen Kongresses hat man nicht beachtet Man ist sich nicht bewusst gewesen, dass es hier um Dinge geht/ die gerade jenen Kreisen des Volkes, auf die es ankommV heilig sind. Man hat zugclnsscn, dass der Sabbath entweiht und das jüdische Gesetz Übertreten wurde, ohna zu bedenken, dass viele tausende Juden, die im Keren Hajessod mitarbeiten, dies nicht wollen und ihnen angesicht» dieser Zustände die Begeisterung fehlen muss, die za wirklichen Opfern führt So Ist es zu dieser: Situation gekommen, die wir jetzt haben. (Beifall rechts.) Ussischkin hat uns gesagt: ״Wenn Ihr wollt dass das religiöse Element im Leben Palästinas herrscht,’ dann bringet eben die religiösen Kreise herein, dass sie das Land aufbauen.“ Aber als dann unsere Chaiuzim, die■ Chaluzej Hamlsraobi, kamen, hat man ihnen überall nur־ Hindernisse Ijt den Weg gelegt. (Starker Beifall rechts, ■Widoispxücli Ms l&lJlea AdMsjflafMetu) kön-

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