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Jüdische Rundschau · 1923-08-09 · Heft 65 (9.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 65 (9.8.1923)
Date
1923-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Tiomkin, Dr, K 011 a n-B e r n s t e i n, Raw Da Jan, Dr. Josef Löwenherz. Die Beisitzer werden per Akklamation gewählt Als Schriftführer werden vorgeschlajen und per Akklamation gewählt: Dr. BrodetzkL, Dr. Rufeisen, El Rudnitzkl, Ing. Landau, Dr. Glücksohn, Neufeld, Färb. Präsident Sokolow verliest eine Erklärung der Kongressdelegierten der Fraktion Zcire-Zlon, dass diese Fraktion sieb an der Wahl des Präsidiums nicht beteiligt Präsident Sokolow : Am Vorabend unseres Kongresses ist die zivilisierte Welt von der Nachricht überrascht worden, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Harding, gcstorben Ist. Die ganze Welt beklagt den Tod dieses Mannes. Wir beteiligen uns an der allgemeinen Trauer : denn er war «ns ein treuer Freund. Am meisten sind unsere amerikanischen Gesinnungsgenossen dazu berufen, den Gebilden Ausdruck zu geben, von denen der Zionistische Kongress durchdrungen Ist ich erteile das Wort Herrn Morris Rottenberg. Nachruf für Harding. Morris Rottenberg (Vereinigte Staaten), englisch: Im Namen der amerikanischen Delegierten will ich liier nur einige Worte sprechen. Gemeinsam mit allen amerikan. Bürgern sind wir aufs heftigste erschüttert von der Nachricht über den Tod unseres Präsidenten. Als wir Amerika veriiessen, war Präsident Harding im Begriffe, eine Reise durch Amerika za machen, um die Unterstützung seines Landes für den internationalen Gerichtshof zu erzieka Die Nachricht von seinem Tode kam wie ein Blitzstrahl. Präsident Harding war ein selten guter Mensch, und er hatte die Zuneigung und Schätzung des ganzen amerikanischen Volkes gewonnen. Er war ein typischer Amerikaner, einfach, ehrenhaft, tolerant, flcissig, und besass ein grosses Ehrgefühl und einen unfehlbaren Verstand. Er wünschte die Wiederherstellung normaler Verhältnisse in der Welt berbeizuführen. Seine Laufbahn war eine Illustrierung der grossen Möglichkeiten des amerikanischen Lebens, von kleinen Anfängen nach einem harten Kampf kam er zu einem endlichen Erfolg. Präsident Harding war ein aufrichtiger Freund der zionistischen Sache. Er hat einen grossen Anteil daran, dass beide Häuser des Kongresses der Vereinigten Staaten einstimmig Resolutionen zu grasten der Errichtung der jüdischen nationalen Heim Stätte in Palästina annahmen. Kurz, nachdem er Präsident geworden war, empfing er eine Delegation der Zionistischen Organisation von Amerika, welcher er seine volle Uebereinstimmung mit unseren Zielen aussprach. Ich will llincn einen Brief verlesen, den Präsi dent Harding dem amerikanischen ״Keren Hajessod“ »m Beginn eines unserer letzten Drives sandte: Ich freue mich, Ihnen meine Zustimmung und herz Hebe Sympathie für die Arbeiten des Palästina-Gründungsfonds aaszadrücken zum Zwecke der Wiederherstellung Palästinas nls eine Heimstätte für das jüdischo Volk, ich habe Immer mit einem Interesse, das in gleichem Masse von praktischen Erwägungen und von gcfülilsmässigcr Sympathie ausgeht, die Idee der Wiederherstellung Palä stinas und die Wiedererrichtung einer wirklichen jüdischen Nation angesehen, und ich hoffe, dass die Anstrengungen, welche Jetzt ln diesem und in anderen Ländern in dieser Hinsicht gemacht werden, das grösste Muss ,von Erfolg haben mögen. Wir teilen die Trauer, in die unser Land so grausam unerwartet versetzt worden ist- Wir haben einen 6dien Präsidenten, die Menschheit hat einen wahren Freund verloren. Toton-Gcdonlcredo, ' Präsident Sokelow: Wir haben nun die traurige Pflicht, den Toten in unseren eigenen Reihen einige Worte der Erinnerung zu widmen. Es wurde sciion des Jemens gedacht, der leider unsere heurige Toteniistc ״önt, Dr. Max Nordau. Wir gedenken nun noch eines anderen alten Mitarbeiters, Dr. Alexander M a r 1110 ־ 'eks. Marmorek war bis zum Kriegsausbruch eine *live Kraft in der Zionistischen Organisation. Er war rter nicht nur eine treibende Kraft, er war auch eine wfirde unserer Bewegung, in deren Diensten er stand, |teu und gradlinig bis zum letzten Augenblick seines ™m*!,*bea elges J.uden, jpü hohem Idealismus bestrahlt, auf das wir mit Stolz emporNlckcn. Mamioreks Tätigkeit erstreckte sich weit über die Greozen des Landes hinaus, ln dem er lebte. Er befruchtete die ganze zionistische Tätigkeit, den Kongress-Zionismus, den Herzl-Zlonlsnuis, den Organisations-Zionismus in seinem ganzen Umfang. Von ihm darf man ohne Jede Uebcrtrcibung sagen, dass er ein Liebling seines Volkes war. Mit dem Ausbruch des Krieges begann die Tragödie seines Lebens. Er musste den Boden verlassen, auf dem er so segensreich für die Menschheit gewirkt hatte; seit damals irrte er in der Welt herum. Tragisch war die letzte Anstrengung dor Wiederherstellung seiner Posltion. Daran erlahmte seine Kraft, und es kam das traurige Ende, von dem wir Jetzt noch so erschüttert sind. Alexander Marmorek wird einer der teuersten Namen bleiben in der Geschichte des Zionismus und des jüdischen Volkes. Einen treuen Mitarbeiter haben wir auf Jenem Ar־■ bcitsgcbict verloren, das in den letzten Jahren so wichtig geworden ist, in Amerika: Peter Schweitzer. Wie ein Meteor war er uns aufgegangen: er war nur kurze Zeit in unseren Reihen gestanden, und doch ist sein Tod ein unersetzlicher Verlust für uns geworden. Er war ein praktischer Mensch, ein geschäftskundiger Mensch; und doch stellte er sich in den Dienst unserer Idee mit dem Enthusiasmus eines jungen Studenten und stellte alles, was er hatte, seine Zeit, sein Vermögen, seine Er- Salirung in den Dienst unserer Sache. Er hat die letzten Jahre seiner Tätigkeit ganz uns gewidmet. Es war die ganze Familie, das ganze Haus Schweitzer, das ein strahlendes und erwärmendes Zentrum für nnscre Bewegung in Amerika geworden ist Dieser Mann ist uns entrissen worden. Wir werden seines Namens stets mit jener Liebe gedenken, mit der er uns so reichlich be schenkt hat (Hebräisch fortfahrend): Ein anderer grosser Toter, E 1 i e s e r b e n J e h u d a, erstrebte ein Ziel, das nicht seinesgleichen hat: das Wiederaufleben der hebräischen Sprache, unseres teuersten und heiligsten Gutes. Wie kein anderer Mensch hat er mit eherner Konsequenz für dieses Ziel carbeitet, von dem ersten hebräischen Aufsatz an, den er vor vierzig Jahren schrieb, bis zu seinem Tode. Sein Leben war ein vollkommenes und geschlossenes; e i ת Ideal hat cs erfüllt. Die Sache, tim die es ihm ging, ist nicht allein eine literarische, sondern eine politische, eine Sache des Lebens. Vor seinem Tode wurde ihm das Glück zuteil, dass die hebräische Sprache als offizielle Sprache in Palästina anerkannt wurde. Wir gedenken dieses Mannes und seines Lebens mit stolzer Trauer. (Deutsch fortfahrend): Ich muss auch des Todes eines treuen Dichters gedenken, der mit den grossen Früchten seines Talentes uns so reich beschenkt hat: Morris Roscnfcld. Er hat cs verstanden,1 trotz seiner Bescheidenheit, trotz der Abgeschlossenheit seines Gebietes auf die ganze Welt zu wirken durch die überlegene Kraft seines Talentes. Sokolow gedenkt ferner der übrigen Toten, die der Bewegung seit der Jalircskonfcrenz entrissen wurden. Bericht des Kongrcssgcrlchtcs. H Senator Dr. Ringel (Polen) trügt namens des Kongressgcriclites die Entscheidungen vor, die dieses als Walilgerichtshof auf Grund des § 30 des Organisationssta lutes gotällt hat. Er setzt die Prinzipien auseinander, von denen sich das Kougrcssgcricht bei den Entscheidungen hat leiten lassen, um den besonderen Verhältnissen in manchen Ländern gerecht zu werden. Die F.rgcbnissc dieser Entscheidungen sind folgende: Landesverbände: Amerika II, Argentinien 2, Oesterreich 13, Bessarabicn 2, Brasilien I, Bukowina 3, Bulgarien 3, Kanada 6, Chile 1, Tschechoslowakei 4, Danzig 1, Aegypten 1, England 7, Hsthland 1, Frankreich 1. Ostgalizlcn II, Westgalizicn 7, Deutschland (Landesverband mit Ilithachduth) 13, Russischer Mcrkas in Deutschland 1, Griechenland 2. Holland 1, Italien 1, Jngosiavicn 3, Lettland 2, Litauen (Kowno) 3, Litauen (Wilna) 3, Mcssopotamien 1, Palästina 2, Polen 39, Rumänien 8, Sibirien, Shanghai, Sldncy, Attckland 1. Südafrika 6, Transyl vanien 5, Melbourne ], Persien 1. Zusammen 168. Dazu vom Order of Ancicnt Maccabean 3. lin ganzen 171 von den Landesverbünden gewühlte und anerkannte Mandate. Sondcrvcrhüudc: Misrachl: Amerika 2, Oesterreich 4, Belgien und Holland 1, Bessarabicn, Bukowina 1, Tschecho- Slowakei 1, England 1, Ostgalizlcn 6, Deutschland 3, Griechenland 1, Ungarn 1, Lettland 1, Litauen (Kowno) 1, Litauen (Wilna) 2, Palästina 2, Polen 43. Misrachl zusammen 70. — Poalc Zion: Oesterreich 1, Bukowina 1, Deutschland 1 Palästina 2, Polen 4. Poalo Zion zusanimon 9. — Hlthnch■ d u 111: Oesterreich!, Bukowina, Bessarabicn 1. Ostgalizlcn 11, Lettland 1. Litauen (Kowno) 2, Palästina 2, Polen, West׳ galizicn und Wilna 14, Amerika, Argentinien, Belgien, Tschcchoslowakci 1. Ittthachduth zusammen 33. — Soz. Zoire Zion: Deutschland 1, Litauen (Kowno) 2, Litauen (Wilna) 3, Polen 3. Soz. Zelro Zion zusammen 9. Zunammengefasst: Alle gewühlten Delegierten 292, dazu kommen Virilstimincn 42, hu c&uzfcu stimmt^ edütisto Mit׳ glieder des Kongresses 334. Da* Kongrcsrgcrlcht war gezwungen, folgende Mandat• za annullieren: Polen, Zdro Zion 1, Polen, Hlthacidutii 1, Bessarabicn, Ilithachduth 1, Polen, Mlsracli 2. Litauen, Kowno, Misrachl 1, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden 1, Amerika 1, im ganzen 8 Mandata. Von der Ansicht ausgehend, dass steh das Wahfreglement durch die Spezialpraxis weiter entwickeln muss, bat das Kongrcssgcrtcht eine Reihe von Judikaten gefällt, weiche, falls der Kongress derselben Meinung ist, als Präjudizien für dlo Zukunft zu gelten hätten. Dr, Ringel referiert hierauf eine Anzahl derartiger Eut- Scheidungen des Kongressgcrichtcs. Präsident Sokolow erklärt, dass der Kongress die Entscheidungen des Kongrcssgcrlchtcs bezüglich der erfolgten Wahlen und deren Anerkennung zur Kenntnis nimmt Die Jcdlkate dos Kongrcssgcrlchtcs werden dem Organisationsausschuss als Anregungen übergeben. Eine Abstimmung ist gemäss der Geschäftsordnung nicht vorzunehmen. Der Präsident beglückwünscht das Kongressgerlcht zu der soleisteten Arbeit Gedenkrodc für Alexander Marmorek. Jean Fischer (Antwerpen): Geehrter Kongress 1 Wir fohlen heute über uns den Schatten, den Schutz zweier grosser Toten. Unseren Meister Nordau hat gestern Abend bereits mein Freund Cowcn in gross angelegter Gedächtnisrede gewürdigt Unser Präsident, Herr Sokolow, hat in treffenden Worten Alexander Marmorek geschildert Seine Worte kamen aus dem Herzen und gingen uns allen zu Herzen. Wenn ich Sie dennoch bitte, mir noch einige Worte der Trauer zu gestatten, so geschieht es nur, weil ich zu , den beiden Toten in besonders engem freundschaftlichcm Verhältnis gestanden habe. Ueber die machtvolle Erscheinung Nordaus will ich nicht mehr sprechen. Der tote Nordau wird uns stets eine lebendige Macht bleiben. Nur über unseren grossen, lieben Marmorek will ich einige Worte sagen. Alexander Marmorek war eine sehr komplizierte Natur. Gleich Herzl und Nordau war er bereits vor seinem Eintritt in die zionistische Bcwcgung ein Mann von Weltruf, von erstem Wissenschaftlichcm Rang. Sein Kampf um seine medizinischen EntdcckuDgcn übersteigt die Grenze des Gewöhnlichen; es war ein heroischer Kampf, den er, ungeheueren Schwierigkeiten zum Trotz, durcligcführt hat Sein Wirken in der Medizin ist auch nicht mit seinem Tode zu Ende. Er war nicht bloss einer der bedeutendsten Bakteriologen unserer Zeit, er war auch ein sehr grosser Arzt Während des Krieges stand Marmorek in Ungarn an der Spitze eines Spitals für Infektionskrankheiten, Tausenden von Menschen aller Nationen hat er das Leben gerettet oder die Leiden gelindert. Ein tragisches Geschick 1at ihn, der so erfolgreich Krankheit und Tod bekämpft batte, in der Vollkraft seines Lebens hinweggerafft Marmorek war eine Ausnalunsnatur, ein gottbegnadeter, flammender Geist Seine Herzensgute, seine Opferfreudigkeit und selbstlose Freundschaft suchen ihresgleichen. Er war ein lauterer, ganzer Charakter, ohne Riss, hart wie Stahl, unbeugsam bis zur Starrheit und zugleich von seltener Wärme und Weichheit und einem beinahe kindlichen Gemüt Sein inniges Freundschafts- Verhältnis zu Nordau •war so rührend, dass man es mit dem Verhältnis zwischen Jonathan und David vergleichen kann. Er hatte viele ergebene Freunde, aber, er hatte auch viele Gegner. Ich will am offenen Grabe keine Wunden aufreissen, aber es wäre ein falsches Bild von seinem Leben, wenn man diese Tatsache verschweigen wollte. Seine impulsive Art brachte ihm viele Gegnerschaften eia. Aber auch er konnte ein scharfer Gegner sein. Er hat viel geliebt, aber er konnte auch besonders aggressiv sein. Sie kennen seinen Kampf im Zionismus, sein unentwegtes Festhalten an den Herzlschcn Theorien, seine Auffassung, dass man an diesen Grundfesten nicht rütteln dürfe, ohne das ganze Gebäude ins Wanken zu bringen. Marmorek war der Typus der jüdischen Charakterfestigkeit die uns durch Jahrtausende erhalten hat Es ist schwer, von einem solchen Freunde zu scheiden, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass er tot ist Mit Schmerz und Anhänglichkeit werden seine Anhänger und Freunde dieses Mannes gedenken. Wir sind ärmer geworden. Nur das Bewusstsein, dass unser Volk solche Söhne hervorbringt, ist uns ein Trost, ein schwacher Trost für uns Nähcrstchende. Die Erinnerung an Alexander Marmorcks Gestalt wird ein Leitstern der Hoffnung bleiben. für alle unsere kommenden Generationen. Kongress-Sekretär Dr. Löwenstein macht mehrere ge־, schädliche Mitteilungen und verliest die Liste der zahlreichen olngolau Jenen OegrüssungstclcKramme von Organisationen und Einzelpersonen. Mcremlnsky schlägt namens der Zcire-Zlon vor, dass dlo Rcicrato ln hebräischer oder Jidlsclier Sprache gehaltea worden. Hierauf erteilt der Vorsitzende, Präsident Sokolow, das Wort dein Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive ln Pa-, lästlna, Herrn Usslschkin, zu seinem Bericht über die vLAibci* in Palästina,

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